Antithese – nicht völlig gegensätzlich

These, Antithese und Synthese als geometrische Figur / Vektor

Die Antithese ist in der Dialektik die der These entgegenwirkende geistige Kraft. Dass die Antithese nun nicht wirklich gegensätzlich zur These ist und sein kann, ist das Thema dieses Artikels.

Aus These und Antithese erfolgt die Synthese

In anderen Artikeln hatten wir das dialektische Konzept anhand der Zahlen Eins, Zwei und Drei besprochen.

Siehe auch: Artikel Die Zahl Zwei

Nennen wir die Eins die These, die Zwei die Antithese, dann ist die Drei die Synthese.

Die Synthese vereint die (scheinbaren) Gegensätze, und bildet daraus das Neue, das Dritte – das, was niemals eindeutig das Eine ist, und auch nicht das Andere.

In der obigen Grafik habe ich das dargestellt in einem geometrischen Konzept – dem von Vektoren, und wie sie sich in der zweidimensionalen geometrischen Vorstellung addieren. Aus zwei Vektoren wird immer etwas Drittes, der dritte Vektor (rot), als Synthese enthält er Anteile aus These und Antithese … aber er geht nie in dieselbe Richtung.

These und Antithese stehen in einer Verbindung

Dass These und Antithese vielmehr eine Verbindung sind, als ein Gegensatz, kann man sich so vorstellen: Man stelle sich zwei Planeten im Weltall vor, die viele Lichtjahre voneinander entfernt sind. Angenommen auf jedem dieser Planeten gäbe es einen Politiker, der eine These vertritt, die der These des anderen Politikers auf dem anderen Planeten widerspricht. Aus einem solchen Gegensatz, in dem die Elemente nicht zusammenkommen können, kann nicht der das Dritte erschaffende Gegensatz entstehen.

Die Tatsache, dass die Politiker in einem logischen Zusammenhang (den wir als Raum und Zeit sehen) vereint sind – das ist das verbindende Element von These und Antithese.

Mark Aurel (Mark Aurel – Stoiker, aus: Selbstbetrachtungen)

„Alles ist wie durch ein heiliges Band miteinander verflochten. Nahezu nichts ist sich fremd. Alles Geschaffene ist einander beigeordnet und zielt auf die Harmonie derselben Welt. Aus allem zusammengesetzt ist eine Welt vorhanden, ein Gott, alles durchdringend, ein Körperstoff, ein Gesetz, einVernunft, allen vernünftigen Wesen gemein, und eine Wahrheit, so wie es auch eine Vollkommenheit für all diese verwandten, derselben Vernunft teilhaftigen Wesen gibt.“

 

Die Antithese kann nicht der These genau entgegengesetzt sein

Anders als der Begriff ANTI-These vermuten lässt, ist die Antithese nie die genaue Negierung der These. Dass sie in einem Zusammenhang mit der These stehen muss, im Grunde in dieselbe Richtung geht, um etwas Drittes hervorzubringen, zeigt These und Antithese heben sich aufbereits, dass sie im Grunde dem selben Bedeutungsraum entstammt. Nur uns Menschen erscheinen die Gegensätze wie total, doch im Sinne einer unbegrenzten Möglichkeit an Variationen (das Unendliche), ist das, was wir wahrnehmen können, eigentlich durch große Gleichartigkeit geprägt. Wieder als geometrische Vektor-Darstellung ausgeführt, kann man sich völlig gegensätzliche Widersprüche vorstellen wie zwei Kräfte, die in genau gegensätzliche Richtungen wirken. Sie heben sich auf – es resultiert: Null. Keine Kraft, kein Ergebnis.

Aus spirealistischer Sicht ist ein solches Sich-Aufheben in mehrfacher Hinsicht unmöglich.  Denn erstens definiert der Spirealismus den Urgrund der Welt als geistig – und er definiert, dass die Gedanken immer unterschiedlich sind. Sie können daher mit einer Wahrscheinlichkeit Null irgendetwas Bestimmtes sein – und können auch nur mit einer ebensolchen (Un-)wahrscheinlichkeit das genaue Gegenteil von etwas anderem sein.

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Zweitens sieht der Spirealismus „die Welten“ aus den Gedanken entstehen. Ein Stillstand, ein Sich-Aufheben der Gedanken wäre nicht wahrnehmbar. Der Spirealismus sieht den Menschen als Element der Schöpfung, nicht dessen Beobachter.

