Anthropozentrismus – seine Ursache und Funktion

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Anthropozentrismus ist die beim Menschen stets anzutreffende Vermutung, er befände sich im Zentrumgeografischer wie kosmischer Gegebenheiten, im Zentrum der Vernunft, im Zentrum des Interesses seiner Götter etc..Es ist zugleich die Zentralsicht jedes Einzelnen auf sich selbst,als das Zentrum des jeweiligen Ich-Universums.

Im Sprealismus hat der Anthropozentrismus eine bestimmte Funktion und Logik. In diesem Artikel geht es darum, welche das ist

Was ist Anthropozentrismus?

Anthropozentrismus ist die dem Menschen selbst rätselhafte Selbstsicht des Menschen seiner selbst als zentral/in der Mitte stehend.

Ausdruck des Anthropozentrismus … Beispiele

Zitat: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“ (antiker Philosoph Protagoras)

Geografisch: Die immer wieder auftretende Vermutung, „der Mensch“, oder Teile von „dem Menschen“, befänden sich in der Mitte geografischer Begebenheiten. Reich der Mitte. Mittelmeer.

Objektivitäts-Denken: Die dem Menschen geläufigen Begriffe empfindet er als objektiv, das heißt, er glaubt, es gäbe sie außerhalb und unabhängig von seinem Denken. Wenn das was er sagt für alle und alles gilt – dann empfindet er sich selbst sozusagen als das Zentrum der Vernunft (man kennt: Der Mensch als die Krone der Schöpfung). Das äußert sich auch in seiner Vermutung, nur er selbst könne denken, während die ihn umgebende Natur „geistlos“ sei.

Beitrag: ‚objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität?‘

Menschliche Kausalität:  Die menschliche Kausalität versteht der Mensch nicht als schöpferisch, sondern als unabdingbar (siehe Objektivitätsdenken). Wenn seine kausalen Ableitungen keine Schöpfung sind, sondern eine geistige Notwendigkeit, dann sieht er sich wieder in der Rolle des genialen Erkenners einer Realität außerhalb seiner selbst.

Religiös: Seine Vermutung, er selbst stünde im zentralen Interesse des Schöpfers/Gottes, während alle andere Natur dazu geschaffen sei, von ihm genutzt/ausgebeutet zu werden

Im Individuum: Die stets anzutreffende Vermutung, man selbst befände sich in der Mitte der menschlichen Vernunft. Im Zentrum dessen, was man „den gesunden Menschenverstand“ nennt. „Ich bin Realist…“

Welche Ursache hat Anthropozentrismus?

Die Ursache und Notwendigkeit für den Anthropozentrismus sieht der Spirealismus im Entstehen des Bewusstseins.

Das Ich-Universum jedes Menschen bildet sich um einen Punkt herum: das Ich. Das Zentrum jedes individuellen Universums ist immer das Subjekt. Das ist verständlich, denn jedes sichtbare Objekt wird in Verbindung gebracht mit der Perspektive, aus der es beobachtet wird. Dem Ich, dem zentralen Punkt.

Ein zentraler Begriff des Spirealismus ist Supersubjektivität. Dieser Begriff besagt einerseits, dass die Beobachtung vieler Ichs wieder subjektiv ist, und nicht, wie diese annehmen, objektiv (im Sinne von: man kann es nicht anders sehen). Andererseits ist die Folgerung des Begriffes Supersubjektivität, dass aus vielen Subjekten ein neues Subjekt wird. Aus den Menschen wird die Menschheit. Der Mensch als Teil eines größeren Subjektes.

Dieses größere Subjekt hat eine eigene Wirkung, eine eigene Psychologie, eine eigene Subjektivsicht. Auch im Supersubjekt Menschheit ist der Anthropozentrismus anzutreffen.

(Man beachte: im Grunde genommen wird der Begriff Anthropozentrismus meist genau umgekehrt gesehen: er tritt in vielen Menschen auf, aber nicht im Einzelnen).

