Normale Menschen – wer sind sie? Über Normung und Normalität

Normale Menschen - wer sind sie?

Normale Menschen – wer sind sie?

Wie oft hört man: Normale Menschen tun dies – oder sie tun das. Und natürlich denken die normalen Menschen in einer ganz bestimmten Weise.
In der Zeit des Nationalsozialismus fanden die normalen Menschen den Führer gut, und wussten, wer diejenigen sind, die nicht so normal sind. In der Zeit des Kommunismus fanden die normalen Menschen die Partei gut, und den Besitz des Volkes an den Produktionsmitteln – und fanden damit den Nichtbesitz an Produktionsmitteln des Einzelnen völlig normal und gut.

Normale Menschen machen Angst

Immer schon machte es ein wenig Angst, nicht so normal zu sein. Normale Menschen machen Angst, wenn man selbst abweicht. Und umgekehrt waren immer schon die weniger normalen Menschen den Normalen ein Dorn im Auge.

genormte Gurken – genormte Tomaten – genormte Menschen

Es ist völlig „normal“, dass wir immer die Normalität suchen, und damit das Gleichartige. Weder wollen wir selbst nicht normal sein, noch wollen wir uns mit dem Nicht-Normalen beschäftigen. Die Normung, das Sehen des Gleichartigen, ist ein grundlegendes und wichtiges Menschheits-Prinzip.
Das Anormale, die Anomalie, macht Mühe, ist unberechenbar. Sie sagt uns nichts. Die Verschiedenheit ist letztlich grenzenlos. Das Gleiche zu finden macht aus der Unendlichkeit eine Endlichkeit.

Der Abgleich ist das Wesen des Menschen. Zitat Albert Einstein: Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.
Das bedeutet: Nur im Außenblick zeigt sich, dass das, was das einzelne Mitglied der Schafherde für völlig „normal“ hält, dem Außenstehenden nicht normal ist. Dem Menschen, der die Schafherde sieht, ist die Normalität der Schafe nicht normal. Das Zitat Albert Einsteins bezieht sich natürlich auf Menschen. Und es bezieht sich nicht unbedingt (auch das wäre eine mögliche Interpretation – wenn man die Schafe als „dumm“ ansieht) auf dumme Menschen, die Teil einer dummen Gruppe sind, und dort durch ihre Normalität brillieren. Sondern eigentlich lässt uns das Zitat nachdenken über das, was ein jeder so für normal hält. Denn auch wir, die wir uns unserer Normalität natürlich stets so sicher sind, haben keine objektiven Wahrheiten. Was immer wir sagen, auch über Normalität, ist keine höhere Wahrheit.. sondern nur eine, die sich subjektiv in uns bildet.

spirealistische Sicht

Im Spirealismus heißt der Abgleich, der zu einer Gleichartigkeit führt, Supersubjektivität. Supersubjektivität ist einerseits das Wesen jeden Verstehens. Der Begriff Supersubjektivität macht aber auch deutlich, dass, was immer man versteht, subjektiv bleibt, auch wenn man gern von Normalität oder Objektivität spricht, weil man dokumentieren möchte: „Man kann etwas nicht anders sehen, als…“.

Sich dessen bewusst zu sein bewirkt, dass man vorsichtig und zurückhaltend wird, mit vorschnellen Bewertungen, was als normal gelten darf, und was nicht. Und es bewirkt weiterhin, dass man sich völlig darüber klar wird, dass die Besonderheit, die letztlich unendliche Vielfalt, das Wesen der Welt ist. Und, wenn wir die Besonderheit in uns selbst finden, so muss das keine Angst machen. Denn die Besonderheit ist das eigentlich Normale.

 

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Normale Menschen – wer sind sie? Über Normung und Normalität was last modified: März 3rd, 2016 by Henrik Geyer