Gewohnheiten ändern – ein Neubeginn

Gewohnheiten ändern - ein Neubeginn

Das Leben besteht aus Gewohnheiten. Was wären wir ohne die täglichen Routinen, die wir doch umso besser machen, je öfter wir sie erledigen? 

Es schleichen sich im Laufe der Zeit aber auch viele Gewohnheiten ein, die uns zwar selbstverständlich erscheinen, wie alles, was wir tun. Doch es sind schlechte Gewohnheiten, und wir wissen das. Schlechte Gewohnheiten, die wir ändern sollten. Wir merken erst dann, wie schwer das ist, wenn wir tatsächlich daran gehen, sie zu ändern. Nichtsdestoweniger sollte man es versuchen.

Aber (Zitat): Man bleibt jung, solange man noch lernen, neue Gewohnheiten annehmen und Widerspruch ertragen kann.
Marie von Ebner-Eschenbach

eine Bestandsaufnahme machen

Schauen wir uns genau an, was wir tun. Wie wir die Dinge tun. Zum Beispiel was wir zu anderen sagen, und wie wir es sagen. Schauen wir mit Achtsamkeit an, was unsere Konzepte sind – und hinterfragen wir sie! Das ist sozusagen der spirituelle Weg .. es kann der Weg sein, schlechte Gewohnheiten erfolgreich zu bekämpfen.

 

Aus eigener Erfahrung weiß ich noch, wie es war, als ich mit dem Rauchen aufhörte. Daher will ich dies als Beispiel anführen.

Ich wollte diese Gewohnheit ändern, daher beobachtete ich mich beim Rauchen. Ich nahm zum ersten Mal, und mit ehrlichem Erstaunen, wahr, dass mir Zigaretten überhaupt nicht gut tun. Die Annahme, eine Zigarette würde entspannen, traf nicht zu! Komisch, dass ich das erst jetzt bemerkte.

Eher war es umgekehrt. Will man in einen angespannten Zustand kommen, so als sei eine stressige Situation zu bewältigen (und so, als wäre sie in dem Moment bewältigt , da man die Zigarette in der Hand hat), zündet man sich eine an.

Aber natürlich – wirklich gut tut die Zigarette nicht! Sie beruhigt nicht, sie löst kein Problem. Eine stressige Situation verursacht sie eher. Eine Zigarette bringt leichte Kopfschmerzen, schmeckt scheußlich, macht Mundgeruch – sie tut rundum nicht gut.

Man verbindet so vieles Gute damit, wenn man Raucher ist. Vieles, was eigentlich gar nicht zur Zigarette gehört. Z.B. gemütliche Abende mit Freunden, viele kleine Erlebnisse (die immer auch etwas Positives haben). Jedoch: gemütliche Abende gibt es eben auch ohne Zigarette – es ist eine Frage der Assoziation.

 

Kurz und gut: eine solche sehr genaue Bestandsaufnahme kann helfen, Gewohnheiten zu ändern. Sie hilft, eine schlechte Gewohnheit von dem zu trennen, was als gutes Gefühl mitschwingt, jedoch in Wirklichkeit gar nichts mit dieser Gewohnheit zu tun hat. Die Bestandsaufnahme kann dabei helfen, eine schlechte Gewohnheit ganz anders wahrzunehmen.

Für mich verlor durch diese neue Wahrnehmung die Zigarette ihre besondere Attraktivität. Ich hörte mit dem Rauchen auf, ohne groß darum ringen zu müssen. Kam der Gedanke an eine Zigarette, dachte ich eher an die Folgen (Kopfschmerz, Nervosität, Mundgeruch, schlechter Geschmack), als an etwas Positives.

Es ist einfach kein Drang da, selbst zu rauchen (das Rauchen anderer macht mir allerdings nichts aus).

Gewohnheiten ändern durch Neudefinition des Ich

Und so ist es wohl mit jeder Gewohnheit. Wir brauchen Gewohnheiten – Gewohnheiten machen uns aus. Wir SIND unsere Gewohnheiten. Wohl darum ist es so schwierig, Gewohnheiten zu ändern. Mit jeder geänderten Gewohnheit werden wir ein bisschen ein Anderer / eine Andere.

Aber wir haben die Macht uns neu zu definieren – Stückchen für Stückchen.

Gewohnheiten ändern wir, wenn wir uns selbst anders beschreiben können. Statt zu sagen (und zu fühlen): „ich bin Raucher“, können wir sagen: „ich bin Nichtraucher“. Statt zu sagen „ich bin unsportlich“ können wir sagen „ich bin sehr sportlich“.

Siehe auch Artikel zum Thema: Der Schriftsteller und sein wichtigstes Werkzeug, das Denken – Sport und Gehirn

Wir sehen uns neu, beobachten uns neu. Sehen unsere Gewohnheiten auf neue Weise, nehmen sie anders wahr. Was Denkvoraussetzung für den Raucher ist („Ich muss jetzt eine rauchen!“), denkt der Nichtraucher genau umgekehrt: „Ich muss nicht rauchen, und ich wüsste auch nicht, wozu das gut sein soll!“. Gewohnheiten ändern durch Neudefinition des Ich bedeutet, einen stetigen Gedanken, eine Denkgewohnheit, zu schwächen, zugunsten einer anderen Denkgewohnheit.
Siehe auch Artikel zum Thema: positives Denken – positive Gedanken

Gewohnheiten ändern – ein Neubeginn was last modified: Februar 13th, 2016 by Henrik Geyer

Angst vor der Angst – ist man mutlos, ein Verlierer und Defätist, wenn man Angst hat?