Materialistisches Weltbild

Das materialistische Weltbild, das den Menschen als einzigartigen Beobachter der Schöpfung sieht, nicht als Element der Schöpfung, kann man ebenso als Ursache des allgegenwärtigen Anthropozentrismus sehen.

Ebenso allgegenwärtig wie der Materialismus ist der Anthropozentrismus.

Welche Wirkung hat Anthropozentrismus?

Der Anthropozentrismus bewirkt, dass sich der Mensch als Individuum begreift, es zugleich aber für selbstverständlich hält, dass das Wissen und das Können der Menschheit auch in ihm selbst zum Ausdruck kommt. Er hält sich selbst für „den Menschen“.

Weiterlesen:  ‚Supermensch – Übermensch – Superman = der Mensch‘

Eine der Wirkungen und zugleich Ursachen des Anthropozentrismus ist die Annahme, es gäbe nur eine Wahrheit, nur eine Realität, nur eine Welt. Daher brauchen wir auch nur eine Wissenschaft.

Die positive Seite dieses Anthropozentrismus kann man darin sehen, dass sich die Wirkkraft der vielen Menschen nicht zersplittert. Im Grunde sind die Menschen Eins – ein Organismus. Die Wissenschaft, an der nahezu alle arbeiten, bedient sich stets der gleichen Termini, Resultate, der selben Sprache.

Die negative Seite ist eine falsche Weltsicht. Eine falsche Sicht auf die Gründe des eigenen Seins. Denn der Anthropozentrismus suggeriert dem Menschen fälschlich, in einem Mittelpunkt zu stehen. Der Mittelpunkt des menschlichen Denkens bleibt daher letztlich nur er selbst – und das findet er ganz normal. Seine Wirkungen auf das Ganze sind dem Menschen auf diese Weise unbegreiflich.

Spirealistisches Weltbild

Anthropozentrismus, Bewusstsein, im spirealistischen Verständnis
Anthropozentrismus, im spirealistischen Verständnis

In der Grafik abgebildet: die spirealistische Vorstellung von Anthropozentrismus. Das größere Ganze bildet sich aus einer Vielzahl von Ichs (im Bild links die blauen Kreise). Die Kreise haben jeweils Zentren, überschneiden sich aber auch (das sind die geistigen Inhalte des Anderen, die auch in mir sind).

Im Bild rechts wird aus den vielen blauen  Kreisen ein größerer, dunkelblauer Kreis – aus vielen Menschen wird die Menschheit, oder aus einigen Menschen wird eine Gruppe.

Das kosmische Kontinuum: Diese Abbildung suggeriert ein Statisch-Sein der Begriffe. Das soll aber nicht gesagt sein. Im Grunde sind diese sich bildenden Einheiten stufenlos variierbar. Je nachdem, wie es in diesem Augenblick verstanden wird.

Am Rand des Bildes sieht man Kreise, die sich in der Farbe verändern. Das sind nicht-menschliche Ich-Universen/Informationen. Wir nehmen sie nicht als „Ich“ war, sie stehen aber dennoch in einem relativen Verhältnis zum Ich/gehören zu ihm/bedingen es.

 

 

Siehe auch: Artikel ‚Der Mensch als geistige Singularität. Kausalitäts-Monster Bewusstsein‘

 

 

 

Anthropozentrismus – seine Ursache und Funktion was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer

Ist der Spirealismus agnostisch? Agnostizismus und Philosophie.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort Thema agnostisch/Agnostizismus: Für die Quelle, solange sie existiert, kann es kein Ende des Wassers geben.Die Existenz der Quelle ist Wasser. Für den Menschen, solange er existiert,kann es kein Ende des Erkennens geben. Die Existenz des Menschen ist Geist.

Agnostizismus, was bedeutet das? Und … Ist der Spirealismus nun eine agnostische Philosophie, also eine Philosophie, die die Erkenntnisfähigkeit des Menschen grundsätzlich in Frage stellt? Über Agnostizismus und Philosophie.

Spirealismus und Erkenntnis

Der Spirealismus hält den Menschen für ein Element der Schöpfung, nicht für einen Beobachter der Schöpfung.

