Biegsamkeit und Schmiegsamkeit des CDU-Rückgrates

Vor 25 Jahren, nach Ende der DDR, war für die CDU Deutschland ein Wert. Damals lachte man über vaterlandslose Gesellen, für die Deutschland nur ein leeres Wort war, das sie vorgaben gar nicht zu verstehen. Das waren Leute, insbesondere aus der ehemaligen DDR-Nomenklatura, aber auch viele Intellektuelle, die am liebsten mit Deutschland und dessen Teilung ein wenig herumexperimentiert hätten. Die DDR sollte bestehen bleiben, das sei doch im Grunde ein so schöner Gedanke…

Damals hieß es: Keine Experimente! (..mit Deutschland). Gott sei Dank siegte diese Bewegung, dank auch CDU. Das brachte für Jahrzehnte Prosperität für Deutschland, und Stabilität für Europa.

Willi Brandt, unvergessener Sozialdemokrat der großartigen Coleur, sagte, jetzt wachse zusammen, „was zusammengehört.“ Er sagte nicht, „jetzt wird brutal zusammengeschmiedet, was eigentlich gar nicht zusammenpasst“ oder:  „Jetzt vereint sich etwas Undefinierbares … Deutschland, was ist das?“

Wäre das Wirken Bismarcks, Adenauers, Kohls – zweifellos große Deutsche, die sich um die deutsche Nation verdient machten, und mittelbar oder unmittelbar (Kohl) damit auch um die europäische Integration – möglich gewesen, ohne sich Deutschland als einen Wert vorzustellen? Wohl kaum.

Hätte Heinrich Heine politisch korrekt vielleicht schreiben sollen „****, ein Wintermärchen.“?

Nun jedoch ist die „Bewegung“ zurück, stärker als je, und zwar ausgerechnet ausgehend von der CDU. Man fragt sich manchmal, wie weich im Rückgrat man sein kann, dass einem als CDU Mitglied alles recht ist, was Merkel macht. Angeblich sind sich bei der CDU ja alle so einig, freuen sich regelrecht auf die X. Regentschaft Dr. Merkels. Angeblich. Aber wirklich? Man muss es bezweifeln. In der DDR war es auch immer so, dass man sich freute, wenn es Honecker und seinen Mitregenten so gut ging, dass sie trotz Altersgreisigkeit noch ein Jahrzehnt dranhängen konnten. Auf dem X. (damals wurde die Parteitagsanzahl in römischen Ziffern nummeriert) und Y. Parteitag feierte sich „die Partei“ (SED), und alle machten mit. Offiziell jedenfalls … Intern wurde gestöhnt was das Zeug hielt, aber, was sollte man machen? Vielleicht das persönliche Glück aufs Spiel setzen, um für einen Moment ein Held zu sein? Nur wenige waren so „verrückt“.

 

Nach dem Ende der DDR war es eine häufige Frage der „Wessis“ (quasi ein Vorwurf an die „Ossis“), wie es denn sein könne, dass man im Rückgrat so beweglich wird, die DDR-Unterdrückung nicht nur mitzumachen, sondern eigentlich selbst zu tragen.

Auf diese Frage hin waren die Ossis recht kleinlaut, wussten selbst nicht so recht. Doch es gab auch damals einige kluge Menschen, zum Beispiel erinnere ich mich an Manfred Krug, auch Wolf Biermann, die sagten: „Ihr seid auch nicht anders!“

Eine sehr anschauliche Antwort auf diese Frage ist der heutige Zustand. Flexibel in der Gesinnung wird man durch ein Geflecht von für den Einzelnen fruchtbringenden Beziehungen. Das war damals so, und ist heute nicht anders. Was einem nutzt, das zu vertreten stellt sich subjektiv als überaus logisch dar. Sonst ist es nicht zu erklären, dass eine Partei, die gestern noch für Konservativität und Werte stand, heute Liebling einer ganz anderen Klientel ist. Einer Klientel, die eben diese Werte für wertlos hält. Die nicht müde wird, das Wort Deutschland zu diskreditieren. Die angeblich so offen sind, und zwar für die ganze Welt, für Bombenleger und Diktatoren, nur nicht für die eigenen Landsleute. Das Wort Deutschland verbinden sie in einem Zwangsdenken mit Faschismus; es ist ihnen daher das Wichtigste, dieses Wort, aber auch eine Reihe anderer Worte, aus dem öffentlichen Sprachraum zu tilgen.

Am Ende sind sie sprachlos und wissen nichts Besseres, als sich in tausenderlei Umschreibungen zu flüchten. Aus den Deutschen werden in der Diktion Merkels „die Menschen da draußen“, etc.. Möglichst neutral, nichtssagend; aber eben am Ende auch nichts denkend, nichts eigenes mehr für wertvoll haltend. Doch so wird die Welt nicht gerettet sondern destabilisiert.

Die Dekadenz der Freiheit kündigt sich damit an, dass sie so lüstern wird, sich auch ihren Feinden hinzugeben.
Seneca

 

 

Biegsamkeit und Schmiegsamkeit des CDU-Rückgrates was last modified: Dezember 3rd, 2016 by Henrik Geyer