Angst vor der Angst: Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

In diesem Artikel geht es um Angst, und zwar um persönliche Angst ebenso, wie Angst in der Gesellschaft. Auch um Angst, die schließlich zu „Angst vor der Angst“ wird. Gerade in jüngster Zeit wird aus gegebenem Anlass (die Anschläge in Paris) von Politikern oft gesagt, man solle, man dürfe keine Angst haben. Markige Sprüche von „Jetzt erst recht..“, „Angst nicht zeigen..“ machen die Runde.

Ist man vielleicht nicht ganz normal, wenn man Angst hat? Ist man ein Defätist, Verlierer, gar Feigling, wenn man Angst hat?

Angst als Signal

Die Natur hat den Lebewesen die Angst gegeben, und zwar als überaus nützliches Werkzeug des Erkennens der Realität. Bevor wir noch lange begründen können, wo und warum eine Gefahr vorhanden ist, sagt uns Angst, dass wir vorsichtig sein müssen, dass wir handeln müssen.

Als Information ist Angst also sehr hilfreich, und wir wären dumm, wenn wir nicht unsere Ängste zur Kenntnis nehmen und aussprechen würden.

Entscheidend, wie man mit Angst umgeht

Macht es uns mutiger, wenn wir Angst „unterdrücken“? Kaum. Vor allem, wie soll das gehen? Wer dies fordert, möge bitte eine Anleitung beilegen, wie man das machen soll …. an etwas nicht denken.

Angst nicht zu verbalisieren, Angst zu verleugnen, ist der beste Weg, Ängste zu bewahren und zu verstetigen. Denn es ist ja gerade das Kennzeichen von Angst, diffus und ungreifbar, schwärend, und damit allgegenwärtig zu sein.

Insofern muss man die (gegenwärtigen) Durchhalteparolen der Politiker kontraproduktiv nennen – beruhigend wirken sie nicht. Durchhalteparolen sind auch nicht bewunderungswürdiges Beispiel  für eigene Angstlosigkeit, sondern nur ratlose Rhetorik. Beruhigend hingegen kann nur wirken, wenn man Angst benennt – sie nicht lächerlich macht, sie nicht durch Wortakrobatik wegdiskutiert, sondern sich klar macht, woher die Angst kommt. Und natürlich ist es besonders beruhigend, wenn man dann, aus einem Verständnis heraus, auch handelt.

Angst vor der Angst – Angst als Gewohnheit

Angst kann zu einer Gewohnheit werden, wenn man es sich angewöhnt, nicht zu handeln, sondern über die Gefahren nachzudenken. So verstetigt sich Angst, und zu der Angst, die einen konkreten Anlass hat, kommt noch die Angst, dass man wieder Angst haben muss, und zwar vor dem unangenehmen Gefühl der drohenden Angst …. So wird daraus Angst vor der Angst.

Handeln vertreibt die Angst

Angst kann uns sagen, dass Gefahr droht, und aus welcher Ecke Gefahr droht. Man sollte die Quelle der Angst, die Gefahr, untersuchen, ggf. anerkennen und als Ziel ein Handeln wählen, das die Gefahr eliminiert.

Das, was man sich als Handlungsstrategie überlegt, das sollte man dann tun. Man sollte unbedingt entsprechend seiner Pläne handeln. Nur so kann man Angst bekämpfen. Nur so kann man erreichen, dass man nicht ständig an seine Ängste denken muss.

Die Angst kann nur dann aus dem Denken weichen, wenn man an die Stelle der Angst vor dem Negativen das Handeln für das Positive setzt.

Angst vor dem Unabwendbaren

Angst vor dem Unabwendbaren ist eine Angst, der kein Handeln entgegenzusetzen ist. Angst vor dem Tod etwa. Oder Angst vor dem Unvorhergesehenen, also Angst davor, dass es immer schlimme Ereignisse geben wird, die trotz aller Vorsicht eintreten werden. Wir alle können dem Tod nicht entkommen. Wir alle können nicht in die Zukunft sehen.

Aber wir können dem Tod, und anderen Unabwendbarkeiten gegenüber eine andere Einstellung entwickeln. Es ist sinnvoll, sich auch mit diesen Ängsten auseinanderzusetzen, und eine vernünftige Einstellung zu finden, durch die man das Nebulöse und die Vergrößerung vermeidet, die mit einer ungreifbaren Angst einhergehen.

Bei Ängsten die Unabwendbares betreffen hilft letztendlich nur Akzeptanz, etwa wie es Friedrich Chr. Oetinger in folgenden Worten ausdrückte: „Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.“

 

 

 

Angst vor der Angst – ist man mutlos, ein Verlierer und Defätist, wenn man Angst hat? was last modified: Dezember 2nd, 2015 by Henrik Geyer