Aspekte des Ich-Universums, Teil 4: das Universum außerhalb von mir ist das Universum in mir

In diesem Abschnitt soll es nun darum gehen, wie wir uns das Ich-Universum vorstellen können, welche Parallelen sich zu dem Universum ergeben, das wir im Außen sehen, welche Sinnhaftigkeit darin liegt, etc..

Was ist ein Universum?

Stellen wir uns ein Universum zunächst als ein All vor, als eine Summe von Allem, was einen Menschen oder eine Menschengruppe (die Menschheit) umgibt. Es ist dabei wichtig, folgenden Aspekt im Hinterkopf zu behalten: das Wichtige am Universum sind eigentlich nicht die Sterne und Sonnen und Planeten, sondern die ganz normalen Dinge des Alltags. Die Kaffeetasse, die Kollegen, die kleinen und großen Sorgen.

Wenn man das Universum so sieht: die kleinen Dinge, die unser tägliches Leben sind als nicht wirklich getrennt von den großen Dingen, sondern wirklich alles als integralen Bestandteil des Alls, des Universums, dann haben wir einen wichtigen Schritt getan, um uns das Universum in seiner spirituellen Variante vor Augen zu führen, und zu ermöglichen, dass wir das Majestätischste, die Sterne und Galaxien, mit dem Trivialsten, in einem Zusammenhang denken können.

Und eigentlich gibt es ja auch keinen Grund zu sagen, dass der Bleistift, der vor mir liegt, weniger Teil des Universums sei, als eine Supernova in Milliarden Lichtjahren Entfernung. Mehr noch: der Bleistift ist in meinem Leben wichtiger! Und der Raum, der in meiner Kaffeetasse ist, in die hinein ich den Kaffee gieße, den ich dann trinken möchte, ist nicht verschieden von dem Raum der zwischen den Planeten ist.

Wir haben so auch das Fundament gelegt, um einem wichtigen hermetischen Grundsatz in unserem Denken zu genügen, bzw. seine Denkbarkeit vorzubereiten: ich meine das Prinzip der Entsprechungen, dem zufolge sich alles in allem findet. Wie oben, so unten. Wie außen, so innen. Wie im Großen, so im Kleinen. Das bedeutet: alles hat mit allem zu tun, es gibt keine wirkliche Trennung. Die Prinzipien die für die genannte Supernova gelten, gelten auch für den Bleistift. Die Verbindungen sind allumfassend und weit über das hinausgehend, was ich sehen kann.

Ich will auch gleich, ein wenig vorgreifend, den Grund nennen. Könnte ich sonst keine Verbindung zwischen der Supernova und Bleistift sehen, so ist doch eine Verbindung ganz offensichtlich: die meines Geistes. Beide Dinge sind Bestandteile meines Geistes, und indem ich sie in meiner Vorstellungskraft bewege und gewichte, ist es mir möglich, in der Art eines Schöpfers, hier ein wenig Gewicht hinzuzufügen, dort ein wenig wegzunehmen. Ich kann die Gewichtung in meinem Geist so verteilen, dass beide Dinge gleichwertig sind, und dass der Bleistift nicht geringer wiegt, als die Supernova.

Und das ist nun wieder das Verbindende, das Analoge. Der Geist, der als Ich eine ganz konkrete Form annimmt. In mir wird alles analog, ebenso, wie in mir auch alles divers wird. Ich kann alles, jeden Gegenstand, immer nur mit demselben Geist erfassen. Jeder Gegenstand wird durch mich, in meinem Geist, zu einem individuellen Gegenstand. Denn meine Sichtweise auf die Dinge ist einzigartig.

Sich den Geist wiederum als das eigentlich Welt-Erschaffende zu denken, genügt dem ersten hermetischen Prinzip Alles ist Geist, und beweist es. Der Beweis kann durch jeden Menschen geführt werden, der über genügend Phantasie verfügt, sich das oben Genannte vorzustellen, und in seinen Gedanken Objekte entstehen zu lassen, zu verringern oder auch zu vergrößern.

Warum Ich-Universum?

Der Grund, warum ich die Worte Ich und Universum in eine Verbindung brachte, war, dass ich darin ein Synonym sah – eine Gleichheit. Das Ich ist eine Einzelheit, etwas Individuelles, denn ich bin von jedem anderen Menschen verschieden. Mein Ich ist von jedem anderen Ich verschieden. Und mir wurde irgendwann klar, dass das Universum, so wie ich es verstehe, nur in mir existiert, und sich also wiederum von jedem anderen Universum, das andere sehen, unterscheiden muss. Das wird insbesondere klar, wenn man „das Universum“ so versteht, wie ich es im vorigen Abschnitt beschrieb – als die Gesamtheit auch der kleinen Dinge, die im Leben eines Menschen sind. Dessen All, sozusagen.

Aber auch, wenn ich das Universum als die Gesamtheit von Sternen in einem unendlichen Raum sehe, kann ich das gleiche Denkexperiment anstellen. Man stelle sich vor, man würde eine Anzahl Sterne kennen, aber einige auch nicht. Es gibt Menschen, die kennen andere Sterne als ich. Vielleicht mehr Sterne. Kann man sagen, dass deren Universum gleich meinem sei? Nein. Was ich über das Universum weiß, macht es einzigartig (ich sage nicht: macht es gut oder schlecht). Es wird einzigartig dadurch, dass ich die Dinge, egal um was es sich handelt, einen Bleistift, eine Supernova, oder ein Universum, immer als die Summe ihrer Bestandteile ansehe; als die Gesamtheit der Dinge, die darin und darum sind; als die Gesamtheit ihrer Eigenschaften. Die Dinge, die um und in einer Sache sind, und seine Eigenschaften, sind austauschbar – oder, um es anders auszudrücken: die Dinge und die Eigenschaften, die an den Dingen sind, sind eigentlich dasselbe. Ein Beispiel hierzu: Eine Sache ist grün, weil ihr grüne Farbteilchen anhaften. Grün zu sein ist nun einmal das, woran ich diese Sache erkenne. Hätte sie diese Eigenschaft nicht, wäre es auch nicht diese Sache. Oder: Ein Auto ist schnell, weil es vorn einen Motor unter der Haube hat. Ist ein Auto noch ein Auto ohne Motor? etc.. Am Anfang habe ich mir das vorgestellt, indem ich (mich) fragte: Wie sieht ein Mann aus, der gar keine Eigenschaften hat? Ist das noch ein Mann? Ein Mensch?

Also ist das, was wir als die Eigenschaften der Dinge ansehen, auch immer verbunden mit den Objekten in denen wir sie finden. Die Eigenschaften SIND die Dinge – es ist austauschbar.

Manchem mag es vielleicht immer noch schwer fallen, sich vorzustellen, dass die Dinge nichts anderes sind als eine Gesamtheit von Eigenschaften. Daher ein kleines Gedankenexperiment: stellen Sie sich einen Baum vor. Er hat vier Räder, kann 100 km/h schnell fahren, und ist rot. Ist das ein Baum? Natürlich nicht. Es ist ein Auto. Ein Baum muss bestimmte Eigenschaften haben, damit ich ihn als Baum erkennen kann. Es muss der Stamm da sein, die Unbeweglichkeit im Erdreich, die grüne Blätterkrone.

Ich will ein weiteres Beispiel nennen, das mir immer sehr vielsagend erschien. Ich versuchte mir einen Mann ohne Eigenschaften vorzustellen. Es gibt ja in der Literatur und Kunst Versuche, dieses Eigenschaftslose vorstellbar zu machen – es wird dann als eine Art interessantes Paradox verstanden. Mir fällt dazu „Der Namenlose“ von Samuel Beckett ein …

Wenn Sie, geschätzter Leser, versuchen, sich einen Mann ohne Eigenschaften vorzustellen, werden Sie schnell verstehen, dass allein die Aussage, es handele sich um einen Menschen oder Mann, mit Eigenschaften bei diesem verbunden sein muss. Etwas, das ohne Eigenschaften ist, ist nicht. Ein Ding ohne Eigenschaften ist kein Ding. Es existiert nicht.

Und so wird eben jede Sache durch die Eigenschaften bestimmt, die ihr gegeben sind. Die Art und Qualität ihrer Eigenschaften wiederum unterscheidet die Dinge. So unterscheidet sich ein Baum vom anderen durch die Art und Weise seiner Baumkrone, seines Stammes etc..

Die Eigenschaften des Universums das ich kenne, sind in mir einzigartig. Es ist das Universum meines Ichs. Im Grunde, weil ja auch ich selbst ein Bestandteil meines Universums bin, sind das Ich und das Universum im Ich, ununterscheidbar miteinander verwoben. Sie sind genau dasselbe. Denn auch mein Ich, also das, was ich in mir sehe, was ich über mich denke, wie ich mich beschreibe, wird bestimmt durch die Eigenschaften der Dinge, die ich dem Ich zuordne. Es sind die Dinge, die ich kenne. Es sind die Dinge die in mir und um mich sind, die in Raum und Zeit existieren und dadurch kausale Beziehungen zueinander haben. Es ist das Universum in mir – mein spezifisches und einzigartiges All. Das All wie gesagt sind alle Dinge, die da sind … in meinem Ich.

Und, so merkwürdig das nun dem Gewohnheitsmaterialisten erscheinen mag, der alles fein säuberlich trennen und unterscheiden will, so dass schließlich nur noch eine einzige Kausalbeziehung übrig bleibt: Der Bleistift, der vor mir liegt, hat mit mir zu tun. Er ist Bestandteil meiner Welt, und macht, in der Konstellation, in der er sich in einer relativen Position zu mir befindet, einen Teil meines Ichs aus.

Das Universum außerhalb von mir ist das Universum IN mir

Und so kommen wir zu der verblüffenden Feststellung, dass das Universum, dass der Mensch gewohnt ist außerhalb seiner selbst zu sehen, eigentlich in ihm ist. Denn, und hier komme ich wieder auf den Grundgedanken des Spirealismus zu sprechen: was könnte etwas sein, was nicht in Gedanken existiert? Mag man das nun auf materialistische Art überlegen, also: die Dinge existieren in materieller Form außerhalb des menschlichen Beobachters … dennoch muss man fragen: was wäre eine noch so existente Sache, wenn sie nicht in den Gedanken auftauchte. Oder, mag man das auf die spirealistische Art durchdenken, die von vorn herein die Überzeugung vertritt, dass die Existenz geistiger Natur ist.

DAS Universum (in der Einzahl) – existiert in keinen zwei Menschen in gleicher Form. Man könnte auch sagen: DAS Universum gibt es nicht.

