Aspekte des Ich-Universums, Teil 4: das Universum außerhalb von mir ist das Universum in mir

In diesem Abschnitt soll es nun darum gehen, wie wir uns das Ich-Universum vorstellen können, welche Parallelen sich zu dem Universum ergeben, das wir im Außen sehen, welche Sinnhaftigkeit darin liegt, etc..

Was ist ein Universum?

Stellen wir uns ein Universum zunächst als ein All vor, als eine Summe von Allem, was einen Menschen oder eine Menschengruppe (die Menschheit) umgibt. Es ist dabei wichtig, folgenden Aspekt im Hinterkopf zu behalten: das Wichtige am Universum sind eigentlich nicht die Sterne und Sonnen und Planeten, sondern die ganz normalen Dinge des Alltags. Die Kaffeetasse, die Kollegen, die kleinen und großen Sorgen.

Wenn man das Universum so sieht: die kleinen Dinge, die unser tägliches Leben sind als nicht wirklich getrennt von den großen Dingen, sondern wirklich alles als integralen Bestandteil des Alls, des Universums, dann haben wir einen wichtigen Schritt getan, um uns das Universum in seiner spirituellen Variante vor Augen zu führen, und zu ermöglichen, dass wir das Majestätischste, die Sterne und Galaxien, mit dem Trivialsten, in einem Zusammenhang denken können.

Und eigentlich gibt es ja auch keinen Grund zu sagen, dass der Bleistift, der vor mir liegt, weniger Teil des Universums sei, als eine Supernova in Milliarden Lichtjahren Entfernung. Mehr noch: der Bleistift ist in meinem Leben wichtiger! Und der Raum, der in meiner Kaffeetasse ist, in die hinein ich den Kaffee gieße, den ich dann trinken möchte, ist nicht verschieden von dem Raum der zwischen den Planeten ist.

Wir haben so auch das Fundament gelegt, um einem wichtigen hermetischen Grundsatz in unserem Denken zu genügen, bzw. seine Denkbarkeit vorzubereiten: ich meine das Prinzip der Entsprechungen, dem zufolge sich alles in allem findet. Wie oben, so unten. Wie außen, so innen. Wie im Großen, so im Kleinen. Das bedeutet: alles hat mit allem zu tun, es gibt keine wirkliche Trennung. Die Prinzipien die für die genannte Supernova gelten, gelten auch für den Bleistift. Die Verbindungen sind allumfassend und weit über das hinausgehend, was ich sehen kann.

Ich will auch gleich, ein wenig vorgreifend, den Grund nennen. Könnte ich sonst keine Verbindung zwischen der Supernova und Bleistift sehen, so ist doch eine Verbindung ganz offensichtlich: die meines Geistes. Beide Dinge sind Bestandteile meines Geistes, und indem ich sie in meiner Vorstellungskraft bewege und gewichte, ist es mir möglich, in der Art eines Schöpfers, hier ein wenig Gewicht hinzuzufügen, dort ein wenig wegzunehmen. Ich kann die Gewichtung in meinem Geist so verteilen, dass beide Dinge gleichwertig sind, und dass der Bleistift nicht geringer wiegt, als die Supernova.

Und das ist nun wieder das Verbindende, das Analoge. Der Geist, der als Ich eine ganz konkrete Form annimmt. In mir wird alles analog, ebenso, wie in mir auch alles divers wird. Ich kann alles, jeden Gegenstand, immer nur mit demselben Geist erfassen. Jeder Gegenstand wird durch mich, in meinem Geist, zu einem individuellen Gegenstand. Denn meine Sichtweise auf die Dinge ist einzigartig.

Sich den Geist wiederum als das eigentlich Welt-Erschaffende zu denken, genügt dem ersten hermetischen Prinzip Alles ist Geist, und beweist es. Der Beweis kann durch jeden Menschen geführt werden, der über genügend Phantasie verfügt, sich das oben Genannte vorzustellen, und in seinen Gedanken Objekte entstehen zu lassen, zu verringern oder auch zu vergrößern.

Warum Ich-Universum?

Der Grund, warum ich die Worte Ich und Universum in eine Verbindung brachte, war, dass ich darin ein Synonym sah – eine Gleichheit. Das Ich ist eine Einzelheit, etwas Individuelles, denn ich bin von jedem anderen Menschen verschieden. Mein Ich ist von jedem anderen Ich verschieden. Und mir wurde irgendwann klar, dass das Universum, so wie ich es verstehe, nur in mir existiert, und sich also wiederum von jedem anderen Universum, das andere sehen, unterscheiden muss. Das wird insbesondere klar, wenn man „das Universum“ so versteht, wie ich es im vorigen Abschnitt beschrieb – als die Gesamtheit auch der kleinen Dinge, die im Leben eines Menschen sind. Dessen All, sozusagen.

Aber auch, wenn ich das Universum als die Gesamtheit von Sternen in einem unendlichen Raum sehe, kann ich das gleiche Denkexperiment anstellen. Man stelle sich vor, man würde eine Anzahl Sterne kennen, aber einige auch nicht. Es gibt Menschen, die kennen andere Sterne als ich. Vielleicht mehr Sterne. Kann man sagen, dass deren Universum gleich meinem sei? Nein. Was ich über das Universum weiß, macht es einzigartig (ich sage nicht: macht es gut oder schlecht). Es wird einzigartig dadurch, dass ich die Dinge, egal um was es sich handelt, einen Bleistift, eine Supernova, oder ein Universum, immer als die Summe ihrer Bestandteile ansehe; als die Gesamtheit der Dinge, die darin und darum sind; als die Gesamtheit ihrer Eigenschaften. Die Dinge, die um und in einer Sache sind, und seine Eigenschaften, sind austauschbar. Ein Beispiel hierzu: Eine Sache ist grün, weil ihr grüne Farbteilchen anhaften. Ein Auto ist schnell, weil es vorn einen Motor unter der Haube hat, etc.. Also ist das, was wir als die Eigenschaften der Dinge ansehen, auch immer verbunden mit Objekten. Zumindest ist das in unserem Denken so.

Manchem mag es vielleicht immer noch schwer fallen, sich vorzustellen, dass die Dinge nichts anderes sind als eine Gesamtheit von Eigenschaften. Daher ein kleines Gedankenexperiment: stellen Sie sich einen Baum vor. Er hat vier Räder, kann 100 km/h schnell fahren, und ist rot. Ist das ein Baum? Natürlich nicht. Es ist ein Auto. Ein Baum muss bestimmte Eigenschaften haben, damit ich ihn als Baum erkennen kann. Es muss der Stamm da sein, die Unbeweglichkeit im Erdreich, die grüne Blätterkrone.

Ich will ein weiteres Beispiel nennen, das mir immer sehr vielsagend erschien. Ich versuchte mir einen Mann ohne Eigenschaften vorzustellen. Es gibt ja in der Literatur und Kunst Versuche, dieses Eigenschaftslose vorstellbar zu machen – es wird dann als eine Art interessantes Paradox verstanden. Mir fällt dazu „Der Namenlose“ von Samuel Beckett ein …

Wenn Sie, geschätzter Leser, versuchen, sich einen Mann ohne Eigenschaften vorzustellen, werden Sie schnell verstehen, dass allein die Aussage, es handele sich um einen Menschen oder Mann, mit Eigenschaften bei diesem verbunden sein muss. Etwas, das ohne Eigenschaften ist, ist nicht. Ein Ding ohne Eigenschaften ist kein Ding. Es existiert nicht.

Und so wird eben jede Sache durch die Eigenschaften bestimmt, die ihr gegeben sind. Die Art und Qualität ihrer Eigenschaften wiederum unterscheidet die Dinge. So unterscheidet sich ein Baum vom anderen durch die Art und Weise seiner Baumkrone, seines Stammes etc..

Die Eigenschaften des Universums das ich kenne, sind in mir einzigartig. Es ist das Universum meines Ichs. Im Grunde, weil ja auch ich selbst ein Bestandteil meines Universums bin, sind das Ich und das Universum im Ich, ununterscheidbar miteinander verwoben. Sie sind genau dasselbe. Denn auch mein Ich, also das, was ich in mir sehe, was ich über mich denke, wie ich mich beschreibe, wird bestimmt durch die Eigenschaften der Dinge, die ich dem Ich zuordne. Es sind die Dinge, die ich kenne. Es sind die Dinge die in mir und um mich sind, die in Raum und Zeit existieren und dadurch kausale Beziehungen zueinander haben. Es ist das Universum in mir – mein spezifisches und einzigartiges All. Das All wie gesagt sind alle Dinge, die da sind … in meinem Ich.

