Was man nicht wissen KANN – Grenzen des Denkens

Im vorigen Gedanken-Reich-Beitrag hatte ich geschrieben, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen KANN, und dies als „Grenzen des Denkens“ bezeichnet. All das im Zusammenhang mit KARMA, dessen Grundkonzept es ist, dass es Wirkbeziehungen geben muss, die aus menschlicher Sicht nicht erkennbar sind. Hier nun soll es darum gehen nach den Grenzen der Erkenntnis zu fragen. Eine Frage, die wiederum mit der ontologischen Frage zusammenhängt, als was man Realität begreift, bzw. das Zustandekommen von Realität.

 

Es ist doch eine Merkwürdigkeit, letztlich hervorgebracht durch das materialistische Weltbild, dass der Mensch glaubt, alles wissen zu können, und dass seiner Erkenntnis keine Grenzen gesetzt sind. So dass er das ultimative Wissen anstrebt – also beispielsweise, was genau das Atom ist, wie der Urknall vor sich ging, etc.. Ich will das nicht schlecht nennen, sondern nur seltsam, dass die Fragen, die sich die Menschheit stellt, immer als die letzten Fragen begriffen werden, so als würde nicht eine Frage die nächste generieren, sondern als könnten die Fragen irgendwo enden.

Aber auch jeder einzelne Mensch hält sich doch, merkwürdig genug, für informiert, und meint, alles zu wissen, oder wissen zu können, was „nötig“ sei. Das Weltwissen, also das Wissen aller Menschen, hält der Einzelne meist für ihm zur Verfügung stehend, und er hält wiederum diese imaginäre Summe allen Wissens (das Weltwissen) für eine Näherung an das, was überhaupt gewusst werden kann.

Wie gesagt ist das eine sehr merkwürdige Auffassung, und zwar aus der Sicht des „Alles fließt“, bzw. des auch des Spirealismus. Da alles fließt, da das Objekthafte eine vorübergehende Sache ist, gibt es keine absoluten Weisheiten, gibt es keine endgültigen Wahrheiten, gibt es keine feste Vergangenheit und Zukunft. ALLES ist den Begriffen des Augenblicks unterworfen, und nichts kann demzufolge getan werden, um ein „endgültiges“ Wissen zu erlangen, oder eine Weltformel.

Dass in uns selbst unüberbrückbare Denkgrenzen sind, können wir aus materialistischer Sicht nicht wahrnehmen, denn hier scheint es ja so, als sei die Welt in einer Art Starre gefangen, einer Starre, die der Starre der einzelnen Objekte gleicht, aus denen sich, nach materialistischer Sicht, die Welt bildet. Und, so die Annahme, von diesem starren Objekt WELT ließe sich Information um Information in einer zuverlässig immer gleichen Weise ABRUFEN, bis schließlich alle Informationen beisammen sind. Das wäre dann das Ziel: das Wissen um alles, die Weltformel, das höchste Wissen.

Aus spirealistischer Sicht lässt sich eher sagen, dass die höchste Weisheit darin liegt dieses „Alles fließt“ sehen zu können, und sich gerade jener Illusion zu entledigen, nämlich der, es ginge darum, „letzte Geheimnisse“ zu ergründen. Das uns bekannte Universum entströmt uns, und dieses Strömen ist unser Begriff von Existenz. Würde dieser Prozess stoppen, wäre er vollbracht indem nun alles ergründet wäre, indem alle Information gesammelt wäre, so dass keine neue entstehen könnte, so endete auch die uns bekannte Existenz. Aber, darin liegt ein Widerspruch. Das Neue IST neue Information – und Existenz bedeutet, es muss Fragen geben. Und, um zu fragen, muss es wiederum Existenz geben. Der Widerspruch liegt bereits in der irrigen materialistischen Sicht auf Information, die darin besteht anzunehmen, eine Information selbst sei etwas Absolutes, das sich in Absolutheit wiederholen könne – so als sei die Anzahl von Information eingrenzbar. Während das nicht der Fall ist. Informationen sind immer verschieden, wir selbst erzeugen sie. Weil eine Information nicht ist, wenn sie nicht aufgefasst wird, ist Information und Bewusstsein verbunden – es gibt keine 2 selben Informationen, so wie es keine zwei selben Punkte in der Raumzeit gibt.

