Das Eine und das Andere

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das eine kann nicht das andere sein. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

Während es der materialistischen Sichtweise eigen ist, die Dinge in einem Außen zu sehen, und ihre (dort) definierte Existenz vorauszusetzen, ist es das Wesen des Spirealismus eben dies zu verneinen und zu sagen: Die Dinge kommen mit dem Gedanken in die Existenz. Der Spirealismus fragt: Was ist ein Ding? Was ist das Eine?

Aber auch viele (Nach-)Denker, die sich dem materialistischen Lager zurechnen lassen, also Kernphysiker wie Heisenberg, Dichter wie Goethe, stellten sich diese Frage: Was unterscheidet das Eine vom Anderen, was bringt das Eine in die Existenz, und macht die Existenz eines Zweiten notwendig … getreu dem Grundsatz

Die Grenze des einen Dinges ist zugleich die Grenze eines anderen Dinges
Anaximander, griechischer Philosoph

 

Das Eine und das Andere – was unterscheidet es? … wie kommt man überhaupt auf solche Frage?

Diese Frage ergibt sich mit Notwendigkeit, wenn man sieht, dass sich ein Ding, welches auch immer man nimmt, nicht in Vollständigkeit ergründen lässt. Wenn man wie Immanuel Kant feststellt: ein Ding „an sich“ lässt sich nicht beschreiben. Wenn man das also wahrnimmt, dass es nichts gibt, das man nicht ganz anders sehen, beschreiben, verstehen könnte (spirealistisch gesagt: Es gibt keine Objektivität) – dann fragt man sich: Was ist dieses Eine? Und was unterscheidet dieses Eine wirklich vom Anderen?

Denn das eigentliche Prinzip der Welt können diese Formen, die wir vor uns sehen, nicht sein. Das Prinzip hinter den Formen, die selbst im Unendlichen wurzeln, und quasi vor dem beobachtenden Blick ständig neu entstehen, muss ein einfaches sein, etwas immer Gültiges. Und dieses Prinzip finden wir in unserer Auffassung, denn wir Menschen sind nicht die Beobachter einer Schöpfung, die von uns abgetrennt wäre. Sondern wir selbst sind ihr Element, und daher kommt die Schöpfung in uns selbst, und ihre Prinzipien in „unserem“ Denken, zum Ausdruck. Und dieses ganz einfache Urprinzip liegt in den Worten das Eine und das Andere.

Das eine kann nicht das andere sein.

und

Das eine kann nicht ohne das andere sein.

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Aus dem Einen und dem Anderen entsteht das Neue

Spirealismus, das ist Denken in Metaphern. Warum? Weil der Spirealismus die Dinge nicht als in einem Außen definiert sieht – Objektivität gibt es nicht. Daher ist die Welt eine Sichtweise, und eine Sichtweise ist dadurch geprägt, dass sie nicht mit einer zwingenden Unbedingtheit entsteht. Anders gesagt: Die Welt ist eine Möglichkeit, keine Notwendigkeit. Das versteht man durch Metaphorik, durch Symbolismus. Ein für seinen Symbolismus bekannter Autore ist P.D. Ouspensky ic h möchte ein Zitat einfügen aus einem Buch, in dem er psychologische Selbstversuche beschreibt, die er auf der „Suche nach dem Rätselhaften“, wie er es nannte, machte.

Er erhielt während dieser Versuche einen visionären Eindruck vom entstehen der Welt durch eine Dreiheit – das Dritte als Ergebnis der Zweiheit, Ausdruck der Differenz, der Harmonie und des gleichzeitigen Unterschiedes von Yin und Yang, der Einheit im Widerspruch, der Synthese aus These und und Antithese.

