Objekthaftes Denken

Ich habe lange überlegt, wie ich einen Begriff erläutern kann, der sehr wichtig und grundsätzlich für den Spirealismus ist.

Der Begriff heißt „objekthaftes Denken“; ich erwähnte ihn bereits in „Alles ist Geist“. Dieser Begriff hat sich für mich weiterentwickelt, und er repräsentiert heute für mich das Wunder des Geistigen schlechthin.

„Objekthaftes Denken“ – das ist Frage und Antwort zugleich.

Hat man einmal verstanden, dass es die materielle Außenwelt als separat von Geist existierend nicht gibt, stellt sich natürlich die Frage, wie denn nun diese Welt, die wir doch scheinbar so eindeutig vor uns sehen, zustande kommt?

Die Frage nach dem Zustandekommen des Kosmos (der Ordnung) steckt in dem Begriff „objekthaftes Denken“.

Der Begriff fragt: Wie kommt es, dass wir dort, wo keine materiellen Objekte (jenseits von Geist) sind, dennoch Objekte sehen?

Und der Begriff gibt die Antwort: Weil wir objekthaft denken.

Der Begriff objekthaftes Denken ist damit sozusagen der Name für ein Rätsel, ein nicht weiter hinterfragbares Phänomen. Es ist einfach so.

Wo kann man Objekthaftes Denken beobachten?

Dem Materialisten wird der Gedanke recht fremd sein. Warum gibt es Objekte? Er sagt: Weil sie da sind! Nichts einfacher als das. Die Antwort steckt schon in der Frage: Warum gibt (das SEIN) es Objekte? Weil sie „da“ sind (das Sein). Noch einmal die Frage des Spirealisten: „Warum sehen wir Objekte, obwohl sie (im materialistischen Sinn, also jenseits von Geist) nicht da sind?“

 

Wie also kann ich das Phänomen des objekthaften Denkens beschreiben, seine Gründe und Folgen?

Ich möchte das Phänomen des objekthaften Denkens an verschiedenen Beispielen zeigen. Im Grunde ist objekthaftes Denken ein Wunder, es ist letztlich nicht erklärbar. Dieses Wunder sehen zu können, darum nur kann es dem Spirealismus gehen. Das Wunder kann eigentlich jeder Einzelne sofort an seinem eigenen Denken feststellen.

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Man denke an irgendetwas, ein Objekt. Man stelle es sich vor. Es kann ein Ding sein, das man im Außen kennt, wie ein Baum etwa. Es kann aber auch ein fiktives Objekt sein, etwas völlig Ausgedachtes. Im Grunde ist doch alles im Geist. Der materiellste Gegenstand verliert doch im Moment, in dem ich den Blick von ihm wende, seine allein materielle Existenz, und existiert (mindestens jetzt!) im Geist. Und die Grenzen zwischen Phänomen und Noumenon, die die Philosophie seit Jahrtausenden zu definieren sucht, verwischen.

Mit dem ersten Gedanken an dieses Objekt meint man, das Objekt völlig zu erfassen. Da ist es! Es steht vor dem geistigen Auge. Wenn man jedoch die Gedanken darauf ruhen lässt, wird es detaillierter und detaillierter. Es gewinnt an Information, einfach so. Es lässt sich aufteilen, der Baum lässt sich in hunderterlei Aspekten untersuchen. Plötzlich sieht man die Risse in der Baumrinde vor sich, ein Käfer krabbelt da. Und in jedem Moment glaubt man, völlig verstanden zu haben, was man da vor sich sieht. Jeweils abgeschlossene Objekte.

Man sieht auf diese Weise, dass das Denken endlos in Objekte „hineinzoomen“ kann – die Integrität der Objekte, die wir gewöhnlich als in sich völlig erklärlich und abgeschlossen ansehen, löst sich somit auf. Siehe auch Punkt 10. Das objekthafte Denken äußert sich nun darin, dass trotz dieses Sich-Auflösens man in jedem Moment glaubt abgeschlossene Objekte „vor sich“ (jenseits des Geistigen) zu haben.

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Das vorgenannte Wunder lässt sich in das Paradox von Englands Küste transformieren. Ich hatte es mehrmals besprochen, z.B. hier. In einem Satz beschrieben: Es ist ein (scheinbar) mathematisches Spezialproblem: Die Küste Englands wird umso länger, je genauer man sie berechnet. Und zwar übrigens genau dann, wenn man sich dieses Objekt so vorstellt, dass dessen Grenze aus anderen Objekten besteht, im Beispiel von Englands Küste aus Buchten, diese wieder aus Kieselsteinen. Und die Kieselsteine setzen sich wiederum aus Teilen von Steinen zusammen, etc..

(Wenn man jedoch ein abstraktes Objekt annimmt, dessen Grenze nicht aus Teilen besteht, sondern immer Null ist, dessen Umfangs sozusagen aus lauter Punkten besteht mit der Größe Null, wie zum Beispiel bei einem gedachten Kreis, dessen Länge man mit Hilfe einer mathematischen Formel berechnet, dann gilt das nicht. Man bedenke dabei aber, dass es solche abstrakten Objekte in unserer menschlichen Wirklichkeit eigentlich gar nicht gibt! Es gibt kein Ding mit dem Radius und der Oberfläche Null. Ebenso wenig gibt es ein Ding ohne Eigenschaften.).

Das Beispiel „Englands Küste“ ist kein mathematischer Sonderfall, sondern gilt für jedes Objekt. Eigentlich ist es auch kein mathematisches Problem, sondern ein philosophisches. Alles wird umso inhaltsreicher, detaillierter, anders, je länger man darüber nachdenkt. Jeder Stuhl, jedes Ei, jedes ausgedachte Science-Fiction-Land. Jeder Gedanke – siehe Punkt 1. Und es zeigt, dass, obwohl die Objekte keine abgeschlossenen Objekte sind, die in Form und z.B. Umfang letztendlich bestimmbar sind, man immer glaubt, abgeschlossene Objekte jenseits des Geistigen vor sich zu haben.

Alles ist Geist bedeutet schließlich, dass das, was wir als unser Außen sehen, ebenfalls Geist ist. Und die Phänomene des Geistigen, insbesondere natürlich das Phänomen des objekthaften Denkens, lassen sich letztlich überall zeigen.

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Genau dasselbe können wir auf das Objekt des Ich anwenden. Das Ich (-Universum) hat eine geradezu unendliche, uns unbegreifliche Tiefe. Man denke an die rätselhaften Begriffe Seele, Gott, etc., die damit im Zusammenhang stehen. Ich spreche jetzt übrigens nicht über etwas ganz Abstraktes, sondern über das Ich des Lesers – er möge bitte an sich selbst prüfen.

Einerseits ist das Ich „da“. Das ist der Aspekt des objekthaften Denkens. Alles scheint erklärlich zu sein. Da ist ein Objekt: Ein Ich! Mia san doch mia, oda net? Ich kenne mich doch selbst!! Andererseits ist gerade das Ich letztlich unbeschreiblich, unerklärlich, rätselhaft, in seiner Tiefe paradox.

Was dem materialistischen Denker entgeht, ist die Beobachtung, dass jeder Gedanke kreativ ist, und die Tiefe des Körpers vergrößert, auf den er sich richtet. Das bedeutet: Aus spirealistischer Sicht hat das Ich nicht von vornherein eine Tiefe, sondern es gewinnt sie, durch jeden Gedanken. Und das ist im wahrsten Sinn des Wortes Unendlichkeit. Die Unendlichkeit – sie entsteht durch die Kreativität der Gedanken!

Die Annahme, da wäre in jedem Moment ein in sich abgeschlossenes Objekt, das ist das Wesen des objekthaften Denkens.

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Ich hatte im vorigen Abschnitt vom Ich-Universum gesprochen. Und es gibt, so viel weiß der Leser sicherlich, jene hermetischen Grundsätze, die insbesondere dem Spirealismus wichtig sind: Wie oben so unten. Wie innen so außen. Alles ist Geist. Das bedeutet: Alles unterliegt den Grundprinzipien des Geistigen.

Was wir über das Ich-Universum sagten, gilt genauso für das Universum des Außen. Und umgekehrt, denn im Grunde ist „das Universum“ nichts anderes als ein Ich.

