Fraktale – Selbstähnlichkeit, die Dinge erschafft

 

Alles ist Geist. Dort, wo wir materielle Dinge des Außen sehen wollen, sind keine Dinge im materialistischen Sinn „vorhanden“.

Informationen erschaffen sich aus unserem „Blick auf die Dinge“, als Relation. Es sind keine Objekte vorhanden, von denen wir Informationen abrufen, sondern wir sind, indem wir schauen, Erschaffer der Objekte, die wir sehen – das kreative Element liegt in uns.

Küstenlänge Englands

Ein bekanntes Denkmodell legt dar, dass die Grenze eines Landes immer länger wird, je genauer man misst. Es ist unter dem Begriff „Englands Küste“ bekannt, (zumindest mir). Wohl deshalb, weil sich die Gestalt Englands vornehmlich an seiner Küste festmacht. Wie groß die Länge der Küste ist, ist ja nicht unerheblich, sondern ein wichtiges Maß seiner äußeren Gestalt. Warum aber wird die Länge größer, je genauer man misst? Man benötigt dafür ein wenig Phantasie: Wenn man um jeden Kieselstein der Küste herummisst, (was einem gewissenhaften Menschen lediglich wie eine wünschenswerte Genauigkeit erscheinen mag), wird sich die Küstenlänge vergrößern. Sie wird umso länger, je genauer man misst, und je kleiner die Steinchen werden, die man in die Messung einbezieht. Schließlich geht die Küstenlänge ins Unendliche, man stelle sich vor, man würde jedes Atom einbeziehen. Das Objekt „England“, und das ist das Erstaunliche, ist also nicht in Eindeutigkeit definiert, sondern seine Eigenschaften hängen, zum Beispiel in der Frage der Küstenlänge (aber auch jeder anderen), von unseren „Messungen“ ab. Von unserem Blick. Man stelle sich vor, es wäre irgendein anderes Objekt. Nicht England, sondern beispielsweise eine Kaffeetasse, um deren Rand-Atome man herum-messen würde.

Dass wir mit unseren Messungen die Informationen, die Dinge, erst erschaffen, ist ein Phänomen, von dem die Wissenschaft bisher glaubt, dergleichen sei nur in der Quantenphysik zu beobachten. Dort wird es mit den Worten beschrieben, dass sich kleinste Teilchen erst dann über ihre Eigenschaften „klar werden“, oder sich zwischen Zustand A oder Zustand B „entscheiden“, wenn man misst. Wenn man schaut ….

Doch eigentlich handelt es sich nicht um ein quantenphysikalisches, oder mathematisches Problem, sondern um ein weltanschauliches, um ein philosophisches Problem. Es geht nicht um die Frage, wie man Eins und Eins zusammenrechnet, und sei es schließlich in noch so komplizierten Formeln (dem Materialisten umso glaubwürdiger, je weniger allgemein-verständlich es ist), sondern wie man Eins sieht. Eins, verstanden als „das Objekt“. Eins, verstanden als „der Gegenstand“ vor unserer Nase. Denn vor aller Mathematik kommt erst einmal dieses Verständnis: Was ist ein Objekt (die Eins)?

Dass wir die Erschaffer der Information sein könnten, kommt uns, gefangen in der materialistischen Sichtweise, nicht in den Sinn. Die Selbstverständlichkeit dessen ist hingegen das Grundprinzip des Spirealismus, der sagt, der Mensch sei nicht Beobachter der Schöpfung, sondern Element der Schöpfung.

Fraktale

Fraktale sind Rechner-erstellte Bilder, die auf einfachen Formeln beruhen, die immer wieder auf sich selbst angewendet werden. Fraktale Formen findet man überall in der Natur. Je weiter man den Begriff der Selbstähnlichkeit fasst, was der Spirealismus tut, desto öfter, schließlich überall.

Interessanterweise habe ich auf der Wikipedia-Seite zu Fraktalen folgende Formulierung gefunden, mit Bezug zum erwähnten Küstenlängen-Phänomen. Zitat:

 

Weit verbreitet sind fraktale Strukturen ohne strenge, aber mit statistischer Selbstähnlichkeit. Dazu zählen beispielsweise Bäume, Blutgefäße, Flusssysteme und Küstenlinien. Im Fall der Küstenlinie ergibt sich als Konsequenz die Unmöglichkeit einer exakten Bestimmung der Küstenlänge: Je genauer man die Feinheiten des Küstenverlaufes misst, umso größer ist die Länge, die man erhält. Im Falle eines mathematischen Fraktals, wie beispielsweise der Kochkurve, wäre sie unbegrenzt.

 

Ich muss folgendes ergänzen, damit die Verbindung der beiden Phänomene, also Küste Englands und Fraktale deutlicher wird: In mein Buch Alles ist Geist habe ich das Küste-Englands-Phänomen aufgenommen. Und Fraktale sah ich schon eine geraume Weile als ein gutes Modell der Weltentstehung – In der Titelzeile dieses Blogs ist daher ein Fraktalbild das Hintergrundbild. Fraktale sind mathematische Formeln, die, mit Selbstbezug angewendet, Formen ergeben, Bilder ergeben, die an Science-Fiction-Welten erinnern. Nach meiner Auffassung kommt unsere Welt ja nicht mit einer bestimmten Notwendigkeit zu Stande .. Das heißt, hätten wir eine andere Welt vor uns, beispielsweise eine fraktale Science-Fiction-Welt, wäre diese uns ebenso selbstverständlich wie jene, die uns tatsächlich vor Augen steht. So, wie den Menschen ja immer schon die Welt, in die sie geworfen waren, selbstverständlich war, welche auch immer das gewesen sein mochte.

