Frohe Weihnachten 2018!

Frohe Weihnachten 2018, euch allen!

Manchmal denke ich mit Wehmut an die Zeiten, als man sich noch über kleinere Dinge freute! Als Weihnachten noch ein einfaches Fest mit halb so vielen Geschenken und Chinaplastik war. Damals war ein Weihnachtsgeschenk doppelt so schön wie heute, denn alles ist ja relativ … Damals, als man die Weihnachtsutensilien fein säuberlich von Jahr zu Jahr aufhob und sogar vererbte, und nicht den ganzen Plunder wegschmiss und für jedes Weihnachten neu beschaffte. All diese „Traditionen“ leben in vielen von uns weiter – für uns selbst ist das wichtig. Und natürlich auch für die Kinder, die vorgelebt bekommen müssen, dass es gut ist, Werte wie Zusammenhalt und Fleiß und Phantasie nach vorn zu stellen, dass Liebe etwas sehr Konkretes ist – nicht etwa etwas Abstraktes, das mit dem Wort „alle“ oder „alles“ zusammenpassen könnte. Für die Kinder, die so etwas nicht etwa nur gesagt bekommen sollen(!), bei dissonanter Begleitung durch eine Orgie des Materiellen, durch Wegwerfen und Achtlosigkeit, was ja eigentlich eine Absage an all die vorgenannten Werte ist. Sondern, die das spüren müssen, um es glauben zu können. 

Die dunkle, stille Zeit … wie viel herrliche Vorstellungskraft und Zu-sich-Kommen in diesen längsten Tagen des Jahres liegt! Dunkelheit und Stille sind mir Synonyme für Phantasie, denn die Dunkelheit lässt das Denken frei sein von äußerlichen Eindrücken. Statt nun mit dem Bilden von Gestalt aufzuhören, als sei Denken an das Widerspiegeln äußerlicher Dinge gebunden, macht es einfach weiter, und bringt die wunderlichsten Formen hervor. Man muss nur wieder lernen, daran zu glauben, so wie in Kindertagen. Wozu? Weil ansonsten das Leben recht arm ist, und man nur das sehen kann, was in unser aller kollektivem Bewusstsein ist.

Frohe Weihnachten 2018, euch allen!

 

Dezember

Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.

Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.

Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.“

(Erich Kästner)

 

Frohe Weihnachten 2018! was last modified: Dezember 24th, 2018 by Henrik Geyer