Alles fließt und Karma …

Ich hatte im vorigen Post der Gedanken-Reich-Rubrik frech behauptet, „Alles fließt“ (des Heraklit), und auch der Begriff Synchronizität (C.G. Jung) stünden im Zusammenhang mit dem Begriff Karma. Ich will in wenigen Sätzen sagen, wo ich den Zusammenhang sehe.

Bei der Aussage „Alles fließt“ des Heraklit handelt es sich um eine Sichtweise auf die Realität, die normalerweise nicht die Sichtweise unserer materialistischen Weltanschauung ist. Denn, weil das „Objekt“, der Fluss, sich in jedem Moment neu konstituiert, kann man nicht sagen, dass man in einem Moment in denselben Fluss steigen kann, in dem man schon einmal badete. Daher auch der bekannte Heraklitsche Satz „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen“. (Eigentlich müsste man sagen, dass man überhaupt nicht, auch nicht einmal, in denselben Fluss steigen kann. Denn der Begriff „derselbe“ beinhaltet bereits eine Dualität, es sei derselbe im Vergleich zu einem anderen Mal. Und gleichzeitig sagt der Begriff „derselbe“ aus, es handele sich um genau dasselbe… Ähnliche Widersprüche gibt es in der materialistischen Anschauung zuhauf.)

Und so ist, in der Heraklitschen Weltsicht, die gesamte Wirklichkeit beschaffen. Alles fließt, also nicht nur der Fluss, sondern auch der Baum, der Stein, der Stern, etc..

So gesehen, aus dieser Weltsicht, mutet es einigermaßen merkwürdig an, dass wir von Moment zu Moment Objekte zu sehen glauben, die fest zu sein scheinen, obwohl uns doch unser genaues Nachdenken sagt, dass das nicht so sein kann. Im Spirealismus habe ich dafür den Begriff objekthaftes Denken. Er benennt diese Merkwürdigkeit: es „gibt“ keine in einem Außen fest definierten Objekte, und dennoch sehen wir sie. Und je mehr wir in der materialistischen Weltanschauung sind, desto ausschließlicher sehen wir sie.

Aus der Heraklitschen Anschauung (ebenso wie aus der spirealistischen) sehen wir, nun wiederum aus dem Vorgenannten, dass es keine festen Wirkzusammenhänge geben kann, die ja zwischen festen Objekten hergestellt werden müssten – also ist das, was wir als Kausalität bezeichnen, der Eindruck des Augenblicks, während unserer Aufmerksamkeit offenbar soundso viele kausale Zusammenhänge im selben Augenblick entgehen. Der Materialismus würde sagen: Zusammenhänge, die es gibt. Der Spirealismus würde sagen, Zusammenhänge, die es jederzeit geben könnte (man muss sie nur denken).

Man könnte es auch so formulieren: Kann man die Welt als fließend sehen, also nicht als fest, ist es selbstverständlich, dass auch alle kausalen Beziehungen fließen. Demzufolge können sie jede Konstellation einnehmen, und es gibt nichts, was nicht in einem Zusammenhang mit etwas anderem steht, oder stehen kann.

Jedenfalls ist das die Brücke: wir sehen die diversen Zusammenhänge nicht, sondern immer nur einzelne, wenn man so will sehen wir unvollständig. Und sind dann überrascht, wenn sich Wirkzusammenhänge darstellen oder denken lassen, die scheinbar völlig Verschiedenes zusammenführen, und uns einen Blick auf unser Schicksal aus einer ganz ungewohnten Perspektive werfen lassen – der karmischen Perspektive.

 

Synchronizität ist ein Begriff, den Jung etwa so meinte: Man beschäftigt sich mit etwas, vielleicht einem Buch oder einer Thematik, etwas gelangt in das Bewusstsein. Und plötzlich begegnet einem diese Sache im Außen. Vielleicht eine Sache von größter Seltenheit, die man so im eigenen Leben noch nie, oder nur ganz selten, beobachtete. Der Gedanke liegt nahe, dass hier mehr als Zufall am Werke ist – dieses zeitnahe Auftreten offensichtlich verwandter Ereignisse, die doch (nach herkömmlichem Verständnis) keinerlei kausalen Zusammenhang haben können! (Man denke auch an den Begriff Deja Vu) Jung wollte mit dem Begriff der Synchronizität nichts erklären, sondern er gab einer Sache einen Namen, die er, zumindest in seinem Leben, öfters beobachtete. Ich würde sagen, so wie es jeder spirituelle Mensch wohl ab und an erlebt.

Und da ist wieder die Brücke zu Karma. Es gibt Zusammenhänge, die wir nicht sehen können. Und zwar aus wohlerwogenen, völlig klaren Gründen. Diese Gründe sind uns, ausgestattet mit unserem materialistischen, objekthaften Denken, unsichtbar. Innerhalb dieser Weltsicht vermögen wir nicht zu sehen, dass alles fließt, dass es jenseits unseres Wissens Wissen gibt, und dass es Dinge gibt, die der Mensch nicht wissen kann. Und dann sind wir überrascht, eben das anzutreffen – als „das Unerklärliche“.

Alles fließt und Karma … was last modified: November 22nd, 2017 by Henrik Geyer