Albert Camus, das Absurde und Gott. Ist Gott absurd?

In Albert Camus‘ Werk kommt dem Absurden eine besondere Bedeutung zu. Die Welt IST absurd! Als Existenzialist verneint Camus zugleich die Existenz Gottes. In diesem Artikel geht es um die Frage, was das Absurde und Gott miteinander zu tun haben, und inwiefern sich beides nicht ausschließt, sondern genau dasselbe ist.

zu Albert Camus

Camus verneint, dass es einen begreifbaren Sinn des Lebens geben kann, denn die Welt, so wie er sie versteht, ist zufällig, irrational, entzieht sich der logischen Durchdringung – kurz, sie ist absurd. Das ist, im Kern, seine Philosophie des Absurden. Gleichzeitig war Albert Camus Existenzialist, d.h., das Begreifen des Menschen seiner selbst und an sich selbst ist die einzige und wahre Form des Verständnisses des Seins – insofern schließt Existenzialismus den Glauben an einen Gott aus, der den Menschen erschafft und lenkt. Dem Existenzialisten geht es um die Selbstbestimmung des Menschen, die zu erfahren und zu gestalten dessen Aufgabe ist. Worauf es dem Materialisten ankommt, was ihm im Zentrum aller Fragen steht, ist das konkrete Sein des Menschen als Individuum.

Für Camus sind Gott und das Chaos, bzw. das Absurde, zweierlei. Für mich ist es ganz ähnlich, eigentlich gleich. Das Chaos, das Absurde, sind für mich synonym mit: unbegreiflich. Und im Umkehrschluss: Gott als nachvollziehbar sehen zu wollen, unserer menschlichen Logik folgend, finde ich … unbegreiflich. Was wäre dann wohl göttlich an Gott?

die spirealistische Sicht

Im Spirealismus geht und ging es mir immer um das Wahrnehmen der Existenz Gottes. Gemeint ist Gott nicht als der gute und liebe Onkel, der, personifiziert verstanden, uns den Hammer reicht, wenn wir gerade auf der Leiter stehen, mit Nägeln im Mund, und um Unterstützung bitten. Oder der, in der Art eines Buchhalters, die Welt plant, durchrechnet und steuert. Sondern Gott als das Höhere. Höher bedeutet – uns übergeordnet, so dass diese Existenz uns unbegreiflich ist. Sie ist aus Menschensicht nicht logisch durchdringbar, vielmehr ist es ihre Logik, eine uns fremde Logik, die den Menschen erschafft.  Der Spirealismus sieht die Existenz als die Existenz von Gedanken im ewigen Jetzt – insofern sind die Gedanken des Menschen denen Gottes untergeordnet, und können nicht dessen Gedanken durchdringen.

Im Materialismus und durchaus auch in den vielfältigsten idealistischen Weltanschauungen werden die Gedanken stets als etwas von der Wirklichkeit Verschiedenes gesehen, so dass es scheint, als wäre es doch möglich, dieses äußerliche Wirken Gottes durch kluges Denken irgendwie zu erfassen.

Der Spirealismus hingegen sieht die dem Menschen eigenen Gedanken als nicht verschieden von den Gedanken Gottes – wenn sie den Gedanken Gottes untergeordnet sind dann deshalb, weil sie stets nur ein kleiner Teil von etwas sehr Großem sind. Die Gedanken sind die Elemente, die dem formlosen Alles (Gott) Form geben. Wenn man sich also nur als einen kleinen Teil der Schöpfung ansieht, ein Teil, aus dem es sozusagen Schöpfung sprudelt, und nicht etwa als Beobachter der Schöpfung, dann wird völlig klar, dass sich Gott, und damit die Urgründe des Seins, nicht erforschen lassen, und zwar aus systemischen Gründen (die sich nicht durchbrechen lassen). Etwa aus demselben Grund, wie ein Puzzle-Teil nicht das gesamte Bild des Puzzles sehen kann.

Parallele zu Albert Camus

Und hier nun ergeben sich die Parallelen zum Denken Albert Camus‘, im Grunde variiert lediglich die Formulierung … Wenn Albert Camus das Absurde beschreibt, und dafür Beispiele nennt, so ist das durchaus nachvollziehbar; es ist die Erfahrung, die im Christentum etwa so beschrieben wird: „Gottes Wege sind unergründlich.“, was im Umkehrschluss bedeutet, dass der Mensch sich bemühen kann wie er will, das gesamte Bild kann er nicht sehen. Der Mensch denkt, Gott lenkt – dem Menschen erscheinen die Wirkbeziehungen dessen, in das er geworfen ist, chaotisch, zufällig und irrational, und nicht, wie er es am liebsten hätte, durch ihn, den Menschen, im Ganzen zu ordnen. Ordnen kann der Mensch scheinbar nur seine kleinen, privaten Dinge, dennoch bleibt er einer Macht untergeordnet, die er nicht versteht, und oft genug, weil sie durch ihn hindurch wirkt, nicht einmal sieht („Der Mensch kann tun was er will, er kann aber nicht wollen was er will„).

Der Mensch glaubt ein außerhalb seines Selbst liegendes Bild wahrzunehmen, er glaubt es drehen und betrachten zu können, aber stattdessen ist er selbst eines jener Elemente, die das Bild hervorbringen (er ist das Puzzleteil im Puzzle), so dass er schon aus diesem Grund das Gesamtbild niemals sehen kann. Im Moment des Betrachtens entsteht etwas … es ist nicht schon da und nicht fertig, um sich in aller Ruhe betrachten zu lassen. Sondern, im Moment des Gedankens entsteht ein Bild, und wird im Moment eines weiteren betrachtenden Gedankens zu einem anderen Bild. Der Gedanke des Jetzt relativiert den vorhergehenden Gedanken, macht ihn ein Stück weit falsch.