Je länger wir unsere Gedanken auf den Raum richten (übersetzt: je tiefer wir in den Welt-Raum hineinschauen, je genauer wir auch den Mikrokosmos untersuchen), desto tiefer wird er. Ein Ende können wir nicht erreichen. Er ist unendlich, sowohl in der Richtung der Verkleinerung wie auch der Vergrößerung. Dennoch erscheint uns der Raum stets als endlich. Als abgeschlossenes Objekt. Es ist DER Weltraum – ein Objekt, oder nicht? Es ist DER Mikrokosmos – ein Objekt mit endlichem Raum darin … oder nicht?

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Objekthaftes Denken, bezogen auf das Ich-Universum, könnte man auch in Folgendem sehen: Der eigentlich paradoxen Sichtweise auf das Selbst, das stets geschlossen, vollständig und rund wirkt.

Vermisst das Kleinkind an seinem Ich-Universum etwas? Nein. Vermisst der Dumme gegenüber dem Klugen irgendetwas? Nein. Was weiß man darüber, was man nicht weiß? Eben: Nichts! Ich hatte dies oft als die paradoxe Sichtweise des Materialismus auf das Nichts thematisiert. Das Nichts erscheint dem materialistischen Denker dem Sinn nach wie die Abwesenheit von Etwas, somit verdinglicht, und somit eingrenzbar. Doch, das Nichts ist nicht verdinglichbar, denn es ist nicht eingrenzbar. Das Nichts ist daher nicht wenig, sondern sehr viel. Anders gesagt: Das Nichts ist nicht die Null unseres materialistischen Weltverständnisses.

Zurück zum Ich … Immer glauben wir ein vollständiges Objekt vor uns zu haben: ein Ich. Was mangelt dem Ich? Nichts. Doch, und das ist das Faszinierende: In dieses Ich kann man hineinzoomen – wie in die Unendlichkeit des Weltalls. Man findet darin kein Ende. Da, wo vorher wenig war, ist plötzlich mehr! Aus sich selbst heraus! DAS ist die Verbindung zur Unendlichkeit.

Wenn jetzt etwas wegfiele, dann könnte man sagen, dass es mangelt. Aber – wie groß sind die Bereiche, die nie „da“ waren? Wie viel ist das, was man nie begriff? Unendlich groß, nicht bezifferbar, riesig. Nicht klein. Nicht Null.

5 a)

Die vollständige Rundheit des Bewusstseins und die damit einhergehende Vermutung, dass es außerhalb dessen nichts Vernünfiges geben könne (Paradoxie des Nichts), finden wir wieder im Anthropozentrismus, also der stetigen Annahme des Menschen, Dreh- und Angelpunkt aller vorstellbarer Welten zu sein. Wobei „alle vorstellbaren Welten“ natürlich nur die Welten der dem Menschen eigenen Vorstellungen sind. Auch hier sehen wir wieder „die Menschheit“ als abgeschlossenes Objekt, das ganz eigenständig denken kann; und nur auf diese Weise kann es schließlich sein, dass sich die Menschheit als völlig von der sie umgebenden Natur abgehoben sieht – aus der Sicht des Menschen sogar: hervorgehoben.

Was natürlich nicht der Fall ist. Die Phantasien des Menschen verschmelzen mit denen der Natur und sind von diesen nicht unabhängig vorstellbar, ebenso wenig wie das Denken des Einzelnen in sich abgeschlossen ist und unabhängig von den Gedanken des Anderen wäre. ( als ein Stichwort seien hier „Archetypen des Unterbewussten“ genannt.)

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Wir finden objekthaftes Denken in einem Phänomen, das man ebenso gut als Oberflächlichkeit beschreiben könnte. Es ist der materialistische Glaube, dass Worte in sich abgeschlossene Bedeutungsentitäten sind. Das sind sie in Wirklichkeit nicht. Jedoch suggeriert eben das die materialistische Weltanschauung, indem sie davon ausgeht, dass Worte die bestmögliche Beschreibung für feststehende „Objekte des Außen“ sind, die ihrerseits Sinn und festes Sein in die Welt hineinbringen.

Dem Spirealisten hingegen, der vom Nichtvorhandensein solcher Objekte ausgeht, ist völlig klar, dass Worte nie zu trennen sind, von der Vorstellung, von der Phantasie, von der Imagination, die bei ihrem Gebrauch auftreten. Und dass Worte daher von Mensch zu Mensch verschieden aufgefasst werden müssen. Sie können also niemals genau dasselbe bezeichnen, wenn sie verschieden aufgefasst werden.

