Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit

Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit. Film Bruder Sonne, Schwester Mond

Bruder Sonne, Schwester Mond

Der Film „Bruder Sonne, Schwester Mond“ beschreibt Momente aus dem Leben des heiligen Franz von Assisi, dem Begründer des Mönchsordens der Franziskaner.

Francesco (der spätere heilige Franziskus oder Franz von Assisi) wächst im 14. Jahrhundert in Assisi, einer Stadt im italienischen Umbrien auf, als Sohn reicher Kaufleute. Die Teilnahme an einem lokalen  Krieg lässt ihn umdenken. Von nun an möchte er ein Leben nach dem Vorbild Jesu führen. Er entledigt sich allen Besitzes, auch seiner Kleider, und beginnt das Leben eines Bettlers zu führen. Ein Leben, das er sucht.

Frei sein als Thema

Der Film ist ein typisches Produkt der 70er Jahre, ein sehr bewegender und mitreißender Film übrigens, denn sowohl die Schauspieler wie auch der Plot wissen zu überzeugen. Wenn man den Film sieht, fragt man sich, warum scheinbar so wenig aus dieser doch kreativen und der Natur zugewandten Zeit der Hippies und Flower Power ins Heute gerettet wurde.

Fracescos einfache Botschaften sind so rein und wahr, dass sie die Zuschauer (ebenso wie die Menschen im Film)  immer wieder in den Bann schlagen – obwohl sie doch für den materialistisch Denkenden recht ungewohnt und widersinnig klingen.

Das Thema des Films könnte man auch beschreiben als: „Wie kann man frei sein?“

Francescos Antwort ist: Indem man sich befreit, von allem, was einen belastet. Und was einen belastet., das ist nicht nur das, was man nicht will, sondern auch das, von dem man in einer Art Sucht nicht lassen kann – der weltliche Besitz. Frei sein, im Einklang mit Gott und der Natur leben – das ist für Francesco das Lossagen von allem Besitz. Bedürfnislosigkeit.

Mit der Klarheit seiner Aussage und seinem festen Willen, jenseits der Kämpfe und Süchte der materialistischen Gesellschaft zu leben, überzeugt Francesco schließlich auch hohe geistliche Würdenträger (unter ihnen Papst Innocent III, im Film gespielt von Sir Alec Guinness), die selbst schon in einem Dickicht aus Reichtum und Ansprüchen erstarrt sind, und so die ursprüngliche Botschaft des Evangeliums gar nicht mehr wahrnehmen können.

Nimm dir Zeit

Der kongeniale Soundtrack von Donovan tut ein übriges, dass sich die Botschaft des Films erschließt. Zu traumhaften Landschaftsaufnahmen singt Donovan einfühlsame Verse, darunter: Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit.  (aus dem Lied: On this lovely Day)

Von Donovan ist auch der Song „Brother Sun, Sister Moon“, nach dem bekannten Dankgebet des heiligen Franz (Francesco), dem „Sonnengesang“.

Text des Sonnengesangs:

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft
und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernähret und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.

 

Wenn du frei sein willst, dann sei es

Der Film weiß zu berühren, durch die Einfachheit seiner Aussage. „Wenn du frei sein willst, dann sei es! Es liegt nur an dir.“

Frei zu sein bedeutet Verzicht – mithin gerade das Gegenteil dessen, was die moderne Gesellschaft als Freiheit definieren würde. Es ist der Gegenentwurf zu unserer modernen Vorstellung von Freiheit, die vielleicht eher mit Fernreisen zu tun hat, oder schnellen Autos.
Wertschätzung und Dankbarkeit, die Francesco den „selbstverständlichen“ Dingen gegenüber ausdrückt, wie der Sonne (dem Bruder Sonne), dem Mond (der Schwester Mond), dem Wind (Bruder Wind), sind es, die ihm ein ganz anderes und viel freieres Sehen ermöglichen.

Frei sein, das kann man – als Gottes Kreatur, als ein Teil Gottes, wie eine Zeile aus dem Songtext in Donovans „Bruder Sonne, Schwester Mond“ lautet.