Die Antithese als Verbindung – ist das wahrnehmbar? Beispiele

Nun ist uns Menschen nun einmal das Einzelne das, was wir sehen können. Wir nehmen „die Dinge“ als getrennt voneinander wahr, als immer einzeln. Können wir auch wahrnehmen, dass sie im Unendlichen miteinander Verbindungen eingehen?

Ich denke das ist wahrnehmbar, als spirituelle Erfahrung, man könnte auch sagen als Erfahrung von Kunst, als Vision …

Als Beispiel kommt  mir der Song „Brothers in Arms“  von den Dire Straits in den Sinn – in dem die Waffenbrüder jene Soldaten sind, die sich auf verschiedenen Seiten der Front gegenüberstehen. Wer würde den anderen bekriegen, wenn eine Front fehlte? Wer wüsste besser um die Leiden des Waffenbruders, wenn nicht der Soldat auf der anderen Seite? Wer wäre so gesehen mehr ein Bruder im Geiste? Wer würde die Heldentaten des anderen unmittelbarer sehen, wer wüsste sie mehr zu schätzen? Brothers in Arms – ein sehr bewegender und wahrer Song, dessen Wahrheit sich mehr als Gefühl erschließt, denn als offensichtliche Tatsache.

 

Oder ein weiteres Beispiel:

Es ist im Spirealismus die (sicherlich schwer vorstellbare) Supersubjektivität – eben dieses dritte Element, das aus uns selbst entsteht, wo wir doch meinen, völlig voneinander unabhängige Individuen zu sein. Supersubjektivität als Beispiel: man stelle sich ein ein eigenständig denkendes Bewusstsein der Menschheit vor; die einzelnen „Gehirnzellen“ – das sind wir Menschen. Bei dieser Vorstellung geht es übrigens gerade nicht darum, ob wir uns das vorstellen können, sondern wie dieses Dritte in der Außenwirkung aussähe. Angenommen wir wären in der Rolle von Außerirdischen, die die Erde besuchen, und finden dort ein Lebewesen vor, das aus vielen Zellen besteht – es nennt sich selbst „Menschheit“ und seine Zellen, das sind sogenannte „menschliche Individuen“.

Oder, umgekehrt, wir sehen uns mit demselben „Außenblick“ einmal selbst an – unsere Körper-Zellen, die alle für sich, und eigenständig leben, sind durch ein unsichtbares Band eines Sinnes verbunden, der aus allem wieder eins macht: das Ich.

 

Dieses unsichtbare Band verbindet These und Antithese … es sind nie wirkliche Gegensätze.
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Weiterlesen: Beitrag Sind die Gedanken bei den Dingen? Ist das Denken von den Dingen gleich den Dingen?

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Antithese – nicht völlig gegensätzlich was last modified: Juni 2nd, 2016 by Henrik Geyer

Objektivität – was ist das? Warum wir keine Objektivität finden

Objektivität - was ist das? Warum finden wir keine Objektivität?

Ein wichtiges Problem vieler Philosophen, der Naturwissenschaft, und auch des Spirealismus, ist die Frage nach Objektivität.

Für den Spirealismus gilt, dass er die Nichtexistenz von Objektivität voraussetzt. Wenn der Spirealismus nach Objektivität fragt, dann geht es für ihn eher darum zu zeigen, wie und warum der Eindruck von Objektivität überhaupt in die Welt kommt. Was verstehen die Menschen, wenn sie das Wort verwenden? Was ist eigentlich Objektivität und warum scheint sich das Fehlen von Objektivität dem Normalmenschen nicht zu offenbaren? Warum ist dieses Fehlen eine Spezialentdeckung von Wissenschaftlern und Philosophen, die wohl in jedem Jahrhundert erneut gemacht wird, sich aber dennoch nicht auf das Weltbild der Vielen auswirkt?

die Definition

Zunächst zur Definition: Was ist Objektivität? Hier die Definition aus meinen Studienzeiten: „‚Objektiv bedeutet außerhalb und unabhängig des menschlichen Bewusstseins.“

Manchem wird sofort auffallen: Was soll denn der Mensch formulieren, was dann wiederum unabhängig von ihm ist? Allein der gedankliche Ansatz wirkt schräg. Das wäre so, als wenn der Maulwurf formuliert, dass das, was er denkt, außerhalb und unabhängig vom Maulwurfsdenken sein soll. Das klingt absurd.

