Albert Camus, das Absurde und Gott. Ist Gott absurd?

In Albert Camus‘ Werk kommt dem Absurden eine besondere Bedeutung zu. Die Welt IST absurd! Als Existenzialist verneint Camus zugleich die Existenz Gottes. In diesem Artikel geht es um die Frage, was das Absurde und Gott miteinander zu tun haben, und inwiefern sich beides nicht ausschließt, sondern genau dasselbe ist.

zu Albert Camus

Camus verneint, dass es einen begreifbaren Sinn des Lebens geben kann, denn die Welt, so wie er sie versteht, ist zufällig, irrational, entzieht sich der logischen Durchdringung – kurz, sie ist absurd. Das ist, im Kern, seine Philosophie des Absurden. Gleichzeitig war Albert Camus Existenzialist, d.h., das Begreifen des Menschen seiner selbst und an sich selbst ist die einzige und wahre Form des Verständnisses des Seins – insofern schließt Existenzialismus den Glauben an einen Gott aus, der den Menschen erschafft und lenkt. Dem Existenzialisten geht es um die Selbstbestimmung des Menschen, die zu erfahren und zu gestalten dessen Aufgabe ist. Worauf es dem Materialisten ankommt, was ihm im Zentrum aller Fragen steht, ist das konkrete Sein des Menschen als Individuum.

Für Camus sind Gott und das Chaos, bzw. das Absurde, zweierlei. Für mich ist es ganz ähnlich, eigentlich gleich. Das Chaos, das Absurde, sind für mich synonym mit: unbegreiflich. Und im Umkehrschluss: Gott als nachvollziehbar sehen zu wollen, unserer menschlichen Logik folgend, finde ich … unbegreiflich. Was wäre dann wohl göttlich an Gott?

die spirealistische Sicht

Im Spirealismus geht und ging es mir immer um das Wahrnehmen der Existenz Gottes. Gemeint ist Gott nicht als der gute und liebe Onkel, der, personifiziert verstanden, uns den Hammer reicht, wenn wir gerade auf der Leiter stehen, mit Nägeln im Mund, und um Unterstützung bitten. Oder der, in der Art eines Buchhalters, die Welt plant, durchrechnet und steuert. Sondern Gott als das Höhere. Höher bedeutet – uns übergeordnet, so dass diese Existenz uns unbegreiflich ist. Sie ist aus Menschensicht nicht logisch durchdringbar, vielmehr ist es ihre Logik, eine uns fremde Logik, die den Menschen erschafft.  Der Spirealismus sieht die Existenz als die Existenz von Gedanken im ewigen Jetzt – insofern sind die Gedanken des Menschen denen Gottes untergeordnet, und können nicht dessen Gedanken durchdringen.

Im Materialismus und durchaus auch in den vielfältigsten idealistischen Weltanschauungen werden die Gedanken stets als etwas von der Wirklichkeit Verschiedenes gesehen, so dass es scheint, als wäre es doch möglich, dieses äußerliche Wirken Gottes durch kluges Denken irgendwie zu erfassen.

Der Spirealismus hingegen sieht die dem Menschen eigenen Gedanken als nicht verschieden von den Gedanken Gottes – wenn sie den Gedanken Gottes untergeordnet sind dann deshalb, weil sie stets nur ein kleiner Teil von etwas sehr Großem sind. Die Gedanken sind die Elemente, die dem formlosen Alles (Gott) Form geben. Wenn man sich also nur als einen kleinen Teil der Schöpfung ansieht, ein Teil, aus dem es sozusagen Schöpfung sprudelt, und nicht etwa als Beobachter der Schöpfung, dann wird völlig klar, dass sich Gott, und damit die Urgründe des Seins, nicht erforschen lassen, und zwar aus systemischen Gründen (die sich nicht durchbrechen lassen). Etwa aus demselben Grund, wie ein Puzzle-Teil nicht das gesamte Bild des Puzzles sehen kann.

Parallele zu Albert Camus

Und hier nun ergeben sich die Parallelen zum Denken Albert Camus‘, im Grunde variiert lediglich die Formulierung … Wenn Albert Camus das Absurde beschreibt, und dafür Beispiele nennt, so ist das durchaus nachvollziehbar; es ist die Erfahrung, die im Christentum etwa so beschrieben wird: „Gottes Wege sind unergründlich.“, was im Umkehrschluss bedeutet, dass der Mensch sich bemühen kann wie er will, das gesamte Bild kann er nicht sehen. Der Mensch denkt, Gott lenkt – dem Menschen erscheinen die Wirkbeziehungen dessen, in das er geworfen ist, chaotisch, zufällig und irrational, und nicht, wie er es am liebsten hätte, durch ihn, den Menschen, im Ganzen zu ordnen. Ordnen kann der Mensch scheinbar nur seine kleinen, privaten Dinge, dennoch bleibt er einer Macht untergeordnet, die er nicht versteht, und oft genug, weil sie durch ihn hindurch wirkt, nicht einmal sieht („Der Mensch kann tun was er will, er kann aber nicht wollen was er will„).

Der Mensch glaubt ein außerhalb seines Selbst liegendes Bild wahrzunehmen, er glaubt es drehen und betrachten zu können, aber stattdessen ist er selbst eines jener Elemente, die das Bild hervorbringen (er ist das Puzzleteil im Puzzle), so dass er schon aus diesem Grund das Gesamtbild niemals sehen kann. Im Moment des Betrachtens entsteht etwas … es ist nicht schon da und nicht fertig, um sich in aller Ruhe betrachten zu lassen. Sondern, im Moment des Gedankens entsteht ein Bild, und wird im Moment eines weiteren betrachtenden Gedankens zu einem anderen Bild. Der Gedanke des Jetzt relativiert den vorhergehenden Gedanken, macht ihn ein Stück weit falsch.

Was immer der Mensch denkt das Gott sei, das ist er gerade nicht.

Meister Eckhart

Man könnte das Absurde, von dem Camus spricht, in sehr vielen Lebenserfahrungen finden, so dass sich der scheinbare Sonderweg Camus‘ als eine weitere Variante von etwas Wohlbekanntem entpuppt. Beispielsweise Kafkas Absurditäten, aufgeschrieben in „Das Schloss“ oder „Der Prozess“. Hierfür hat sich das Wort kafkaesk verbreitet, aber es handelt sich nicht im Grunde um nichts anderes als die Erfahrung der Camusschen Absurdität: Um die Beschreibung des Menschen als geworfen in eine Welt, die sich ihm nicht logisch erschließen kann. Und nicht umsonst nennt Max Brodt, der Verleger und Freund Kafkas, das Schloss im gleichnamigen Roman ein Sinnbild für das Wirken Gottes, denn das Schloss ist jene merkwürdige und rätselhafte Institution, der sich der Held des Stücks erfolglos zu nähern versucht – er schafft es nie. Noch nicht einmal die Barrieren, die ihn hindern in das Schloss zu gelangen, werden ihm ersichtlich.

