Warum schreiben? Warum ich schreibe

Das Schreibwerkzeug des Autoren [SPID 4002]

Warum schreiben? Zu welchem Zweck, mit welchem Ziel schreibe ich? Das  fragt sich mancher Schriftsteller – und dann schreibt er es auf.

Schreiben ist Selbsterkenntnis

Ich kann es heute besser an mir sehen als früher: es war wichtig für das Selbst-Erkennen, zu schreiben. Erkenne dich selbst! sagte man im antiken Griechenland … Selbsterkenntnis ist ein Bedürfnis. Nicht jeder hat es, vielleicht. Mir wurde es unabdingbar, als ich zu einer bestimmten Zeit in meinem Leben mit der Einsicht konfrontiert wurde, dass so vieles ein Irrtum ist. Ich hielt es plötzlich für überaus notwendig, einmal gründlich „über alles“ nachzudenken. Das habe ich getan und das Schreiben hat mir sehr dabei geholfen, meine Gedanken genauer und genauer zu fassen. Diesen stets fortdauernden Prozess möchte ich nicht mehr missen. Denn dieses Erkenne dich selbst! ist das Wichtigste, was man in dieser Welt zu erledigen hat.

Schreiben ist Eitelkeit

Mit dem Schreiben möchte man seine Gedanken verbreiten, sicherlich nicht um dafür gescholten zu werden. Sondern möglichst auch, um für deren Tiefe und Tragweite bewundert und geehrt zu werden. Ein gewisses Sendungsbewusstsein ist nötig, sonst würde man ja nicht schreiben. Ich hatte, als ich anfing etwas Philosophisches aufzuschreiben, den Gedanken, der Welt etwas „zurückgeben“ zu wollen. Etwas Großes, Umfassendes. Ich wollte das Wissen, das ich erlangt hatte, und das ich für äußerst ungewöhnlich und wichtig hielt, mitteilen.

Das will ich zwar immer noch, weiß aber nun durch das Schreiben auch, dass man der Welt nichts „Großartiges“ oder besonders „Neues“ übergeben kann; was man übergeben kann hängt eher davon ab, was die Welt sehen will. Die Welt wartet nicht auf das Neue, denn das Neue ist ihr unbekannt. Das „Großartige“ in der Wahrnehmung des Publikums ist zugleich auch immer das, was anderen bereits bekannt ist. „Das Bekannte“ sozusagen. Doch zu Anfang ist der Autor unbekannt – was man zu sagen hat kann also nicht großartig sein. Als beginnender Schriftsteller empfindet man sehr stark diese Selbstzweifel – wer ist man schon, dass man wagen dürfte, sich zu diesem oder jenem Thema zu äußern? Kurz: Man merkt gerade durch das Schreiben, dass es besser ist, die übergroßen Ambitionen bleiben zu lassen.

Besser man nähert sich dem Schreibhandwerk auf wohl ehrfürchtige, aber dennoch pragmatische Weise, schreibt und schreibt. Man lernt und lernt. Zuerst fehlt es auch am Handwerklichen, auch das muss reifen. Natürlich möchte man sofort gute Texte schreiben, am liebsten in den Himmel der Literatur-Götter eingehen .. Doch man muss Übung und Souveränität erlangen, man muss Momentum in der Wahrnehmung des Publikums aufbauen. Für beides braucht es Zeit und Übung.

Daher würfelt man die Gedanken geduldig und erwartet mit zurückhaltender Gespanntheit, wie das, was man schrieb, aufgenommen wird. Eitelkeit, das Ego, ist ein wichtiger Antrieb für das Schreiben. Doch, um lesbaren Text hervorzubringen muss man das Ego zurückdrängen.

Über-Ambitioniertheit, der Drang „etwas Großes“ schaffen zu wollen, ist wohl generell eher ein Hindernis als ein Trittbrett zu Höherem. Das gilt auch für die Art und Weise des Schreibens. Goethe sprach einmal davon, der Dichter solle lieber kleine, in sich geschlossene Werke herstellen, als sich einem großen und umfassenden Werk zu widmen. Ein solch großes ambitioniertes Vorhaben habe den Nachteil, dass es immer unperfekte Teile enthalten müsse, wodurch das Gesamte unperfekt sei. Wohingegen kleinere gelungene Werke, die noch dazu aus der Wahrheit des Augenblicks und der Kraft des Momentes entstehen, und nicht etwa in einem überlangen Bemühen, den Eindruck in sich geschlossener und perfekter Stücke machen.

Schreiben ist Offenheit

Schreiben ist Offenheit oder auch Ehrlichkeit, weil Schreiben immer eine Form moderater Selbstentblößung ist. Wenn man nicht gerade nichtssagende Texte fabrizieren will, muss man etwas von sich hergeben. Als Autor wird man dadurch zwangsläufig erkennbarer. Der Segen des Unerkannt-Seins, lernt man, liegt darin, dass man frei ist, (theoretisch) alles sein zu können. Das Festlegen auf Positionen hingegen führt dazu, dass Gegenpositionen erschaffen werden. Man begibt sich tiefer in die Welt der Polarität, und so mancher Schriftsteller will eigentlich gerade das nicht, sondern sich gerade durch das Schreiben von den Notwendigkeiten und den Kämpfen der Welt abkoppeln.