Ein Beispiel: Neulich sah ich im Fernsehen eine Diskussion. Ein Professor erklärte, die Nationalsozialisten (Nazis) seien in Wirklichkeit Linke gewesen, nicht Rechte des heutigen Verständnisses. Die Moderatorin sagte, man wolle sich nicht in Detailfragen verlieren, das sei nebensächlich(!). Sondern man wisse ja, was gemeint sei, wenn man „Nazi“ sage: Die Braunen eben. So als ob das nun mehr erkläre.

Nun sagt der Spirealismus: Nein, das weiß „man“ nicht. Niemals ist irgendeine Sache zu trennen von dem Verständnis, das man für sie hat. Daher lohnt es sich, das Verständnis zu hinterfragen. Es lohnt sich, über Worte und ihre Bedeutungen nachzudenken, insbesondere solange man den Menschen als eine Art Könner des Geistigen ansieht.

An Worte orthodox zu glauben in dem Sinn, sie hätten eine in ihnen liegende Bedeutung, die jeder sehen würde, sehen müsse – dieser Glaube macht es scheinbar überflüssig, Worte zu hinterfragen, ihren Sinngehalt zu prüfen. Dieser orthodoxe Glaube an Worte ist leider sehr verbreitet, auch bei Leuten, die man vielleicht für klug halten möchte, wie man sieht. Und man kann eine solche Aussage wiederum nur an ein Publikum richten, welches das ebenfalls glaubt. Der Glaube an die Eindeutigkeit von Worten ist ebenso verbreitet wie die materialistische Weltanschauung mit ihrem Glauben an die Eindeutigkeit der Objekte.

Das objekthafte Denken macht es zu einer scheinbaren Selbstverständlichkeit, stets an ein völliges Wortverständnis zu glauben, egal wie wenig Substanz dieses Verständnis in Wirklichkeit beinhaltet.

7

Weiter zu objekthaftem Denken als die Vorstellung stets abgeschlossener Objekte, bezogen auf Worte und Sprache ….

das ist etwas, an dessen Widersprüchlichkeit sich ganze Generationen von Wissenschaftlern und Philosophen abgearbeitet haben.

Man denke an Wittgenstein und seine Frage nach der Übersetzbarkeit von Text von einer Sprache in die andere. Dem Spirealisten ist klar, dass jedes Wort im Bewusstsein verschiedener Menschen verschiedene Phantasien auslöst. Und auf die Vorstellungen kommt es dem Spirealismus an! Denn er sagt: Was wohl anderes können die Dinge sein, wenn nicht unsere Vorstellungen von ihnen?

Wem das aber nicht klar ist, der fragt sich, so wie Wittgenstein, wie man das Wort „übersetzen“ denn wohl verstehen dürfe, wenn es nicht eine 1:1 Gleichung sei? Dem folgt als logische nächste Frage, wie denn wohl die Abweichung zu quantifizieren sei? Wie kann man sie bemessen? Und … man begibt sich ins Reich des Irrationalen, des Nicht-enden-wollenden-Grübelns. Nicht enden wollend, weil: Man kann nicht die Vorstellungen im Kopf eines anderen bemessen, wenn ein Wort gebraucht wird. Und über Vorstellungen reden wir letztendlich … Die Welt als Vorstellung einer Welt.

Man denke auch an Sokrates und seine Gespräche über die einfachsten Worte, die stets in einer unerklärlichen Rätselhaftigkeit endeten.

Wenn ich hier von Irrationalität spreche, so sage ich das in aller Achtung, denn am Ende ist es tatsächlich so: Es ist irrational, es ist nicht zu ergrübeln. Wie gesagt: die Abweichungen sind nicht ermittelbar. Das Ding „an sich“ (Kant) ist nicht zu ergrübeln.

 

 

Das ist letztlich dieses Paradox, das ich „objekthaftes Denken“ nenne, und das mir zugleich Frage und Antwort ist. Es ist die Beschreibung einer fundamentalen Tatsache.

Im Spirealismus nenne ich das Phänomen des objekthaften Denkens übrigens auch die „semantische Natur der Dinge“, wodurch die Einheit von Wort und Vorstellung von einem Ding gekennzeichnet wird. Die „semantische Natur der Dinge“ ist es, dass, auch wenn wir glauben die Dinge seien in sich abgeschlossen, sie es nicht sind.  Vielmehr sind die Dinge, ebenso wie die Worte, Vorstellungen – und damit, wie Semantik – eine sich im Unendlichen verlierende Kette von Sinn-Relationen.

