Ist ein Fremdenfeind oder Fremdenhasser, wer Grenzen befürwortet?

In den Medien werden oft jene, die sich klare Zuwanderungsgrenzen wünschen und mithin auch einen aktiven Grenzschutz, oft automatisch als Fremdenfeinde diffamiert, oder auch als Fremdenhasser.

Grenzen braucht jeder und hat jeder

Ist man automatisch der Feind von etwas oder jemandem, das man nicht um sich hat oder das man meidet? Hasst man es?

Nein, natürlich nicht. Vielmehr ist, sich abzugrenzen, der beste Weg, Ungemach wie Hass und Gewalt zu vermeiden. Schließlich hasst man nicht den Löwen, man hasst nicht den Bären – warum sollte man? Man hasst nicht den Fliegenpilz, solange man ihn nicht verschluckt. Man muss auch nicht Scharia oder Salafismus hassen, wenn man sie nicht gerade vor Ort hat; umgekehrt will man sich von jenen auch nicht unbedingt hassen lassen. Erst wenn der Bär das Rehkitz ergreift und verschluckt, kommt es zu einem feindlichen Akt aus der Sicht des Rehs – und zu einer „freundlichen Übernahme“, einem Glücksfall, aus der Sicht des Bären. Die Grenze einer Sache ist die Begrenzung einer anderen Sache – die beste „Garantie“ für das Bestehen-Können all der verschiedenen  Dinge der Welt ist, dass jedes seinen Raum hat.

Man muss also all das oben Genannte nicht hassen, aber man muss es auch nicht lieben. Man muss es nicht beurteilen. Man grenzt sich ab. Erst in der Nähe und in der Auseinandersetzung, entstehen Feindlichkeit oder Hass, ebenso wie Freundlichkeit und Liebe. Liebe und Hass sind die zwei Seiten derselben Sache. In ihrer vereinnahmenden Endgültigkeit treffen sie sich im Extrem, und gleichen dann einander wie ein Ei dem anderen.

Grenzen hat und braucht einfach jeder: Jedes Ding, jedes Tier, jeder Mensch. Sich abzugrenzen nennt C.G. Jung in der Psychologie Individuation, ein natürlicher Vorgang der unabdingbar ist, damit ein Mensch zu einer (eigenständigen) Persönlichkeit werden kann. Individuation hat etwas mit Enttäuschen-Können zu tun – das bedeutet, Individuation findet man in der Regel am anderen nicht gut. Muss man auch nicht. Hat nicht auch ein Staat eine Psyche? Ich denke, ja.

Jeder braucht seine Abgrenzung. Jeder schließt abends seine Tür ab. Warum? Weil man die Leute hasst, die auf der Straße gehen? Nein. Weil man zum Selbstschutz Grenzen braucht? Schon eher.

Und auch der Staat … braucht Abgrenzung.

Siehe auch: Antithese – nicht völlig gegensätzlich

Ähnliches Thema: Hoffnung – Frei von Hoffnung und von Furcht.

sind Linke die besseren Menschen?

Oft wird der Standpunkt der Grenzenlosigkeit von Linken so argumentiert, als sei es für sie selbstverständlich (oder überhaupt möglich), nur in Kategorien der Grenzenlosigkeit und Liebe zu denken und zu handeln. Die Linken, so soll es aussehen, sind die besseren Menschen, denn das Prinzip der Menschlichkeit sei angeblich nur bei ihnen vorhanden. Die Konservativen hingegen, auch Rechts genannt, kurz gesagt der Feind, den man selbstverständlich auch Nazi nennen darf, oder Hasser, das ist natürlich der Gegenentwurf der Liebe und der Grenzenlosigkeit.  Es sind die anderen. Die Linken, das sind die Liebenden, die Grenzenlosen – so sehen sie sich wohl selbst. Wenn doch nur alle so dächten, wie es doch einzig und allein richtig ist! Und … wie hassenswert dieses andere Denken ist!

Sind also die Linken wirklich so friedliebend und grenzenlos? Die Sprache der Linken ist eine andere. Ist es vielleicht nicht hasserfüllt, wenn in der Sprache der Linken Selbstgerechtigkeit herrscht, wenn jeder andere Standpunkt mit Dysphemismen abgewertet wird? Wenn man z.B. in Kategorien wie (Fremden-)Hass und (Fremden-)Feindlichkeit denkt, und dieses Denken immer in anderen sieht und anderen unterstellt? Ist es vielleicht keine Abgrenzung, dieses Den-Streit-und-die-Polarisierung-Suchen? Sind das wirklich immer nur die anderen?

Man kann es viel besser eine psychologische Projektion nennen: Man sieht im Anderen, was man selbst ist.

Rhetorik der unverbrüchlichen Liebe mit paradoxem Ergebnis

Für mich sind die Linken keine bessere Spezies. Das Propaganda-Denken, das im Namen der Liebe und des Friedens alles vereinnahmen will und noch dazu angeblich völlig alternativlos sei, das kenne ich noch aus Zeiten des Sozialismus.