DIE Universen sind in uns. Und: DIE Universen und wir selbst sind nicht zu unterscheiden. Denn alles was wir denken können, hängt mit den Objekten der Universen zusammen, die wir jeweils vor dem (geistigen) Auge haben. Alles was wir denken können, entsteht aus den Objekten, entwickelt sich aus den Objekten, begründet sich aus den Objekten dieser innerlichen Universen.

Das äußere Universum ist eigentlich ein innerliches, und umgekehrt. Und – da ist es wieder: das hermetische Gesetz der Entsprechung. Es stimmt: wie innen, so außen.

 

 

 

Aspekte des Ich-Universums, Teil 4: das Universum außerhalb von mir ist das Universum in mir was last modified: Oktober 18th, 2017 by Henrik Geyer

Aspekte des Ich-Universums, Teil 3: praktische Erfahrung des Ich-Universums

In den Texten bisher ging es um eine eher theoretische Betrachtung des Begriffes Ich-Universum, bzw darum, einige Grundsätze darzulegen, die dieser Sichtweise innewohnen. In diesem Abschnitt möchte ich ein wenig praktischer werden und darlegen, wie ich selbst darauf kam, die Fragen zu stellen, die mich schließlich zum Spirealismus führten, und dazu, den Begriff Ich-Universum zu benutzen.

Wie ich schon beschrieb ging es damals, vor einigen Jahren, um psychiatrische Behandlung meines Sohnes, und im Zuge dieser Behandlung hatte ich natürlich vielfältigen Kontakt mit Ärzten, Psychologen, medizinischem Personal.

Was mir nach einiger Zeit auffiel, war, dass die in der Psychiatrie Tätigen selbst nur sehr selten die Rätselhaftigkeit der Psyche begreifen, darüber grübeln, versuchen zu verstehen. Vielmehr gingen sie meist in einer mir unverständlichen Vereinfachung davon aus, dass das, was sie in einem Moment über das Denken eines Patienten aussagen, dessen Geisteswelt gut beschreibt, so dass ihnen die Psyche Desjenigen nicht weiter fraglich erscheint. Dadurch erscheint es so, als sei die Psyche eines Anderen recht einfach zu begreifen und so, als sei sie völlig erforscht, wenn man nur ein Wort für eine Krankheit oder eine Zustandsbeschreibung parat hat.

Das alles wäre mir vielleicht nicht weiter aufgefallen, wenn es nicht von drastischsten Fehlbehandlungen begleitet worden wäre, so dass die Tatsache, dass hier etwas schief lief, geradezu mit Händen zu greifen gewesen wäre.

Letztlich nutzt das medizinische Personal Worte (und schreibt Worte auf Diagnosescheine), die nicht verstanden sind, und im Grunde wenig sagen. Diese Worte, Krankheitsbezeichnungen, sind eher eine Art Symptomeinordnung … oft werden Diagnosen so gestellt, dass man ein Medikament ausprobiert, und wenn dieses Medikament hilft, dann ist die Krankheit, gegen die das Medikament hilft, so wie es auf dem Beipackzettel steht, die Krankheit, die der Patient hat.

Ein tiefergehendes Verstehen-Wollen, ein grüblerisches Forscherbewusstsein, gar eine philosophische Ader, habe ich im Bereich der Psychiatrie nicht feststellen können. Statt dessen häufig eine Verwaltungsmentalität, oder auch eine gewisse technische Fertigkeit. Woran es aber meiner Ansicht deutlich mangelte, war Phantasie, war Sich-Einfühlen-Wollen, so wie es die Ikonen der Psychologie, wie es Freud oder Jung, taten. Warum sage ich Phantasie – und nicht wissenschaftliches Faktenwissen? Weil wir es bei der Psyche mit jener unerforschlichen Entität zu tun haben, die scheinbar eine äußerliche Welt beobachtet und interpretiert, eine äußerliche Welt wohlgemerkt, die, im Sinne der materialistischen Wissenschaft das eigentlich Wichtige ist – wohingegen es auf die Psyche, auf den Geist, angeblich nicht so ankommt. Gleichzeitig ist die Psyche Erzeugerin von Realität, denn nichts ist beobachtbar ohne sie, ohne dieses Werkzeug(?), diese Brille(?), dieses Kaleidoskop der Phantasie(?). Und so gesehen darf es als spannend gelten, welche Resultate die Psyche bei der phantasivollen Beobachtung ihrer selbst (was ihr vorkommt wie die Beobachtung von etwas Äußerlichem) zeitigt.

Natürlich wäre in der Psychiatrie das eigentliche Rätsel zu ergründen: Wie sieht die Welt eines Geisteskranken aus,  so dass er sich so verhält, wie wir es im Außen sehen? Dieses Rätsel zu lösen wäre gleichbedeutend mit dem wahren Verstehen einer Geisteskrankheit, und wäre damit sicherlich auch eine gute Voraussetzung, mit einer Geisteskrankheit richtig umzugehen. Ich meinte damals, es sei für die Psychologie selbstverständlich, sich diese Frage zu stellen, ganz ähnlich einem Autoschlosser, den doch der Zustand der Zündkerzen interessieren sollte, damit er dem mechanischen Problem zu Leibe rücken kann. Doch solche „tiefschürfenden“ Fragen stellt man sich in der Psychiatrie in der Regel nicht, vielmehr herrscht dort ein ziemlich flaches mechanistisches Denken, dem zufolge auch diese, eigentlich faszinierende Wissenschaft, im Grunde keine besonderen Überraschungen bereithält.

Erst später verstand ich, dass die Psychiatrie im Grunde das gleiche Problem hat, wie die Gesellschaft insgesamt: das einer Selbstentfremdung. Die meisten Menschen in der Gesellschaft, und auch die meisten Menschen, die in der Psychiatrie tätig sind, kennen sich selbst wenig, haben keine Ahnung von inneren Stimmen, von abgrundhaften Zuständen der Psyche, wie sie in Ausnahmefällen eintreten können, und verstehen eigentlich auch nicht, dass jeder Mensch in seiner eigenen Welt lebt. So etwas können sie mit dem Mund sagen, aber wirklich verstehen können sie es meist nicht. Nur deshalb erscheint ihnen die Frage nach dem Wesen dieser inneren Welten, die sie da vor sich haben, wie überflüssig und wie bereits geklärt.

Man könnte es auch so sagen: Das Wesen der inneren Welten der Patienten zu erforschen erscheint vielen Psychiatern und Psychologen müßig, denn diese sind ja dysfunktional in ihrem Denken – wozu wohl sollte man sich die Mühe machen, einen Verrückten zu verstehen? Die Definition des Irrsinns ist diesen Leuten eigentlich die, dass sie abweicht vom eigenen Denken, das sich in einem fast perfekten Gleichklang mit dem Denken der Mehrheit glaubt. Man sieht das ähnlich wie den Verkehr auf einer Autobahn: der Geisterfahrer ist der, dem hunderte Autos entgegenkommen, während in seiner Richtung niemand unterwegs ist. Um bei diesem Vergleich zu bleiben: Natürlich hat die Psyche (gerade wenn man den Begriff des Ich-Universums wirklich versteht und verinnerlicht) viel mehr Möglichkeiten Realität zu erzeugen, als die zwei Fahrtrichtungen auf einer Autobahn – gerade hier gewinnt der Vergleich: Letztlich geht es für die gefahrlose Benutzung der Autobahn nur um die EINIGUNG, in welcher Richtung sie befahren werden soll. Denn eigentlich ist es egal, ob Linksverkehr oder Rechtsverkehr vereinbart wird, das Wichtige ist nur, dass die Regelung kommuniziert wird und sich alle daran halten. Ganz ähnlich ist es mit der Geisteskrankheit, auch hier gibt es eine Unendlichkeit von Realitäts-Möglichkeiten für die Psyche, eigentlich ist es egal, was man denkt, wenn man sich nur im Gleichklang mit der Mehrheit befindet. Während unsere bisherige Weltsicht (Materialismus) es so aussehen lässt, als würde der Kranke die Realität nicht erkennen, wohingegen alle Gesunden ein- und dieselbe Realität beobachteten und sich darin völlig einig sind.

Die fremden Welten beginnen im Nächsten

Eine Psychose beispielsweise ist dadurch definiert, dass der Patient von der richtigen Wahrnehmung der Realität abweicht. Er hat Wahnvorstellungen, also Vorstellungen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Das ist die gängige und allseits bekannte Vorstellung der Psychiatrie.

Das eigentlich Interessante bleibt, wenn man eine Psychose so beschreibt, völlig unverstanden. Ich will die sich aufdrängende Problematik in folgende Fragen kleiden (die ich damals, als ich mit Psychiatern und Psychologen zu tun hatte, auch stellte, und dabei weitgehendes Unverständnis erntete):

  • Wer hat die richtige Realität im Kopf? Schließlich ist es doch so, dass wir alle annehmen, wir seien nicht im Besitz der letztendlichen Wahrheit über die sogenannte Realität, da jeder Mensch nur einen Aspekt der Realität kennt. Wer also kennt die wirkliche Wirklichkeit? Wer kennt die reale Realität?
  • Wenn man die erste Frage in dem Verständnis abschließt, dass es niemanden gibt, der die Realität richtig und endgültig kennt, dann schließt sich die notwendige Frage an, wie und warum wir darauf kommen, es gäbe überhaupt eine einzige Realität, und nicht viele Realitäten? Denn – was wohl soll eine Realität sein, die nicht begriffen wird, die also in niemandes Denken als Realität existiert? Wenn also im Denken von 7 Milliarden Menschen 7 Milliarden Realitäten existieren, dann ist die eine und einzige Realität, von der wir ständig sprechen, definitionsgemäß nicht darunter. Aber wo ist sie dann?
  • Wie können wir, wenn wir doch das Fremde (den Patienten) nur mit den Mitteln verstehen können, die uns unsere eigene geistige Welt bietet, das eigentlich Fremde verstehen wollen? Muss das, was wir im Anderen erkennen, nicht zwangsläufig unsere eigene Welt sein, die wir dort, gewissermaßen spiegelbildlich verkehrt, vorfinden? Sieht der Gesunde im Kranken das (spiegelverkehrte) Bild der eigenen Psyche?
  • Was ist etwas, das uns definitionsgemäß unbekannt ist, und das wir dennoch benennen als sei es uns bekannt? Diese Frage entzündete sich an dem Benennen „des Unbewussten“ im Sinne von etwas Bekanntem (erst später erfuhr ich, dass es sich hier um ein allgemeines und ständig auftretendes Paradoxon handelt, das, in ganz ähnlicher Form, bereits durch den antiken Philosophen Plato  angesprochen worden war, und zwar in der Behandlung des Begriffes des Nichts). Es handelt sich also um die Frage: Kann man etwas, das nicht bewusst ist, im Bewusstsein haben? Kann man etwas Unaussprechliches aussprechen? Kann man etwas Unbekanntes kennen – und, kann man auf das Nichts zeigen und sagen: Da ist es?
  • Zu dem Vorgenannten gehört schließlich noch die aus meiner Sicht zentrale Frage, als was eigentlich man das Bewusstsein versteht: als ein Werkzeug, mit dem äußerliche Informationen im Inneren (im Gehirn) gespiegelt werden, oder als einen Generator von Realität? Denn wenn man akzeptiert, dass es nicht wirklich eine Realität gibt, sondern vielmehr so viele Realitäten wie es Menschen gibt (von den Realitäten der Tiere einmal ganz zu schweigen), dann fragt es sich doch, welche Freiheit das Bewusstsein hat, eine eigene Realität zu erschaffen, anstatt mit Notwendigkeit immer wieder auf eine einzige Realität zurückkommen zu müssen?

