Verloren wie Tränen im Regen

Liebe zum Leben … Der Cyborg Batty liebt sein Leben, aber plötzlich auch das Deckerts, seines Feindes. Er begreift Deckert als eine Variante seiner selbst. Der Cyborg erkennt das Gemeinsame von Mensch und Maschine, dort, wo der Mensch diese Gemeinsamkeit nicht zu sehen vermag. Und er hat Mitleid mit dem Leben, mit der Erinnerung. Er schätzt das, von dem er weiß, dass er es verlieren wird.rr [SPID 1166]

Was wir nicht wertschätzen, das verlieren wir. Das ist ein alter taoistischer Grundsatz. Und oft lernen wir erst wertzuschätzen, wenn wir verlieren …

Neulich, beim Joggen, nahm ich eine Weinberg-Schnecke vom Weg auf und warf sie ins Gras. Wie automatisch – ich wunderte mich selbst. Hat das Sinn? Ist sie nun vor irgendetwas gerettet? Früher hätte ich es nicht getan. Vielleicht ist das ein Zeichen, dass man das Leben wertschätzt. Ich erinnerte mich an den Film Blade Runner, den ich vor vielen Jahren gesehen habe, und seitdem noch oft. Es gibt darin eine magische Szene, an die ich denken musste. Der Moment, in dem ausgerechnet künstliches Leben … Wertschätzung für das Leben lehrt.

Es geht um Leben und Tod

Der Blade Runner (gespielt von Harrison Ford) ist ein abenteuerlicher Kerl – er ist Privatdetektiv, sein Job ist es, entflohene Cyborgs einzufangen. Diese entziehen sich in der Zukunftswelt des Films regelmäßig ihrer planmäßigen „Stilllegung“, man könnte auch sagen: dem Tod.

Blade Runner – das kann Klingenläufer bedeuten, was auf das hohe Risiko hindeutet, das der Detektiv einzugehen hat. Oder es bedeutet Klingen-(Aus-)Lieferer, im Sinne von Killer.

Denn ein Killer im eigentlichen Sinn ist dieser Detektive namens Deckert, allerdings nur, wenn man das Sein dieser Roboter als Leben begreift. Begreift man es als maschinenhaftes Funktionieren, dann ist die Tätigkeit des Detektives lediglich ein Ausschalten. Und darum dreht sich der Film auch. Es ist die Frage: Was ist Leben? Was ist lebenswertes Leben? Was ist schützenswertes Leben? Sind die künstlich in die Roboter implementierten Erinnerungen an Familie, Freunde, Urlaube, nicht letztlich Erinnerungen wie alle anderen auch? Was unterscheidet künstliches Denken von natürlichem?

Showdown im Regen

Nachdem der Blade Runner einige dieser Roboter „erledigt“ hat, kommt es zum Showdown, und zum Kampf auf Leben und Tod zwischen ihm und einem Cyborg namens Roy Batty – dem letzten der kleinen Gruppe, gleichzeitig dem stärksten und gerissensten.

Deckert hat keine Chance gegen den Cyborg, schließlich hängt er über einem Abgrund und droht abzustürzen.

Doch der Maschinenmensch erweist sich als „menschlich“, er hat Mitleid und rettet Deckert. Damit erteilt er Deckert eine Lehre, die diesem zeigen könnte, dass Leben Bewusstsein ist, dass Leben Erinnerung ist und dass die Cyborgs keine mechanischen Puppen sind, sondern fühlende Wesen mit eigenem Bewußtsein. Das zu entdecken hatte Deckert im Film einige Male Gelegenheit. Doch scheinbar wollte er es nicht wissen, durfte es nicht denken – die Erfüllung seines Jobs erfordert eine ganz bestimmte Sichtweise …

Nun rettet der Cyborg Roy Batty dem Blade Runner, der ihm nach dem Leben trachtete, das Leben. Doch er selbst muss sterben, sein auf Vergänglichkeit programmiertes Bewusstsein ist abgelaufen. Seine letzten Worte sind eine Erinnerung an Phänomene, die er weit draußen im Weltall, in den außerirdischen Kolonien, sah. Sie sind dem Zuschauer rätselhaft …

„Ich habe C-Beams gesehen, glitzernd im Dunkeln, nahe dem Tannhäuser Tor. All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen.

Zeit zu sterben.“

Erinnerungen in der Zeit – verloren wie Tränen im Regen

Im Zeitpunkt des Todes versteht der Cyborg den Wert des Lebens, so, wie es wohl auch die Menschen zum Zeitpunkt des Todes am besten verstehen. Das Leben ist Erinnerung und mit dem Leben gehen die Erinnerungen verloren. Im riesigen Strom der Zeit sind alle Erinnerungen, so bedeutsam sie scheinen mögen, belanglos wie Regentropfen im Regen, und doch bedeuten sie dem, der sie hat, viel. So wie Tränen, die sich ununterscheidbar in den Regen mischen.

