Frieden – das ist vom Krieg fernhalten

Nach den schrecklichen Anschlägen in Brüssel ist es die natürliche Reaktion der Politik, die eiserne Entschlossenheit im Kampf gegen den Terrorismus zu betonen, sich nicht Angst machen lassen, den Terrorismus besiegen, für die Freiheit eintreten – und natürlich für den Frieden. Das ist vermutlich gut und richtig so, es geht wohl nicht anders, als die Worte zu sagen, die in solchen Fällen gesagt werden, damit Mut und Kraft entstehen. Es ist aber auch zu wünschen, dass die Politik die richtigen Schlüsse zieht, die richtigen Handlungen vornimmt.

Natürlich sollten die Täter gefasst werden, wenn irgend möglich. Aber den Terrorismus besiegen … das klingt wie: den Krieg besiegen. Wie kann das gehen? Kommt der Krieg nicht aus uns? Ist der „entschlossene Kampf“, den wir nun gegen den Terrorismus zu kämpfen haben, nicht im Grunde schon der Krieg, den wir fürchten?

Was also kann man tun? Zunächst einmal kann man nach meinem Dafürhalten zur Kenntnis nehmen, dass es dem Menschen nicht gegeben ist, Krieg und Kampf nach Belieben an- oder abzustellen. Wenn das ginge – das wäre schön. Diese Aussage trifft natürlich auf ein Menschenbild, das suggeriert, der Mensch könne alles steuern, alles assimilieren, alles integrieren, einfach weil er so klug ist. Oder, anders ausgedrückt, die Gesellschaft könne das. Nach aller Erfahrung aber muss man sagen: Das kann der Mensch nicht. Das kann die Gesellschaft nicht.

Man möge sich erinnern: Auch der Erste Weltkrieg wurde letzten Endes durch einen Terrorakt auf dem Balkan ausgelöst, wo das Zusammenleben vieler Völker auf engem Raum immer schon ein explosives Gemisch ergab. Es war der damals unausweichlich scheinende Schlag gegen die Quelle des Terrors, die Vergeltung gegen das als Aggressor erscheinende Serbien, das am Ende die ganze Welt in einen vernichtenden Weltbrand zog. Hat sich seitdem etwas ganz Entscheidendes im menschlichen Bewusstsein geändert?

Eine einfache, aber deshalb nicht weniger wahre, generationenlange Erfahrung ist: „Wer sich ins Feuer begibt kommt darin um.“ Anders gesagt: Frieden hat auch etwas mit dem Heraushalten aus kriegerischen Handlungen zu tun.

Die Spannungen in der Bevölkerung, die Inhomogenität, konkret gesagt die Spannungen die sich aus sozialen und/oder Glaubensdifferenzen ergeben sind es, die mit einer statistischen Notwendigkeit Kampf und Krieg mit sich bringen. In den „Banlieues“ (eigentlich franz. f. Vororte, aber häufig gebraucht im Sinne von „Vor-Orte, in denen Parallelgesellschaften existieren“), die es zunehmend auch in Deutschland gibt, dort findet man die Kondensationskerne des Terrors. Ja, es sind Menschen. Sie als Teufel zu bezeichnen bringt nur rhetorisch etwas. Ihre Ziele und ihr Denken, unter dem Mikroskop betrachtet, werden oft genug sogar irgendwie nachvollziehbar erscheinen. Jedoch ist es dieses Denken, und die daraus folgenden Handlungen, die die Gesellschaft von innen heraus zerstören, so wie Krebszellen einen Körper zerstören können. Daher sucht jeder (biologische) Körper, jeder Mensch insgesamt, die Homogenität des Denkens.  Das sollte die Gesellschaft auch tun, und rechtzeitig tun.

Der Kampf gegen irgendetwas, so unumgänglich er im Einzelnen sein oder erscheinen mag, ist jedenfalls nicht der Weg zum Frieden.

Frieden – das ist vom Krieg fernhalten was last modified: März 23rd, 2016 by Henrik Geyer