Gerade die letzte Frage ist es, die, einen aufmerksamen Blick vorausgesetzt, in der Psychiatrie beantwortbar wäre, denn hier hätte man Gelegenheit, die Wandlungsfähigkeit der Psyche in Vollkommenheit zu sehen. Wenn man das beobachtet, dann muss man die Macht des Geistes unbegrenzt nennen, nicht eingrenzbar durch unser „gesundes“ Denken jedenfalls, das selbst wie aus einem Käfig heraus unendliche Mannigfaltigkeit beobachtet. Die Realität kann jede Form annehmen! Ich habe das so beobachtet und dafür den Satz gefunden, der für mich nach wie vor vollständig gültig ist:

Das Denken ist die Realität. Es gibt die Realität nicht noch einmal extra.

DAS ist es, was uns die geistig Kranken zeigen können. Um das zu verstehen, müssen wir jedoch unsere Vorstellung einer geistigen Krankheit ändern. Wir sollten Geisteskrankheit als eine kontinuierlich geänderte Variante unseres eigenen Denkens verstehen, nicht als völlig abwegig, nicht als abartig, nicht als unverständlich etc.. Sondern Geisteskranke haben eine eigene Realität, das ist wahr. Aber, eine eigene Realität zu haben, das ist eigentlich nicht das Besondere, sondern das gilt ja für uns alle!

SO verstanden erscheint eine Geisteskrankheit wie etwas ganz anderes, als die Psychiatrie gemeinhin darin sieht. Nicht als eine falsche Widerspiegelung „der Realität“, sondern als eine fehlgeleitete Kommunikation – denn es ist die Sichtweise des Spirealismus, die Realität als eine Funktion der Kommunikation zu sehen; außerhalb und unabhängig von uns Menschen gibt es die Realität nicht. Jedenfalls nicht die Realität, von der wir Menschen sprechen. Und: Außerhalb und unabhängig vom Indidviduum gibt es aus demselben Grund und mit denselben Konsequenzen keine individuelle Realität.

Übrigens ist ja tatsächlich ein Schlüssel für die Gesundung eines geistig Kranken die Kommunikation – man denke nur an Freud und seine Couch. Man denke an Psychoanalyse, Therapiegespräche u.v.m.. Auch ich selbst habe das so erlebt: Die Kommunikation, so mühevoll sie ist, so beschwerlich und teilweise auch dröge sie sein mag, ist der Schlüssel, einen psychisch Kranken wieder an die Welt zu binden. Und … Kommunikation ist umfassend zu verstehen. Es sind die Worte, aber auch die Blicke, die Dinge die man miteinander erlebt, und die Dinge die man ablehnt zu erleben.

„Die Welt“, das ist eigentlich nur eine bestimmte Art der Sichtweise; der Eindruck trügt, es gäbe die Welt in der Einzahl.

Die Notwendigkeit des Ich-Universums

Und das war der Grund für mich, diesen Terminus Ich-Universum gewissermaßen zu erfinden – um damit, in einem Wort, in einem recht sinnbildlichen Begriff, etwas auszudrücken, das in unserem Gewohnheitsdenken eigentlich nicht vorkommt. Nämlich die Vorstellung, dass im anderen Menschen eine Welt ist, ein eigenes Universum, und dass wir, von unserem eigenen Universum aus gesehen, das Universum des Fremden nicht im eigentlichen Sinn betreten können. Wir können es nicht sehen, wir können es nicht ver-stehen und wir können nicht darin stehen, so wie es das andere Ich kann.

Worte sind unser äußerer Ausdruck für innerliche Vorstellungen, beides lässt sich nicht sinnvoll trennen. Daher ist es manchmal nötig, ein neues Wort zu kreieren, um neuen Vorstellungen Raum zu geben, und um deutlich anzuzeigen: Hier kommt man mit der hergebrachten Denkweise nicht weiter, hier braucht man neue Vorstellungen, ein neues Herangehen. Aus diesem Grund ist der Terminus Ich-Universum sehr vielsagend, denn er beinhaltet eine ganze Welt von Vorstellungen, die von unseren materialistischen Vorstellungen abweichen.

Aspekte des Ich-Universums, Teil 3: praktische Erfahrung des Ich-Universums was last modified: Mai 29th, 2017 by Henrik Geyer

Aspekte des Ich-Universums, Teil 2: individuelle Wahrnehmung erschafft die Realität – Wahrnehmung ist immer verschieden

Im letzten Abschnitt ging es um eine Denkvoraussetzung, die es ermöglicht das Konzept des Ich-Universums zu verstehen. Um die Wahrnehmung, dass die Dinge Gedanken an Dinge sind. Warum sage ich Wahrnehmung, und nicht, es wäre eine These oder Überlegung, wenn ich von Dingen als Gedanken an Dinge spreche?

Ich will das einmal ganz praktisch ausdrücken: Für mich ist es die Basis meines Denkens geworden, die Gedanken als die Quelle des Kosmos anzusehen. Daher sind alle Begriffe, die ich denken kann an diese Denkvoraussetzung gebunden. Es ist meine Wahrnehmung, dass die Aussage „Die Dinge sind Gedanken an Dinge“ vollständig zutrifft.

Nun weiß ich, dass dies nicht die Wahrnehmung der Leser dieses Artikels ist, und akzeptiere das, jedoch die eigene Wahrnehmung in keiner Weise schmälernd, denn ich gehe ja nicht davon aus, dass Wahrnehmung etwas wäre, das alle zugleich haben müssten. Vielmehr gehe ich davon aus, das Wahrnehmung immer verschieden ist, und sein muss. Insofern sehe ich nicht den Imperativ der Abstimmung in dieser zutiefst fundamentalen Frage, auch wenn, man könnte auch sagen: gerade weil ich weiß, dass das Hauptsächliche Wirkprinzip des Materialismus die Übereinstimmung mit Anderen ist. Wo man also, im Denksystem des Materialismus wohlgemerkt, keine Übereinstimmung mit Anderen findet, vermutet man auch keine Wahrheit – diesen Grundsatz muss der Spirealismus durchbrechen,

Im Gegenteil: Wie man etwas wahrnimmt, ist eine Frage der Begriffe, die in einem sind. Und so kann, was man wahrnimmt, nie völlig gleich einer anderen Wahrheit sein, sind doch die selbst gekannten Begriffe (und damit das, was wir hier Ich-Universum nennen), immer verschieden.

Ich selbst erlangte meine Wahrnehmung der Welt, auf die Art wie ich sie beschreibe, durch das jahrelange Zusammensein mit einem psychisch „kranken“ Menschen aus unserer Familie, woraus für mich irgendwann der Gedanke erwuchs, den ich für uneingeschränkt richtig erkannte:

Die Realität ist die Realität unserer Gedanken

Ich kann die Eindringlichkeit der Erfahrung, die man mit psychisch kranken Menschen machen kann, in keinem Text wiedergeben (auch wenn ich es gleichwohl in Alles ist Geist versuchte), und bin sogar inzwischen einigermaßen pessimistisch, was das Vermitteln der hieraus gewonnenen Überzeugungen angeht. Denn nicht nur sehe ich Unverständnis bei vielen Lesern, ich weiß auch selbst noch recht gut, wie schwierig es war, diese Grundüberzeugung widerspruchsfrei in meinem eigenen Denken zu verankern. Denn sie trifft auf ein widerständliches (Ich-)Universum diametral entgegengesetzter Überzeugungen, die gelernt und verankert sind, die in uns Menschen eine jahrtausendelange Tradition haben (wir sind alle miteinander verbunden und die Überzeugungen der Menschen drücken sich natürlich auch in mir aus), so dass diese Überzeugung und der o.g. Satz, nicht in ein- und demselben gedanklichen Universum Platz haben.

Doch weil für mich nun die Dinge nichts anderes als Gedanken sind, fasse ich das Wörtchen Wahrnehmung ebenfalls ganz anders auf als die meisten Menschen, denn ich gehe davon aus, dass zwei Menschen nicht genau dieselbe Wahrnehmung haben können. Oder können zwei Menschen genau denselben Gedanken haben? Nein, das können sie nicht.

Denn erstens ist das Denken das Werkzeug der Wahrnehmung, nicht ein Auge oder ein Ohr, und daher kann das, was gedacht und begriffen wird, nie unabhängig sein von den im Ich bereits vorhandenen Gedanken bzw. Erfahrungen, nicht unabhängig sein von der vorhandenen Denkwelt. Alles was begriffen wird, kann nur begriffen werden mit den Begriffen die ich habe, so wie ich auch nur alles zu benennen weiß mit den Worten die ich habe.

Und zweitens steht dies nun wieder in tiefer Übereinstimmung mit dem Resultat der Spirealismus Überlegungen:

Wir (Menschen) sind Elemente der Schöpfung, nicht ihre Beobachter.

Das bedeutet, dass, während wir von objektiv vorhandenen Dingen (Objekten), von denen wir uns umgeben glauben, Informationen abzurufen meinen, sie also im materialistischen Sinn zu beobachten, sind wir selbst die Quelle der Objekte. Während wir beobachten erschaffen wir eigentlich.