Und so schätzt Batty sein Leben, aber auch das Deckerts, seines Feindes. Er begreift Deckert als eine Variante seiner selbst. Der Cyborg erkennt das Gemeinsame von Mensch und Maschine, dort, wo der Mensch diese Gemeinsamkeit nicht zu sehen vermag. Und er hat Mitleid mit dem Leben, mit der Erinnerung. Er schätzt das, von dem er weiß, dass er es verlieren wird.
Siehe auch: Artikel Glück: Mir fehlt kein Pfennig zum Glück

Siehe auch: Sind wir vorbestimmt oder frei?

Lesen Sie auch: Beitrag Macht der Gedanken

Verloren wie Tränen im Regen was last modified: Juli 2nd, 2016 by Henrik Geyer

Beweisbarkeit des Spirealismus

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Beweisbarkeit des Spirealismus: Eins plus Eins gleich Zwei... aber was ist Eins?

Wie läßt sich der Spirealismus beweisen? Wenn der Spirealismus aussagt, dass die Realität in den Gedanken liegt, ist seine Beweisbarkeit dann eine Frage der Phantasie?

fehlende Objektivität

Man muss sagen: Genau so ist es!

Das leitet sich bereits aus dem über Objektivität Gesagten ab.

Einerseits habe ich häufig dargelegt, warum es keine Objektivität gibt, wie das gemeint ist, woran man es sehen kann, etc.. Andererseits bedeutet das natürlich auch (und es hat mir selbst lange Kopfzerbrechen bereitet), dass der Spirealismus selbst nicht objektiv sein kann.

Eine Weile dachte ich so: Fehlende Objektivität ist die einzige IMMER feststellbare Tatsache – und somit dem am allernächsten, was man objektiv nennen könnte. Doch, nein, die ehrliche Antwort ist: Nicht existierende Objektivität läßt sich auch nicht objektiv beweisen!

Wie schwer es fällt, diese Denkhürde zu überwinden beweist jedoch, wie sehr unsere Vorstellungen auch Denkgrenzen sind.

Lesen Sie auch: objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität?

eine Frage der Phantasie

Wenn man nun in dieser Welt (spirealistisch: in diesen Welten) keine Objektivität finden kann, dann bedeutet das, dass die Dinge, so wie sie uns vor Augen stehen, als Vorstellungen in die Welt(en) kommen.

Spruchbild: Nicht "unser" Denken im Gehirn erzeugt Realität - das Denken geht nicht von unserem Gehirn aus, sondern umschließt und erschafft uns. Ebenso wenig erzeugt eine Quelle Wasser. In einer Quelle tritt Wasser nur zu Tage.(Aus spirealistischer Sicht sind dies allerdings Vorstellungen eines kollektiven Bewusstseins, eines panpsychischen Bewußtseins sozusagen. Nicht so, wie wir uns Bewußtsein gemeinhin vorstellen, als nur im Menschen zu verorten, nur der Mensch erbringe den Beweis für Bewußtsein und zwar durch „sein“ Bewußtsein, u.s.w.).

 

 

Dass die Phantasie hier die entscheidende Instanz eines Beweises ist, will ich wie folgt illustrieren:

Seit Jahrtausenden gibt es in der Philosophie Überlegungen, die die spirealistischen Thesen stützen, und die ich daher in verschiedensten Beiträgen zitierte. Diesmal erinnere ich an den bekannten Ausspruch des Heraklit

Alles fließt.

oder auch (ebenfalls von Heraklit)

Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Dies bereits mag ein wenig schwierig sein, sich vorzustellen, aber es ist eigentlich logisch: Wer zu zwei verschiedenen Zeitpunkten in den Fluss steigt, findet nicht denselben Fluss vor, sondern eigentlich zwei verschiedene. Der Stoff des Flusses hat sich sowohl in seiner Identität (der Stoff: das Wasser) gewandelt, wie auch in der Zusammensetzung, der Menge, etc..

Man mag nun denken: Der Fluss ist ein Sonderfall – das flüssig-flüchtige Element Wasser, aus dem er besteht, ist nicht in den (festen) Dingen. Doch, was für den Fluss gilt, muss man sich nun für alle Dinge denken, so verlangt Heraklit, denn alles fließt.