Und, so merkwürdig das nun dem Gewohnheitsmaterialisten erscheinen mag, der alles fein säuberlich trennen und unterscheiden will, so dass schließlich nur noch eine einzige Kausalbeziehung übrig bleibt: Der Bleistift, der vor mir liegt, hat mit mir zu tun. Er ist Bestandteil meiner Welt, und macht, in der Konstellation, in der er sich in einer relativen Position zu mir befindet, einen Teil meines Ichs aus.

Das Universum außerhalb von mir ist das Universum IN mir

Und so kommen wir zu der verblüffenden Feststellung, dass das Universum, dass der Mensch gewohnt ist außerhalb seiner selbst zu sehen, eigentlich in ihm ist. Denn, und hier komme ich wieder auf den Grundgedanken des Spirealismus zu sprechen: was könnte etwas sein, was nicht in Gedanken existiert? Mag man das nun auf materialistische Art überlegen, also: die Dinge existieren in materieller Form außerhalb des menschlichen Beobachters … dennoch muss man fragen: was wäre eine noch so existente Sache, wenn sie nicht in den Gedanken auftauchte. Oder, mag man das auf die spirealistische Art durchdenken, die von vorn herein die Überzeugung vertritt, dass die Existenz geistiger Natur ist.

DAS Universum (in der Einzahl) – existiert in keinen zwei Menschen in gleicher Form. Man könnte auch sagen: DAS Universum gibt es nicht.

DIE Universen sind in uns. Und: DIE Universen und wir selbst sind nicht zu unterscheiden. Denn alles was wir denken können, hängt mit den Objekten der Universen zusammen, die wir jeweils vor dem (geistigen) Auge haben. Alles was wir denken können, entsteht aus den Objekten, entwickelt sich aus den Objekten, begründet sich aus den Objekten dieser innerlichen Universen.

Das äußere Universum ist eigentlich ein innerliches, und umgekehrt. Und – da ist es wieder: das hermetische Gesetz der Entsprechung. Es stimmt: wie innen, so außen.

 

 

 

Aspekte des Ich-Universums, Teil 4: das Universum außerhalb von mir ist das Universum in mir was last modified: Juni 29th, 2017 by Henrik Geyer

Weltall – All – Alles. Was ist alles? Das Weltall als Vorstellung

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Thema Weltall Zum individuellen All gehört die Tasse auf dem Tisch ebenso, wie die entferntesten Sterne. Was das Bewusstsein kennt, ist immer verschieden - daher ist jedes All verschieden von jedem anderen.

Wenn in der Philosophie von „den Dingen“ die Rede ist, dann geht es nicht nur um die Kaffeetasse vor uns auf dem Tisch. Um die geht es auch. Es geht um das Wesen aller Dinge. Also ebenso gut um die Planeten, die Sterne, die Universen. Es geht um alles. Es geht um das All. Was ist das Weltall?

Die Welt und das Welt-All

Die Welt und das All sind Synonyme. Die ganze Welt – das ist auch das All.

Wenn man also sagt: „Weltall„, dann kann dieser Begriff nicht umfassender gemeint sein.

Das Weltall ist einfach alles, was man sich nur vorstellen kann.

… was man sich vorstellen kann, oder alles was es gibt? Gibt es alles, was man sich vorstellen kann? Kann man sich alles vorstellen, was es gibt?

Weltall=Universum

Das Wort „Universum“ drückt dasselbe wie „All“ aus. Es ist universell jeder Gegenstand damit beschrieben, den es geben kann. Jeder Begriff.

Ich-Universen

Auf diesem Blog wird der Spirealismus erläutert.

Der Spirealismus hat zum Verhältnis Geist/Materie folgende Überlegung: Wenn meine Gedanken über die „Dinge“ alles ist, was ich über die Dinge weiß, dann ist mein Gedanke an die Dinge nichts anderes, als die Dinge selbst.

Mag man auch umformulieren: „nichts anders, als man je über die Dinge wissen kann..“ (so als wäre damit irgendwie gesagt oder bewiesen, die Dinge gäbe es noch einmal extra von den Gedanken) – es läuft auf dasselbe hinaus. Was die Gedanken von den Dingen mitteilen ist alles, was darüber zu sagen ist.