„Bruder Sonne, Schwester Mond“ ist ein Film mit hohem Suchtfaktor, ein wunderschöner Film, und spirituell natürlich sehr empfehlenswert.

 

Zwei schöne Zitate aus dem Film (sinngemäß, nicht wortgetreu wiedergegeben)

Clara zu Francesco: „Als du in den Krieg zogst, nannte man dich normal. Aber jetzt, wo du dir nur noch die Schmetterlinge und Blumen anschaust, sagt man, du seiest verrückt. Ich finde, es ist genau umgekehrt.“

Der Papst zu Francesco (der wissen wollte, worin seine Verfehlungen im Glauben bestehen könnten): „Ihr denkt immer so viel an die ererbte Sünde. Doch denkt auch an die ererbte Unschuld!“

Siehe auch: Apokalypse – Offenbarung. Der ewige Kreislauf der unschuldigen Sünde

Siehe auch: Artikel Definition der Freiheit. Ist Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden?

Weiterlesen: Bild Gottes: Was ist mein Bild?

Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit was last modified: April 20th, 2016 by Henrik Geyer

Freiheit – Was ist das – und wer gibt uns Freiheit?

Freiheit!

Freiheit! Tun und lassen können, was man will – wer möchte das nicht?

Was heißt Freiheit?

Freiheit von Zwängen

Es gibt so viele Zwänge: gesellschaftliche Zwänge, familiäre Zwänge. Politische Zwänge, kulturelle Zwänge. Monetäre Zwänge. Zwänge nennen wir auch manchmal „Notwendigkeiten“, oder „Verpflichtungen“.

Eine „Verpflichtung“? Ist einzuhalten! Nur der Treulose, Fahrlässige, würde seine Verpflichtungen vernachlässigen. Und doch sind beides, weniger fein unterschieden, auch Zwänge, die unsere Freiheit einschränken.

Freiheit von Notwendigkeit

Verwenden wir das Wort „Notwendigkeit“, klingt das weniger zwanghaft, sondern objektiver. Eine Notwendigkeit ist ein Zwang, der geradezu eine Voraussetzung für unser Hiersein ist. Etwa wie Essen, Trinken. Wir haben hier keine Wahl, sondern müssen – so oder so. Es wäre unvernünftig, gegen die Notwendigkeiten aufzubegehren – sie sind ja nun einmal notwendig.

 

Aber … was genau tun wir eigentlich, OHNE dass eine Notwendigkeit vorliegt? 

Halten wir denn nicht immer für notwendig, was wir tun? Zwang und Notwendigkeit unterscheiden sich nur graduell … Und sind es auch nur kleine, belanglose Handlungen – wir würden sie lassen, wären sie nicht in dem  Moment, da wir sie tun, für uns mit Notwendigkeit verbunden.

Wir sehen: Die Grenze zwischen Notwendigkeit und Zwang – wir ziehen sie selbst. Genau genommen müssen wir wenig bis nichts – wir haben immer die Wahl. Die Grenzen liegen in uns.

 

Spireo-Freiheit-Unser-Leben-ist-wie-das
Unser Leben ist, wie das Ganze, in dem wir enthalten sind, auf eine unbegreifliche Weise aus Freiheit und Notwendigkeit zusammengesetzt.
Johann Wolfgang von Goethe

 

Freiheit von der Meinung anderer

Aus materialistischer Sicht klingt „geistig“ wie „das freie Element“ – das Geistige bewegt sich der materialistischen Vorstellung zu Folge frei um das feste Element (also die Materie) herum.

Aus spirealistischer Sicht hingegen ist das Geistige bedingt (also nicht frei) – und zwar wiederum durch Geistiges.

Konkret: dass wir in der Gegenwart Anderer geistig frei sein können, ist eine Illusion. Man denke nur an das Frei-Sein von negativen Urteilen, die uns einschränken.