Warum sagt er das? Weil, was für den Fluss zutrifft, der ja im Grunde eine ganz alltägliche Erscheinung ist, nicht in seinem Wesen völlig verschieden sein kann, von allem anderen. Nein, in einem Kontinuum der Wahrnehmungen ist der Fluss eine Erscheinung, die sich nur graduell unterscheidet, nicht jedoch wesenhaft. Dies ist übrigens auch exakt die Aussage vieler Teilchenphysiker der Moderne, die sich mit dem Wesen der Materie beschäftigen.

Nun kann man aber – auch das gibt es bereits seit Jahrtausenden – konsequenterweise weiter sagen:

Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen.

Dies ergibt sich als logische Konsequenz, wenn man versteht, dass Wissen Erinnerung ist (Platon), und dass, wenn man einen Fluss sieht, und ihn bereits in einem zweiten Gedanken ergründen will, seinem Wesen auf die Spur kommen will, dieser Fluss bereits im zweiten Moment verändert ist – es gilt also auch hier das bereits Gesagte: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Heraklit … Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen.

Das wiederum ist identisch mit der spirealistischen Sichtweise des fehlenden Objektiven … es gibt kein Ding, das ein eigenes, vom Denken unabhängiges Wesen hätte, es gibt kein unabhängiges Außen, das wir beobachten. Sondern, die Existenz der Welt(en) IST Denken, IST Relativität, IST Subjektivität – das ist die spirealistische Grundüberzeugung.

 

 

 

Art und Weise des Beweises

Wie also könnte ein Beweis für dieses Denken aussehen?

In der quasi einzig gewünschten Form, in Form des Beweises eines objektiven Tatbestandes, kann er nicht stattfinden, denn das würde die Negation dessen erfordern, was der Spirealismus proklamiert und was ja gerade bewiesen werden soll.

Anders gesagt: Wenn die (weltanschaulichen) Brillen der Ichs dafür verantwortlich sind, was für eine Welt ihnen entsteht, was für sie also „sichtbar“ ist, dann ist für den materialistischen Denker die Geisteswelt des Spirealismus unsichtbar, undenkbar, nicht nachweisbar.

Es bleibt dem Spirealisten nichts anderes übrig, als die Phantasie des Materialisten anzuregen, ihn an Alltagserfahrungen zu gemahnen die seiner materialistischen Grundüberzeugung widersprechen, also die Widersprüche des Materialismus aufzuzeigen, und auf der anderen Seite die Logik, den Nutzen und die letztliche Unabwendbarkeit des Spirealismus aufzuzeigen.

Das ist aber nicht einfach – gerade der Spirealismus in seiner Konsequenz zeigt ja, dass die Welten (welche es auch seien) immer in sich logisch und vollständig wirken müssen, es gibt für sie jeweils kein „fehlendes“ Element, keine Notwendigkeit, eine andere Welt zu erschaffen. Sondern es gibt innerhalb des Materialismus nur die Notwendigkeit den Materialismus weiterzuentwickeln. Ich möchte das mit einem provokativen Beispiel illustrieren – dem Wunderglauben des Mittelalters. Vorausgesetzt man glaubt an die Existenz von Hexen ist die daraus folgende Konsequenz ja nicht, die Existenz von Hexen in Zweifel zu ziehen, sondern die Konsequenz ist, die Auffindbarkeit des Hexenunwesens zu ergründen, die Hexen zu vernichten, etc.. Das bedeutet, der Glaube, jede Vorstellungswelt, auch die des Materialismus, stabilisiert sich selbst. Und das ist es, was wir ja auch tatsächlich stets und ständig sehen.

Die Notwendigkeit des Spirealismus im Heute

… und … gilt das soeben Gesagte nicht auch für den Spirealismus? Stabilisiert er sich dann demzufolge nicht auch selbst?

Doch. Das Gesagte gilt auch für den Spirealismus, der allerdings von vorn herein weniger in festen Begriffen denkt, sondern ja eben gerade die Relativität jedes Begriffes betont. Insofern glaubt der Spirealismus die Welt(en) besser beschreiben zu können und unseren Vorstellungen nützlich zu sein.

Und .. wenn jede Weltvorstellung sich selbst völlig genügt, welche Notwendigkeit und besondere Dringlichkeit besteht dann, in spirealistischen Begriffen zu denken?