Was immer der Mensch denkt das Gott sei, das ist er gerade nicht.

Meister Eckhart

Man könnte das Absurde, von dem Camus spricht, in sehr vielen Lebenserfahrungen finden, so dass sich der scheinbare Sonderweg Camus‘ als eine weitere Variante von etwas Wohlbekanntem entpuppt. Beispielsweise Kafkas Absurditäten, aufgeschrieben in „Das Schloss“ oder „Der Prozess“. Hierfür hat sich das Wort kafkaesk verbreitet, aber es handelt sich nicht im Grunde um nichts anderes als die Erfahrung der Camusschen Absurdität: Um die Beschreibung des Menschen als geworfen in eine Welt, die sich ihm nicht logisch erschließen kann. Und nicht umsonst nennt Max Brodt, der Verleger und Freund Kafkas, das Schloss im gleichnamigen Roman ein Sinnbild für das Wirken Gottes, denn das Schloss ist jene merkwürdige und rätselhafte Institution, der sich der Held des Stücks erfolglos zu nähern versucht – er schafft es nie. Noch nicht einmal die Barrieren, die ihn hindern in das Schloss zu gelangen, werden ihm ersichtlich.

Nein, das Absurde ist wahrhaftig keine seltene Erfahrung. Im Gegenteil, im Grunde dreht sich alles Wirken in Kunst und Kultur stets um diesen nie erfahrbaren Teil der Realität, der uns als „absurd“ „überaus bekannt ist – es ist das nie Greifbare, nie Be-Greifbare, man könnte auch sagen das Zufällige, das der Motor für alles ist; es ist das dem Menschen Interessanteste. Interessant ist ihm nicht das Berechenbare, nicht das scheinbar so „völlig Verstandene“. Eben deshalb erscheint so vielen unsere heutige Welt der Wissenschaften, der Pläne und der Rätsellosigkeit so uninteressant: Sie haben nur nie gelernt das Rätsel zu sehen.

Gott … absurd?

Nun wird man vielleicht sagen: Gott mag vieles sein, aber „absurd“ ist er nicht.

Nun, hier sollte man sich nicht an dem Wort absurd stoßen, denn das Absurde ist für Camus eine ganz alltägliche, normale Erfahrung. Das Absurde ist nichts anderes als das Irrationale, das nicht Erfassbare.

Die Erfahrung des Absurden ist nicht widersinnig, sondern im Grunde sehr normal, mit sehr viel Sinn verbunden, wenn man nur ein Auge dafür hat. Folgerichtig plädiert Camus dafür, diese Absurdität zu leben … wie? Indem man sie zuallererst einmal wahrnimmt.

Denn absurderweise (das ist das eigentlich Merkwürdige!) versteht sich der Mensch, ausgestattet mit der materialistischen Weltsicht, als der Lenker seiner selbst, als Bezwinger von Raum und Zeit, als singuläres kosmisches Ereignis, als Zentrum der Bewusstheit, als im Zentrum jeder Logik und jedes Wissens stehend.

Kann man aber wahrnehmen, dass das ganze Gegenteil der Fall ist, wird man nie wieder in die Höhle der Unwissenheit zurückfinden. Die sogenannte Absurdität, von der Camus spricht, wird zu einer Normalität – einer ständigen Gotteserfahrung im Alltag. Und die Erfahrung Gottes kann man mit vielerlei Worten benennen. Man kann sie absurd nennen, oder verwirrend, oder als die Erfahrung einer gigantischen Kraft jenseits unserer Vorstellungen. Man wird aber nie sagen können, man habe sie völlig verstanden und damit unterworfen. Sondern das Ziel kann nur sein, das Göttliche in der Form zu sehen, zu verstehen und zu akzeptieren, dass es allgegenwärtig und irrational ist – sich unserem Denken entzieht.

Die Erfahrung Gottes ist im Prinzip die Erfahrung eines Wunders, und das in einer Welt, deren normale Sichtweise es ist, dass es keine Wunder gibt und geben kann. Aus dieser, uns allgegenwärtigen, Sichtweise, erscheint es so, als sei das Leben vollständig verstanden, die Welt und der Mensch darin wie ein völlig erforschlicher Gegenstand, so dass die Welt aus heutiger Sicht geradezu schon langweilig wirkt und man sich fragt, wann schon einen Countdown zu hören vermeint, an dessen Ende die Lösung der letzten Rätsel steht. Doch langweilig, erschlossen, enträtselt, ist die Welt nicht; was uns fehlt dies zu erkennen ist lediglich der richtige Blick.

Albert Camus, ebenso wie Kafka, ebenso wie so viele Denker, Philosophen und Künstler, können uns zu diesem besonderen Blick, der uns das Höhere erkennen lässt, und als die uns übergeordnete Kraft wahrhaft verstehen lässt, verhelfen.

„Wenn du schon nicht erkennen kannst, dass es ein Wunder ist zu leben … wie kannst du dann nach etwas Tieferem fragen?“

Albert Camus, das Absurde und Gott. Ist Gott absurd? was last modified: Juni 23rd, 2017 by Henrik Geyer

Pascal Voggenhuber: Nicht Heiliger sein, sondern Mensch

Was ist Spiritualität? Fotos der Co-Autoren - Pascal Voggenhuber [SPID 4247]

Lieber Pascal, du bist ein reger und sehr bekannter Protagonist der spirituellen Szene, du bist ein Medium. Das bedeutet, du bist jemand, der eine Verbindung zum Jenseitigen herstellen kann, zu Geistern und Toten. Für dich, das gehört zum Verständnis des eben Gesagten, gibt es ein Leben nach dem Tod.