8

Das Vorgenannte wiederum könnte man transformieren in die letztlich unzutreffende Annahme, dass jemand, ein Wort gebrauchend, eine ganz bestimmte Vorstellung in jemand anderem auslösen kann, und zwar genau die, die er selbst hat.

Und umgekehrt ebenso: Die Vorstellung, dass jemand, wenn er spricht, dieselbe Vorstellung im Kopf habe wie man selbst.

Ich besprach das bereits unter Punkt 6 – der schlichte Glaube an stets abgeschlossene Objekte, an eine in sich geschlossene Wahrheit, an Worte die einen selbstverständlichen Sinn einschließen, etc., etc.. Man könnte das auch als eine Oberflächlichkeit sehen.

9

Einstein, der Finder von Relativität in Entitäten, deren grundsätzliches, eigenständiges, völlig ungestörtes VORHANDENSEIN vorher als sicheres Wissen galt, wurde einmal gefragt, was man denn machen solle, wenn sich die verbliebenen festen Entitäten ebenfalls als relativ herausstellten? Beispielsweise die Lichtgeschwindigkeit?

Pragmatiker, der er war, sagte er, dann müsse man etwas anderes finden, das man als statisch und gegeben ansehe.

Das ist objekthaftes Denken. Was anderes können wir tun, als Dinge sehen? Scheinbar in sich abgeschlossene Entitäten? Wenn wir keine 1 zum Rechnen hätten, mit welchen Zahlen könnten wir rechnen?

Nikola Tesla sagte einmal: „Wenn Du die Geheimnisse des Universums finden willst, dann denke in Formen von Energie, Frequenzen und Schwingungen.“ Das finde ich richtig. Diese Energie, Frequenzen und Schwingungen lassen ein Bild von sich stets ändernder Relativität entstehen, was die Sichtweise des Spirealismus ist. Und die große Frage ist aus meiner Sicht, inwieweit es dem Menschen überhaupt möglich ist, den Zustand einer Welt als etwas anderes als den Schnittpunkt von Energie, Frequenzen und Schwingungen in einem Moment festzustellen?? Kann man die Welt anders sehen, als objekthaft?

Ich denke, es ist nicht möglich. Denn, dass die Welt alles ist, oder alles sein könnte – das ist unkonkret. Es ist keine Antwort auf irgendeine Frage. Das ist letztlich keine Welt. Daher muss die Welt konkret sein, und sie wird durch uns konkret. Der Mensch als Element der Schöpfung, nicht ihr Beobachter.

Jedoch kann man den hier dargestellten Zusammenhang feststellen, ihn verstehen und nutzen. Und das ist eine Frage der Weltanschauung.

10

Man denke an die Frage der alten Griechen nach dem Atom – ich sehe das als ein Phänomen des objekthaften Denkens. Wie kam man darauf, es müsse ein Atom geben, also eine nicht weiter spaltbare Entität, aus der sich die Natur aufbaut?

Das kommt daher, dass man feste Dinge des Außen sieht, in sich geschlossene Objekte. Und man nimmt von diesen Objekten sicher an, dass sie sich wiederum aus ganz festen und bestimmbaren Teilen zusammensetzen.

Wenn man nun dieses Teilen und Wiederteilen in alle Ewigkeit fortführte, dann würde man doch auf nichts Bestimmtes treffen können, nicht wahr? Endlosigkeit heißt so gesehen: Namenlosigkeit. Verschwommenheit, Nicht-Objekthaftigkeit. Doch, die Welt, so scheint es uns, besteht doch aus bestimmbaren Dingen, aus Objekten! Das ist doch das Wesen des objekthaften Denkens!

Also muss all das Teilen irgendwo ein Ende haben. Man nannte es Atom – das nicht weiter spaltbare Element, aus dem die Dinge sind. Und man stellt heute fest: das Atom ist teilbar, so wie der Gedanke (Punkt 1), so wie die Wellen und die Energie des Nicola Tesla, die letztendlich keine festgefügte Form haben.

