Glück suchen … es gibt so viel Welt zu sehen

Frühstück bei Tiffanys mit Audrey Hepburn als Holly [SPID 3972]

Den Film Frühstück bei Tiffany’s kennen bestimmt viele, und viele werden ihn in’s Herz geschlossen haben, so wie ich.

Es ist eigentlich kein „spiritueller“ Film, sondern, wie man so schön sagt, eine „leichte Filmkomödie“. Aber für mich ist „spirituell“, was eine besondere, tiefere Bedeutung in den Gedanken gewinnt. Und dieser Film, den ich oft sah, und dessen Melodie ich oft hörte, hat das: eine tiefere Bedeutung.

 

Holly Golightly ist ein Callgirl, eine Prostituierte, im New York der 50er Jahre. Im Film ist Holly, gespielt von der bezaubernden Audrey Hepburn, allerdings so blütenweiß und so rein, dass man diesen Aspekt der Geschichte von Truman Capote eigentlich gar nicht bemerkt. Holly scheint lediglich etwas leichtsinnig zu sein, der Name Golightly hat auch den Anklang von Leichtlebigkeit, von Nichts-wichtig-Nehmen.

Holly ist fest entschlossen, ihr Glück durch Heirat eines reichen Mannes zu machen. Liebe, meint sie, spiele dabei keine Rolle. Sie lernt einen jungen Schriftsteller namens Paul kennen, der sich in sie verliebt, und sie verliebt sich in ihn, will es sich aber nicht eingestehen.

Paul sieht nicht gern, womit Holly ihr Geld verdient. Doch die macht ihm schnell klar, dass er gar nicht so verschieden von ihr ist – im Grunde führt er das Leben eines Gigolo. Denn er lebt von Gnaden einer reichen Frau: wohnt in ihrer Wohnung, nimmt ihr Geld. Als Schriftsteller jedenfalls verdient er (noch) nichts.

Glücks-Sucher

Die beiden, Holly und Paul, sind zwei Glücks-Sucher, jeder auf seinem eigenen, abenteuerlichen Weg.

Holly glaubt, sich nicht festlegen zu dürfen. Sie könnte alles sein, was zu sein man von ihr erwartet. Sie will im Gegenzug nur eins: reich sein.

Konsequenterweise lebt sie ein Leben auf Abruf, nichts lässt sie sich ans Herz wachsen. Der Kater, der bei ihr „nur wohnt“, und mit dem sie, wie sie sagt, ansonsten nichts zu tun hat, ist eine Metapher für ihr freies Denken. Sie hat dem Kater noch nicht einmal einen Namen gegeben, und nennt ihn nur … Kater.

Auch den Schriftsteller Paul will sie nicht in ihr Herz lassen, denn der hat ja nichts.

Moon River von Henry Mancini

Eine geniale Facette des Filmes ist die Filmmusik von Henri Mancini.  Henri Mancini war ein großer Film-Komponist, er erschuf z.B. auch das Thema des Films „Der rosarote Panther“.

Der Song „Moon River“, so befand Henry Mancini einmal, ist von Audrey Hepburn auf die bestmögliche und gelungenste Weise vorgetragen worden, obwohl es sicher tausend Interpretationen dieses Liedes gibt. „Moon River“ ist traurig-schön. Die Verse drücken den Aspekt des Suchens und der Sehnsucht aus. Sie spielen mit den Wortbildern des amerikanischen Selbstverständnisses.

Der Mondfluss ist jener geheimnisvolle Schicksalsstrom, den zu bereisen gleichsam das Abenteuer des Lebens ist. Hinter jeder Flussbiegung kann das Glück warten („waiting round the bend“) – man muss sich nur auf das Abenteuer einlassen. Ähnlich  Huckleberry Finn (my Huckleberry friend), der tausend Kilometer auf einem Floß den Mississippi hinunter fährt, um Freiheit und Glück für sich und seinen Freund Jim zu finden. Huckleberry und Jim sind zusammengeschmiedet, durch ihre Sehnsucht und ihre Suche, und ganz ähnlich sind auch Holly und Paul Schicksalsgenossen. Sie sind Herumtreiber, die sich auf den Weg gemacht haben, die Welt zu sehen … und es gibt so viel Welt zu sehen! Wozu sich festlegen? Reisen bedeutet, Dinge und Orte zu verlassen; besser man reist mit leichtem Gepäck.

Two drifters off to see the world
There’s such a lot of world to see
We’re after the same rainbow’s end
Waitin‘ round the bend
My Huckleberry friend

Eines Tages wird Holly erreichen, was sie sich vorgenommen hat, wird den Fluss in Reichtum und Glück befahren (crossing you in style, some day), da ist sich Holly sicher. Sie und Paul haben die gleichen hochfliegenden Pläne, beide wollen zum Ende des Regenbogens gelangen. Eine schöne Metapher für Glück – das Ende des Regenbogens ist ein verführerisch scheinender Ort, jedoch kann man ihn nicht erreichen … jedenfalls nicht, indem man ihm nachjagt.

Glück ist nicht Suchen

Zum Ende des Films findet Holly was sie sucht: einen reichen Mann zum Heiraten. Alles scheint perfekt, und doch ist sie unglücklich. Der reiche „Knilch“ bedeutet ihr nichts, und sie bedeutet ihm ebenso wenig. Dennoch ist sie entschlossen, ihr Vorhaben umzusetzen. Zum Zeichen ihrer Entschlossenheit überlässt sie „Kater“ seinem Schicksal – auch er soll sich umorientieren, so ist eben das Leben! Im strömenden Regen, zwischen Mülltonnen und alten Kisten soll er sich von Ratten ernähren.

