Pascal Voggenhuber: Nicht Heiliger sein, sondern Mensch

Was ist Spiritualität? Fotos der Co-Autoren - Pascal Voggenhuber [SPID 4247]

Lieber Pascal, du bist ein reger und sehr bekannter Protagonist der spirituellen Szene, du bist ein Medium. Das bedeutet, du bist jemand, der eine Verbindung zum Jenseitigen herstellen kann, zu Geistern und Toten. Für dich, das gehört zum Verständnis des eben Gesagten, gibt es ein Leben nach dem Tod.

Du hast eine überaus erfolgreiche Webpräsenz, aber vor allem begeisterst du natürlich deine zahlreichen Anhänger mit Seancen, Lesungen und Bühnen-Veranstaltungen. Mich persönlich beeindruckt deine natürliche und unaffektierte Art.

Du hattest schwierige Zeiten zu überstehen, die dich in der Konsequenz dem Spiritismus (manche sagen auch Spiritualismus) näherbrachten. Ich denke an den lebensbedrohlichen Unfall mit einem Traktorwagen in deiner Kindheit, den du als ein Heraustreten aus deinem Körper beschreibst – ein jenseitiges Erlebnis. Du besuchtest später eine spiritistische Schule in England, warst dort einige Jahre. Spiritismus, das ist die englische Tradition der Geistbeschwörung, der Medien, des Hellsehens, der Séancen, des Kontaktes mit dem Jenseits.

Das Unbegreifliche gibt es – und man kann daher niemals sagen, dies oder jenes könne nicht sein. Dieses Alles-für-möglich-Halten empfinde ich als eine Einstellung der Achtsamkeit und der Achtung dem Höheren, wenn man so will Gott, gegenüber. Diese gedankliche Einstellung ist heute wichtiger denn je, denn unsere materialistische Sichtweise lässt es so scheinen, als sei der Mensch das Herz aller Dinge, gleichsam ein göttlich-unbestechlicher Beobachter einer Welt. Während er, zumindest nach meinem Verständnis, selbst ein Element dessen ist, was er doch nur zu beobachten glaubt. Der Mensch, aus dem heraus sich Dinge materialisieren, kann das Reich Gottes nicht überblicken, sondern er darf in ihm staunen und glücklich sein … er sollte glücklich sein. Die Welt ist voller Wunder, wenn man sie sehen kann, während die Welt dem gewohnt-materialistischen Blick wie völlig erklärbar und erklärt, manchmal sogar eintönig erscheint.

Ich denke, es ist wichtig und es gibt den Menschen ganz viel, wenn in dieser scheinbar so allwissenden Zeit durch dich sympathisch und beredt die allerelementarsten Fragen noch einmal neu und aktuell gestellt werden.

Spireo: Mich interessiert der Aspekt des Todes … Was ist Tod?

Für mich gibt es den Tod so nicht …

Wenn man mit Menschen spricht, und die sagen, man würde sterben, dann sage ich, es gibt wohl einen physischen Tod, der Körper stirbt .. Aber die Seele, das, was wir wirklich sind, das bleibt; oder es lebt weiter. Wenn jemand hier stirbt, dann wird er im Grunde nur verändert, es findet eine Transformation statt, und er wird wiedergeboren in der geistigen Welt.

Und da fragt es sich, auf was sich dieser Begriff des Sterbens bezieht: auf den körperlichen Tod oder den seelischen Tod.

Wir sind laut Wissenschaft zu 100 % reine Energie, und wir wissen ja auch, dass Energie weder auflösbar noch zerstörbar ist, sondern nur veränderbar.

Und das ist auch diese Kontinuität, dieses Weiterbestehen. Der Körper vergeht in dieser Welt, aber in einer anderen, geistigen Welt, existieren wir weiter.

Spireo: Es stimmt, aus biochemischen Formeln lässt sich die Kraft des Lebens nicht ableiten. Das führt man sich nur nicht vor Augen, wenn man das Wort Leben oder Tod beiläufig benutzt, so als sei alles damit gesagt, so als habe man überhaupt verstanden, was es ist.

Für mich verbindet sich mit dem Gedanken an ein Leben nach dem Tod die Frage nach Erinnerung. Es gibt eine Textzeile eines Songs von Eric Clapton, „Tears in Heaven“, in der es heißt: Würdest du meinen Namen kennen, wenn wir uns im Himmel begegneten?

Er fragt sich also: Eine weitere Welt, als die im Jetzt erlebte, würde man nur dann erkennen können, wenn man sich an die jetzt erlebte Welt zurückerinnern könnte. Ohne Erinnerung an eine diesseitige Welt kann man auch keine jenseitige Welt als solche erkennen. Ohne Erinnerung ist der Tod also etwas Endgültiges, so wie er es in unserer Welt zu sein scheint. Im Kontext von Eric Claptons Song heißt das: würde ich einen geliebten Menschen im Jenseits erkennen? Was hingegen kann es uns bedeuten, Menschen wiederzutreffen, wenn wir uns nicht ihres Namens entsinnen könnten?

Daher die Frage aus dem Song an dich als Medium: Würdest du meinen Namen kennen, wenn wir uns im Jenseits begegneten?

Zunächst einmal müssen wir verstehen, dass unsere Existenz oder unsere körperliche Form, in der wir gerade jetzt leben, nicht die einzige ist, sondern dass wir vorher und auch nachher x körperliche Daseinsformen haben. Wir werden nicht ein einziges Mal geboren, sondern wir werden mehrmals geboren.

Ich liebe halt den Bezug zur Quantenphysik. Insofern bin ich vielleicht nicht ganz so esoterisch wie man es vielleicht erwartet. Wir wissen eben auch von der Quantenphysik, dass es Raum und Zeit gar nicht gibt. Deshalb sage ich auch oft zu der Frage der Wiedergeburt, dass es keinen linearen Ablauf für Geburt und Tod gibt. Wir hatten eigentlich keine vergangenen Leben, sondern wir leben im Grunde alles gleichzeitig, jetzt. Aber das kann natürlich das menschliche Gehirn nicht fassen. Das macht das Ganze so komplex.

Auch wenn man Geistführer nach dem Unterschied dieser Welt hier zur geistigen Welt fragt, sagen die sehr oft: wir können das nicht erklären, weil ihr es mit eurem Gehirn verstehen wollt, doch euer Gehirn reicht nicht aus, das zu verstehen. Denn ihr wollt in dieser Zeit-Raum-Ebene verstehen. Wir können mit den Worten „alles ist gleichzeitig“ oder „es gibt keine Zeit und keinen Raum“ wohl etwas anfangen, aber wir können diese Worte nicht verstehen oder nachvollziehen …

 

Link zur Webseite von Pascal

Dieses Gespräch ist Teil des Buches:


Was ist Spiritualität?

Was bedeutet Menschen Spiritualität? Wozu ist sie gut? Wie leben Menschen Spiritualität? Ist Kreativität spirituell? Kann Spiritualität heilen? Was bedeutet Tod?.
Henrik Geyer führte Gespräche mit spirituellen Menschen – mit Stefan Blankertz, Dr. Ruediger Dahlke, Catharina Fleckenstein, Ralf Hillmann, Cristina Holsten, Petra Milkereit, Werner Szendi, Pascal Voggenhuber

Pascal Voggenhuber: Nicht Heiliger sein, sondern Mensch was last modified: Oktober 20th, 2016 by Henrik Geyer