Shitstorm Doktor. Wie wichtig ist die Meinung anderer?

Spruchbild Thema Shitstorm: Was gilt noch die Stimme von hundert Millionen Menschen? So viel wie etwa ein historisches Faktum, das man in hundert Geschichtsschreibern findet, dann aber nachweist, daß sie alle einer den andern ausgeschrieben haben, wodurch zuletzt alles auf die Aussage eines Einzigen zurückläuft. Arthur Schopenhauer

Die Meinung anderer macht uns zu schaffen. Wir fühlen Unbehaglichkeit, Schuld, Minderwertigkeit, wenn uns negative Meinungen erreichen. Man denke an Zeitungskritik, einen Shitstorm, Mobbing, etc.. Durch das allgegenwärtige Internet geht es nun viel schneller, dass sich Meinungen verbreiten.

Was passiert bei einem Shitstorm?

Grundsätzlich fühlen wir uns durch eine gleichlautende Meinung anderer bestärkt, selbst im Recht zu sein. So geht es jedem.

So geht es vor allem jedem Internet-User, der gewohnt ist, Meinungen in den sozialen Medien zu hinterlassen. denn hier ist die Bandbreite dessen, was man tun muss, um eine gleiche Meinung zu haben, auf ein Minimum reduziert. Man liked oder disliked einfach. So kann man zu jedem Stuss sehr schnell eine Meinung signalisieren – selbst wenn man sich gar nichts dabei denkt.

Jede Meinung zählt

Jede Meinung zählt für uns, wir können uns dem Sog der Meinungen nicht entziehen. Egal, ob die Meinung, die wir vertreten, berechtigt oder unberechtigt ist, wahr oder falsch, ethisch oder unethisch – je mehr Leute derselben Meinung sind, desto klarer wird für uns: Hier spricht Wahrheit! Und wir werden selbst dazu angeregt, dieser Wahrheit durch noch mehr Postings zum Durchbruch zu verhelfen. Eine Welle baut sich auf. Im positiven Fall eine Welle des Triumphs, nennen wir sie „Flowerstorm“. Im negativen Fall ein Shitstorm.

Aber was bedeutet das, wenn ganz viele sich in einer Sache ganz einig sind, so dass man von dieser Meinung geradezu erdrückt wird? Eigentlich nichts.

Der berühmte Philosoph Arthur Schopenhauer beschrieb das einmal so:

Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da anderes übrig, als daß sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? – Da es so zugeht, was gilt noch die Stimme von hundert Millionen Menschen? – So viel wie etwa ein historisches Faktum, das man in hundert Geschichtsschreibern findet, dann aber nachweist, daß sie alle einer den andern ausgeschrieben haben, wodurch zuletzt alles auf die Aussage eines Einzigen zurückläuft.

die Stimme von hundert Millionen Menschen ist uns zwar ungeheuer wichtig, und doch bedeutet sie nichts

Aber so funktioniert der Mensch nun einmal. Die Meinung anderer ist ihm wichtig. Die kollektiven Denkinhalte sind im Grunde die Denkinhalte des Einzelnen. Der Mensch ist kein genialer Einzeldenker, sondern seine Wahrheiten sind die Wahrheiten eines kollektiven Bewusstseins.

Wir können uns dem nicht entziehen. Nur ein wenig, durch Nicht-zur-Kenntnis-Nehmen.

Der Shitstorm-Doktor rät zur Entkopplung

Und so ist der beste Rat, den man im Fall eines Shitstorms geben kann, ihn nicht zur Kenntnis zu nehmen. Ein Shitstorm kann uns nicht unberührt lassen, wenn wir von ihm lesen, wenn wir argumentieren, wenn wir streiten. Was wir im Geiste zur Kenntnis nehmen, ist auch Teil unserer Welt.

Allerdings kann uns auch ein „Flowerstorm“, der zwangsläufig ein wohliges Glücksgefühl in uns entstehen ließe (egal wie idiotisch das Thema ist, um das es sich handelt), nicht beglücken, wenn wir an dem allgemeinen Anderen-die-Meinung-Sagen gar nicht erst teilnehmen.

Trotzdem ist wohl eine gesunde Zurückhaltung bei all diesen Stürmen das Beste.

Siehe auch Artikel zum Thema : Supersubjektivität

Siehe auch Artikel zum Thema : Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Shitstorm Doktor. Wie wichtig ist die Meinung anderer? was last modified: Februar 21st, 2016 by Henrik Geyer

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