Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun?

Wer meinen letzten Artikel Über die Intelligenz einer Harke gelesen hat, dem sind vielleicht zwei Dinge aufgefallen, die noch einmal einer tieferen Erwähnung bedürfen.

Das Getrennt-Sehen von Dingen

Über Unabhängigkeit stand da: „.. kann denn ein Mensch etwas hervorbringen, das von ihm ganz getrennt zu sehen ist? Klares Nein.“

Warum „Klares Nein.“? Warum nicht: „Nicht unbedingt.“, oder so ähnlich?

Hierzu folgende kurze Erläuterung (denn ich habe dazu schon vielerlei geschrieben). Diese Erklärung ist überhaupt nicht einfach, dann aber doch wieder einfach. Denn es ist eine Art Glauben.

Zunächst handelt es sich um eine grundlegende Sichtweise des Spirealismus. Nichts ist einzeln. Alles hängt zusammen. Warum? Weil es das Objektive der materialistischen Sichtweise nicht gibt. Oder, wie ich immer formuliere: Die Realität gibt es nicht noch einmal extra, jenseits des Denkens (der Menschen). So dass sich die Menschen nicht auf „die“ Realität wie auf ein Ding beziehen können, das in Eindeutigkeit irgendwo sei.

Anders herum: Wie kommen die Dinge ins Entstehen? Wie „sind“ sie (Existenz)? Sie entstehen aus der Relation. Existenz ist Kommunikation. Daher hat das, was auffasst, auch immer etwas mit dem Aufgefassten zu tun, denn Kommunikation gibt es nur in einem Zusammenhang.

Da der Spirealismus das so sieht, nennt er die Realität also: „nicht eindeutig“. Oder auch: „vielfach“. Er hält demnach mit Leichtigkeit auch eine Realität für möglich, in der die Menschen glauben, die Realität gäbe es noch einmal extra! Wie könnte der Spirealismus das auch bestreiten, wo der Materialismus doch allgegenwärtig ist? Man könnte es also eine Art Glauben nennen, zu sagen, alles hinge zusammen. Ebenso wie der Materialismus ein Glaube ist.

Man möge also glauben, oder auch nicht! Im Prinzip sind ja alle Realitäten möglich.

Im konkreten Fall ist jedenfalls der Zusammenhang Mensch – Produkte des Menschen gegeben. Meiner Ansicht nach völlig offensichtlich. So dass man ohne Schwierigkeit sagen könnte: Der Mensch kann nichts von ihm Unabhängiges hervorbringen.

Das Denken in voneinander unabhängigen Objekten als Produkt des Materialismus ist jedoch geradezu allmächtig. Daher will ich die Aufmerksamkeit desjenigen, der gewillt ist darüber nachzudenken, auf die Frage lenken, was irgendein Ding wäre, mit dem es keinerlei Kontakt gibt. Das man also nicht sieht, nicht hört und an das man nicht denkt? Es ist im wahrsten Sinn des Wortes nicht vorhanden, zumindest für uns Menschen, ob es nun in irgendeiner Realität existiert oder nicht. Man könnte das auch „unabdingbar vorhandenes Unwissen“ nennen, oder auch „Denkgrenze“. Während ja, wie absurd!, der Materialismus glaubt, das Denken habe keine Grenzen.

(Übrigens Achtung, noch eine Kollision mit dem materialistischen Weltbild! An etwas zu denken hat für den Materialismus nichts mit der Sache zu tun, an die gedacht wird. Denn die Objekte sind ja für den Materialismus ganz separat von Denken. Für den Spirealismus ist das nicht so.)

So viel aber erst einmal dazu.

Intelligenz und Kreativität

Ich schrieb auch: “ …  dass Intelligenz definitionsgemäß das Unerwartete hervorbringen muss. Nur etwas sehr Eingegrenztes von Intelligenz zu erwarten widerspräche meiner Auffassung, was Intelligenz auszeichnet. (denn das hieße im Umkehrschluss, dass wir, während wir von Intelligenz sprechen, etwas Nicht-Intelligentes erwarten: nämlich eine Reaktion wie von einem Papagei – der etwas Bekanntes nachplappert.)“

Im Prinzip spreche ich, wenn ich von „etwas Unerwartetem“ spreche, von einem kreativen Vorgang. Etwas Neues kommt ins Entstehen. Etwas, das unvorhersagbar ist. Etwas, das nicht unbedingt hätte entstehen müssen.

