Dieser verfluchte Hafen!!

Als damals, 2011 glaube ich, ein Nachbar, der auf dem Flughafen Tegel arbeitete, mir sagte, Schönefeld würde nicht wie geplant eröffnet, wollte ich es gar nicht glauben. Der Umzugstermin steht doch schon, dachte ich. Endlose Rechtsstreitigkeiten waren wegen der Überflugrouten geführt worden. Geschäftsleute, die in dem neuen Airport ein Geschäft eröffnen wollten, hatten bereits die Räume eingerichtet. Der Name „Willi Brandt“ versprach Seriöses. Tegels Schließung war beschlossene Sache.

Aber nein, so vieles, was die Öffentlichkeit nicht ahnte, war in Unordnung. Staunend sah man seinerzeit im Fernsehen, wie Busladungen voller Schwarzarbeiter des Nachts auf das Gelände der Baustelle fuhren. Offenbar als ganz normaler Arbeitsablauf. War denn das Projekt nicht von der Politik unter die Fittiche genommen worden? War denn nicht die Berliner Politik-Prominenz höchstpersönlich in das Board dieses Musterprojektes eingezogen? Was genau machten die da eigentlich?

Heute, Jahre später, ist sogar fraglich, ob der Fluchhafen überhaupt eröffnet.  Was genau mit dem Ding ist, weiß man nicht. Der einzig Ehrliche im ganzen Flughafenprojekt – es war fatalerweise der Pressesprecher – wurde entlassen. Er hatte sich versprochen. Nein, nicht gestottert, er hatte nur etwas gesagt, was man ahnt, aber natürlich nicht sagen darf: Was aus dem Fluchhafen wird, ist ungewisser denn je.

Und die Verantwortlichen? Sind weit. Die Berliner Verquickung von Politik und Großplanungsprojekt hatte nur so lange Bestand, wie man sagen konnte, am Ende werde doch noch alles hingebogen. Auf ein paar Milliarden mehr oder weniger kam es ja schon gar nicht mehr an! Der Bund würde für alles einspringen, es hülfe ja nichts, hieß es. Erst als es zu spät war, wurde alles zugegeben; die Verantwortlichen zogen sich zurück.

Komisch. Anderswo stolpern Leute über ein paar tausend Euro, werden verurteilt, es gibt Tränen, Lebensplanungen zerbrechen. Wenn es in Berlin ein paar Milliarden Euro sind, gehen die Verantwortlichen einfach nach Hause und feiern eine Party! Das scheint auch niemanden zu wundern. Verhältnisse, die man bisher aus ganz anderen Ländern kannte sind jetzt hier möglich! Wenn das nicht die lang ersehnte Weltoffenheit ist …

 

 

 

Dieser verfluchte Hafen!! was last modified: April 28th, 2016 by Henrik Geyer