Dem Ego des Autoren tut die Erkennbarkeit gut, es definiert sich selbst zunehmend neu. Die Bücher die man schreibt, die Fragen die man behandelt, werden zwangsläufig zu wichtigen Gestirnen des Ich-Universums. Ähnlich ergeht es wohl Schauspielern, die nicht nur vom Publikum mit ihren Paraderollen identifiziert werden, sondern die sich selbst damit identifizieren. Nicht nur der Autor erschafft Bücher, sondern die Bücher erschaffen den Autoren ein Stück weit neu.

Schreiben ist Die-Welt-Entdecken

Es ist eines der Prinzipien meiner Philosophie … : im Geist lässt sich die Welt entdecken, denn es ist ohnehin alles Geist.

Das Schreiben als eine Beschäftigung mit dem Geist, lässt den Schriftsteller zu einem Geistes-Reisenden werden, der statt im Flugzeug vor seinem Schreibtisch sitzt und der Welt auf diese Weise ihre ungewöhnlichsten Geheimnisse entlockt. Selbst das kleinste Ding hat für ihn tausendfache Bedeutung – und das ist ein Abenteuer, das sich mit anderen Mitteln nicht in gleicher Weise durchführen lässt.

Die längste Fernreise kann uns nur an Orte führen, die wir dann im Geiste bestaunen. Wie wir staunen, was wir in welcher Weise bestaunen, das hängt vom Geistigen ab, nicht vom Gegenstand des Staunens. Das größte Weltwunder muss in einem dumpfen Geist zur Belanglosigkeit schrumpfen, und umgekehrt kann die kleinste Sache in einem wachen Geist die allergrößte Bedeutung gewinnen. Schreiben ist auch, sich in eine Welt der Wunder zu begeben.

Wenn mancher nun sagt: Im Geist lassen sich aber nicht die Fakten entdecken, das Wirkliche, dann frage ich: Welche Fakten? Im Geist lässt sich viel mehr entdecken, als das, was für andere „Fakt“ ist. Man kann mit Jules Verne in den Tiefen der Ozeane tauchen, man kann mit Dumas der Held eines Mantel- und Degen-Abenteuers sein. Für Einstein war das Reisen auf einem Photon Fakt – für wen sonst gilt das noch? Man kann so vieles entdecken – und das wird dann zu einem unbestreitbaren Fakt des Lebens. Was will man mehr als die Fülle des Lebens kosten? – das ist die Faszination der Phantasie! Das kann man mit keiner anderen Tätigkeit erreichen, als mit dem Schreiben. Oder dem Lesen.

Mit Schreiben der Welt auf die Schliche kommen

Es ist ein weiterer Aspekt des schon erwähnten Die-Welt-Entdeckens, dass man dem schlichten Wesen der Menschen-Welt auf die Spur kommt.

Man stellt fest, dass man der Welt letztendlich kaum etwas geben kann, was nicht ohnehin im Geist der Welt ist, ich erwähnte es schon. Der Leser entdeckt sich eher selbst mit dem Hilfsmittel eines Buches, als dass er eine fremde Gedankenwelt erforschen und bestaunen könnte. Die Welt verlangt nichts als das, was sie ohnehin schon kennt – was sie nicht kennt, danach kann sie nicht verlangen und kann es oft genug auch nicht würdigen.

Umgekehrt kann man nichts „zurückgeben“, was nicht originär der Welt entstammt. Man biegt nur ein wenig daran herum, fügt einen neuen Farbton hinzu – und dann gibt man zurück. Und dennoch ist Schreiben immer noch das denkbar kreativste Tun in dieser Welt.

Man sieht, wie etwas entsteht und wodurch es Verbreitung findet. In einem großen arbeitsteiligen Betrieb, als Rädchen im Getriebe, könnte man das nicht beobachten. Als Autor stellt man etwas in Gänze her und hat an dessen Verbreitung unmittelbaren Anteil. Die Person des Autors selbst ist dessen allerwichtigstes „Produktionsinstrument“. Den kreativen Prozess aus jeder Perspektive und in Gänze beobachten zu können, ist schon spannend.

Schreiben ist Antwort auf eine Suche

Das ist auch das, was ich suchte. Ich suchte Antworten auf verschiedene metaphysische Fragen. Wie: Was ist Kreativität eigentlich, wo doch im Grunde alles neu ist? Der 10-millionste VW-Käfer ist doch letztlich ebenso einzigartig wie der erste? Was verbindet alles und macht die Dinge doch einzigartig? Was ist meine Verbindung mit der Schöpfung, mit der Unendlichkeit? Das Ergebnis dessen sind die philosophischen Bücher, die ich nach und nach schreibe. Erst durch das Schreiben kam ich dem Philosophischen wirklich auf die Spur … das Schreiben ist also nicht nur das Resultat von Überlegungen, sondern auch Werkzeug. Man stellt Überlegungen in der richtigen, gründlichen, Weise an, stellt Fragen systematisch…

Schreiben ist gut für das Kaizen

Aus demselben Grund ist Schreiben gut fürs Köpfchen – es ist eine Beschäftigung, die eine dauerhaft hohe Konzentration erfordert, und man kann sich nach einer Weile tatsächlich besser konzentrieren. Es ist ein sehr angenehmer Nebeneffekt, dass komplizierte Dinge plötzlich besser gelingen. Das Schreiben macht genau.

