Der Ouroboros und das Yin-Yang Symbol

Ouroboros, Oroboro [SPID 3981]Der Vollständigkeit halber möchte ich noch einige Gedanken formulieren zum Zusammenhang des Yin-Yang Symbols mit dem Ouroboros. Es erscheint ja für Einige so, als habe das Eine nichts mit dem Anderen zu tun und so, als führte es stets sehr weit, wenn man die Dinge zergliedert und ihr Nichtzusammenhängen betont und definiert. Man nennt es differenzieren und hält es oft für die wirkungsvollst Methode des Erkennens. Im Gegensatz dazu versuche ich, im Sinne des Spirealismus, die Zusammenhänge des Verschiedenen darzulegen, nicht aber weiter zu zergliedern und zu unterscheiden. Denn für den Spirealismus gibt es nichts, das mit irgendetwas anderem keine Verbindung aufwiese, allein schon aus dem Gedanken heraus, dass alles Geist ist. Da alles im Geist entsteht und durch Geist verbunden ist (Materie ist ebenfalls Geist) gibt es keine absolute Trennung des Einen vom Anderen. Und ganz in diesem Sinne ist die Aussage des Yin-Yang-Symbols, das wiederum eine starke Ähnlichkeit zum Ourobos aufweist, ich will kurz darlegen, in welcher Weise.

Yin und Yang [SPID 4000]Zunächst sind beide Symbole rund, und drücken in dieser geometrischen Figur eine in sich geschlossene Ganzheit aus. Bereits wenn man sie sich ansieht, kann man in der Verbindung des Yin mit des Yang die sich in den Schwanz beißende Schlange erahnen.

Das Yin-Yang-Symbol drückt den Kampf und die Einheit von Gegensätzen aus (siehe auch Dialektik). Die Welt – das ist das beständige Generieren von Objekten, die, indem sie entstehen, Gegensätze hervorbringen … das ist also die Gegensätzlichkeit des dunklen Yin und des hellen Yang. Sie zerfließen ineinander und sind, so gesehen, nahezu ununterscheidbar, doch gerade das Unterscheiden, die Unterschiedlichkeit – das sind die Objekte dieser Welt. Yin und Yang wollen sich miteinander verbinden und nähern sich auf die größtmögliche Weise einander an, doch können dieses Ziel nie ganz erreichen, denn die Gegensätzlichkeit ist das Prinzip der Welt, während das Alles, das Nicht-definiert-Sein, das eigentliche Nichts im wohlverstandenen Sinn ist. Und so haben die krassesten Gegensätzlichkeiten der Welt im Grunde viel mehr miteinander zu tun, als sie einander verschieden sind. Sie sind sich einander so ähnlich wie eine Eins und eine Minus-Eins. Die Eins definiert die Minus-Eins, beide sind nicht ohne einander denkbar, bedingen einander, brauchen einander. Um sich vorzustellen, dass die größten Gegensätze miteinander verbunden sind, muss man sich aber das Nichts anders denken, als es in der materialistischen Denkweise üblich ist.

Das Nichts, als das, was wir nicht denken (Alles ist Geist bedeutet: Die Welt ist der Gedanke an eine Welt), bietet eine Unendlichkeit von Möglichkeiten des Gegensätzlichen. Wir jedoch stellen uns unter etwas völlig Gegensätzlichem genau eine Sache vor, und zwar genau jene Sache, die die negativen Eigenschaften einer anderen bestimmten Sache hat. Im Grunde ist auf diese Weise eine gegensätzliche Sache dadurch definiert, dass sie die umgekehrten Eigenschaften einer bestimmten Sache hat – und das meine ich damit, wenn ich sage, dass die scheinbar gegensätzlichsten Dinge mehr miteinander zu tun haben, als sie tatsächlich etwas jeweils „völlig anderes“ sind.

Das ist der Gedanke des Yin und Yang, das ist der Gedanke des Kampfes und der Einheit von Gegensätzen (Dialektik) … und das ist auch der Gedanke des Ourobos.

Der Ourobos ist die Gegensätzlichkeit in der Einheit, denn der Ourobos, indem er sich in den Schwanz beißt, verbindet das Ende mit dem Anfang, in einer selbstgenügsamen, in sich geschlossenen Weise. Das Ende ist ein Anfang – und jeder Anfang ist ein Ende. Der Ourobos, indem er sich in den Schwanz beisst, nährt sich aus sich selbst. Das Ende und der Anfang sind als Elemente der Weltenentstehung ununterscheidbar, bedingen einander, sind eins, sind ein in sich geschlossener Kreis. Und doch ist es gerade die Unterscheidung (im spirealistischen Sinn ließe sich auch formulieren: das Hineingehen/Hineinzoomen in die Objekt-Welten), die Differenz zwischen schwarz und weiß beim Yin-Yang-Symbol, das Ende und der Anfang beim Ourobos, der Kampf des Einen gegen das Andere in der Dialektik, die unsere Welten entstehen lassen.

Das Grau der Durchmischung der Verschiedenheit von Schwarz und Weiß, das Brummen der verschiedensten Töne wenn sie zugleich erklingen, das Nirgendwo-Sein wenn etwas überall ist, das ist das eigentliche Nichtsein. Das Nichts ist: keine Information. Und alles was ist, ist Information. Denn alles ist Geist und jeder Gedanke ist Sein.

 

Der Ouroboros und das Yin-Yang Symbol was last modified: August 12th, 2017 by Henrik Geyer