Die Zahl Drei

die Zahl Drei

Die Zahl Drei ist ebenfalls eine magische Zahl, die ich besprechen will. Wir finden die Zahl Drei in so vielen Zusammenhängen, als symbolträchtig, wunderwirksam, metaphorisch.

Man denke nur an die vielen Zitate, Märchen, oder Literatur, Wissenschaft, in denen die Zahl Drei eine wichtige Rolle übernimmt: drei Wünsche hast du frei, Drei Schwestern, dreidimensionaler Raum …

Als Beispiel für einen in der Literatur gebräuchlichen Dreisatz folgendes Zitat:

Es sind drei Kronen: des Richters, des Priesters, des Königs, aber die Krone eines guten Namens ist höher als alle.
Talmud

Oder man denke an die Dreiheit der Zeit: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die ihre Personifizierung wiederum in diversen Göttern findet. Wie z.B. den germanischen Schicksalsgöttinen, den Nornen .. Urd (Vergangenheit), Werdandi (Gegenwart) und Skuld (Zukunft).

Vision des Ouspensky: die Zahl Drei

Weiterlesen: Artikel Die Zahl Zwei

Wie schon in den Betrachtungen zur Zahl Zwei besprochen, hat P.D. Ouspensky in psychoanalytischen Selbstversuchen Visionen einer Welt entwickelt, deren (geistige) Grundprinzipien nichts mit den materiellen Anordnungen zu tun haben, die wir gemeinhin als unser Außen begreifen. Aus spriealistischer Sicht handelt es sich um Variationen der hermetischen Prinzipien. Oder als Variation der Hegelschen Dialektik, in der sich aus These und Antithese die Synthese ergibt.

Zum Verständnis …

Die nachstehenden Erörterungen werden für den Lesenden vielleicht wenig Sinn machen, wenn er nicht Folgendes bedenkt:

Es ist das grundlegende spirealistische Verständnis, das auf diesem Blog besprochen wird, dass die Welten geistiger Natur sind. Die Materie im Außen zu beobachten bringt in diesem Zusammenhang wenig, da die eigentliche Quelle aller Natur, allen Begreifens, Geist ist.

Das,  was wir als unser tägliches Bild des Außen sehen, ist daher wie ein Schatten an der Wand einer Höhle. Siehe auch Höhlengleichnis von Plato: Artikel Martin Eden – die negative Seite der Erkenntnis

Das Eigentliche, das sich dem täglichen Blick verbirgt, ist die Kraft hinter den Erscheinungen – darum ging es auch Ouspensky. Ouspensky machte sich explizit auf die „Suche nach dem Rätselhaften“. Die Sichtweise auf die Dinge, diese enthielten Rätselhaftes, ist etwas, das sich erfahrungsgemäß dem Materialisten nicht erschließt. Es beginnt mit der Zahl Eins … der Suche nach dem Objektiven, der Suche nach dem Ding „an sich“ (Kant), etc..

Aus spirealisticher Sicht ist die Welt immer ein Gedanke an eine Welt – man kann also abseits von Vorstellungen ohnehin keine Welt „vor sich sehen“. Letztlich trifft das auf die wissenschaftliche Vorstellungswelt ebenso zu wie auf die spirituelle. Die Unbegreiflichkeit dessen aus materialistischer Sicht macht die klare Bildsprache z.B. eines Ouspensky so wertvoll, ohne die klare mathematische Sprache z.B. eines Einstein damit zu schmälern.

Ähnliches Thema: Artikel Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität

Fundamentale Rolle der Zahl Drei

A new model of the universe
Die Zahl Drei spielte eine sehr wichtige Rolle in der Welt, die ich fand. In einer unserer Mathematik unzugänglichen Weise durchdrang sie alle Relationen zwischen den Größen, erschuf sie und entsprang ihnen. Alles zusammen, das gesamte Universum also, erschien manchmal in der Form einer Triade, die ein Ganzes ergibt, und aussieht wie ein riesiges Dreiblatt. Und jedes Element der Triade wurde durch einen innerlichen Prozess wiederum in eine Triade gewandelt, und dieser Vorgang setzte sich fort, bis alles voller Triaden war, die sich in Musik, oder Licht, oder Muster wandelten.