Positive Urteile hingegen empfinden wir als befreiend – wir dürfen weiter nach eigenem Gutdünken handeln. Positive Urteile empfinden wir als Adelung unseren Tuns als „vernünftig“, „richtig“, „wahr“. Doch auch dieses Empfinden zeigt uns, wie abhängig wir sind von den geistigen Inhalten anderer.

Die geistigen Inhalte derer, mit von wir umgeben sind, wirken sich unvermeidlich auf uns aus. Frei zu sein von der Meinung anderer ist auch eine Form der Freiheit – eine sehr wichtige sogar.

Siehe auch Artikel zum Thema : Shitstorm Doktor. Wie wichtig ist die Meinung anderer?

Freiheit und Wille

Frei oder unfrei ist man letztlich innerhalb der eigenen Gedanken. Unsere Freiheit hängt ab von unserer Sichtweise auf uns selbst. Man könnte auch sagen: Von unserem Willen. Was wollen wir tun, was nicht? Was erachten wir als notwendig, was nicht? Wir werden freier, wenn wir uns hierüber klar werden.

Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.
Arthur Schopenhauer

Eigentlich sind wir frei zu sagen: „Ich tue was ich will, und zwar aus freien Stücken.“ Natürlich mit allen Konsequenzen. Doch oft schieben wir die Verantwortung für das, was uns passiert, äußerlichen Umständen zu. Indem wir immer wieder so denken und reden, durch unsere Gewohnheiten, werden diese Umstände manifest.

Eigentlich hätten wir die Wahl. Wir sagen zwar, wir müssen dies, weil; wir müssen jenes, weil. Was müssen wir wirklich? Die Gründe – es sind unsere Gründe.

Es sind immer nur Annahmen, die wir über die Zukunft treffen. Z.B. die Annahme, dass uns die Konsequenzen dessen, was wir tun könnten, überfordern würden. Es ist eine Annahme die wir auf der Basis unserer Gewohnheiten treffen. Unsere Gewohnheiten lassen das Unvorhersagbare wie vorhersagbar erscheinen. Ist Wille eigentlich Denkgewohnheit? Und wir sind willenlos?

Freiheit und Verantwortlichkeit

Denken wir, wir seien mit freiem Willen ausgestattet. Wir können vieles tun, mehr als wir meinen. Oft müssen wir uns dazu aus uns unserer Komfort-Zone heraus begeben.

Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen sich vor ihr fürchten. (George Bernard Shaw)

Was sucht man, wenn man die Meinung anderer erfragt? Wenn man fragt: „Was soll ich tun?“ Man sucht die Grenzen. Man findet die Grenzen des Anderen.

Freiheit heißt auch, frei zu sein von den geistigen Grenzen des Anderen. Frei bleiben bedeutet oft: nicht fragen. Nicht denken, man müsse sich anpassen. Man kommt am Ende nicht um die Verantwortung herum, dass das, was einem passiert, aus Freiheit geschehen kann. Und Freiheit bedeutet eigentlich, dass ALLES geschehen kann. Vieles, was man vielleicht nicht möchte – aber auch vieles Gute, was erst möglich wird, wenn man die eigenen Denkgrenzen überwindet. Das wichtige Wissen sollte aus einem selbst kommen. Was will ich? Was sind meine Entschlüsse? Was werde ich tun?

 

 

Freiheit ist Verantwortung, für die eigenen Gedanken, für das eigene Tun. Freiheit ist daher nichts, was einfach so zufällt, sondern etwas, das zu nehmen jeder selbst die Verantwortung hat.

Andere können uns keine Freiheit geben. Das können wir nur selbst tun. Wir nehmen sie uns, oder wir tun geistige Freiheit ab, weil wir meinen, wir seien bereits frei. Doch wir können wahrnehmen: Die Gefängnisse sind letztlich in uns. Form (der Mensch) ist Grenze.

Siehe auch Artikel zum Thema : Herz und Verstand. Was bedeutet es, auf „das Herz zu hören“?

Siehe auch Artikel zum Thema : ein neues Leben anfangen – wie beginnt man ein neues Leben?

Freiheit – Was ist das – und wer gibt uns Freiheit? was last modified: Dezember 15th, 2017 by Henrik Geyer