Was hat die Ausdehnung des Universums mit Zufriedenheit zu tun?

Zunächst zum Wortverständnis: Was ist ein Universum? Das Universum ist universell alles, was man kennt. Ein anderes Wort dafür ist „das All“. Das All ist ebenfalls universell „alles“.

In einer etwas erweiterten Bedeutung kann man auch sagen: Das Universum ist alles, was es geben könnte. Und über das, „was es geben könnte“, also das Mögliche, kann man sich sehr streiten; Der Spirealismus würde keine Quantifizierung für sinnvoll halten – das, was es geben kann ist in jeder Hinsicht unendlich. Und damit nicht erkennbar. Dem Spirealismus ist das Wahrnehmen gleichzeitig ein „Erschaffen“, wodurch die Quelle der Dinge unerschöpflich ist.

Der Materialismus würde aber enge Grenzen ziehen – und hält damit das nicht Bekannte für irgendwie eingrenzbar. Ich verwende bewusst das ungenaue „irgendwie“, denn es ist eine Idee, die in den materialistischen Köpfen spukt, ohne dass das näher erklärt werden kann.

Das Mögliche ist dem Materialismus eingrenzbar, weil die Dinge seiner Systematik zufolge ja erst einmal „da sein“ (existieren) müssen, bevor man sie wahrnehmen kann. In einem begrenzten Raum können nur begrenzt viele Dinge vorhanden sein, so die Logik. Und insofern ist das Universum dem Materialismus völlig in Ordnung, solange es begrenzt ist. Es ist ihm aber suspekt wenn es unendlich ist, denn, wie viele Dinge könnten in einem unbegrenzten Universum existieren? Unendlich viele, nicht wahr? Dann wäre ja das Mögliche …. unendlich! Und das wiederum bedeutete, dass unsere für so universell gehaltenen Naturgesetze nur eine sehr begrenzte Geltung hätten: für uns! So will, oder besser kann, der Materialismus nicht denken.

Nein, der Materialismus hält nur für möglich, was mit unserer Auffassung von den Naturgesetzen konform geht. Weiterhin ist ihm nur das Beobachtbare „möglich“; d.h., als Schema für das Mögliche sieht er grundsätzlich das bereits Wahrgenommene an. Und hat dabei keinerlei Gewissensbisse, das so zu sehen, und übergeht jede tiefergehende Frage geflissentlich!

Jedenfalls erscheint dem Materialismus das, was es geben kann, das Mögliche, als sehr eingrenzbar.

Doch kommen wir zurück zur ersten Aussage: Das Universum ist universell alles, was man kennt. Mit dieser Aussage ausgerüstet, kann man folgende Aussagen treffen:

  1. Das, was jemand kennt, ist von Person zu Person unterschiedlich. Also reden wir eigentlich von vielen Universen.
  2. Das, was jemand kennt, ist sehr viel irdisches Wissen, und sehr wenig außerirdisches Wissen. Daher ist das „All“ vor allem ein irdisches All, und nicht, wie der Begriff gemeinhin umgekehrt gebraucht wird, ein außerirdisches All.

Genau so versteht der Spirealismus den Begriff des Universums: Ein Universum ist letztlich ein individuelles Ich-Universum, in denen alle Dinge vorkommen, die ein Subjekt in seiner Welt wahrnimmt. Ein Universum ist somit die Gesamtheit der Erfahrungs- und Wahrnehmungswelt eines Individuums, eines Subjektes.

Ein Subjekt im spirealistischen Sinn kann übrigens ebenso ein einzelner Mensch sein, wie ein Volk, wie auch eine „Menschheit“. Bleiben wir aber, der Einfachheit halber, beim einzelnen Menschen.

Das Universum als Modell unseres Denkens

Es ist ein verblüffender Gedanke, das Universum (gemeint ist jenes scheinbar äußerliche) nicht als den ultimativen Gegenstand der Forschung zu betrachten, sondern als ein Modell, das uns selbst die Funktionalität unseres Denkens aufzeigen kann. Aus spirealistischer Sicht liegt dieser Gedanke nahe, denn der Spirealismus hat als fundamentalen Grundsatz, dass es nichts Objektives gibt, mit anderen Worten: Es gibt nichts, das sich unabhängig vom Beobachter beobachten ließe. Dieser Grundsatz kommt auch immer in dem Satz zum Ausdruck, der Mensch sei nicht Beobachter der Schöpfung, sondern deren Element.