Die heutige Zeit sehe ich geprägt durch eine stark entwickelten Materialismus, in dem für Wunderglauben und den Gedanken an etwas „Höheres“ (als den menschlichen Geist) kein Platz zu sein scheint – was die Gegenposition zum Spirealismus ist. Aber auch geprägt durch tausenderlei Widersprüchlichkeiten, beispielsweise aus der häufig von mir ins Feld geführten Teilchenphysik. Weiterhin wird ind er Popkultur zunehmend die Frage gestellt, was überhaupt die Realität ist – man denke an den Film Matrix, aber auch diverse Science Fiction-Romane (auch Filme), beispielsweise von Philip K. Dick. Diese populär werdenden Fragestellungen werden angereichert durch eine jahrtausendelange reiche philosophische Überlegungen … Heraklit, Plato, Kant, Hegel, Schopenhauer, Wittgenstein, Bohr, Einstein, Heisenberg … nun müssten deren Überlegungen „nur noch“ Gegenstand des Alltagsdenkens werden. Und schlussendlich – und vielleicht am wichtigsten – sind es die ganz praktischen Ergebnisse der materialistischen Wissenschaft, die selbst die entscheidenden Fragen immer unvermeidbarer werden lassen: der Computer, die weltweite Vernetzung, die künstliche Intelligenz.

Lesen Sie auch: Beitrag Roboter Mensch. Ist der Mensch ein humanoider Roboter?

Wenn es eine Frage der Nützlichkeit (und nicht einer schlichten Wahrheit) sein sollte: Der Spirealismus hat, richtig verstanden, Nützlichkeit. Und: Er fügt sich in das bestehende Denken nahtlos ein, will z.B. die Wissenschaft nicht etwa überflüssig machen, nur weil er die Wahrheit spirituellen Denkens darlegt – denn er stellt die Relativität der Welt(en) fest, und postuliert ihre jeweilige „Gültigkeit“. Gleichzeitig stellt er keineswegs die Existenz in Frage, auch wenn er die Welt(en) als „gedacht“ bezeichnet. Jedoch hat der Spirealismus einen eigenen Existenzbegriff, der von dem des Materialismus abweicht.

Der Beweis …

… ist also keine nachrechenbare Formel, das kann es nicht sein. Auch (verständlicherweise) kein: „Seht, dort ist das Nichts!“

Sondern es ist ein Aufzeigen stets und ständig vorhandener unendlicher anderer Denkmöglichkeiten, als sie gerade im öffentlichen (supersubjektiven) oder individuellen Bewusstsein vorherrschen. Es ist ein Denken in Metaphern, in Symbolen, ein Quer- und Andersdenken, und ein Aufzeigen von dessen Wahrheit.

 

Lesen Sie auch: Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Ähnliches Thema: Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität

Siehe auch: Artikel merkwürdig! Merkwürdigkeiten des Alltags

Weiterlesen: Artikel Die Zahl Vier – Symbol für die ganze Welt

Beweisbarkeit des Spirealismus was last modified: Mai 20th, 2016 by Henrik Geyer

Vegetarier sein – wozu?

vegetarier werden

Vegetarier sein … sollte man. Warum eigentlich? Was mich dazu treibt, Vegetarier sein zu wollen.

Wie es kam

Als Junge hatte ich, wie wohl alle Kinder, das Gefühl, dass die Tiere von den Menschen ausgenutzt und gequält werden. Dieses Gefühl verflüchtigte sich allmählich, denn soundso viele Ältere erklärten, begründeten, sagten, es sei nicht so.

Ich wurde Fleischesser, wie alle. Der beste Steakfreund, häufig haben wir gegrillt. Kann daran etwas Verwerfliches sein – das machen doch alle so? Ist es nicht der natürliche Lauf der Dinge, sind dafür denn die Tiere nicht da?

eine Umstellung im Leben

Durch einen persönlichen Schicksalsschlag, der auch der Ausgangspunkt für mein Schreiben war, verstand ich irgendwann, dass der Mensch vom Bewusstsein eigentlich recht wenig versteht. Wie wenig, ist ihm eben nicht bewusst. Dass er glaubt, viel davon zu verstehen, ist bereits Teil des Problems.

Jedenfalls wurde mir zu diesem Zeitpunkt auch klar, dass alles das, was der Mensch über das tierische Bewusstsein zu sagen hat, meistenteils Unsinn sein muss.

Kindermund

Insofern nahm ich nun mit einer höheren Bereitwilligkeit auf (als ich es wohl vorher getan hätte), was auch unsere Kinder davon anfingen: Tiere zu essen sei eigentlich nicht moralisch. Die Kinder waren auch eher bereit, aus diesem, von ihnen erkannten Missstand, Konsequenzen zu ziehen. Sie wollten kein Fleisch essen, wollten Vegetarier sein. Keine Wurst, kein Steak, keine Buletten. Mit Erstaunen nahm ich zur Kenntnis, wie einfach das offenbar ist, dass man seine Überzeugung zur Tat werden lässt.