The number ” three ” played a very important part in the world in which I found myself. In a way quite incomprehensible to our mathematics it entered into all the relations of magnitudes, created them and originated from them. All taken together, that is, the entire universe, sometimes appeared in the form of a ” triad “, composing one whole, and looking like some great trefoil. Each part of the ” triad “, by some inner process, was again transformed into a ” triad “, and this process continued until all was filled with ” triads “, which were transformed into music, or light, or designs.Read more at location 6020 • Delete this highlight

Die Zahl Drei – das Welten-erschaffende Element

Die ewig bleibende Konstellation des Unterschiedes, der die Welten antreibt, stellt sich uns als ein Widerspruch zweier Elemente dar. Diese beiden Elemente sind symbolhaft gezeichnet als die Zahl Eins (das Eine) und die daraus folgende Zahl Zwei (das Andere/das, was nicht Eins ist).

Der Prozess des Entstehens von Welt benötigt nun das daraus Resultierende, das Dritte, repräsentiert durch die Zahl Drei. Anders ausgedrückt: aus These und Antithese resultiert die Synthese. Die Synthese ist weder identisch mit der These, noch der Antithese – sie ist etwas Drittes, etwas Neues.

Man sehe sich beispielsweise einen politischen Prozess an. Aus dem Widerstreit der Parteien zu einem bestimmten politischen Thema resultiert nie der ganz klare Sieg nur einer Seite. Sondern was resultiert, ist die Verbindung der beiden strittigen Seiten zu etwas Drittem.

Oder man sehe diesen Prozess bei sich selbst. Aus dem Widerstreit der innerlichen Ideen resultiert schließlich ein Handeln, das etwas Drittes in die Welt bringt. Es ist niemals die genaue Umsetzung einer Idee, sondern es ist das Element der eigentlichen Schöpfung, anders zu sein, neu zu sein, nie genau etwas Vorhandenes zu sein. Kreative Menschen beobachten diesen Prozess genau, und wissen, dass das Kreative immer das Unvorhersagbare enthält – kreative Menschen suchen das geradezu.

Ähnliches Thema: Artikel Die Magie der Sprache

In ordinary life we think by thesis and antithesis; always and everywhere there is ” yes ” or ” no “, ” no ” or ” yes “. In thinking differently, in thinking in a new way, in thinking by means of signs of things, I came to understand the fundamental errors of our mental process. In reality, everywhere and in every case there were not two but three elements. There were not only ” yes ” and ” no “, but ” yes “, ” no ” and something else besides. And it was precisely the nature of this ” third ” element, inaccessible to the understanding, which made all ordinary reasonings unsuitable and demanded a change in the basic method. I saw that the solution of all problems always came from a third, unknown, element, that is to say, it came from a third and unknown side, and that without this third element it was impossible to arrive at a right solution.

Im normalen Leben denken wir in den Begriffen von These und Antithese; immer und überall ist da dieses “ja” oder “nein”, “nein” oder “ja”. Indem ich davon abwich, indem ich davon verschieden dachte, indem ich symbolhaft dachte, verstand ich die fundamentalen Fehler unseres mentalen Prozesses (Denkens). In der Realität, überall und in jedem Fall, gab es nicht zwei, sondern drei Elemente. Es gab nicht nur „ja“ und „nein“, sondern „ja“, „nein“, und noch etwas weiteres dazu. Und es war ebendie Natur dieses „dritten“ Elementes, dem Verstand unzugänglich seiend, das alle normalen Überlegungen unpassend machte und eine Änderung der fundamentalen Methode erforderte.

