Wie denken spirituelle Menschen?

Spirituelle Menschen - Welten jenseits dieser Welt

Wie denken spirituelle Menschen, bzw. wie müssen spirituelle Menschen denken? Und … gibt es ein richtiges spirituelles Denken und ein falsches?

In der spirituellen Szene herrscht nicht etwa Meinungsfreiheit, sondern natürlich wird auch um den „rechten Glauben“, um den richtigen Weg, gestritten.  Woher kommt das, und was ist richtig?

Bestandsaufnahme

Spirituelle Menschen operieren häufig mit den Worten transzendent, metaphysisch, das Ich überwinden, sich befreien, sich leer machen etc..

Gemeint ist damit die Erfahrung, dass hinter „der Welt“ eine verborgene Welt liegt, die mit der Sichtweise des materialistischen Denkens nicht erfahrbar ist. Was wiederum meint, dass die Dinge, wie sie sich uns darstellen, eine geheimnisvolle Quelle und Ursache haben, und wohl noch fundamentaleren Regeln (Prinzipien) unterliegen, als sie sich in Form von Naturgesetzen ausdrücken lassen.

Viele spirituelle Menschen haben sich heute und in der Vergangenheit auf die Suche nach dem Geheimnisvollen begeben und drangen in immer neue geistige Welten vor. Man denke z.B. an Ouspenksy und seine „Suche nach dem Wunderbaren“.

Das Geheimnisvolle, das verborgene Wissen – es erschließt sich nicht, zumindest nicht jedem. Daher gibt es Lehrmeister des Spirituellen, auch Gurus genannt, die ihre Schüler in die Geheimlehren einweihen. Die Geheimlehren  wiederum sind so mannigfach wie die Worte, die sich für das Geheimnisvolle finden lassen. So, wie die „Welt der zehntausend Namen“ eben aus Namen (Worten) besteht, bestehen auch die spirituellen Welten, sofern sie mündlich weitergegeben werden, aus Worten. Und daher sind auch die spirituellen Wege letztlich mannigfach.

Wie müssen spirituelle Menschen denken?

Doch auch spirituelle Menschen verfallen immer wieder (und auch das ist eigentlich völlig logisch) in den Streit über das wahre Wesen des Geheimnisvollen.

Sie wollen in Worten benennen, was nicht benennbar ist. Denn das wahre Wesen und die Quelle der Welt ist, so sieht es der Buddhismus, das Nirvana, das Unendliche (welches zugleich das Nichts ist) …  Leere. Eine Leere, die mit irgendeiner Vorstellung von Leere nichts zu tun hat, und deren Wesen, übersetzt in die Begriffe dieser Welt, schlicht Schweigen wäre. Nichtdenken.

Doch wie will man Menschen Nichtdenken in das Bewusstsein bringen, wo doch Bewusstheit und Denken nicht zu trennen sind? So gesehen ist vielen, die sich als spirituell begreifen, die ganze Spiritualität eigentlich rätselhaft. Sie bewerfen sich gegenseitig mit Worten, die nicht ausdrücken können, was sie sollen, und die selbst wieder nur Teil der „Welt der zehntausend Worte“ sind – die man doch so gerne verlassen möchte!

Streit um das Spirituelle

So gesehen muss man die Streitereien um das Spirituelle eigentlich als einen Teil der materialistischen Sichtweise sehen – das Festhalten an den Begriffen und Namen. Oft wird dieser Streit sehr erbittert und voller Unlogik geführt, und von besonderer Spiritualität ist eigentlich nichts zu spüren.

Was kennzeichnet das Denken spiritueller Menschen?

Kann man dennoch eine Aussage treffen, was das Wesen des Denkens spiritueller Menschen wäre? Hierzu eine Meinung:

  • Spiritualität verstanden als Geistigkeit ist mit Überlegung und Grübeln verbunden, keineswegs aber mit platten Antworten und Dummheit.
  • es ist eine Suche in sich selbst, denn das Denken des Anderen, des Nächsten, vermittelt sich auf eine höchst unvollkommene Weise, über Worte
  • spirituelle Menschen sind sich der Tatsache bewusst,  dass das Benennen und Bewerten der Dinge einerseits eine Notwendigkeit dieser Welt ist, andererseits eine Begrenzung. Sie versuchen sich daher frei und leer zu machen, von Werturteilen, von zu viel Sprechen etc. – nicht umsonst ist eine wichtige spirituelle Praxis das Schweigen.
  • ich persönlich meine, dass spirituelle Menschen vielfach in Metaphern denken, symbolhaft sozusagen. Und zwar deshalb, weil das Bewusstsein, dass die Welt geistiger Natur ist, auch bedeutet, dass wir sie im Geist formen können. Wir tun das durch gedankliche Verbindungen – man könnte auch sagen durch Kombinieren, oder durch Phantasie. Wir schaffen geistige Verbindungen, wo vorher keine waren; und wo wir Worte finden für etwas, da entsteht unsere persönliche Realität.
  • Ich sprach von der nicht erreichbaren Leere. Man kann sie nicht erreichen, aber man kann sich ihr ein wenig nähern. Und, indem man sich ihr nähert, versteht man wohl erst, was das meint … Leere. Wie Leere die Quelle der Welt sein kann, und wie die Dinge formbar werden, durch Schweigen und durch Verzicht.

 

Insofern sind sich spirituelle Menschen, soweit man sie wirklich spirituell nennen darf, sich doch zumindest der Relativität der Worte bewusst. Der erbitterte Streit um den richtigen Weg, der Kampf in welcher Form er auch immer auftritt (man denke an Glaubenskriege), ist doch eher dem materialistischen Denken zuzurechnen.

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Wie denken spirituelle Menschen? was last modified: September 14th, 2016 by Henrik Geyer