Hier gibt es verschiedene Konflikte mit dem materialistischen Weltbild. Ich halte es für wichtig, diese Konflikte aufzuzeigen, weil sie für das Verständnis von Intelligenz, wie ich finde, wichtig sind.

Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun?


Im Materialismus gibt es ja diese Überlegung, dass das menschliche Denken letztlich von Objekten außerhalb des Denkens abhinge. So wie das Denken als Objekt gesehen wird (hier ist das Gehirn), sind dort die Objekte die das Denken (das Gehirn) spiegelt.

Daher erscheint es dem Materialismus, als gebe es eine absolute Folgerichtigkeit, der zufolge Entdeckungen gemacht werden. Also: Warum müssen Erfindungen und Entdeckungen gemacht werden? Weil dieser Fortgang der Wissenschaft einfach die beste Entsprechung der Realität ist, welche der Mensch vor-findet. Beispielsweise erscheint es völlig folgerichtig, dass der Mensch, nachdem er die Atome ge-funden hat, diese nun teilen kann, etc.. Das musste so entdeckt werden!

Das Forschen ist also eher ein Finden, denn ein kreativer Prozess, bei dem etwas erschaffen wird. Man sagt ja auch „Erfinder“ und nicht „Kreativkopf“.

Diese Vorstellung hat etwas Mechanistisches, etwas, das, glaube ich, auch jeder überzeugte Materialist innerlich als widersprüchlich empfindet. Einstein sagte einmal – er bezog sich auf das Finden mathematischer Zusammenhänge – es gäbe keine Notwendigkeit für solche Entdeckungen. Einstein wohlgemerkt war Materialist.

Jedoch: Letztlich weiß man, oder ahnt man, dass ein Erfinder kreativ sein muss, um Entdeckungen machen zu können. „Entdeckung“ ist übrigens auch so ein Wort, das das Finden von etwas suggeriert, das schon „da“ sei. So, als lüfte man einen Deckel, der über eine Sache gestülpt ist, oder man hebe eine Decke hoch …

Andererseits: Wenn es der Kreativität bedarf, also des Erschaffens von Neuem, was ja eigentlich an keine Notwendigkeit geknüpft ist, dann ist das Entdecken auch nicht zwangsläufig. Und die Wissenschaftswelt mit ihren Erkenntnissen ist ebenfalls nicht zwangsläufig.

Diese Widersprüchlichkeit kommt auch in dem Einsteinzitat zum Ausdruck: „Die Theorie entscheidet darüber, was man finden kann.“ Das bedeutet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Bekannten gibt, und dem, was man zu finden erwartet. Es bedeutet aber natürlich auch, dass man nur finden kann, wofür man eine Theorie hat, was man also kennt. Und hier kommt nun wieder die Frage des Weltbildes ins Spiel. Glaubt man wirklich, dass es nur das geben kann, wofür wir Theorien haben (wie es der Materialismus suggeriert)? Also ich glaube das nicht.


Ich weiß, dass in diesem Moment in so manchem Leser der nicht abschüttelbare Gedanke durchs Hirn fahren wird, man könne doch nur entdecken was auch „da“ sei. Das ist eben ein Widerspruch zum vorher Gesagten, nämlich, dass Entdeckungen ohne eine Notwendigkeit gemacht werden.

Wenn ich gefragt würde, wie das auf der Basis des materialistischen Weltbildes zu erklären sei – ich könnte es nicht erklären. Niemand kann das. Der Materialismus ist einfach zu faul darüber nachzudenken. Das ist alles.

Das sind im Ergebnis die unauflösbaren Widersprüche des Materialismus: Paradoxien. Ich kann und will nicht weiter mit diesen letztlich unüberwindlichen Unstimmigkeiten argumentieren.


Für den Spirealismus ist alles einzigartig. So, wie auch der Millionste VW-Käfer einzigartig ist, und nicht der „selbe“ wie ein anderer. Das „selbe“ gibt es im Spirealismus nicht. Das „selbe“ ist ein Widerspruch in sich, denn es handelt sich um einen Bezug zwischen verschiedenen Dingen, deren absolute Ein-heit man ausdrücken will. Geht also nicht. Außerdem gibt es das Einzelne nicht – daher muss alles eine Relation zwischen Verschiedenem sein. Yin und Yang [SPID 4000]Als beste Illustration hierfür fällt mir das Yin-Yang-Symbol ein. Die aus materialistischer Sicht unbegreifliche Einheit in der Verschiedenheit. Insofern ist „dasselbe“ eines von vielen Wörtern, die der materialistischen Denkwelt entspringend, in sich zutiefst widersprüchlich sind.

