Das Undenkbare. Was ist undenkbar?

Undenkbar? Dies ist nicht das Undenkbare!

Was ist undenkbar, wenn man es doch denken muss, um es auszusprechen?

Wir behandeln das Undenkbare an dieser Stelle ganz ähnlich dem Nichts, das bereits besprochen wurde. Das Undenkbare ist per se nicht denkbar, und dennoch wird es gewohnheitsmäßig in unserer Sprache verwendet. Aber wofür? Wir verwenden das Wort „undenkbar“ sehr häufig, sagen, etwas sei „undenkbar“, wenn wir etwas Schreckliches meinen, oder wenn wir etwas meinen, das wir nicht für uns selbst gelten lassen wollen. Oder für etwas, das wir für unmöglich halten.

Aber im eigentlichen Sinn kann ja nichts undenkbar sein, was wir denken. Nicht wahr?

Gewöhnung an das Paradoxe – Gewohnheit Dinge zu benennen, die es nicht geben kann

Wir können jede Frage, ob es eine Raumstation mit Aliens geben kann, oder ob es einen von intelligenten Würmen bewohnten Planeten geben kann, mit einem „vielleicht“ beantworten.

Aber die Frage, ob es „das Undenkbare“ für uns geben kann, ist nicht so leicht zu beantworten. Was wäre das also – dieses Undenkbare? Die Frage ist von einer anderen Kategorie. Wir müssen diese Frage eigentlich mit einem klaren „Nein!“ beantworten. Warum?

In dem Wort „das Undenkbare“ steckt ein unauflösbarer Widerspruch.  Wir benennen etwas, das es doch nicht geben kann. Das eigentlich Merkwürdige ist aber die Art und Weise, mit der wir diesen Widerspruch übergehen.

Wir meinen bereits durch die Verwendung des Wortes „das Undenkbare“, durch das Benennen also, das Nicht-Denkbare eingegrenzt zu haben. Denn wir verwenden den Begriff „das Undenkbare“ völlig selbstverständlich, benennen damit mal dies, mal jenes….

Was es geben kann, steckt bereits in uns

Wenn wir beherzt sagen würden, es könne (für uns) nichts Undenkbares geben, denn wir können nur über das eine Aussage treffen, was wir auch denken, dann müssten wir ebenso beherzt sagen, dass es keinen keinen von intelligenten Würmern bewohnten Planeten geben kann… wenn wir ihn nur nicht denken. …. aber gilt dasselbe nicht auch für jede beliebige Sache? Auch .. sagen wir..  für Tante Martha? Auch sie kann es nicht geben, wenn wir sie nicht denken…

 

Das Paradox, um das es geht, wurzelt in der materialistischen Vorstellung, dass freier Geist (der Mensch) die in einem Außen festgelegte Materie beobachtet. Doch entsteht im Geistigen erst, aus der Unendlichkeit des Undenkbaren, das Denkbare – indem es gedacht wird.

Der Spirealismus nennt die Gedanken die eigentliche Existenz. Und nur aus dieser Perspektive betrachtet macht der Begriff „das Undenkbare“ Sinn. Denn die selbstverständliche Existenz, die wir dem Begriff „das Undenkbare“ zubilligen, hat jeder in uns entstehende Gedanke. Der Widerspruch, von dem die Rede ist, kommt aus dem im Materialismus steckenden Existenzbegriff.

 

Der Materialismus  geht von einer Existenz aus, die von der Beobachtung, vom Gedanken, völlig unabhängig sei. Wenn er aber eingrenzen will, was es nicht geben kann – wenn er also das Undenkbare benennt und dabei so tut, als wäre es „vorhanden“ und eingrenzbar, bleibt als selbstverständliche Quelle der denkbaren Existenz nur das übrig, was gedacht wird. Und das steht eben im Widerspruch zur materialistischen Vorstellung, die Existenz sei vom Denken unabhängig.

Dass die Quelle des Denkbaren das Undenkbare sein könnte (was also auch auf keinen Fall erfasst werden kann), übergeht der Materialismus geflissentlich. Als Materialist fühlt es sich so an: Man kann es sich nicht vorstellen.

Das Undenkbare wäre – so gesehen – etwas, das der Mensch nicht denkt und nicht denken kann. Im materialistischen Weltbild hingegen steckt etwas ganz anderes, nämlich, dass es nichts geben kann, was der Mensch durch sein Denken nicht erfassen kann. Das Denken sei das Freie, das die außerhalb des Geistes bereits existierende Wirklichkeit abbildet.

Würde der Materialismus feststellen, dass das Undenkbare einfach nicht denkbar ist, wiche er von seiner Grundüberzeugung ab. Dann zeigte dann sehr deutlich seine Widersprüchlichkeit.

Das Undenkbare als die unsichtbare Grenze des Denkens

Der Spirealismus nimmt die Paradoxie des Undenkbaren zur Kenntnis, nimmt sie ernst; hält das Paradox für gegeben und erklärlich.

Die Realität und die Existenz liegen dem Spirealismus zufolge im Denken.  Das Undenkbare ist ein Begriff, der als Begriff für uns Existenz hat. Aber in dem Sinn, wie der Begriff gebraucht werden müsste – als nicht benennbar und nicht eingrenzbar, als nicht aussprechbar (Plato) – wird er nicht gebraucht.

 

 

 

 

 

Das Undenkbare. Was ist undenkbar? was last modified: November 2nd, 2016 by Henrik Geyer