Ich putz‘ mir noch die Schuhe – und dann verglüht die Sonne!

Neulich hörte ich eine amüsante Geschichte aus dem Leben Townes Van Zandts, einem amerikanischen Country-Music Singer-Songwriter, der 1997 verstarb.

Van Zandt war bekannt für seine wunderschönen, lyrischen Songtexte, die mit denen Bob Dylans verglichen wurden, ebenso wie für seine einfache und eingängige Musik. Ebenso  bekannt war er für seine vielfältigen Süchte – Alkohol, Drogen … Man könnte auch sagen, Van Zandt lebte sein Leben als gäbe es kein Morgen.

Van Zandt wuchs auf im ländlichen Amerika auf und besuchte die Schule in der dritten Klasse – von hier überliefert sich folgende Geschichte aus seiner Kindheit:

Der Junge kam pünktlich zur Schule wie immer, die Schuhe geputzt, die Hausaufgaben gemacht, er bemühte sich gerade zu sitzen. In dieser einfachen Schule gab es nur einen Raum und nur eine Lehrerin; die verschiedenen Fächer wechselten, einfach, indem die Lehrerin von Stunde zu Stunde das Thema wechselte. Schließlich kam sie zum Thema der Wissenschaften … das Universum. Die Erde sei Teil eines Systems von Himmelskörpern, ein System in dessen Mitte sich die Sonne befindet, sagte sie. Die Sonne sei ein Stern, und wie bei allen Sternen sei es deren Werdegang, zu leuchten, und eines Tages aber auch zu verglühen.

Van Zandt schrak auf.

„Verdammt! Ich bin pünktlich zur Schule gekommen, habe noch die Schuhe geputzt! Habe meine Hausaufgaben gemacht, bemühe mich gerade zu sitzen … und jetzt sagen Sie, die Sonne verglüht?“

Es heißt, dies sei ein Schlüsselerlebnis gewesen, das Van Zandt sein Leben intensiv leben ließ, ohne große Gedanken an morgen.

Zu diesem Thema noch ein Zitat von Hunter S. Thompson:

Das Leben sollte nicht als eine Reise aufgefasst werden, an deren Ende das Grab steht, verbunden mit der Absicht, dorthin in Sicherheit und mit einem gut erhaltenen Körper zu kommen. Sondern eher, wie in einer Staubwolke an den Rand zu schlittern, durch und durch abgenutzt, völlig verbraucht, und laut rufend: „Wow, was für eine Fahrt!“

Life should not be a journey to the grave with the intention of arriving safely in a pretty and well preserved body, but rather to skid in broadside in a cloud of smoke, thoroughly used up, totally worn out, and loudly proclaiming „Wow! What a Ride!“

Hunter S. Thompson

Es muss dazu gesagt werden, dass sich Hunter S. Thompson mit 67 das Leben nahm. Sein Abschiedsbrief ließ keine Bitternis erkennen.

 

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Ich putz‘ mir noch die Schuhe – und dann verglüht die Sonne! was last modified: April 27th, 2016 by Henrik Geyer