Es gibt nicht „die“ Realität, sondern unzählige Realitäten. Diese Realitäten kommen beispielsweise durch uns Menschen zum Ausdruck, die wir Elemente der Schöpfung sind, nicht etwa Beobachter der Schöpfung, wie wir immer meinen.

Für den Spirealismus hat alles daher den Aspekt des Kreativen. Des Neuen, des Einzigartigen. Auch: des Nicht-Notwendigen. Wir selbst, indem wir sind, sind Kreation, und sind kreativ.

Die Frage des Materialismus, warum wir dann immer nur eine Welt sehen können, beantwortet der Spirealismus mit: Das können wir gar nicht. Erstens. Und zweitens: Die Illusion, wir beobachteten nur eine Welt, kommt nicht zuletzt auch aus der Denkvoraussetzung, das sei so. Es ist die Weltanschauung, die „Materialismus“ heißt, die suggeriert, es könne nicht anders sein. Mehr kann man dazu nicht begründen. Es ist das, was ich weiter oben einen „Glauben“ nannte.


Es sollte ja um den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Kreativität gehen, der zumindest aus spirealistischer Sicht unabdingbar ist. Intelligenz ist etwas Kreatives. Denn Intelligenz bringt etwas Neues hervor. Inwiefern unterscheidet sich Intelligenz von einem Huhn, das ein Ei legt, und somit etwas hervor bringt?

Für den Spirealismus unterscheidet es sich nicht unbedingt, denn Geist ist ja in allem. Auch in einem Huhn, das ein Ei legt. Aber, um die Phantasie des Lesers nicht überzustrapazieren:

Intelligenz als besondere Fähigkeit (nur) von Menschen definiert, wäre die Fähigkeit sinnvoll Neues hervorzubringen. „Sinnvoll“ hatte ich definiert als: „Mit Bezug auf einen gegebenen Bedeutungsraum“. Dieser Bedeutungsraum ist seinerseits nicht notwendig in dem Sinn, dass er seinerseits hat entstehen müssen. Sondern er ist, wie alles Neue, entstanden aus einem Prinzip, das den Zufall (das Unvorhersagbare) beinhaltet. Und so ist der Bedeutungsraum seinerseits zufällig. Wenn man so will ist „das“ Universum Zufall.

Man mag einwenden, der Zufall sei eigentlich doch vorhersagbar, ich verweise dann wieder auf die inneren Widersprüche des Materialismus.

Und das Neue, wie gesagt, ist letztlich unvorhersagbar und zufällig. Sonst wäre es nicht neu.

So hat also Kreativität das Element erstens des Neuen, des Nichtvorhersagbaren, des Zufalls. Und zweitens des Bezuges auf Bekanntes.


Intelligenz bezeichne ich als die besondere Fähigkeit eines Menschen, kreativ zu sein.

Das bedeutet, ist ist eine Art Gedankenreichtum: viele Gedanken zu durchwandern, und gleichzeitig ihren möglichen Bezug zu Bekanntem zu prüfen.

Es ist gedankliche Komplexität, die schließlich auch Möglichkeiten des n-ten Zusammenhanges prüfen kann.

Aus dieser Definition heraus kann man ableiten, dass Intelligenz erstens Wissen benötigt, als den Bezug zu Vorhandenem.

Zweitens geistige Freiheit, sich nicht zu sehr an das Bekannte anzulehnen – und somit unvorhersagbar Neues hervorzubringen.

Drittens eine gewisse Gedankenschnelligkeit, die Möglichkeiten durchzuspielen.

 

Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun? was last modified: März 15th, 2018 by Henrik Geyer

Über die Intelligenz einer Harke

„Kann künstliche Intelligenz die Menschheit vernichten?“ Mein Sohn stellte mir neulich diese Frage.

Ich antwortete: „Ja!“ Denn ich meinte, dass Intelligenz definitionsgemäß das Unerwartete hervorbringen muss. Nur etwas sehr Eingegrenztes von Intelligenz zu erwarten widerspräche meiner Auffassung, was Intelligenz auszeichnet. (denn das hieße im Umkehrschluss, dass wir, während wir von Intelligenz sprechen, etwas Nicht-Intelligentes erwarten: nämlich eine Reaktion wie von einem Papagei – der etwas Bekanntes nachplappert.)