Nein, das Absurde ist wahrhaftig keine seltene Erfahrung. Im Gegenteil, im Grunde dreht sich alles Wirken in Kunst und Kultur stets um diesen nie erfahrbaren Teil der Realität, der uns als „absurd“ „überaus bekannt ist – es ist das nie Greifbare, nie Be-Greifbare, man könnte auch sagen das Zufällige, das der Motor für alles ist; es ist das dem Menschen Interessanteste. Interessant ist ihm nicht das Berechenbare, nicht das scheinbar so „völlig Verstandene“. Eben deshalb erscheint so vielen unsere heutige Welt der Wissenschaften, der Pläne und der Rätsellosigkeit so uninteressant: Sie haben nur nie gelernt das Rätsel zu sehen.

Gott … absurd?

Nun wird man vielleicht sagen: Gott mag vieles sein, aber „absurd“ ist er nicht.

Nun, hier sollte man sich nicht an dem Wort absurd stoßen, denn das Absurde ist für Camus eine ganz alltägliche, normale Erfahrung. Das Absurde ist nichts anderes als das Irrationale, das nicht Erfassbare.

Die Erfahrung des Absurden ist nicht widersinnig, sondern im Grunde sehr normal, mit sehr viel Sinn verbunden, wenn man nur ein Auge dafür hat. Folgerichtig plädiert Camus dafür, diese Absurdität zu leben … wie? Indem man sie zuallererst einmal wahrnimmt.

Denn absurderweise (das ist das eigentlich Merkwürdige!) versteht sich der Mensch, ausgestattet mit der materialistischen Weltsicht, als der Lenker seiner selbst, als Bezwinger von Raum und Zeit, als singuläres kosmisches Ereignis, als Zentrum der Bewusstheit, als im Zentrum jeder Logik und jedes Wissens stehend.

Kann man aber wahrnehmen, dass das ganze Gegenteil der Fall ist, wird man nie wieder in die Höhle der Unwissenheit zurückfinden. Die sogenannte Absurdität, von der Camus spricht, wird zu einer Normalität – einer ständigen Gotteserfahrung im Alltag. Und die Erfahrung Gottes kann man mit vielerlei Worten benennen. Man kann sie absurd nennen, oder verwirrend, oder als die Erfahrung einer gigantischen Kraft jenseits unserer Vorstellungen. Man wird aber nie sagen können, man habe sie völlig verstanden und damit unterworfen. Sondern das Ziel kann nur sein, das Göttliche in der Form zu sehen, zu verstehen und zu akzeptieren, dass es allgegenwärtig und irrational ist – sich unserem Denken entzieht.

Die Erfahrung Gottes ist im Prinzip die Erfahrung eines Wunders, und das in einer Welt, deren normale Sichtweise es ist, dass es keine Wunder gibt und geben kann. Aus dieser, uns allgegenwärtigen, Sichtweise, erscheint es so, als sei das Leben vollständig verstanden, die Welt und der Mensch darin wie ein völlig erforschlicher Gegenstand, so dass die Welt aus heutiger Sicht geradezu schon langweilig wirkt und man sich fragt, wann schon einen Countdown zu hören vermeint, an dessen Ende die Lösung der letzten Rätsel steht. Doch langweilig, erschlossen, enträtselt, ist die Welt nicht; was uns fehlt dies zu erkennen ist lediglich der richtige Blick.

Albert Camus, ebenso wie Kafka, ebenso wie so viele Denker, Philosophen und Künstler, können uns zu diesem besonderen Blick, der uns das Höhere erkennen lässt, und als die uns übergeordnete Kraft wahrhaft verstehen lässt, verhelfen.

„Wenn du schon nicht erkennen kannst, dass es ein Wunder ist zu leben … wie kannst du dann nach etwas Tieferem fragen?“

Albert Camus, das Absurde und Gott. Ist Gott absurd? was last modified: Juni 23rd, 2017 by Henrik Geyer

Beweisbarkeit des Spirealismus

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Beweisbarkeit des Spirealismus: Eins plus Eins gleich Zwei... aber was ist Eins?

Wie läßt sich der Spirealismus beweisen? Wenn der Spirealismus aussagt, dass die Realität in den Gedanken liegt, ist seine Beweisbarkeit dann eine Frage der Phantasie?

fehlende Objektivität

Man muss sagen: Genau so ist es!

Das leitet sich bereits aus dem über Objektivität Gesagten ab.

Einerseits habe ich häufig dargelegt, warum es keine Objektivität gibt, wie das gemeint ist, woran man es sehen kann, etc.. Andererseits bedeutet das natürlich auch (und es hat mir selbst lange Kopfzerbrechen bereitet), dass der Spirealismus selbst nicht objektiv sein kann.

Eine Weile dachte ich so: Fehlende Objektivität ist die einzige IMMER feststellbare Tatsache – und somit dem am allernächsten, was man objektiv nennen könnte. Doch, nein, die ehrliche Antwort ist: Nicht existierende Objektivität läßt sich auch nicht objektiv beweisen!

Wie schwer es fällt, diese Denkhürde zu überwinden beweist jedoch, wie sehr unsere Vorstellungen auch Denkgrenzen sind.

Lesen Sie auch: objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität?

eine Frage der Phantasie

Wenn man nun in dieser Welt (spirealistisch: in diesen Welten) keine Objektivität finden kann, dann bedeutet das, dass die Dinge, so wie sie uns vor Augen stehen, als Vorstellungen in die Welt(en) kommen.

Spruchbild: Nicht "unser" Denken im Gehirn erzeugt Realität - das Denken geht nicht von unserem Gehirn aus, sondern umschließt und erschafft uns. Ebenso wenig erzeugt eine Quelle Wasser. In einer Quelle tritt Wasser nur zu Tage.(Aus spirealistischer Sicht sind dies allerdings Vorstellungen eines kollektiven Bewusstseins, eines panpsychischen Bewußtseins sozusagen. Nicht so, wie wir uns Bewußtsein gemeinhin vorstellen, als nur im Menschen zu verorten, nur der Mensch erbringe den Beweis für Bewußtsein und zwar durch „sein“ Bewußtsein, u.s.w.).

 

 

Dass die Phantasie hier die entscheidende Instanz eines Beweises ist, will ich wie folgt illustrieren:

Seit Jahrtausenden gibt es in der Philosophie Überlegungen, die die spirealistischen Thesen stützen, und die ich daher in verschiedensten Beiträgen zitierte. Diesmal erinnere ich an den bekannten Ausspruch des Heraklit

Alles fließt.

oder auch (ebenfalls von Heraklit)

Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Dies bereits mag ein wenig schwierig sein, sich vorzustellen, aber es ist eigentlich logisch: Wer zu zwei verschiedenen Zeitpunkten in den Fluss steigt, findet nicht denselben Fluss vor, sondern eigentlich zwei verschiedene. Der Stoff des Flusses hat sich sowohl in seiner Identität (der Stoff: das Wasser) gewandelt, wie auch in der Zusammensetzung, der Menge, etc..