Im oben zitierten Wikipedia-Eintrag werden nun beide Phänomene in einem Zusammenhang genannt, was für mich neu war. Aber, beide Phänomene zeigen sehr sinnfällig den erschaffenden Blick, um den es in diesem Beitrag ja geht. Was an beiden Phänomenen ebenfalls interessant ist: sie entstammen der seriösen Wissenschaft unserer Tage, d.h., man muss nicht mit der als subjektiv empfundenen Sichtweise eines Menschen argumentieren, sondern kann sich auf etwas sehr Anerkanntes beziehen.

Bezüglich der beiden Phänomene scheint zunächst ein Unterschied vorzuliegen … im einen Phänomen (England) geht es um die äußerliche Gestalt von etwas. Beim anderen (Fraktal) um einen Selbstbezug, der wunderschöne Formen erschafft, wie man sie aus der Kunst kennt, aber auch aus der Natur, und zwar scheinbar ohne menschlich-bewusstes Nachdenken. Aber es gibt auch eine Gemeinsamkeit. Bei beiden geht es um Formen, und deren Wandelbarkeit durch die Intensität des Schauens. Der intensive Blick, das genaue Nachmessen (England), das lange Rechnen an einem Fraktal, zoomen in die Wirklichkeit quasi hinein. Beim einen Phänomen (England) wird die Küsten-Länge umso größer, je genauer man schaut, beim anderen Phänomen wird die „Tiefe“ des Fraktals größer, man könnte auch sagen dessen „Raum“, je länger man berechnet. Denn man kann jede Strecke noch einmal teilen, egal wie klein sie schon ist. Wenn man die Fraktal-Formel wieder auf den „neu entstandenen“ Raum anwendet, ergeben sich neue Formen – nie die gleichen Formen, aber ähnliche. Man zoomt quasi in den Raum hinein – und erschafft ihn dabei!

Der Materialist wird vielleicht fragen: Was hat ein Fraktal und das Messen einer Küstenlänge mit dem Blick des Menschen zu tun?

Dem spirealistischen Denken ist es eigentlich fremd, hier große Unterscheidungen zu machen. Fraktalberechnungen sind nichts vom Menschen Unabhängiges, ebenso sind Messungen des Menschen nicht von diesem unabhängig. Im Grunde mutet es ziemlich merkwürdig an, jemanden („den Menschen“) Dinge tun zu sehen, oder über sich reden zu hören, und dann (von ihm, „dem Menschen“) zu erfahren, wie er redet und was er tut sei von ihm selbst unabhängig! Es ist eine Folge des spirealistischen Weltbildes, dass man diese Absurdität zu sehen beginnt. Nur das materialistische Weltbild will hier einen Grenzstrich ziehen, auf Grund seines Denkmodells, dem zufolge Denken und Dinge grundsätzlich verschieden wären – was letztlich nichts weiter ist, als eine mögliche Annahme.

Aber, ein wenig Achtsamkeit vorausgesetzt, können wir das Genannte an unseren Gedanken nachvollziehen. Man beobachte bei sich selbst, wie sich die Dinge im Bewusstsein vergrößern, wahrer und fester werden, einen immer größeren Platz beanspruchen, je genauer man über sie nachdenkt. Wie jeder Gedanke ähnliche Gedanken mit einer Art Zwanghaftigkeit nach sich zieht (Selbstähnlichkeit). Man beobachte, wie sich die gedanklichen Dinge aufteilen, in immer neue Aspekte, man muss nur über etwas sehr intensiv nachdenken. Sie werden nicht nur zu einer größer werdenden Summe von Einzelteilen des Ganzen, sondern gleichzeitig wandelt sich auch das Ganze in seiner äußerlich begriffenen Gestalt .. Das ist das Wunder der Schöpfung.

So, wie man jede Strecke, und sei sie noch so klein, noch einmal teilen kann, kann man jedes gedankliche Ding noch einmal genauer durchdenken, egal, wie genau man es vorher schon vor Augen hatte. Und man kommt zu immer neuen Aspekten. Die Gedanken drehen sich nie einfach im Kreis, sondern man hat den Eindruck, als würde man in immer neue gedankliche Tiefen vorstoßen. So wie bei der Küstenlänge, so wie beim Fraktal.

Die Einschränkung des erschaffenden Prinzips auf Sonderfälle

Nun macht aber die Wikipedia-Seite die explizite Einschränkung, fraktale Strukturen seien in der Natur zu finden, aber nicht überall. Und das Küstenlängen-Phänomen sei auf Küstenlängen beschränkt.

Doch, wie gesagt, das ist nicht so. Unter dem Küstenlängen-Gesichtspunkt, also dem, dass die Gestalt einer Sache vom darauf fallenden Blick abhängt, kann man jedes Objekt, jede Grenze, jeden Umfang, jede Gestalt sehen. Also: jeden Planeten, jede Kaffeetasse, und auch jeden Menschen.

