Was ist ein Populist?

Für gewöhnlich stehen nicht die Worte in der Gewalt des Menschen, sondern die Menschen in der Gewalt der Worte.
Hugo von Hofmannsthal

 

Oft hört man das unfreundliche Wort „Populismus“, wenn von politischen Alternativen zur alternativlosen Status quo-Politik die Rede ist.

Der Populist, vorgestellt: Der Populist, das ist einer, der die Primitiven einfängt. Jemand, der auf Dummenfang geht, und zwar mit Versprechungen, die gar nicht stimmen können! Was stimmen kann, das hat sich der Gerechte ja bereits überlegt. Wenn der Populist den Dummen also Falsches verspricht, so muss er lügen, oder selbst dumm sein. Der Gerechte ist übrigens gut vom Populisten zu unterscheiden, denn er bezeichnet andere als Populisten, also muss er: selbst gerecht sein. Nicht wahr? Logisch.

Man sagt oft auch „Rattenfänger“ zum Populisten, denn er bedient mit seinen Versprechungen die tierisch-dunkle Seite des menschlichen Gemüts. Das würde der Gerechte nie tun – im Grunde weiß er gar nicht, wie man so etwas macht. Kaum, dass er das Wort „Rattenfänger“ über die Lippen bringt.

Kurz gesagt: Ein Populist ist jemand, der sich dem Volk andient, dem Pöbel (Populos = das Volk).

Der Unbedarfte mag nun sagen, um das Volk, man könnte auch sagen den Pöbel, ginge es ja eigentlich, in der Demokratie. Und Honks, die so reden, gibt es leider immer wieder. Eben deshalb ist es so wichtig, sich diese Worte zu merken: Pöbel, Dumme, Ratten, Rattenfänger. Und dann dabei zu denken: igitt igitt, wer will denn sowas!

Man nehme sich lieber ein Beispiel an den alternativlosen Volksparteien (die bald auf  eine Größe geschrumpft sind, dass man sagen muss: Völkchen-Parteien). Ihre klugen Ideen werden von den klugen Wählern deshalb so gerne aufgenommen, weil sie … weil sie eben so klug sind. Und natürlich ist hier völlige Freiwilligkeit gegeben, während der Rattenfänger die ebenso armen wie abstoßenden Kreaturen einfängt.

Ganz anders bei den Völkchen-Parteien. Hier will niemand irgendjemanden einfangen. Wenn die Völkchen-Parteien nicht einlösbare Wahlversprechen machen, dann ist das etwas ganz anderes – auf keinen Fall ist es Populismus!

Das Klientel der Völkchen-Parteien, das sind auch keine Ratten, sondern Pfarrer, Professoren, MdBs… Willkommen ist auch noch der eine oder andere (vernünftige!) Arbeiter, sonst wären es zu wenig.

Mit der Zeit, so muss man sagen, wäre es allerdings dringend nötig, dass sich aus dem Pöbelkörper der eine oder andere Pobel löst, um sich wieder im heiligen Hort der Völkchen-Parteien einzufinden. Derjenige würde automatisch geläutert – von der Ratte zum Menschen. Das klingt doch vernünftig – wer will schon eine Ratte sein?

Was ist ein Populist? was last modified: April 26th, 2016 by Henrik Geyer