Man mag nun denken: Der Fluss ist ein Sonderfall – das flüssig-flüchtige Element Wasser, aus dem er besteht, ist nicht in den (festen) Dingen. Doch, was für den Fluss gilt, muss man sich nun für alle Dinge denken, so verlangt Heraklit, denn alles fließt.

Warum sagt er das? Weil, was für den Fluss zutrifft, der ja im Grunde eine ganz alltägliche Erscheinung ist, nicht in seinem Wesen völlig verschieden sein kann, von allem anderen. Nein, in einem Kontinuum der Wahrnehmungen ist der Fluss eine Erscheinung, die sich nur graduell unterscheidet, nicht jedoch wesenhaft. Dies ist übrigens auch exakt die Aussage vieler Teilchenphysiker der Moderne, die sich mit dem Wesen der Materie beschäftigen.

Nun kann man aber – auch das gibt es bereits seit Jahrtausenden – konsequenterweise weiter sagen:

Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen.

Dies ergibt sich als logische Konsequenz, wenn man versteht, dass Wissen Erinnerung ist (Platon), und dass, wenn man einen Fluss sieht, und ihn bereits in einem zweiten Gedanken ergründen will, seinem Wesen auf die Spur kommen will, dieser Fluss bereits im zweiten Moment verändert ist – es gilt also auch hier das bereits Gesagte: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Heraklit … Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen.

Das wiederum ist identisch mit der spirealistischen Sichtweise des fehlenden Objektiven … es gibt kein Ding, das ein eigenes, vom Denken unabhängiges Wesen hätte, es gibt kein unabhängiges Außen, das wir beobachten. Sondern, die Existenz der Welt(en) IST Denken, IST Relativität, IST Subjektivität – das ist die spirealistische Grundüberzeugung.

 

 

 

Art und Weise des Beweises

Wie also könnte ein Beweis für dieses Denken aussehen?

In der quasi einzig gewünschten Form, in Form des Beweises eines objektiven Tatbestandes, kann er nicht stattfinden, denn das würde die Negation dessen erfordern, was der Spirealismus proklamiert und was ja gerade bewiesen werden soll.

Anders gesagt: Wenn die (weltanschaulichen) Brillen der Ichs dafür verantwortlich sind, was für eine Welt ihnen entsteht, was für sie also „sichtbar“ ist, dann ist für den materialistischen Denker die Geisteswelt des Spirealismus unsichtbar, undenkbar, nicht nachweisbar.

Es bleibt dem Spirealisten nichts anderes übrig, als die Phantasie des Materialisten anzuregen, ihn an Alltagserfahrungen zu gemahnen die seiner materialistischen Grundüberzeugung widersprechen, also die Widersprüche des Materialismus aufzuzeigen, und auf der anderen Seite die Logik, den Nutzen und die letztliche Unabwendbarkeit des Spirealismus aufzuzeigen.

Das ist aber nicht einfach – gerade der Spirealismus in seiner Konsequenz zeigt ja, dass die Welten (welche es auch seien) immer in sich logisch und vollständig wirken müssen, es gibt für sie jeweils kein „fehlendes“ Element, keine Notwendigkeit, eine andere Welt zu erschaffen. Sondern es gibt innerhalb des Materialismus nur die Notwendigkeit den Materialismus weiterzuentwickeln. Ich möchte das mit einem provokativen Beispiel illustrieren – dem Wunderglauben des Mittelalters. Vorausgesetzt man glaubt an die Existenz von Hexen ist die daraus folgende Konsequenz ja nicht, die Existenz von Hexen in Zweifel zu ziehen, sondern die Konsequenz ist, die Auffindbarkeit des Hexenunwesens zu ergründen, die Hexen zu vernichten, etc.. Das bedeutet, der Glaube, jede Vorstellungswelt, auch die des Materialismus, stabilisiert sich selbst. Und das ist es, was wir ja auch tatsächlich stets und ständig sehen.

Die Notwendigkeit des Spirealismus im Heute

… und … gilt das soeben Gesagte nicht auch für den Spirealismus? Stabilisiert er sich dann demzufolge nicht auch selbst?

Doch. Das Gesagte gilt auch für den Spirealismus, der allerdings von vorn herein weniger in festen Begriffen denkt, sondern ja eben gerade die Relativität jedes Begriffes betont. Insofern glaubt der Spirealismus die Welt(en) besser beschreiben zu können und unseren Vorstellungen nützlich zu sein.

Und .. wenn jede Weltvorstellung sich selbst völlig genügt, welche Notwendigkeit und besondere Dringlichkeit besteht dann, in spirealistischen Begriffen zu denken?

Die heutige Zeit sehe ich geprägt durch eine stark entwickelten Materialismus, in dem für Wunderglauben und den Gedanken an etwas „Höheres“ (als den menschlichen Geist) kein Platz zu sein scheint – was die Gegenposition zum Spirealismus ist. Aber auch geprägt durch tausenderlei Widersprüchlichkeiten, beispielsweise aus der häufig von mir ins Feld geführten Teilchenphysik. Weiterhin wird ind er Popkultur zunehmend die Frage gestellt, was überhaupt die Realität ist – man denke an den Film Matrix, aber auch diverse Science Fiction-Romane (auch Filme), beispielsweise von Philip K. Dick. Diese populär werdenden Fragestellungen werden angereichert durch eine jahrtausendelange reiche philosophische Überlegungen … Heraklit, Plato, Kant, Hegel, Schopenhauer, Wittgenstein, Bohr, Einstein, Heisenberg … nun müssten deren Überlegungen „nur noch“ Gegenstand des Alltagsdenkens werden. Und schlussendlich – und vielleicht am wichtigsten – sind es die ganz praktischen Ergebnisse der materialistischen Wissenschaft, die selbst die entscheidenden Fragen immer unvermeidbarer werden lassen: der Computer, die weltweite Vernetzung, die künstliche Intelligenz.

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Wenn es eine Frage der Nützlichkeit (und nicht einer schlichten Wahrheit) sein sollte: Der Spirealismus hat, richtig verstanden, Nützlichkeit. Und: Er fügt sich in das bestehende Denken nahtlos ein, will z.B. die Wissenschaft nicht etwa überflüssig machen, nur weil er die Wahrheit spirituellen Denkens darlegt – denn er stellt die Relativität der Welt(en) fest, und postuliert ihre jeweilige „Gültigkeit“. Gleichzeitig stellt er keineswegs die Existenz in Frage, auch wenn er die Welt(en) als „gedacht“ bezeichnet. Jedoch hat der Spirealismus einen eigenen Existenzbegriff, der von dem des Materialismus abweicht.