Ich empfinde es als wunderbar, dieser hochkonzentrierten und effektiven Arbeit nachgehen zu können, wann immer ich Lust dazu habe. Ich muss nirgendwo hinfahren, um es zu tun. Und ich benötige auch niemandes Erlaubnis. Selten habe ich in meinem Leben so viel gearbeitet, und es noch dazu gar nicht als Arbeit empfunden. Selten hatte ich in meinem Leben das Gefühl, so kontinuierlich und systematisch zu lernen, zu wachsen.

Zu lernen gibt es übrigens nicht nur, wie man ein Buch schreibt, wie man richtig formuliert etc., sondern auch, wie man den Umschlag gestaltet, das ganze Management der Titel, ISBN, Preise, das Programmieren von Webseiten für den Blog, und vieles mehr. Schreiben ist also gut für das Kaizen – die stetige Verbesserung der Persönlichkeit, bzw. der persönlichen Fähigkeiten.

Schreiben ist einsam

Schreiben ist eine Gewohnheit und eine Liebhaberei, etwas, das man gern tut. Ich habe als Junge bereits Geschichten aufgeschrieben. Das ist eine wichtige Voraussetzung für „das Schreiben“ – man muss es mögen … wenn man das Schreiben nicht mag dann gibt es wenig, was einen dazu treiben könnte es dennoch zu tun. Der Erfolg kann es nicht sein – denn man kann ohnehin schwerlich mit etwas Erfolg haben, das man gar nicht mag … Voraussetzung für Erfolg ist eben Leidenschaft und Ausdauer, zumindest nach meiner Erfahrung und Auffassung. Schreiben dauert lange und erfordert viel Sorgfalt, und man ist allein. Nach der Veröffentlichung eines Buches kann man dann darüber sprechen, aber die Zeit des Schreibens ist gekennzeichnet durch Einsamkeit und Ruhe.

Man benötigt diese Ruhe, um die Gedanken fließen zu lassen, man benötigt die Einsamkeit, um sich vom Denken der Welt zu lösen und frei sein zu können; um jede Phantasie hervorzubringen. Man stelle sich vor, jemand stünde daneben und bewertete: Dies geht nicht, jenes ist unwahrscheinlich … Dies zu tun ist nur dem Autoren selbst überlassen, und anders kann es nicht sein, sonst käme gar nichts dabei heraus.

Die Einsamkeit ist attraktiv, aber sicherlich nicht für jeden.

Schreiben ist eine Herausforderung

Schreiben ist eine Kunst. Wie bei jeder Kunst gibt es kein Ende der Entwicklung. Immer lernt man. Immer grübelt man über Stil, beste Wortwahl, die Balance zwischen kürzester Aussage und umfassender Weitschweifigkeit – was ist wo besser? Auch das Weitschweifige hat seinen Sinn – Lesen ist eine Art spirituelle Konzentration, eine Art Meditation; und seit wann käme es bei der Meditation darauf an, sie in möglichst kurzer Zeit hinter sich zu bringen? Der Schriftsteller ändert hier einen Punkt in ein Komma, dort macht er es umgekehrt .. Wie viele Bedeutungen kann ein Text haben? Wie verschieden kann er aufgefasst werden? Das zu begreifen, sich in dieser Kunst zu üben, das fasziniert. Schreiben ist ein Streben, das einen erlösen kann („Wer immer strebend sich bemüht…“).

Das Wichtigste für gutes Schreiben ist, etwas zu sagen zu haben. Der Leser verzeiht so manche Unvollkommenheit eines Textes, aber eitles und leeres Geschwätz braucht er einfach nicht.

Etwas zu sagen zu haben ist auch der beste Antrieb für den Schriftsteller. Der Schriftsteller hat eigentlich keine Lust leere Floskeln zu Papier zu bringen. Das, was man gemeinhin als eine „Schreibhemmung“ bezeichnet, sehe ich aus so einer Ziellosigkeit erwachsen. Man darf froh sein, wenn man als Schriftsteller das Gefühl hat, eine Aufgabe vollbringen zu müssen. Was man zu sagen hat sucht man sich nicht unbedingt selbst aus, sondern umgekehrt, man wird von den Themen, die man behandeln muss, erwählt. Man darf glücklich sein, erwählt zu werden.

 

 

 

Warum schreiben? Warum ich schreibe was last modified: Oktober 30th, 2016 by Henrik Geyer

Glück suchen … es gibt so viel Welt zu sehen

Frühstück bei Tiffanys mit Audrey Hepburn als Holly [SPID 3972]

Den Film Frühstück bei Tiffany’s kennen bestimmt viele, und viele werden ihn in’s Herz geschlossen haben, so wie ich.