Mein Sohn aber hatte auf Youtube ein Video gesehen, das darlegte, dass finstere Kreise das Ende der Menschheit betreiben, und zwar mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Er wollte eigentlich wissen, ob das Video Recht hatte. Das nun wieder konnte ich nicht beantworten, denn ich kenne diese finsteren Kräfte nicht.

Ich sah mir das Video an und ärgerte mich über dessen platte Aussagen über „Denken“, „Intelligenz“, „Programmieren“. Künstliche Intelligenz sei die Programmierung kluger Computerfachleute, die es schaffen, eine „selbst denkende“ Maschine hervorzubringen, hieß es da. Die wirklich interessanten Fragen wurden nicht angesprochen. Was ist Intelligenz? Was erwartet man von ihr?


Zunächst einmal sind „Intelligenz“ und „Maschine“ doch Gegensätze des Verständnisses! Weil eine Maschine der Inbegriff des Re-Produzierens ist, und immer gleiche, vorhersagbare, Ergebnisse zeitigt. Ganz anders als Intelligenz. Auch der Begriff „selbst denken“ erfordert für mich genaueres Überlegen. Z.B.: kann denn ein Mensch etwas hervorbringen, das von ihm ganz getrennt zu sehen ist? Klares Nein.

Und, ist es tatsächlich so, dass eine Maschine nur reproduzieren kann, und in ihren Wirkungen ganz berechenbar ist? Eigentlich nicht, zumindest nicht im großen Bild. Jede Maschine ist auch kreativ! Ist denn die Welt, oder irgendein Detail in ihr, so vorhersagbar, wie wir immer glauben? Hängt alles was wir hervorbringen von unserem Willen ab, macht es immer das, was wir vorhersehen?

 

Alles ist eine Frage von Nuancen in einem Moment, denn alles fließt. Sieht man die Welt mit diesen Augen, dann verliert künstliche Intelligenz ein wenig von ihrem rätselhaften Schrecken. Was macht sie, was will künstliche Intelligenz? Will sie etwa etwas anderes als wir?? Man muss dann umgekehrt fragen: was wollen denn wir? Ist das so berechenbar für uns selbst? Sind wir selbst nicht Elemente von etwas, das sich aus unserer Sicht niemals völlig erklärt?

Diese Sichtweise entzaubert wie ich finde aber auch ein wenig die Sichtweise auf das menschliche Wollen, die menschliche Intelligenz, die menschliche Autonomie …

die Intelligenz einer Harke

Künstliche Intelligenz beginnt bereits bei einer Harke. Sie ist künstlich, denn sie ist menschengemacht. Aber inwiefern ist sie intelligent? Kann man ihre Intelligenz an ihren Wirkungen ermessen, wie man das bei Menschen tut? Ja, anders kann man das nicht überprüfen. Also: Welche Wirkungen kann die Harke hervorrufen?

Eine Harke trägt die Anwendbarkeit auf ein bestimmtes Thema in sich. Man kann damit in kurzer Zeit den Garten von Laub befreien. Eine Harke ist aber auch kreativ. Welcher Garten wann und wie von Laub gereinigt wird, das sagt die Harke nicht. Überhaupt redet sie nicht viel. Vielleicht lässt sie lieber Taten sprechen.

Man kann mit der Harke auch eine Rohrverstopfung lösen, indem man sie umdreht und den Stiel als Stößel benutzt. Man kann mit ihr einen Ball aus dem Geäst eines Baumes holen. Ganz wie künstliche Intelligenz aus dem Computer gibt uns die Harke unerwartete Antworten, einfach, indem sie da ist.