Damals hieß es, all das, was ringsum zu sehen war, habe der Sozialismus erschaffen. Dabei waren die seit Ewigkeiten unrenovierten Gebäude größtenteils vor dem Krieg gebaut worden. Der Sozialismus habe den Menschen befreit, dabei war genau das Gegenteil der Fall – Unfreiheit war sein Begleiter. Der Sozialismus sei der Garant für den Frieden, dabei gab es damals das größte Wettrüsten aller Zeiten. Im Namen der Liebe und Völkerverständigung warfen die Kinder im Sportunterricht Handgranaten-Attrappen.

Auch damals gab es Grenzen. Grenzen, die den Staat durchaus schützten, und das ist die Wahrheit, denn ohne diese Grenze hätte sich der Staat DDR in kürzester Zeit aufgelöst. Die Leute wären einfach weggerannt. In völliger Verdrehung der Tatsachen hieß es damals, diese Grenze aus Beton und Stacheldraht sei dafür geschaffen, die Freiheit der DDR-Bürger zu bewahren. (analog zu dieser verdrehten Logik hört man heute oft, die Landesgrenze Deutschlands sei mit Unfreiheit gleichzusetzen, sei quasi ganz ähnlich der DDR-Unrechtsgrenze)

Die Zeitung „Prawda“ schließlich (Prawda = russ. für Wahrheit) sagte permanent die Unwahrheit und die Zeitung „Volksstimme“ war nicht die Stimme des Volkes. Der Journalismus war sich damals im Sagen der Unwahrheit sehr einig, vermutlich sprach man auch damals von Lügenpresse. Die einzelnen Journalisten aber waren sich keiner Lüge bewusst – sie schrieben sicherlich, wovon sie überzeugt waren. Sie wären andernfalls an dem Widerspruch des Denkens zerbrochen, darf man annehmen, und natürlich waren andere Überzeugungen als „die richtigen“ auch völlig undenkbar – und ein Berufsausschlusskriterium.

Lügen linker Prägung und Heuchelei waren in der DDR das Normale … aber gegen den Sozialismus sein, das ging eigentlich nicht, denn der Sozialismus, der war ja so gut für den Menschen, so edel! Irgendwie fühlte sich dieser unauflösbare Widerspruch (hier die selbstgerechte Rhetorik, dort die Realität) wie Schizophrenie an, denn tatsächlich glaubten wohl die meisten DDR-Bürger, mich eingeschlossen, der Sozialismus sei im Grunde die bessere Gesellschaftsordnung.

Zu der sozialistischen Rhetorik von damals, die immer predigte, der Mensch habe zu sein, wie man es sich in der „Partei- und Staatsführung“ ausdachte (wie der Mensch aber offensichtlich nun einmal nicht sein konnte), passen die heutigen Grenzenlosigkeitsphantasien der Linken. Auch hier solle man ganz neu und grenzenlos denken, der Rest komme dann schon.

Aber auch zu den Phantasien der Nazis passt es, denn auch die wollten ja den neuen deutschen Menschen erschaffen, der sich im Stahlgewitter läutert und seine (dann endgültige und grenzenlose) Freiheit in den Weiten des Ostens sucht.

Übrigens kommen Links und Rechts (wohlgemerkt in ihrer Absolutheit) schließlich durchaus zusammen – sie brauchen einander als Pole, sie werden eins; in ihrer mundtot machenden Wirkung, aber auch im Selbstverständnis. Schließlich sahen sich auch die Nationalsozialisten als eine Volksbewegung, wiederum natürlich ganz neuer Art. Die Farbe auch ihrer Fahne war das Rot(-Braun) des Volksblutes. Aber sie hassten die Kommunisten.

Der Feind sind Übertreibung und Selbstgerechtigkeit

Der eigentliche Feind – das sind Übertreibungen jeder Art, und vor allem Selbstgerechtigkeit.

Natürlich ist das Leben Veränderung. Jedoch ist das Maß der Veränderung entscheidend – es geht nicht um ein „ob oder ob nicht“. Das Maß der Veränderung, turbulent oder mäßig, kann sich in die gesellschaftliche Realität in Aufruhr und Tumult, gar Krieg, oder gemächlichen und friedlichen Wandel übersetzen.

Nur wenn man glaubt, der Mensch sei ein Genie, das auf einen Prozess (die Welt) schaut, mit dem er selbst nichts zu tun hat, sondern den er von außen sieht und mühelos steuert, dann kann man auf die Idee kommen, er, der Mensch, solle „einfach umdenken“, und könne sich widernatürlich grenzenlos verhalten.

 

 

Ist ein Fremdenfeind oder Fremdenhasser, wer Grenzen befürwortet? was last modified: Juni 5th, 2016 by Henrik Geyer