Du hast eine überaus erfolgreiche Webpräsenz, aber vor allem begeisterst du natürlich deine zahlreichen Anhänger mit Seancen, Lesungen und Bühnen-Veranstaltungen. Mich persönlich beeindruckt deine natürliche und unaffektierte Art.

Du hattest schwierige Zeiten zu überstehen, die dich in der Konsequenz dem Spiritismus (manche sagen auch Spiritualismus) näherbrachten. Ich denke an den lebensbedrohlichen Unfall mit einem Traktorwagen in deiner Kindheit, den du als ein Heraustreten aus deinem Körper beschreibst – ein jenseitiges Erlebnis. Du besuchtest später eine spiritistische Schule in England, warst dort einige Jahre. Spiritismus, das ist die englische Tradition der Geistbeschwörung, der Medien, des Hellsehens, der Séancen, des Kontaktes mit dem Jenseits.

Das Unbegreifliche gibt es – und man kann daher niemals sagen, dies oder jenes könne nicht sein. Dieses Alles-für-möglich-Halten empfinde ich als eine Einstellung der Achtsamkeit und der Achtung dem Höheren, wenn man so will Gott, gegenüber. Diese gedankliche Einstellung ist heute wichtiger denn je, denn unsere materialistische Sichtweise lässt es so scheinen, als sei der Mensch das Herz aller Dinge, gleichsam ein göttlich-unbestechlicher Beobachter einer Welt. Während er, zumindest nach meinem Verständnis, selbst ein Element dessen ist, was er doch nur zu beobachten glaubt. Der Mensch, aus dem heraus sich Dinge materialisieren, kann das Reich Gottes nicht überblicken, sondern er darf in ihm staunen und glücklich sein … er sollte glücklich sein. Die Welt ist voller Wunder, wenn man sie sehen kann, während die Welt dem gewohnt-materialistischen Blick wie völlig erklärbar und erklärt, manchmal sogar eintönig erscheint.

Ich denke, es ist wichtig und es gibt den Menschen ganz viel, wenn in dieser scheinbar so allwissenden Zeit durch dich sympathisch und beredt die allerelementarsten Fragen noch einmal neu und aktuell gestellt werden.

Spireo: Mich interessiert der Aspekt des Todes … Was ist Tod?

Für mich gibt es den Tod so nicht …

Wenn man mit Menschen spricht, und die sagen, man würde sterben, dann sage ich, es gibt wohl einen physischen Tod, der Körper stirbt .. Aber die Seele, das, was wir wirklich sind, das bleibt; oder es lebt weiter. Wenn jemand hier stirbt, dann wird er im Grunde nur verändert, es findet eine Transformation statt, und er wird wiedergeboren in der geistigen Welt.

Und da fragt es sich, auf was sich dieser Begriff des Sterbens bezieht: auf den körperlichen Tod oder den seelischen Tod.

Wir sind laut Wissenschaft zu 100 % reine Energie, und wir wissen ja auch, dass Energie weder auflösbar noch zerstörbar ist, sondern nur veränderbar.

Und das ist auch diese Kontinuität, dieses Weiterbestehen. Der Körper vergeht in dieser Welt, aber in einer anderen, geistigen Welt, existieren wir weiter.

Spireo: Es stimmt, aus biochemischen Formeln lässt sich die Kraft des Lebens nicht ableiten. Das führt man sich nur nicht vor Augen, wenn man das Wort Leben oder Tod beiläufig benutzt, so als sei alles damit gesagt, so als habe man überhaupt verstanden, was es ist.

Für mich verbindet sich mit dem Gedanken an ein Leben nach dem Tod die Frage nach Erinnerung. Es gibt eine Textzeile eines Songs von Eric Clapton, „Tears in Heaven“, in der es heißt: Würdest du meinen Namen kennen, wenn wir uns im Himmel begegneten?

Er fragt sich also: Eine weitere Welt, als die im Jetzt erlebte, würde man nur dann erkennen können, wenn man sich an die jetzt erlebte Welt zurückerinnern könnte. Ohne Erinnerung an eine diesseitige Welt kann man auch keine jenseitige Welt als solche erkennen. Ohne Erinnerung ist der Tod also etwas Endgültiges, so wie er es in unserer Welt zu sein scheint. Im Kontext von Eric Claptons Song heißt das: würde ich einen geliebten Menschen im Jenseits erkennen? Was hingegen kann es uns bedeuten, Menschen wiederzutreffen, wenn wir uns nicht ihres Namens entsinnen könnten?

Daher die Frage aus dem Song an dich als Medium: Würdest du meinen Namen kennen, wenn wir uns im Jenseits begegneten?

Zunächst einmal müssen wir verstehen, dass unsere Existenz oder unsere körperliche Form, in der wir gerade jetzt leben, nicht die einzige ist, sondern dass wir vorher und auch nachher x körperliche Daseinsformen haben. Wir werden nicht ein einziges Mal geboren, sondern wir werden mehrmals geboren.

Ich liebe halt den Bezug zur Quantenphysik. Insofern bin ich vielleicht nicht ganz so esoterisch wie man es vielleicht erwartet. Wir wissen eben auch von der Quantenphysik, dass es Raum und Zeit gar nicht gibt. Deshalb sage ich auch oft zu der Frage der Wiedergeburt, dass es keinen linearen Ablauf für Geburt und Tod gibt. Wir hatten eigentlich keine vergangenen Leben, sondern wir leben im Grunde alles gleichzeitig, jetzt. Aber das kann natürlich das menschliche Gehirn nicht fassen. Das macht das Ganze so komplex.