Sie erhöht die Produktivität, und ihre Ergebnisse sind letztlich unvorhersagbar. Nur als Beispiel: Während der Mensch ohne Harke seinen Garten vielleicht unaufgeräumt ließe, oder den ganzen Tag mit dem Aufsammeln von Blättern per Hand beschäftigt wäre, kann er in seiner durch die Harke gewonnenen Freizeit das Ziel der Krebsheilung angehen. Oder aber, für den ersten Fall, dass er den Garten Garten sein ließe – dann wäre die Welt des Menschen Welt eine andere. Sie wäre in einem Teilbereich natürlicher, bizarrer … und auf andere Weise schön. Der Mensch diesmal aus anderer Perspektive: Nicht als Ausgangspunkt einer Wirkung, sondern als Auswirkung …

Nebenbei gefragt: Hat eine Harke einen „Willen“? Das könnte man so sehen. Denn Wille ist für mich eine innere Vorbestimmtheit, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit zu einer Wirkung führt. Das wäre für die Harke gegeben; sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit harkend anzutreffen sein – zu harken als ihr „Wille“. So wie ein Mensch, der auf Grund seiner innerlichen Überzeugungen zu dem Schluss kommt, es sei wichtig für eine Sache zu kämpfen – wo wird man ihn mit großer Wahrscheinlichkeit antreffen? Im Kampf für diese Sache. Und man wird sagen: „Der will das so!“ Der Mensch selbst wird sagen: „Für die Sache zu kämpfen, das ist mein Wille.“ Die Schweigsamkeit der Harke ist hier der wesentliche Unterschied. Man wird einwenden, die Welt des Menschen sei komplexer, er will vieles und tut vieles, aus sich heraus. Das gilt für die Harke auch – je nach Welt in die sie geworfen ist, wird sie vieles wollen, man wird sie vielleicht auch antreffen bei der Rohrreinigung, beim Befreien eines Balles … Manchmal ruht sie sich einfach auch nur aus. Tut sie das aus sich heraus? Ja … Neei … weiß nicht. Tut der Mensch die Dinge nur aus sich heraus? Genauso. Eine Frage der Sichtweise.

Natürlich wird man einwenden, die Harke habe keinen Willen, denn sie handelt ja nicht selbst und nicht eigenständig, im Gegensatz zum Menschen. Aber das wäre ein Einwand, der auf die Frage selbst zurückführt – die des (eigenständigen) Willens. Und was wäre Wille, wenn nicht eine unabhängige und eigenständige Kraft? So verstehen wir Willen. Dass es aber letztlich nichts Eigenständiges gibt, auch keinen Menschen, darauf komme ich gleich.


Das bedeutet, auch eine Harke arbeitet nicht eindimensional, ihre Wirkungen sind unübersehbar. „Arbeitet“ die Harke überhaupt? Die Harke arbeitet doch nicht selbst, sondern der Mensch muss sie gebrauchen! Künstliche Intelligenz eines Computers hingegen arbeitet autonom, denkt selbst nach!

Ich möchte jetzt die Sichtweise umkehren, und nicht die Harke anschauen, sondern den Computer.

Ist er autonom? Kann er ohne uns auskommen? Adressiert er etwas anderes als eine menschliche Thematik? Kann er uns Fragen beantworten, die über unser Verständnis hinausgehen?

… Autonomie, bezogen auf Intelligenz, das wäre das Stellen ganz eigener, von uns unabhängiger Fragen, und die Beantwortung solcher Fragen. Also etwa das, was ein Vögelchen tut, wenn es, von uns völlig unverstanden und unabhängig, durch die Luft zwitschert, und damit Probleme löst oder auch erschafft, die wir nicht kennen und nicht bemerken. Das wäre ein Beispiel für weitgehende Autonomie, nur mit dem kleinen Makel, dass es von uns nicht völlig autonom ist, denn wir hören das Vögelchen ja noch, bilden uns eine Meinung, fangen das Vögelchen. Aber: Meinen wir, wenn wir von autonomer Intelligenz sprechen, ein Vögelchen? Nein. Sondern, wir meinen, merkwürdig genug, ausschließlich Intelligenz, die unsere eigene Intelligenz adressiert. Alles andere IST für uns keine Intelligenz.

Merkwürdig übrigens auch folgender Gedanke: Auf diese Weise werden wir natürlich keine höhere Intelligenz als die eigene bemerken. Und das ist es auch, was meiner Ansicht nach stets und ständig zu sehen ist, im einzelnen Menschen, wie auch in der Gesamtheit. Die uns umgebende Intelligenz nennen wir „tot“, „nicht-denkend“. Oder bei Tieren: „nicht richtig intelligent“. Welche Egozentrik! Eine höhere Intelligenz stellen wir uns immer so vor, dass sie uns gegenüber irgendeine Meinung haben müsse, uns helfen wolle, oder uns vernichten. Eine uns völlig indifferent gegenüberstehende Intelligenz ist uns unsichtbar.

Doch zurück zum Computer. Computer-Intelligenz kann uns nur Fragen innerhalb unseres Verständisses beantworten. Eine Antwort außerhalb unseres Verständnisses wäre uns keine Antwort. Denken wir an den Supercomputer in „Per Anhalter durch die Galaxis“. Gefragt nach dem Sinn des Lebens kam er nach Jahrzehnten mit der Antwort: 43! Also Quatsch. Oder: Sinnvoll in einem Kontext, den wir nicht kennen. Man kann es auch so sehen: Alles, was wir irgendwie auffassen, adressiert auch unser Verständnis. Insofern spielt sich eine Kommunikation per se innerhalb eines bestimmten Verständnisraumes ab; und das uns völlig Fremde wäre gleichzusetzen mit dem uns Unbekannten.

Computer-Intelligenz ist nicht völlig autonom, denn sie wird definitionsgemäß vom Menschen erschaffen, so wie jedes menschliche Werkzeug, z.B. eine Harke.

Künstliche Intelligenz ist geschaffen um unsere Fragen zu beantworten, sie ist bereits dem Sinn nach an die menschliche Welt gebunden, und damit nicht autonom. Sie ist kreativ wie die Harke, denn, wenn uns KI nur sagen würde, was wir schon wissen, würden wir sie nicht „intelligent“ nennen. Und auf diese Weise ist ja auch eine Harke kreativ … sie beantwortet uns Fragen, die wir nicht kannten, als wir die Harke herstellten. Warum eigentlich nennen wir die Harke dumm?

Wir sind nicht gewohnt, die Natur als intelligent zu sehen.


Künstliche Computerintelligenz ist auch insofern nicht eigenständig, als sie, wie die Harke, die Bedienung durch den Menschen erfordert. Füttert man die Maschine nicht mit Strom, geht sie aus. Fragt man sie nichts, ist sie bedeutungslos und man bemerkt sie gar nicht. Da könnte sie noch so intelligent sein, diese Intelligenz. Der Mensch muss den Computer füttern, er muss mit ihm interagieren bzw. ihn nutzen, so, wie er die Harke nutzt.


Angenommen KI würde in Form von „völlig autonomen“ Robotern ein Eigenleben auf der Erde führen, würde den Menschen vielleicht bekämpfen oder mit ihm partnerschaftlich zusammenleben – wären diese Roboter wirklich „völlig autonom“?

Das wäre jedenfalls nicht die Sichtweise des Spirealismus, denn hier wäre immer noch dieser Dialog. KI würde Fragen für den Menschen aufwerfen, die Antworten erfordern. Und umgekehrt. Die Intelligenz läge in der Interaktion – in der Kommunikation. Intelligenz hier ganz wertfrei verstanden: als eine Frage, die sinnvolle Antworten hervorbringt.

 

Spirealistisch gesehen ist alles nur eine Relation. Das lässt jedes Wort in einem anderen Licht erscheinen. Ich will daher einige Definitionen nachschieben.

„Sinnvoll“ hieße: Mit Bezug auf einen gegebenen Bedeutungsraum.

„Intelligenz“: Sinnvolle Kommunikation/Interaktion. Hier ist also die Anknüpfung an die spirealistische Grundaussage „alles ist Geist“, oder „in allem ist Geist“. Der Geist liegt in der Natur, in allem! Wir suchen vergebens, wenn wir den Geist nur im menschlichen Hirn verorten wollen, sondern, Geist liegt in der Kommunikation. Geist ist z.B. unsere Interaktion mit der Natur. KI wiederum sucht man vergeblich in einem Computer, wenn man nur ihn anschaut; um die Intelligenz der KI zu finden muss man die Kommunikation ansehen.

„Autonom“ .. das ist schwierig. Völlig autonom in dem Sinn, dass es mit uns Menschen nichts zu tun hat, das gibt es nicht für den Spirealismus. Denn alles was wir sehen können hat auch mit uns etwas zu tun. Geist, Intelligenz, das ist Kommunikation. Kommunikation ist Relation. Kommunikation erfordert mindestens zwei. Das Einzelne gibt es nicht. Jeder Satz entfaltet nur dann Sinn und bekommt eine bestimmte Aussage, wenn er gehört wird. So gesehen, ist Unabhängigkeit, Autonomie, eine Sichtweise. Wie immer eine Frage von Nuancen, von stärker und schwächer.

 

 

 

 

Über die Intelligenz einer Harke was last modified: März 15th, 2018 by Henrik Geyer

Was ist Wahrheit? Wahrheit als Weltanschauung.

Thema: Was ist Wahrheit? Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Wahrheit ist eine Relation.Das Ich ist ein Teil der Relation.

Was ist Wahrheit? Ist das Wort Wahrheit, wie wir es verstehen, Ausdruck einer Weltanschauung?

Gibt es einen Zusammenhang gibt es zwischen unserer Auffassung von Wahrheit und unserer Sichtweise auf die Materie? Was ist der Zusammenhang?

Wahrheit und die materielle Außenwelt

Der materialistischen Weltanschauung zufolge hängen wir ab von einer von uns unabhängigen Außenwelt. Diese Außenwelt beobachten wir, lesen ihre Gesetzmäßigkeiten von ihr ab – diese von uns unabhängige Außenwelt ist unsere Kernvorstellung von Realität. 

Wir verbinden so viel mit dieser äußerlichen Realität. Alle sind wir wir Realisten, und wollen es auch sein! Realist zu sein, auf diese äußerliche Realität bezogen – das ist uns das höchste Lob.

Der zentrale Begriff für die von uns unabhängige Außenwelt, mit ihrer Objektivität, und ihrer Realität, von der jeder Einzelne von uns am allermeisten verstehen will, ist das Wort „Materie“. Das nenne ich die materialistische Weltanschauung: Der Glaube, wir wären geistige Beobachter einer von uns unabhängigen Außenwelt.

Was ist Wahrheit?

In Bezug auf den Begriff „Wahrheit“, der letztlich ebenso zentral für unsere Vorstellungen ist, wie der Begriff Materie (im Grunde sind beide Begriffe austauschbar), will ich einige Konstellationen nennen, die diese enge Verbindungen deutlich machen.

Wahrheit und Außen

Die Wahrheit ist uns nicht das, was ein Einzelner meint, oder ein Einzelner sieht. Was auch immer eine Mehrheit sieht, eine Mehrheit meint, eine Mehrheit denkt, eine Mehrheit glaubt richtig zu verstehen – das überwiegt alles, was ein Einzelner denkt. Dessen Gedanken werden dann zu einer Einzelmeinung, die nicht so wichtig ist.

Dieser Prozess funktioniert in beiden Richtungen. Die Meinung, die der Einzelne in seinem Außen überwiegen sieht, ist für ihn letztlich auch die Wahrheit.

Siehe auch: Innere Wahrheit – Äußere Wahrheit

Ähnliches Thema: Shitstorm. Wie wichtig ist die Meinung anderer?

objektive Wahrheit

Verbunden mit der Vorstellung der „einen und letztendlichen Wahrheit“ ist der Begriff der Objektivität. Objektivität, also etwas (eine Wahrheit), das außerhalb und unabhängig des menschlichen Bewusstseins sei. Etwas, das man nur so begreifen könne, also etwas, für das es nur eine einzige Möglichkeit gibt. Objektivität ist die Vorstellung von einer Welt außerhalb von uns, auf das alle Subjekte zugleich schauen, und worüber es letztlich keine zwei Meinungen geben kann.

Objektivität und materialistisches Weltkonzept sind Synonyme. Zum materialistischen Weltkonzept gehört auch die Vorstellung der einen und unbestreitbaren Wahrheit.

 

Wahrheit und Materie

So ist Wahrheit mit dem Begriff Materie verbunden. Materie als das Sinnbild des Materialismus. Das, worauf wir alle schauen, und was sich unserem gemeinsamen Blick durch seine Festigkeit und Greifbarkeit nicht entzieht. Materie als das Wirkliche, als das Reale. Die eigentliche Realität, so meint der Materialist (und damit auch die Wahrheit), läge in der Materie, nicht im Geist.

Materie ist der Zentralbegriff des Materialismus. Wir studieren die objektive Wahrheit der Materie, und glauben die letzten Wahrheiten in den objektiven materialistischen Wissenschaften zu finden.

Weiterlesen: Beitrag Glaube vs wissenschaftliches Wissen. Was ist Glaube?

Aber was ist Wahrheit in Wahrheit?

Wer die Wahrheit beschreiben will, überlasse die Eleganz dem Schneider.
Albert Einstein

Was ist Wahrheit nun wirklich? Was ist Wahrheit in Wahrheit?

Was ich in diesem Blog immer schreibe, immer aussagen will: Die Wahrheit ist nicht objektiv, nicht feststehend, letztendlich nicht zu fassen, ebenso wenig wie das Objektive. Die Materie in der vorgestellten Form gibt es nicht.

Nun wird man sich fragen: Welchen Wahrheitsgehalt hat zum Beispiel dieser Artikel? Was ist denn dann Wahrheit?

Wahrheit spirealistisch verstanden

Insofern ist zu klären, wie der spirealistische Ansatz zur Erklärung des Begriffes „Wahrheit“ aussieht. Es ist aber vorauszuschicken, dass sich dieser Ansatz eigentlich nur erschließt, wenn man vorher begriffen und verinnerlicht hat, dass es Objektivität nicht gibt. Wenn man die Vieldeutigkeit jedes einzelnen Begriffes in sich spüren kann. Das ist möglich, es ist aber auch ein langwieriger Lernprozess, wenn man diese Sichtweise nicht bereits mit der Muttermilch aufgesogen hat.

Die Realität der Begriffe

Erstens ist, gemäß Spirealismus, die Realität unserer Begriffe selbst die Realität. Anders gesagt: die Gedanken sind die Realität. Noch einmal anders formuliert: die Gedanken über die Realität, und die Realität, sind eins.

Die Welt, wie auch immer wir sie individuell auffassen, ist die Existenz für uns. Die einzige Existenz, von der wir wissen.

Daher ist zum Beispiel auch ein „falsch“ verstandener Wahrheitsbegriff aus der Sicht des Individuums nicht falsch. Denn wahr und falsch sind immer nur Relationen, die von den Begriffen des Denkens abhängen. Würden wir zum Beispiel in der Mehrheit an die Existenz von Hexen glauben, wer könnte uns das Gegenteil beweisen? Aus dieser (angenommen) Sichtweise sind Hexen existent.

Aus der Perspektive Desjenigen, der einen bestimmten Begriff als Wahrheit in sich trägt, ist dieser Begriff wahr. Das gilt ebenso für eine Gruppe von Individuen, die sich sich auf einen Begriff einigen. Siehe Supersubjektivität.

Wahrheit ist relativ

Wahr und falsch sind somit nur auseinander zu halten, aus der Perspektive der individuellen Wahrheit. Wahr und falsch sind stets eine Relation – und Teil der Relation ist das Individuum selbst, bzw. die Begriffe in ihm. Hierzu wiederum muss man verstehen, dass die Begriffe in jedem Einzelnen eine eigene Form annehmen – sie sind nie völlig gleich.

Wahrheit ist demgemäß subjektiv – nie objektiv.

Wahrheit als Ergebnis von Kommunikation

Das, was wir als die unumstößliche Wahrheit ansehen, ist das Ergebnis einer Kommunikation. Man könnte sich das vorstellen wie eine demokratische Wahl, der sich jeder unterwirft. Am Ende ist der Wahlsieger das, was die Wähler als existent begreifen müssen, solange sie sich an der Wahl (Kommunikation) beteiligen. Der Wahlsieger repräsentiert zugleich die Wahrheit. Nun stelle man sich vor, dass eine solche Wahl stets und ständig abläuft, mit jedem Gedanken verändert sich die Konstellation, das Wahlergebnis.

Spirealismus – die innere Wahrheit als die Quelle bzw. Existenz vieler Welten

Die Vorstellung vieler Welten geht aus von der spirealistischen Grundauffassung, dass es keine von uns unabhängige Außenwelt gibt. Woher kommt dann „die Welt“? Der Spirealismus besagt: es gibt sie nicht, „die Welt“. Sondern es gibt nur viele Welten. Wir Menschen (unter anderem) repräsentieren sie, in uns sind sie. Ebenso wie in jedem Objekt das wir sehen. Durch uns entstehen die Objekte, durch die Objekte entstehen wir. Wir selbst sind Elemente der Schöpfung, nicht ihre unabhängigen Beobachter. Und aus uns, unseren Ich-Universen, formt sich das, was wir für die von uns unabhängige Welt, und mithin auch für die von uns unabhängige Wahrheit halten.

Siehe auch: Artikel Die Entstehung der Realität – Bewusstsein erschafft Realität

Weiterlesen: Beitrag die Schwere und die Leichtigkeit des Spirealismus

 

Was ist Wahrheit? Wahrheit als Weltanschauung. was last modified: April 10th, 2016 by Henrik Geyer