Das Gleiche gilt für Fraktale, also die Selbstähnlichkeit der Dinge, die allein aus dem Prinzip des ständigen Selbstbezuges sinnfällige Muster erzeugt …

Man kann unter diesem Gesichtspunkt die Eigenschaften jedes Gedankens sehen. Wird ein Objekt unserer Anschauung, egal, um was es sich handelt, egal ob nun Phänomen oder Noumenon (also egal ob nun gedachtes oder „vorhandenes“ Objekt), nicht immer größer, je genauer wir gedanklich darauf schauen, je mehr wir darüber nachdenken? Man denke daran, wie Vorstellungen von etwas Unheimliches zu realem Schrecken werden können, wenn man viel daran denkt. Wie man sich auf eine Liebe fixieren kann, so dass das Leben ohne diese Liebe unmöglich zu werden beginnt. Wie Neurosen  entstehen, durch die Fixierung auf nicht funktionierende Gedankengerüste … Wie überhaupt dieses An-etwas-Denken, dieses Sich-auf-etwas-Konzentrieren, der Schlüssel zum individuellen Leben ist  …

Und, zur Frage der Selbstähnlichkeit: Weisen unsere Gedanken nicht per se die Eigenschaft der Selbstähnlichkeit auf, indem wir nichts erfassen können, das uns wirklich fremd wäre, weil wir alles, was uns geschieht, doch nur innerhalb der Begriffe sehen können, die bereits in uns sind? 

Was man beobachten kann (das Neue) hängt von den Begriffen ab, mit denen wir an die Beobachtung herangehen (das Alte). Ob das nun in der Quantenphysik geschieht, oder in der Beurteilung eines Menschen, oder, wenn die besagte Kaffeetasse vor uns steht.

Erst die Theorie entscheidet darüber, was man beobachten kann.

Albert Einstein

* 14. März 1879 in Ulm; † 18. April 1955 in Princeton, New Jersey

(Ich betone, dass man die Eigenschaften eines Gedankens unter diesem Gesichtspunkt sehen kann, weil dem Spirealismus die Objekte gleich dem Gedanken an Objekte sind. Der Materialismus hingegen sieht hier eine strenge Trennung: dort die Objekte, hier die Gedanken an Objekte. Hier Geist im Menschen, dort Nicht-Geist, also feste Materie)

 

Ebensowenig sind die Phänomene der Quantenphysik nur auf die Quantenphysik beschränkt – es sind Phänomene, die jeder sehen kann, und zwar im Alltag! Siehe auch: Schrödingers Katze und ein Knacken im Wald

Es ist eine Frage der „Anschauung der Dinge“, und nicht eine Frage die sich eingrenzen lässt als kuriose Sondertatsache exotischer wissenschaftlicher Bereiche. Fraktale, aber auch Phänomene aus dem „ganz normalen Leben“, verraten viel mehr über uns selbst, und unseren (erschaffenden) Blick auf die Welt den wir Wahrnehmung nennen, als dass sie uns nur Auskunft gäben über mathematische Merkwürdigkeiten oder Statistik. Man muss nur die Augen aufmachen. Und die Brille der Gewohnheit abnehmen.

 

Fraktale – Selbstähnlichkeit, die Dinge erschafft was last modified: Dezember 20th, 2017 by Henrik Geyer

Nicht Beobachter, sondern Element der Schöpfung …

 

 

In meinen Texten taucht des Öfteren die Formulierung auf, der Mensch sei nicht Beobachter, sondern Element der Schöpfung. Dies steht im engen Zusammenhang mit der Grundaussage des Spirealismus, dass es nichts Beobachtbares gibt, das vom Menschen unabhängig wäre.

Und umgekehrt: Alles das, was man „vom Menschen unabhängig beobachtbar“ nennen möchte, ist nicht durch den Menschen beobachtbar.

 

Hier wird also eine virtuelle Grenze des Denkens / Beobachtens gezogen, die einerseits „da“ ist, die man aber nicht zeigen kann … denn es handelt sich eben um eine Grenze des Denkens. Da eine Grenze des Denkens genau jenes EINE Mittel der Welterkennung betrifft das wir haben, das Denken nämlich, ist diese Grenze für uns nicht sichtbar. Dem materialistischen Verständnis mag es paradox sein, dem spirealistischen ist es selbstverständlich: Wie könnte etwas, was jenseits des Denkens ist, von uns gedacht werden?

 

Ich habe das oft so formuliert, dass, während wir denken, wir würden nur etwas erschaffen, wenn wir mit den Händen arbeiten, erschaffen wir, indem wir da sind. Wir erschaffen diesen Moment, der in uns einzigartig ist – durch uns fließt die Schöpfung, während wir glauben, wir könnten eine Schöpfung wie etwas Drittes beobachten.

Dieser Fehleinschätzung begegnen wir beispielsweise in der Quantenphysik, wo wir feststellen, dass unsere Gedanken die Realität der Quanten verändern. Doch, nur in der Quantenphysik? Nein, keineswegs! Die Beobachtung, dass der Blick das Sein formt, kann eine sehr alltägliche Beobachtung sein, man muss dazu nur seine Perspektive auf das ändern, was wir gemeinhin „die Realität“ nennen. Man muss sozusagen eine andere Philosophie annehmen.

Aber, um diese Formulierung, und wie sie gemeint ist, noch besser zu verdeutlichen, fiel mir folgender Vergleich ein:

Man stelle sich vor, man beobachte das Spiel Mariobrothers auf einem Computer. Das sind quietschbunte Figuren in einer Arkadenwelt, sie springen hin und her und sammeln dabei Punkte.

Plötzlich wendet sich ein Mariobrother dem vor dem Computer sitzenden Menschen zu und sagt, er wolle nun die objektiven Gesetzmäßigkeiten der Welt ergründen.