Ich denke, es reicht aus, zu sagen: „Objektivität ist eine Sichtweise unabhängig von subjektiv-menschlichem Denken.“

Auch das ist widersprüchlich genug, denn hier wäre nun die Frage: Wer kann, subjektiv sprechend, etwas Objektives formulieren?

siehe auch den Artikel objektiv-subjektiv .. was ist der Unterschied?

Objektivität als wichtiger Teil der materialistischen Weltanschauung

Objektivität ist ein Begriff der materialistischen Weltsicht, der zufolge der Mensch Beobachter einer außerhalb seiner selbst befindlichen Realität ist.  Er beobachtet aus einer Innensicht (subjektiv) Objekte in seinem Außen, die das Objektive in sich tragen; also eine Information, die „da“ ist, und die der Mensch durch sein Beobachten abruft.

Aus dieser Sicht heraus entwickelt der Materialismus das Verständnis, in den beobachteten Objekten sei Information bereits „vorhanden“, die einzigartig und genau bestimmbar sei. In den Objekten die er beobachte, liegt eine Begrenzung. Wie sonst sei es möglich, dass Menschen alle dasselbe beobachten? Die Objekte des Außen seien objektiv vorhanden.

Im Umgangssprachlichen wird das materialistische Weltbild selbstverständlicher Gegenstand der menschlichen Vorstellungen. Hier klingt „objektiv“ wie

  • „ganz genau“
  • „unbestreitbar“
  • „alle müssen das so sehen“

Interessant ist insofern der ewig währende Streit um das Objektive. Jeder glaubt im Besitz einer zwar subjektiv beobachteten, aber dann doch objektiven Wahrheit zu sein. Jeder bezeichnet sich als Realist, was die logische Schlussfolgerung in sich trägt, dass alle anderen weniger realistisch sind. Realismus wird verstanden als die unumgänglich „richtige“ Weltsicht.

Gegensatz: Sichtweise des Spirealismus

Der Spirealismus hat eine ganz andere Sicht auf die Information. Im Spirealismus wird die Information im Zuge der Beobachtung erzeugt. Im Spirealismus ist der Gedanke die eigentliche Existenz. Der Gedanke ist zugleich die Information.

Dass eine Welt entstehen könnte, wie wir sie vor uns sehen, dafür braucht es nicht die Welt materialistischen Glaubens. Sondern eine Welt, besser: Welten der Relation, Ich-Universen, können auch ganz anders entstehen.

Die oben gestellte Frage, warum Menschen immer dasselbe beobachten, beantwortet der Spirealismus so:

Tatsächlich beobachten die Menschen gar nicht immer dasselbe. Sondern, die Information ist immer einzigartig. Kein Gedanke ist genau wie der andere. Daher gibt es im Spirealismus auch keine Information, die genau gleich einer anderen wäre – und daher ist Information im Spirealismus auch nirgendwo einfach „abrufbar“. Ebenso wenig, wie es zwei Punkte in der Raumzeit gibt, die völlig gleich wären. Zwei Punkte in der Raumzeit, die völlig gleich sind, wären nicht zwei Punkte, sondern einer – ein- und derselbe nämlich.

Ebenso wenig gibt es zwei Personen, die an genau derselben Stelle stehen können, und ein Objekt in genau derselben Sichtweise sehen können. Die resultierende Information ist immer unterschiedlich.

Der Mensch selbst ist Ausdruck der Information. Er bildet keine Information ab, die er von Außen abrufen würde.

Was der Mensch „objektiv“ nennt, was so gemeint ist wie „nicht anders beobachtbar“, ist das Resultat einer kommunikativen Abstimmung. Im Spirealismus heißt das Supersubjektivität.

Objektivität im Alltag

Das Problem des Spirealismus ist, dass dies zu verstehen, im Allgemeinen fast unmöglich ist. Denn täglich sind die Menschen gewohnt, mit Zahlen und Daten umzugehen, die sie für unbestreitbar, objektiv, in jeder Sichtweise immer gleich, ansehen.

Daher ist es wichtig, über das Problematische am Begriff Objektivität zu sprechen. Inwiefern kann man sagen, dass niemals und nirgends eine Information auftreten kann, die völlig unbestreitbar ist?

In meinem Buch „Alles ist Geist“ habe ich das begründet, in dem ich mich, die Phantasie bemühend, aus der menschlichen Vorstellungswelt hinaustrete, und feststelle: Jenseits der menschlichen Vorstellungen gibt es nicht menschliches Begreifen. Was der Mensch innerhalb der Begriffe seiner supersubjektiven Anschauungen für selbstverständlich hält, ist außerhalb dieser Begriffe nicht vorhanden.

Die Suche nach Objektivität im „Ding and sich“

Oft können Philosophen sehr gut über Immanuel Kant, und dessen Frage nach dem „Ding an sich“, sprechen. Doch können sie auch verstehen, worum es dabei geht? Ich habe des Öfteren mit Philosophen darüber diskutiert. Während sie das Theoretische irgendwie gedanklich behandeln können, trennen sie meist die ganz praktische Frage davon ab, was man wohl vor sich habe, wenn man irgendeinen beliebigen Gegenstand vor sich sieht. Das hielten sie, jedenfalls so oft ich das besprach, für eine ganz andere Frage. Doch, darauf läuft die Frage nach Objektivität letztlich hinaus. Nämlich auf: Was formt die Welt, wenn es nicht objektive Informationen sind, die bereits in Form von Materie in einem Außen existieren? Was also sind die Dinge, die wir direkt vor uns haben? Was sind sie wirklich?

Denn das materialistische Weltbild sagt uns ja, wir würden die Informationen aus den „wirklich existierenden Dingen“ gewinnen. Und Immanuel Kant war der Meinung, die Dinge sind von unseren Vorstellungen nicht zu lösen. Er fragt: was also sind die Dinge „an sich“, jenseits der Vorstellungen? Man kann es benennen. Aber man kann es nicht in seinem eigentlichen Wesen erfassen.

Der Philosoph Schopenhauer entwickelte den Gedanken weiter, und nannte die Welt eine Vorstellung.

 

Die Vorstellung von „Existenz“ formuliert Spirealismus anders

Die oben genannte Frage, was denn die Dinge in Wirklichkeit sind, sieht der Spirealismus aus der materialistischen Grundüberzeugung erwachsen, der Mensch würde eine außerhalb seiner selbst befindliche, objektive Existenz beobachten.

Diese materialistische Grundüberzeugung teilt der Spirealismus aber nicht. Wenn also der Spirealismus eine solche, unabhängig vom Menschen existierende Realität, bestreitet, dann ist auch die Frage danach, was die „Dinge“ in Wirklichkeit sind, unzulässig. Die „Dinge“ können nie etwas anderes sein, als der Mensch darin sieht.

 

Während Kant zu dem Schluss kam, das Ding an sich sei nicht beschreibbar, dennoch wohl vorhanden – ähnlich wie Hume, der formulierte, eine existierende Außenwelt sei nicht feststellbar, dennoch komme man nicht umhin an sie zu glauben – geht der Spirealismus einen anderen Weg.

Spirealismus sagt:  Eine bereits „existierende“ Außenwelt gibt es nicht. Damit unsere Vorstellung von einer existierenden Außenwelt aber in die Existenz der Gedanken kommt, braucht es keine wirklich existierende Außenwelt, im Sinn der Vorstellung. (In dieser Formulierung ist übrigens Bruch der materialistisch-gewohnten Kausalität enthalten, was eine weitere kaum zu überwindende Denkschwierigkeit sein dürfte. Denn der Materialist meint, das Denken existiere, weil es die Materie gibt, und zwar Materie in Form des Gehirns. Der Spirealismus hingegen stellt fest, dass es unsere Vorstellung von Materie nicht gäbe, wäre nicht der Gedanke daran da).

Wenn  Existenz ohnehin aus Denken besteht, wie es der Spirealismus feststellt, kann „die Welt“ jede Form annehmen. Auch die der materialistischen Vorstellungen. Und eben das sehen wir vor uns. „Die Welt“ existiert immer subjektiv und immer verschieden – objektiv und „endgültig“ ist sie nirgendwo feststellbar.

Das ist das letztendliche Resultat der Frage nach dem Objektiven.

Der Mensch: Ausschnitt aus einer Skala

Warum aber sind „feste“ Objekte unsere Welt – viel mehr als die Vorstellung einer sich stets wandelnden Relation, wie sie ähnlich in der griechischen Antike formuliert wurde: „Alles fließt“ ?

Jede Beobachtung, die wir machen, erscheint uns wie ein Ausschnitt aus einer Skala, die zu beiden Seiten unbegrenzt ist, und in der wir selbst wie in der Mitte stehend, erscheinen. In dieser, in uns selbst liegenden Systematik, liegt die Begrenzung.