Der Beweis …

… ist also keine nachrechenbare Formel, das kann es nicht sein. Auch (verständlicherweise) kein: „Seht, dort ist das Nichts!“

Sondern es ist ein Aufzeigen stets und ständig vorhandener unendlicher anderer Denkmöglichkeiten, als sie gerade im öffentlichen (supersubjektiven) oder individuellen Bewusstsein vorherrschen. Es ist ein Denken in Metaphern, in Symbolen, ein Quer- und Andersdenken, und ein Aufzeigen von dessen Wahrheit.

 

Lesen Sie auch: Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

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Siehe auch: Artikel merkwürdig! Merkwürdigkeiten des Alltags

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Beweisbarkeit des Spirealismus was last modified: Mai 20th, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Null ist ETWAS

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das ist die Zahl Null. Sie ist nicht nicht da!

Die Zahl Null ist ein Begriff, der sich in unser materialistisches Weltbild nahtlos einfügt – in unsere Systematik des Denkens. Daher erscheint uns die Zahl Null aus anderer Perspektive rätselhaft und widersprüchlich, ich möchte in diesem Artikel kurz darlegen, warum.

Ähnliches Thema: Beitrag Was ist das Nichts? als Grundfrage der Philosophie.

Die Zahl Null bezeichnet ETWAS

Es ist uns nicht gegeben, uns wirklich das Nichts vorzustellen, aus diesem Grund ist uns der Tod ebenso rätselhaft wie der Begriff der Unendlichkeit.

Die Zahl Null repräsentiert, unserer materialistischen Weltanschauung entsprechend, und ganz folgerichtig, eigentlich das Nicht-Vorhandensein von ETWAS. Sie entspricht nicht dem Nichts.

 

Nehmen wir eine simple Rechenoperation wie die Multiplikation. Wenn wir ETWAS multiplizieren, dann addieren wir dieses ETWAS so viele Male zu sich selbst hinzu, wie es der Faktor verlangt.

x * 0 = 0, das bedeutet, von der irgendeiner Sache, die bereits  x mal vorhanden ist, gibt es kein Vorkommen. Also letztlich keinmal die Sache. Was damit gezeigt werden soll, ist, dass die Mathematik zwar von der eigentlichen Sache abstrahiert, ohne irgendeine Sache, die letztendlich benannt wird, wäre Mathematik aber sinnlos. Es geht daher bei den Zahlen um die Sache .. um die Dinge unserer Vorstellungen. Das gilt auch für die Null.

Die Zahl Null bezeichnet also nicht Nichts.

Die Zahl Null und die Unendlichkeit

Auf ganz ähnliche Weise rätselhaft ist uns das Unendliche. Es ist ebenfalls ein Begriff aus der Systematik der Zahlen, daher bezeichnet der Begriff des Unendlichen das Nicht-enden-wollende-Vorhandensein von ETWAS.

„Gibt“ es das – ETWAS, das kein Ende nimmt? Woher soll man das wissen, wo es doch (für uns Menschen) kein Ende nimmt?

Auf ganz ähnliche Art lässt sich fragen:

„Gibt“ es das – ETWAS, das gar nicht da ist? Woher soll man das wissen, wenn es doch nicht vorhanden ist? Jedoch – wenn man ETWAS  denkt, dann ist es bereits da – und zwar im Denken. Das eigentliche Nichts ist das nicht, denn das Nichts wäre etwas, das nicht gedacht wird. Die Null FÜR ETWAS kann es nur geben, wenn es ETWAS gibt. Und wenn dieses ETWAS die Zahl Null selbst wäre.

 

So schließt sich der Kreis. Die Zahl Null und das Unendliche haben vieles gemeinsam. Im eigentlichen Sinn können wir sie nicht erfassen. Sie können nicht im eigentlichen Sinn stellvertretend für Existenz sein, so, wie wir (materialistisch) Existenz verstehen.

Im Grunde sind sie gleich: die Unendlichkeit ist zugleich das Nichts, weil wir es nirgendwo sehen. Und das Nichts ist wiederum in Unendlichkeit „da“ – für uns Menschen allerdings unsichtbar. Es ist alles das, was wir nicht denken.

Die Rätselhaftigkeit der Zahl Null in der materialistischen Sichtweise ist sehr verwandt mit den Rätseln der Zahl Eins.

Siehe auch: Die Zahl Eins

Lesen Sie auch: Beitrag Das Unendliche. Was ist unendlich?

Weiterlesen: Beitrag Was ist unendlich? Nachdenken über das Endliche und die Unendlichkeit

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Im Grunde sind Unendlichkeit und Nichts gleich: die Unendlichkeit ist zugleich das Nichts, weil wir es nirgendwo sehen. Und das Nichts ist wiederum in Unendlichkeit "da", wenn auch für uns Menschen unsichtbar. Es ist alles das, was wir nicht denken.

Die Zahl Null ist ETWAS was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer

Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Immer ist Jetzt

Unsere Vorstellung von Vergangenheit und Zukunft ist ein schönes Beispiel dafür zu zeigen, dass „die Welt“, und unsere Vorstellung von „der Welt“, ein und dasselbe ist. Denn in dem Sinne, wie wir uns Existenz vorstellen, gibt es Vergangenheit und Zukunft nicht. Es gibt immer nur das Jetzt.

Gestern war Jetzt. Morgen ist Jetzt.

Es ist eigentlich für jeden nachvollziehbar, das in jedem Moment, den wir erleben, immer gerade Jetzt ist.

Umkehrschluss: wann ist nicht Jetzt? Nie!

Wissen Sie noch, als gestern war? Wann war das? Jetzt! Und wann wird morgen sein? Jetzt!

Und doch gibt es Vergangenheit und Zukunft!

Ein Einwurf:

„Und doch gibt es die Vergangenheit!“

„Aber wann ist diese Vergangenheit?“

„Sie war gestern, zum Beispiel!“

„Nein, ich meine, wann ist die Vergangenheit?“

….

„Sie ist im Jetzt, wenn sie ist. Die Vergangenheit jedoch, sie ist ein Gedanke an etwas, das nicht ist.

 

(Das berührt übrigens die ewig junge Frage nach den Dingen wie sie „wirklich sind“ im Unterschied zu unseren Vorstellungen von ihnen. Die Zahl der Worte, die hier unterscheiden wollen (aber nicht können), ist Legion. Eines dieser Worte, das eine Art ultimative Klarheit über das Wirkliche im Unterschied zum Unwirklichen schaffen möchte, das eine strenge Grenze zwischen Tatsächlichem und nur Gedachtem ziehen möchte, ist das Wort Realität. Und doch ist auch dieses Wort wieder den Interpretationen im Unendlichen unterworfen – man kommt damit an keine Grenze. Ganz ähnliche Besprechungen gab es in diesem Blog zu den Worten „subjektiv“ und „objektiv“, Noumenon etc.. (oder es wird solche Besprechungen noch geben).)

