Das kollektiv Unterbewusste

Hier ein interessantes Video auf Youtube: es zeigt C.G. Jung, den berühmten Psychiater, der Archetypen erklärt.

Die Direktheit und klare (und kurze) Antwort auf die Frage „was ist ein Archetypus?“, verbunden mit einem lebendigen Beispiel – das ist erfrischend direkt, insbesondere da die Erklärung von C.G.Jung selbst kommt, und nicht aus zweiter Hand ist.

Das Video ist auf englisch, Jung spricht mit unverkennbar Schweizer Dialekt – das bedeutet, es ist ein wenig schwer zu verstehen.

Der Inhalt des Gesagten kurz wiedergegeben:

Es geht um ein anschauliches Beispiel aus Jungs psychologischer Praxis. Er hatte eine junge Patientin, die ihn als Vaterfigur, als eine Art Gott verehrte.

Jung erklärt an dieser Stelle, quasi nebenbei, warum der Psychologe oft von seinen Patienten entweder verehrt, geliebt oder gehasst wird, warum die Patienten selten indifferent gegenüber dem sie behandelnden Arzt sein können. (Siehe: Freuds Konzept der Transferenz). Der Grund hierfür liegt in dem Sich-Ausliefern des Patienten, in dem er alle bedeutsamen, ihn betreffenden Symbole, Deutungen, Werte, preisgibt. Indem er das tut, gibt er dem Psychologen / Psychiater Macht über sich in die Hand – und scheint das sehr genau zu spüren, wenn es auch unbewusst bleibt. Der Patient liefert sich somit der Macht des behandelnden Arztes aus (wie dies ja übrigens immer in der einen oder anderen Weise geschieht, sobald man sich in medizinische Behandlung begibt) – und begreift diese Macht unmittelbar – sie drückt sich aus in einem starken Gefühl … der Abneigung oder auch Liebe.

Jung selbst kam dem Tatbestand, daß er und wie er von seiner Patientin verehrt wird, näher, durch einen Traum, den diese wiedergab.
Darin hält er sie auf seinen Armen. Er: riesenhaft, sie: klein wie ein Baby. Er steht in einem Kornfeld, das sich im Winde wiegt. Es ist reifes Korn, reif für die Ernte.

Jung interpretiert sehr direkt. Das Feld ist reif für die Ernte: die Situation ist reif für eine Klärung, eine Aussprache. Er teilt seiner Patientin sein Verständnis des Bildes mit.

Er selbst stellt in diesem Traum eine Art heidnischen Gott dar – ein Gott der Natur, des Windes.

Er ist diese Überfigur in den Augen seiner Patientin. Jung erklärt: dieses Bild eines heidnischen Gottes (keines christlichen, oder eines Jaweh), sondern eines Natur-Gottes, ist ein Archetypus. Archetypen sind Bilder des kollektiven Unterbewußtseins, die typisch sind für unser Mensch-sein (man darf annehmen dass Tiere ebenfalls archetypische Bilder in sich haben – natürlich andere). Diese Bilder sind bereits in uns und kommen nicht erst durch Erlernen – wie beispielsweise kulturelles Lernen – zu uns. Das kollektiv Unterbewusste ist Teil aller Menschen, man erhält Zugriff auf diese Bilder in bestimmten Situationen.

Die Patientin sucht diese Kraft im Außen, in ihm, Jung; in sich selbst sucht sie nicht.

Nachdem er dies seiner Patientin erklärte, begriff sie sofort. Es machte „klick“. Indem sie die Situation begriff, das Bild, begriff sie sich ein Stück weit besser, und kam auf dem Weg voran, den Jung als den Weg zu sich selbst beschreibt – den Weg der Individuation, so berichtet Jung.

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Das kollektiv Unterbewusste was last modified: April 27th, 2016 by Henrik Geyer