Auch wenn man Geistführer nach dem Unterschied dieser Welt hier zur geistigen Welt fragt, sagen die sehr oft: wir können das nicht erklären, weil ihr es mit eurem Gehirn verstehen wollt, doch euer Gehirn reicht nicht aus, das zu verstehen. Denn ihr wollt in dieser Zeit-Raum-Ebene verstehen. Wir können mit den Worten „alles ist gleichzeitig“ oder „es gibt keine Zeit und keinen Raum“ wohl etwas anfangen, aber wir können diese Worte nicht verstehen oder nachvollziehen …

 

Link zur Webseite von Pascal

Dieses Gespräch ist Teil des Buches:


Was ist Spiritualität?

Was bedeutet Menschen Spiritualität? Wozu ist sie gut? Wie leben Menschen Spiritualität? Ist Kreativität spirituell? Kann Spiritualität heilen? Was bedeutet Tod?.
Henrik Geyer führte Gespräche mit spirituellen Menschen – mit Stefan Blankertz, Dr. Ruediger Dahlke, Catharina Fleckenstein, Ralf Hillmann, Cristina Holsten, Petra Milkereit, Werner Szendi, Pascal Voggenhuber

Pascal Voggenhuber: Nicht Heiliger sein, sondern Mensch was last modified: Oktober 20th, 2016 by Henrik Geyer

Bewusstsein und Materie

Wo ist die Grenze zwischen Bewusstsein und Materie?

Wer noch nicht an sich selbst beobachtete, dass die Wandlung einer inneren Auffassung von etwas dieses Etwas selbst verändert, der nennt Menschen, die die Veränderung der eigenen Situation vom Glauben her angehen, vielleicht „Wunschdenker“. Die Vorstellung, mit Bewusstsein die Realität verändern zu wollen, nennt man „unrealistisch“. Man meint einen Kinder-Irrglauben im Anderen zu entdecken, hält das für naiv.

Ein Wort zu Glauben und Wissen, Bewusstsein und Materie

Man sieht nicht, dass es sich bei dem von der Religion gemeinten „Glauben“ aus der subjektiven Sicht nicht um einen Glauben, sondern um Wissen handelt. Nur als felsenfestes Wissen ist Glaube wirksam.

Der Glaube ist als Wissen entstanden, nicht als Wunsch, oder gar als Etwas-nicht-genau-Wissen.

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass Gedanken Realität besitzen, sogar die entscheidende. Die Frage ist nur: in welchem Maß lässt sich durch Bewusstsein die Realität beeinflussen? Das ist verbunden mit der Frage, was unsere Wirklichkeit in Wirklichkeit, eigentlich, im Grunde, in der Realität, ist?

Ist die Realität vielleicht der Gedanke an eine Realität … in uns? Oder handelt es sich bei der Realität um Objekte und Vorgänge außerhalb von uns, was beides eindeutig voneinander unterscheidbar machen würde??

Bewusstsein und Materie – wer kann genau unterscheiden?

„Ich weiß nicht, ob ich ein Mann bin, der träumt, ein Schmetterling zu sein, oder ob ich ein Schmetterling bin, der träumt, ein Mann zu sein..“

… dieses Zitat stammt von Dschuang Dsi, einem taoistischen Philosophen etwa 350 – 275 v. Chr.

Sind die Gedanken meines Wachseins genauso real wie die Gedanken meiner Träume? Was unterscheidet beides? Haben Gedanken überhaupt Realität? Scheinbar sind doch die Objekte des Außen, die materiellen Objekte, von einer ganz anderen Beschaffenheit, als Gedanken? Die Tische, die Häuser, die Sterne sind doch scheinbar so grundverschieden von den Gedanken, den Gedanken beispielsweise an Tische, Häuser, Sterne.

Wir erleben zwar ständig, dass Gedanken Realität werden – sich materialisieren, indem sich Dinge aus unserem Geist in der Realität umsetzen. Wir denken an einen Kaffee und haben im nächsten Moment einen Kaffee in der Hand, den wir trinken können. Und wir erleben auch ständig, dass äußere Objekte Gedanken werden, indem wir uns von den äußeren Objekten Begriffe bilden, die dann in unserem Geist existieren. Nur möchten wir etwas Grundverschiedenes, Gegensätzliches in Materie und Geist sehen. Oder besser ausgedrückt: wir sind es gewohnt, diesen Gegensatz zu sehen.

Die Verwandlung des Geistigen in etwas Reales erleben wir also ständig – es ist Normalität. Und doch sehen wir etwas so Gegensätzliches in Geist und Materie, in Phantasie und Realität. Irgendwo muss doch die Umwandlung von der Idee in Materie einsetzen und stattfinden. Wo und wann?

Wenn man sich einen Kaffee macht, dann wird aus dem Gedanken an einen Kaffee eine Tasse in der Hand! Etwas materialisiert sich. Der Gedanke wird zu Stoff, indem der Körper handelt, sich den Kaffee macht, Bewegungsenergie sinnvoll einsetzt, um den Kaffee zu machen – es handelt sich also zumindest um eine Umwandlung von Geist in Bewegungsenergie (nach Einstein ist Energie eine Form der Materie).

Die Welt ist bereits durch und durch geistig

Der Spirealismus vertritt die Auffassung, dass Materie unsere Sichtweise auf Information ist. Die Welt ist Geist, ist Information, und der Versuch unterscheiden zu wollen, zwischen Geist und Materie, ein künstlicher.

In meinen Büchern gehe ich der Frage nach, was die Dinge, die wir sehen, „wirklich“ sind. Was ist der Ursprung und das Wesens unserer Vorstellung von Realität? Was ist ein Objekt? Was ist Zeit und Raum? Wodurch ist die Realität definiert? Die Grenze zwischen Geistigem und Materiellem ist und bleibt weitgehend undefiniert.

