Faszination Lyrik – was macht Lyrik so magisch?

Faszination Lyrik, Stairway to heaven

Die Faszination an der Lyrik – wie entsteht sie?

Besprochen wird das anhand eines magischen Songs – „Stairway to heaven“ von Led Zeppelin – ein Song, den man sicherlich immer wieder gern hört und uns in diesem Moment inspirieren kann.

unklare Lyrik

Ich habe das Beispiel „Stairway to heaven“ gewählt, weil man über die Lyrik dieses Songs durchaus geteilter Meinung sein kann.

Da ist die Dame, die glaubt sie könne sich den Zugang zu himmlischen Gefilden (die Treppe in den Himmel) einfach erkaufen, da ist der lockende Pfeifer (am Tor zur Dämmerung?), da ist das Geheimnis, das sich im Gebüsch verbirgt, Rauch steigt zwischen den Bäumen auf und schließlich liegt die Treppe in den Himmel im flüsternden Wind (verborgen) … weißt du? Was ergibt das alles zusammen? Der weniger Spirituelle wird vielleicht sagen: „Nichts! Man könnte hier zwar sonstwas für einen tiefgründigen Sinn vermuten, aber eigentlich ist doch da Leere.“

Aber da ist ja noch die wunderschöne Musik, zu der eine spirituell-mystische Lyrik gut passt. Diese Lyrik erscheint zwar zusammengewürfelt aus Versatzstücken spiritueller Klischees – und genauso so wurde der Song auch geschrieben, wie es heißt: an einem Abend, von zwei pragmatischen jungen Leuten die einen Song für ihr  Album fertigbekommen wollten, und inspiriert waren von verschiedenen spirituellen Quellen. In der Aussage ist diese Lyrik so wenig eindeutig, dass man eigentlich gar nicht sagen kann, worum es geht. Aber die Verse sind mystisch und spirituell genug, um die Musik vieldeutig und attraktiv erscheinen zu lassen. Und darauf kommt es an.

Die Phantasie des Zuhörers erschafft die Faszination

Denn die Bedeutung entsteht erst im Zuhörer, im individuellen (und damit immer unterschiedlichen) Verstehen. Wer nun die Faszination der Verse in den Worten sucht, wird schwerlich fündig. Denn sie liegt mindestens ebenso im Zuhörer, in dessen Begreifen, in seinen Erfahrungen, etc..

Und das ist die eigentliche Faszination der Lyrik als einem Beispiel für unser Wahrnehmen (auf eben dieselbe Weise könnte man das Sehen untersuchen und käme zu ganz Ähnlichen Ergebnissen). Da, wo nichts ist, erschafft das Denken – aus sich heraus, geheimnisvoll.

Die Lyrik fasziniert ganz besonders dort, wo sie unbestimmt und geheimnisvoll ist, wo sie nur wenige dürre Versatzstücke bereit hält, die geeignet sind, die Phantasie anzuregen. Die Worte geben eine Denkrichtung vor, die Leere aber wird aufgefüllt mit den Phantasien des Zuhörers, ja, diese Leere ist geradezu nötig, um Raum zu lassen, für diese Phantasien.

Oder würde eine alles erklärende Lyrik denn nicht platt und mechanisch erscheinen und somit alle Faszination einbüßen?

Faszination Lyrik – was macht Lyrik so magisch? was last modified: Mai 24th, 2016 by Henrik Geyer

Wie denken spirituelle Menschen?

Spirituelle Menschen - Welten jenseits dieser Welt

Wie denken spirituelle Menschen, bzw. wie müssen spirituelle Menschen denken? Und … gibt es ein richtiges spirituelles Denken und ein falsches?

In der spirituellen Szene herrscht nicht etwa Meinungsfreiheit, sondern natürlich wird auch um den „rechten Glauben“, um den richtigen Weg, gestritten.  Woher kommt das, und was ist richtig?

Bestandsaufnahme

Spirituelle Menschen operieren häufig mit den Worten transzendent, metaphysisch, das Ich überwinden, sich befreien, sich leer machen etc..

Gemeint ist damit die Erfahrung, dass hinter „der Welt“ eine verborgene Welt liegt, die mit der Sichtweise des materialistischen Denkens nicht erfahrbar ist. Was wiederum meint, dass die Dinge, wie sie sich uns darstellen, eine geheimnisvolle Quelle und Ursache haben, und wohl noch fundamentaleren Regeln (Prinzipien) unterliegen, als sie sich in Form von Naturgesetzen ausdrücken lassen.

Viele spirituelle Menschen haben sich heute und in der Vergangenheit auf die Suche nach dem Geheimnisvollen begeben und drangen in immer neue geistige Welten vor. Man denke z.B. an Ouspenksy und seine „Suche nach dem Wunderbaren“.