Der Mensch fragt verblüfft zurück: „Welcher Welt? Deiner Welt, also jener Welt, die aus bunten Arkaden besteht?“

Er antwortet: „Ja, natürlich, welche sonst? Eine andere gibt es nicht!“

„Hm. Wie willst du das machen?“

„Nun, ich werde alle Informationen über die zweifelsfrei vorhandenen quietschbunten Arkaden sammeln, diese Informationen minutiös auswerten, und schließlich eine völlig objektive Aussage treffen können. Dann weiß ich, was die Welt im Innersten zusammenhält.“

 

Der Mensch ist verblüfft. Er könnte nun folgendes antworten:

„Erstens kannst du mit den dir zur Verfügung stehenden Informationen nichts ermitteln, was die Welt im Innersten zusammenhält, oder was „objektiv“ genannt werden könnte. Denn was du suchst liegt außerhalb deiner Welt. Deine Welt hängt von Gesetzmäßigkeiten ab, die du nicht siehst und nicht sehen kannst, nämlich den Gesetzmäßigkeiten meiner Welt. Du bist nur das Element der Schöpfung deiner Welt, nicht ihr Beobachter. Die quietschbunten Arkaden sind keine objektiven Tatbestände. Und alles das, was du für objektiv, unabänderlich, und für gegeben hältst, ist es nicht, sondern jederzeit in Wandlung begriffen.

Zweitens ist das Spiel, um das es hier geht, und das Mariobrothers heißt, unter anderem abhängig von deinen Handlungen. Das heißt, jede Aussage die du triffst, ändert auch das Spiel, und ist daher nicht endgültig und auch nicht objektiv. Das bedeutet, indem du das Unabänderliche suchst, änderst du. Indem du das Objektive suchst, erschaffst du das Objekt.“

 

Doch der Mensch vor dem Computer erspart sich diese Diskussion, denn, wie soll er dem Mariobrother „zeigen“, was dieser nicht sehen kann, und was für diesen nirgendwo ist? Worauf soll er „zeigen“? Mit welchen Worten, die der Mariobrother verstehen kann, soll er etwas verständlich machen? Und, was der Mariobrother macht, ist in jedem Fall richtig … für ihn. Er wird seiner Rolle in der ihn umgebenden Schöpfung gerecht, er existiert und er handelt. Braucht es da eine Belehrung? Was soll er „besser“ machen?

Resümee

Damit möchte ich folgendes verdeutlichen:

Der Mariobrother könnte den Menschen nun fragen, was denn die wirkliche Welt sei, und der Mensch wird, wenn er die vorliegende Analogie verstanden hat, nicht antworten. Weil er versteht, dass es keine Antwort gibt. Seine eigene Situation ist von der des Computer-Wesens nicht verschieden. Was kann er wissen über das, was ihm nicht erfahrbar ist? Wie soll er das denken, was ihm gemeinhin als sinnlos, als „nicht da“, als Nichts erscheint?

Wer sitzt vor unserem Bildschirm?

Analog zu dem Beispiel, in dem ein menschlicher Computerbenutzer sich gegenüber einer Figur IM Computer wie ein Gott fühlen darf, hat der Mensch stets das Gefühl gehabt, und hat es auch heute, dass er selbst höheren Mächten unterworfen ist. Höhere, ungreifbare Mächte, jenseits dessen, was man direkt sehen kann. Das ist sozusagen der Begriff Metaphysik – Metaphysik als die Wissenschaft von den Gesetzmäßigkeiten der Dinge jenseits des „Offensichtlichen“. Das ist das Thema der Religionen, der spirituellen Denkrichtungen etc.. Einstein dachte so. Bei allem Materialismus gibt es wohl nur wenige, die den Gedanken an „höhere Mächte“ völlig verwerfen.

Wie kommt man darauf, es könne oder müsse „höhere Mächte“ geben? Ist das Unsinn?

Nun, dieses Denken ist eigentlich sehr nahe liegend.

Was wir benötigen, um die angeführte Parabel in unserer Welt zu verstehen, und nicht nur als etwas, das vielleicht in einer Computer-Realität Gültigkeit hat aber nirgendwo sonst, das ist ein waches Auge für die Art und Weise des menschlichen Wahrnehmens, was einen schließlich sehen lässt, dass jede Wahrnehmung auch alle weiteren Wahrnehmungen bedingt. Insofern gehen unsere Wahrnehmungen nicht einfach von Dingen aus, sondern beziehen sich in fester Redundanz auf sich selbst. Einstein: „Die Theorie entscheidet darüber, was man entdecken kann.“ Es gibt also nichts, das nicht mit etwas anderem in Zusammenhang stünde. Weil man nichts begreifen kann, für das man nicht schon ein Konzept hätte. Das widerspricht der Grundvorstellung von objektiven, unabhängig vom menschlichen Betrachter existierenden, Dingen.

Dass zweitens Wahrnehmungen auch auftreten, wenn man sich von der scheinbar so objektiven Welt abkoppelt (der Weg des Eremiten). Man benötigt also keine Dinge, um Dinge des Denkens, um Objekte entstehen zu lassen.

Drittens geht jede Wahrnehmung auf keine notwendige Eindeutigkeit zurück, sondern auf eine ins Unendliche gehende Fülle von Möglichkeiten – so dass man nicht davon sprechen kann, der Mensch müsse auf diese oder jene Schlüsse kommen. Was wiederum der Grundvorstellung von „etwas Objektivem“ widerspricht. Wenn es etwas Objektives gäbe, dann gäbe es letztlich nur einen Weg, es sich vorzustellen. Den richtigen nämlich. Doch das kann man in keinem denkbaren Fall sagen.

Viertens ist da der ganz praktische Zweifel am materialistischen Konzept überhaupt – es kann nicht stimmen. Überall will der Mensch feste Objekte sehen, findet aber keine. In den Grenzbereichen des Denkens werden die materialistischen Begriffe absurd … ich will mich nicht wiederholen, sondern nenne nur wieder: das Alles (das Universum), das Nichts (Leere), das Kleinste, das Größte, die Unendlichkeit. Auch: die Wahrheit … Jedoch findet der Geübte in den normalen Dingen des Alltags ebenfalls die Unendlichkeit, und damit das Ungreifbare, er muss also nicht in die Weiten des Weltalls schauen, und somit sehr „fernliegende“ Gedanken denken, um die Widersprüchlichkeit des Materialismus sehen zu können.

Was wir weiterhin benötigen, um diese Parabel in unserer Welt zu verstehen und überhaupt für wichtig zu halten, ist ein gehöriges Maß an Phantasie, damit wir uns vorstellen können, was gemeinhin kaum vorstellbar erscheint – nämlich dass die Vorstellung einer materiellen Welt, die wir glauben in einem Außen zu beobachten, und von der wir glauben objektive Informationen abzurufen, falsch ist. Es ist die Frage nach dem „Ding an sich“, also die Frage nach der Größe des Unterschiedes zwischen der Wahrnehmung VON einem Objekt, und dem Objekt selbst. Wie ist das Objekt „wirklich“ beschaffen, wenn die Wahrnehmung von ihm definitionsgemäß nur ein Abklatsch ist? (das korrespondiert mit dem oben angeführten Beispiel, wenn nämlich der Mariobrother fragt, was denn die Welt „wirklich“ sei…) Bei aller Bekanntheit des Philosophen Kant ist diese seine Frage nach dem Ding „an sich“ im Grunde unverstanden.

Was man, wie ich denke, auch noch benötigt, ist ein gehöriges Maß an Spiritualität, also Geistigkeit, die die Gedanken und ihre Bezogenheit aufeinander, ihre Wirkungsweise also, achtsam beobachtet. Wo beobachtet? Bei Kollegen? Bei Patienten in einer psychiatrischen Anstalt als Versuchskaninchen? Nein. Im Grunde ist das Beobachten des Geistigen, auch im Anderen, immer nützlich. Die geistigen Welten Anderer sind jedoch immer nur ahnbar – niemals können wir in den Kopf von jemandem „hineinsehen“. Man sollte vor allem die Gedanken dort beobachten, wo sie am unmittelbarsten auftreten: Bei sich selbst.

Ist Relativismus sinnlos?

Was durch dieses Beispiel, weitergedacht, auch deutlich wird: Bei allem Relativismus ist die Handlungsweise des Mariobrothers (und genauso ist es beim Menschen), der seine Welt auf die genauest mögliche Weise untersuchen will, nicht falsch, sondern Teil des Spiels, dessen Element er nun einmal ist. Dem Zwang zu handeln kann er sich nicht entziehen. Seine Erkenntnisse sind immer nur Teil SEINER Welt, und nie objektiv. Jedoch kann er andere Erkenntnisse als diese nicht erlangen. Was jenseits seines Horizontes liegt ist völlig ungewiss und muss es bleiben. Es ist ihm verschlossen zu fragen, ob sich jenseits seiner Welt eine „objektive“ Welt anschließt, oder nur eine weitere Schicht aus möglichen Realitäten.

Und, könnte er den Menschen fragen, wüsste dieser die Antwort ebenso wenig, denn der Mensch ist ja in keiner anderen Situation.

Ich wage aber zu behaupten, dass eben diese Frage, nämlich, ob es jenseits der uns sichtbaren Welt eine objektive Welt gibt, oder, wenn man die Frage in der Variante stellt: „wie muss man sich Gott vorstellen?“, die Frage ganz falsch gestellt ist. Denn diese Frage setzt ja etwas voraus, das wir im fast gleichen Atemzug als „nicht existent“ bezeichneten. Wenn wir sagen, die Welt sei nicht im materialistischen Sinn objektiv „vorhanden“, warum sollte man ebendiese Vermutung in einem metaphysischen Sinn äußern und danach fragen? Und noch dazu, wenn wir auf der anderen Seite eine ganze Unendlichkeit von Möglichkeiten vermuten dürfen! Denn die Frage ist ja nicht, ob es eine „objektive“ Welt gibt oder nicht, sondern, die möglichen Antworten sind völlig offen. Und damit ist die Zahl der möglichen Antworten nicht eingrenzbar, und die Wahrscheinlichkeit, dass man zufällig auf die richtige Antwort stößt, Null. Also: Wer sitzt vor unserem Bildschirm? Die Frage ist falsch gestellt. Es muss niemand nach unserer Vorstellung vor einem Bildschirm sitzen, es muss niemand in Wolken wohnen, damit Sein, damit Existenz, sein kann.

Alles, was man von Gott aussagen kann, das ist Gott nicht.

Meister Eckhart, spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph

 

Frage: Hat es Sinn, das hier aufgeführte Nachdenken anzustellen? Wenn es zu keinem objektiven Ergebnis führt, ist es doch sinnlos!

Antwort: Es hat Sinn. Die Antworten wirken nur in einem materialistischen Bezugssystem wie sinnlos, sind es jedoch nicht. (Dies sei jenen gesagt, die die Ansichten von Relativisten, Konstruktivisten etc., für irrelevant und nichtssagend halten.) Die hier gezeigten Fragen und Aussagen sind im Ergebnis sehr relevant, weil sie uns ganz andere Möglichkeiten der Entwicklung aufzeigen, als wir sie jetzt sehen können. Möglichkeiten jenseits des materialistisch Denkbaren. Natürlich müssen sie verstanden werden, um nützlich sein zu können.

Alles, was dem „Wesen der Dinge“  näherkommt, auch wenn dies „nur“ auf eine relative Art geschehen kann, ist natürlich auch nützlich und wichtig. Alles andere ist Selbsttäuschung.