Das bedeutet unter anderem, dass der Mensch nicht in der Lage ist, ein Gesamtbild der Schöpfung zu zeichnen. Denn aus ihm selbst, dem Menschen sprudelt die Schöpfung, wie aus einer Quelle. Der Quelle muss das, was da sprudelt, unendlich vorkommen, sich aus sich selbst erneuernd. Und so kann es für die Quelle, solange sie selbst existiert, kein Ende des Wassers geben. Und für den Menschen kein Ende des Erkennens.

Materialismus und Erkenntnis

Die Sichtweise des Spirealismus steht natürlich im Gegensatz zu der materialistischen Sichtweise, der zufolge es die letzte Erkenntnis, die letzte Wahrheit geben muss. Der Materialismus sieht Erkenntnis wie ein Abrufen von Information aus einem vom Menschen getrennten Außen. Der Mensch bildet sein Außen im Geiste nach – und liest die Information von der Materie (die im Materialismus der Inbegriff des von uns unabhängigen Außen ist), ab.

Die Antwort

Und so gefragt: „Ist der Mensch Erkenntnis-fähig?“ wäre die Auskunft des Spirealismus: Nein, in der vom Materialismus vorgestellten Weise gibt es keine Erkenntnis. Eine Erkenntnis als endgültig, die letzte Wahrheit, die Weltformel, etc.., das bestreitet der Spirealismus.

Wenn der Mensch selbst, auch in seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen, Schöpfer ist, dann gibt es keine eindeutige Wahrheit, keine letzte Wahrheit, keine eindeutige Erkenntnis, keine letzte Erkenntnis. So, wie es auch kein definiertes Außen gibt. Es entsteht erst durch uns, durch den Menschen, in einer Wechselwirkung – als Relation.

Ist der Spirealismus also agnostisch?

Spirealismus als nicht – agnostisch

Der Spirealismus ist dennoch nicht agnostisch, weil er die Erkenntnis, dass der Mensch Quelle der Information ist, für das Wesen der Dinge und des Kosmos hält.  Dies zu erkennen – das hält Spirealismus für den Inbegriff von Erkenntnis.

Dass es Erkenntnis im materialistischen Sinn nicht gibt, bedeutet für den Spirealismus, dass die Frage nach Erkenntnis falsch gestellt ist. Erkenntnisfähigkeit, spirealistisch verstanden, ist etwas anderes.

Somit ist auch der negative Touch, der der Geisteshaltung des Agnostizismus anhaftet, beim Spirealismus nicht zu finden. Spirealismus hält Suche nach Erkenntnis nicht für überflüssig. Auch wenn Fragen und Antworten in einer schöpferischen Weise aus uns sprudeln, ist doch die Tatsache des Fragens und Antworten-Findens das Wesen unserer Existenz. So, wie die Quelle eben aus Wasser besteht.

Auch wenn sich die Quelle sagen muss, dass es für sie nie ein Ende des Wassers geben kann, heißt das für sie nicht, dass die Quelle an der Sinnhaftigkeit zweifeln muss, Wasser hervorzubringen.

die geistige Natur der Dinge erkennen

Auch der Spirealismus muss erst einmal erkannt werden. Diese geistige Natur der Dinge zu erkennen, diese Erkenntnis zu machen, das wäre Erkenntnisfähigkeit im spirealistischen Sinn – und, mindestens aus spirealistischer Sicht – nicht agnostisch.

Die (Er-)Kenntnis der Dinge als in ihrer Natur schöpferisch – diese fundamentalste, unbegreiflichste, und zugleich wahrste vorstellbare Erkenntnis, steht als allgemeines Wissen noch aus.

 

Siehe auch: Artikel ‚Philosophie im Alltag – wozu brauchen wir Philosophie überhaupt?‘

Siehe auch: Artikel ‚Spirealismus als Lebenshaltung – durch Gedanken entsteht Realität‘

 

Ist der Spirealismus agnostisch? Agnostizismus und Philosophie. was last modified: März 5th, 2016 by Henrik Geyer

Erkenntnis – was ist das? Die Chance und der Preis des Erkennens.

