Blitzableiter, der die Blitze von weither anzieht

Mark Twain schrieb einmal eine Geschichte, in der ein tüchtiger Blitzableiterverkäufer einem zerstreuten Menschen so viele Blitzableiter andreht und an dessen Haus anbaut, dass schließlich die Blitze von weither einen Umweg machen, um in eben diesem Haus, mit seinen komfortablen Blitzableitern, einzuschlagen. Der Hausherr kann schließlich nicht einmal mehr den Kopf zum Fenster hinausstecken, ohne dass dieser von den pausenlos einschlagenden Blitzen kahlgeschoren wird wie eine Billardkugel.

Ich fühlte mich an diese Geschichte erinnert, als ich gerade las, dass Merkel empfiehlt, Deutschland solle Gesetzesänderungen veranlassen, um der zunehmenden Terrorbedrohungslage zu begegnen. Das war klar, jetzt müssen wir aufrüsten. Wir schaffen uns nun folgerichtig all das an, was wir gegen Terror brauchen. Das ist lieb gemeint von Frau Merkel, aber wer sagt denn eigentlich, dass Deutschland sich eine solche Gefährdung überhaupt aufbürden muss? Wer sagt denn, Deutschland müsse mit jedermann Freund sein, alles und jeden zu sich holen, müsse alle Religionen gut finden, müsse jedes Problem der Welt bei sich haben … natürlich um es zu lösen? Wer sagt, Deutschland könne so etwas, wolle so etwas? Kein Mensch kommt (für sich!) auf so eine Idee, warum soll es für das arme Deutschland eine gute Idee sein? Brauchen wir hier alle Blitze? Selbst der scheinheiligste Heilige weiß sich doch sehr wohl abzugrenzen.. wenn die Predigt zu Ende ist, geht er schön nach Hause, macht die Tür zu, geht nicht auf jede Veranstaltung, macht nicht jede Kirmes mit. Ist nicht jedermanns Freund, und kann es nicht sein, will es nicht sein. Wer das Gegenteil erheucheln möchte, möge vortreten. Die immer ins Feld geführte allumfassende Liebe beinhaltet, wohlverstanden, auch Abgrenzung! – zum Beispiel gegen das, was man nicht liebt.

Merkel lobt Syrer, die vor einem von einem Syrer geplanten Anschlag warnten, da hat sie sicherlich Recht. Deutschland selbst könnte dieses Flohzirkusses jedenfalls nicht Herr werden. Ist dann alles in Ordnung? Ich denke nicht. Weit besser wäre kluge, wohlmeinende Distanz, die durchaus anderen hilft, aber sich nicht jedes Problem selbst aufbürdet – zumal Deutschland ja durchaus noch eine Verantwortung hat, die wie es scheint, in der Merkelschen Denkweise ganz hinten steht: für sich selbst und für die eigenen traditionellen Bündnispartner.

Wenn Deutschland nun seine Gesetzeslage dem Terror anpassen soll, so erscheint das als der logische Schritt, aber nur, wenn man den vorhergehenden, unlogischen, schon ging. Der bestand darin zu behaupten, das Grundgesetz verlange eine Flüchtlingsaufnahme ohne Obergrenze, weil im Grundgesetz keine Obergrenze festgelegt ist. Aus dem Nichtvorhandensein einer Aussage wird das klare Vorhandensein einer Aussage gefolgert … hm. Die Deutschen sind eben schon einiges gewohnt. Was sie nun brauchen ist ein klares Konzept – gerade für die (Begrenzung der) Zuwanderung. Was hätte zuerst kommen müssen wird unvermeidlicherweise folgen, die Frage ist nur wann, und was vorher noch geschehen muss.

Blitzableiter, der die Blitze von weither anzieht was last modified: Oktober 31st, 2016 by Henrik Geyer