Unsere Beobachtung erscheint uns nicht wie eine Möglichkeit in der Unendlichkeit, sondern wie eine Notwendigkeit, inmitten einer rätselhaften Unbegrenztheit. Man denke an die Unbegrenztheit des Universums, oder des Mikrokosmos, aus unserer Sicht. Oder man denke an unsere  Vorstellungslosigkeit, wo wohl die beiden Seiten des vorgestellten Zeitstrahls enden … Irgendwo im Nirgendwo. Und dennoch meinen wir, uns in der scheinbaren Mitte dieser Unendlichkeiten befindend, eine objektive Welt vor uns zu haben. Wir glauben, das, was wir gerade sehen, sei objektiv.

 

Erst der Spirealismus vermag, diese in sich widersprüchliche Vorstellung vom Kopf auf die Füße zu stellen. Sein wichtigstes Mittel dazu ist, das Nichtvorhandensein des Objektiven, das nun so oft festgestellt wurde, zur Kenntnis zu nehmen, und zur Denkvoraussetzung aller weiteren Schlüsse zu machen. Und nicht, wie der bereits angeführte Hume es ausdrückte, zu sagen, man müsse dennoch an Objektivität glauben.

Wenn es Objektivität nicht gibt, dann gibt es nicht die vorgestellte Beziehung Subjekt-Objekt / Beobachter-beobachtetes objektives Außen. Sondern: Alles ist relativ, alles ist Geist.

Worin liegen nun also die Grenzen? Worin liegen die Grenzen der Objekte, die wir sehen? Die Sichtweise des Spirealismus ist: Der Mensch selbst ist begrenzt. Als Element eines umfassenden Denkens (das sich nicht in seinem Kopf abspielt!), bringt er die Information erst in die Existenz. Er ist nicht etwa ein „Abrufer“ von Information, der die Information durch Beobachtung aus Äußerlichem gewinnt.

Die Begrenztheit der menschlichen Vorstellungen, die dem Wesen von Information entspricht, immer nur ein Punkt in der Unendlichkeit zu sein, erschafft erschafft erst die Vorstellung eines „Dinges an sich“; oder auch von Dingen, von Materie.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang noch einmal an den spirealistischen Grundsatz, dass das, was wir „das Existierende“ nennen, oder „die Realität“, immer nur das sein kann, was das subjektive Ich-Universum kennt. Nichts anderes. Ein Ding „an sich“ existiert wohl als Name und als Vorstellung, aber es ist nicht das eigentliche Ding „an sich“ im Sinne dieser Vorstellung, also als unbestreitbare Entität außerhalb von uns.

Die Welt als Glaubensfrage

Die Vorstellung, die Menschen würden eine Welt beobachten, ist in allen, die materialistischen Glaubens sind.

Kann man das anders sehen? Der Materialist meint, nein. Doch, in mir (Henrik Geyer) zum Beispiel ist diese Vorstellung nicht, was doch immerhin zeigt, dass die Aussage, „man könne nicht umhin, man müsse die Existenz einer Außenwelt anerkennen“ (Hume), zumindest im Einzelnen falsch ist. Ich persönlich kann sehr gut umhin – obwohl auch ich ja ein Teil von „man“ bin.

 

Der materialistische Glaube ist in der Menschheit verbreitet. Die Vorstellung der Vielen hält der Einzelne für eine Notwendigkeit.

Daher ensteht aus der Vorstellung von Vielen: Eine Welt. Eine objektive Welt sogar. Und die Vorstellung der Vielen wirkt auf den Einzelnen zurück – er kann nicht anders, als die Vorstellung der Vielen für sich zu adaptieren, und sie „wahr“ zu nennen. Das ist zugleich eine Beschreibung des spirealistischen Begriffes Supersubjektivität, der beinhaltet: Die Sichtweise der Vielen wird zu einer Wahrheit eigener Art, die dem Einzelnen völlig unbestreitbar, und im materialistischen Weltbild sogar „objektiv“ erscheint – es aber nicht ist. Man kann sie nie anders als „subjektiv“ nennen.