Schlüssel Kommunikation

An dieser Stelle will ich noch auf die Rolle der Kommunikation verweisen, die im genannten Beispiel deutlich wird. In der spirealistischen Betrachtung nenne ich Kommunikation das Wesen des Kosmos, und Kommunikation ist für mich ein umfassender Begriff. Jeder Blick, jede Berührung, jeder Gedanke, ist Kommunikation. Kommunikation ist die Verbindung, die die Relation ermöglicht. Wenn Relation die Verbindung zwischen zwei Verschiedenheiten ist, dann ist Kommunikation die Vereinigung, die Brücke zwischen beiden. Das Sein ist Relation, anders gesagt: Existenz ist Kommunikation.

Kommunikation integriert das scheinbar Sinnlose in den Sinnzusammenhang den wir kennen, und transformiert es in das Sinnvolle.

Im Beispiel: Die Unterhaltung eines Computer-Users mit einer künstlichen Intelligenz IM Computer würde bedingen, dass eine sprachliche gemeinsame Basis vorliegt, eine Brücke, sozusagen. Ich hatte im Beispiel ja angenommen, dass der Mariobrother nur die Begriffe seiner Welt kennen könne … indem aber das vorgestellte Gespräch geführt wird, ist offenbar eine Kommunikation vorhanden, und Gemeinsamkeit von Vorstellungen auf beiden Seiten kommt in die Existenz.

Das Beispiel illustriert wieder den Grundgedanken „der Mensch ist Element der Schöpfung“. Während Mariobrother und Mensch in der materialistischen Sichtweise den Eindruck haben, sie würden sich über etwas Drittes unterhalten, nämlich das Getrenntsein von zwei Welten, entsteht die Verbindung.

Insofern widerspricht das Beispiel der selbst vorausgesetzten Prämisse: nämlich dass es einerseits keinen Kontakt/keine Verbindung der verschiedenen Welten gibt, weil die Computer-Intelligenz des Beispiels ja nur die eigene Welt kennt, über die sie sprechen kann – aber andererseits ein Gespräch stattfindet. Wenn ich sage, das Beispiel sei widersprüchlich – ist es dann ein falsches oder dummes Beispiel? Nein, es lässt sich eben kein Beispiel konstruieren, in dem sich Welten einerseits nicht berühren, aber andererseits ein Gespräch/Nachdenken darüber stattfinden kann, aus was die andere Welt denn beschaffen sei. Das ist schlicht unmöglich. Das Nachdenken IST die Berührung.

Der Mensch und das Nichts

Das Beispiel illustriert auch die Grenzen des Denkens (die der Materialismus nicht wahrnehmen kann), den Übergang des Sinnvollen (alles was gedacht werden kann hat auch irgendeinen Sinn für uns) in den unendlichen Bereich des Sinnlosen. Es illustriert somit auch die Grenze des Erklärbaren.

Weiter illustriert das Beispiel die Fixiertheit der Wahrnehmung auf etwas, das wir sinnvoll nennen. Man frage sich: Was alles schließen wir mit dieser Fixiertheit aus? Wie groß ist dieser Bereich, den wir sinnlos nennen und den wir für Nichts halten? Die Antwort ist: Wir schließen alles aus, wofür wir keine Vorstellung haben, keine Worte haben, keine Bezüge finden. Was wir nicht denken ist das Undenkbare. Frage: Warum das Undenkbare? Ich kann doch jederzeit denken, was ich gerade nicht dachte? Antwort: Nein, man kann nur denken, was im Zusammenhang mit den schon vorhandenen Gedanken steht, während der Bereich, der nicht im Zusammenhang mit den vorhandenen Gedanken steht, unendlich ist.

Man mag diese Überlegung als sinnlos ansehen. Doch, gerade deshalb die Frage: Existiert das Sinnlose? … Man stelle sich einen unbegrenzten Raum der Möglichkeiten vor. (Gemeint ist mit diesem „Raum der unbegrenzten Möglichkeiten“ ein Raum, also eine Fülle, eine Unendlichkeit möglicher Information. Jedoch, stellen wir uns den Raum ruhig als das Weltall vor …) Was kann es in diesem unbegrenzten Raum alles geben? Alles? Was ist alles? Ist alles auch das Sinnlose? Umgekehrt gefragt … Kann es in diesem unendlichen Raum etwas nicht geben? Er ist doch unendlich. Wenn unendliche Möglichkeiten da sind … warum sollte es dann nicht möglich sein, dass es etwas nicht gibt? Kann es das Weltall nicht geben?

Das Beispiel dieser in der materialistischen Denkweise unmöglichen Fragen korrespondiert mit der Platoschen Sichtweise auf den Begriff des Nichts. Plato zeigte  einen fundamentalen Widerspruch des (materialistischen) Denkens auf. Er sagt, einerseits stelle man sich das Nichts wie ETWAS vor, wie etwas Eingrenzbares und Abzählbares (das Nichts), andererseits könne man über das Nichts eigentlich keinerlei Aussagen treffen, denn es ist ja nicht da, und somit nicht denkbar (Denkgrenze).

 

Und genau dasselbe gilt für das Sinnlose – es ist uns Nichts. Es erscheint uns müßig, es zu denken, obwohl es doch existieren könnte, nach der materialistischen Vorstellung zumindest, und zwar in einer anderen Welt, in einer anderen Konstellation. Doch das Sinnlose, das Nichts, das eigentlich Alles ist, wäre eine Unendlichkeit, die zu denken uns unmöglich ist. Wir Menschen sind, das ist unsere Daseinsbedingung, fixiert auf unsere Welt. Wir sind fixiert auf die Zusammenhänge dessen was wir kennen. Das eigentlich „Fremde“ können wir nicht erfahren. In einer vorgestellten Unendlichkeit der Information sind wir ein Punkt. Und das können wir nicht ändern, indem wir „mehr erfahren“. Wir bleiben ein Punkt der umgeben ist von der Unendlichkeit des Möglichen.