10 a)

„Das Teilen muss ein Ende haben“ – auch das ist ein Aspekt des objekthaften Denkens. Alles muss ein Ende haben. Alles muss einen Anfang haben. Man denke an unsere eingrenzende Auffassung von Leben als die Mitte von Geburt (Anfang) und Tod (Ende). Alles sehen wir als bestimmbar, als eindeutig, als eingrenzbar. Das ist objekthaftes Denken. Und doch ahnen wir, dass wir hier nur einen Aspekt sehen können. Denn in uns sind die Grenzen, die wir im Außen als gegeben annehmen, im Detail aber vergeblich suchen. Durch uns entstehen sie.

10 b)

Genau dasselbe Paradox des Mikrokosmos mit seinen angenommenen Atomen begegnet uns übrigens im Makrokosmos – in der Unendlichkeit des Weltalls unter der gleichzeitigen Annahme, beim Weltall handele sich um eine in sich abgeschlossene Entität, woraus dann wieder die erfolglose Unterscheidung folgen soll zwischen Dingen die es gibt, und anderen, die es nicht gibt.

Es geht hier also um den von mir oft besprochenen Existenzbegriff (Sein) des Materialismus, der zu den paradoxesten Annahmen führt (weshalb er vom Spirealismus negiert wird).

(Wir erinnern uns an die paradoxe Frage nach der Anzahl Romane schreibender Affen in einem unendlichen Weltall. Kann es sie geben? Aber ja, sofern die Wahrscheinlichkeit für einen Affen, der auf einer Schreibmaschine Tasten drückt, über Null ist. In einem unendlichen Weltall muss die Anzahl maschineschreibender Affen unendlich sein, und es gilt dann als sichere Annahme, dass dabei auch einmal ein guter Roman herauskommen muss. Oder vielleicht die Bibel …. ).

10 c)

Wir brauchen aber nicht unbedingt in die Tiefen des Makro- oder Mikrokosmos zu gehen, und damit in etwas scheinbar sehr Fernliegendes, um dieses Paradox anzutreffen, sondern wir können jedes Ding ansehen. Ich verweise insofern wieder auf Punkt 2.

Grundsätzliche Überlegung

Aus dem Vorgenannten ergibt sich für mich ein Grundprinzip des Denkens, das in Einklang steht mit uralten religiösen und auch esoterischen Motiven. Mit Esoterik meine ich übrigens nicht die Profession der Wahrsager und Heilsbringer, sondern Esoterik als „Geheim“-Wissenschaft, letztlich eine Art metaphysische Philosophie.

Es geht um ein Grundprinzip des Denkens, das jeder an sich beobachten kann.

Das Grundprinzip des Denkens nenne ich die Eigenschaft, dass das Denken den grundsätzlichen Unterschied zwischen dem Einen und dem Anderen konstruiert, und dadurch Entitäten erschafft. Das ist das Grundprinzip des objekthaften Denkens. Es geht um die Bildung eines Unterschiedes. Ohne den Unterschied keine Objekte. Es scheint so, als seien die Objekte in sich abgeschlossen und voneinander getrennt. Aber, wenn ich sage, dass die Objekte nur durch den Unterschied SEIN können, so sieht man schon, dass die Objekte einander bedingen, und keineswegs voneinander getrennt sind.

Als Symbol kennen wir das: Es ist die Einheit und zugleich Verschiedenheit von Yin und Yang.

Man kann es auch als die Einheit und den gleichzeitigen Kampf von Gegensätzen bezeichnen (Hegel).

Es handelt sich auch um das Verhältnis des Teiles zum Ganzen (Heisenberg). Denn, wenn es um das Wesen der Objekte geht, dann geht es natürlich auch darum, wie diese sich bilden, und damit um die Frage des Aufbaus den Einen durch das Andere.


Yin und Yang [SPID 4000]

Wie im Yin Yang Symbol ist die Welt im Wesen rund, denn sie ist nur erfahrbar aus der Sicht eines Elementes (Bewusstsein, Ich, Ich-Universum) das sich stets in der zentralen Position glaubt. Um das Element herum entfaltet sich der Raum.

Das Ganze besteht aus untrennbaren Gegensätzen, in diesem Fall Yin und Yang genannt. Das Besondere an diesem Symbol ist die Weisheit der Untrennbarkeit, die darin liegt. Yin und Yang erscheinen wie absolute Gegensätze, wie schwarz und weiß, die einander widerstreben. Und sie widerstreben tatsächlich, sie kämpfen, sie hadern; definieren sich aber auch gegenseitig, und zwar durch einander. Sie definieren sich als der Unterschied. Daher können sie ohne einander nicht sein! Sie lieben sich auch: Sie nähern sich scheinbar immerfort einander an. Sie sind sich nahe, auch wenn man glaubt, es seien die größten Gegensätze.