Der materialistisch geschulte Mensch meint, auf der Basis seiner Überzeugungen, wir würden alles auf dieselben äußerlichen Objekte schauen, wir müssten doch im Prinzip alle dieselbe Wahrnehmungsfähigkeit haben. Ich hingegen bestreite dies bereits im allerersten Grundsatz, und sage, dass das im Gegenteil gar nicht möglich ist. Was wir als „gleich“ bezeichnen ist in Wirklichkeit mehr eine Ähnlichkeit als eine wirkliche Gleichheit, und diese Ähnlichkeit wiederum tritt nicht auf der Basis von äußerlich festen Objekten auf, die wir alle zugleich beobachten, sondern treffender kann man formulieren, dass die Gleichheit das Ergebnis eines Abstimmungsprozesses ist. Diesen Abstimmungsprozess kennen wir als unser Miteinander-Sprechen, oder unser gemeinsames Erleben, er tritt aber auch in nahezu jeder anderen Gestalt auf, die wir kennen. Der Abstimmungsprozess von dem ich spreche (oft nenne ich ihn Kommunikation), ist nicht in erster Linie etwas, zu dem es den freien Willen des Menschen benötigt, oder seinen hohen Geist, mit dem er Dinge erkennt und benennt, sondern dieser Abstimmungsprozess, diese Kommunikation, tritt sozusagen natürlich auf, und sie ist in vollem Gange, wenn wir nur die Augen öffnen, oder etwas hören. Es ist also die Rede von einer nicht-menschlichen Kommunikation, die sich in aller Natur stets und ständig ausdrückt, zu der es uns Menschen also nicht im Besonderen braucht, und die auch nicht vom Menschen ausgeht, sondern die sich einfach im Menschen, auf menschenspezifische Art, fortsetzt.

Dazu passt, was ich über die hier vorliegende Kommunikation sagen kann, über die hier niedergelegten Worte: Indem ich vom Spirealismus schreibe und über Konsequenzen dieser Überlegungen berichte, kann ich nicht davon ausgehen, jedermann zu „überzeugen“, denn Kommunikation ist ja kein Ausrichten des Verstandes auf äußerlich vorhandene Dinge, auch Fakten genannt, die also jedermann im Endeffekt überzeugen müssen. Sondern der Kosmos (gemeint ist die kosmische Ordnung, Kosmos soll hier nicht verstanden werden als ein zweites Wort für „das Universum“) ist eine Abstimmung, die innerhalb eines Feldes völlig unbegrenzter Möglichkeiten auf etwas Einzigartiges führt, dessen Existenz der Gedanke daran ist, und dessen „materielle Festigkeit“ davon abhängt, wie stark, wie oft dieser kosmische Gedanke in Ähnlichkeit auftritt.

Im menschlichen Verständnis sehen wir die Funktionalität dieser Abstimmung auf etwas Einzigartiges, jedoch nicht mit einer Notwendigkeit Existierendes daran, dass jeder Gedanke den man „sinnvoll“ äußern kann, auf Grund der im individuellen Denken vorhandenen Voraussetzungen beurteilt wird. Was dem Individuum nicht recht sinnvoll erscheint, oder nicht wahrscheinlich, wird die Menschen mit einer Art Müdigkeit und Desinteresse erfüllen, und sie werden sich fragen, was sie wohl etwas interessieren soll, das doch die meisten anderen Menschen (ihrer Umgebung) nicht für möglich halten oder nicht wissen. Das wiederum führt zu Kommunikationslosikeit, und wo Kommunikationslosigkeit ist, kann es keine Objekte geben, die im Denken auftauchen. Man könnte sich das Letztgesagte auch so vor Augen führen: Für uns kann es nur das geben, was wir auch sehen können, worauf wir unsere Augen richten, wohingegen das uns im Rücken Befindliche, nicht Gesehene, nicht Gedachte, keine Existenz hat und nicht haben kann.

Umgekehrt bekommt all das eine sofortige Form von Existenz, an das wir nur denken, wir nennen das Denken, das zunächst „unbewiesen“ ist, weil es „nur“ im Individuum auftritt, eine Phantasie, einen Glauben, eine Wahrscheinlichkeit, etc..

Womit ich sagen will, dass im Prinzip all unser Denken eine Art Glaube ist, der (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) im Letzten nicht beweisbar ist. Und wieder (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) seine Funktionalität in einer Realität findet, die durch ihn erschaffen wird. Weiterhin findet dieser Glaube (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) seine Beweiskraft in sich selbst und stellt sich (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) dem Gläubigen als ein Wissen dar, also als das Denken gesicherter Fakten. Und schließlich, ganz ähnlich einem religiösen Glauben, ist auch dieser Glaube wirksam, denn mit dem Glauben wird eine Realität erschaffen, und was wohl ist für uns das ultimative Kriterium für Wahrheit, wenn nicht die ach so heilige, „eine und einzige“, Realität?

Dass man innerhalb einer zusammenhängenden Gruppe (von Menschen) nur das kommunizieren kann, was die anderen bereits  denken, ist eine für die Kommunikation (im Sinne einer Abstimmung) sehr verständliche Funktionalität. Man stelle sich vor, ein chinesischer Gelehrter würde die wichtigsten Weisheiten des chinesischen Volkes vor einem deutschen Publikum ausbreiten … und zwar auf chinesisch. Das würde den Deutschen vorkommen wie etwas zutiefst Überflüssiges, und der fernöstliche Weise würde ihnen erscheinen wie ein Narr, der unverständliches Zeug von sich gibt.

Ganz ähnlich ergeht es mir, wenn ich davon rede, dass die Gedanken die Quelle des Universums sind, eigentlich die Quelle der Universen (Mehrzahl), und das vor einem Publikum, das doch seit Urzeiten gelernt hat, und nun ganz sicher weiß, dass die Quelle des Universums materielle Objekte sind, die wir im Außen beobachten, die eindeutig sind und immer in der Einzahl – woraus dann auch die Mär des Universums (Einzahl) resultiert. Und dieses eine Universum, so glaubt man materialistisch, würden wir Menschen in unserem Denken auf bestmöglich, auf „objektive“ Art und Weise, abbilden, und zwar mit dem Ziel, die Objekte des Außen auf eine effektive Weise zu beeinflussen, sprich: uns in der Welt zurechtzufinden, und diese zu unserem Nutzen zu verwandeln.

Ich weiß also, dass meine Philosophie von den Meisten nicht verstanden werden kann, ich bin mir dessen bewusst. Und ich spüre die Müdigkeit auch in mir, die den Chinesen überkommen muss, der innerhalb einer deutschen Bevölkerung als Einziger seine Landessprache spricht, und der sich schließlich fragen muss, bei aller Richtigkeit dessen, was er da vorträgt, welchen Sinn all dieses Vortragen eigentlich haben kann. Die Funktionalität der Kommunikation, deren erste Regel darin besteht, sich im Denken annähern zu müssen, um schließlich in einem (scheinbar äußerlichen) Punkt übereinstimmen zu können, er verstößt gegen sie. Die Regel selbst ist intakt, und beweist ihre Wirksamkeit eben durch die genannte Müdigkeit.

Dennoch kann ich nicht davon lassen, den Spirealismus in der von mir gedachten Weise darzulegen – ich kann mich dem Denken der Meisten nicht annähern, besteht doch die Aussage des Spirealismus gerade darin, dass der Kosmos in seinen Möglichkeiten unbegrenzt ist und von unserem Denken auf Etwas reduziert, eingegrenzt, materialisiert wird – und dieses Eingegrenzte bezeichnet der Materialist gerade als das Mögliche. Es ist also klar, dass der Spirealismus vom Denken der Meisten abweichen muss, eine neue Form der Weltsicht etablieren muss und deren Konsequenzen benennen muss. Würde er dieses Ziel aufgeben wäre er besser kommunizierbar, bliebe aber beliebig und widersprüchlich und wäre nun erst recht nichts, was mich interessieren könnte.

Der Philosoph Schopenhauer drückte das soeben Gesagte einmal so aus, dass er schrieb, all seine Philosophie (die in ähnliche Aussagen resultiert wie der Spirealismus) habe ihm nie etwas eingebracht: kein Geld, keinen Ruhm (beides irdische Äquivalente für Zustimmung); sie habe ihm jedoch wenigstens viel erspart. Erspart hat sich Schopenhauer durch seine Philosophie viele intellektuell anspruchslose Gespräche, Zeitverschwendung aus seiner Sicht … Immerhin!

Zusammengefasst

Wie man an diesen Überlegungen sehen kann: man kommt hier vom Hundertsten ins Tausendste, von der Auffassung der Gedanken als der Quelle der Universen zu einer anderen Auffassung des Wortes „Wahrnehmung“, und schließlich wäre, an dieser Stelle durchaus passend, einiges zu einem ganz anderen Verständnis des Wortes „menschlicher Wille“ und auch „Freiheit“ zu sagen.

Doch will ich kurz zusammenfassen, worum es in diesem Abschnitt eigentlich geht.

Der Begriff des „Ich-Universums“ wird uns im Grunde nur verständlich, wenn wir die wichtigen Begriffe, die unsere Welt(en) formen, neu denken. Oder andersherum: die aufmerksame Beobachtung unseres Denkens, der Art und Weise wie wir Dinge auffassen, begreifen, lernen, führt uns, wenn wir offen genug sind von den erlernten Imperativen unseres herkömmlichen Weltbildes (des Materialismus) einmal zu lassen, mit Notwendigkeit zur Vorstellung eines Ich-Universums, also einer in sich geschlossenen Welt die in jedem Individuum verschieden ist. Und die im Letzten, von Außen gesehen, nicht begreifbar ist, oder sein kann, denn die Seins-Bedingung des Ich-Universums ist, individuell zu sein, oder, anders gesagt, das Individuum ist der Ausdruck oder die äußerliche Form eines Ich-Universums.

Insbesondere Wahrnehmung muss man sich vorstellen als etwas Einzigartiges, das im Ich seine ganz eigene Form annimmt, und niemals völlig übereinstimmen kann mit etwas Äußerlichem.

Das Ich-Universum, die Gedankenwelt des Einzelnen also, ist individuell und kann von außen nicht als solches „erkannt“ werden. Da es sich um ein Universum (einen Raum) handelt, könnte man auch sagen, dass man das Universum eines anderen nicht betreten kann. Man kann nicht hinein, man kann es nicht einsehen, man kann es nur von „Außen“ beurteilen, und zwar mit den geistigen Mitteln die man selbst hat, und die, eben weil die Wahrnehmung von den geistigen Mitteln abhängt, die zur Verfügung stehen, abweichen muss. Abweichen wovon? Von der geistigen Welt Desjenigen, der sie in sich trägt.

Das, was wir über die geistigen Welten unserer Mitmenschen wissen, können wir ebenso gut unsere eigene Welt nennen, wie eine fremde Welt.

 

Und schließlich kommen wir, wenn wir die Menschen verstehen als die Träger in ihnen existierender, immer verschiedener, Universen, oder auch verstehen als äußerlichen Ausdruck dieser Universen, auf die Frage, was oder wer wohl von dem einen Universum , von dem wir stets phantasieren, und das wir alle zu beobachten meinen, weiß, wer es denkt, wo es sein soll, etc.. Wenn es nicht im Kopf irgendeines Menschen ist … wo ist es dann?

Davon soll im nächsten Abschnitt die Rede sein.