Es ist eigentlich kein „spiritueller“ Film, sondern, wie man so schön sagt, eine „leichte Filmkomödie“. Aber für mich ist „spirituell“, was eine besondere, tiefere Bedeutung in den Gedanken gewinnt. Und dieser Film, den ich oft sah, und dessen Melodie ich oft hörte, hat das: eine tiefere Bedeutung.

 

Holly Golightly ist ein Callgirl, eine Prostituierte, im New York der 50er Jahre. Im Film ist Holly, gespielt von der bezaubernden Audrey Hepburn, allerdings so blütenweiß und so rein, dass man diesen Aspekt der Geschichte von Truman Capote eigentlich gar nicht bemerkt. Holly scheint lediglich etwas leichtsinnig zu sein, der Name Golightly hat auch den Anklang von Leichtlebigkeit, von Nichts-wichtig-Nehmen.

Holly ist fest entschlossen, ihr Glück durch Heirat eines reichen Mannes zu machen. Liebe, meint sie, spiele dabei keine Rolle. Sie lernt einen jungen Schriftsteller namens Paul kennen, der sich in sie verliebt, und sie verliebt sich in ihn, will es sich aber nicht eingestehen.

Paul sieht nicht gern, womit Holly ihr Geld verdient. Doch die macht ihm schnell klar, dass er gar nicht so verschieden von ihr ist – im Grunde führt er das Leben eines Gigolo. Denn er lebt von Gnaden einer reichen Frau: wohnt in ihrer Wohnung, nimmt ihr Geld. Als Schriftsteller jedenfalls verdient er (noch) nichts.

Glücks-Sucher

Die beiden, Holly und Paul, sind zwei Glücks-Sucher, jeder auf seinem eigenen, abenteuerlichen Weg.

Holly glaubt, sich nicht festlegen zu dürfen. Sie könnte alles sein, was zu sein man von ihr erwartet. Sie will im Gegenzug nur eins: reich sein.

Konsequenterweise lebt sie ein Leben auf Abruf, nichts lässt sie sich ans Herz wachsen. Der Kater, der bei ihr „nur wohnt“, und mit dem sie, wie sie sagt, ansonsten nichts zu tun hat, ist eine Metapher für ihr freies Denken. Sie hat dem Kater noch nicht einmal einen Namen gegeben, und nennt ihn nur … Kater.

Auch den Schriftsteller Paul will sie nicht in ihr Herz lassen, denn der hat ja nichts.

Moon River von Henry Mancini

Eine geniale Facette des Filmes ist die Filmmusik von Henri Mancini.  Henri Mancini war ein großer Film-Komponist, er erschuf z.B. auch das Thema des Films „Der rosarote Panther“.

Der Song „Moon River“, so befand Henry Mancini einmal, ist von Audrey Hepburn auf die bestmögliche und gelungenste Weise vorgetragen worden, obwohl es sicher tausend Interpretationen dieses Liedes gibt. „Moon River“ ist traurig-schön. Die Verse drücken den Aspekt des Suchens und der Sehnsucht aus. Sie spielen mit den Wortbildern des amerikanischen Selbstverständnisses.

Der Mondfluss ist jener geheimnisvolle Schicksalsstrom, den zu bereisen gleichsam das Abenteuer des Lebens ist. Hinter jeder Flussbiegung kann das Glück warten („waiting round the bend“) – man muss sich nur auf das Abenteuer einlassen. Ähnlich  Huckleberry Finn (my Huckleberry friend), der tausend Kilometer auf einem Floß den Mississippi hinunter fährt, um Freiheit und Glück für sich und seinen Freund Jim zu finden. Huckleberry und Jim sind zusammengeschmiedet, durch ihre Sehnsucht und ihre Suche, und ganz ähnlich sind auch Holly und Paul Schicksalsgenossen. Sie sind Herumtreiber, die sich auf den Weg gemacht haben, die Welt zu sehen … und es gibt so viel Welt zu sehen! Wozu sich festlegen? Reisen bedeutet, Dinge und Orte zu verlassen; besser man reist mit leichtem Gepäck.

Two drifters off to see the world
There’s such a lot of world to see
We’re after the same rainbow’s end
Waitin‘ round the bend
My Huckleberry friend

Eines Tages wird Holly erreichen, was sie sich vorgenommen hat, wird den Fluss in Reichtum und Glück befahren (crossing you in style, some day), da ist sich Holly sicher. Sie und Paul haben die gleichen hochfliegenden Pläne, beide wollen zum Ende des Regenbogens gelangen. Eine schöne Metapher für Glück – das Ende des Regenbogens ist ein verführerisch scheinender Ort, jedoch kann man ihn nicht erreichen … jedenfalls nicht, indem man ihm nachjagt.

