Unwort „deutsch“

Neulich, in einem sozialen Medium, ging es wieder einmal um dieses aufreizende Wort „deutsch“. Bei der Frage, was „wir“ als Deutsche wollen, ob „wir“ eigene nationale Interessen hätten oder haben dürfen, ging es plötzlich wieder um die Frage, wer „wir“ überhaupt sind. Wenn man sagt „deutsch“, so hieß es, dann grenzt man Leute aus, das sei eine Verunglimpfung.

Somit begibt man sich in die Gefahr einer Verunglimpfung, sobald man das Wort „deutsch“ benutzt. Denn das Wort „deutsch“ erfasst eben nicht alles und jeden, das oder der in Deutschland ist. Politisch korrekt ist das natürlich nicht, in den Augen jener politisch Korrekten.

Haben „wir“ Deutsche überhaupt eine Identität? In der Tat: wenn alles zu uns gehört, und nichts ausgegrenzt wird, wer sind „wir“ dann? Andererseits ist es doch ein Ding der Unmöglichkeit, ohne Identität zu denken und zu sprechen … (und natürlich verfehlen gerade jene, die dieses Denken predigen, den Beweis von dessen Möglichkeit).

Wenn es kein „wir“ gibt, keine gemeinsame Identität der Deutschen, dann erübrigt sich tatsächlich auch die Frage, was „wir“ (als Deutschland) tun sollen. Dann müssten all die hochbezahlten Parlamentarier, die „für uns“ sprechen und überlegen sollen, nach Hause gehen. Denn, wer sind „wir“ überhaupt? Dann sparen wir uns das und sind einfach nur noch .. „alle“. Und „alle“ müssen auch keine Entscheidung treffen für oder gegen irgendetwas. Klar, denn welches Interesse hat schon „alle“? Kein spezifisches, jedenfalls. „Alle“ will eben alles … und natürlich auch wieder nichts.

Warum ist es in bestimmten Kreisen so schwierig zu sagen „Ich bin deutsch“? Eher könnte man dort sagen: „Ich bin Päderast!“ Aber „deutsch“ – das klingt schon mal …

„Deutsch“ … besser man überlegt sich etwas anderes. Oder man kümmert sich einfach nicht darum, wie es in den Ohren mancher klingt.

 

Siehe auch: Artikel Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein?

Siehe auch: Artikel Was ist von Grenzenlosigkeit zu halten?

 

Unwort „deutsch“ was last modified: April 25th, 2016 by Henrik Geyer