Helikoptergeld ist Irrsinn

„Helikoptergeld ist keine Option“, findet Hans-Werner Sinn in einem Gastbeitrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Was Sinn hier so fein und zurückhaltend formuliert (auf eine dem Ökonomen Sinn liegende, komplizierte Art und Weise), ist doch schlicht der pure Irrsinn. Helikoptergeld ist eine Kapitulation vor dem Problem der Überschuldung, das man nur mit mehr Wirtschaftswachstum meint beheben zu können, wozu wiederum das Anschmeißen der Notenpresse dienen soll. Bzw. ist die Überschuldung ja bereits „behoben“, wenn man stets frisches Geld von der EZB bekommen kann. Die Logik dieses Tuns ist nur auf den Moment und auf Einzelinteressen ausgerichtet, niemals auf das Wohl des Ganzen.

Dass bei einer Geldschwemme das normale ökonomische Handeln, das aus gutem Grund Sparsamkeit und Mäßigung als wichtigen Grundsatz beinhaltet, auf den Kopf gestellt und ad absurdum geführt wird … so what! Was kümmert es den Hasardeur!

Nebenbei gesagt können dabei jene sehr reich werden, die der Notenpresse nahe stehen, und zwar auf Kosten jener, bei denen das nicht der Fall ist, also dem normalen Bürger, dem Sparer etc.. Letztlich auch auf Kosten der (kleinen) Geldanleger an der Börse, auch wenn diese, so wie alle, für einen Moment von wachsenden Kursen, Wirtschafts-Blasen-Wachstum etc., ein bisschen mitprofitieren.

Die Bildzeitung hat dieselben Warnungen Sinns auf eine sehr einfache, aber dafür umso klarere Art und Weise zusammengefasst: Die Macht Deutschlands in der EZB ist unzulässigerweise ebenso groß wie die Maltas. Nur so kann es kommen, dass Deutschland, seine Interessen einbringend, ständig überstimmt wird von den Ländern, die es nicht so eng sehen mit der Währung. Das muss geändert werden!

Und die zweite Warnung Sinns: Helikoptergeld, ebenso wie die bereits praktizierte expansive Fiskalpolitik, nützt den maroden Wirtschaften und schadet den leistungsfähigen – und führt demzufolge in die Schuldenfalle, in der schließlich alle Euroländer stecken werden.  Was schade ist, insbesondere für Länder wie Deutschland.

Es wäre schön, wenn Sinn nicht der einzige Rufer in der Wüste bliebe, sondern sich unsere Regierung dieser Missstände annähme. Schließlich war es eine der Grundvoraussetzungen des Zusammenfindens der Euroländer, dass die Geldpolitik genau so, wie sie heute ist, nicht sein sollte. Wo sind sie hin, all die sachkundigen und unbequemen Bedenkenträger, deren größte Sorge eine strenge Einhaltung der Regeln war? Wo sind die guten alten deutschen Prinzipienreiter (was hier nicht schlecht gemeint ist), denen natürlich Flair und scheinbare Großzügigkeit z.B. im Stile eines Berlusconi fehlen … die aber grundehrlich sind, die andere beim Wort nehmen, die die Verträge kennen, und für die das Offensichtliche nicht nur Schein ist? Herr Sinn und Herr Schäuble … man bräuchte mehr von ihnen.

Oder … war etwa die Gemeinsamkeit der Euro-Länder schon immer als bedingungs- und prinzipienloses Lotterbett gemeint?
Weiterlesen: Beitrag Draghi’s Geldschwemme – eine teuflisch gute Idee!

Helikoptergeld ist Irrsinn was last modified: April 2nd, 2016 by Henrik Geyer