Glück ist nicht Suchen

Zum Ende des Films findet Holly was sie sucht: einen reichen Mann zum Heiraten. Alles scheint perfekt, und doch ist sie unglücklich. Der reiche „Knilch“ bedeutet ihr nichts, und sie bedeutet ihm ebenso wenig. Dennoch ist sie entschlossen, ihr Vorhaben umzusetzen. Zum Zeichen ihrer Entschlossenheit überlässt sie „Kater“ seinem Schicksal – auch er soll sich umorientieren, so ist eben das Leben! Im strömenden Regen, zwischen Mülltonnen und alten Kisten soll er sich von Ratten ernähren.

Paul, der das sieht, lässt es nicht zu, und erklärt Holly, dass Glück Ankommen ist. Wertschätzen der Dinge und Menschen, aber nicht unstete Suche. Glück kann man daher in sehr einfachen Dingen finden. Wo man wertschätzt, und wo man wertgeschätzt wird, da ist man auch glücklich. Glück muss man nicht in der Welt suchen, sondern in sich.

Holly sieht das ein, und sucht Kater. Sie findet ihn völlig durchnässt zwischen Müll, nimmt ihn an sich. Im strömenden Regen bahnt sich das Happy End an – man darf vermuten, dass Holly ihren reichen „Knilch“ nicht heiratet, sondern Paul, und dass „Kater“ endlich einen richtigen Namen bekommt.

Weiterlesen: Verloren wie Tränen im Regen.

 

Weiterlesen: Schätzen, was man hat. Wertschätzen.

Ähnliches Thema: Artikel Schätzen, was man hat. Wertschätzen und dankbar sein, wer – man ist und wie man ist

Ähnliches Thema: Glücklich sein – wie geht das? Völlig idiotisch glücklich sein!

Glück suchen … es gibt so viel Welt zu sehen was last modified: September 19th, 2016 by Henrik Geyer

Method Writing – die Methode besser zu schreiben

Method Writing - der Schlüssel?

Method Writing – was ist das?

Was man zu Papier bringt, ist in seiner gefühlsmäßigen Tendenz, seiner Klarheit und Spannung, sehr abhängig von der Stimmung, in der der Autor gerade ist. Gibt es eine Methode die dabei hilft, realistische und interessante Texte entstehen zu lassen? Eine Art Method Acting, nur eben für Schriftsteller?

Method Acting

Das Wort „Method Acting“ ist wohl vielen ein Begriff. Lee Strasberg brachte in seinem New Yorker „Actors Studio“ (einer Schauspielschule) vielen später berühmten Schauspielern Method-Acting bei. Darunter waren z.B. Robert De Niro und Marlon Brando.

Vor dem Method Acting bestand Schauspiel oft im Auswendiglernen von Texten etc.. mit entsprechend kargem Ergebnis. Hölzerne Dialoge mechanisch vorgetragen – schrecklich langweilig.

Um das Drama der Drehbücher besser auf die Bühne, bzw. in den Film zu bringen, formulierte Strasberg Grundsätze des Method Acting. Method Acting sollte dem Schauspieler durch eine erlernbare Vorgehensweise dabei helfen, glaubhaft Rollen zu spielen. Method Acting lehrt, wie man Rollen „lebt“, wie man sich mit Haut und Haaren in eine Figur und in die Situation, in der sie gerade ist, hineinversetzt.

Das Ziel dabei ist, die Rolle mit realistischer Intensität und hautnahem Drama zu erfüllen. Emotionen sollten so sichtbar werden, wie sie im richtigen Leben, in ähnlicher Situation, ebenfalls zu beobachten sind.

Der Erfolg vieler Schauspieler, die im „Actors Studio“ ausgebildet wurden, zeigt die Wirksamkeit des Method Acting – Prinzips. Man denke an gelungene Filme wie „Taxi Driver“ oder „Endstation Sehnsucht“.

Method Writing

Beim Schreiben ist es im Grunde ähnlich. Wenn man eine bestimmte Art von Text schreiben möchte, vielleicht ein heiteres Buch, oder einen spannenden Roman, dann sollte man sich tunlichst in den Text „hineinbegeben“. Man sollte die zu schildernde Situation sozusagen selbst „erleben“ – erleben, wie sich Situation aus Situation entwickelt, um im selben Moment, und mit demselben Gefühl, realistischen und packenden Text hervorzubringen. Man sollte also Method Writing betreiben.

Hineinversetzen

Eines der Grundprinzipien des Method Writing ist (ganz wie beim Method Acting), sich in die Figur, die man beschreiben will, hineinzuversetzen. Sich also intensiv vorzustellen, wer sie ist; aus welcher Notwendigkeit, welchen Erfahrungen heraus sie handelt. Wo sie sich befindet.

Sich konzentriert in eine Figur und eine Situation hineinzuversetzen – das braucht Zeit. Aus diesem Grund benötigt der Autor einige ungestörte Zeit der Ruhe und des Nachdenkens. Um die Konzentration auf dem höchstmöglichen Niveau zu halten, sollte man außerdem darauf achten, zur (Tages-)Zeit der höchsten geistigen Leistungsfähigkeit zu schreiben.