 

 

 

Nicht Beobachter, sondern Element der Schöpfung … was last modified: Dezember 22nd, 2017 by Henrik Geyer

Beweisbarkeit des Spirealismus

Wie läßt sich der Spirealismus beweisen? Wenn der Spirealismus aussagt, dass die Realität in den Gedanken liegt, ist seine Beweisbarkeit dann eine Frage der Phantasie?

fehlende Objektivität

Man muss sagen: Genau so ist es!

Das leitet sich bereits aus dem über Objektivität Gesagten ab.

Einerseits habe ich häufig dargelegt, warum es keine Objektivität gibt, wie das gemeint ist, woran man es sehen kann, etc.. Andererseits bedeutet das natürlich auch (und es hat mir selbst lange Kopfzerbrechen bereitet), dass der Spirealismus selbst nicht objektiv sein kann.

Eine Weile dachte ich so: Fehlende Objektivität ist die einzige IMMER feststellbare Tatsache – und somit dem am allernächsten, was man objektiv nennen könnte. Doch, nein, die ehrliche Antwort ist: Nicht existierende Objektivität läßt sich auch nicht objektiv beweisen!

Wie schwer es fällt, diese Denkhürde zu überwinden beweist jedoch, wie sehr unsere Vorstellungen auch Denkgrenzen sind.

Lesen Sie auch: objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität?

eine Frage der Phantasie

Wenn man nun in dieser Welt (spirealistisch: in diesen Welten) keine Objektivität finden kann, dann bedeutet das, dass die Dinge, so wie sie uns vor Augen stehen, als Vorstellungen in die Welt(en) kommen.

Spruchbild: Nicht "unser" Denken im Gehirn erzeugt Realität - das Denken geht nicht von unserem Gehirn aus, sondern umschließt und erschafft uns. Ebenso wenig erzeugt eine Quelle Wasser. In einer Quelle tritt Wasser nur zu Tage.(Aus spirealistischer Sicht sind dies allerdings Vorstellungen eines kollektiven Bewusstseins, eines panpsychischen Bewußtseins sozusagen. Nicht so, wie wir uns Bewußtsein gemeinhin vorstellen, als nur im Menschen zu verorten, nur der Mensch erbringe den Beweis für Bewußtsein und zwar durch „sein“ Bewußtsein, u.s.w.).

 

 

Dass die Phantasie hier die entscheidende Instanz eines Beweises ist, will ich wie folgt illustrieren:

Seit Jahrtausenden gibt es in der Philosophie Überlegungen, die die spirealistischen Thesen stützen, und die ich daher in verschiedensten Beiträgen zitierte. Diesmal erinnere ich an den bekannten Ausspruch des Heraklit

Alles fließt.

oder auch (ebenfalls von Heraklit)

Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Dies bereits mag ein wenig schwierig sein, sich vorzustellen, aber es ist eigentlich logisch: Wer zu zwei verschiedenen Zeitpunkten in den Fluss steigt, findet nicht denselben Fluss vor, sondern eigentlich zwei verschiedene. Der Stoff des Flusses hat sich sowohl in seiner Identität (der Stoff: das Wasser) gewandelt, wie auch in der Zusammensetzung, der Menge, etc..

Man mag nun denken: Der Fluss ist ein Sonderfall – das flüssig-flüchtige Element Wasser, aus dem er besteht, ist nicht in den (festen) Dingen. Doch, was für den Fluss gilt, muss man sich nun für alle Dinge denken, so verlangt Heraklit, denn alles fließt.

Warum sagt er das? Weil, was für den Fluss zutrifft, der ja im Grunde eine ganz alltägliche Erscheinung ist, nicht in seinem Wesen völlig verschieden sein kann, von allem anderen. Nein, in einem Kontinuum der Wahrnehmungen ist der Fluss eine Erscheinung, die sich nur graduell unterscheidet, nicht jedoch wesenhaft. Dies ist übrigens auch exakt die Aussage vieler Teilchenphysiker der Moderne, die sich mit dem Wesen der Materie beschäftigen.

Nun kann man aber – auch das gibt es bereits seit Jahrtausenden – konsequenterweise weiter sagen:

Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen.

Dies ergibt sich als logische Konsequenz, wenn man versteht, dass Wissen Erinnerung ist (Platon), und dass, wenn man einen Fluss sieht, und ihn bereits in einem zweiten Gedanken ergründen will, seinem Wesen auf die Spur kommen will, dieser Fluss bereits im zweiten Moment verändert ist – es gilt also auch hier das bereits Gesagte: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Heraklit … Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen.

Das wiederum ist identisch mit der spirealistischen Sichtweise des fehlenden Objektiven … es gibt kein Ding, das ein eigenes, vom Denken unabhängiges Wesen hätte, es gibt kein unabhängiges Außen, das wir beobachten. Sondern, die Existenz der Welt(en) IST Denken, IST Relativität, IST Subjektivität – das ist die spirealistische Grundüberzeugung.

 

 

 

Art und Weise des Beweises

Wie also könnte ein Beweis für dieses Denken aussehen?

In der quasi einzig gewünschten Form, in Form des Beweises eines objektiven Tatbestandes, kann er nicht stattfinden, denn das würde die Negation dessen erfordern, was der Spirealismus proklamiert und was ja gerade bewiesen werden soll.