Further, there was a picture or mental image which entered into everything and appeared as a necessary part of every logical or illogical construction. This image showed two aspects, both of everything taken together, that is, the whole world, and of every separate part of it, that is, each separate side of the world and of life. One aspect was connected with the First Principle. I saw, as it were, the origin of the whole world or the origin of any given phenomenon or any given idea. The other aspect was connected with separate things: I saw the world, or those events which interested me at the particular moment, in their final manifestation, that is, as we see them around us, but connected into a whole, incomprehensible to us. But between the first aspect and the second aspect there always occurred an interruption like a gap or blank space. Graphically I might represent this approximately in the following way: Imagine that from above three lines appear from one point; each of these three lines is again transformed into three lines; each of these three lines again into three lines. Gradually the lines break more and more and gradually become more and more varied in properties, acquiring colour, form and other qualities, but not reaching real facts, and transforming themselves into a kind of invisible current proceeding from above. From below, imagine the infinite variety of phenomena collected and classified into groups; these groups again unite, and as a result great numbers of very varied phenomena are actually bound into wholes and can be expressed by one sign or one hieroglyph. A series of these hieroglyphs represents life or the visible world at a certain distance from the surface. From above goes the process of differentiation, and from below goes the process of integration. But differentiation and integration do not meet.

Außerdem gab es ein Bild, oder einen geistigen Eindruck, der als notwendiger Teil jeder … Vorstellung alles durchdrang. Dieses Bild hatte zwei Aspekte, beide zusammengenommen – das war die ganze Welt. Und die einzelnen Teile – das waren die einzelnen Aspekte der Welt und des Lebens.

Ein Aspekt war mit dem ersten Prinzip verbunden. Ich sah das Entstehen der ganzen Welt oder das Entstehen jedes Phänomens oder jeder einzelnen Idee.

Der andere Aspekt war mit verschiedenen Dingen verbunden: Ich sah die Welt, oder die Vorgänge, die mich in diesem Moment interessierten, in ihrer endgültigen Erscheinung, also wie wir sie gewohnt sind zu sehen, aber in einem Ganzen verbunden, das nicht wahrnehmbar für uns ist.

Doch zwischen dem ersten Aspekt und dem zweiten Aspekt trat immer eine Unterbrechung auf, oder ein leerer Raum.

Grafisch würde ich das wie folgt beschreiben: Man stelle sich vor, dass von oben drei Linien von einem Punkt ausgehen. Nach und nach brechen die Linien auf und variieren zunehmend ihre Proportionen, erhalten Farbe, Form und andere Eigenschaften, jedoch nicht zu realen Fakten werdend, und wandeln sich zu einer Art unsichtbaren von oben kommenden Strom. Von unten, muss man sich vorstellen, erscheint eine unendliche Vielfalt von Phänomenen, die eingeteilt und geordnet sind in Gruppen; und diese Gruppen wiederum verbinden sich, und als Resultat können sich große Mengen an verschiedenen Phänomenen verbinden, und werden so zu Zeichen oder Hieroglyphen. Eine Reihe dieser Hieroglyphen repräsentiert das Leben oder die sichtbare Welt in einer gewissen Entfernung von der Oberfläche. Von oben erfolgt der Prozess der Differenzierung, von unten der Prozess der Integration. Aber Integration und Differenzierung treffen nicht zusammen.

Ähnliches Thema: Beitrag Dreifaltigkeit – Interpretationen

 

Das eine und das Andere – die alles antreibende Differenz

Das Eine muss das Andere mit sich bringen, weil sich ein Ding oder ein Thema, ein Gedanke oder eine Höhe, eine Spannung oder ein Punkt im Raum, immer nur definieren lässt als ein Unterschied zu etwas anderem.

Zugleich ist dieses Andere naturgemäß anders, das bedeutet, es gibt den schon erwähnten Unterschied, die Differenz zwischen beiden.

Die Differenz wiederum, verstanden als eine Spannung innerhalb eines gemeinsamen Raumes oder eines Käfigs, führt dazu, dass sich eine Entwicklung ergibt. Die Kugel rollt von der schrägen Fläche herunter, die Welten ziehen sich durch Gravitationsunterschiede an, verschmelzen. Der Unterschied der Meinungen betreibt den Fortschritt des Wissens, die Pole an der Autobatterie machen es möglich dass der Motor startet.

Nebenbemerkung: Was ist dieser „Käfig“, von dem ich sprach? Materialistisch gesehen ist es das Vorkommen der Differenz in einem „gemeinsamen Zusammenhang“. Spirealistisch gesehen steht alles in Zusammenhang, es ist eher eine Frage der Wahrnehmung. Die Wahrnehmung (das was der Mensch denken kann) ist im Gegensatz zum grenzenlosen Raum der möglichen Gedanken sehr begrenzt – das sieht der Materialismus  genau anders herum, weil er annimmt, der Mensch beobachte eine von ihm außerhalb befindliche Wirklichkeit, und diese sei in ihren Möglichkeiten begrenzt, anders gesagt: materiell definiert.

So ist also das, was wir als Differenz wahrnehmen, auch nur in einem gemeinsamen Zusammenhang anzutreffen. Stünde es nicht in diesem Zusammenhang, der so unabdingbar ist wie ein Käfig, wäre es allein, und, wie gesagt, das Eine ohne das Andere ist ebenso unmöglich, wie, dass das Eine und das Andere deckungsgleich sind. In der Dialektik ist das das Prinzip des „Kampfes und der Einheit der Gegensätze“. 

 

 

Die Differenz ist das innere Prinzip des Werdens und Vergehens, aus der Differenz ergibt sich das Dritte, die Entwicklung, das Neue … das, was weder das Eine noch das andere ist. 

 

Das Eine und das Andere was last modified: Juni 1st, 2016 by Henrik Geyer

Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur.

Kausalität - was ist das? Über das "Warum" in der Natur.

Wir sind gewohnt, für alles eine Begründung zu suchen. Und zu finden! Es ist die Kausalität, die wir in allem sehen, in allem voraussetzen.

Zitat:

Er machte mich auch aufmerksam auf die Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit in der Natur. Die Bäume sind grün, weil grün gut für die Augen ist. Ich gab ihm recht und fügte hinzu, daß Gott das Rindvieh erschaffen, weil Fleischsuppen den Menschen stärken, daß er die Esel erschaffen, damit sie den Menschen zu Vergleichungen dienen können, und daß er den Menschen selbst erschaffen, damit er Fleischsuppe essen und kein Esel sein soll. Mein Begleiter war entzückt, einen Gleichgestimmten gefunden zu haben, sein Antlitz ergänzte noch freudiger, und bei dem Abschiede war er gerührt. Solange er neben mir ging, war gleichsam die ganze Natur entzaubert, sobald er aber fort war, fingen die Bäume wieder an zu sprechen, und die Sonnenstrahlen erklangen, und die Wiesenblümchen tanzten, und der blaue Himmel umarmte die grüne Erde. Ja, ich weiß es besser: Gott hat den Menschen erschaffen, damit er die Herrlichkeit der Welt bewundere. Jeder Autor, und sei er noch so groß, wünscht, daß sein Werk gelobt werde.

Heinrich Heine, „Harzreise“

 

Kausalität – das Wunder, dass alles mit allem zusammenhängt

Alles was wir sehen, jeder Gedanke der in uns ist, hängt mit jedem anderen zusammen. Dass wir sagen: „Dies ist der Grund für Das“ und „Das ist der Grund für Jenes“ ist die Art und Weise unseres Denkens. Wir picken uns aus der Menge aller möglichen Konstellationen, die eigentlich unendlich sind, etwas heraus, und sagen: „Das ist der Grund.“

Wir werden damit aber nie fertig, denn die Kausalität ist an keinen feststellbaren „äußerlichen“ Fakt (Objektivität) geknüpft, an dem das Schließen ein Ende haben könnte.

das Denken als der Grund des Grundes

Seit Jahrhunderten wundern sich die Menschen über die Erkennbarkeit der von Ihnen unabhängigen Außenwelt. Obwohl diese nicht nachweisbar ist (Hume), kommt man immer wieder darauf zurück, es müsse sie geben. Doch die Widersprüche, und die in der Natur der Sache liegenden Zweifel, bleiben.

 

Der Spirealismus geht neue Wege. Spirealismus sagt, dass der Gedanke der Urgrund des Seins ist. Ein Informationsprozess, der uns als „unser“ Denken bekannt ist, der aber nicht (nur) „im“ Menschen stattfindet, sondern der den Menschen umschließt und selbst erst hervorbringt.

So ist der Satz: „Ich denke, also bin ich“ (Descartes) zu verstehen. Bevor wir noch denken können, dass das menschliche Denken aus dem Vorhandensein eines Gehirns resultiert, das einen äußerlichen und von uns unabhängigen Prozess widerspiegelt, müssen wir feststellen, dass der letzte Grund dafür, dass wir diese Überlegung überhaupt anstellen können, der Gedanke selbst ist. Nur wenn wir denken, sind wir auch.

