Merkel setzt sich an die Spitze der Gegner ihrer Politik

… sie versucht es zumindest.

In ihrer Presseerklärung zu den jüngsten Attentaten in Deutschland wird deutlich, dass Frau Merkel die Attentate zutiefst verurteilt – Gott sei Dank! Man befürchtete fast schon, sie hielte die Entwicklung in Deutschland für völlig normal. Ihrer Diktion folgend ist ja alles ganz zwangsläufig – ihre Politik sei alternativlos, so viel wissen wir … von ihr. Eben wegen dieser Alternativlosigkeit müssen sich jetzt Land und Helfer verhöhnt von den Tätern vorkommen, nicht etwa Frau Merkel selbst!

Inzwischen, so Merkel wie selbstverständlich, befindet sich Deutschland im Krieg mit dem IS, praktischerweise gleich hier vor Ort, nicht etwa im Ausland. Da muss man nicht so weit reisen um zu kämpfen. Und kämpfen wollen wir Deutschen, wer wollte das bezweifeln? Kinnmuskelspanner waren die Deutschen schon immer. Jetzt heißt es einfach einmal mehr: Augen zu und durch, und … Kinnmuskeln anspannen!

Um besser kämpfen zu können hat Merkel ein Maßnahmenpaket geschnürt, das aus lauter Sicherheitskonzepten besteht. Aufrüstung der Sicherheitsorgane. Ihre No-Limit-Welcome-Politik muss sie daher nicht ändern – die ist ja, wie gesagt, alternativlos.

Der Attentäter von Ansbach, so erfahren wir von ihr, sollte nicht nach Syrien abgeschoben werden, sondern eigentlich nur nach Bulgarien. Wenn ich sie richtig verstand, sollte das wohl heißen, dass die Psyche des Täters (jawohl, auch dieser hatte einen psychiatrischen Befund!) durch dessen drohende Abschiebung in ein unzivilisiertes Land wie Bulgarien einem besonderen Stress unterlag  – vielleicht eben jener Tropfen, der dann das Fass zum Überlaufen brachte. Wäre Bulgarien doch nur ein angenehmerer Fluchtort …

Man fragt sich natürlich, was um alles in der Welt gut daran sein soll, wenn sich die europäischen „Partner“ untereinander die gemeingefährlichen Irren unterjubeln. Das ist nach Merkelschem Verständnis wohl die europäische Solidarität, die sie einmal mehr in ihrer Rede dringend einfordert. Jetzt gelte es, schneller und besser zu verteilen! Dass Polen und viele andere Länder auf die Segnungen Merkelscher Logik gar keine Lust haben, und schlicht nicht mitmachen, das ist aus ihrer Sicht natürlich völlig unverständlich. Klar.

Merkel sagt, sie habe nie behauptet, all das sei ungefährlich. Hm. Dann dachte man vielleicht nur, dass vorsichtiges Handeln zum Besten Deutschlands für sie oberste Priorität habe. Aber versprochen hat sie nichts – insofern stimmt völlig, was sie sagt.

Gesagt hat sie: „Wir schaffen das!“ „Wir schaffen das“ wiederholt sie auch. Nur die Toten, die Opfer, die Schwerverletzten, die schaffen es nun nicht mehr. Schade eigentlich. Aber die waren auch nicht auf der Pressekonferenz, um ihre Meinung zum Wir-schaffen-das-Konzept zu äußern. Das wäre interessant gewesen. Wie sagte schon General McArthur: „Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen.“ 

Frau Merkel setzt sich an die Spitze der Gegner ihrer Politik, indem sie das eigene Handeln als alternativlos und verantwortungsvoll darstellt, die Folgen hingegen müsse man als getrennt davon betrachten. Und gegen die Folgen ist sie natürlich, und zwar explizit und konsequent! Naja, und ganz doll.

Von den Folgen sieht man ohnehin nur die Spitze des Eisberges; die Taten nämlich, die es auf Grund ihrer unmittelbaren Bedrohlichkeit auf die Titelseiten schaffen. Das weniger publikumswirksame allgemeine Desaster – das wird sich erst in Jahren offenbaren.

Frau Merkel beweist einmal mehr Sitzfleisch und Chuzpe, Chapeau dafür. Genauso kennen wir es von ihrem Türkeideal. Mal sehen, wie lange die Deutschen dieses Theater noch mitmachen.

 

Merkel setzt sich an die Spitze der Gegner ihrer Politik was last modified: August 2nd, 2016 by Henrik Geyer