Aspekte des Ich-Universums, Teil 2: individuelle Wahrnehmung erschafft die Realität – Wahrnehmung ist immer verschieden was last modified: Mai 16th, 2017 by Henrik Geyer

Aspekte des Ich-Universums, Teil 1

In diesem Artikel und einigen weiteren werden verschiedene wesentliche Bestandteile besprochen, die der Begriff Ich-Universum in sich trägt, und zwar folgende:

  • die Dinge können nichts anderes sein, als das, was wir uns unter ihnen vorstellen
  • das Ich ist ein Universum. Ein Universum ist ein Ich.
  • die Welt als Vorstellung
  • das Universum als Ganzes aus Teilen. Ist das Universum nun auch Teil … ?
  • nur alles, was gewusst wird, kann Teil des Universums sein, nicht das Nicht-Gewusste
  • das Unbewusste als das Nicht-Gewusste
  • das Nichts, im materialistischen Sinn verstanden, als Widerspruch in sich
  • die Vielzahl der Universen – Multiversen
  • die Abgegrenztheit der Universen
  • das Unvermögen, das eigene Universum zu verlassen
  • die Durchdringung der Universen
  • die Rundheit des Universums
  • der Mensch in der Mitte
  • Objekte des Denkens sind wie himmlische Körper
  • Phantasie führt uns in neue Universen
  • das schwarze Loch als himmlische Versinnbildlichung der einen Idee
  • die Dinge sind semantischer Natur
  • Beweisbarkeit

 

Den Begriff Ich-Universum führte ich in meinem ersten Buch „Alles ist Geist“ ein, und zwar als Überschrift einer Buchreihe, deren erster Teil eben dieses „Alles ist Geist“ sein sollte; das bedeutet, unter dem Oberbegriff „Ich-Universum“ werden noch weitere Bücher folgen, die den ursprünglichen Gedanken  genauer fassen, beschreiben, Folgerungen ableiten.

Ich wollte stets vermeiden, eine neue Philosophie zu erschaffen, die lediglich eine Neuformation alter Inhalte unter Zuhilfenahme neuer Worte ist. Ich wollte keine neuen Sinngefüge vortäuschen während ich im Grunde das Alte nur neu benenne. Nein, vielmehr wollte ich wirklich Neues schreiben, und nur dort, wo es unbedingt notwendig schien, ein neues Wort einführen.

Das Wort Ich-Universum einzuführen schien mir aber unbedingt notwendig, drückt es doch eine Vielzahl von Gedanken aus, die uns in der herkömmlichen materialistischen Sichtweise völlig ungewohnt und einigermaßen unbegreiflich scheinen – trotzdem sie aus der Sicht des Spirealismus unbedingt zu konstatieren sind. Kurz wiederholt: „Materialismus“ bedeutet im spirealistischen Verständnis die allgemein übliche Sichtweise (man könnte auch sagen „das Fundament unseres kollektiven Bewusstseins“), dass menschlicher Geist eine außerhalb seiner selbst befindliche Welt beobachtet. Während es die spirealistische Sichtweise ist, dass der Mensch Element der Schöpfung ist, nicht deren Beobachter; und dass es außerdem nicht die „die Welt“ gibt, sondern „die Welten“, deren Ausdruck unter anderem wir selbst sind.

Was den Begriff Ich-Universum notwendig macht, ist zum ersten die Feststellung, dass die Dinge, die wir vor uns sehen, nie etwas anderes sein können, als wir uns darunter vorstellen.

Die Dinge können nichts anderes sein, als das, was wir uns unter ihnen vorstellen

In der materialistischen Denkweise stellt man sich die Welt folgendermaßen vor: Äußerliche Dinge werden beobachtet und im menschlichen Verstand „nur“ gespiegelt. Und nun fragt es sich natürlich, inwiefern diese äußerlichen Dinge in ihrem Wesen von den Dingen, so wie sie sich uns darstellen, also, wie wir sie uns vorstellen, abweichen. Nun nimmt der Mensch an, da sei lediglich eine zu vernachlässigende Differenz zwischen Vorstellung und wirklichem Sein; er tut das unter Zuhilfenahme vieler begleitender Annahmen, wie zum Beispiel der, der Mensch selbst sei das einzig ernst zu nehmende Bewusstsein des Kosmos, weil als einziges mit Vernunft (!) ausgestattet. Wer also könnte wohl eine bessere Vorstellung von den Dingen, was sie wirklich sind, haben?

Eine zweite Krücke die sein Weltbild stützt ist eigentlich eine aus der Erstannahme folgernde These, die etwa folgendermaßen lautet: wenn die Menschheit eine einzige Welt außerhalb ihrer selbst beobachtet, eben „die Welt“, und wenn diese Beobachtung umso genauer gelingt, je mehr Menschen sich an der Beobachtung beteiligen, dann ist das Übereinstimmen der Menschen in einigen Grundfragen der beste Beweis dafür, dass diese Grundannahmen auch stimmen müssen. Der beste Beweis für die Dinge, was sie wirklich sind, ist also, das viele Menschen über die Dinge dasselbe sagen. Wenn man dann aber sieht, wie die Menschen ja nicht jeder einzeln die Dinge beobachten und untersuchen, sondern im Gegenteil, wie jeder gewohnt ist vom anderen abzuschreiben, abzuschauen, abzulernen, dann bedeutet das nichts anderes, als dass die Menschheit sich in einem ewigen Zirkelschluss der Redundanz selbst beweist, stets auf ihre eigenen Vermutungen zurückgreifend, dass ihre Grundannahmen (des Materialismus) zutreffen. Der Materialismus führt stets auf sich selbst zurück, beweist sich selbst, und lässt auf absolutistische Manier keine andere Annahme zu ….

Doch nun sollte sich dem Materialismus der eine oder andere Zweifel einschleichen, denn man wird sich der Tatsache immer bewusster, dass dieses Weltbild in sich widersprüchlich ist, und im Ergebnis eigentlich unerklärlich. Beispielsweise wird die Wissenschaft der Tatsache gewahr, dass die Objekte des Außen im Eigentlichen keine Farben haben, sondern dass Farben eine Zusatzleistung des Verstandes sind … und man fragt sich also unwillkürlich: Wenn die Objekte des Außen keine Farben haben – was haben sie wohl noch alles nicht, das wir so sicher an ihnen annehmen? Oder sehen wir uns die Atome an, eigentlich gedacht als feste Kerne, also ganz ähnlich allen anderen festen Objekten, die uns umgeben: Genauestens definiert in Zeit und Raum und somit bestens geeignet als Anschauungsobjekte, und dazu, ihnen zugehörige Informationen „abzurufen“ und diese dann in unseren Gehirnen zu spiegeln – doch nun stellt man fest, dass diese Atome eigentlich aus Nichts bestehen, denn zwischen ihren bis ins Unendliche teilbaren Teilen (Teilchen) gibt es riesige Zwischenräume, in denen nichts ist, und die eigentlichen „Kerne“ können als Substanz gar nicht identifiziert werden. Sie haben auch eine alles andere als gesicherte Existenz, denn sie existieren eher innerhalb gewisser Wahrscheinlichkeiten und sogar in Abhängigkeit davon, wer sie beobachtet, wo und wie sie beobachtet werden! Was nichts anderes heißt als: Hier ist nichts Festes! Hier ist keine Substanz im gedachten, vorgestellten Sinn. Hier ist keine Materie!

Nun ist es vielleicht das Neue, das ich mit meinem Spirealismus ausdrücken kann, wenn ich sage, dass diese Rätselhaftigkeit nicht erst eigentlich in der Kernphysik auftritt, sondern in jedem Ding, das wir vor uns sehen – und dass sich das sehr gut übersetzen lässt in die Worte, die schon Schopenhauer gebrauchte: die Welt ist eine Vorstellung. Woran dann allerdings wieder zu sehen ist, dass in Bezug auf diese Feststellung der Spirealismus eine Richtung vertritt, die überaus historische Bezüge hat; man muss sich allerdings wundern, dass die Gedanken Schopenhauers oder auch die Folgerungen klassischer griechischer Philosophie so gar keinen Eingang in die Sichtweisen der heutigen Gesellschaft gefunden haben, so dass den heutigen Wissenschaftlern das eben Gesagte so rätselhaft ist, wie es schon vor 2000 Jahren war. Eigentlich rätselhafter, wie ich glaube, denn der Materialismus als eine völlige Zweifelsfreiheit, als ein alles verdrängender Nazigedanke der Philosophie, dürfte sich erst in dieser Zeit entwickelt haben.

Jedenfalls macht aus all dem Vorgenannten der Spirealismus ein: Die Welt ist eine Vorstellung, eine Phantasie. Die vorgestellte Festigkeit von Materie, im Sinne eines Vorhandenseins vor der Beobachtung, im Sinne eines alternativlosen Vorhandenseins, im Sinne eines unleugbaren eindeutigen kausalen Zusammenhangs, der aus der Vergangenheit auf einem einzigen Strahl in eine eindeutige Gegenwart fließt, ist Materie eine Vorstellung, aber nicht mehr. Als Vorstellung in einem Kosmos aus Vorstellungen hat auch diese Vorstellung von Festigkeit, von Eindeutigkeit zweifellos ihre Gültigkeit, aber keine alleinige, schon gar keine unbedingte.

Warum nun sage ich nicht (so wie mir selbst das allenthalben begegnet): Die Welt als Vorstellung … das mag zum Teil stimmen … die Welt ist eine Vorstellung … zum Teil!

Ich will den Grund nennen.

Jeder gesunde Gedanke muss uns sagen, dass die Dinge, was sie sind und was sie sein können, von unseren Vorstellungen abhängen. Aber jeder noch tiefere Gedanke muss uns sagen, dass die Vorstellungen von den Dingen unsere geistige Endstation sind. Oder was sollen wir uns vorstellen können, jenseits unserer Vorstellungen?

Die Eindeutigkeit der Aussage „die Dinge sind das, was wir uns darunter vorstellen“ ist also in nichts zu schmälern, vielmehr würde man durch ein Relativieren die zutiefst wahrhaftige Erfahrung des Prinzips Alles ist Geist der Hermetik verwässern, würde die Begriffe zurück-verwirren, und uns wieder in die Widersprüchlichkeit des Materialismus zurückführen. Während hingegen so, ausgestattet mit dieser eindeutigen und unwiderlegbaren Aussage, sich weiterarbeiten lässt, weiterdenken, weiter schließen. Wir verabschieden uns von der Nicht-Nachweisbarkeit einer materiellen Außenwelt bei gleichzeitiger Anerkenntnis ihrer Existenz (Hume), was doch zutiefst widersprüchlich ist.