Method Writing – Emotionen suchen und zulassen

Method Writing bedeutet auch, sich darüber im Klaren zu sein, dass sich der Schriftsteller nicht hinter seinen Texten verbergen kann. Umgekehrt: in seinen Büchern nimmt er für den Leser selbst Gestalt an, er wird erkennbar.

Sich in die Figuren hineinzuversetzen geschieht mit dem Ziel, die eigenen Erfahrungen, das eigene Fühlen, in Verbindung zu bringen mit einer vorgestellten Situation. Worüber man schließlich schreibt, das sind die eigenen Gedanken und Gefühle, nicht die von Fremden. Das ist gut so, das macht das Buch authentisch und für den Leser interessant.

Das bedeutet nicht bedingungslose Selbstentblößung, dennoch aber sollte sich der Autor darüber im Klaren sein, dass man sich in seinen Büchern auch immer selbst zu erkennen gibt. Und er sollte dieser Tatsache keine allzu großen Widerstände entgegen setzen.

Entspannen

So, wie das Schicksal seinen Lauf nimmt, so wie die Dinge sich oft ganz ohne Zutun entwickeln, kann und sollte sich auch der Autor entspannen. Er kann selbst dem Lauf der Dinge folgen – und zusehen, wie sie sich die Handlung aus seinem Denken heraus entwickelt. Mit einem „Ich muss!“ im Kopf zu arbeiten gibt dem Text etwas Konstruiertes, Künstliches.

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Method Writing – die Methode besser zu schreiben was last modified: April 16th, 2016 by Henrik Geyer

Suche nach Kreativität – Wie ich zum Schreiben kam

Suche nach Kreativität - Wie ich zum Schreiben kam

Wie kam ich zum Schreiben? Es war eine Suche nach Kreativität … ich fragte mich: Was ist Kreativität, wie drückt sie sich aus? Was ist wirklich neu in der Welt?

In „Alles ist Geist“ beschrieb ich eine persönliche Erfahrung, die ich so formulierte: „Das Denken ist die Realität“ – sie steht im Gegensatz zu: Das Denken spiegelt die Realität wieder. Eine Facette dieser Überlegung ist: Was ist etwas völlig Neues? Was ist kreativ – schöpferisch im eigentlichen Sinn?

Weil die Überlegung „Das Denken ist die Realität“ zu diesem Zeitpunkt mein Leben neu formte, war es mir wichtig, der Frage nach Kreativität auf die Spur zu kommen.

Was ist der Knackpunkt?

Die Frage „was ist Kreativität“ wird vielen vielleicht nicht besonders interessant erscheinen – ist denn nicht bereits bestens bekannt, was Kreativität ist??

Für mich nicht. Ein sehr treffendes Arthur-Schopenhauer-Zitat formuliert, was hinter der Frage steckt:

Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da anderes übrig, als daß sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? – Da es so zugeht, was gilt noch die Stimme von hundert Millionen Menschen? – So viel wie etwa ein historisches Faktum, das man in hundert Geschichtsschreibern findet, dann aber nachweist, daß sie alle einer den andern ausgeschrieben haben, wodurch zuletzt alles auf die Aussage eines Einzigen zurückläuft.

Schopenhauer weist damit auf die Tatsache hin, dass doch vieles von dem, was wir als „persönliches Wissen“ zu haben glauben (so als hätten wir es selbst entdeckt und wüssten es daher ganz zuverlässig), übernommen ist, oft aus letztlich nicht benennbaren Quellen.

Wir reden die Dinge zwar wieder und wieder, glauben an eine besondere Beweiskraft wenn viele Menschen dasselbe sagen. Doch – wie Schopenhauer es formuliert – welche Beweiskraft hat die Stimme von hundert Millionen Menschen wirklich? Letztlich keine besondere – alles führt zurück auf eine subjektive Sichtweise.

Was ist nun auch Kreativität eigentlich, wenn „der eine vom anderen nur abschreibt“, anders ausgedrückt: die vorgefundenen geistigen Inhalte übernimmt und bestenfalls neu formt?

(Schopenhauer bezieht sich in dem Zitat auf Geschichtsschreibung, aber was er sagt, gilt letztlich für jeden Wissensbereich. Man denke an die Wissenschaft, oder bereits an die Sprache selbst, in der die Bedeutungen all dessen, was sagbar ist, bereits vorgegeben sind. Was genau ist völlig „neu“?)

Suche nach Kreativität – Neugierde auf Schöpfertum

Ich wollte ein Buch schreiben und mir selbst diese Frage beantworten. Ich begann zu schreiben. Weil das Zentrum meines Interesses damals das Nachdenken über die Welt war, war es ein philosophisches Buch, das da entstand; es war „Alles ist Geist“.

Das Thema, so fühlte ich, war in dieser Form nur in mir – das war es auch, was ich wollte. Allbekanntes neu zu formulieren, kam mir nicht interessant genug vor – es schien auf der Suche nach Kreativität auch nicht wirklich weiter zu führen. Es sollte auch kein Fantasy-Buch sein; als nützlich und interessant empfand ich Philosophie.