Erkenntnis - was ist das? Was ist die Chance des Erkennens - und sein Preis? Platos Höhlengleichnis und die Transformation einer Realität in die nächste.

Erkenntnis – erkennen. Etwas etwas er-kennen (im Sinne von „sehen“), und es dann kennen (also wissen). Etwas anfassen (angreifen), und dadurch etwas be-greifen. Erkenntnis ist ein Zuwachs an Wissen über die Welt.

Erkennen für den Spirealismus, bzw. den Materialismus. Wie erkennt man?

an dieser Stelle nur kurz der Unterschied in den Sichtweisen:

Der Materialismus geht davon aus, dass Geist (der Mensch) einen äußerlichen (materiellen) Prozess beobachtet. Erkenntnisprozess ist daher dem Materialismus vor allem das Beobachten der äußerlichen Zusammenhänge – also der Natur, des Stoffes, der Materie …

Dem Spirealismus, dessen Grundauffassung „alles ist Geist“ heißt, ist das Erkennen des Selbst identisch mit dem Erkennen der Welt. Denn die Frage WIE erkannt wird ist für den Spirealismus der Schlüssel dafür, WAS erkannt wird. Oder, anders gesagt: Die Denkvoraussetzungen entscheiden über die Folgerungen. Es ist somit das „Erkenne dich selbst“ des antiken Griechenlandes, das der Spirealismus für den Schlüssel der Erkenntnis hält.

Siehe auch Artikel zum Thema „Worte formen die Realität“

Erkenntnis in Platos Höhlengleichnis – mit dem Wissen ändert sich die Welt

Erkenntnis hat zwei Seiten.

Einerseits ist Erkenntnis das Begreifen der Welt in einer neuen Weise. Spirealistisch gesehen ist es die Erweiterung des Ich-Universums um Begriffe – um Festlegungen des Denkens in einer neuen Konstellation (Zitat: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Ludwig Wittgenstein)

der Preis der Erkenntnis

Daher bedeutet Erkenntnis andererseits durchaus auch das Verlassen einer Denkrealität zugunsten einer anderen. Da jede Denkrealität in sich logisch und vollständig zu sein scheint, ist das Verlassen einer Denkrealität zugunsten einer anderen nicht nur schön, und nicht nur bequem, sondern immer auch mit einem Verlust verbunden. Wenn man so will dem Verlust einer Welt.

Plato beschreibt das sehr schön in seinem Höhlengleichnis.

Er beschreibt Erkenntnis wie das Verlassen einer Höhle, aus der heraus man in das offene Sonnenlicht tritt. Das helle Licht des Tages ist das Erkennen der Welt in einem neuen Licht. In der Höhle hatte man die ganze Zeit Schatten an der Wand beobachtet, und diese Schatten als die Realität angesehen. Und nun begreift man: Die Realität liegt draußen, im gleißenden Sonnenlicht des Tages.

Mancher sehnt sich zurück in die Heimeligkeit der Höhlenschatten. Wenn es auch in der Höhle muffig und dumpf war, dennoch war auch die Welt der Höhlenschatten in sich vollständig. Es mangelte nichts. Die gleißende Sonne des Außen kann manches aufdecken, die Illusionen rauben….

Wer aber zurück will, der stellt fest: Ein Zurück gibt es nicht. Im spirealistischen Verständnis heißt das: Der Mensch kann die Objekte seines Ich-Universums nicht einfach willentlich verschwinden lassen. Die Objekte des Denkens sind seine Welt. Erweitert er diese Welt um das Sonnenlicht des Außen, kann er nicht ohne weiteres in die Höhle zurück: Er kann sich sich die Welt nie mehr als nur aus Schatten bestehend, denken.

Siehe auch Martin Eden – die negative Seite des Erkennens

Ende der Erkenntnis. Oder kommen wir von einer Höhle in die nächste?

Aus spirealistischer Sicht gibt es hier folgenden Aspekt. Das Denken ist mit einem Erkenntnisschritt in eine neue Realität getreten, aber es kann nach Verständnis des Spirealismus nicht „die Realität“ sein. Nicht die eine Realität, die einzige, die endgültige Realität – es gibt sie aus spirealistischer Sicht nicht.