Und es war auch erstaunlich, dass die einfache Wahrheit meiner Jugend, in späteren Jahren und mit neuen Einsichten, zu mir zurückkommt. Kann der direkte und einfache Gedanke manchmal auch der wahre sein?

Weil ich nun besser verstand, was meine Kinder meinten, aber auch, weil es einfacher ist, den Kindern nachzugeben als mit ihnen herumzustreiten, haben wir seitdem weniger und weniger Fleisch gegessen. Es gibt so vieles, was ebenfalls ganz wunderbar schmeckt – Fleisch muss eigentlich gar nicht sein! Seitdem wenig davon im Haus ist, essen wir größtenteils einfach keins – und das ist völlig ok.

Vegetarier sein geht also, im Prinzip. Und es ist wahrscheinlich sogar die gesündere Lebensart. Eigentlich ist doch klar, dass diese Überfülle der heutigen Zeit, auch die Überfülle der Fleischtheke, völlig unnatürlich ist, und sicher auch ungesund.

Vegetarier werden, aus Überzeugung

Ich habe inzwischen vieles gelesen und gehört, dass mich zu der Überzeugung bringt: Wir wissen nicht, was wir tun.

Unsere Überzeugungen, die Tiere könnten „nur“ dies oder jenes denken, stimmen nicht. Solche (Ab)Wertungen sind ja scheinbar immer schnell bei der Hand, wenn das Gewissen beruhigt werden soll. Im Dritten Reich waren es die Juden, die angeblich nicht wert waren … und so weiter. Was mit ihnen geschah, war angeblich egal – kümmere dich nicht drum! Das millionenfache Leid ist nicht überliefert, die schrecklichen Höllen … nur manchmal, aus den Erzählungen weniger Überlebender, ist es  nachvollziehbar.

Was ist nun mit unseren stummen Mitlebewesen? Von ihnen hört man keine Klage, sie haben keine Lobby, sie haben keine Rechtsvertretung. Heißt das, sie leiden nicht?

Für mich nicht. Für mich ist, was mit ihnen geschieht, eine der vielen Höllen, die die Menschen in der Lage sind, zu bereiten. Und die Menschen sind dabei völlig unschuldig, denken sich nichts dabei! Wichtig ist dem Menschen nur sein eigenes Leid.

Ich habe niemals an diese Millionen von still und geduldig ertragenen Leiden denken können, ohne von ihnen bedrückt zu werden. Wenn der Mensch so viel Leiden schafft, welches Recht hat er dann, sich zu beklagen, wenn er selbst leidet?

Romain Rolland

Siehe auch: Artikel Apokalypse – Offenbarung. Der ewige Kreislauf der unschuldigen Sünde

Temple Grandin

Temple Grandin ist eine Bücher-schreibende Ingenieurin, die sich auf die Konzeption von Schlachthöfen spezialisiert hat, und insofern als Autorität gilt. Sie ist übrigens Autistin und sagt selbst, dass sie ein besseres Verständnis für die Tierpsyche habe, als der „Normalmensch“, was ihr wiederum bei ihrer Ingenieur-Arbeit zugute kommt.

Sie schildert in einem ihrer Bücher, wie Rinder geschlachtet werden (zumindest bevor Grandin in den Schlachthöfen für ein Mindestmaß an Menschlichkeit/Tierischkeit sorgt). Die Rinder werden bei lebendigem Leib an den Hinterläufen aufgehängt, damit man ihnen am Fließband die Kehle durchschneiden kann. Die Hinterläufe brechen häufig – aber das spielt in der Fleischproduktion natürlich gar keine Rolle. Time is money, is ja am Ende eh Wurscht!

Wer Tiere quält, ist unbeseelt und Gottes guter Geist ihm fehlt. Mag noch so vornehm drein er schaun, man sollte niemals ihm vertraun.
Johann Wolfgang von Goethe

Was in der Fleischproduktion geschieht, weiß kein Mensch, denn die Menschen wissen sich und ihren Geist zu schützen: sie wollen es gar nicht wissen.

Als ich das las, war es mir abstoßend – man weiß ja insgeheim, dass es stimmt! Man überlegt sich einfach dreimal, ob man so etwas unterstützen will, indem man weiterhin Fleisch „genießt“, oder ob man nicht lieber Vegetarier werden will. So war es jedenfalls bei mir. Mein Vegetarier-Sein ist nicht vollständig, ist nicht perfekt. Es ist aber immerhin ganz anders als vorher, als ich bedenkenlos „genoss“. Der Gedanke daran, was hinter den Kulissen abläuft, nimmt den Appetit. Das rettet vielleicht nicht gerade die Welt. Aber man möchte an einem bedenkenlosen, kaputten System, so wenig wie möglich Teil haben. Ich denke, auch das nützt etwas – auch wenn es nicht viel ist.

Wie wichtig ist es doch, sich bei Delikatessen und ähnlichen Speisen vorzustellen, dass dieses die Leiche eines Fischs, jenes die Leiche eines Vogels oder Schweines ist, ebenso, dass der Falerner der Saft einer Traube ist und das Purpurgewand die Wolle eines Schafes mit Blut einer Muschel benetzt.
Mark Aurel

 

 

Lesen Sie auch: Ist der Mensch die Krankheit der Welt? Zerstörung der Erde – Heilung der Erde.

Ähnliches Thema: Spirituelles Erwachen – Chance für die Menschheit

Ähnliches Thema: Kann der Mensch etwas NICHT wissen? Unwissenheit.

 

 

 

Vegetarier sein – wozu? was last modified: Mai 24th, 2016 by Henrik Geyer

Weltall – All – Alles. Was ist alles? Das Weltall als Vorstellung

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Thema Weltall Zum individuellen All gehört die Tasse auf dem Tisch ebenso, wie die entferntesten Sterne. Was das Bewusstsein kennt, ist immer verschieden - daher ist jedes All verschieden von jedem anderen.

Wenn in der Philosophie von „den Dingen“ die Rede ist, dann geht es nicht nur um die Kaffeetasse vor uns auf dem Tisch. Um die geht es auch. Es geht um das Wesen aller Dinge. Also ebenso gut um die Planeten, die Sterne, die Universen. Es geht um alles. Es geht um das All. Was ist das Weltall?

Die Welt und das Welt-All

Die Welt und das All sind Synonyme. Die ganze Welt – das ist auch das All.

Wenn man also sagt: „Weltall„, dann kann dieser Begriff nicht umfassender gemeint sein.

Das Weltall ist einfach alles, was man sich nur vorstellen kann.

… was man sich vorstellen kann, oder alles was es gibt? Gibt es alles, was man sich vorstellen kann? Kann man sich alles vorstellen, was es gibt?

Weltall=Universum

Das Wort „Universum“ drückt dasselbe wie „All“ aus. Es ist universell jeder Gegenstand damit beschrieben, den es geben kann. Jeder Begriff.

Ich-Universen

Auf diesem Blog wird der Spirealismus erläutert.

Der Spirealismus hat zum Verhältnis Geist/Materie folgende Überlegung: Wenn meine Gedanken über die „Dinge“ alles ist, was ich über die Dinge weiß, dann ist mein Gedanke an die Dinge nichts anderes, als die Dinge selbst.

Mag man auch umformulieren: „nichts anders, als man je über die Dinge wissen kann..“ (so als wäre damit irgendwie gesagt oder bewiesen, die Dinge gäbe es noch einmal extra von den Gedanken) – es läuft auf dasselbe hinaus. Was die Gedanken von den Dingen mitteilen ist alles, was darüber zu sagen ist.

(Das widerspricht auf merkwürdig-unerklärliche Art dem materialistischen Weltbild, das ja voaussetzt, die Dinge wären noch einmal etwas anderes, als die Gedanken an sie.)

Zum Weltall hat der Spirealismus eine ähnliche Überlegung. „Alles“, also mein Weltall, kann mir nur das sein, was ich in meinem Geist bewege. Etwas, das ich nicht in meinem Geist bewege, ist auch nicht Teil meines Weltalls.

Das Große und das Kleine

Zum individuellen Weltall gehört die Tasse auf meinem Tisch ebenso, wie die entferntesten Sterne. Es geht nicht darum, zwischen groß und klein zu unterscheiden, sondern es geht um Bewusstsein. Alles was im Bewusstsein auftaucht, ist auch Teil des individuellen Weltalls.

Dieser Satz erscheint weniger trivial, wenn man sich vor Augen führt, dass man über all jenes, was man nicht weiß, was nicht Teil des eigenen Ich-Universums ist, auch keine Aussage machen kann.

Siehe auch Artikel zum Thema:  ‚Was ist das Nichts? als Grundfrage der Philosophie.‘

Spireo Spiritualität Die Sterne fuerchten sich - Lebensweisheit Spruchbild: Die Sterne fürchten sich nicht, wie Leuchtkäfer zu erscheinen. Rabindranath Tagore
Die Sterne fürchten sich nicht, wie Leuchtkäfer zu erscheinen.
Rabindranath Tagore

Jedes Weltall ist unterschiedlich

Damit ist auch gesagt, dass jedes Weltall unterschiedlich ist. Denn das, was ein Mensch in seinem Geist bewegt ist mit Notwendigkeit anders als das, was ein anderer in seinem Geist bewegt. Die Universen, als Summe der Dinge darin, sind notwendigerweise verschieden.