Siehe auch Artikel zum Thema: Ist Philosophie Wissenschaft? Warum Philosophie die wichtigste Wissenschaft ist.

Es dämmerte mir allerdings erst nach und nach, dass der unwillkommene Umkehrschluss dieser Neuartigkeit ist, dass sich das Thema im Grunde dem normalen Verständnis entzieht. Der Spirealismus, den ich in „Alles ist Geist“ erstmalig formulierte, besagt selbst, dass Voraussetzung für ein wirkliches Verständnis ein fundamentales Neubegreifen der selbstverständlichsten Worte ist – eine „Überwindung des Materialismus“, wie ich es nannte. Aber welcher Leser will so etwas?

Zögerlich wurde mir klarer, wie schwierig es für den Leser ist, Begriffe jenseits des normalen Verständnisses (neu) aufzufassen, und wie selten man sich darauf einlassen wird. Mir wurde auch klar, dass diese Form der Kreativität den Nachteil hat, nicht besonders populär sein zu können. Denn bei aller Kreativität sucht der Lesende doch das Bekannte – und der Schreibende sucht letztlich den Lesenden.

Siehe auch Artikel zum Thema kreativ sein : Kreativ sein – die 80 % Regel

Jedoch wurde durch meine ganz praktisch angegangene Suche nach Kreativität tatsächlich bewusster, was Kreativität überhaupt ist und wie man sie lebt.

Suche nach Kreativität – Wie ich zum Schreiben kam was last modified: Februar 10th, 2016 by Henrik Geyer

Martin Eden – die negative Seite der Erkenntnis

Henrik Geyer Martin Eden - die negative Seite der Erkenntnis. Martin Eden - Roman von Jack London. In Jack Londons Roman "Martin Eden" will ein einfacher Mann Schriftsteller werden. Sein Werdegang ist ein Weg der Erkenntnis, der ihn verzweifeln lässt..

Jack Londons Roman „Martin Eden“ beschreibt den Werdegang eines jungen Matrosen, der Schriftsteller werden möchte.

Gekonnt wie fast immer beschreibt London diesen Werde-Gang als einen Erkenntnisprozess, getrieben von dem unstillbaren Hunger des jungen Mannes, alles zu lernen was nötig ist, jede Bürde und jede Mühe auf sich zu nehmen, um schließlich als Schriftsteller erfolgreich zu werden.

Der Roman hat autobiografische Züge – es ist durchaus Londons eigene Geschichte.

Martin Eden und die Phase der Unschuld

Am Anfang ist Martin Eden fasziniert von der Welt der Intellektualität, der Worte, der Wahrheit wie er glaubt. Er muss viel lernen, damit aus dem unbeholfenen Slang des Seemanns Sätze werden, die gelesen werden.

Dann ist da der Zwang, ein Einkommen zu haben, der  ihn immer wieder vom Schreiben abbringt, hin zu einer Beschäftigung, die zwar Geld, aber keine geistige Erneuerung bringt.

Für sein Schreiben setzt Martin Eden alles ein und alles aufs Spiel – auch sein Liebesglück mit der Frau seines Herzens. Die fordert von ihm, endlich eine Stellung anzunehmen. Doch Eden ist starrköpfig. Eine Stellung anzunehmen würde die Aufgabe seines Planes, Schriftsteller zu werden, bedeuten. Er allein glaubt an sich – und scheinbar niemand sonst.

Martin Eden – „ausgeschrieben“ & Erfolg bahnt sich an

Er schreibt und schreibt. Seine Manuskripte kommen aus den Redaktionen der Magazine zurück. Man will sie nicht.

Seine Manuskripte werden von Freunden und Verwandten gelesen. Man findet ganz gut, was er schreibt. Man findet es manchmal aber auch verstörend, ungehörig, zu direkt. Eden schreibt zu „straight“ für viele seiner Angehörigen und Bekannten – etwa so, wie es die Art und Weise von Jack London selbst war.

Und sie fragen sich insgeheim: Kann wirklich gut sein, was niemand liest? Den Vertrauten seines Umfeldes bleibt das das Wichtigste. Alle müssen gut finden, was er schreibt, denn nur das, was alle gut finden, das kann dann auch gut sein. Daher ist ihr wichtigster Maßstab das Äußerliche, der Ruhm, das Geld in der Kasse, und nichts anderes.

 

Irgendwann ist Martin Eden „ausgeschrieben“. Er ist fertig, in ihm ist nichts mehr.

Zitat:

„I have done— Put by the lute.

Song and singing soon are over

As the airy shades that hover

In among the purple clover.

I have done— Put by the lute.

Once I sang as early thrushes

Sing among the dewy bushes;

Now I’m mute.

I am like a weary linnet,

For my throat has no song in it;

I have had my singing minute.

I have done. Put by the lute.“

 

Jetzt kann Martin Eden seine Manuskripte nur noch vermarkten.

Die Erkenntnis

In diesem Augenblick kommt der Erfolg. Ein Buch, das er verkaufen kann, wird von den Lesern angenommen. Plötzlich kommt er in die Magazine. Was er über Jahre schrieb, ist plötzlich begehrt. Er kann alle Manuskripte verkaufen – zu seinen eigenen Bedingungen verkaufen.

