Ein Lächeln von Merkel entschädigt für 10.000 Tränen

Sie hat gelächelt! Und sie hat ein bisschen geklatscht, als Parteifreund Lammert eine Rede hielt. Dass sie vom Handydaddeln abließ und Lammerts Rede huldvoll würdigte sorgte für Rauschen im Blätterwald. Warum? Weil Lammert ein Wörtchen gegen Erdogan geredet hatte, dessen Einmischung in die inneren Angelegenheiten und so.

Nun hätte man natürlich gedacht, dass die Blockwarte der Political Correctness es nicht für angezeigt halten, gegen den türkischen Staatschef zu reden, allen voran Angela selbst. Denn, Angela hatte den Deal doch erst herbeigezockt! Den Deal, den sofort niemand für wünschenswert gehalten hatte, und der nun doch schon bald sein 3. Monatsjubiläum feiert. So alt ist er nun schon, der Kleine. Vielleicht bekommt er noch Brüderchen – es gibt ja noch afrikanische Staatsmänner und Diktatoren, mit denen überhaupt noch nicht gedealt wurde! Dabei haben wir doch die Visafreiheit als Dealerware im Portfolio, die kostet nichts und ist gerade bei Schurkenstaaten beliebt. Man könnte also dealen bis der Arzt kommt.

Was haben wir nicht alles in den 3 Monaten Türkei-Deal erfahren und erleben dürfen! Der normal-irre Michel hatte zuerst noch geglaubt, man käme ohne solche Deals aus; dachte gar, es wäre für Deutschland das in jeder Hinsicht Günstigste, sich um seine Grenzen selbst zu bemühen, anstatt das für teuer Geld und böse Worte im Ausland erledigen zu lassen. Aber eine Physiker-Kanzlerin weiß das natürlich besser: die Welt ist alternativlos; und andere Möglichkeiten – die gibt es gar nicht, gab sie von Anfang an nicht. Das erkennt man allein schon daran, dass alles immer genau so kommt, wie es dann am Ende … ist. Das ist eben eindeutig, folgerichtig und stets alternativlos. Wozu übrigens für das Abarbeiten all dieser Folgerichtigkeiten ein Parlament gut sein soll, das weiß man nicht. „Parlament“ klingt zwar gut, aber kostet doch nur!

Und die Methode, Probleme erst zu erschaffen, dann zu verstetigen, und sich dann feinsinnig von ihnen zu distanzieren (immer hübsch zurückhaltend, denn das diplomatische Parkett ist ja spiegelblank) – das hat noch immer am besten gewirkt. Man freut sich einfach, nach so viel Kummer. Man freut sich über ein Klatschen der Hand, einen Faltenwurf des roten Blazers, eine Raute, ein Zucken des Mundwinkels. War da ein Lächeln? Das entschädigt für so vieles.

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Siehe auch: Artikel Die Grenzenlosigkeit kommt, die Freiheit geht

Ein Lächeln von Merkel entschädigt für 10.000 Tränen was last modified: Juni 14th, 2016 by Henrik Geyer