Daher spricht der Spirealismus nicht von dem einen und einzigen „Weltall“, sondern vom Weltall des individuellen Begreifens. Konkret von Ich-Universen. Wenn das Ich von einem Universum redet, kann es nur das Universum der persönlichen Begreifens sein. Nichts anderes. 

Siehe auch: Beitrag ‚Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt‘

Das Weltall und das Nichts

Es bleibt noch darauf hinzuweisen, dass „Alles“ ein dem Menschen ebenso unbegreiflicher Begriff ist, wie das Nichts.

Es ist dem Menschen (materialistischer Denkart) zwar Gewohnheit, das Nichts als ETWAS anzusehen, das nicht da ist, logisch ist das aber nicht. Das Nichts ist nicht beschreibbar, da sich über etwas, das man nicht weiß, keine Aussage machen lässt. Dies ist nicht zuletzt eine Aussage des antiken Philosophen Plato.

Ebenso unbegreiflich ist der materialistischen Denkart das „Alles“. Die Vorstellung von Alles, Weltall und Universum, verbindet sich nicht umsonst mit dem Begriff „Unendlichkeit“.

Lesen Sie auch:  ‚Das Unendliche. Was ist unendlich?‘

 

 

 

 

 

 

 

Weltall – All – Alles. Was ist alles? Das Weltall als Vorstellung was last modified: März 10th, 2016 by Henrik Geyer

Die Entstehung der Realität – Bewusstsein erschafft Realität

Die Entstehung der Realität - Bewusstsein erschafft Realität?

Der Materialist weiß, dass die Entstehung der Realität nichts mit dem Bewusstsein zu tun hat. Denn sein Inbegriff von Realität ist ihm ja gerade NICHT Bewusstsein. Sondern das Außen, die Materie – DAS sei die eigentliche Realität. In diesem Beitrag geht es um die Die Entstehung der Realität, und was unser Denken, was unsere Worte, damit zu tun haben. Wenn auf diesem Blog manchmal Worte diskutiert werden, wie das Nichts, oder das Unbewusste, oder das Undenkbare, dann fragt sich so mancher, welche Relevanz das haben soll. Wie kommt jemand, wie kommen Philosophen überhaupt, darauf, die Realität an Worten festmachen zu wollen?

Ich möchte zeigen, dass die Worte, die wir verwenden, eine bestimmte Vorstellung in uns hervorrufen. Und unsere Vorstellungen VON der Realität, und die Realität selbst, sind eins.

Die Entstehung der Realität – in Gedanken und in Worten

Ich schrieb am Anfang: der Materialist weiß, dass die Entstehung der Realität nichts mit Bewusstsein zu tun hat. Woher weiß er das? Es ist einfach seine erlernte Überzeugung. Eine andere Begründung gibt es nicht. Wie ich, und viele vor mir, feststellte (und in meinen Büchern und Beiträgen begründe), lässt sich die Realität letztlich nicht an unabänderlichen Fakten festmachen. Es gibt keine Objektivität. Ebenso wenig und aus demselben Grund lässt sich das Nicht-mehr-weiter-Spaltbare in der Physik finden.

Wenn der Philosoph über die Dinge in der Welt nachdenkt, was sie IM WESEN ausmacht, dann geht es immer um Worte. Warum? Weil wir zwangsläufig mit Worten operieren müssen, wenn wir die Realität denken. Man könnte auch sagen, über die Realität lässt sich nur in Gedanken nachdenken – und die Gedanken drücken wir in Worten aus.

Unser Denken steckt in einem allgemeinen Sinn bereits in den Worten selbst. Dass wir über die Realität nachdenken, das ist materialistisch gedacht. Der Spirealist würde sagen: wir denken die Realität.

Jeder hat ein eigenes Stückchen Realität in sich

Für den Materialisten aber gibt es nur die (eine) Realität – die ist im Außen, und über die müssen alle nachdenken. Doch so ist es nicht. Jeder hat ein ein Stückchen dessen im Kopf, was uns schließlich wie „die Realität“ erscheint. Und jedes Stückchen ist einzigartig.