Das Fehlen von Objektivität erschließt sich dem Materialismus-Gläubigen nicht

Überall und in allem sind wir durchdrungen von der materialistischen Logik – wir finden sie in jedem Wort, dem Begreifen der Mathematik, etc.. Wir finden sie in den Paradoxien des Materialismus, die wir nicht verstehen, aber geflissentlich gewohnheitsmäßig wegdenken – ich spreche von den Begriffen „das Nichts„, „das Unendliche„, „das Unbewusste“, etc..

 

 

Objektivität – was ist das? Warum wir keine Objektivität finden was last modified: Mai 23rd, 2016 by Henrik Geyer

Normale Menschen – wer sind sie? Über Normung und Normalität

Normale Menschen - wer sind sie?

Normale Menschen – wer sind sie?

Wie oft hört man: Normale Menschen tun dies – oder sie tun das. Und natürlich denken die normalen Menschen in einer ganz bestimmten Weise.
In der Zeit des Nationalsozialismus fanden die normalen Menschen den Führer gut, und wussten, wer diejenigen sind, die nicht so normal sind. In der Zeit des Kommunismus fanden die normalen Menschen die Partei gut, und den Besitz des Volkes an den Produktionsmitteln – und fanden damit den Nichtbesitz an Produktionsmitteln des Einzelnen völlig normal und gut.

Normale Menschen machen Angst

Immer schon machte es ein wenig Angst, nicht so normal zu sein. Normale Menschen machen Angst, wenn man selbst abweicht. Und umgekehrt waren immer schon die weniger normalen Menschen den Normalen ein Dorn im Auge.

genormte Gurken – genormte Tomaten – genormte Menschen

Es ist völlig „normal“, dass wir immer die Normalität suchen, und damit das Gleichartige. Weder wollen wir selbst nicht normal sein, noch wollen wir uns mit dem Nicht-Normalen beschäftigen. Die Normung, das Sehen des Gleichartigen, ist ein grundlegendes und wichtiges Menschheits-Prinzip.
Das Anormale, die Anomalie, macht Mühe, ist unberechenbar. Sie sagt uns nichts. Die Verschiedenheit ist letztlich grenzenlos. Das Gleiche zu finden macht aus der Unendlichkeit eine Endlichkeit.

Der Abgleich ist das Wesen des Menschen. Zitat Albert Einstein: Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.
Das bedeutet: Nur im Außenblick zeigt sich, dass das, was das einzelne Mitglied der Schafherde für völlig „normal“ hält, dem Außenstehenden nicht normal ist. Dem Menschen, der die Schafherde sieht, ist die Normalität der Schafe nicht normal. Das Zitat Albert Einsteins bezieht sich natürlich auf Menschen. Und es bezieht sich nicht unbedingt (auch das wäre eine mögliche Interpretation – wenn man die Schafe als „dumm“ ansieht) auf dumme Menschen, die Teil einer dummen Gruppe sind, und dort durch ihre Normalität brillieren. Sondern eigentlich lässt uns das Zitat nachdenken über das, was ein jeder so für normal hält. Denn auch wir, die wir uns unserer Normalität natürlich stets so sicher sind, haben keine objektiven Wahrheiten. Was immer wir sagen, auch über Normalität, ist keine höhere Wahrheit.. sondern nur eine, die sich subjektiv in uns bildet.

spirealistische Sicht

Im Spirealismus heißt der Abgleich, der zu einer Gleichartigkeit führt, Supersubjektivität. Supersubjektivität ist einerseits das Wesen jeden Verstehens. Der Begriff Supersubjektivität macht aber auch deutlich, dass, was immer man versteht, subjektiv bleibt, auch wenn man gern von Normalität oder Objektivität spricht, weil man dokumentieren möchte: „Man kann etwas nicht anders sehen, als…“.

Sich dessen bewusst zu sein bewirkt, dass man vorsichtig und zurückhaltend wird, mit vorschnellen Bewertungen, was als normal gelten darf, und was nicht. Und es bewirkt weiterhin, dass man sich völlig darüber klar wird, dass die Besonderheit, die letztlich unendliche Vielfalt, das Wesen der Welt ist. Und, wenn wir die Besonderheit in uns selbst finden, so muss das keine Angst machen. Denn die Besonderheit ist das eigentlich Normale.

 

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Normale Menschen – wer sind sie? Über Normung und Normalität was last modified: März 3rd, 2016 by Henrik Geyer

Die Welt gibt es nicht!

die Welt gibt es nicht: Der subjektive Blick auf die Welt

Worum geht es?

