Lebensweisheiten

Wir möchten unseren Lebenskompass finden – die allgemein gültigen Antworten, die auch für uns gelten. Es ist Suche nach Lebensweisheiten, nach Leitlinien und Zielen, nach Erfahrungen der Generationen vor uns, die uns das Leben einfacher machen.

Die antike Philosophie machte sich vor über 2ooo Jahren daran, die Urgründe der Welt aufzudecken, als die „Liebe zur Weisheit“ = Philosophie.

Die Liebe zur Weisheit im antiken griechischen Verständnis war immer verbunden mit der Suche nach „Tugend“ (was soll man am besten tun?). Weisheit in diesem Sinn ist nicht unbedingt übersetzbar mit (abstraktem) Wissen, sondern ist ganz praktisch das Handeln zum Besten des Einzelnen wie auch der Gesellschaft.

Vernünftige Einsicht zu haben ist die größte Tugend, und Weisheit ist es, Wahres zu reden und gemäß der Natur zu handeln, indem man auf sie hört.
Heraklit

Man bemerkt in diesem Zitat die enge Verknüpfung der Dinge, die dem Menschen geraten sind zu tun, mit kosmischen Gesetzmäßigkeiten, denen der Mensch gewissermaßen unentrinnbar ausgeliefert ist. In der heutigen Zeit hat die Entfremdung von Mensch und Natur eine andere Größenordnung erreicht.

 

Nebenbemerkung: Auf diesem Blog einige Seiten mit Aphorismen und Sprüchen, bzw. auch Spruchbildern:

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Lebensweisheiten als Menschheits-Erfahrung

Lebensweisheit also ist nicht das Ergebnis abstrakter Grübelei, und abstrakten Wissens, sondern das Erleben diverser Lebenssituationen, aus denen sich praktische Anweisungen ableiten. Lebensweisheiten übertragen sich von Generation auf Generation – in Form von Geschichten, Bildern …

Wissen ist Wiedererinnerung
Plato

Lebensweisheiten geben uns Rat und Anleitung, wenn uns selbst eine Situation ganz neu erscheint. Vieles im Leben erleben wir nur einmal oder nur selten, nicht immer können wir  auf das Prinzip „Trial and Error“ vertrauen.

Einsicht haben, oder den anhören, der sie hat:

Ohne Verstand, eigenen oder geborgten, läßt sich’s nicht leben. Allein Viele wissen nicht, daß sie nichts wissen, und Andre glauben zu wissen, wissen aber nichts. Gebrechen des Kopfs sind unheilbar, und da die Unwissenden sich nicht kennen, suchen sie auch nicht was ihnen abgeht. Manche würden weise seyn, wenn sie nicht es zu seyn glaubten. Daher kommt es, daß, obwohl die Orakel der Klugheit selten sind, diese dennoch unbeschäftigt leben, weil Keiner sie um Rath fragt. Sich berathen, schmälert nicht die Größe und zeugt nicht vom Mangel eigner Fähigkeit, vielmehr ist, sich gut berathen, ein Beweis derselben. Man überlege mit der Vernunft, damit man nicht widerlegt werde vom unglücklichen Ausgang.

Aus: Gracian’s Orakel der Weltklugheit von Balthasar Gracian

Wir kommen immer wieder in Situationen, für die wir keine Rezepte haben. So dürfen wir auf die Erfahrungen vieler Leben zurückgreifen, indem wir Aphorismen lesen, uns Sinnsprüche merken, oder Zitate aus Biographien.

Hinweis: Ein bekanntes, und wirklich sehr schönes Aphorismen-Buch (Aphorismen = Lebensweisheiten) ist übrigens von Schopenhauer, „Aphorismen“. Man kann es kostenlos bei Amazon als ebook erwerben, oder beim Projekt Gutenberg im Internet beziehen, als pdf, oder epub und andere Formate mehr. Ebenso kann es beispielsweise über Amazon bezogen werden. Ebenso empfehlenswert wie kostenlos: Orakel der Weltklugheit von Gracian.