Und wenn wir nun sagen, dass die Dinge nichts anderes sind als der Gedanke an Dinge, dann kann man wohl kaum etwas anderes über das Universum sagen. Denn das Universum ist als Substantiv, als Gegenstand einer Betrachtung, als Ding, nun wieder nichts anderes als eines jener Objekte, die wir gewohnt sind, im Geist zu bewegen, und die ich im Spirealismus „Objekte des Denkens“ nenne, weil ich damit dokumentieren will, dass die Objekte, welche auch immer gemeint sein können, ob nun ein Tisch oder ein Haus oder ein Universum, nirgendwo anders existieren als in einem Denken, und nichts anderes sind als ein Gedanke.

 

In weiteren Artikeln werde ich weitere Aspekte des Begriffes Ich-Universum besprechen

Aspekte des Ich-Universums, Teil 1 was last modified: Mai 8th, 2017 by Henrik Geyer

Was ist Wahrheit? Wahrheit als Weltanschauung.

Thema: Was ist Wahrheit? Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Wahrheit ist eine Relation.Das Ich ist ein Teil der Relation.

Was ist Wahrheit? Ist das Wort Wahrheit, wie wir es verstehen, Ausdruck einer Weltanschauung?

Gibt es einen Zusammenhang gibt es zwischen unserer Auffassung von Wahrheit und unserer Sichtweise auf die Materie? Was ist der Zusammenhang?

Wahrheit und die materielle Außenwelt

Der materialistischen Weltanschauung zufolge hängen wir ab von einer von uns unabhängigen Außenwelt. Diese Außenwelt beobachten wir, lesen ihre Gesetzmäßigkeiten von ihr ab – diese von uns unabhängige Außenwelt ist unsere Kernvorstellung von Realität. 

Wir verbinden so viel mit dieser äußerlichen Realität. Alle sind wir wir Realisten, und wollen es auch sein! Realist zu sein, auf diese äußerliche Realität bezogen – das ist uns das höchste Lob.

Der zentrale Begriff für die von uns unabhängige Außenwelt, mit ihrer Objektivität, und ihrer Realität, von der jeder Einzelne von uns am allermeisten verstehen will, ist das Wort „Materie“. Das nenne ich die materialistische Weltanschauung: Der Glaube, wir wären geistige Beobachter einer von uns unabhängigen Außenwelt.

Was ist Wahrheit?

In Bezug auf den Begriff „Wahrheit“, der letztlich ebenso zentral für unsere Vorstellungen ist, wie der Begriff Materie (im Grunde sind beide Begriffe austauschbar), will ich einige Konstellationen nennen, die diese enge Verbindungen deutlich machen.

Wahrheit und Außen

Die Wahrheit ist uns nicht das, was ein Einzelner meint, oder ein Einzelner sieht. Was auch immer eine Mehrheit sieht, eine Mehrheit meint, eine Mehrheit denkt, eine Mehrheit glaubt richtig zu verstehen – das überwiegt alles, was ein Einzelner denkt. Dessen Gedanken werden dann zu einer Einzelmeinung, die nicht so wichtig ist.

Dieser Prozess funktioniert in beiden Richtungen. Die Meinung, die der Einzelne in seinem Außen überwiegen sieht, ist für ihn letztlich auch die Wahrheit.

Siehe auch: Innere Wahrheit – Äußere Wahrheit

Ähnliches Thema: Shitstorm. Wie wichtig ist die Meinung anderer?

objektive Wahrheit

Verbunden mit der Vorstellung der „einen und letztendlichen Wahrheit“ ist der Begriff der Objektivität. Objektivität, also etwas (eine Wahrheit), das außerhalb und unabhängig des menschlichen Bewusstseins sei. Etwas, das man nur so begreifen könne, also etwas, für das es nur eine einzige Möglichkeit gibt. Objektivität ist die Vorstellung von einer Welt außerhalb von uns, auf das alle Subjekte zugleich schauen, und worüber es letztlich keine zwei Meinungen geben kann.

Objektivität und materialistisches Weltkonzept sind Synonyme. Zum materialistischen Weltkonzept gehört auch die Vorstellung der einen und unbestreitbaren Wahrheit.

 

Wahrheit und Materie

So ist Wahrheit mit dem Begriff Materie verbunden. Materie als das Sinnbild des Materialismus. Das, worauf wir alle schauen, und was sich unserem gemeinsamen Blick durch seine Festigkeit und Greifbarkeit nicht entzieht. Materie als das Wirkliche, als das Reale. Die eigentliche Realität, so meint der Materialist (und damit auch die Wahrheit), läge in der Materie, nicht im Geist.

Materie ist der Zentralbegriff des Materialismus. Wir studieren die objektive Wahrheit der Materie, und glauben die letzten Wahrheiten in den objektiven materialistischen Wissenschaften zu finden.

Weiterlesen: Beitrag Glaube vs wissenschaftliches Wissen. Was ist Glaube?

Aber was ist Wahrheit in Wahrheit?

Wer die Wahrheit beschreiben will, überlasse die Eleganz dem Schneider.
Albert Einstein

Was ist Wahrheit nun wirklich? Was ist Wahrheit in Wahrheit?

Was ich in diesem Blog immer schreibe, immer aussagen will: Die Wahrheit ist nicht objektiv, nicht feststehend, letztendlich nicht zu fassen, ebenso wenig wie das Objektive. Die Materie in der vorgestellten Form gibt es nicht.

Nun wird man sich fragen: Welchen Wahrheitsgehalt hat zum Beispiel dieser Artikel? Was ist denn dann Wahrheit?

Wahrheit spirealistisch verstanden

Insofern ist zu klären, wie der spirealistische Ansatz zur Erklärung des Begriffes „Wahrheit“ aussieht. Es ist aber vorauszuschicken, dass sich dieser Ansatz eigentlich nur erschließt, wenn man vorher begriffen und verinnerlicht hat, dass es Objektivität nicht gibt. Wenn man die Vieldeutigkeit jedes einzelnen Begriffes in sich spüren kann. Das ist möglich, es ist aber auch ein langwieriger Lernprozess, wenn man diese Sichtweise nicht bereits mit der Muttermilch aufgesogen hat.

Die Realität der Begriffe

Erstens ist, gemäß Spirealismus, die Realität unserer Begriffe selbst die Realität. Anders gesagt: die Gedanken sind die Realität. Noch einmal anders formuliert: die Gedanken über die Realität, und die Realität, sind eins.

Die Welt, wie auch immer wir sie individuell auffassen, ist die Existenz für uns. Die einzige Existenz, von der wir wissen.

Daher ist zum Beispiel auch ein „falsch“ verstandener Wahrheitsbegriff aus der Sicht des Individuums nicht falsch. Denn wahr und falsch sind immer nur Relationen, die von den Begriffen des Denkens abhängen. Würden wir zum Beispiel in der Mehrheit an die Existenz von Hexen glauben, wer könnte uns das Gegenteil beweisen? Aus dieser (angenommen) Sichtweise sind Hexen existent.

Aus der Perspektive Desjenigen, der einen bestimmten Begriff als Wahrheit in sich trägt, ist dieser Begriff wahr. Das gilt ebenso für eine Gruppe von Individuen, die sich sich auf einen Begriff einigen. Siehe Supersubjektivität.

Wahrheit ist relativ

Wahr und falsch sind somit nur auseinander zu halten, aus der Perspektive der individuellen Wahrheit. Wahr und falsch sind stets eine Relation – und Teil der Relation ist das Individuum selbst, bzw. die Begriffe in ihm. Hierzu wiederum muss man verstehen, dass die Begriffe in jedem Einzelnen eine eigene Form annehmen – sie sind nie völlig gleich.

Wahrheit ist demgemäß subjektiv – nie objektiv.

Wahrheit als Ergebnis von Kommunikation

Das, was wir als die unumstößliche Wahrheit ansehen, ist das Ergebnis einer Kommunikation. Man könnte sich das vorstellen wie eine demokratische Wahl, der sich jeder unterwirft. Am Ende ist der Wahlsieger das, was die Wähler als existent begreifen müssen, solange sie sich an der Wahl (Kommunikation) beteiligen. Der Wahlsieger repräsentiert zugleich die Wahrheit. Nun stelle man sich vor, dass eine solche Wahl stets und ständig abläuft, mit jedem Gedanken verändert sich die Konstellation, das Wahlergebnis.

Spirealismus – die innere Wahrheit als die Quelle bzw. Existenz vieler Welten

Die Vorstellung vieler Welten geht aus von der spirealistischen Grundauffassung, dass es keine von uns unabhängige Außenwelt gibt. Woher kommt dann „die Welt“? Der Spirealismus besagt: es gibt sie nicht, „die Welt“. Sondern es gibt nur viele Welten. Wir Menschen (unter anderem) repräsentieren sie, in uns sind sie. Ebenso wie in jedem Objekt das wir sehen. Durch uns entstehen die Objekte, durch die Objekte entstehen wir. Wir selbst sind Elemente der Schöpfung, nicht ihre unabhängigen Beobachter. Und aus uns, unseren Ich-Universen, formt sich das, was wir für die von uns unabhängige Welt, und mithin auch für die von uns unabhängige Wahrheit halten.

Siehe auch: Artikel Die Entstehung der Realität – Bewusstsein erschafft Realität

Weiterlesen: Beitrag die Schwere und die Leichtigkeit des Spirealismus

 

Was ist Wahrheit? Wahrheit als Weltanschauung. was last modified: April 10th, 2016 by Henrik Geyer

Das Unbewusste als das Unbekannte

Das Unbewusste als das Unbekannte

Ich möchte in diesem Artikel ein anderes Konzept für das Unbewusste darstellen. Das Unbewusste als das Unbekannte. Das Unbewusste als das, was wir nicht wissen, und aus systemischem Grund nicht wissen können. Das Unbewusste als Synonym für das Nichts.

Im hier vorgestellten Sinn ist das Unbewusste Ausdruck des spirealistischen Weltbildes. Der spirealistische Begriff des Unbewussten steht im Gegensatz zum materialistischen Begriff des Unbewussten, als erkennbar (und damit bereits erkannt).

Ähnliches Thema: Artikel ‚Materialismus – was ist das?‘

Das Unbewusste als das Unbekannte – wozu soll das gut sein?

Zunächst einmal zu einer Frage, die mir öfters begegnet. Wenn man schlicht sagt, das Unbewusste sei quasi einfach das Unbekannte, ist das nicht ein Rückschritt? Gibt man damit nicht Wissen auf, das man hat – nämlich das Wissen über das Unbewusste?

Ist das überhaupt Wissen, was der Spirealismus da ausdrückt, oder nicht einfach „Wissen, dass man nichts weiß“, was wiederum ziemlich überflüssig klingt?

Nein.

Erstens: Man gibt kein Wissen auf, denn man vergisst ja nichts. Man muss auch nicht alles Hoffen und Streben aufgeben, nur weil man feststellt, dass das, was man Wissen nennt, eine andere Bedeutung haben könnte.

Zweitens: die Sichtweise, das Unbewusste als das Unbekannte zu sehen, ist einfach eine andere Wahrnehmung des Bewusstseins. Diese Wahrnehmung verbindet sich im Spirealismus mit einer anderen Wahrnehmung was der Mensch ist, was Erkenntnis ist und Wahrheit. Und was das Wesen des Kosmos ist. (Denn alles, was ist, was das All ist, sehen wir ja durch das Bewussstein)

Weiterlesen: Artikel ‚Weltall – All – Alles. Was ist alles? Das Weltall als Vorstellung‘

Drittens: Spirealismus führt in seinen Schlüssen sehr viel weiter, und in eine ganz andere Richtung, als der Materialismus. Erst einmal führt er weltanschaulich weiter, aber später sicherlich auch wissenschaftlich.

Warum ist das Unbewusste gleich dem Unbekannten?

Man redet vom Unbewussten, und glaubt, dieses benennen zu können. Doch wie will man etwas benennen, das man nicht kennt? Schließlich ist doch alles, von dem wir denken oder sprechen können, definitionsgemäß IM Bewusstsein, und nicht außerhalb.

Plato hatte einen ganz ähnlichen Einwand (eigentlich denselben) zum Nichts gemacht. Was kann man über das Nichts sagen, wenn der Begriff des Nichts doch nichts beinhaltet? Und ebenso verhält es sich mit dem Unbewussten.

Das Unbewusste ist das, was wir nicht wissen

Demgemäß ist das Unbewusste das, was wir nicht wissen.

Genauso gut könnte man technische Wissen, wie ein Elektromotor funktioniert, angenommen man hat dieses Wissen nicht, „unbewusst“ nennen. Oder man nennt jemanden, der dumm ist, unbewusst.

Dummheit ist unbewusste Unwissenheit.
Josh Billings

Oder man könnte das Wissen, wie Photosynthese funktioniert „unbewusst“ nennen. (die Besonderheit ist hier, dass es kein menschliches Wissen gibt, wie Photosynthese funktioniert).

Oder man könnte all das Denken, das die Funktionalität des Körpers betrifft, unbewusst nennen. Der Körper „handelt“, er funktioniert, all das ist etwas, was „Ich mache“ – und zwar aus Gründen und aus Gedanken heraus, die ich nicht kenne. Also trifft hier alles zu, was wir über das Unbewusste wissen – es ist uns eben nicht bewusst. Es ist uns unbekannt.

Das Bewusste ist das, was wir wissen

Das Bewusste wiederum – das sind die Gedanken die wir von Moment zu Moment denken, und die eine gewisse Redundanz aufweisen, was wir Erinnerung nennen.

Was wir über die Funktionalität des Magens wissen, ist uns bewusst. Was wir über die Gründe von uns selbst wissen, unsere geistigen Wurzeln in der Jugend etwa, etc., ist uns bewusst. Man kann all das nicht unbewusst nennen.

Den Grenzbereich zwischen Bewusstem und Unbewusstem nenne ich Phantasie, Assoziieren, Traum.

Weiterlesen:  ‚Kreativität und Phantasie‘

 

Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer
Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer

In der obigen Grafik kommt die Sichtweise von C.G.Jung auf das Bewusstsein, bzw. Unterbewusstsein zum Ausdruck. In Weiterentwicklung der Anschauungen Sigmund Freuds sah er das Unbewusste als teilweise individuell an, teilweise kollektiv.  D.h., dass das, was sich dem Menschen als Inhalt seines Unterbewusstsein entlocken lässt, ist teilweise seine eigene, individuelle Erfahrung, teilweise kommt in jedem Individuum eine Menschheitserfahrung (kollektives Unterbewussstein/Archetypen) zum Ausdruck, die nicht erlernt werden muss.

 

Das Unbewusste / Nicht Bewusste als das Unbekannte
Das Unbewusste / Nicht Bewusste als das Unbekannte

Im obigen Bild wird die vorhergehende Grafik so abgewandelt, dass man das Unbewusste, also das Nicht-Bewusste, als unbekannt darstellt. Doch auch das sieht im Bild zu sehr danach aus, als könne man eine klare Grenze ziehen. Und das wäre nicht der Sinn von „etwas ist unbekannt“. Man könnte beispielsweise denken, man wüsste, wo die Inseln sind (man hat zur Orientierung die Wasseroberfläche), wo das Unbekannte beginnt, was es ist… Daher die nächste Grafik…

 

Das Unbewusste / nicht Bewusste konsequent als das Unbekannte verstanden, das Nichtwissen, das Nichts
Das Unbewusste / nicht Bewusste konsequent als das Unbekannte verstanden, das Nichtwissen, das Nichts

Der Sinn dieser Grafik ist es, offen zu lassen was das Unbewusste (im Sinn von „das Unbekannte“) ist, wo es ist, wo es endet und beginnt, wie groß es ist. Es ist die spirealistische Auffassung des Unbewussten.

Man sieht, dass das, was wir zu unserem Ich-Universum rechnen, zu unserem Bewusstsein, als relativ scharf erscheint. An den Rändern jedoch löst es sich auf (in dieser Grafik nach unten hin), und wird zu Erinnerungen, Träumen, Gedanken. Es ist dieses Auflösen in der Unendlichkeit, das Generationen fragen ließ, was der Unterschied zwischen Traum und Realität, zwischen Gedachtem und „realem“ Objekt ist. (Ich weiß nicht, ob ich ein Mann bin, der träumt, ein Schmetterling zu sein, oder ob ich ein Schmetterling bin, der träumt, ein Mann zu sein. Dschuang Dsi)

In der Grafik repräsentiert jede Spitze ein Ich – das Ich ist das Zentrum jedes Ich-Universums.

So gesehen ist das Weiße, das die Spitzen, bzw. Inseln umgibt, das Unbekannte. Es trennt die Spitzen voneinander. Zugleich verbindet das Unbekannte alles, auf eine dem Ich unbekannte Weise. Dass eine Verbindung besteht und bestehen muss, über das hinaus, was wir gemeinhin wahrnehmen, ist das Konzept beispielsweise des Begriffes „kollektives Unterbewusstsein“.

Wir können zwar im Einzelnen benennen, wie geistige Inhalte in ähnlicher Form immer wieder auftauchen (Sprache, Kommunikation) – doch es gibt eine Kommunikation jenseits des uns Sichtbaren.

Diese Grenze des Denkens, also das Nicht-Wissen um die Form und die Inhalte des uns Unbekannten, ist mit Notwendigkeit da, und nicht überwindbar so sieht es der Spirealismus. Das Ich muss in seinen Fähigkeiten begrenzt sein, denn es ist Teil, nicht alles. „Alles“ zu sein würde zugleich die individuelle Existenz des Ich auflösen.

Weiterlesen: Artikel ‚Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein?‘

 

Das Unbewusste als das Unbekannte was last modified: März 25th, 2016 by Henrik Geyer

Anthropozentrismus – seine Ursache und Funktion

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Anthropozentrismus ist die beim Menschen stets anzutreffende Vermutung, er befände sich im Zentrumgeografischer wie kosmischer Gegebenheiten, im Zentrum der Vernunft, im Zentrum des Interesses seiner Götter etc..Es ist zugleich die Zentralsicht jedes Einzelnen auf sich selbst,als das Zentrum des jeweiligen Ich-Universums.

Im Sprealismus hat der Anthropozentrismus eine bestimmte Funktion und Logik. In diesem Artikel geht es darum, welche das ist

Was ist Anthropozentrismus?

Anthropozentrismus ist die dem Menschen selbst rätselhafte Selbstsicht des Menschen seiner selbst als zentral/in der Mitte stehend.

Ausdruck des Anthropozentrismus … Beispiele

Zitat: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“ (antiker Philosoph Protagoras)

Geografisch: Die immer wieder auftretende Vermutung, „der Mensch“, oder Teile von „dem Menschen“, befänden sich in der Mitte geografischer Begebenheiten. Reich der Mitte. Mittelmeer.

Objektivitäts-Denken: Die dem Menschen geläufigen Begriffe empfindet er als objektiv, das heißt, er glaubt, es gäbe sie außerhalb und unabhängig von seinem Denken. Wenn das was er sagt für alle und alles gilt – dann empfindet er sich selbst sozusagen als das Zentrum der Vernunft (man kennt: Der Mensch als die Krone der Schöpfung). Das äußert sich auch in seiner Vermutung, nur er selbst könne denken, während die ihn umgebende Natur „geistlos“ sei.

Beitrag: ‚objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität?‘

Menschliche Kausalität:  Die menschliche Kausalität versteht der Mensch nicht als schöpferisch, sondern als unabdingbar (siehe Objektivitätsdenken). Wenn seine kausalen Ableitungen keine Schöpfung sind, sondern eine geistige Notwendigkeit, dann sieht er sich wieder in der Rolle des genialen Erkenners einer Realität außerhalb seiner selbst.

Religiös: Seine Vermutung, er selbst stünde im zentralen Interesse des Schöpfers/Gottes, während alle andere Natur dazu geschaffen sei, von ihm genutzt/ausgebeutet zu werden

Im Individuum: Die stets anzutreffende Vermutung, man selbst befände sich in der Mitte der menschlichen Vernunft. Im Zentrum dessen, was man „den gesunden Menschenverstand“ nennt. „Ich bin Realist…“

Welche Ursache hat Anthropozentrismus?

Die Ursache und Notwendigkeit für den Anthropozentrismus sieht der Spirealismus im Entstehen des Bewusstseins.

Das Ich-Universum jedes Menschen bildet sich um einen Punkt herum: das Ich. Das Zentrum jedes individuellen Universums ist immer das Subjekt. Das ist verständlich, denn jedes sichtbare Objekt wird in Verbindung gebracht mit der Perspektive, aus der es beobachtet wird. Dem Ich, dem zentralen Punkt.

Ein zentraler Begriff des Spirealismus ist Supersubjektivität. Dieser Begriff besagt einerseits, dass die Beobachtung vieler Ichs wieder subjektiv ist, und nicht, wie diese annehmen, objektiv (im Sinne von: man kann es nicht anders sehen). Andererseits ist die Folgerung des Begriffes Supersubjektivität, dass aus vielen Subjekten ein neues Subjekt wird. Aus den Menschen wird die Menschheit. Der Mensch als Teil eines größeren Subjektes.

Dieses größere Subjekt hat eine eigene Wirkung, eine eigene Psychologie, eine eigene Subjektivsicht. Auch im Supersubjekt Menschheit ist der Anthropozentrismus anzutreffen.

(Man beachte: im Grunde genommen wird der Begriff Anthropozentrismus meist genau umgekehrt gesehen: er tritt in vielen Menschen auf, aber nicht im Einzelnen).