Von einem Tag auf den anderen ist Martin Eden beliebt, erhält Zustimmung, ist wohlhabend, wird bei seinen Feinden eingeladen, ist jetzt ihr Freund. Er erkennt, dass man in ihm, dem Schriftsteller, zuallererst den Erfolg sieht, nicht das, was in ihm ist. Denn der erfolglose Eden ist mit dem erfolgreichen Eden völlig identisch – lediglich in den Augen seines Umfeldes hat er sich komplett gewandelt.

Eden erkennt, dass er in den Augen der Menge etwas ganz anderes ist, als der wirkliche Eden. Etwas Erfolgreiches, aber auch etwas sehr Triviales und Durchsschnittliches. Das lässt ihn verzweifeln. Denn diese Erkenntnis löst seine Ideale auf, derenthalben er das Schreiben überhaupt angefangen hatte.

Auch sein Ideal von der Liebe ist zerstört. Seine Geliebte hat sich kurz vor seinem Erfolg von ihm getrennt. Jetzt, da er erfolgreich ist, möchte sie zu ihm zurück. Auch sie sieht nichts anderes in ihm, als das Äußerliche …

Der Roman endet in einer Tragödie – Martin Eden nimmt sich das Leben.

Es führt kein Weg zurück

Ich hatte an anderer Stelle über Erkenntnis geschrieben, über Platos Höhlengleichnis, und die darin zum Ausdruck kommende Tatsache, dass der Weg der Erkenntnis unumkehrbar ist. Der Roman „Martin Eden“ illustriert sehr schön diese Unumkehrbarkeit, und er macht auch deutlich, aus welchem Grund  sich mancher, der Erkenntnis erlangt, wünscht, die alte heile Welt möge sich wieder herstellen lassen.

 

 

Martin Eden – die negative Seite der Erkenntnis was last modified: Januar 10th, 2016 by Henrik Geyer

Beruf Schriftsteller – was macht man da? Was schreibt man?

Beruf Schriftsteller - Kreativität ist Pflicht

Beruf Schriftsteller

Beruf Schriftsteller – was tut man da? Der Schriftsteller sitzt in der geistig produktivsten Zeit des Tages vor dem Computer oder der Schreibmaschine, und versucht ungewöhnliche, geistreiche, und dennoch eingängige Zeilen zu Papier zu bringen. Es ist für ihn ebenso wichtig, diese persönlich produktive Zeitspanne des Tages ausfindig zu machen, wie es wichtig ist, das Handwerkszeug des Schreibens zu erlernen, und einen eigenen Schreibstil zu entwickeln. Mindestens ebenso lange ist er damit beschäftigt, die Vermarktung seiner Produkte zu betreiben.

Letztlich ist der Autor auf sich gestellt. Beruf Schriftsteller – das heißt Freiberufler. Das Allerwichtigste ist, am Ball und produktiv zu bleiben, so wie das bei jedem Freiberufler ist. Als Freiberufler ist der Schriftsteller nicht den Normen eines Betriebes unterworfen, in dem Zeiten und Abläufe vorgegeben sind. Und somit fehlt natürlich auch das Korsett, das manchem, dem das vielleicht ganz lieb wäre, hilft, regelmäßig und nach Normen zu arbeiten. Dennoch muss der Schriftsteller natürlich produktiv sein. Im Grunde viel produktiver als mancher Angestellte. Das bedeutet Arbeit.

Was schreibt man am besten?

Man kann nicht sagen, was „man“ am besten schreibt. Ich zumindest habe starke Zweifel, ob es sinnvoll sein kann, diesbezüglich einen Rat auszusprechen. Denn das Allerwichtigste ist und bleibt die Produktivität. Und – man sollte lieben, was man tut. Nur so entstehen interessante Gedanken, Bücher, Produkte. Es ist im Grunde der große Vorzug des Autors, selbst Themen wählen zu können. Es ist sein Privileg, aber auch seine Aufgabe, kreativ zu sein. Diesen Vorzug und dieses Privileg sollte man nutzen, und es nicht aufgeben, zugunsten eines „man muss“.

Heute zum Beispiel erscheint es so, als seien Fantasy-Romane und Krimis up to date. Aber sollte man wirklich dieser übergroßen Fülle an Vorhandenem noch etwas Eigenes hinzufügen, nur weil man glaubt, „man“ müsse oder „man“ sollte? Wichtiger, finde ich, ist es, das zu schreiben, was aus einem herausdrängt; was man unbedingt scheiben will.

Das Interesse, das der Autor an seinem Werk hat, erreicht den Leser. Desinteresse, übertüncht durch Bemühtheit, kommt angestrengt rüber, ist langweilig. Dergleichen will man selbst nicht, wenn man ein Buch kauft. Und man hat als Autor auch wenig Lust, es zu produzieren.

 

Beruf Schriftsteller – was macht man da? Was schreibt man? was last modified: Februar 16th, 2016 by Henrik Geyer