Das Geheimnisvolle, das verborgene Wissen – es erschließt sich nicht, zumindest nicht jedem. Daher gibt es Lehrmeister des Spirituellen, auch Gurus genannt, die ihre Schüler in die Geheimlehren einweihen. Die Geheimlehren  wiederum sind so mannigfach wie die Worte, die sich für das Geheimnisvolle finden lassen. So, wie die „Welt der zehntausend Namen“ eben aus Namen (Worten) besteht, bestehen auch die spirituellen Welten, sofern sie mündlich weitergegeben werden, aus Worten. Und daher sind auch die spirituellen Wege letztlich mannigfach.

Wie müssen spirituelle Menschen denken?

Doch auch spirituelle Menschen verfallen immer wieder (und auch das ist eigentlich völlig logisch) in den Streit über das wahre Wesen des Geheimnisvollen.

Sie wollen in Worten benennen, was nicht benennbar ist. Denn das wahre Wesen und die Quelle der Welt ist, so sieht es der Buddhismus, das Nirvana, das Unendliche (welches zugleich das Nichts ist) …  Leere. Eine Leere, die mit irgendeiner Vorstellung von Leere nichts zu tun hat, und deren Wesen, übersetzt in die Begriffe dieser Welt, schlicht Schweigen wäre. Nichtdenken.

Doch wie will man Menschen Nichtdenken in das Bewusstsein bringen, wo doch Bewusstheit und Denken nicht zu trennen sind? So gesehen ist vielen, die sich als spirituell begreifen, die ganze Spiritualität eigentlich rätselhaft. Sie bewerfen sich gegenseitig mit Worten, die nicht ausdrücken können, was sie sollen, und die selbst wieder nur Teil der „Welt der zehntausend Worte“ sind – die man doch so gerne verlassen möchte!

Streit um das Spirituelle

So gesehen muss man die Streitereien um das Spirituelle eigentlich als einen Teil der materialistischen Sichtweise sehen – das Festhalten an den Begriffen und Namen. Oft wird dieser Streit sehr erbittert und voller Unlogik geführt, und von besonderer Spiritualität ist eigentlich nichts zu spüren.

Was kennzeichnet das Denken spiritueller Menschen?

Kann man dennoch eine Aussage treffen, was das Wesen des Denkens spiritueller Menschen wäre? Hierzu eine Meinung:

  • Spiritualität verstanden als Geistigkeit ist mit Überlegung und Grübeln verbunden, keineswegs aber mit platten Antworten und Dummheit.
  • es ist eine Suche in sich selbst, denn das Denken des Anderen, des Nächsten, vermittelt sich auf eine höchst unvollkommene Weise, über Worte
  • spirituelle Menschen sind sich der Tatsache bewusst,  dass das Benennen und Bewerten der Dinge einerseits eine Notwendigkeit dieser Welt ist, andererseits eine Begrenzung. Sie versuchen sich daher frei und leer zu machen, von Werturteilen, von zu viel Sprechen etc. – nicht umsonst ist eine wichtige spirituelle Praxis das Schweigen.
  • ich persönlich meine, dass spirituelle Menschen vielfach in Metaphern denken, symbolhaft sozusagen. Und zwar deshalb, weil das Bewusstsein, dass die Welt geistiger Natur ist, auch bedeutet, dass wir sie im Geist formen können. Wir tun das durch gedankliche Verbindungen – man könnte auch sagen durch Kombinieren, oder durch Phantasie. Wir schaffen geistige Verbindungen, wo vorher keine waren; und wo wir Worte finden für etwas, da entsteht unsere persönliche Realität.
  • Ich sprach von der nicht erreichbaren Leere. Man kann sie nicht erreichen, aber man kann sich ihr ein wenig nähern. Und, indem man sich ihr nähert, versteht man wohl erst, was das meint … Leere. Wie Leere die Quelle der Welt sein kann, und wie die Dinge formbar werden, durch Schweigen und durch Verzicht.

 

Insofern sind sich spirituelle Menschen, soweit man sie wirklich spirituell nennen darf, sich doch zumindest der Relativität der Worte bewusst. Der erbitterte Streit um den richtigen Weg, der Kampf in welcher Form er auch immer auftritt (man denke an Glaubenskriege), ist doch eher dem materialistischen Denken zuzurechnen.

Weiterlesen: Beitrag Spiritualität im Alltag – spirituelle Gespräche

Ähnliches Thema: Beitrag Wir sind spirituelle Wesen – und machen eine materielle Erfahrung

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Wie denken spirituelle Menschen? was last modified: September 14th, 2016 by Henrik Geyer