Spirealistische Definition von Existenz

Dieses „Sein“, dieses „das Ist“ – es ist verbunden mit der spirealistischen Definition von Existenz.

Erst wenn man sich begreiflich macht, was das sein soll – „Existenz“, kann man Verständnis für die Existenz von Zeit gewinnen. Sonst bleibt sie uns widersprüchlich.

Existenz – das ist im Spirealismus der Gedanke. Und der Gedanke ist immer im Jetzt.

Ähnliches Thema: Die Ontologie des Spirealismus

Der Gedanke im Jetzt – Vergangenheit und Zukunft

Erleben lässt sich die Vergangenheit also im eigentlichen Sinn nicht, auch nicht die Zukunft. „Nur“ als unser Gedanke an sie, und zwar im Jetzt. Im Jetzt entstehen Vergangenheit und Zukunft. Das Jetzt repräsentiert sie. Doch unsere Gedanken sind unterschätzt, wenn wir sie „nur“ Gedanken nennen. Gedanken sind alles, was ist. In Gedanken entstehen unsere Welten, und in Gedanken reisen wir vor und zurück in der Zeit.

spirituelle Weisheit und das Jetzt

Dieser Ansatz ist uns rätselhaft, denn den Gedanken sehen wir (im Materialismus) als das Unwirkliche. Das Unwirkliche deshalb, weil das Wirkliche die vom Gedanken getrennte Außenwelt sein soll. Viele Denkrichtungen beschäftigen sich mit diesem scheinbar unauflösbaren Rätsel.

Weiterlesen: Beitrag Surrealismus, Surrealistische Fotokunst, Image Art

Dass im eigentlichen Sinne nur das Jetzt existiert ist eine spirituelle Weisheit. Warum spirituell? Weil wir in der materialistischen Sichtweise der Welt der Namen verhaftet sind – wir glauben an die Existenz der Namen, so als seien sie „da“, auch ganz ohne uns, und wir müssten sie nur in einem Außen beobachten.

Erst Spiritualität, Geistigkeit, eröffnet uns einen genaueren Blick auf die Welt der Gedanken – wie sie die Macht haben, Welten über Welten zu erschaffen.

Ein wunderbares, spirituelles Buch zum Thema „Jetzt“ hat Eckhart Tolle geschrieben – ein Buch, das nur diesem Thema gewidmet ist, und auch diesen Titel trägt.

Die Zeit ist kein Strahl, die Zeit ist ein Punkt

Man stellt sich die Zeit immer als einen Strahl vor. Vergangenheit und Zukunft verschwinden jeweils links und rechts in der Unendlichkeit. Die Mitte des Strahles ist das Jetzt.

Spirealismus sagt: Ja, Vergangenheit und Zukunft verschwinden in einer Unendlichkeit. Und zwar in einer Unendlichkeit der Gedanken an etwas.

Doch Zeit ist in Wirklichkeit kein Strahl, sondern ein Punkt: Das Jetzt.

Im  Jetzt entsteht der Gedanke an eine Zukunft. Im Jetzt verfestigt er sich. Im Jetzt materialisiert er sich und wird zu unserem Jetzt. Einem anderen Jetzt. Wieder ein Jetzt – keine Zukunft, keine Vergangenheit.

Wenn man sich die Zeit mit einer Ausdehnung vorstellen möchte, dann könnte man ebenso gut an einen Punkt denken, der von einem Schein umgeben ist, nicht an einen (Zeit-)Strahl. Denn Vergangenheit und Zukunft gehen auf keinem eindeutigen Weg ineinander über.

Wenn wir auf diesem Blog oft genug davon sprachen, dass die Vorstellung von „der Welt“ nicht objektiv ist, sondern aus der Wechselwirkung subjektiver Beobachtungen entsteht, so lässt sich über die Zeit, bzw. den sogenannten Zeitstrahl, dasselbe sagen. Er kann nie etwas anderes sein, als unsere Auffassung von ihm, und die ist bereits von Mensch zu Mensch verschieden.

Hier schlägt sich übrigens ein Bogen zu der Frage, was Kausalität ist. Unsere Auffassung von Kausalität ist ja gemeinhin, alles habe einen Grund. Und einen Grund kann etwas nur haben in der Zeit, indem einer Beobachtung eine andere Beobachtung (in der Zeit) vorausgeht. Und diese beiden Dinge bzw. Beobachtungen, so ist eben unsere Auffassung von Kausalität, stehen in einer direkten Verbindung, was wiederum an einen Strahl denken lässt.

Siehe auch: Artikel Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur.

Doch in der Unendlichkeit der herstellbaren Verbindungen erkennen wir, dass es keine Eindeutigkeit gibt, es gibt keinen Strahl.  Es ist dasselbe, was wir wir bereits über die Objektivität sagten – es gibt sie nicht. Und die Vorstellung eines (Zeit-)Strahles kann nur in der Subjektivität entstehen – und auch nur dort bestehen bleiben.

Lesen Sie auch: Beitrag Wahr – Schein. Wahrschein. Wahrscheinlichkeit

 

Hier ein Zitat von Friedrich v. Schiller, das sehr schön ist, und mir zu diesem Artikel zu passen schien. Allerdings entspricht es, genau genommen, nicht ganz dem Inhalt dieses Artikels, denn die Vergangenheit steht keineswegs ewig still.

Dreifach ist der Schritt der Zeit: Zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit.
Friedrich von Schiller

 

Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt was last modified: April 6th, 2016 by Henrik Geyer

Gibt es Gott? Begründungen und Gründe dagegen.

Gibt es Gott? Götterdämmerung

Gibt es Gott überhaupt?

Gründe für Gott

– Die persönliche Realität hängt von dem ab, was man denkt. Der Gläubige weiß das, denn er widmet sich der Schulung seiner geistigen Disposition. Und damit seiner Realität.
– die Gründe für die Welt liegen nur scheinbar in den Begründungen der Wissenschaft. Denn tatsächlich wurzelt jedes Ding dieser Welt im Unendlichen. Die Suche nach dem „Ding an sich“, also nach der hinter unseren Vorstellungen von den Dingen liegenden Kernexistenz, verlief bereits für Immanuel Kant ergebnislos. Sie lässt sich nicht finden.
– die Begründungen der materialistischen Wissenschaft, was die Herkunft der Welt angeht, sind fadenscheinig. Wir wissen nicht, was Zeit ist, wir wissen nicht, was Raum ist. Wir können aber in Raum und Zeit 14 Milliarden Jahre zurückrechnen, um dann zu finden: da war ein Urknall. Es gab auch schon Clevere, die den Computer einfach haben weiterrechnen lassen, bis vor dem Urknall – und kamen zu ganz erstaunlichen Ergebnissen. Jedoch können wir nicht genau sagen, wie das Wetter morgen wird.

Gründe gegen Gott

– man kann ihn nirgendwo sehen
– er erfüllt die Wünsche unzuverlässig
– er verhindert nicht die Kriege, obwohl er das doch sollte
– er erhebt Kirchensteuer

Sichtweise des Spirealismus – Gibt es Gott?

Der Spirealismus sieht die Welt aus Gedanken entstehen. Es gibt Gott, wo wir ihn denken. Und er existiert als seine Verneinung, wenn wir ihn ablehnen.

Sprachverwirrung als Argument

Es liegt bei den Nicht-Gläubigen ein Irrtum vor, wenn sie meinen, der Glaube wäre übersetzbar mit: „etwas nicht genau wissen“. Und wenn sie nun im Gegensatz dazu vermuten, selbst alles ganz genau zu wissen. Auf beiden Seiten, beim Gläubigen, wie  beim Materialisten, ist Glaube Wissen. Nur als Wissen entwickelt etwas, was wir denken, Wahrheit. Nur als Wissen ist Glaube zu verstehen. Ansonsten müsste man, wie mancher Nicht-Gläubige das ja auch tut, die Gläubigen für Dummköpfe halten (übrigens war Einstein ein spiritueller Mensch).

Gott ist das uns Übergeordnete

Aus dem Materialismus scheint sich zu ergeben, dass wir Menschen die Beobachter der Welt sind. Doch das sind wir nicht. Wir sind Teil der Elemente, durch die die Welt in das Entstehen kommt. Daher ist, was wir denken, nicht unabhängig von einem Außen, welches wir beobachten. Sondern unser Denken über die Welt, und die Welt selbst, das ist eins.

Gibt es also Gott? Ja, im Denken der Menschen.
Dies ist der Grund, warum wir durch unser Denken Gott in die Existenz bringen können. Und wir wären dumm, es nicht zu tun.

Gibt es Gott? Begründungen und Gründe dagegen. was last modified: Februar 16th, 2016 by Henrik Geyer

Es gibt keinen Gott – sagen die einen. Es gibt ihn doch, die anderen

Es gibt keinen Gott: Gott oder Nicht-Gott

Es gibt keinen Gott? Wo ist das Problem?

In unserer aufgeklärten Zeit scheint fast beliebig, welcher Überzeugung man anhängt. Aber – ist es das wirklich? Ist es völlig egal, wenn man sagt: Es gibt keinen Gott?

Ich denke, nein. Die Vorstellung von etwas Höherem, etwas, das uns hervorbringt, kommt mit Notwendigkeit in die Welt. Wir fragen uns: Woher kommen wir?

Für den Nicht-Gläubigen ist die Materie der Gott, der Ursprung. Für den Gläubigen ist es Gott – vorgestellt als ein Wille. Im Ursprung bleibt es aber die gleiche Frage.

Bei der Frage, ob es Gott gibt, geht es eigentlich nicht um die Vorstellung einer bestimmten Gott-Person. Allein schon deshalb, weil das Wort „Gott“ für die Gläubigen unterschiedlichsten Glaubens, ob es nun Christen sind, oder Muslime, oder Buddhisten, etc.. ganz Verschiedenes meint. Mit dem Gedanken an Gott verbinden sich unterschiedlichste Vorstellungswelten.
Noch einmal viel verschiedener sind die Vorstellungen zwischen Gläubigen und Nicht-Gläubigen.
Es wäre hilfreich, wenn mehr darüber gesprochen würde, was sich mit den Vorstellungen verbindet, als dass man sich um das bloße Wort streitet. Denn das ist ein Streit um des Kaisers Bart.

Welches ist die richtige Vorstellung von Gott?

Wenn wir vergleichen, was genau wir unter dem Begriff „der Schöpfer“, oder Gott, eigentlich verstehen, dann würde sich herausstellen, dass es bei der Frage, ob es Gott gibt, für die Nicht-Gläubigen um Kirchensteuer, Inquisition und vieles mehr geht. Für die Gläubigen hingegen um Sicherheit im Glauben, Existenzfragen u.v.m.. Man streitet also um zweierlei, nicht um dasselbe. Und so gesehen ist dieser Streit völlig überflüssig. Das ist so, als würden sich Chinese und Deutscher gegenseitig Worte in ihrer Sprache zuwerfen, und so tun, als würden sie verstehen, worum es dem anderen geht.

Die Existenz liegt im Denken

Die Existenz Gottes liegt im Denken des Gläubigen, und die Nichtexistenz Gottes liegt im Denken des Ungläubigen. Die Aussage „Es gibt keinen Gott“ hat nur Wahrheit für den, der sie glaubt.
In einem Außen ist Gott ebenso wenig nachzuweisen wie der Urknall. Denn sowohl der Ungläubige wird sich weigern, die Argumentation des Gläubigen richtig zu nennen, wie sich der Gläubige auf die Argumentation des Ungläubigen verlassen will, was den Urknall betrifft. Denn dieser kennt ja noch nicht einmal Gott.

Es gibt keinen Gott – sagen die einen. Es gibt ihn doch, die anderen was last modified: Februar 16th, 2016 by Henrik Geyer

Das Äußerliche (die Dinge) versus das „nur Gedachte“. Gedanken zu Existenzialismus

Existenzialismus: Der Mensch ist nichts anderes als sein Entwurf; er existiert nur in dem Maße, als er sich entfaltet. Spireo Spruchbild

Was ist für mich das Wesentliche am Existenzialismus? Ist es die Frage nach Sinn?

Nein. Der Existenzialismus rückt die Existenz des Menschen in den Mittelpunkt, wenn es um die Frage nach dem Wesen der Dinge geht. Die Existenz, der Beobachter also, ist damit entscheidend für das Beobachtete. Die zum Nachdenken anregende Kernfrage lässt sich somit auch wie folgt formulieren: Was sind die Dinge, was ist letztlich das Universum, wenn sie nicht (durch den Menschen) beobachtet werden?

(Der allgegenwärtige Materialismus sieht hier normalerweise keinen Zusammenhang. Die Dinge seien existent, auch ganz ohne Beobachter…)

 Die Frage nach Sinn wird aus einer neuen Perspektive gestellt

Eine wichtige Aussage des Existenzialismus ist die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Seins. Auf der Basis seiner (für seine Zeit) ungewöhnlichen Sichtweise, der Sichtweise des beobachtenden Seins (also der Existenz eines Beobachters in Form eines Menschen), macht der Existenzialismus die Aussage, dass es einen Sinn jenseits der Existenz nicht gibt. Es ist dies eine Weiterentwicklung und interessante Variante der uralten Frage nach der Existenz. Ist die Existenz definiert durch feste Objekte aus Materie in einem Außen, der Geist als beobachtendes Element gegenübersteht? Materie als real, Geist als „nur gedacht“, und damit der Inbegriff dessen, was wir als „nicht wirklich“, und damit unreal ansehen? Oder ist nicht der Beobachter für das Entstehen der Welt entscheidend?