Somit ist das Gleichnis der Höhle unvollkommen, denn aus dem Sonnenlicht des Gleichnisses kann man nicht in ein weiteres Sonnenlicht treten – das ist schwer vorstellbar. Doch genau das ist die Auffassung des Spirealismus – es gibt kein Ende der Erkenntnis. Insofern komme ich einmal mehr auf das Grundthema dieses Blogs zurück: die fehlende Objektivität.

Wir haben in nichts, nicht einmal dem kleinsten Begriff, Objektivität erlangt – und können das auch nicht. Denn es gibt kein Ende der Information zu irgendeinem Objekt. Wir können zu dem winzigsten Gegenstand immer weiterführende Überlegungen anstellen (und tun das auch), immer weiterführende Erkenntnisse erlangen, und kommen nie zu einem Ende. Eine Monade im eigentlichen Sinn, als äußerliches Objekt, gibt es nicht. Was also könnte ein endgültiges Erkennen sein? 

Erkenntnis – was ist das? Die Chance und der Preis des Erkennens. was last modified: Januar 14th, 2016 by Henrik Geyer

Wissenschaft und Glaube, Spiritualität und Erkenntnis

Wissenschaft und Glaube, Spiritualität und Erkenntnis

Wissenschaft und Glaube, Glaube und Wissenschaft. Sind sie wie Feuer und Wasser? Ist Spirituelle Erkenntnis gleichzusetzen mit wissenschaftlicher Erkenntnis ..? Und ist Spiritualität eine Art Spinnerei?

Die Wissenschaft scheint mit spirituellem Denken wenig am Hut zu haben, umgekehrt fragt Spiritualität wenig nach den Resultaten der Wissenschaft als Quelle für eigenes Denken.

Das könnte sich ändern.

die Wissenschaft erfordert Glauben

Häufig genug kommt es zum Streit zwischen Wissenschaft und Glaube, genauer zwischen Wissenschaftlern und Vertretern spiritueller Denkrichtungen.

Tenor: die Wissenschaft arbeitet daran, jedes auch noch so entfernte Phänomen zu erklären, detaillierte Begründungen für alles zu finden, während es sich die Religion einfach macht: Gott sei der Schöpfer von allem, Punkt.

 

Beispielsweise erläutert Wissenschaftler Lawrence Krauss in Vorträgen die neuesten Erkenntnisse der Astrophysik, nicht ohne dabei Seitenhiebe in Richtung Religion einzustreuen. Er bezieht sich in seiner Kritik beispielsweise auf den Kreationismus, also die (biblische) Vorstellung einer absichtsvollen Schöpfung der Welt durch Gott. Die Wahrheit sei vielmehr, so sagt (nicht nur) er, die Erschaffung der Materie im Urknall vor 14 Milliarden Jahren.

Dabei verkennt man (wieder nicht nur er), dass zum Beispiel großer Streit darüber herrscht, warum genau der erste Weltkrieg ausgebrochen ist. Oder die Frage – was genau war gestern eigentlich?

Ist es nun vielleicht kein Glaube, zu sagen, man wüsste, was vor 14 Milliarden Jahren geschah? Müsste man nicht mindestens dazu sagen, dass die Annahme, damals fand ein Urknall statt, nur dann stimmen kann, wenn alle anderen Aussagen, die wir über das Universum machen, ebenso stimmen – und zwar genauestens und endgültig.

Aber können wir das?

Viel wahrscheinlicher ist, dass sich unser Denken, was das Universum ist und wie es sich beschreiben lässt, kurz gesagt unser wissenschaftliches Wissen, in hundert Jahren ganz anders darstellen wird als heute. So war es schon immer. Das Wissen der Menschen ändert sich, und damit das, was sie in einem Moment als die „endgültige Wahrheit“ ansehen.

Kausalität in der Entwicklung des Wissens

Wird das Wissen in hundert Jahren als eine geradlinige Entwicklung des Wissens aus dem Jetzt entstehen – gibt es in der Entwicklung des Wissens absolute Folgerichtigkeit?

