Was ist Lebenskunst?

Lebenskunst - Leben als Kunstwerk

In einer Zeitung gab es einen Artikel, Liechtenstein wolle das Schulfach „Lebenskunst“ in den Schulunterricht einführen.

Ich fand das gut, machte mir aber auch Gedanken darüber, was es ist, was das Leben eigentlich so schwer macht, obwohl es doch jeder von uns ohnehin lebt. Wenn selbst der Dümmste sein Leben leben kann – was ist daran eine Kunst?

Ganz so einfach ist es nicht!

… denn man muss bedenken, dass zwar jedes Leben gelebt wird, aber nach welchen Möglichkeiten es gelebt wird – das bleibt im Verborgenen. Was wir immer nur nur sehen – das ist die Realisierung. Es bleibt uns verborgen, welche weitergehenden Möglichkeiten es geben mag, und natürlich auch, welche schlimmeren Möglichkeiten hätten eintreten können.

Wenn es also etwas zu verbessern gibt … warum nicht?

Lebenskunst – Leben als Kunstwerk

Insbesondere dem Spirealisten rennt man hier die Türen ein, denn für ihn ist das unendliche Feld des Möglichen nur eine Handbreit von dem entfernt, was wir „die Realität“ nennen. Das Leben als Kunstwerk zu begeifen und es so zu leben – das würde der Spirealist mit „Bewusstwerdung“ und „Freiheit“ übersetzen. Was er dazu für nötig hält, ist Spiritualität (Geistigkeit) – d.h. Beobachten der Gedanken (womit wir wieder bei Bewusstwerdung wären).

Die entscheidende Frage für den Menschen ist: Bist du auf Unendliches bezogen oder nicht? Das ist das Kriterium seines Lebens.
Carl Gustav Jung

<a href=’http://spireo.de/wenn-du-frei-sein-willst-nimm-dir-zeit‘ alt=’Siehe auch:  Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit‘>Siehe auch:  Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit</a>

Was sind die auf der Hand liegenden, wichtigen Themen?

Wer bist du?

Wir sollten uns über uns selbst klar werden, sollten versuchen, einigermaßen sinnvoll über unseren Fortgang zu entscheiden, und zwar auf der Basis einer gründlichen Überlegung darüber, als was wir uns selbst sehen. Wenn wir uns selbst nicht kennen – was um alles in der Welt können wir dann über uns entscheiden?

Allzu leicht übernehmen wir die Rezepte von anderen, und stellen dann oft genug fest: „Für mein Leben taugt das nicht!“

nutze deine Zeit!

Natürlich die Zeit! Und damit die Begrenztheit allen Erlebens. Wir haben eine bestimmte Spanne für uns, und sollten uns darüber klar sein. Je eher wir die Endlichkeit allen Erlebens als das eine „Ich“ verstehen, umso eher werden wir damit aufhören, den Stereotypen nachzujagen, und beginnen, unser Leben als Individuum aufzubauen.

Für mich haben ganz viele Begriffe mit dieser Endlichkeit zu tun. Ich denke dabei an Ehrlichkeit, Treue, oder Offenheit.

go slowly

Dennoch nützt es nichts, sein Leben schnell zu leben. Selbst die kostbarsten Momente ziehen in derselben Einfachheit vorüber, wie die schlichten.

Wer wirklich etwas über sich selbst verstehen will, wer das Leben als Lebenskunst begreifen möchte, der muss die Stille suchen, die Einfachheit. Das Getriebe  der 10.000 Notwendigkeiten der modernen Zeit, mit ihrem Multitasking und ihrem Eingebunden-Sein, erzeugt einen Sog und eine Kette von Handlungen, die uns zu Robotern werden lässt, und die mit unserem gängigen Menschenbild (dem des individuell überlegenden und entscheidenden Menschen), nicht in Einklang zu bringen ist.

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Das Leben selbst ist nämlich ganz einfach. Was es kompliziert macht, sind unsere 10.000 komplizierten Vorstellungen, wie etwas zu sein habe. Es sind zugleich die Vorstellungen, denen wir unser Handeln unterwerfen.

„Du bist einzigartig!“

Anstelle von „Du bist einzigartig!“ hätte ich auch schreiben können: „Du bist allein!“ Doch das hätte wohl einen negativen Touch – wenn es auch stimmt. Denn tatsächlich ist derjenige besser dran, der sich darüber klar wird, dass „den eigenen Weg zu gehen“ auch bedeutet, allein zu sein, mit vielleicht wechselnden Wegbegleitern. Lebenskunst  – das bedeutet eben auch: Loslassen!

Diese Vorstellung, einzigartig zu sein, kann (und sollte) Verschiedenes auslösen:

Erstens eine größere Bereitschaft den eigenen Weg zu gehen, unabhängig von den Meinungen der Vielen, denen zuzuhören im Einzelnen bereits eine Lebensaufgabe wäre.

Zweitens (auch in Ableitung aus Erstens) eine gewisse Liebe und Wertschätzung sich selbst gegenüber – dieses Selbst ist doch das Einzige, dessen Gesellschaft wir tatsächlich und immer sicher für uns haben. Entwickeln wir es; lassen wir dies zu unserem Lebenskunstwerk werden – es lohnt sich!

Ein Glück aber ist es, wenn dem Greise noch die Liebe zu seinem Studium, auch zur Musik, zum Schauspiele und überhaupt eine gewisse Empfänglichkeit für das Äußere geblieben ist; wie diese allerdings bei einigen bis ins späteste Alter fortdauert. Was einer »an sich selbst hat«, kommt ihm nie mehr zu gute, als im Alter. Die meisten freilich, als welche stets stumpf waren, werden im höheren Alter mehr und mehr zu Automaten: sie denken, sagen und tun immer dasselbe, und kein äußerer Eindruck vermag mehr etwas daran zu ändern oder etwas neues aus ihnen hervorzurufen. Zu solchen Greisen zu reden, ist wie in den Sand zu schreiben: der Eindruck verlischt fast unmittelbar darauf. Ein Greisentum dieser Art ist denn freilich nur das Totengesicht des Lebens. – Den Eintritt der zweiten Kindheit im hohen Alter scheint die Natur durch das, in seltenen Fällen, alsdann sich einstellende dritte Zahnen symbolisieren zu wollen.

Arthur Schopenhauer

Drittens eine Anhänglichkeit und Treue jenen gegenüber, die uns auf unserem Lebensweg begleiten, und deren Liebe uns wichtig geworden ist. Sind sie ersetzbar? Niemals! Lebenskunst bedeutet auch Wertschätzung den Menschen (und Dingen!) gegenüber, die uns nun einmal begleiten.

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Viertens (und vielleicht Wichtigstens): die Lebenskunst der Beschränkung. Das beginnt bereits damit, dass man sich darüber klar wird, dass es dem Individuum immer nur gegeben ist, ein individuelles Leben zu leben. Man sollte nicht alle Ziele anstreben, weil man nicht alle Leben leben kann, nur an einem Ort sein kann, etc.. Das Bewusstsein dieser Beschränkung, sogar seine willige Annahme, kann für das Leben, für Glück und Zufriedenheit des Einzelnen, überaus wichtig sein.

Was ist Lebenskunst? was last modified: April 25th, 2016 by Henrik Geyer