Paul, der das sieht, lässt es nicht zu, und erklärt Holly, dass Glück Ankommen ist. Wertschätzen der Dinge und Menschen, aber nicht unstete Suche. Glück kann man daher in sehr einfachen Dingen finden. Wo man wertschätzt, und wo man wertgeschätzt wird, da ist man auch glücklich. Glück muss man nicht in der Welt suchen, sondern in sich.

Holly sieht das ein, und sucht Kater. Sie findet ihn völlig durchnässt zwischen Müll, nimmt ihn an sich. Im strömenden Regen bahnt sich das Happy End an – man darf vermuten, dass Holly ihren reichen „Knilch“ nicht heiratet, sondern Paul, und dass „Kater“ endlich einen richtigen Namen bekommt.

Weiterlesen: Verloren wie Tränen im Regen.

 

Weiterlesen: Schätzen, was man hat. Wertschätzen.

Ähnliches Thema: Artikel Schätzen, was man hat. Wertschätzen und dankbar sein, wer – man ist und wie man ist

Ähnliches Thema: Glücklich sein – wie geht das? Völlig idiotisch glücklich sein!

Glück suchen … es gibt so viel Welt zu sehen was last modified: September 19th, 2016 by Henrik Geyer

Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Alles hat mit allem zu tun. Metaphern beschreiben diesen Aspekt der Realität

Die Metapher – bildhafter Ausdruck. Wozu ist die Metapher gut? Wie äußert sie sich, und warum sagt man nicht einfach, was man wirklich sagen will?

Metapher als Umschreibung

Dies ist beispielsweise eine Metapher:

Die Menschheit ist ein Fluss des Lichtes, der aus der Endlichkeit zur Unendlichkeit fließt. (Khalil Gibran)

Der eigentlich betrachtete Gegenstand der Betrachtung, die Menschheit, wird im Verständnis des Lesers auf das Bild eines Flusses gelenkt.

Wozu? Um den Leser verwirren?

Der Grund ist, dass die Menschheit diesen Aspekt des Fließenden hat. Er ist im geläufigen Verständnis des Wortes Menschheit nicht enthalten, wodurch der Lesende spürt, hier etwas Neues und auch Wahres zu erfahren.

Einen Gegenstand unter einem anderen Aspekt als dem geläufigen zu sehen, bringt uns also sehr viel Erkenntnis und Verständnis.

Alles ist eine Metapher

Einmal mehr bleibt darauf hinzuweisen (auf diesem mindestens zur Hälfte philosophischen Blog), dass es Objektivität nicht gibt. Demzufolge existieren alle Begriffe in Eindeutigkeit nur in unserer individuellen Vorstellung.

Statt dessen ist jeder Begriff ist mit jedem anderen kombinierbar; und jeder Begriff geht erst aus einer Kombination anderer Begriffe hervor.

Metapher und Kausalität – alles ist mit allem verbunden

Es ist das Wesen des alles hervorbringenden Denkens, dass es das Einzelne nicht geben kann. Alles sehen wir aus etwas anderem hervorgehen. Alles steht in Verbindung mit allem anderen.

Das ist zugleich das Wesen unseres kausalen Verständnisses jedes Dinges: Es hinge ab von etwas anderem.

Ebenso bildet jeder Begriff, neben einen anderen gestellt, eine zumeist kreative und interessante Verbindung.

So ziemlich jede Kombination von Begriffen trägt auch eine Art von Wahrheit in sich.

  • Die Menschheit könnte man auch als eine Blume bezeichnen, die wächst, eine Reife erlebt, vielleicht auch endet.
  • Man könnte die Menschheit auch in eine metaphorische Verbindung mit einer Uhr bringen, weil  ihre äußerlichen Zeichen den Stand ihrer Entwicklung angeben.

etc..

Symbolhaftes Denken und Metapher

Materialismus – Welt der Eindeutigkeit

Dass alles in Verbindung mit jedem anderen Ding steht ist andererseits nicht das Wesen der materialistischen Weltanschauung, mit ihrer Eindeutigkeit, ihrer Objektivität. Aus ihrer Sicht erscheint metaphorisches Denken wie eine trickreich-amüsante Geschicklichkeit ohne größeren Nutzen.

Metaphern ersinnen

Doch die Quelle für Metaphern ist symbolhaftes Denken. Das In-Verbindung-Bringen von Dingen, die für den „realistisch und geradlinig Denkenden“ nicht zusammengehören. Symbolhaftes Denken bedeutet, es für normal zu halten, dass gedankliche Verbindungen prinzipiell in allem bestehen können – oder jederzeit hergestellt werden können.

Metaphorisches Denken geht aus einem Gefühl hervor, nämlich dem, dass die sogenannte Realität nicht eindeutig ist. In den unendlichen begrifflichen Verbindungen liegen Welten jenseits des normal Sichtbaren.

Siehe auch: Symbolismus – was ist das? Symbolhaftes Denken

der Nutzen der Metapher

Der Nutzen der Metapher erscheint damit hinreichend beschrieben. Die Metapher beschreibt die Realität genauer, als es das „eindeutige, realistische und geradlinige Denken“ vermag. Die Metapher macht einen Aspekt der Realität deutlich, den man ohne weitere Beschreibung, im Wort selbst, nicht finden kann..

Die Metapher beleuchtet anders, manchmal neu.

Die Metapher eröffnet Welten der Phantasie und der Assoziation. Die Metapher ist ein Türöffner zu neuen und ungewöhnlichen Verständnis-Welten.

 

Lesen Sie auch: Symbolismus des Ouspensky
Lesen Sie auch: Materialismus – was ist das?

Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken? was last modified: April 6th, 2016 by Henrik Geyer