Nur wenn man das so sieht, könnte man die Entwicklung des Wissens als eine (Weiter)Entwicklung hin zu einem letzten Punkt der Erkenntnis verstehen. Was wiederum bedeuten würde, wir näherten uns einer letzten Wahrheit an, und wären, wenn auch noch nicht dort, so doch schon in der Nähe – und nähern uns immer mehr.

Wenn aber die Entwicklung des Wissens Zufällen unterliegt, keinen letzten Endpunkt hat, dann ist unser Wissen, wie wir es heute sehen, eine Möglichkeit, keine Notwendigkeit.

Somit wäre es auch einigermaßen willkürlich, zwischen absolut notwendigem, weil eindeutig-folgerichtigem Wissen zu unterscheiden, und andererseits nicht notwendigem, dummen Glauben.

Letztendlich dürfte man die Wissenschaft ebenfalls als eine Art (sehr verfestigten) Glauben sehen.

Glaube ist Wissen(schaft)

Religiöser Glaube muss für den Gläubigen ein unwiderlegbares Wissen sein muss, sonst hätte es für diesen keinerlei Wert, keine Kraft der Realisierung.

Das wäre ähnlich, als würde der Materialist eigentlich nicht richtig an die Existenz des Atoms glauben.

Und nehmen wir auch zur Kenntnis, dass das, was wir heute als Glauben oder Aberglauben bezeichnen, als Wissen(schaft) entstand. So bezeichnet man die Astrologie als die Wiege der Wissenschaft, denn sie betrieb die Himmelsbeobachtung systematisch und analytisch. Die Denkvoraussetzung war dabei, dass das, was uns erschafft, größer ist, als wir selbst (die Götter). Und das ist auch heute noch die Hauptunterscheidung zwischen spirituellen Denkrichtungen und der materialistischen Wissenschaft. Die materialistische Wissenschaft negiert die Existenz von Göttern. Dabei heißt doch ihr eigener, alles erschaffender Gott, „Materie“! Mit Gott meine ich hier eine selbst nicht erklärbare Kraft und Existenz, deren Sein alles andere Sein erschafft. Das Ende der logischen Kausal-Kette, hin zum ontologischen Prinzip einer Weltanschauung.

Ähnliches Thema: Beitrag Was war eher da – Ei oder Henne? Was besagt dieses Paradox?

Weil er fein unterscheidet zwischen Materie dort und Geist hier, glaubt der Materialist, anders als der Spirituelle, die Schöpfung zu beobachten (wie Gott)  – der „alles widerspiegelnde Geist“ des materialistischen Weltbildes scheint der Materie übergeordnet.

Unser Wissen im Jetzt – eine Frage der Zeit

Die Schlüsse der Astrologie waren für die Zeit, in der sie entstand, richtig und auf der Höhe der Weisheit. Sie war maßgeblich für die sich aus ihr später entwickelnden Naturwissenschaften. Zu sagen, solche veralteten Wissenschaften seien dummer Aberglaube – das Wissen des Jetzt hingegen Ausdruck einer unübertrefflichen Weisheit („objektive Wahrheit“), das ist selbst Aberglaube und Überheblichkeit.

Wissenschaft und Glaube – die spirealistische Sichtweise

Spirealismus sieht Existenz als einen Informationsprozess, der jede Art von Realität hervorbringen kann. Auch die des materialistischen Denkens natürlich.

Einen fundamentalen Widerspruch zwischen Wissenschaft und Glaube sieht der Spirealismus nicht.

Den eigentlichen Pferdefuß des ansonsten völlig berechtigten Wissenschaftsdenkens sieht der Spirealismus in der Verabsolutierung des Materialismus als „objektiv nicht anders denkbare Wahrheit“. Als Weltanschauung formuliert, hält der Materialismus letztlich nur sich selbst für möglich und wahr – und das ist falsch.

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Wissenschaft und Glaube, Spiritualität und Erkenntnis was last modified: März 5th, 2016 by Henrik Geyer