Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei?

Phantasie & Einstein - Einstein/Münchhausen - Ritt auf der Photonen-Kugel. Was ist Phantasie? Was ist Inspiration?

Phantasie, landläufig verstanden, ist …

… das „Nicht-Wirkliche“. Das, was nur im Kopf existiert. Mit „Phantasie“ ist gleichzeitig die Fähigkeit gemeint, etwas nicht Existierendes im Kopf entstehen zu lassen, oder sich etwas Existierendes, das man aber nicht vor Augen  hat, vorzustellen. Phantasie kommt lt. Wikipedia von altgriechisch φαντασία phantasía – „Erscheinung“, „Vorstellung“, „Traumgesicht“, „Gespenst“

Wozu ist Phantasie gut?

Ist Phantasie nur wichtig für die Autoren von Penny-Romanen, für Spiele-Entwickler und sonstige Arbeiter der Unterhaltungsindustrie, während die ernsthafte Forschung sich nicht um Phantasie schert, weil es für sie ausschließlich um das Arbeiten mit Fakten, mit richtigen Prognosen, Statistik etc., geht?

Nein. Ein vielsagendes Beispiel mögen die Überlegungen Albert Einsteins zu dessen Relativitätstheorie sein. Seine Relativitätstheorie kam nach Einsteins Worten durch recht ungewöhnliche und phantasievolle Überlegungen zu Stande – etwa der Art: Einstein stellte sich vor, selbst auf einem Lichtteilchen, einem Photon, zu reiten. Und er fragte sich, wie ihm die ihn umgebende Welt dann vorkommen müsse. Beispielsweise stellte er sich vor, auf diesem Photon reitend, eine Taschenlampe, die er in Flugrichtung hielte, einzuschalten. Wie würde er die Photonen, die der Taschenlampe entströmen, sehen? Würden sie wie fest gefroren im Raum hängen?

Einstein sagte „nein“. Sie würden sich wiederum mit Lichtgeschwindigkeit entfernen. Dies würde er sehen. Würde sich also die Lichtgeschwindigkeit, mit der Einstein sich bereits bewegte, zu der Lichtgeschwindigkeit der Photonen aus der Taschenlampe addieren? Doppelte Lichtgeschwindigkeit der Taschenlampen-Photonen also?

Wieder nein. Die Lichtgeschwindigkeit sah Einstein als konstant an. Was sich beugen müsse, sei die Zeit. Dies ist der Grundgedanke der Relativitätstheorie.

Man sieht also, wie sehr wir auf die Phantasie angewiesen sind, und zwar in Wissenschaft und Forschung ebenso, wie in jedem Bereich unseres Lebens.

Was ist Phantasie im Gegensatz zu Wirklichkeit?

Es geht auf diesem Blog natürlich auch um die ewig junge Frage, was das Reale im Gegensatz zu Phantasie und Ausgedachtem ist.

Nach spirealistischer Auffassung ist eine Phantasie ein Stück unserer Wirklichkeit, und zwar im Moment des Entstehens. Die Gedanken selbst sind die Quelle der Existenz und haben Realität. Mithin hat, was immer sich die Phantasie erdenkt, für uns auch eine Realität. Im materialistischen Sinn würde man sagen: Eine beginnende Realität. Jedenfalls: in dem Maß, wie wir Möglichkeiten erdenken, erdenken wir ein Stück weit unsere Welt.

Und – was immer wir im Jetzt als Möglichkeit oder als Prognose oder als Szenario im Kopf entwickeln, werden wir später, in der dann so genannten  eingetretenen Realität, wiedererkennen. Was sonst könnten wir wieder-erkennen, wenn nicht etwas, das bereits gedacht wurde?

Umgekehrt: ohne unsere Phantasien im Jetzt gäbe es im Jetzt der Zukunft nicht den Eindruck, man hätte das (zukünftige) Jetzt geplant und vorgedacht. Ob eine Phantasie im Jetzt eine Realität der Zukunft wird, lässt sich nicht im Jetzt sagen.

Utopien sind oft nur vorzeitige Wahrheiten. (Alphonse de Lamartine)

Statistik als eine Form von Phantasie – Wir formen die Zukunft mit Phantasie

Phantasie formt unsere Zukunft. Statistik bezeichnet die Häufigkeit des Eintretens von Ereignissen (in der Zukunft), die wir benennen. Als eine beginnende Form der Wahrheit definiert sie den Wahr-Schein. Die Wahrscheinlichkeit. Die Wahrscheinlichkeit (in Form der statistischer Berechnungen beispielsweise) ist uns selbst eine Wahrheit und scheint mit Zufall, als dem Nicht-Vorhersagbaren, schon gar nichts mehr zu tun zu haben.

Wer nun glaubt, Statistik sei eine exakte Wissenschaft, ganz ohne Phantasie, dem sei folgendes Beispiel ans Herz gelegt. Wer kennt nicht den verblüffenden Effekt, dass wir Ereignisse benennen, und bereits durch das Benennen erhält etwas ganz Unglaubhaftes Existenz und Wahrscheinlichkeit?

siehe Artikel Gott würfelt nicht

Man denke an den Effekt, wenn man ein Sterberisiko in einen statistischen Zusammenhang mit dem Essen von Quarktaschen bringt. Ist es nicht wahrscheinlich, irgendeine Art von Korrelation zu finden? Nur durch Benennen? Und nun frage man sich: Was ist „wirklich“? – und was ist „nur  ausgedacht“? Formen wir unsere Zukunft.. in Gedanken? Wer kann hier „nein“ sagen?

Die menschlichen Begriffe, die menschlichen Wahrheiten, formen dessen Existenz – es gibt sie außerhalb des Menschen nicht. Die menschliche Vorstellung von Existenz – als außerhalb und unabhängig von ihm – ist hingegen nirgendwo nachweisbar. Das ist eine der Grundaussagen des von mir vertretenen Spirealismus. Und so ist auch das gängige Prognoseverfahren der Statistik abhängig von unserem spezifischen Denken, unserem Erfindungsreichtum, unserer Phantasie.

Zitat: Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein

 

 

 

 

 

Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei? was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer