Was ist Zeit?

Was ist Zeit eigentlich?

Zeit ist ein Gradmesser der Veränderung der Welt. oder: Die Zeit ist ein Äquivalent für die Veränderung der Dinge.

Wenn  man das so formuliert, dann ist zumindest klar, dass die Zeit nicht ohne Dinge auskommt. Die Zeit scheint die Veränderung der Dinge zu treiben. Oder ist es umgekehrt? Ist es die Veränderung der Dinge, die den Schritt der Zeit bestimmt?

Was ist Zeit? Der Zeitstrahl

Bei der Frage „Was ist Zeit?“ kommt uns zuallererst der Zeitstrahl in den Sinn, der wohl unserer materialistischen Vorstellung von Zeit recht gut entspricht. Er stellt die Zeit als eindeutig in eine Richtung „fließend“ dar, und zwar ausgehend von einem Punkt (der Beginn von Raum und Zeit – vielleicht als der Urknall), und in die Unendlichkeit sich fortbewegend.

 

Zeitstrahl, Zeit und Kausalität

 

Zeitstrahl umgekehrt

Kann man den Zeitstrahl einfach umdrehen? Allein schon die Darstellung des Zeitrahles, als von rechts nach links gehend, lässt uns das Ganze wie falsch erscheinen, obwohl doch an den Grundaussagen des Zeitstrahles gar nichts geändert wird. Dieses kleine gedankliche Experiment soll einfach zeigen, wie sehr die Zeit eine Denkgewohnheit ist, deren scheinbare Eindeutigkeit längst nicht so festgemeißelt ist, wie wir glauben.

Zeitstrahl umgekehrt, Zeit und Kausalität, Zeitstrahl und Kausalitätsstrahl

Im Zusammenhang mit der Frage „Was ist Zeit?“ könnte man auch die Frage stellen „Was ist Kausalität?“, denn ohne Zeit ist keine Kausalität denkbar. Und umgekehrt. Und auch und gerade bei der  Kausalität könnten wir uns eine Umkehr kaum vorstellen, mindestens ebenso wenig wie bei der Zeit.

Lesen Sie auch: Definition der Zeit

Ähnliches Thema: Ursache und Wirkung – Wirkung und Ursache. Umgekehrte Kausalität

 

Zeit als Punkt

Letztendlich (so ist es natürlich die spirealistische Sichtweise die auf diesem Blog thematisiert wird, und der zufolge es keine Objektivität gibt) kann man keine objektive oder endgültige Aussage über die Zeit machen, da die Welten aus Gedanken entstehen, und damit eine Frage der Vorstellungen sind.

Man kann aber sagen, dass die Zeit eine fundamentale Kategorie des menschlichen Begreifens ist (man nennt die Zeit nicht umsonst „Dimension“ – und verleiht ihr so eine fundamentale Bedeutung), die Bezüge zwischen den Objekten des Denkens herstellt. Die Zeit steht gewissermaßen am Ende der von uns schaffbaren Kausalketten, daher wirkt sie wie rätselhaft und unerklärlich. Sie ist selbst nicht begründbar, sondern sie ermöglicht erst Begründungen, z.B. etwa dieser Form: „A ist möglich, weil B (vorher) da war.“

Weiterlesen: Was war eher da – Ei oder Henne? Was besagt dieses Paradox?

Wenn der Spirealismus das Vorhandensein von Objektivität negiert, dann ist damit auch gesagt, dass die Welt(en) aus Vorstellungen entstehen. Sie sind, als Vorstellungen, natürlich bei weitem nicht so „fest“, wie wir uns Welten aus Materie denken würden, von denen wir annehmen, wir könnten diese Welten aus Materie nur auf eine einzige Art und Weise be-greifen.

Daher dürfen wir uns auch die Zeit ruhig ganz anders vorstellen, als dies landläufig geschieht, ohne in Gefahr zu geraten, der sogenannten Wirklichkeit zu enteilen – jedenfalls ist das aus spirealistischer Sicht so.

Wir können uns die Zeit ruhig vorstellen, z.B. nicht als Strahl, sondern als Punkt. Denn tatsächlich „gibt“ es ja nur das Jetzt als eigentlich „erlebbar“.

Ähnliches Thema: Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt

Weiterlesen: Beitrag Was ist Phantasie? 

 

Die Zeit, vorgestellt als Punkt

Die obige Grafik entstand als Folge der Überlegungen zu Kausalität und Wahrheit, die nach meinem Dafürhalten von der Frage „Was ist Zeit?“ nicht zu trennen sind. Überhaupt führt die Frage nach der Zeit auf das Wesen der Dinge, bzw.  ist es die Frage nach der Art und Weise unseres Denkens.

Visionärer Text Ouspenskys

Vorstellungswelten

An dieser Stelle eine Sichtweise, die der obigen Darstellung der Zeit als Punkt nicht widerspricht, jedoch sehr widersprüchlich zur Vorstellung der Zeit als ein Zeitstrahl ist. Ich weiß nicht, inwiefern sich der Leser dieser Phantasie annähern mag oder annähern kann; es würde nach meinem Dafürhalten erfordern, dass man die Welt grundsätzlich als eine Welt aus Gedanken, aus Vorstellungen sieht (was schon können wir denken, jenseits unserer Gedanken? Man denke auch an Schopenhauer und sein „Die Welt als Wille und Vorstellung“).

Für den Spirealismus ist also die im Folgenden dargestellte Denkweise eine natürliche Folge der eigenen Überlegungen. Denn erstens sieht der Spirealismus alles metaphorisch. Man kann demzufolge alles auch anders sehen, bewerten, sich vorstellen. Denn die Eindeutigkeit der Worte selbst, ist ja bereits Illusion (es gibt nichts Objektives).

Zweitens ist der Gedanke des Spirealismus an „Ich-Universen“ ja letztlich der an voneinander getrennte Ichs, die, was immer sie wahrnehmen, auf verschiedene Art und Weise wahrnehmen. Es gibt also nichts von vorn herein Gleiches – der Eindruck des Gleichen entsteht eben erst durch Abstimmung (Kommunikation), so wie wenn Zahnräder ineinander greifen. Den Berührungspunkt der Zahnräder könnte man beispielsweise als die Uhr sehen.

Drittens gibt es dem Spirealismus zufolge gar keine von uns abgetrennte Außenwelt, wodurch es im eigentlichen Sinn auch keine Objekte gibt, die „in Raum und Zeit“ existieren. Anders formuliert: wir können nichts beobachten, dass von uns selbst (dem Beobachter) unabhängig wäre, also auch keine (von uns unabhängige) Zeit. Was ja wiederum in keinerlei Widerspruch zu Einsteins Vorstellungen von Relativität steht.

Nun aber zu dem, was eigentlich dargelegt werden sollte:

Zeit als ineinander greifende Räder

Der Symbolist Ouspensky schuf einen visionären Text über die Zeit, an den ich oft denken muss, und der ein bestimmtes Bild in der Phantasie entstehen lässt, das (mir) ebenso geheimnisvoll wie wahr erscheint. Ouspensky bespricht in dem Buch „A new model of the universe“ die Tarotkarte „Mäßigkeit“, auf der ein Engel abgebildet ist, der zwei Kelche in Händen hält.

Der Name des Engels ist Zeit. …

Der eine Kelch in den Händen des Engels ist die Vergangenheit, der andere ist die Zukunft. Der Regenbogenstrom zwischen den Kelchen ist die Gegenwart. Du siehst, dass er in beide Richtungen fließt.

Dies ist Zeit in ihrem unverständlichsten Aspekt. Die Menschen meinen, dass alles stets nur in eine Richtung fließt. Sie sehen nicht, dass sich alles ständig trifft und dass die Zeit eine Vielzahl sich drehender Kreise ist. Verstehe dieses Mysterium, und lerne die gegensätzlichen Strömungen im Regenbogenstrom der Gegenwart zu unterscheiden.

aus: A new model of the universe, von P.D. Ouspensky

 

Als Illustration für den Text Ouspenskys habe ich das (unten wiedergegebene) Bild zweier Strohballen gefunden – man hätte hierfür auch Zahnräder nehmen können. Doch gerade die Strohballen machen, wie ich finde, das chaotische Durcheinander der Vorstellungen innerhalb eines Kosmos aus Geist deutlich. Wo sich die Strohalme treffen, da entsteht innerhalb des Getrennt-Seins der Eindruck des Gemeinsamen – auch der gemeinsamen Zeit, die doch in Wirklichkeit nicht gemeinsam ist. Die Zeit trennt und verbindet die verschiedensten Galaxien der Vorstellung, die ihrerseits wieder zahllose (durch uns nicht zählbare, d.h. unendliche) Strömungen enthalten – sie wirbeln einerseits gegensätzlich durcheinander, aber sie treffen sich auch immer wieder.

Spruchbild: Zeit ist eine Vielzahl sich drehender, ineinandergreifender Kreise mit gegensätzlichen Strömungen, die sich in vielen verschiedenen Punkten treffen. Wir Menschen können nur einen Punkt sehen, doch das bedeutet nicht, es gäbe nur einen.

Ein wenig störend wirkte mir zuerst die Überlegung, dass die Illustration doch idealerweise die 3D-Verflechtung der verschiedensten Strömungen darstellen sollte, während das Bild der Strohballen zweidimensional wirkt. Doch andererseits ist ja auch die Dreidimensionalität lediglich eine Vorstellung und durch eine noch so komplizierte Verbildlichung würde der Phantasie, die doch die eigentliche Arbeit zu tun hat, nicht geholfen.

Im Grunde kann man, so mag mancher mit Recht einwenden, wieder zu Ouspenskys Tarotkarte zurückgehen.

 

 

Was ist Zeit? was last modified: Mai 4th, 2016 by Henrik Geyer

Zeitstrahl

Zeitstrahl, Zeit und Kausalität

Gemeinhin wird der Fortgang der Zeit anhand des sogenannten Zeitstrahles dargestellt. In diesem Artikel geht es um die Frage, wie wir uns Zeit vorstellen, und wie diese Vorstellung mit der geometrischen Figur eines Strahles verbunden ist.

Der Zeitstrahl

Wie das obige Bild eines Zeitstrahles zeigt, gibt es die Vorstellung von der Zeit, sie fließe in einem kontinuierlichen Fluss, der nur eine Richtung hat, von der Vergangenheit in die Zukunft.

Wie die geometrische Figur „der Strahl“, denkt man, die Zeit ginge aus von einem bestimmten Punkt in der Vergangenheit – in unserer jetzigen Denkweise repräsentiert durch den Urknall – als dem Beginn von Raum und Zeit.

In die Zukunft hinein stellt man sich die Zeit als unbegrenzt vor … ganz so, wie es die geometrische Figur  des Strahles suggeriert: auf der einen Seite begrenzt, auf der anderen Seite aber unbegrenzt.

Der Zeitstrahl besagt auch folgendes: Die Vergangenheit ist eindeutig, sie ist repräsentiert durch die Punkte, die sich auf dem Strahl eintragen lassen. Nennen wir als Beispiel: 1492, Entdeckung Amerikas durch Kolumbus. Die Vergangenheit geht von einem bestimmten Punkt aus, dem Beginn der Zeit und ist bemessbar, und zwar als die Spanne zwischen dem Beginn der Zeit und der Gegenwart.

Auch die Zukunft wird eindeutig sein, so folgert man aus dem Zeitstrahl, sie ist ebenfalls repräsentiert durch die Punkte, die sich auf dem Strahl eintragen lassen. Allerdings ist der Strahl nach rechts hin offen, wodurch eine Unendlichkeit von Punkten eingetragen werden könnte.

Man muss allerdings sagen, dass, im Gegensatz zu dieser Vorstellung, auch die Vergangenheit letztlich durch eine Unendlichkeit von Punkten repräsentiert wird, denn auf dem Strahl lassen sich auch nach links hin unendlich viele Punkte finden, im kleinsten, und wieder kleinsten Maßstab (infinitesimal).

Übrigens ist es eine weitere, sicherlich von niemandem bestrittene Vorstellung, die der Zeitstrahl suggeriert, dass die Gegenwart in einem Punkt zusammenkommt – dem Jetzt.

Noch ein Letztes sei bemerkt: Es ist unsere Vorstellung des Fließens der Zeit, sie würde in eine bestimmte, nicht anders denkbare, Richtung fließen. Im Zeitstrahl repräsentiert durch die selbstverständliche Flussrichtung „von links nach rechts“, ganz so, wie es unsere Gewohnheit ist, zu lesen. Bereits die Vorstellung, die Zeit flösse von rechts nach links, würde uns bereits ein wenig verwirren – und zwar nur am Zeitstrahl.

Warum hat die Zukunft kein Ende, wenn doch die Vergangenheit einen Anfang hat?

Warum ist das so? Weil das Bewusstsein quasi die Unterschiedlichkeit der Objekte des Denkens ist. Wahrgenommen als die Zeit. Das Bewusstsein kann kein Ende der Zeit erfassen. Die Voraussetzung des Wahrnehmens (im Bewusstsein) sind Objekte des Denkens, ist Zeit. Das Ende der Zeit wäre das Ende des Bewusstseins.

Aus der Sicht des Menschen ist hier keine Grenze zu ziehen.

Aus demselben Grund könnte man natürlich fragen, wie der Mensch überhaupt darauf kommt, er könnte die Feit in der Gegenrichtung begrenzen …

Zeitstrahl und Kausalitätsstrahl

Zeit und Kausalität hängen eng zusammen.- Ohne das Eine nicht das Andere. Ohne Zeit kein Vorher und kein Nachher – die Zentralbegriffe der Kausalität. Vorher, das wäre der Grund, die Ursache. Nachher, das wäre das Ziel oder die Folge.

Die Zeit und alle anderen Vorstellungen unserer Welt stehen somit in einem fundamentalen Zusammenhang. Man mag fragen: Wozu dieses Abhandeln von bloßen Vorstellungen? Die Antwort wäre: Was können wir Menschen denn denken, was über unsere Vorstellungen hinaus geht? Insofern (und das ist ja der Grund dieses Artikels) geht es um eben Vorstellungen. Worum sonst?

Zeit und Kausalität, Zeitstrahl und Kausalitätsstrahl

Siehe auch: Artikel Die semantische Natur der Dinge

Lesen Sie auch: Beitrag Zeit Rätsel: Was ist Zeit?

Ähnliches Thema: Sprüche Zeit – Über die Zeit

Ähnliches Thema: Beitrag Tarot: Der Mond. Symbolismus des Ouspensky

Zeitstrahl was last modified: Juni 6th, 2016 by Henrik Geyer