Ist die Beschäftigung mit Lebensweisheiten praktisch?

Halten uns Grübeln und Räsonieren vom Leben eher ab? Nach meiner Erfahrung ist es überaus praktisch, sich der Lebensweisheit anderer zu bedienen. Wie viel Ungemach ist vermeidbar, wenn man nur klaren und erprobten Leitlinien folgen könnte, die man nicht erst selbst austesten muss! Doch – ist das auch immer möglich? Nicht umsonst sagt man:

Es ist leichter, anderen mit Weisheit zu dienen, als sich selbst. 

 

Spireo-Lebensweisheiten-Es-ist-leichter
Es ist leichter, anderen mit Weisheit zu dienen als sich selbst.
Francois La Rochefoucauld

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Hier noch der Bildlink: 
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Schopenhauer schreibt, es sei dem Menschen nicht gegeben, die Umwelt mit anderen Begriffen aufzufassen, als den eigenen. Demzufolge ist auch die Auffassung von jeder Art Spruchweisheit vielfältig, je nachdem, wer sie hört – absolute Allgemeingültigkeit kann es nie geben.

Lebensweisheit ist also nichts, das man nur aus Sprüchen lernen kann. Menschen müssen ihre Erfahrungen machen, müssen leiden und Glück erleben – Weisheit jeglicher Art tritt daher eher im Alter auf. Denn man muss (erst) sein Leben leben.

Allgemeines menschliches Wissen vs Faktenwissen

Lebensweisheit – damit ist nicht abstraktes Faktenwissen gemeint. Lebensweisheit ist allgemeiner Natur, es ist Wissen um das Funktionieren der Welt im allgemeinen, um Regeln des sozialen Zusammenlebens, um Grundsätze des Lebens.

Das kann manchmal etwas ganz Einfaches sein. Ich erinnere mich an eine Darstellung des menschlichen Lebensbogens in einer Arztpraxis, in einer Art Bilderfolge. Aufgezeichnet waren Figuren, die der Reihe nach ein Kind, einen jungen Mann, einen Mann in der Mitte des Lebens, einen älteren Mann und einen gebeugten Greis darstellen, sowie typische Lebenssituationen, die dazu passen, also beispielsweise Schule, Heirat, Tod.  Diese ganz einfache und klare Darstellung, wie das menschliche Leben normalerweise verläuft, ließ mich darüber nachdenken, wie unklar uns dies oft ist – sonst wäre es ja auch nicht nötig, diesen Sachverhalt darzustellen. Tatsächlich verhalten wir uns oft so, als währte das Leben endlos, wir streben nach fernen Zielen ohne den Augenblick zu würdigen. Ohne zu würdigen, was wir jetzt, in diesem Augenblick haben können. Am Ende steht der Tod – eine Notwendigkeit des Lebens, die wir nur allzu gerne ausblenden. Ebenso gern wird ausgeblendet, mit welcher Notwendigkeit es zum Ende des Lebens auch zu körperlichem Verfall kommt – die beschriebene Bildfolge macht es deutlich. Doch wer sich dieser einfachen aber wahren Lebensweisheit entziehen will, der wird, wie so viele, unter der Illusion leiden, man könne sich ewige Jugend erhalten. Das Gegenteil dann jeden Tag im Spiegel festzustellen – das kann schmerzhaft sein.

Ein klein wenig Lebensweisheit – und wir würden unser Leben neu sehen, es würdigen. So, wie es jetzt gerade ist. Wir würden uns vielleicht weniger Sorgen um die Falten des Alters machen, um das Nachlassen in allem, wenn wir einfach nur Akzeptanz erlangen könnten. Es kann nur so sein wie es gerade ist …. und alles ist gut.

Was macht Lebensweisheit in der Regel aus?