(Das widerspricht auf merkwürdig-unerklärliche Art dem materialistischen Weltbild, das ja voaussetzt, die Dinge wären noch einmal etwas anderes, als die Gedanken an sie.)

Zum Weltall hat der Spirealismus eine ähnliche Überlegung. „Alles“, also mein Weltall, kann mir nur das sein, was ich in meinem Geist bewege. Etwas, das ich nicht in meinem Geist bewege, ist auch nicht Teil meines Weltalls.

Das Große und das Kleine

Zum individuellen Weltall gehört die Tasse auf meinem Tisch ebenso, wie die entferntesten Sterne. Es geht nicht darum, zwischen groß und klein zu unterscheiden, sondern es geht um Bewusstsein. Alles was im Bewusstsein auftaucht, ist auch Teil des individuellen Weltalls.

Dieser Satz erscheint weniger trivial, wenn man sich vor Augen führt, dass man über all jenes, was man nicht weiß, was nicht Teil des eigenen Ich-Universums ist, auch keine Aussage machen kann.

Siehe auch Artikel zum Thema:  ‚Was ist das Nichts? als Grundfrage der Philosophie.‘

Spireo Spiritualität Die Sterne fuerchten sich - Lebensweisheit Spruchbild: Die Sterne fürchten sich nicht, wie Leuchtkäfer zu erscheinen. Rabindranath Tagore
Die Sterne fürchten sich nicht, wie Leuchtkäfer zu erscheinen.
Rabindranath Tagore

Jedes Weltall ist unterschiedlich

Damit ist auch gesagt, dass jedes Weltall unterschiedlich ist. Denn das, was ein Mensch in seinem Geist bewegt ist mit Notwendigkeit anders als das, was ein anderer in seinem Geist bewegt. Die Universen, als Summe der Dinge darin, sind notwendigerweise verschieden.

Daher spricht der Spirealismus nicht von dem einen und einzigen „Weltall“, sondern vom Weltall des individuellen Begreifens. Konkret von Ich-Universen. Wenn das Ich von einem Universum redet, kann es nur das Universum der persönlichen Begreifens sein. Nichts anderes. 

Siehe auch: Beitrag ‚Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt‘

Das Weltall und das Nichts

Es bleibt noch darauf hinzuweisen, dass „Alles“ ein dem Menschen ebenso unbegreiflicher Begriff ist, wie das Nichts.

Es ist dem Menschen (materialistischer Denkart) zwar Gewohnheit, das Nichts als ETWAS anzusehen, das nicht da ist, logisch ist das aber nicht. Das Nichts ist nicht beschreibbar, da sich über etwas, das man nicht weiß, keine Aussage machen lässt. Dies ist nicht zuletzt eine Aussage des antiken Philosophen Plato.

Ebenso unbegreiflich ist der materialistischen Denkart das „Alles“. Die Vorstellung von Alles, Weltall und Universum, verbindet sich nicht umsonst mit dem Begriff „Unendlichkeit“.

Lesen Sie auch:  ‚Das Unendliche. Was ist unendlich?‘

 

 

 

 

 

 

 

Weltall – All – Alles. Was ist alles? Das Weltall als Vorstellung was last modified: März 10th, 2016 by Henrik Geyer

Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein?

Alles und Nichts - Bildrauschen des Kosmos. Kann das Alles zugleich das Nichts sein?

Alles und Nichts – kann das dasselbe sein?

In diesem Artikel werden die Worte  „Alles“ und „Nichts“ unter unterschiedlichen philosophischen Perspektiven gesehen, und zwar der materialistischen und der spirealistischen Sichtweise.

Über das Nichts

Das „Nichts“ ist in der materialistischen Sichtweise paradox, wie schon Plato feststellte. Obwohl dieser Begriff keine Aussage beinhalten dürfte (denn, was will man über etwas aussagen, das man nicht kennen kann?), erscheint der Begriff wie inhaltsreich. Man verbindet gar Mengenangaben mit ihm („das Nichts“, „ein Nichts“), etc..

Das Paradox  ergibt sich aus der grundsätzlichen Überzeugung, dass der Mensch in der Lage ist, die Welt vollständig zu erkennen. Was er nicht kennt, sei nicht vorhanden. Diese Überzeugung kommt aus der materialistischen Weltanschauung, der zufolge Geist (der Mensch) einen äußerlichen Prozess im Gehirn abbildet. Daher erscheint das Nichts lediglich wie ein momentanes Nichtkennen dessen, was es zwar gibt, was der Mensch aber momentan nicht weiß. Das Nichts erscheint so, als sei es beschreibbar und bereits erkannt. Denn grundsätzlich kann sich der Mensch im materialistischen Gedankengebäude nicht vorstellen, dass es etwas geben kann, das ihm prinzipiell unzugänglich ist.

Der materialistische Mensch sieht die Materie als begrenzt in ihren Möglichkeiten – sie könne nur bestimmte Formen annehmen. Wohingegen der menschliche Geist frei sei, Materie abzubilden wie er will, oder auch zu phantasieren.

Siehe auch der Artikel „Was ist das Nichts?“

das spirealistische Nichts

Demgegenüber nennt der Spirealismus das Nichts nicht erkennbar und nicht eingrenzbar. Dem Spirealismus ist das Nichts ein „Alogon“ im Sinne Platos, also etwas für den Menschen nicht (sinnvoll) Aussprechbares.

Denn es ist eine Konsequenz der spirealistischen Sichtweise, die das menschliche Denken als einen Teil eines umfassenderen Denkens sieht, dass die Begrenzungen, die der Mensch zu sehen glaubt, im Menschen sind, nicht in den Möglichkeiten dessen, was ihn hervorbringt (was ebenfalls Geist ist). Das ergibt sich bereits aus der ersten Überlegung, dass der Mensch, wenn er Teil ist, keine Aussage über das „Alles“ machen kann. Der Teil kann nicht das „Alles“ sein – und kann es nicht beschreiben.

Zwischen dem Teil und dem Alles gibt es eine notwendige Differenz, die nicht überwunden werden kann. Insofern liegen alle Möglichkeiten, aber auch nicht überwindbare Grenzen, im Denken.

Das Alles, und damit auch die Vorstellung vom All, vom Universum, vom Kosmos, ist widersprüchlich, legt man die materialistische Auffassung zu Grunde. Wenn der Mensch das All sieht, glaubt er, er sähe quasi in das Alles. Doch er kann es nicht erfassen – es ist für ihn die paradoxe Unendlichkeit des Möglichen.

Daher ist, was der Mensch sieht, wenn er in das All schaut, nicht das Alles und nicht das Nichts. Sondern eine Möglichkeit.

Alles und Nichts zugleich

Hieraus erklärt sich die Sichtweise, dass das Alles und das Nichts im Grunde dasselbe ist.

Denn, worüber der Mensch eine Aussage machen kann, ist das, was er kennt.

Er kann hingegen nicht sagen, was er nicht kennt, kann es nicht sinnvoll benennen, nicht abzählen, nicht begreifen. Das, was er nicht kennt, könnte man „etwas“ nennen, doch genauso gut auch „nichts“. Das Nichts wiederum ist nicht eingrenzbar – es umfasst alle Möglichkeiten.

Diese Sichtweise hängt auch eng mit der Erfahrung zusammen, dass das Wissen, das der Mensch (die Menschheit) hat, eine Variante ist, eine Möglichkeit; aber keine Notwendigkeit.

Alles und Nichts bildhaft vorgestellt

Man stelle sich das vor wie einen Fernseher, auf dem alle Sender zugleich laufen. Zu sehen ist lediglich ein Rauschen. Keine Information. Keine Möglichkeit zu sagen, wie viele Sender da „zu sehen“ sind. Das ist das Alles. Es ist dem Menschen zugleich das Nichts, denn er erkennt nichts. Alles, was er kennt, ist nicht da.

Wird ein Sender scharf eingestellt, dann ist das in diesem Gleichnis die menschliche Realität. Sie ist eine Möglichkeit, aber keine Notwendigkeit. Man hat einen Sender eingestellt, sieht ein scharfes Bild, aber was ist mit den anderen Sendern? Man verpasst sie, weiß nicht, was auf ihnen läuft. Kann es nie benennen, und dennoch sind sie (vielleicht?) da.

Dieser eine Sender ist die Welt für den Menschen.

