Warum bin ich für Grenzen?

Ich wurde neulich gefragt, warum ich auf diesem Blog äußere, der Gedanke der Grenzenlosigkeit sei unsinnig und gefährlich? Zumal doch die Einstellung eines spirituellen Menschen Grenzenlosigkeit sein müsse (Stichworte Unendlichkeit, alles ist eins, astral,  metaphysisch).

Ich habe die Frage in etwa wie folgt beantwortet:

Die Begriffe Grenzenlosigkeit und Grenzen sind sehr wichtig, denn das richtiges Verständnis dieser Worte ist für die Philosophie des Spirealismus fundamental.

Diese Philosophie sagt ja aus und begründet, warum tatsächlich alles Geist ist. Ich nannte diese Philosophie SpiREALISMUS, weil ich mit ihr gerade untersuchen wollte, wie die Realität, der wir uns (jeder einzeln), gegenübersehen, zu Stande kommt. Es war also nicht meine Absicht, eine nur wohlklingende, aber nicht stimmige Philosophie zu entwerfen, deren Aussage vielleicht lediglich wäre: „Wir sind astral!“, und die somit weiter nichts besagt.

Die sogenannte Realität, sofern wir davon sprechen wollen, wird jeweils bestimmt durch Grenzen. Nicht „alles“ kann in einer gegebenen Realität möglich werden, selbst durch noch so intensives Denken – auch wenn alles Geist ist. Denn das, was wir unter Existenz  verstehen, die Abgrenzung der Dinge und Begriffe, wird ja eben erst möglich durch Grenzen. Ähnliches Thema: Was ist von Grenzenlosigkeit zu halten?

Widerspricht sich hier der Spirealismus selbst? Nein. Der Spirealismus geht davon aus, dass die Grenzen, soweit sie vorhanden genannt werden, im Denken vorhanden sind. Während die allgegenwärtige materialistische Weltanschauung ja meint, das Denken wäre frei, und nur bestimmt, durch eine äußerliche, materielle, Realität. Insofern ist es für Materialisten stets logisch zu sagen, man solle das materielle Außen ansehen, wenn man wissen wolle, wo die Grenzen sind, nicht aber das Denken. Das Denken als von vorn herein mit Grenzen behaftet zu sehen, ist in dieser Weltanschauung direkt eine Beleidigung des scheinbar so großartigen menschlichen Denkens.

Insofern also wird der Materialist meinen, das Denken sei völlig frei, es käme sozusagen nicht auf das Denken Einzelnen an, und so weiter. Stichwort freie Religionsausübung, keine Grenzen für Niemanden, etc..

Der Spirealist hingegen wird eine solche Auffassung, zumindest ab einer gewissen Schwelle (Grenze), naiv nennen, da seine grundlegende Auffassung ja erstens nicht die ist, dass es Grenzenlosigkeit überhaupt gibt.

Und zweitens glaubt er nicht, dass die Grenzen außerhalb des Denkens wären.  Nein, sie sind im Denken. Das bedeutet z.B. in der Konsequenz, dass das Denken meines Nächsten mein Denken mitbestimmt.

Grenzen des Denkens

Die Grenzen im Denken sind ohne weiteres in der Gesellschaft zu entdecken. Sind es doch die Meinungen, die Moral, die Ethik, die man sehr wohl als die Grenzen des Denkens sehen muss.  Gut, dass es diese Denkgrenzen gibt! Umgekehrt werden die Denkgrenzen von Attentätern, die sich inmitten von Menschengruppen in die Luft sprengen, beim Attentat offenbar. Vorhanden waren sie aber schon vorher. Aus dem, was die Menschen denken, werden auch ihre juristischen Gesetze gemacht, woraus wohl sonst?

Was also würde uns Menschen denn mehr begrenzen, als das Denken der anderen Menschen, die uns umgeben?

Denkgrenzen sollte man nicht als negativ verstehen, wohlgemerkt.  Sondern erst einmal sind sie einfach essenziell, unumgänglich; sie sind das Wesen unserer Existenz.

 

Nun zu sagen, alle Menschen seien gleich, insbesondere im Denken, ist eine absurde Vereinfachung, eigentlich völlige Verballhornung.

Nein, sie sind unterschiedlich, und die Grenzen liegen eben gerade im Denken, sowohl hüben wie drüben. Wenn das anders wäre, würden sich die Menschen aus anderen Gesellschaften nahtlos in diese Gesellschaft einfügen können, und würden das sogar wollen, etc.. Doch das ist immer schwierig, mit notwendigen Verwerfungen und Konflikten verbunden. Und umgekehrt würden wir die Ansprüche der Fremden, ihre Lebens- und Sichtweisen unwidersprochen übernehmen können, wären nicht in uns selbst ebensolche Grenzen. Man könnte es auch so sagen: Wir wollen unseren Lebensstil pflegen, und haben darin eine gewisse Beharrlichkeit.

Kann Grenzenlosigkeit realistisch sein? Natürlich nicht. Realistisch ist eher, dass unsere Konflikte, so wie wir sie gerade ausbrechen sehen, die Konflikte verschiedensten Denkens sind. Niemand kann sagen, er selbst sei frei von Denkgrenzen, und sehe diese nur in anderen.

 

Daher geht es dem Spirealisten nie um Grenzenlosigkeit, denn er weiß genau, dass Grenzenlosigkeit im Munde zu führen zwar gut klingt, aber leider gar keine Bedeutung hat. Es gibt keine Grenzenlosigkeit. Alles hat Grenzen. Grenzenlosigkeit gibt es erst recht nicht im Denken. Im Gegenteil, das Denken wird mit Notwendigkeit zu dem was wir tun, es „materialisiert“ sich in den Handlungen, den Worten, den Gesetzen, etc..

Daher ist es wichtig die Grenzen zu sehen, sie zu analysieren, und sie sinnvoll zu definieren. Was will man, was nicht? Die Grenzen des Staates zu definieren, und sich nicht darum zu drücken, das wäre die Aufgabe der Politik, ebenso wie es die Aufgabe jedes Einzelnen ist, seine eigenen Grenzen zu begreifen, zu achten und zu definieren. Jeder Explosivstoff zündet erst ab einer bestimmten Grenze, jedes Medikament wirkt erst ab einer bestimmten Dosis, jedes Gift ist erst ab in einer bestimmten Menge tödlich. Bis zu dieser, vielleicht zunächst nicht sichtbaren Grenze, mag man leicht von Grenzenlosigkeit sprechen, danach nicht mehr. Alles hat Grenzen. Und wir wären dumm, wenn wir unsere eigenen nicht sehen und definieren würden.

Grenzenlosigkeit zu deklarieren ist ebenso fahrlässig wie unsinnig. Das Scheitern fängt bereits damit an, dass man Grenzenlosigkeit nirgendwo zeigen kann.

Warum bin ich für Grenzen? was last modified: April 4th, 2016 by Henrik Geyer