Wenn wir also das Universum ansehen, in seiner Unendlichkeit (?), dann kann und sollte man sich fragen, was uns dessen Eigenschaften über unser Denken verraten.

Wie immer werde ich nicht müde zu betonen, dass man dieselben Überlegungen auch in Bezug auf jeden Alltagsgegenstand anstellen könnte, und so, wie in Punkt 2 angedeutet, versteht man das Universum besser, wenn man davon ausgeht, dass es hier, direkt vor uns, und in uns, ist, und nicht in schwer fassbaren kosmischen Weiten. Die Eigenschaften des Universums lassen sich doch am besten ermessen, wenn wir die Kaffeetasse betrachten, die vor uns auf dem Tisch steht. Jedoch erscheint wohl manchem das Universum vielleicht einer neuen grundsätzlichen Überlegung wert, während ein Alltagsgegenstand dem materialistischen Denken nichts Neues zu bieten scheint.

Man sollte sich aber vor Augen führen, dass die Art und Weise Dinge zu erkennen immer die ist, von den ganz einfachen, alltäglichen Dingen, auf das Nächstkomplizierte zu schließen. Am Ende ergeben sich sehr lange Logikketten, die aber niemals ohne die primitivste Grundannahmen auskommen. Während die von uns zuletzt erschaffene Kausalität noch recht schwach zu sein scheint, werden die allerersten Grundannahmen zu geradezu unverrückbaren Ecksteinen – und sie erscheinen wie ein niemals bestreitbares Grundgesetz. Beispielsweise hält es die Chemie für gegeben, dass ein Atom, gesehen als Körper, einen Kern haben mussn, so wie eine Kirsche einen Kern hat.

Im Zusammenhang mit dem galaktischen Universum machen wir es uns nicht klar, dass all unser Schließen über Sterne, die Milliarden Lichtjahre weit entfernt sind, von der Erfahrung von Kaffetassen, Kirschkernen etc.. ausgeht. Jedoch, sich dies bewusst zu machen, ist umso mehr nötig, je mehr man sich darauf einlässt, das Universum als eine Frage des Bewusstseins zu sehen, getreu der spirealistischen Grundüberzeugung, dass die Welt (das Universum) ja niemals etwas anderes sein kann, als das, was man darin sieht – wir haben hier wieder die grundsätzliche Rückkopplung: was haben die äußerlichen Dinge mit uns selbst zu tun?

Also angenommen, wir würden verschiedene Universen definieren, aus dem, was verschiedene Leute an Objekten im Kopf haben (kennen). Dann wären wir im Prinzip wieder bei den Grund-Eigenschaften des Universums, so, wie wir es im Außen sehen, nämlich als die galaktischen Weiten.

Hierzu will ich einige fundamentale Aussagen treffen.

  1. Die Ausdehnung des Universums hängt von der Menge der darin enthaltenen Objekte ab
  2. ein Objekt gewinnt an Schärfe / Facettenreichtum, je mehr Objekte das Universum enthält
  3. Ein Universum erscheint gegenüber einem anderen nicht unvollständig, wenn es im Vergleich zum anderen weniger Objekte enthält
  4. Universen unterscheiden sich nicht nur durch die Zahl der darin sichtbaren Objekte, sondern auch durch deren Beschaffenheit. Die Objekte unterscheiden sich immer durch die perspektivisch wahrgenommenen Objektbeziehungen.