Einzigartig? Ja! Denken wir einmal an das, was man versteht, wenn man ein Wort hört. Worte sind stellvertretend für das, was wir denken. Ich nenne es auch unsere „Begriffe“, also das, was wir begreifen. Nur so herum gesehen versteht man, dass ein Wort nicht zwangsläufig ein bestimmtes Bild in jedem Kopf entstehen lässt. Es ist ganz anders. Die Begriffe sind IMMER im Detail verschieden. Das ist interessant – weil der Materialist doch annimmt, Worte seien ein gutes Mittel, um die EINE Realität, die im Außen vorhanden sei, zu BESCHREIBEN. Anders herum gedacht, so wie ich es formulierte, klingt es hingegen, als dienten Worte dazu, Realität ENTSTEHEN zu lassen.

Und genau darum geht es mir auch. Dies ist meine Grundüberzeugung, die ich in meiner Philosophie, dem Spirealismus, formuliere. Sie geht davon aus, dass wir abseits dessen, was wir denken, nichts formulieren können – anders gesagt: das Denken ist unsere Welt. ( Schopenhauer formulierte übrigens ähnlich; er schrieb, die Welt sei eine Vorstellung).

Es erscheint dem Materialisten oft wie  selbstverständlich, die Frage nach der Realität als philosophische „Kuriosität“ zu bezeichnen, oder als „Wortspiel“. Was solle man die Realität schon in Frage stellen – sie existiere eben, und zwar jenseits der Gedanken.

Und nun frage ich immer: was ist dann? Offenbar hat „die Realität“ niemand „richtig“, alle haben nur ihre eigene Vorstellung davon. Was ist sie also, jenseits der Vorstellungen?

 

Damit soll gesagt sein: Die Frage nach der Realität  ist sehr wichtig, es geht um ihre Entstehung. Dies „Wortspiel“ zu nennen, diskreditiert die Frage. Allerdings „nur“ aus materialistischer Sicht. Im Grunde ist der Begriff „Wortspiel“ nicht völlig falsch, weil unsere Realität die Gedanken sind. Mithin ist die Realität auch abhängig von Worten.

Aber unbestreitbar ist doch, dass es nach herkömmlicher Auffassung wohl nichts Wichtigeres gibt, als die Realität. Also sollte man sich auch einmal mit grundlegenden Fragen zu ihr beschäftigen. Wenn die Realität ein Wortspiel ist, dann lohnt es sich, dieses Spiel zu spielen – und darüber nachzudenken.

Bewusstsein erschafft die Realität – denken wir uns die Welt aus?

Nun könnte man auf den Gedanken kommen, dass Bewusstsein die Realität sozusagen „erfindet“. Das wird mir manchmal als Gegenargument präsentiert – das könne ja wohl nicht sein. Und man muss sagen: Das ist auch tatsächlich schwer zu denken, wenn man auf dem materialistischen Weltbild aufbaut, denn es kollidiert (wieder!) mit dessen Grundüberzeugung – der Mensch würde eine äußerliche Realität „abbilden“.  Diese Vorstellung verbindet sich mit willenhaftem Nachgrübeln und „Erfinden“.

Meine Antwort darauf ist: Erstens kann man sich seine Welt tatsächlich herbeidenken, und jeder tut es bereits. Dass die meisten dennoch glauben, selbst der Hort und das Zentrum der einen Realität zu sein, das sich also nahezu jeder gern als „Realisten“ bezeichnet, das ist eine ganz andere Frage.

Aber zweitens ist die Entstehung der Realität durch „freies Herbeidenken“ oder „Ausdenken“ offenbar begrenzt. Aber die Annahme, dass das denken völlig frei sei, ist ja auch wiederum mit der materialistischen Vorstellungswelt verbunden (ein freier Geist beobachtet die Materie). Der Spirealismus hingegen, dessen Grundüberlegung ist: „Die Gedanken sind die Realität“ sieht dagegen aus dieser Grundvoraussetzung die Notwendigkeit vieler Folgerungen entstehen, die dem materialistischen Weltbild völlig widersprechen. Ein Beispiel: es ist unter spirealistischen Gesichtspunkten ganz offensichtlich falsch, von einem „freien Geist“ auszugehen. Allein, wenn man sich fragt: Frei wovon, wenn der Geist doch nichts abbildet, sondern selbst Ausdruck dessen ist, was er nur abzubilden glaubt?

Das Bewusstsein (unser Bewusstsein) selbst wird aus Geist geschaffen, allerdings aus einem Prinzip, das „unserem“ Bewusstsein übergeordnet ist. Das bedeutet, dass die Entstehung der Realität aus „unserem“ Geist so nicht stimmt. Der Geist.. das sind eben nicht (nur) wir einzelnen Menschen – sondern alles ist Geist.

Die Entstehung der Realität – Bewusstsein erschafft Realität was last modified: Dezember 10th, 2015 by Henrik Geyer