Ausgangspunkt für meine Überlegungen war, dass ich am eigenen Leib erfuhr, dass eine Änderung der geistigen Disposition eine Änderung der Welt bewirkt. Meiner Welt immerhin …. aber auch der einzigen Welt, die ich kenne.

Geistig ist materiell. Die Grenze ist zwischen beidem ist eine Vorstellung. Eine Vorstellung des Geistes.

Bewusstsein und Materie was last modified: Juli 19th, 2016 by Henrik Geyer

Glauben und Wissen – Geist und Materie

Glauben und Wissen - Geist und Materie [SPID 1204]

Wo ist die Grenze zwischen Wahrnehmung der Realität und der Realität? Zwischen Glauben und Wissen, zwischen Geist und Materie?

Man kann die Einheit erleben

Diejenigen, die die Wahrheit und Tatsache einer spirituellen Wandlung noch nicht selbst erlebten, die noch nicht bewusst bei sich selbst beobachteten, wie eine Wandlung der inneren Auffassung „von“ einer Situation, die Situation/die Realität selbst verändert, nennen Menschen, die die Veränderung der eigenen Situation vom Glauben her angehen, „Wunschdenker“.

Siehe auch: Beitrag Wunschdenken

Sie nennen die Vorstellung, mit Gedanken die Realität verändern zu wollen, „unrealistisch“. Sie meinen, einen Kinder-Irrglauben in den Anderen, den Gläubigen, den Idealisten, zu entdecken und halten das für schädlich und naiv. Sie sehen nicht, dass es sich bei dem von der Religion gemeinten „Glauben“ aus der subjektiven Sicht nicht um einen Glauben, sondern um Wissen handelt. Nur als felsenfestes Wissen ist der (nur so genannte!) Glaube wirksam.

Glauben und Wissen … Glaube IST Wissen

Religion, religiöser Glaube, ist als Wissen entstanden, nicht als Wunsch, oder gar als Etwas-nicht-genau-wissen.

Dabei ist es eine unbestreitbare Tatsache (auch Materialisten werden es nicht bestreiten), dass Gedanken Realität besitzen. Die Frage ist nur: welche Realität genau, in welchem Maß real? Die Frage, was unsere Wirklichkeit eigentlich ist – vielleicht die Gedanken in uns, oder die Objekte und Vorgänge außerhalb von uns, und was diese beiden Welten eindeutig voneinander unterscheidet, ist uralt.

„Ich weiß nicht, ob ich ein Mann bin, der träumt, ein Schmetterling zu sein, oder ob ich ein Schmetterling bin, der träumt, ein Mann zu sein..“

Dieses Zitat stammt von Dschuang Dsi, einem Philosophen etwa 350 – 275 v. Chr.

Sind die Gedanken meines Wachseins genauso real wie die Gedanken meiner Träume? Was unterscheidet beides? Haben Gedanken überhaupt Realität? Scheinbar sind doch die Objekte des Außen, die materiellen Objekte, von einer ganz anderen Beschaffenheit, als Gedanken? Die Tische, die Häuser, die Sterne sind doch scheinbar so grundverschieden von den Gedanken, den Gedanken beispielsweise an Tische, Häuser, Sterne.

Gedanken materialisieren sich … ständig

Wir erleben zwar ständig, dass Gedanken Realität werden – sich materialisieren, indem sich Dinge aus unserem Geist in der Realität umsetzen. Wir denken an einen Kaffee und haben im nächsten Moment einen Kaffee in der Hand, den wir trinken können. Und wir erleben auch ständig, dass äußere Objekte Gedanken werden, indem wir uns von den äußeren Objekten Begriffe bilden, die dann in unserem Geist existieren. Nur möchten wir etwas Grundverschiedenes, Gegensätzliches in Materie und Geist sehen. Oder besser ausgedrückt: wir sind es gewohnt, diesen Gegensatz zu sehen.

Die Verwandlung des Geistigen in etwas Reales erleben wir also ständig – es ist Normalität. Und doch sehen wir etwas so Gegensätzliches in Geist und Materie, in Phantasie und Realität. Irgendwo muss doch die Umwandlung von der Idee in Materie einsetzen und stattfinden. Wo und wann?

Wir machen uns einen Kaffee – und dadurch materialisiert sich ein Gedanke …. aus Geist wird Materie! Der Gedanke wird zu Stoff, indem mein Körper handelt, sich den Kaffee macht, Bewegungsenergie einsetzt, um den Kaffee zu machen. Es handelt sich also mindestens um eine Umwandlung von Geist in Bewegungsenergie (nach Einstein ist Energie eine Form der Materie).

Glauben und Wissen – Geist und Materie

Die Frage nach dem Unterschied zwischen Glauben und Wissen – Geist und Materie ist die grundlegendste, ursprünglichste aller Fragen. Wir gehen von einem Unterschied aus (nicht so der Spirealismus), können ihn aber nicht definieren.

Mindestens seit Kants vergeblicher Suche nach den Dingen in ihrer eigentlichen Wesensart, den Dingen „an sich“ ist deutlich, dass die Dinge und unsere Phantasie von den Dingen, sich vermischen. Es gibt keine Grenze. Gäbe es sie, müssten wir sagen, wir können sie nicht kennen – und kommen somit wieder auf die Aussage zurück: Für uns Menschen gibt es sie nicht. Da wir nur unsere menschliche Sichtweise zur Verfügung haben, und alles nur von unserer Warte sehen, können wir mit Fug und Recht sagen: Es gibt keine Grenze.

 

Als Resultat dieser Überlegungen legt Spirealismus dar: Eine Änderung des Geistigen (der Gedanken) bewirkt eine Änderung der Welt. Geistig ist Materiell. Die Grenze ist zwischen beidem ist eine Vorstellung, nichts anderes.