Ich sah, dass die Lösung aller Probleme immer ausging von einem dritten, unbekannten Element, oder besser, es kam von einer dritten, unbekannten Seite, und dass es ohne dieses dritte Element nicht gelingen konnte, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Trinität – die Dreifaltigkeit

Gott ist dreifach von Person und doch einfach von Natur. Gott ist auch an allen Orten, und an jedem Ort ist Gott ganz. Das will so viel sagen, daß alle Orte ein Ort Gottes sind.
Meister Eckhart

Die Zahl Drei hat in spirituellen Denkweisen eine sehr große Bedeutung – man denke nur an die Dreifaltigkeit, die Trinität, die Dreifachheit Gottes – als der Vater (Gott), der Sohn (Jesus) und der heilige Geist.

Über die Interpretation dieser Trinität hat sich schon so mancher Gedanken gemacht. Worin liegt ihre Logik? Worin liegt die Notwendigkeit einer solchen Dreifachheit? Hätte es nicht gereicht, nur von Gott zu sprechen?

Ich denke, auch in der Trinität kommt eben wieder dieses alles antreibende Element zum Ausdruck. Das Dritte – die Zahl Drei. Gott selbst, und sein Wesen, erschaffen die Antithese – Jesus. Jesus ist nicht, wie das Wort Antithese gemeinhin verstanden wird, ein völliger Gegensatz zu Gott, vielmehr ist er eine Gleichheit (EINHEIT und Kampf der Gegensätze). Doch sein Schicksal entwickelt sich auch aus einer seinem Vater gegenüber gegensätzlichen Position. Er muss sein leidvolles Schicksal auf sich nehmen, und darf sich dessen nicht entheben. Erst daraus ergibt sich das Neue – repräsentiert auch durch den heiligen Geist, der in allem ist, und dessen Wirken wir erst durch das Wahrnehmen der Gegensätze spüren. Es ist uns nur gegeben die Dinge zu sehen, das Einzelne – das eine und das andere. Das Dritte kommt durch uns selbst in die Welt, denn wir sind (spirealistisch gesehen) nicht die Beobachter der Schöpfung, sondern ihre Elemente.

These Antithese Synthese

Diese Verbindung der Gegensätze in Einem – das ist auch das Grundverständnis der Dialektik (übrigens auch der Yin-Yang-Beziehung), eines geistigen Welt-Prinzips, aus dem sich in der Verbindung gegensätzlicher Positionen das Neue ergibt. Das Wichtige an diesem Gedanken ist die Verbindung. Anders ausgedrückt: Gegensätze, die nicht miteinander verbunden sind, erschaffen nicht. Die Zahl Drei als das Resultierende kann nur aus dem Zusammenwirken von Gegensätzen entstehen. Ohne Eins und Zwei keine Drei.

 

Nebenbemerkung: In der spirealistischen Sichtweise ist alles mit allem verbunden, etwas Einzelnes im eigentlichen Sinn kann es nicht geben. Daher ist, wenn man einmal diesen spirealistischen Grund-Gedanken verinnerlicht hat, die Sichtweise auf das Einzelne, die einem so oft in der materialistischen Weltanschauung begegnet, recht merkwürdig. Vielmehr wird die Sicht auf das Einzelne transformiert zu einem Bewusstsein für die Tatsache, das jedes Ding vielfältig und symbolhaft in seinem Wesen ist.

Doch ist es nun einmal so, dass es dem Menschen nur gegeben ist, das Einzelne wahrzunehmen, in einem Gedanken … repräsentiert durch die Dinge, oder durch die Zahl Eins. Die uns manchmal paradoxe Verbindung zu etwas Drittem, das in allem ist, aufzudecken, ist der Kunst vorbehalten, in ihren Ahnungen und Visionen.
Weiterlesen: Artikel Die Zahl Drei

Siehe auch: Antithese – nicht völlig gegensätzlich

 

Die Zahl Drei was last modified: Mai 28th, 2016 by Henrik Geyer