Die Welt gibt es nicht! …was für ein wunderbarer Titel. Es ist die Aussage mancher zeitgemäßer Philosophie. Aber, warum soll es die Welt nicht geben? Wie kommt man überhaupt darauf?

Man kommt auf diese Frage, wenn man sich beispielsweise vorstellt, dass unser Bewusstsein genauso gut abgekapselt, in einem Computergehirn existieren könnte, oder als ein in einem Wasserbad schwimmendes Gehirn. Da das durchaus möglich wäre (und die Herstellung künstlicher Intelligenz wird uns das umso mehr verdeutlichen), stellt sich die Frage, ob denn „die Welt“ nicht eine Art Täuschung sein könnte, gemacht, um uns eine Kulisse zu bieten, so wie sie sich eine uns übergeordnete Intelligenz ausdenkt.

Dieselbe Frage, was eigentlich die Realität ist, hatte sich der Vordenker des Surrealismus, Andre Breton, übrigens auch gestellt. Im ersten Weltkrieg lernte er in einem Lazarett einen traumatisierten Soldaten kennen, der den Krieg als eine erfundene Kulisse ansah, gemacht, um ihn zu täuschen.

Man muss also offenbar nicht die modernste Technik bemühen, um sich, durchaus berechtigt, die Frage zu stellen, ob denn die Welt vielleicht gar nicht „richtig“ existiert, sondern vielleicht nur ausgedacht, oder nur vorgetäuscht ist.

Übrigens geht die jahrtausendealte Frage des Zhuang Zhou: „Bin ich ein Schmetterling, der träumt, ein Mensch zu sein, oder bin ich ein Mensch, der träumt, ein Schmetterling zu sein? “ in genau dieselbe Richtung.

Die Frage geht aus von der Feststellung, dass alles Begreifen der Welt durch die Sinne erfolgt. Und die Sinne sind nirgendwo angekoppelt an eine feststellbare Objektivität – oder bildlich gesprochen – sie haben kein eindeutig determiniertes „Kabel“ zu einer Außenwelt.

Wenn wir nun einmal die Welt vor uns sehen.. das beweist doch ihre Existenz?

Der Existenzialismus dreht die Sichtweise um. Er fragt nicht , was die Dinge sind, die wir sehen, sondern er sieht den individuellen Blick als die ursprüngliche Existenz. Die Existenz liegt in dem Blick, mit dem wir die Welt sehen, nicht in der Welt…

Der Materialist, der gelernt hat, dass die Materie im Außen existiert, und dass es die Materie ist, die wir beobachten,  kann sich allein schon den Sinngehalt der Frage nicht erklären. Sie kommt ihm sinnlos vor. Wenn wir nicht Materie „beobachten“ – was „beobachten“ wir dann? Und wozu sollte man die Frage überhaupt stellen?

Die Welt gibt es nicht!

Man sollte die Frage stellen, weil die Notwendigkeit einer definierten Außenwelt, die wir nur beobachten, nicht existiert. Wie gesagt: eine irgendwo feststellbare Objektivität gibt es nicht. Welche Notwendigkeit jenseits der Denkgewohnheit der vom Geist getrennten Außenwelt gibt es also?

Es handelt sich sich bei der Frage auch nicht um eine (eigentlich) überflüssige philosophische Volte. Sondern um das Fundament unseres Denkens.

Der Spirealismus schließlich geht von der Tatsache der nicht existierenden Objektivität aus – es ist ihm Denkvoraussetzung.  Die Antwort des Spirealismus auf die Frage „Wenn wir nicht Materie „beobachten“ – was „beobachten“ wir dann?“ ist: Wir beobachten nicht – im gleichen Maße erschaffen wir auch. Was wir sehen sind Welten der Relation, in der wir selbst die Festlegungen sind. Denn tatsächlich muss der genau Überlegende feststellen, dass individuelle Sichtweise auf die Welt letztlich die einzige Sichtweise ist, die überhaupt zur Verfügung steht. Eine objektive Sichtweise lässt sich im Letzten nirgendwo finden – statt dessen „nur“ die subjektive Sichtweise von Individuen-Gruppen (im Spirealismus Supersubjektivität genannt).

Und, so gesehen, kann man nicht davon sprechen, wir würden eine Welt beobachten. „Die Welt“ gibt es nicht. Es gibt die Welten der subjektiven Wahrnehmung.

Die Welt gibt es nicht! was last modified: April 28th, 2016 by Henrik Geyer