Hier einige Erläuterungen zu den Punkten

Zu 1.: Die Ausdehnung des galaktischen Universums wird im Wesentlichen durch immer größere Teleskope bestimmt (gemessen), die den „Rand“ des Universums in immer weitere Entfernung rücken. Wenn man ein Objekt, also einen Stern, in 30 Milliarden Lichtjahren Entfernung wahrnehmen kann, so muss das Universum eine Ausdehnung von 60 Milliarden Lichtjahren haben – 30 Milliarden Lichtjahre in jede Richtung. Daher dehnt sich unser wahrgenommenes Universum mit der Leistungsfähigkeit der Teleskope. Den Raum hingegen kann man nicht beobachten. Raum macht überhaupt erst Sinn, wenn Objekte darin sind.

Zu 2.: Man stelle sich vor, man hätte einen Raum, der nur ein einziges Objekt enthielte. In einem solchen Raum wären Positionsangaben und das Messen einer Länge nicht möglich. Das zeigt, dass die Definition von Eigenschaften eine Relation zwischen verschiedenen Objekten ist. Stellen wir uns das Ganze als Farbe vor. Was machte es für einen Sinn davon zu sprechen, ein Objekt sei rot, wenn man nicht andere Objekte kennte, die über diese Farbe Rot verfügen?

Und, ganz allgemein gesagt, jenseits des Abstrakten: Unser Beurteilen des Universums gewinnt offenbar an „Tiefenschärfe“ und Facettenreichtum, je genauer wir das Universum betrachten. Wir nennen es unseren wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt, in der Annahme, dass die Aussagen, die wir treffen, unabhängig von unserer Beobachtung, irgendwie „vorhanden“ seien. Lassen wir das so stehen, obwohl es, aus spirealistischer Sicht, ein sehr offensichtlicher Irrtum ist.

Zu 3.: Nehmen wir einen Menschen, der sehr wenig kennt, und einen, der sehr viel kennt. Nehmen wir beispielsweise einen sehr jungen Menschen, und einen sehr alten Menschen. Hat der sehr junge Mensch den Eindruck, seine Auffassung des Alls sei irgendwie unvollständig? Keineswegs! Jeder kann bei sich selbst sehen, dass zu keinem Zeitpunkt des Lebens das, was man kennt, als „zu wenig“ erscheint, gegenüber dem, was es zu kennen gälte. Warum? Zunächst einmal, weil sich die Differenz nicht herstellen lässt. Das, was ich nicht kenne – wie soll ich es quantifizieren? Wie soll ich den Unterschied ermitteln zwischen dem, was ich kenne, und dem, was ich nicht kenne? Ganz ähnlich ergeht es uns beim galaktischen Weltall. Wer soll wissen, welche Objekte es jenseits des Ereignishorizonts gibt? Das wäre geradezu gleichbedeutend mit einem Blick in die Zukunft!

Hinzu kommen noch einige Besonderheiten des materialistischen Weltbildes. Der Materialismus fragt sich, was Unendlichkeit ist, und ob das All unendlich sei. Er stellt fest: Je tiefer man in das All hineinsieht, desto mehr erkennt man. Der Grundannahme des Materialismus, der eine objektive Welt voraussetzt, entspräche es aber, von einem „letztendlichen“ Weltall auszugehen, so, wie ihm ja jedes Ding einen Anfang und ein Ende zu  haben scheint. Doch, die Erkenntnis von etwas Letztendlichem entzieht sich dem Materialismus stets, wodurch ihm das Weltall recht paradox zu sein scheint.

Im Spirealismus wäre das anders. Der Spirealismus geht nicht davon aus, dass man Unendlichkeit beobachten könne – ihm ist Unendlichkeit gleichbedeutend mit der kreativen Unerschöpflichkeit des Geistes, und Geist ist ja überall!

Der Materialist wird also immer annehmen, dass das, was er nicht kennt, irgendwie überschaubar wäre, könnte er es nur sehen. Meist meint er sogar, er würde das allermeiste kennen, und das, was er nicht kennt, sei eher wenig … und außerdem weniger wichtig. Als das Wichtige hingegen erscheint ihm stets das, was er kennt.

Zu 4.: Es darf als unbestreitbar gelten, dass ein bestimmter Blick in das Universum eine bestimmte Wahrnehmung bedingt. Etwa führt die Radioastronomie (jene, die Signale aus dem Weltraum mit Hilfe riesiger „Satellitenschüsseln“ auffängt und zu Bildern von Sternen verarbeitet) zu anderen Sichtweisen auf das galaktische Universum, als die Himmels-Beobachtung mit Teleskopen.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Wahrnehmung. Unsere Erfahrungen, unser Wissen, ist gewissermaßen das Werkzeug der Beobachtung, also das Fernrohr; und dieses ist vom Ergebnis der Beobachtung nie und nimmer zu trennen. „Unsere Annahmen bedingen, was wir beobachten können.“ (Einstein).

Also können wir sagen (und verwenden hier die Semantik materialistischer Vorstellungen, der zufolge zwei Objekte dann identisch sind, wenn sie in allen Eigenschaften völlig übereinstimmen), dass die Universen verschiedener Menschen nicht nur in der Zahl der darin enthaltenen Objekte verschieden sind, sondern auch in deren Beschaffenheit – daher handel es sich eigentlich um (im materialistischen Sinn) ganz verschiedene Universen!

Zufriedenheit und das innere „All“

Um den Zusammenhang des einzelnen Menschen, bzw. dessen Denkens, mit dem All zu erörtern, bedurfte es dieser Vorrede. Versteht man das Weltall als etwas von Menschen völlig Verschiedenes, wird dieser gesamte Text wenig Sinn machen.

Ich will nun etwas als gegeben deklarieren: Gemeinhin ist man der Auffassung, dass Zufriedenheit und Glück davon abhängen, wie man die Fülle der Welt wahrnimmt.

Meist führt diese Weltauffassung / Glücksauffassung zu einer hektischen Reisetätigkeit, damit man ja nichts verpasse.

Zur Klarstellung: Auch ich empfinde es als großes Glück, die Welt in all ihren verschiedenen Facetten wahrnehmen zu können und schillern zu sehen. Allerdings möchte ich hier die Einschränkung machen, dass es, bedenkt man das oben Genannte, sehr auf das Universum der Auffassungen ankommen, mit Hilfe dessen man neue Erfahrungen macht.

Hierzu ein Beispiel: Beobachtet man das All mit einem Erfahrungshorizont, der dem unserer Vorfahren gleichkommt, die mit unbewaffnetem Auge das Firmament wahrnahmen, werden die Auffassungen von den Dingen des Alls insgesamt wenig plastisch und sehr eindimensional erscheinen. Um in dem Bild zu bleiben: Wie eine Bühne, über die die Götter mit ihren Wagen fahren …

Noch anders gesagt: Was nützt die schönste Reise, wenn man von der Geschichte eines Landes und den vielfältigen kulturellen Querverbindungen keine Ahnung hat? Dann wird das Taj Mahal zu einem ganz schönen, weißen Gebäude. Hübsch! Der Tower of London wird zu einer eher kleinen Festung neben der Tower Bridge, u.s.w..

Der eigentliche Spaß am Leben, die Freude, ist aber ja, wie gesagt, dieses Schillernde; das Erkennen! Es sind die unendlichen Weiten der Gedanken, auch der Tagträume, des Mystischen, der Ahnungen, der Erinnerungen und Phantasien!

Insofern ist es aus spirealistischer Sicht das Ziel, durch Strebsamkeit, Lernen und Phantasien, das eigene Universum recht umfangreich und vielgestaltig zu machen. Nicht nur als Vielreiser an vielen Orten zu sein, sondern vielleicht sogar an wenigen Orten zu sein, jedoch diese Orte mit Erinnerungen, Gedankenverbindungen, Träumen, anzureichern und so zu etwas besonders Wertvollem zu machen. Und dabei immer wieder die Erfahrung zu machen: Man kann ebenso in die Weiten des galaktischen Universums hinauszoomen, wie man in den Mikrokosmos der Dinge hineinzoomen kann – Kenntnisreichtum macht es möglich. Die Erfahrung dieser Unendlichkeiten ist jeweils überwältigend, und, die Wurzeln jedes Dinges liegen in ja der Unendlichkeit!

Was hat die Ausdehnung des Universums mit Zufriedenheit zu tun? was last modified: Februar 1st, 2019 by Henrik Geyer