 Fundamentale Frage nach dem Wesen von Existenz

Die Frage nach der Existenz erweist sich als äußerst schwierig für unser Alltagsverständnis. Wir sehen die Dinge immer nur auf eine Art: Sie wären bereits vorhanden, sobald wir sie beobachten. Somit kann sich bereits die Frage nach dem Wesen der Existenz dem Materialisten normalerweise nicht erschließen, denn der Materialismus geht ja davon aus, die Dinge wären unabhängig von uns, in einem Außen, bereits vorhanden. (Wohlgemerkt: ich verstehe unter Materialismus nicht eine gesellschaftspolitische Strömung, und auch keine konsumfreundliche Gesinnung, sondern die Vorstellung, die Dinge existierten außerhalb von uns, sie seien in einem Außen und unabhängig von uns bereits vorhanden. Und, Hand aufs Herz, wer ist denn nicht Materialist – in diesem Sinn?)
Und nun gibt es auf der anderen Seite, wie gesagt, die seit Jahrtausenden immer wieder auftauchende, und ja sehr berechtigte Frage: Was könnten denn diese „Dinge“, vorgestellt als Materie (Stoff) wohl sein, wenn wir sie nicht beobachten? Unterliegen sie denn nicht unserer Sichtweise? Denn wir stellen immer und überall fest: Was wir sehen, was wir wahrnehmen, nehmen wir nur innerhalb der in uns liegenden Möglichkeiten wahr. Die Dinge unterliegen also unserer Sichtweise. Sie lassen sich nie und nirgends auf immer dieselbe Art beobachten.

Der Materialist wird aus seinem Grundverständnis heraus annehmen, dass eine solche Frage nach der Existenz, gestellt aus umgedrehter Blickrichtung – also weg von den Dingen, hin zum Schauenden – falsch gestellt sein muss. Was soll denn der Schauende schon sehen, wenn nicht die Dinge? Die Dinge, die in ihrem Raum, die in ihrem Außen vorhanden sind? Sie sind doch da! Oder etwa nicht? Und was wohl soll mein Geist an den Dingen erfassen, wenn nicht die wahre Existenz der Dinge ?

 

Im Existenzialismus formt sich die Grundfrage nach der Existenz in einer neuen Variation aus – mit neuen Perspektiven, neuen Antworten. Genannt wurde ja schon die im Existenzialismus aufgefrischte Feststellung, dass Sinn durch die Existenz selbst entsteht.

Bekannt sind uns Betrachtungen des Themas gleichwohl bereits, und zwar in mannigfacher Form, seit langer, langer Zeit. Zu nennen sind Äußerungen diverser Philosophen und Naturwissenschaftler, die sich immer wieder um die Frage drehen: Was ist der Gegenstand der Betrachtung ohne den Betrachter? Was ist der Betrachter ohne den Gegenstand der Betrachtung?

Im jahrtausendealten Taoismus ist der Gipfelpunkt der Weisheit die Verschmelzung von Betrachter und Betrachtetem – es ist die Aufhebung der Polarität von Geist und Materie, der Dualität.

Eine dem Taoismus verwandte Aussage macht übrigens interessanterweise Goethe in folgendem Zitat:

Spireo-Existenzialismus-Unser-ganzes-Kunststueck-besteht
Unser ganzes Kunststück besteht darin, daß wir unsere Existenz aufgeben, um zu existieren.
Johann Wolfgang von Goethe

Für mich ist die Aussage dieses Zitates das Aufgeben der Identität (des Glauben an ein Definiert-Sein im Vorhinein) – was sich sogar auf das eigene Ich erstreckt. Wozu soll ein solches Aufgeben gut sein? Um dem Geheimnis  des Seins auf die Spur zu kommen! Denn das Sein – so wie wir es verstehen – ist letztlich das Definiert-Sein von etwas. Und die Definitionen – woher kommen sie, wenn nicht aus uns? Das Kunststück von dem Goethe spricht, ist das Kunststück, die Relativität die in allem liegt, zu erkennen, und damit seinen Frieden zu machen.

 Das „Ding an sich“ – philosophische Näherungen zum Thema Existenz in der Geschichte

Bei Immanuel Kant hat das objektive Außen keinen greifbaren Kern – das „Ding an sich“ ist für den Menschen nicht greifbar, und nicht begreifbar. Dennoch müsse es (zweifellos) vorhanden sein.

Ebenso fragt sich Jean-Paul Sartre, als einer der Hauptvertreter des Existenzialismus, ob es wohl die „Fremdexistenz“ überhaupt gibt – er versteht darunter die Existenz eines fremden Menschen. Angenommen, wir wären denkende Existenzen in einem Computer, oder ein in einem Bassin schwimmendes Gehirn – woher wüssten wir, dass es ein existierendes Außen wirklich gibt? Und auch Sartre kommt zu einem ähnlichen Resultat wie Kant: die Fremdexistenz müsse wohl vorhanden sein… auch wenn es an Beweisen mangelt.

Der Naturphilosoph David Hume drückte seine Überlegung dieser Frage so aus: Der Mensch könne nicht umhin, an die Existenz der Außenwelt zu glauben. Die Natur habe dem Menschen hierin keine Wahl gelassen. In „Alles ist Geist“ frage ich mich.. warum soll die Natur dem Menschen keine Wahl gelassen haben? Die Natur hat kein wie auch immer geartetes Interesse, sich in einem bestimmten Sinn zu präsentieren. Der „zwingende“ und unumgängliche Sinn, muss demnach wohl aus uns selbst kommen…

Zumindest jedoch werden in all diesen Äußerungen namhafter Philosophen, selbst wenn sie immer wieder auf die materielle Außenwelt kommen, die es geben müsse, trotz jeglicher logischer Überlegung, wohlüberlegte Zweifel laut, die am materialistischen Konzept bestehen – und die nach meinem Dafürhalten mehr als berechtigt sind (daher formuliert der Spirealismus auch den kompletten Gegenentwurf).

Und jetzt, zu guter Letzt, kommen auch noch die Resultate der Erforschung der Materie in der Quantenphysik hinzu. Forscher stellen fest: dort, wo nach aller Überlegung innerhalb des materialistischen Weltbildes Eindeutigkeit sein müsste; wo die Objektivität herrschen müsste, die wir im Großen nicht finden konnten – also in den geringsten und aller-kleinsten „Kernen“ der Materie – dort herrscht Wahrscheinlichkeit, Unschärfe, Relativität!

Spirealismus als philosophische Sichtweise, die von einem existenzialistischen Ansatz ausgeht

Der „Spirealismus“ legt dar, dass der Gedanke selbst die Existenz ist, und somit der Inbegriff des Realen. Unser Begreifen von Existenz beinhaltet normalerweise die Vorstellung eines Betrachters, der die in einem Außen befindlichen, existierenden Dinge, beobachtet. Das wäre also die Dualität aus Beobachter und Beobachtetem, aus ich und du, aus „das Selbst“ und „das Fremde“, aus hier und dort. Das Konzept eines Außen ist zwar in jedem Wort unserer Sprache, in jedem Gedanken eingewoben, es lässt sich nur nirgendwo nachweisen. Und letztlich ist es auch gar nicht besonders vernünftig.. man braucht dieses Konzept letztlich nicht, um sich ein funktionierendes Universum vorzustellen. Oder ist uns etwa ein Universum des Außen, das aus einem Urknall hervorgeht.. tatsächlich Erklärung??

Daher drehe ich die Aussage Humes folgendermaßen um: Der Mensch formt in seinen Begriffen die Vorstellung eines von ihm unabhängig existierenden Außen, einer Außenwelt. Wenn der Mensch also, wie Hume sagt „nicht umhin komme“, an die Existenz einer Außenwelt zu glauben, dann deshalb, weil er nur innerhalb seiner Begriffe zu denken vermag.
In „Alles ist Geist“ wird das eine „Denkgrenze“ genannt, und zwar eine Denkgrenze, die aus Wissen besteht. Aus Wissen deshalb, weil es unser unerschütterliches Wissen ist, dass es eine unabhängig von uns existierende Außenwelt geben müsse, auch wenn wir sie gar nicht nachweisen können. Eine rationale Begründung erscheint uns überflüssig – denn: Was sollen wir wissen, jenseits unseres Wissens? Als Grenze ist diese Denkgrenze für uns also unsichtbar, weil die Welt, die wir kennen, und unsere Begriffe von ihr, ein und dasselbe sind.

Tatsächlich aber sind unsere Begriffe von der Welt nicht auf irgendein außerhalb von uns selbst existierendes Außen zurückzuführen, sondern unsere Begriffe entstehen durch… nun ja, durch uns!

Dies entspricht übrigens in seiner Grundaussage etwa der Aussage Schopenhauers, der konstatiert, das die Welt die Welt unseres Denkens ist, und das dies nach allersorgfältigster Überlegung so gesagt werden müsse. Gleichwohl, das wusste Schopenhauer, sei diese Aussage demjenigen, der sie hört, zunächst völlig unverständlich.

In „Alles ist Geist“ beantworte ich die Frage nach der Existenz anders, als es letztlich auch die Existenzialisten tun. Denn der Existenzialismus verliert sich in Deutungen von Begriffen wie Sinn, während doch das Hauptthema, auch für den Existenzialismus, die Frage nach der Existenz selbst sein muss. Verstehen wir die Existenz richtig? Wie könnte man eine Frage nach Sinn beantworten, wenn man die Frage nach den Dingen schon nicht zu stellen vermag? Was ist die Existenz? Was existiert? Was ist etwas Vorhandenes?

In „Alles ist Geist“ wird die Frage nach Existenz so beantwortet: Während wir, wenn wir allein das Wort „Existenz“ denken, oder es nennen, uns etwas vorstellen, was bereits da wäre, ist doch die Existenz tatsächlich etwas, das sich aus uns und durch uns, als Prozess ereignet. Es gibt also keine Existenz in dem Sinne, etwas wäre bereits vorhanden, und wir könnten es auf nur eine einzige Art und Weise beobachten. Und tatsächlich gibt es gar nicht „die Welt“. Sondern es gibt viele Welten – die Welten des individuellen Denkens. Auch das ist, achtsam beobachtet, überall feststellbar. Es ist die einzig immer und überall feststellbare Tatsache : es gibt nichts Objektives.

Der Aussage: Die Ontologie des Materialismus beruhte auf der Illusion, daß man die Art der Existenz, das unmittelbar Faktische der uns umgebenden Welt, auf die Verhältnisse im atomaren Bereich extrapolieren könne. (Werner Heisenberg), stelle ich meine Wahrnehmung gegenüber, dass sich auch „im unmittelbar Faktischen der uns umgebenden Welt“ die objektive Existenz nicht feststellen lässt. Das müssen Kant und Hume beispielsweise ganz ähnlich gesehen haben, sonst wären sie nicht auf den Gedanken gekommen, eben diese Existenz, zu hinterfragen, obwohl sie doch die atomare Welt nicht wie Heisenberg kennen konnten.

Die Aussage, es gäbe nichts Objektives, sondern nur Subjektives, wird gemeinhin (falsch) so verstanden, dass man meint, es gäbe jenseits der individuellen Vorstellungen, jenseits des individuellen Wahrnehmens, noch eine „richtige“, eine objektive Welt. (auch hier wird die Verbindung von Wort und Begreifen eines Weltbildes sichtbar… (Denn: heißt „Wahrnehmen“ nicht normalerweise, etwas in einem Außen Vorhandenes als Information abzurufen?). Der Spirealismus jedenfalls sagt: Es gibt keine im Außen vorhandene, objektive Welt. Die Information formt sich im Augenblick der Wahrnehmung.

In meinem Buch stelle ich dar, wie sich dieser Gedanke in mir entwickelte. Es ist eine Beobachtung meiner Psyche in einer Notlage – und eine Beobachtung der Entwicklung der Begriffe darin. Es ist mein eigenes Erstaunen, dass ich in diesem Buch schildere: mit einer ganz bestimmten Art und Weise des Denkens hängt eine ganz bestimmte Art und Weise der Wahrnehmung der Welt zusammen. Bereits hier ist die Einzigartigkeit der Information in jedem Augenblick wahrzunehmen. Man muss keine Teilchenbeschleuniger bemühen (diese hatte ja übrigens Kant auch nicht zur Verfügung).

 

In meinem Buch stelle ich also die Frage nach dem Wesen der Existenz. Meine Schlussfolgerung, die ich in meinem Buch erläutere, ist: Es gibt kein Materieobjekt, dem eine bestimmte Information vor der Wahrnehmung bereits „anheftet“. Das bedeutet: Wissenschaft – und jeder andere Glaube, den wir haben können, funktionieren aus demselben Grund: Die Welt ist die Welt der Relationen, die Welt der Information, die immer subjektiv und immer einzigartig entsteht. In uns! Es gibt keine davon verschiedene, „objektive“ Welt und keine objektive Existenz.

Warum aber können wir das aber nicht ohne weiteres feststellen? Es muss doch einen guten Grund haben, warum diese Thematik seit Jahrtausenden Philosophen und Naturwissenschaftler bewegt, und dennoch immer wieder in einem materialistischen Sinn beantwortet wird? Ich  nenne es eine Denkgrenze. Der Mensch kann sich nicht außerhalb der eigenen Begriffe bewegen und daher werden wir nie eine Inkongruenz zu unserem eigenen Verständnis feststellen – welches auch immer das ist.

Das Äußerliche (die Dinge) versus das „nur Gedachte“. Gedanken zu Existenzialismus was last modified: Dezember 1st, 2015 by Henrik Geyer