Anders gesagt: Wenn die (weltanschaulichen) Brillen der Ichs dafür verantwortlich sind, was für eine Welt ihnen entsteht, was für sie also „sichtbar“ ist, dann ist für den materialistischen Denker die Geisteswelt des Spirealismus unsichtbar, undenkbar, nicht nachweisbar.

Es bleibt dem Spirealisten nichts anderes übrig, als die Phantasie des Materialisten anzuregen, ihn an Alltagserfahrungen zu gemahnen die seiner materialistischen Grundüberzeugung widersprechen, also die Widersprüche des Materialismus aufzuzeigen, und auf der anderen Seite die Logik, den Nutzen und die letztliche Unabwendbarkeit des Spirealismus aufzuzeigen.

Das ist aber nicht einfach – gerade der Spirealismus in seiner Konsequenz zeigt ja, dass die Welten (welche es auch seien) immer in sich logisch und vollständig wirken müssen, es gibt für sie jeweils kein „fehlendes“ Element, keine Notwendigkeit, eine andere Welt zu erschaffen. Sondern es gibt innerhalb des Materialismus nur die Notwendigkeit den Materialismus weiterzuentwickeln. Ich möchte das mit einem provokativen Beispiel illustrieren – dem Wunderglauben des Mittelalters. Vorausgesetzt man glaubt an die Existenz von Hexen ist die daraus folgende Konsequenz ja nicht, die Existenz von Hexen in Zweifel zu ziehen, sondern die Konsequenz ist, die Auffindbarkeit des Hexenunwesens zu ergründen, die Hexen zu vernichten, etc.. Das bedeutet, der Glaube, jede Vorstellungswelt, auch die des Materialismus, stabilisiert sich selbst. Und das ist es, was wir ja auch tatsächlich stets und ständig sehen.

Die Notwendigkeit des Spirealismus im Heute

… und … gilt das soeben Gesagte nicht auch für den Spirealismus? Stabilisiert er sich dann demzufolge nicht auch selbst?

Doch. Das Gesagte gilt auch für den Spirealismus, der allerdings von vorn herein weniger in festen Begriffen denkt, sondern ja eben gerade die Relativität jedes Begriffes betont. Insofern glaubt der Spirealismus die Welt(en) besser beschreiben zu können und unseren Vorstellungen nützlich zu sein.

Und .. wenn jede Weltvorstellung sich selbst völlig genügt, welche Notwendigkeit und besondere Dringlichkeit besteht dann, in spirealistischen Begriffen zu denken?

Die heutige Zeit sehe ich geprägt durch eine stark entwickelten Materialismus, in dem für Wunderglauben und den Gedanken an etwas „Höheres“ (als den menschlichen Geist) kein Platz zu sein scheint – was die Gegenposition zum Spirealismus ist. Aber auch geprägt durch tausenderlei Widersprüchlichkeiten, beispielsweise aus der häufig von mir ins Feld geführten Teilchenphysik. Weiterhin wird ind er Popkultur zunehmend die Frage gestellt, was überhaupt die Realität ist – man denke an den Film Matrix, aber auch diverse Science Fiction-Romane (auch Filme), beispielsweise von Philip K. Dick. Diese populär werdenden Fragestellungen werden angereichert durch eine jahrtausendelange reiche philosophische Überlegungen … Heraklit, Plato, Kant, Hegel, Schopenhauer, Wittgenstein, Bohr, Einstein, Heisenberg … nun müssten deren Überlegungen „nur noch“ Gegenstand des Alltagsdenkens werden. Und schlussendlich – und vielleicht am wichtigsten – sind es die ganz praktischen Ergebnisse der materialistischen Wissenschaft, die selbst die entscheidenden Fragen immer unvermeidbarer werden lassen: der Computer, die weltweite Vernetzung, die künstliche Intelligenz.

Lesen Sie auch: Beitrag Roboter Mensch. Ist der Mensch ein humanoider Roboter?

Wenn es eine Frage der Nützlichkeit (und nicht einer schlichten Wahrheit) sein sollte: Der Spirealismus hat, richtig verstanden, Nützlichkeit. Und: Er fügt sich in das bestehende Denken nahtlos ein, will z.B. die Wissenschaft nicht etwa überflüssig machen, nur weil er die Wahrheit spirituellen Denkens darlegt – denn er stellt die Relativität der Welt(en) fest, und postuliert ihre jeweilige „Gültigkeit“. Gleichzeitig stellt er keineswegs die Existenz in Frage, auch wenn er die Welt(en) als „gedacht“ bezeichnet. Jedoch hat der Spirealismus einen eigenen Existenzbegriff, der von dem des Materialismus abweicht.

Der Beweis …

… ist also keine nachrechenbare Formel, das kann es nicht sein. Auch (verständlicherweise) kein: „Seht, dort ist das Nichts!“

Sondern es ist ein Aufzeigen stets und ständig vorhandener unendlicher anderer Denkmöglichkeiten, als sie gerade im öffentlichen (supersubjektiven) oder individuellen Bewusstsein vorherrschen. Es ist ein Denken in Metaphern, in Symbolen, ein Quer- und Andersdenken, und ein Aufzeigen von dessen Wahrheit.

 

Lesen Sie auch: Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Ähnliches Thema: Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität

Siehe auch: Artikel merkwürdig! Merkwürdigkeiten des Alltags

Weiterlesen: Artikel Die Zahl Vier – Symbol für die ganze Welt

Beweisbarkeit des Spirealismus was last modified: Mai 20th, 2016 by Henrik Geyer