 

Zurück zu der Auffassung des Menschen, er könne alles wissen. Die Schwierigkeit: Was kann man Menschen über Dinge sagen, die sie nicht wissen? Oder sogar nicht wissen können? Ehrlicherweise muss man sagen: gar nichts – jedermann kann das ausprobieren, und jemanden darüber befragen, was derjenige nicht weiß. Wenn man auf diese Frage eine Antwort erhält, dann vielleicht eine wie die: „Ich weiß nichts über Chinesisch, kann es nicht.“ Aber Chinesisch ist ja etwas demjenigen Bekanntes. Es wäre somit die falsche Antwort auf die Frage … Die richtige Antwort wäre: Niemand kann wissen, was er nicht weiß.

Und, noch etwas: Üblicherweise wird das „Weltwissen“, also jenes Wissen, das andere Menschen haben, mit allem vorhandenen Wissen gleichgesetzt, und wiederum der Zugang zu diesem Wissen dem Einzelnen als prinzipiell gegeben angesehen. Aber die Schwierigkeit beginnt bereits hier: Kann der Einzelne wissen, welchen Zugang zu einem vielleicht vorhandenen Wissen er haben könnte? Natürlich nicht! Von dem meisten Wissen, selbst innerhalb der Menschheit, ahnt man nicht einmal dessen  Existenz – angefangen bei einem Gedanken im Kopf des nächsten Mitmenschen. Somit ist auch ausgeschlossen, dass man sich, in Unkenntnis allen „vorhandenen“ Wissens, einen Zugang zu diesem verschaffen könnte.

Aber, noch offensichtlicher, zweitens: Kann die Menschheit alles wissen? Sofort muss man sagen „Nein!“, denn die Annahme, die Menschen seien die einzigen Lebewesen, die etwas wissen, wirkt in einem unendlichen Raum absurd. Was ist mit jenen Außerirdischen, mit deren Existenz wir in diesem Jahrhundert fest rechnen? Aber, letztlich lässt sich auch die Frage, ob „die Menschheit“ alles wissen könne, in die Frage rückübersetzen, ob ein einzelner Mensch alles wissen kann. Aus spirealistischer Sicht bereits deshalb, weil die Menschheit ebenso subjektiv denkt und urteilt wie der Einzelne (supersubjektiv). In der materialistischen Denkweise könnte man argumentieren: Das Wissen der Menschheit mag zwar quantitativ mehr sein als das eines einzelnen Menschen, aber, welche Aussage kann so getroffen werden, über die Menge des nicht vorhandenen Wissens der Menschheit, also jenes Wissens, das die Menschheit nicht hat? Wieder: Keine.

Und .. rückgeführt auf das Wissen eines Einzelnen: bei ihm würde man die Frage, ob er, der Einzelne, alles wissen könne, sofort mit „Nein!“ beantworten.

Aus spirealistischer Sicht wirkt die Vermutung, die Menschheit könne alles wissen und sich den „letzten Geheimnisse“ nähern und diese ergründen, absurd. Der Spirealismus sieht den Menschen als eine Punkt in einem unendlichen Ozean; der Mensch selbst ist die Information des Augenblicks. Und nun wäre die Menschheit, dieses Bild fortgesetzt, eine Punktwolke in einem unendlichen Ozean. Warum unendlich? Weil alles fließt, und die Summe aller möglichen Konstellationen unendlich ist. Es gibt keine zwei selben Informationen, die Realität entsteht in immer neuer Form durch uns. Und, gegenüber der Unendlichkeit gibt es keinen prinzipiellen Unterschied, ob ich nun sage, ich kann eine Information erlangen, oder eine Milliarde Informationen. Gegenüber der Unendlichkeit ist beides so gut wie gleich, ist beides so gut wie nichts.

Und .. diese selbe Absurdität in noch einem anderen Aspekt: Wenn man formuliert, man wolle sich den „letzten Geheimnissen“ nähern, so ist dies ein Paradox, denn „Geheimnisse“, also etwas, das man nicht weiß, werden quantifiziert und wirken in der Formulierung wie abzählbar und sogar wie wenige! Jedoch ist, was wir nicht wissen, nicht quantifizierbar, schon gar nicht in der Weise, dass man das für wenig hält, was man nicht sehen kann.