(siehe Artikel zum Satz „Ich denke, also bin ich“, der die Kausalität des Satzes „Ich bin, also denke ich“, umkehrt)

Da der Grundgedanke des Spirealismus die Feststellung ist, dass es Objektivität nicht gibt, gibt es also auch keine außerhalb und unabhängig des menschlichen Denkens (objektiv) feststellbare Kausalität. Der (materialistische) Mensch denkt aber nun einmal in Kategorien der Kausalität, der Objektivität (typische Aussage: „das kann man nicht anders denken!“). Das führt, da Objektivität tatsächlich nicht feststellbar ist, natürlich zu Widersprüchen.

Beispielsweise wollen wir mit messerscharfem Schließen den Urknall vor 14 Milliarden Jahren verorten (und auf den Urknall ist ja alles zurückzuführen), doch wir können nicht genau rekonstruieren, was gestern war.

können wir auf Kausalität verzichten?

Der Materialist meint, man könne nur das „richtig“ und „wirklich“ nennen, was man auch als objektiv „wahr“ bezeichnen kann. Wenn es aber keine objektive Kausalität gibt – soll das dann heißen, dass Kausalität verzichtbar ist?

Die spirealistische Antwort darauf ist, dass die Form des Denkens ihr entsprechende Welten (Ich-Universen) hervorbringt. Im Prinzip kann dies jede Form annehmen. Jede Form – wenn auch nicht für den Menschen. Warum nicht für den Menschen? Weil der Mensch Teil ist, nicht alles. Als Teil hat er Teilhabe am umfassenden Denken – und kann nicht denken wie er will. Natürlich klingt allein dieser Satz erneut für den Materialisten zutiefst widersprüchlich – ist es doch das Wesen der materialistischen Vorstellung, dass der Mensch immer denken könne wie er will, da der Mensch ja einen äußerlichen Prozess (die Materie) nur widerspiegele.

Ist also Kausalität verzichtbar? Für den Spirealismus stellt sich die Frage so nicht. Er stellt fest: Kausalität formt unsere Welt; Kausalität, und die aus ihr hervorgehenden gedanklichen Festlegungen, sind unsere Welt. Spirealismus geht davon aus, dass Existenz und Denken ein und dasselbe sind. Auf das Denken zu „verzichten“ ist unmöglich. Und … jede Form, die das Denken annimmt, wird uns als die natürliche Form erscheinen.

achtsame Beobachtung des Denkens – der spirituelle Zugang

Doch man kann wahrnehmen, dass auch der Begriff „Kausalität“ selbst nicht objektiv ist, nicht genau bestimmbar – Kausalität ist nicht festmachbar an irgendeiner äußerlichen Größe. Und somit kann man auch wahrnehmen, dass Kausalität keine absolute Notwendigkeit in  sich trägt.

So kann z.B. im Prinzip, ausgestattet mit einiger Achtsamkeit, jeder wahrnehmen, dass Kausalität von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Der eine wertet mehr, der andere weniger. Der eine weiß alles ganz genau, hat tausend Begründungen, der andere lässt sich auf die Rätselhaftigkeit ein, verzichtet auf Begründungen, fragt.

Es ist eins der Geheimnisse spirituellen Denkens, dass man die Kausalität in Manchem in den Hintergrund treten lassen kann. Man formuliert das häufig als „nur im Jetzt sein“, und wie viele andere ähnliche Formulierungen es noch geben mag.

Wozu soll das gut sein? Um neu denken zu können. Beispielsweise um Glück zu erreichen. Um zu spüren, dass die Kausalität auch eine Macht sein kann, die in uns liegt. Das Denken in festgefügten Formen kann unglücklich machen, daher kann, sich (partiell) von der Kausalität zu lösen, bedeuten, geistige Freiheit zurückzugewinnen. Und damit die Freiheit, die Dinge für sich positiv neu zu definieren. Alte Kausalität aufgeben, neue gedankliche Verbindungen schaffen.

 

 

 

 

 

 

Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur. was last modified: Januar 26th, 2016 by Henrik Geyer