Siehe auch: Artikel Spiritualität leben – wir sind spritituelle Wesen

Ähnliches Thema: Was ist Glück?

Glauben und Wissen – Geist und Materie was last modified: Juli 3rd, 2016 by Henrik Geyer

Weltall – All – Alles. Was ist alles? Das Weltall als Vorstellung

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Thema Weltall Zum individuellen All gehört die Tasse auf dem Tisch ebenso, wie die entferntesten Sterne. Was das Bewusstsein kennt, ist immer verschieden - daher ist jedes All verschieden von jedem anderen.

Wenn in der Philosophie von „den Dingen“ die Rede ist, dann geht es nicht nur um die Kaffeetasse vor uns auf dem Tisch. Um die geht es auch. Es geht um das Wesen aller Dinge. Also ebenso gut um die Planeten, die Sterne, die Universen. Es geht um alles. Es geht um das All. Was ist das Weltall?

Die Welt und das Welt-All

Die Welt und das All sind Synonyme. Die ganze Welt – das ist auch das All.

Wenn man also sagt: „Weltall„, dann kann dieser Begriff nicht umfassender gemeint sein.

Das Weltall ist einfach alles, was man sich nur vorstellen kann.

… was man sich vorstellen kann, oder alles was es gibt? Gibt es alles, was man sich vorstellen kann? Kann man sich alles vorstellen, was es gibt?

Weltall=Universum

Das Wort „Universum“ drückt dasselbe wie „All“ aus. Es ist universell jeder Gegenstand damit beschrieben, den es geben kann. Jeder Begriff.

Ich-Universen

Auf diesem Blog wird der Spirealismus erläutert.

Der Spirealismus hat zum Verhältnis Geist/Materie folgende Überlegung: Wenn meine Gedanken über die „Dinge“ alles ist, was ich über die Dinge weiß, dann ist mein Gedanke an die Dinge nichts anderes, als die Dinge selbst.

Mag man auch umformulieren: „nichts anders, als man je über die Dinge wissen kann..“ (so als wäre damit irgendwie gesagt oder bewiesen, die Dinge gäbe es noch einmal extra von den Gedanken) – es läuft auf dasselbe hinaus. Was die Gedanken von den Dingen mitteilen ist alles, was darüber zu sagen ist.

(Das widerspricht auf merkwürdig-unerklärliche Art dem materialistischen Weltbild, das ja voaussetzt, die Dinge wären noch einmal etwas anderes, als die Gedanken an sie.)

Zum Weltall hat der Spirealismus eine ähnliche Überlegung. „Alles“, also mein Weltall, kann mir nur das sein, was ich in meinem Geist bewege. Etwas, das ich nicht in meinem Geist bewege, ist auch nicht Teil meines Weltalls.

Das Große und das Kleine

Zum individuellen Weltall gehört die Tasse auf meinem Tisch ebenso, wie die entferntesten Sterne. Es geht nicht darum, zwischen groß und klein zu unterscheiden, sondern es geht um Bewusstsein. Alles was im Bewusstsein auftaucht, ist auch Teil des individuellen Weltalls.

Dieser Satz erscheint weniger trivial, wenn man sich vor Augen führt, dass man über all jenes, was man nicht weiß, was nicht Teil des eigenen Ich-Universums ist, auch keine Aussage machen kann.

Siehe auch Artikel zum Thema:  ‚Was ist das Nichts? als Grundfrage der Philosophie.‘

Spireo Spiritualität Die Sterne fuerchten sich - Lebensweisheit Spruchbild: Die Sterne fürchten sich nicht, wie Leuchtkäfer zu erscheinen. Rabindranath Tagore
Die Sterne fürchten sich nicht, wie Leuchtkäfer zu erscheinen.
Rabindranath Tagore

Jedes Weltall ist unterschiedlich

Damit ist auch gesagt, dass jedes Weltall unterschiedlich ist. Denn das, was ein Mensch in seinem Geist bewegt ist mit Notwendigkeit anders als das, was ein anderer in seinem Geist bewegt. Die Universen, als Summe der Dinge darin, sind notwendigerweise verschieden.

Daher spricht der Spirealismus nicht von dem einen und einzigen „Weltall“, sondern vom Weltall des individuellen Begreifens. Konkret von Ich-Universen. Wenn das Ich von einem Universum redet, kann es nur das Universum der persönlichen Begreifens sein. Nichts anderes. 

Siehe auch: Beitrag ‚Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt‘

Das Weltall und das Nichts

Es bleibt noch darauf hinzuweisen, dass „Alles“ ein dem Menschen ebenso unbegreiflicher Begriff ist, wie das Nichts.

Es ist dem Menschen (materialistischer Denkart) zwar Gewohnheit, das Nichts als ETWAS anzusehen, das nicht da ist, logisch ist das aber nicht. Das Nichts ist nicht beschreibbar, da sich über etwas, das man nicht weiß, keine Aussage machen lässt. Dies ist nicht zuletzt eine Aussage des antiken Philosophen Plato.

Ebenso unbegreiflich ist der materialistischen Denkart das „Alles“. Die Vorstellung von Alles, Weltall und Universum, verbindet sich nicht umsonst mit dem Begriff „Unendlichkeit“.

Lesen Sie auch:  ‚Das Unendliche. Was ist unendlich?‘

 

 

 

 

 

 

 

Weltall – All – Alles. Was ist alles? Das Weltall als Vorstellung was last modified: März 10th, 2016 by Henrik Geyer

Ist der Mensch die Krankheit der Welt? Zerstörung der Erde – Heilung der Erde.

Zerstörung der Erde: Ist der Mensch die Krankheit der Erde?

Ist der Mensch die Krankheit der Erde?

Zunächst einmal erscheint die Frage ungewöhnlich, oder gar ungehörig. Soll sich denn etwa der Mensch mit einer Krankheit vergleichen?? Und die Welt soll auf der anderen Seite der Patient sein? Zerstörung der Erde durch den Menschen, der sich doch eigentlich in der Rolle des Erschaffers sieht?

Unsere Sichtweise bezieht normalerweise nur uns selbst ein. Wir sorgen uns um uns, nicht um die Welt. Ebenso wenig machen wie wir uns Sorgen um die Bazillen in uns – etwa in der Art: „Sind wir krank genug, damit sie leben können?“

Ist also die eingangs gestellte Frage dumm, ungehörig und defätistisch?

Zerstörung der Erde durch ungezügeltes Wachstum

Die Frage „Ist der Mensch die Krankheit der Erde?“, lässt uns aber eine Perspektive einnehmen, die für uns überaus wichtig ist, selbst wenn wir wieder nur ganz egozentrisch vorgehen. Selbst wenn wir nur an uns denken, nicht an die vielen Tierarten etwa, die uns weichen mussten und müssen.

Denn, so muss man feststellen, die Welt ist immer ein Gleichgewicht, egal aus welcher Perspektive man schaut. Ein Gleichgewicht, das uns hervorbrachte – ganz genauso wie ein Mensch ebenfalls ein Gleichgewicht ist. Ein Mensch stirbt, wenn das Gleichgewicht in ihm gestört ist, beispielsweise durch das ungezügelte Wachstum einer Krankheit. Die Krankheit wächst und wächst, ihre Zellen breiten sich aus, und entziehen dem Ganzen, dem sie selbst eigentlich auch die Existenz verdanken, die Lebensgrundlage. Und schließlich stirbt der Mensch, wenn er dem Wachstum nicht Einhalt gebieten kann. Mit ihm stirbt die Krankheit. Das Wachstum endet so oder so auf natürlichem Weg.

Das Gleichgewicht namens „Welt“ wiederum, dessen Teil und Produkt wir sind, kann ebenso wenig ungezügeltes Wachstum vertragen. Auch hier steht am Ende des ungezügelten Wachstums eine Zäsur.

Ebenso, wie die Krankheit schließlich stirbt, wenn der Wirt stirbt, wird der Mensch sterben, wenn die Natur der Welt aus dem Gleichgewicht kommt, das wir kennen. Wenn das Gleichgewicht beginnt eine andere Form anzunehmen – eine Form dann, die uns nicht mehr hervorbringt.

Das ist das hermetische Prinzip, nach dem sich alles in allem immer wiederfindet. So wäre es im egoistischsten Interesse des Menschen, das Gleichgewicht, das ihn hervorbringt, zu bewahren.

Allmachtsphantasien verhindern Taten zur Heilung der Erde

Das ist, bis hierhin, eigentlich eine recht einfache und klare Überlegung. Was verhindert nun, dass wir Schritte zur Heilung der Erde unternehmen? Schritte in Richtung „weniger Wachstum in der Masse“? Und sei es nur der Schritt, dass das Problem in die breite Diskussion kommt?

  • Es ist erstens die Überzeugung, dass die Menschheit Wachstum braucht. Nur so können wir leben, glauben wir insbesondere in den entwickelten Industrienationen. Wachstum hat in der Vergangenheit (die wir kennen) wunderbar funktioniert.
  • zweitens die Überzeugung, dass eine Begrenzung des menschlichen Lebens einem Sakrileg gleichkommt. Das heißt im Klartext: je mehr Menschen, desto besser.
  • drittens die Vorstellung, dass der findige Mensch im Fall der Not ein Ass aus dem Ärmel ziehen wird. In den Weltraum auswandern, beispielsweise, oder eine riesige CO2-fressende Maschine installieren, oder schnell eine riesige Menge Bäume pflanzen. Aber all das bitte erst, wenn es hart auf hart kommt.

Ist das menschliche Urteilsvermögen tatsächlich so unbestechlich, wie der Mensch selbst meint?  Wer sich die Zufriedenheit ansieht, mit der Waffen auf Waffen gehäuft werden, bis sich der Mensch schließlich viele Male selbst in die Luft sprengen kann; wer sich die überall zunehmenden Umweltkatastrophen anschaut – der wird an dieser Urteilsfähigkeit zweifeln.

„Der Mensch“, oder besser: „der vernunftbegabte Mensch“, dessen Existenz in diesem Artikel immer vorausgesetzt wird, und von dem immer die Rede ist – es gibt ihn eigentlich nicht. „Der Mensch“, das wäre ein global agierender und wirkender, aber  auch global denkender, Übermensch. Doch „der Mensch“ in seinem globalen Auftreten hat einen unterentwickelten Verstand; einen uneinheitlichen Verstand. Einen Verstand, der sich aus den Gehirnzellen all seiner Individuen zusammensetzt, die jeweils immer an sich denken und nicht an „den Menschen“. Im Ergebnis ist „dem Menschen“ wenig an der Erhaltung seiner selbst gelegen. Ganz ähnlich, wie dies bei einer Krankheit ist, deren Zellen wachsen, ohne an das zwangsläufige Ende des Wachstums zu denken – dann nämlich, wenn der Wirt endet.