Mit Lebensweisheit verbindet man meistens Milde. Der Weise möchte sich, älter und ein wenig ruhiger geworden, nicht jedem Kampf stellen. Wozu auch, das Leben ist am schönsten, wenn man genießt, nicht kämpft. Der Weise sieht das Leben selbst als etwas Wertvolles, nicht mehr so sehr das Erreichen irgendeines Zieles.

Lebensweisheit lässt das Wesen des Lebens erkennen, jenseits äußerlicher Details.

Verbunden damit ist das Annehmen des Unvermeidbaren – und andererseits das entschlossene Aufwenden von Energie, sobald es möglich und notwendig erscheint, eine Sache zu ändern.

Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden. (Friedrich Chr. Oetinger)

 

Lebensweisheit
Lebensweiser

Was ist das äußerliche Erscheinungsbild des Weisen, das sich überliefert?

Von den Jungschen Archetypen kennen wir die Figur des „weisen Alten“, der typischerweise ein schlankes, scharf geschnittenes Antlitz hat, einen weißen Bart, und wallendes Haar. Die Figur wird tausendfach in Filmen dargestellt oder in Texten beschrieben; sie wird uns immer bekannt vorkommen, denn sie ist laut Jung (C.G.Jung, Psychiater, *1875-†1961) Teil unseres kollektiven Bewusstseins. Ähnlich wird die Figur wie Gandalf in dem Film „Herr der Ringe“ dargestellt.

Die Archetypen haben sich durch jahrtausendelange Erfahrung in das menschliche Sein eingeprägt und pflanzen sich in den Menschen von Generation zu Generation fort. Dass sie Teil des sogenannten kollektiven Unterbewußtseins sind, bedeutet, dass diese Erfahrungen nicht individuell gemacht werden müssen. Sie sind schon da! Sie sind in uns, wie Gene.

Der alte Weise wird schlank und asketisch dargestellt, denn er ist an Körper und Geist gesund (anders kann man schwerlich alt werden, insbesondere in den archaischen Gesellschaften, mit gering entwickelter Medizin). Genügsamkeit und Mäßigkeit – Maß halten zählt denn auch zu den Grundweisheiten.

Der Weise hat langes, wallendes Haar, dies mag ein Zeichen für seine Unangepasstheit sein, und seine Indifferenz gegenüber dem scheinbar Notwendigen. Er ist Asket, weil seine Kraft dem Geist entwächst und weil eine weitere Grund-Lebensweisheit des Alters die ist, nicht mehr sein zu wollen als man ist. Selbstgenügsamkeit an Stelle von Es-jedem-Rechtmachen. Das Streben nach äußerer Form, um zu gefallen, ist jedenfalls kein Merkmal des „weisen Alten“. Und schließlich ist die Weißheit des Haars mit dem Begriff der Weisheit über das Wort direkt verbunden.

Lernen von Fremdem, Erfahren des Eigenen

Lebensweisheit zu erlangen, sie zu erfahren – das steht nicht umsonst im Zusammenhang mit fahren bzw. reisen, also einer Tätigkeit des Sich-in-Verbindung-Bringens, mit neuen Situationen und Orten. Es wird immer notwendig sein, die Reise des Lebens nicht mit dem Finger auf einer Landkarte zu vollbringen, sondern selbst zu reisen. Es bedeutet, eine Reise auf sich zu nehmen, die Höhen und Tiefen zu durchleben, um so am Ende im wahrsten Sinn des Wortes die Weisheiten zu erfahren.
Wie eine alte Spruchweisheit sagt: Ein Blick ins Buch und zwei ins Leben, das wird die rechte Form dem Geiste geben. (Johann Wolfgang von Goethe)
Der Blick ins Buch darf so gesehen auf keinen Fall unterbleiben, denn tatsächlich lässt sich so manche Klippe umschiffen, wenn wir die überlieferten Erfahrungen vieler Generationen zu schätzen lernen.

Lebensweisheit zu erlangen ist und bleibt ein Ziel, man könnte auch sagen ein Weg, dessen Ende nie erreicht werden kann. 

Lebensweisheiten was last modified: Mai 31st, 2016 by Henrik Geyer