 

Zitat Tao Te King

Der Sinn, der sich aussprechen läßt,
ist nicht der ewige Sinn.
Der Name, der sich nennen läßt,
ist nicht der ewige Name.
 »Nichtsein« nenne ich den Anfang von Himmel und Erde.
 »Sein« nenne ich die Mutter der Einzelwesen.
 Darum führt die Richtung auf das Nichtsein
 zum Schauen des wunderbaren Wesens,
 die Richtung auf das Sein
 zum Schauen der räumlichen Begrenztheiten.
 Beides ist eins dem Ursprung nach
 und nur verschieden durch den Namen.
In seiner Einheit heißt es das Geheimnis.
Des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis
ist das Tor, durch das alle Wunder hervortreten.

 

Alles und Nichts – das sind doch nur Worte!

Alles und Nichts sind „nur“ Worte, wird mancher meinen – wer sich ihnen zu lange widmet, spräche an der Realität vorbei. Lesen Sie hier, warum Worte die Realität sind ..

 

Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein? was last modified: Januar 16th, 2016 by Henrik Geyer

Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt

Spruchbild: Ich Universum und Ich Universen: "Ich Universum" ist ein Begriff des Spirealismus. Ein Ich-Universum ist das All (das Alles) des individuellen Begreifens.

In meiner Philosophie, dem Spirealismus, ist oft die Rede von einem Ich-Universum. Ich möchte in diesem Artikel kurz umreißen, worum es dabei geht.

Es gibt keine Objektivität

Der erste Grundsatz des Spirealismus ist, dass es keine Objektivität gibt.
Objektivität – verstanden als die materialistische Vorstellung einer Außenwelt, die vollkommen definiert, schon „da“ sei. Sondern der Spirealismus erklärt, dass es nur das Subjektive gibt, über das man reden kann.

Um sich das vorzustellen hilft es vielleicht, sich Descartes „Ich denke, also bin ich“ ins Gedächtnis zu rufen (wohlgemerkt: Descartes war beileibe kein Spirealist, jedoch ist sein berühmt gewordener Satz wohlverstanden die Aussage, dass als „Urgrund“ allen Seins und allen Folgerns der Gedanke selbst gesehen werden muss – nicht das Denken an ETWAS).

Siehe auch: Beitrag Die Ontologie des Spirealismus

Man denke auch an Kants vergebliche Suche nach dem Ding „an sich“ – auch hier blieb die Suche nach der vom Betrachter unabhängigen Außenwelt vergeblich.

Schließlich bleibt noch die Überlegung, dass jede Aussage, dies oder jenes sei objektiv, immer von einem Subjekt gemacht wird – also subjektiv ist. Wo wohl ist dann das Objektive?

Der Spirealismus sieht es so: Schließen sich mehrere Beobachter zusammen und machen eine Aussage, nennt der Spirealismus dies „supersubjektiv“ – wieder nicht objektiv, sondern subjektiv, auf einer anderen Ebene.

Es bleiben die subjektiven Welten – die Ich-Universen

Alles, was das Ich über das Universum sagen kann, kann nur den ihm selbst zugänglichen Gedanken entspringen . So gesehen ist jedes gedachte Universum von jedem anderen verschieden. Nur gedacht? Nein, nicht „nur“ …. Der Spirealismus sieht das Denken als das Zentrale, das Wichtige. Zu sagen, etwas wäre „nur“ gedacht, ist die Umkehrung der tatsächlichen Verhältnisse. Denn die Existenz ist Geist. Über etwas anderes reden zu wollen, als die Dinge, so wie sie im Denken existieren, hat keinen Sinn. Denken und Sein sind ein- und dasselbe.

Die Universen existieren immer im Denken, jenseits davon gibt es kein Universum

Das bedeutet wieder, dass es nichts Objektives gibt. Die Universen, die sich individuell ausdrücken, sind voneinander verschieden, uneindeutig, einzigartig. Universum hier als die Gesamtheit der Dinge, die ein subjektives Denken erfasst.

 

Im Individuum ist die Vorstellung eines Universums einzigartig. Man stelle sich vor, dass es demzufolge weder in irgendeinem Individuum ein „richtiges“, vollständiges Universum gibt, noch in der Gesamtheit aller Individuen. Warum nicht in der Gesamtheit der Individuen? Weil die Frage nach der Gesamtheit der Individuen die Frage nach dem Universum ist. Sie führt nicht weiter. Wer kennt alle Individuen, wüsste, was sie im Kopf haben, etc.?

Auch nicht, wenn man das vermeintlich objektive Außen untersuchen will, wird man Eindeutigkeit finden, siehe wiederum Kant… Wo ist es also, das Universum? Wer hat das Ganze? Wer hat das „richtige“ Universum… im Kopf, im Denken? Und … wer wiederum will etwas sagen über Dinge, die angeblich jenseits der Gedanken existieren sollen?

