Was ist eine Mindfuck Philosophy?

Mindfuck Philosophy - Gehirn, das die kosmische Realität in Wellen verändert.

In Mindfuck Philosophy habe ich dargestellt, warum sich die Annahme, unsere Begriffe seien Werkzeuge um eine äußerliche Welt zu beschreiben, so gründlich mit der Wahrnehmung  im Widerspruch befindet, dass all unsere Begriffe am Ende nicht dazu taugen, die Quellen der Welt zu erfassen. Man ist ewig auf der Suche nach der letztendlichen Wahrheit, der wirklichen Wirklichkeit, dem Ding „an sich“, den Grenzen des Universums, wie immer man es nennen mag – wie ein Hamster in einem Laufrad, der nicht verstehen kann, dass sein eigenes Laufen dem Rad Schwung verleiht, und dass es eben dieser Schwung ist, der die zu laufende Strecke unendlich werden lässt.

Der Spirealismus sieht die Welt als einen Prozess, der auf der subjektiven Wahrnehmung beruht – die man auch das eigentliche Atom des Kosmos nennen könnte. „Wahrnehmung“: hier verstanden als ein Werkzeug der Erzeugung von Realität, nicht etwa als ein Mittel, um Realität widerzuspiegeln. Und wiederum bitte nicht missverstehen: es ist nicht „unser“ Werkzeug, nicht das Werkzeug des Menschen. Diese Anschauung ist zwar viel besser geeignet, die Widersprüchlichkeiten und Paradoxien des Materialismus zu erklären. Doch gleichzeitig, weil der Spirealismus damit die Grundbegriffe des Materialismus umdeutet und neu beschreibt, wirkt er selbst paradox.

Beispielsweise sehen wir das am Begriff der „Realität“. Der Begriff der Realität benennt eine Realität (Einzahl), so als gäbe es nur diese eine. Doch die eine Realität, von der wir immer sprechen, finden wir nirgends. Insofern ist der Spirealismus deutlich „realistischer“, wenn er davon ausgeht, dass es die Realität des materialistischen Wortsinns gar nicht gibt – Wahrnehmung und Weltbild geraten also in eine bessere Übereinstimmung.

Gleichzeitig ist dieser Gedanke aber „Mindfuck“, denn auf Grund seiner materialistischen Grundüberzeugungen verwirrt es den Menschen, wenn er nicht davon ausgehen kann, dass es eine letztendliche Realität gibt, der er sich annähert, auf die er Bezug nimmt und die er anstrebt. Das ist ihm paradox, da sich eine solche Sichtweise, auch wenn sie wahrer ist, in einem unlösbaren Widerspruch zu den Fundamenten seines Denkens befindet. Zumal sich (dies ist eine spirealistische Sichtweise) alles, was sich der Mensch denkt, damit auch notwendigerweise in einem Stadium einer Realisierung befindet – wird also der Begriff der einen und einzigen Realität verwendet, billigt man dem auch eine gewisse Wirklichkeit zu.

Aus materialistischer Sicht ist Spirealismus Mindfuck. Umgekehrt ist Materialimus dem Spirealismus Mindfuck, auch hier wieder kommen wir zur Verdeutlichung zum vorgenannten Begriff der Realität. Der Spirealismus nimmt von vorn herein nicht an, es gäbe eine Realität … die überall wahrzunehmende Tatsache, dass sie in einer endgültig definierbaren Form nirgendwo anzutreffen ist, erscheint ihm also nicht rätselhaft, sondern überaus erklärlich. Eher ist ihm das eigentliche Rätsel, wie der Materialismus darauf kommt, es gäbe sie.

Auch ansonsten ist insbesondere aus spirealistischer Sicht wahrzunehmen, dass die materialistische Weltsicht voller Unerklärlichkeiten und Paradoxien ist. Im Materialismus übergeht man sie geflissentlich, nimmt sie gar nicht wahr (siehe das Nichts). Oder man nimmt solche Paradoxien als Randerscheinungen wahr, die nicht geeignet seien, die Richtigkeit des Materialismus insgesamt in Frage zu stellen. Doch sind sie nicht etwa tatsächlich unerheblich, sondern vielmehr wichtiger Hinweis auf die Mindfuck-Eigenschaft dieser Weltanschauung.

Warum sage ich, dieser Hinweis sei wichtig? Das weiter oben Gesagte bedeutet: die Realität von der der Materialist spricht, seine materialistische Realität also, verwirklicht sich durch ihn und in ihm. Dieser Umstand ist sehr wichtig für die Frage der Beweisbarkeit des Spirealismus (ebenso wie des Materialismus). Wie sollte man beispielsweise dem Materialisten beweisen, dass es etwas nicht gibt, das sich doch gerade durch ihn verwirklicht? Wie soll überhaupt der Spirealismus beweisen, dass es etwas nicht gibt? Alles Beweisbare muss nach materialistischer Anschauung auch jedermann sichtbar und zu zeigen sein, der Hinweis auf Leere hingegen hat aus materialistischer Sicht keinen Sinn. Das materialistische Nichts wäre Leere, die umschlossen ist von etwas. So wird aus dem Nichts, von dem ich spreche, im Materialismus Etwas, und zwar Etwas, das nicht da ist – somit handelt es sich nicht im eigentlichen Sinn um Nichts.

Das bedeutet: Zeigbar sind lediglich die Paradoxien – und das macht ihre Wichtigkeit aus.

Was ist eine Mindfuck Philosophy? was last modified: November 8th, 2016 by Henrik Geyer