Wozu das alles?

Wozu das alles? Schließlich erscheinen Erörterungen der Frage, „was der Mensch nicht wissen kann“ dem Materialismus unerfreulich und unkonstruktiv, vielleicht sogar unheilig, denn es droht das geliebte Menschenbild des Allwissenden, des Supermenschen, für den sich der Mensch nach der Aufklärung im Grunde hält, zu stören, oder gar zu zerstören. Aber, um diesen Superman ist es nicht schade, es ist ohnehin nur ein falsches Zerrbild. Und „der Mensch“ wäre umso mehr im Besitz einer großen Weisheit (die dann auch sehr nützlich wäre), je mehr er das begriffe. Je mehr er das „Alles fließt“, dieses nicht-materialistische Begreifen des Seins, verstünde.

Hier einige Antworten auf die Frage „Wozu diese Fragestellung, wozu diese Argumentation?“

Erstens zeigen sich (hoffentlich!) einige Argumente, die auch dem Materialisten verständlich und schlüssig wirken und ihn zum Nachdenken bringen, was ja nicht schaden kann.

Denn wir erhalten, zweitens, sehr praktische und plastische Vorstellungen von vielen (materialistischen) Problemen, die uns überall begegnen. Zum Beispiel im Zusammenhang mit Statistik … einerseits soll Statistik die Realität in ihrer fundamentalen Beschaffenheit beschreiben, indem viele Ereignisse gleichzeitig betrachtet werden. Doch hängt, was Statistik als Realität beschreibt, sehr ab von deren Ausgangserhebungen, von deren Annahmen und Berechnungsweisen. Das wissen wir alle, dieses Wissen manifestiert sich in dem spöttischen Satz: traue nur der Statistik, die du selbst fälschst. Es ist, schon was die einfachste Erhebung angeht, davon auszugehen, dass man hier nicht etwas Eindeutiges ermittelt, das nicht anders denkbar sei, sondern nur eine Möglichkeit Gestalt annehmen lässt. Alles deutet, so gesehen, auf die Möglichkeit vieler Realitäten hin, oder nicht?

Eine Statistik ist recht interessant, als es ja bereits ihr Ansatz ist, die Realität über das Viele zu bestimmen, nicht das Einzelne. Sie fragt nicht: was kann auftreten?, sondern: was tritt häufig auf? – um das dann zur Wahrheit, zur Realität quasi, werden zu lassen, und vermeint, damit besonders objektiv zu sein. Andererseits sehen wir aber wiederum, dass Statistik nichts anderes ist als subjektiv, denn ohne das Definieren und Abzählen des Einzelnen kommt sie ja nicht aus, denn sie will das Viele dem Wenigen gegenüberstellen. Und sie ist außerdem sehr stark davon abhängig, welche Theorie man ihr zu Grunde legt.

Hier fällt der Einsteinsche Satz ein, nach dem die Theorie bestimmt, was man beobachten kann. Man frage sich: Wie viele Theorien kann es geben? Etwa nur eine?

Oder, noch etwas – etwas sehr Praktisches: Wir alle kennen wohl das gesellschaftliche Phänomen einer manipulierten Presse, die eine verfremdete Realität erschafft. Woran erkennen wir das? Indem wir die eigene Realität mit der Presse-Realität vergleichen und feststellen, dass hier ein himmelweiter Unterschied besteht. Eigentlich jedoch muss man sich sagen, dass die Presse immer eine spezielle Realität erschafft. Warum? Weil Presse nicht anders funktioniert als aus sehr vielen Nachrichten sehr wenige herauszugreifen, und diese, gewichtet, auf ihre Titelseiten zu bringen. Dieser Vorgang des Aussortierens und Gewichtens ist einer, der sich nicht in absoluten Maßstäben bewerten lässt. Er ist und bleibt ganz offensichtlich der subjektiven Meinung einer Redaktion unterworfen.