Die Sichtweise des Spirealismus: Niemand kann das. Das „richtige“ Universum gibt es nicht. Es macht keinen Sinn von der Existenz von etwas zu reden, das nicht beweisbar ist, und dabei die Tatsache zu ignorieren, nur weil das besser in das allgegenwärtige weltanschauliche Konzept des Materialismus passt, das etwas anderes sehr wohl beweisbar ist: der Gedanke. Indem er ist.

Verbunden mit dieser Einsicht ist die Feststellung, dass die fehlende Erkenntnisfähigkeit im Grundsätzlichen bzw. Objektiven, aus systematischen Gründen niemals änderbar ist. „Das“ Universum ist nicht objektiv erkennbar (zumal es in dieser Form nicht existiert) – das kann sich nie ändern. Und was für das Universum gilt, gilt für jedes Ding, das wir (wie wir nur glauben) „vor uns“ haben.

Kurz: Wir alle haben die Welten unserer Ich-Universen vor uns. „Das“ Universum (in der Einzahl, ein einziges) im eigentlichen Sinne gibt es nicht, sondern „nur“ die Universen der individuellen Sichtweise.

Ähnliches Thema: Das Äußerliche (die Dinge) versus das „nur Gedachte“. Gedanken zu Existenzialismus

Überwindung des materialistischen Weltbildes

Dies meint der Spirealismus aber nicht als eine feine Verschiedenheit der Formulierung, was unser Begreifen dann doch wieder zu der Vorstellung der einen Welt zurückführen würde.

Sondern gemeint ist tatsächlich ein Nichtvorhandensein einer Welt außerhalb des individuellen Begreifens – und umgekehrt: ein Vorhandensein vieler Welten, im Individuellen.

Letztlich ist dies auch die Konsequenz der Feststellung: „Die Welt ist die Welt unserer Gedanken“ – ganz ähnlich formulierte der Philosoph Schopenhauer : „Die Welt als Wille und Vorstellung“.

 

Aus dem grundsätzlich vom Materialismus verschiedenen Weltbild, dem Spirealismus, der die Existenz von Ich-Universen proklamiert, ergeben sich tiefgreifende Folgerungen und Grundsätze.

Beispielsweise den, dass es nichts gibt, das vom Blick des Beobachters unabhängig wäre. Außerdem ist eine andere Vorstellung von „Existenz“ damit verbunden, und weiterhin ein völlig anderes Menschenbild, als wir es derzeit haben.

Es verschwindet der Mensch als Krone der Schöpfung und Genie der Natur, der die Prozesse von außen sieht und im Geist spiegelt. Sondern im Spirealismus geht der Mensch aus Geist hervor,  Geist umgibt und verbindet ihn, mit allem was ist. Denken, das ist jedes Ding, das wir sehen, und von dem wir in Wirklichkeit nicht getrennt sind. Wir sind ein Gedanke des Schöpfers; nicht wir sind es, die in Gedanken die Schöpfung erfassen.

Es ist ein altes hermetisches Prinzip: Alles ist Geist.

Das Ich-Universum als Sichtweise und als Brille

Ein Ich-Universum ist also das All (das Alles) des individuellen Begreifens. Das individuelle Begreifen wiederum ist es, das uns jeden Blick auf „das Andere“ wie durch eine Brille werfen lässt. Es gibt nichts, was von einer subjektiven Sichtweise, einer individuellen Brille,  unabhängig wäre.

So gesehen könnte man auch sagen, dass das Universum, und das Ich, ein- und dasselbe ist. Denn das, was die Welt für das Ich ist, und das Ich selbst, stehen in enger Verbindung. Sie entstehen aus der Relation zueinander. Das Ich definiert sich aus den Dingen, die es um sich herum wahrnimmt. Und durch sein Sehen definiert es „das Andere“ mit.
Jeder Gedanke den wir denken ist keine Spiegelung einer außerhalb von uns liegenden Welt, sondern formt unsere Welt.

 

Zitat: Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
Ludwig Wittgenstein

Siehe auch: Artikel Änderung der Denkweise als Neu-Definition eines Bausteinchens des Universums

Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt was last modified: Mai 30th, 2017 by Henrik Geyer