Yin und Yang sind die Ergebnisse des objekthaften Denkens. Und auch das Ganze wird wiederum als Objekt aufgefasst (man denke an DIE Welt, DAS Weltall)

Es sind eben eigentlich keine abgeschlossenen Entitäten, sondern einander bedingende. Weil sie sich bedingen, ändern sie sich stetig, sind also keineswegs fest. Auch dieses Zerfließende drückt das Yin-Yang Symbol aus. Wir denken wieder an Nicola Tesla und seine Energie, Frequenzen, Schwingungen. Ohne Yin kein Yang. Ohne Yang kein Ying. Ohne Yin und Yang keine Welt.

 

Ouroboros, Oroboro [SPID 3981]

Die Dinge be-Dingen einander. Kein Ganzes ohne Teile, keine Teile ohne Ganzes. Daher sind die Teile nie völlig durch sich selbst definiert, wie es der Materialismus glaubt. Es gibt nichts Einzelnes! Denn: Ohne das Eine kann das Andere nicht sein.

Ganz wie beim Ouroboros, ebenfalls ein Symbol für das Wesen der Welt. Man beachte seine Rundheit, ebenso Zeichen für das Göttliche wie das Yin-Yang Symbol. Der Ouroboros nährt sich selbst, indem er seinen eigenen Schwanz auffrisst. Ohne Ouroboros keine Nahrung. Ohne Nahrung kein gefräßiger Kopf. Ohne Nahrung und Kopf kein Ouroboros.

Die Welt ensteht aus sich heraus – das nicht weiter erklärbare Prinzip der Objekthaftigkeit. Die Objekte wirken einerseits völlig erklärlich und eben „da“, sind es aber nicht. Sie bedingen einander und können aus sich heraus immer neu, immer anders, entstehen. Und: kann es einen Ouroboros geben, der nur den fressenden Kopf hat, aber keine Nahrung? Was ist überhaupt etwas, das keinen Körper, keinen Gegenstand hätte? Kann es das Ganze geben, wenn keine Teile darin sind? Kann es Teile geben, ohne dass sie ein Ganzes bilden? Kann es Raum geben ohne Sterne? Etc. etc..

So sind die Teile nie völlig eigenständige Objekte, die das Ganze bilden, und das Ganze hängt nicht in eindimensional schlüssiger Weise von den Teilen ab. Auch wenn das die gängige Art und Weise unseres Denkens, unserer Logik ist.

Man denke beispielsweise an eine Mauer – wird sie denn nicht von Mauersteinen gebildet? Ja und nein – es ist eine Frage der Sichtweise. Eine Mauer erklärt sich nicht einfach als die Summe von Ziegelsteinen. Sondern, sie ist (auch) etwas grundsätzlich anderes. Anders als ein Ziegelstein kann eine Mauer jemanden daran hindern, ein Grundstück zu betreten. Und umgekehrt: eine Mauer kann man nicht fallen lassen oder damit werfen, ganz anders als bei einem Ziegelstein.


Dass wir Objekte sehen, das ist objekthaftes Denken. Und Denken ist alles, denn alles ist Geist. Alles unterliegt dem Prinzip des Geistigen.

Dass wir glauben, die Objekte die wir sehen seien in eindeutiger Art und Weise in sich definiert, dass sie unabhängig von Geist vorhanden seien, das ist noch etwas anderes. Das ist Materialismus.

Materialismus kann man überwinden, beispielsweise indem man sich des objekthaften Denkens bewusst wird. Das objekthafte Denken kann man nicht überwinden.

Den Begriff „objekthaftes Denken“ zu verstehen entspricht der Wahrnehmung, dass die Wirklichkeit aus und durch uns hindurch „fließt“. Dass die Objekte keine unverrückbar in sich ruhende Logik bergen, sondern auf zerrinnende Weise mannigfach sind; bis in die Unendlichkeit, bis ins Nichts.

Objekthaftes Denken was last modified: Mai 10th, 2018 by Henrik Geyer