Dies begreifend ist auch hier wieder die Frage, was nun die „richtige“ Realität ist? Putin sagte einmal, die Realität sei das was im Fernsehen liefe. Ist das vielleicht falsch? Ist die „richtige“ Realität vielleicht ausgerechnet die Realität des einzelnen Menschen? Der wiederum vermutet die „richtige“ Realität ja im „objektiven“ Sehen, also in der gesammelten Sichtweise der Vielen. Die Sichtweise der Vielen, die für den Einzelnen wiederum über die Presse zum Ausdruck kommt.

Nun die Frage: Kann man sich denn aus der Realität heraus begeben? Doch wohl nicht! Begreift der Manipulierte, manipuliert zu sein? Wie könnte er? Wie kann er wissen, was er nicht weiß? Wie kann er wissen, welche Information man ihm vorenthält? So gesehen ist die Manipulation der Presse (die willentliche Gestaltung von Nachrichten) etwas sehr Subtiles und wenn man schon merkt, dass eine Presse manipuliert ist, so ist das erstens nur die Spitze eines sehr großen Eisberges. Und zweitens schadet die Erkenntnis der Manipulation nicht unbedingt der Wirksamkeit der Manipulation – wenn man denn die manipulierten Nachrichten überhaupt konsumiert.

Es ist jedem erlaubt, zu sagen, was er will; aber es steht der Presse frei, davon Kenntnis zu nehmen oder nicht. Sie kann jede Wahrheit zum Tode verurteilen, indem sie ihre Vermittlung an die Welt nicht übernimmt. Es ist die furchtbare Zensur des Schweigens, die umso allmächtiger ist, als die Sklavenmasse der Zeitungsleser ihr Vorhandensein gar nicht bemerkt . . . . An die Stelle der Scheiterhaufen tritt das große Schweigen. Hier erfahren die Leserscharen nur noch, was sie wissen sollen. Das ist das Ende der Demokratie.

Oswald Spengler, politischer Schriftsteller, geb. 29. Mai 1880 in Blankenburg am Harz; gest. 8. Mai 1936 in München

Dies so (philosophisch) sehend erschließt sich die Gefahr einer manipulierten Presse, also einer, die die Wahrheit gestalten will, oder, die in eine Parteidisziplin eingebunden ist, noch einmal deutlicher und dringlicher.

Aber noch einmal ganz allgemein gefragt: Mit welcher Notwendigkeit MUSS der Mensch zu einer Wahrheit kommen? Die Antwort: Mit keiner Notwendigkeit. Die Realität ist eine Definition, die ohne eine bestimmte Notwendigkeit entsteht, die ständig wechselt und jede Form annehmen kann.

So zeigt sich, drittens, auf sehr greifbare Weise, ein Aspekt unserer Wahrnehmung, der uns in der materialistischen Sichtweise verborgen ist, und erst durch die spirealistische Sichtweise logisch und erklärlich wird. Es ist die Tatsache, dass die Quelle des menschlichen Wissens der Mensch ist, und es ist das Vorhandensein eines gewissermaßen statischen Bereiches des menschlichen Nichtwissens, auf den man trotz aller Kenntnis seiner Existenz dennoch nicht mit dem Finger zeigen kann. Weil das, was wir materialistisch unter Existenz verstehen, und das, was wir uns gegenseitig mit dem Finger zeigen können, genau dasselbe ist. Die Widersprüchlichkeit dieser materialistischen Sichtweise aufzuzeigen, mit dem Hinweis, dass Existenz mit Denken zusammenhängt, ist die Aufgabe des Spirealismus.

Schließlich also leitet sich viertens aus dem Vorgenannten ab, dass der Begriff EXISTENZ in der materialistischen Sichtweise widersprüchlich und paradox ist – immer soll die Existenz etwas Bestimmtes sein, was nur auf eine Weise gesehen werden könne. Andererseits ist genau das in sich völlig widersprüchlich und nicht zu zeigen. Das sollte zu einem tiefen Nachdenken darüber führen, wie man den Begriff Existenz anders sehen kann. Vorschlag: spirealistisch.

 

 

 

 

 

 

Was man nicht wissen KANN – Grenzen des Denkens was last modified: Dezember 5th, 2017 by Henrik Geyer