Monokausal und Multikausal – wie viele Gründe kann man zählen?

Monokausal

Das Wort monokausal bezeichnet etwas, das es nicht gibt: ein Phänomen, das nur eine Ursache hat.

Worin liegt die Notwendigkeit des Wortes „monokausal“?

Wenn es also so ist, dass das Wort monokausal etwas nicht Existierendes beschreibt, worin liegt dann seine Notwendigkeit. Warum gibt es das Wort überhaupt?

„monokausal“ als Teil der materialistischen Weltanschauung

Warum es das Wort monokausal gibt, lässt sich nur erklären, wenn man wiederum einen Blick auf die materialistische Weltanschauung wirft, ihre Vorstellungswelten, ihre Systematik.

Wenn man dies aus der Perspektive einer anderen Weltanschauung, wie des Spirealismus, tun kann, dann ist es umso besser, denn erst so ist ersichtlich, warum es nichts Monokausales gibt, warum sich aber andererseits der Begriff „monokausal“ sehr gut in die herkömmliche materialistische Vorstellungswelt einfügt, sie begründet, sie stabilisiert.

Die Vorstellung des Monokausalen, dass es also für ein Phänomen genau einen Grund gibt, korrespondiert mit der Vorstellung des Materialismus, wir seien Beobachter eines objektiven Außen. Diesem Außen, dem wir in unseren Forschungen nachspüren, nähern wir uns immer mehr an, so glaubt man. Das eine, das objektive Außen ist es, das selbst nicht anders gesehen werden kann, das eine einzige (objektive) Gestalt hat, eine einzige Information, einen einzigen Grund, eine einzige Vergangenheit und eine einzige Zukunft.

Man könnte jetzt, wie ich das so oft auf diesem Blog getan habe, die Vorstellungen des Materialismus denen des Spirealismus gegenüberstellen, die Unmöglichkeiten des Materialismus, seine Widersprüche, Paradoxien, durchdeklinieren. Doch das soll nicht wiederholt werden.

Es sei nur noch einmal festgestellt: Es lässt sich nichts Objektives finden. Das Ding „an sich“ Kantscher Beschreibung ist nicht denkbar.

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Der Spirealismus stellt fest: anstelle „der Welt“ gibt es die Welten der „Ich-Universen“ – alles ist Geist. Aus selbigem Grund gibt es nicht „die Vergangenheit“, auch nicht „die Zukunft“, auch nicht „das Jetzt“ – jeweils in der Einzahl. All diese Begriffe gewinnen nur ihre Gestalt und scheinbare Endgültigkeit nur in den Ich-Universen individueller Prägung.

Das Wort monokausal untersucht

Das Wort „monokausal“ kann auf diese soeben gemachten Aussagen hin untersucht werden.

In der Grafik unten ist zunächst die Vorstellung einer direkten und eindeutigen Verbindung eines Ereignisses mit seinem Grund (Ursache) – und auf der anderen Seite ebenso selbstverständlich verlängert: mit einer eindeutigen Folge, bzw. einem eindeutigen Effekt dargestellt.

Dies ist allerdings reine Theorie, denn wer könnte schon ein einziges Phänomen benennen, für das es wiederum nur einen einzigen Grund geben soll? Wie viele Gründe kann man finden? Mit wie vielen Phänomenen kann man ein Phänomen im Geist verbinden? Das ist grenzenlos im Platoschen Sinn – man wird damit nicht fertig.

Unten also die Vorstellung von „monokausal“.

 

Monokausal Multikausal

 

In der darunter liegenden Grafik wäre die Vorstellung vertreten, dass sich jedem Phänomen viele Gründe zuordnen lassen, ebenso wie jedes Phänomen viele Konsequenzen (Folgen) haben kann. Das ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit.

 

Allerdings ist diese zweite Grafik so beschaffen, dass man sich fragen muss, ob es nicht auch eine Frage der Wahrscheinlichkeit ist, welche Gründe man für ein Phänomen finden kann. Der Spirealismus würde das bejahen.

In der dritten Grafik schließlich findet sich noch die Vorstellung des Spirealismus, dass sich nicht nur für jedes Phänomen viele Gründe finden lassen, und ebenso viele Folgen, sondern dass sogar der Begriff des Phänomens nicht im Endgültigen klärbar ist (es gibt keine Objektivität).

Was ist die Vorstellung  des Spirealismus von einem Phänomen?

Insofern muss einmal mehr gefragt werden, was denn das ist, was wir im Außen „beobachten“.

Der Spirealismus sagt ja, dass der Mensch nichts im eigentlichen Sinn beobachtet, so als wäre er von einem Vorgang getrennt. Seine Existenz ist, wie jede Existenz, die einer Relation. Das bedeutet auch, dass es für jedes Phänomen den Beobachter braucht, besser gesagt die Relation. Eine Vorstellung, die uns im Materialismus völlig fremd ist.

Das Wesen der Schöpfung ist es, dass alles immer wieder in einem zusammenkommt (Supersubjektivität). Dieses Eine, das der Mensch als das Phänomen sieht, ist eins, weil es in einem Punkt zusammenkommt: dem Menschen selbst, dem Ich.

Das Wort Supersubjektivität besagt übrigens, dass etwas, das von vielen gleich beobachtet wird, deshalb nicht objektiv ist. Es bleibt subjektiv beobachtet, weil es eine Beobachtung, die „alle“ denkbaren Beobachter gleich machen könnten, nicht gibt.

In der unteren Grafik ist das noch einmal zusammengefasst.

Multikausal, Multiphänomen

 

Der blaue Punkt ist das Subjekt. In ihm kommt ein Phänomen als „Eins“ zu Stande. Das Subjekt können ebenso gut viele Individuen sein (Supersubjektivität). Dass die Menschen alle das Gleiche beobachten können, liegt laut Spirealismus nicht daran, dass es eine von den Menschen unabhängige Außenwelt gibt, sondern am Wesen der Kommunikation, das das der Verbindung ist. „Die Menschen“ werden ebenso eins, wie der einzelne Mensch aus vielem ensteht – konkret gesagt aus vielen Gedanken.

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Kann man das praktisch beobachten?

Ich denke ja. Es ist die Beobachtung, dass es keine zwei gleichen Meinungen gibt. Es ist die Beobachtung, dass jedes Wort im Kopf eines anderen einen ganz eigenen Sinn hat. Es ist die Beobachtung, dass, was immer man begreifen will, man nur mit den eigenen Begriffen begreifen kann. Im eigentlichen Sinn, in seinem Ursprung „zugänglich“, ist uns die innere Welt bereits des Mitmenschen nicht.

Dass auch der einzelne Mensch aus Vielem entsteht, ist beobachtbar, durch Spiritualität, durch Achtsamkeit. Indem man darauf achtet, wie sich die eigenen Begriffe aus einer Vielzahl von Gedanken bilden, und immer wieder neu entstehen. Wie man sie formen kann, und wie sich daraus ganze Welten des Verständnisses formen lassen.

Doch, was ist der letzte Grund für die Gedanken? Angenommen man meditiert, angenommen, man hat kein „Äußeres“, dem man den Grund für bestimmte Gedanken zuordnen könnte. Wer das versucht, kommt, glaube ich, zu der Überzeugung, dass sich ein Grund nicht finden lässt. Wie und warum die Gedanken kommen und gehen ist rätselhaft. Aus der Sicht des Menschen ist es Zufall.

Es denkt.
Friedrich Nietzsche

 

Siehe auch: Artikel Definition der Zeit

Monokausal und Multikausal – wie viele Gründe kann man zählen? was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer