Die Welt als Vorstellung – und der Glaube

Man kennt das Buch „Die Welt als Wille und Vorstellung“ von Schopenhauer. Die Welt ist eine Vorstellung – dies ist eine Formulierung, der ich sehr anhänge – Spirealismus heißt ja schon als Wort: Der Gedanke (an eine Realität) ist die Realität. Die Welt als der Gedanke an eine Welt. Das bedeutet Umkehrung der Kausalität: das Primat hat der Gedanke, nicht die Dinge. Nicht die Dinge sind der Grund für die Gedanken, sondern die Gedanken sind der Grund für die Dinge. Warum? Weil ein Ding, das nicht in Gedanken ist, überhaupt nicht ist. Aber auch, weil viele Annahmen des Materialismus ganz offensichtlich in sich paradox sind (auf unauflösbare Weise widersprüchlich).

Da nun, im Gegensatz zur gängigen Vorstellung, jenseits der Gedanken keine festen Dinge „vorhanden“ sind, auf die wir uns beziehen, sondern Vorstellungen von Dingen, ist es sinnvoll, den Begriff Vorstellungen genauer unter die Lupe zu nehmen. Was ist das, wer kann Vorstellungen haben? Ist eine Vorstellung, eine Information, ein natürliches Prinzip, jenseits von Dingen, jenseits von Gehirnen? So sieht es der Spirealismus. Gleichzeitig sieht er die Gedanken (unsere) als beste uns zugängliche Repräsentation davon.

Der Spirealismus sieht keinen prinzipiellen Unterschied zwischen Vorstellung und Glaube. Der Glaube, Dinge seien vorhanden, ist das allumfassende Prinzip des heutigen Denkens.

Der Glaube, Gott sei vorhanden, unterscheidet sich im Grunde nicht von dem Glauben, das Atom sei vorhanden, oder dem Glauben, ein Urknall sei vorhanden (gewesen). Das Prinzip ist immer: durch den Gedanken materialisieren sich die Dinge, werden fest. (Weil die Formulierung, durch Gedanken materialisiere sich etwas, der Seins-Definition des Materialismus widerspricht, ist die Formulierung in sich paradox – dem kann aber kaum abgeholfen werden, da nur Worte aus der materialistischen Vorstellungswelt vorhanden sind).

Eine sehr schöne Phantasie zu diesem Thema stammt von Phillip K. Dick, der in „Eye in the Sky“ beschreibt, wie sich die Realität verschiedener Personen, innerhalb der Verschiedenheit ihrer gesamten Vorstellungswelt, jeweils verschieden aber immer harmonisch und innerlich folgerichtig, fügt.

Die Welt als Vorstellung – und der Glaube was last modified: November 13th, 2017 by Henrik Geyer