Der Mensch ist Teil eines Prozesses – nicht dessen äußerlicher Beobachter, nicht dessen Verursacher und nicht dessen Bedingung

Wir Menschen haben noch nicht verstanden, dass wir Teil eines Prozesses sind, von dem wir selbst abhängen. Die Welt ist nicht von uns geschaffen. Wir können die Welt nicht ein zweites Mal erschaffen, wenn die Zerstörung der Erde vollendet ist. Wenn erste Welt „verbraucht“ ist. Die materialistische Sichtweise, nach der wir die genialen Beobachter eines äußerlich stattfindenden Prozesses sind, von dem wir eigentlich nicht abhängen, ermöglicht uns eine unbegreifliche Überheblichkeit. So als wären wir autark von der Welt. Und so, als hätten den Reichtum der Welt erst wir hervorgebracht.

Aber der eigentliche Reichtum – das ist die Welt selbst, nicht unsere Industrieprodukte.

Nur fundamentales Umdenken wird ermöglichen, dass nicht der uns hervorbringende Prozess uns begrenzt, sondern dass wir uns nach unseren eigenen Maßstäben begrenzen dürfen. Um die Zerstörung der Erde zu beenden, um die Erde zu heilen, benötigen wir alle zur Verfügung stehende Vernunft.  „Der Mensch“, von dem wir immer so selbstverständlich sprechen – das wollen wir erst werden.

 

 

 

Ist der Mensch die Krankheit der Welt? Zerstörung der Erde – Heilung der Erde. was last modified: Dezember 2nd, 2015 by Henrik Geyer

Die Welt gibt es nicht!

die Welt gibt es nicht: Der subjektive Blick auf die Welt

Worum geht es?

Die Welt gibt es nicht! …was für ein wunderbarer Titel. Es ist die Aussage mancher zeitgemäßer Philosophie. Aber, warum soll es die Welt nicht geben? Wie kommt man überhaupt darauf?

Man kommt auf diese Frage, wenn man sich beispielsweise vorstellt, dass unser Bewusstsein genauso gut abgekapselt, in einem Computergehirn existieren könnte, oder als ein in einem Wasserbad schwimmendes Gehirn. Da das durchaus möglich wäre (und die Herstellung künstlicher Intelligenz wird uns das umso mehr verdeutlichen), stellt sich die Frage, ob denn „die Welt“ nicht eine Art Täuschung sein könnte, gemacht, um uns eine Kulisse zu bieten, so wie sie sich eine uns übergeordnete Intelligenz ausdenkt.

Dieselbe Frage, was eigentlich die Realität ist, hatte sich der Vordenker des Surrealismus, Andre Breton, übrigens auch gestellt. Im ersten Weltkrieg lernte er in einem Lazarett einen traumatisierten Soldaten kennen, der den Krieg als eine erfundene Kulisse ansah, gemacht, um ihn zu täuschen.

Man muss also offenbar nicht die modernste Technik bemühen, um sich, durchaus berechtigt, die Frage zu stellen, ob denn die Welt vielleicht gar nicht „richtig“ existiert, sondern vielleicht nur ausgedacht, oder nur vorgetäuscht ist.

Übrigens geht die jahrtausendealte Frage des Zhuang Zhou: „Bin ich ein Schmetterling, der träumt, ein Mensch zu sein, oder bin ich ein Mensch, der träumt, ein Schmetterling zu sein? “ in genau dieselbe Richtung.

Die Frage geht aus von der Feststellung, dass alles Begreifen der Welt durch die Sinne erfolgt. Und die Sinne sind nirgendwo angekoppelt an eine feststellbare Objektivität – oder bildlich gesprochen – sie haben kein eindeutig determiniertes „Kabel“ zu einer Außenwelt.

Wenn wir nun einmal die Welt vor uns sehen.. das beweist doch ihre Existenz?

Der Existenzialismus dreht die Sichtweise um. Er fragt nicht , was die Dinge sind, die wir sehen, sondern er sieht den individuellen Blick als die ursprüngliche Existenz. Die Existenz liegt in dem Blick, mit dem wir die Welt sehen, nicht in der Welt…

Der Materialist, der gelernt hat, dass die Materie im Außen existiert, und dass es die Materie ist, die wir beobachten,  kann sich allein schon den Sinngehalt der Frage nicht erklären. Sie kommt ihm sinnlos vor. Wenn wir nicht Materie „beobachten“ – was „beobachten“ wir dann? Und wozu sollte man die Frage überhaupt stellen?

Die Welt gibt es nicht!

Man sollte die Frage stellen, weil die Notwendigkeit einer definierten Außenwelt, die wir nur beobachten, nicht existiert. Wie gesagt: eine irgendwo feststellbare Objektivität gibt es nicht. Welche Notwendigkeit jenseits der Denkgewohnheit der vom Geist getrennten Außenwelt gibt es also?

Es handelt sich sich bei der Frage auch nicht um eine (eigentlich) überflüssige philosophische Volte. Sondern um das Fundament unseres Denkens.

Der Spirealismus schließlich geht von der Tatsache der nicht existierenden Objektivität aus – es ist ihm Denkvoraussetzung.  Die Antwort des Spirealismus auf die Frage „Wenn wir nicht Materie „beobachten“ – was „beobachten“ wir dann?“ ist: Wir beobachten nicht – im gleichen Maße erschaffen wir auch. Was wir sehen sind Welten der Relation, in der wir selbst die Festlegungen sind. Denn tatsächlich muss der genau Überlegende feststellen, dass individuelle Sichtweise auf die Welt letztlich die einzige Sichtweise ist, die überhaupt zur Verfügung steht. Eine objektive Sichtweise lässt sich im Letzten nirgendwo finden – statt dessen „nur“ die subjektive Sichtweise von Individuen-Gruppen (im Spirealismus Supersubjektivität genannt).

Und, so gesehen, kann man nicht davon sprechen, wir würden eine Welt beobachten. „Die Welt“ gibt es nicht. Es gibt die Welten der subjektiven Wahrnehmung.

Die Welt gibt es nicht! was last modified: April 28th, 2016 by Henrik Geyer