Draghi’s Geldschwemme – eine teuflisch gute Idee!

Ist Mario Draghi Retter in der Not, oder Beelzebub, der den sprichwörtlichen Teufel austreibt? Den Teufel wohlgemerkt, den er selbst erst an die Wand malte, denn vor allem er selbst spricht ständig von „drohender Wachstumsschwäche der Eurozone“, sowie der „Gefahr, dass nicht genügend Inflation“ herrsche.

Wo sind sie hin, die versponnenen Deutschen, die noch vor Jahren darüber räsonierten, wie man die Geldpolitik der damaligen Bundesbank auf das Europäische überträgt? Die Geldpolitik sollte auch im Europa-Kontext seriös sein, sollte vorsichtig sein, Staatsfinanzierung sollte es nicht geben … Man hat gegrübelt, diskutiert, „wasserdichte“ Verträge gemacht. Und nun kommt Draghi, der das alles vom Tisch wischt, dessen Rezept so einfach wie (scheinbar) revolutionär ist: die Geldmenge erhöhen, durch Negativzinsen (früher musste man noch drucken). Was sagt unsere Regierung zu diesen Machenschaften? Wo sind sie hin, die Politiker, die das für wichtig hielten, die das thematisierten? Unsere Regierung scheint mit ihrer Dauerproblematik „Flüchtlingskrise“ völlig ausgelastet. Wen kümmert schon die schnöde Währung, außer vielleicht Hans-Werner Sinn (Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung)?

Neulich stand gar in der Zeitung, Draghi denke über „Helikoptergeld“ nach. Den Leuten einfach Geld überweisen (als würde man es vom Helikopter aus verstreuen), dann wächst die Geldmenge noch schneller! Man hält das für einen Witz, kann das ernst gemeint sein? Ich habe extra im Kalender nachgesehen, ob schon der 1. April ist. Nein, war nicht. Meine Kontonummer wäre auf jeden Fall: 378643 … na, ich warte lieber noch.

 

Es ist zu befürchten, dass all das nicht gut ausgehen kann.

Geld hat eine Funktion. Diese Funktion liegt nicht darin, die Wirtschaft zu fördern. Sondern sie zu ermöglichen. Mit der Notenpresse herumzuspielen erwies sich oft genug als langfristig sehr schlecht. Rockefeller sagte einmal: „Geld ist gefrorene Lebenszeit.“ Warum? Weil Geld schwer zu bekommen ist – nur gegen Leistung. Das ist der Sinn, das ist die Funktion des Geldes. Kann Draghi Lebenszeit drucken?

Geld soll Tauschmittel sein, das reale Wirtschaft widerspiegelt. Es ist nicht dazu da, jedermanns Begehrlichkeiten zu bedienen. Die Geldmenge muss erhöht werden, wenn die reale Wirtschaft wächst, schrumpfen, wenn die reale Wirtschaft schrumpft. Sie zu erhöhen, um die Geld-Wirtschaft wachsen zu lassen (das Ergebnis sieht in der Statistik erstmal gleich aus: die Wirtschaft wächst), ist wie gesagt eine schlechte Idee.

Was Draghi da „austüftelt“ ist, wie ich finde, teuflisch. Es klingt verlockend  (wer hat schon etwas gegen mehr Geld?). Es ist in Wirklichkeit aber eine weitere europapolitische Katastrophe. Profitieren werden am Ende Spekulanten – Leute, die an Blasen verdienen. Bei ihnen wird sich das frische Geld vor allem sammeln; und sie werden es rechtzeitig in Sachwerte tauschen – vor dem Platzen der Blase. Neben glücklichen Hasardeuren aber erzeugen Währungskrisen auch Kriege und Elend.

Es wäre schön, wenn sich die Bundesregierung auch einmal diesen Problemen zuwenden könnte.

Draghi’s Geldschwemme – eine teuflisch gute Idee! was last modified: März 17th, 2016 by Henrik Geyer