Materialistisches Weltbild

Das materialistische Weltbild, das den Menschen als einzigartigen Beobachter der Schöpfung sieht, nicht als Element der Schöpfung, kann man ebenso als Ursache des allgegenwärtigen Anthropozentrismus sehen.

Ebenso allgegenwärtig wie der Materialismus ist der Anthropozentrismus.

Welche Wirkung hat Anthropozentrismus?

Der Anthropozentrismus bewirkt, dass sich der Mensch als Individuum begreift, es zugleich aber für selbstverständlich hält, dass das Wissen und das Können der Menschheit auch in ihm selbst zum Ausdruck kommt. Er hält sich selbst für „den Menschen“.

Weiterlesen:  ‚Supermensch – Übermensch – Superman = der Mensch‘

Eine der Wirkungen und zugleich Ursachen des Anthropozentrismus ist die Annahme, es gäbe nur eine Wahrheit, nur eine Realität, nur eine Welt. Daher brauchen wir auch nur eine Wissenschaft.

Die positive Seite dieses Anthropozentrismus kann man darin sehen, dass sich die Wirkkraft der vielen Menschen nicht zersplittert. Im Grunde sind die Menschen Eins – ein Organismus. Die Wissenschaft, an der nahezu alle arbeiten, bedient sich stets der gleichen Termini, Resultate, der selben Sprache.

Die negative Seite ist eine falsche Weltsicht. Eine falsche Sicht auf die Gründe des eigenen Seins. Denn der Anthropozentrismus suggeriert dem Menschen fälschlich, in einem Mittelpunkt zu stehen. Der Mittelpunkt des menschlichen Denkens bleibt daher letztlich nur er selbst – und das findet er ganz normal. Seine Wirkungen auf das Ganze sind dem Menschen auf diese Weise unbegreiflich.

Spirealistisches Weltbild

Anthropozentrismus, Bewusstsein, im spirealistischen Verständnis
Anthropozentrismus, im spirealistischen Verständnis

In der Grafik abgebildet: die spirealistische Vorstellung von Anthropozentrismus. Das größere Ganze bildet sich aus einer Vielzahl von Ichs (im Bild links die blauen Kreise). Die Kreise haben jeweils Zentren, überschneiden sich aber auch (das sind die geistigen Inhalte des Anderen, die auch in mir sind).

Im Bild rechts wird aus den vielen blauen  Kreisen ein größerer, dunkelblauer Kreis – aus vielen Menschen wird die Menschheit, oder aus einigen Menschen wird eine Gruppe.

Das kosmische Kontinuum: Diese Abbildung suggeriert ein Statisch-Sein der Begriffe. Das soll aber nicht gesagt sein. Im Grunde sind diese sich bildenden Einheiten stufenlos variierbar. Je nachdem, wie es in diesem Augenblick verstanden wird.

Am Rand des Bildes sieht man Kreise, die sich in der Farbe verändern. Das sind nicht-menschliche Ich-Universen/Informationen. Wir nehmen sie nicht als „Ich“ war, sie stehen aber dennoch in einem relativen Verhältnis zum Ich/gehören zu ihm/bedingen es.

 

 

Siehe auch: Artikel ‚Der Mensch als geistige Singularität. Kausalitäts-Monster Bewusstsein‘

 

 

 

Anthropozentrismus – seine Ursache und Funktion was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer

Weltall – All – Alles. Was ist alles? Das Weltall als Vorstellung

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Thema Weltall Zum individuellen All gehört die Tasse auf dem Tisch ebenso, wie die entferntesten Sterne. Was das Bewusstsein kennt, ist immer verschieden - daher ist jedes All verschieden von jedem anderen.

Wenn in der Philosophie von „den Dingen“ die Rede ist, dann geht es nicht nur um die Kaffeetasse vor uns auf dem Tisch. Um die geht es auch. Es geht um das Wesen aller Dinge. Also ebenso gut um die Planeten, die Sterne, die Universen. Es geht um alles. Es geht um das All. Was ist das Weltall?

Die Welt und das Welt-All

Die Welt und das All sind Synonyme. Die ganze Welt – das ist auch das All.

Wenn man also sagt: „Weltall„, dann kann dieser Begriff nicht umfassender gemeint sein.

Das Weltall ist einfach alles, was man sich nur vorstellen kann.

… was man sich vorstellen kann, oder alles was es gibt? Gibt es alles, was man sich vorstellen kann? Kann man sich alles vorstellen, was es gibt?

Weltall=Universum

Das Wort „Universum“ drückt dasselbe wie „All“ aus. Es ist universell jeder Gegenstand damit beschrieben, den es geben kann. Jeder Begriff.

Ich-Universen

Auf diesem Blog wird der Spirealismus erläutert.

Der Spirealismus hat zum Verhältnis Geist/Materie folgende Überlegung: Wenn meine Gedanken über die „Dinge“ alles ist, was ich über die Dinge weiß, dann ist mein Gedanke an die Dinge nichts anderes, als die Dinge selbst.

Mag man auch umformulieren: „nichts anders, als man je über die Dinge wissen kann..“ (so als wäre damit irgendwie gesagt oder bewiesen, die Dinge gäbe es noch einmal extra von den Gedanken) – es läuft auf dasselbe hinaus. Was die Gedanken von den Dingen mitteilen ist alles, was darüber zu sagen ist.

(Das widerspricht auf merkwürdig-unerklärliche Art dem materialistischen Weltbild, das ja voaussetzt, die Dinge wären noch einmal etwas anderes, als die Gedanken an sie.)

Zum Weltall hat der Spirealismus eine ähnliche Überlegung. „Alles“, also mein Weltall, kann mir nur das sein, was ich in meinem Geist bewege. Etwas, das ich nicht in meinem Geist bewege, ist auch nicht Teil meines Weltalls.

Das Große und das Kleine

Zum individuellen Weltall gehört die Tasse auf meinem Tisch ebenso, wie die entferntesten Sterne. Es geht nicht darum, zwischen groß und klein zu unterscheiden, sondern es geht um Bewusstsein. Alles was im Bewusstsein auftaucht, ist auch Teil des individuellen Weltalls.

Dieser Satz erscheint weniger trivial, wenn man sich vor Augen führt, dass man über all jenes, was man nicht weiß, was nicht Teil des eigenen Ich-Universums ist, auch keine Aussage machen kann.

Siehe auch Artikel zum Thema:  ‚Was ist das Nichts? als Grundfrage der Philosophie.‘

Spireo Spiritualität Die Sterne fuerchten sich - Lebensweisheit Spruchbild: Die Sterne fürchten sich nicht, wie Leuchtkäfer zu erscheinen. Rabindranath Tagore
Die Sterne fürchten sich nicht, wie Leuchtkäfer zu erscheinen.
Rabindranath Tagore

Jedes Weltall ist unterschiedlich

Damit ist auch gesagt, dass jedes Weltall unterschiedlich ist. Denn das, was ein Mensch in seinem Geist bewegt ist mit Notwendigkeit anders als das, was ein anderer in seinem Geist bewegt. Die Universen, als Summe der Dinge darin, sind notwendigerweise verschieden.

Daher spricht der Spirealismus nicht von dem einen und einzigen „Weltall“, sondern vom Weltall des individuellen Begreifens. Konkret von Ich-Universen. Wenn das Ich von einem Universum redet, kann es nur das Universum der persönlichen Begreifens sein. Nichts anderes. 

Siehe auch: Beitrag ‚Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt‘

Das Weltall und das Nichts

Es bleibt noch darauf hinzuweisen, dass „Alles“ ein dem Menschen ebenso unbegreiflicher Begriff ist, wie das Nichts.

Es ist dem Menschen (materialistischer Denkart) zwar Gewohnheit, das Nichts als ETWAS anzusehen, das nicht da ist, logisch ist das aber nicht. Das Nichts ist nicht beschreibbar, da sich über etwas, das man nicht weiß, keine Aussage machen lässt. Dies ist nicht zuletzt eine Aussage des antiken Philosophen Plato.

Ebenso unbegreiflich ist der materialistischen Denkart das „Alles“. Die Vorstellung von Alles, Weltall und Universum, verbindet sich nicht umsonst mit dem Begriff „Unendlichkeit“.

Lesen Sie auch:  ‚Das Unendliche. Was ist unendlich?‘

 

 

 

 

 

 

 

Weltall – All – Alles. Was ist alles? Das Weltall als Vorstellung was last modified: März 10th, 2016 by Henrik Geyer

Lüge – was ist das? Über das Lügen

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Man lügt, wenn man etwas für eine Wahrheit hält, und dennoch etwas anderes sagt. Thema Lüge und Wahrheit

Lüge ist ein fließendes Konzept, weil die Wahrheit ein fließendes Konzept ist. Die Lüge ist das Gegenteil der Wahrheit. 

Die Realität ist in jedem Menschen anders. Es gibt die Realität nicht in einer einzigen oder endgültigen Form. Daher ist auch die Wahrheit in jedem von uns einzigartig.

In diesem kurzen Artikel soll es um einige interessante Aspekte von Lüge und Wahrheit gehen, die das verdeutlichen.

Siehe auch Artikel „Wir sind spirituelle Wesen… „

Überzeugungen und Lügen

Man lügt, wenn man etwas für eine Wahrheit hält, und dennoch etwas anderes sagt.

Das drückt aus, dass die Unterscheidung von Lüge und Wahrheit von unseren individuellen Überzeugungen ausgeht. Also dem, was wir individuell für wahr halten. Jedoch gibt es die Wahrheit nicht außerhalb von uns, in eindeutiger Form. Was der Einzelne für wahr hält – das ist aus seiner Sicht die Wahrheit.

Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.
Friedrich Nietzsche

Den oben genannten Satz von Nietzsche könnte man so gesehen umformen. Die Überzeugungen sind nicht die Feinde der Wahrheit. Sondern unsere Überzeugungen sind uns die Wahrheit. Sie sind unsere innere Wahrheit – worüber sonst können wir sprechen?

Lüge als das Gegenteil von Existenz

Was unsrer inneren Überzeugung gemäß IST, das ist uns auch die Wahrheit. Das, was ist, das nennen wir auch Existenz.

Was wir glauben zu sehen – das ist unsere Wahrheit. Was wir wissen, das ist uns Wahrheit.

 

Ein Beispiel: Wenn ein gläubiger Christ Gott verleugnet – das wäre eine Lüge. Aber … kann man etwas verleugnen, an dessen Wahrheit man glaubt? Schwerlich. Jedenfalls schwerlich sich selbst gegenüber.

Die Wahrheit des Christen ist, das Gott existiert.

Ein Wissenschaftler wiederum kann nicht (sinnvoll) den gläubigen Christen der Lüge bezichtigen, weil dieser an Gott glaubt.

Umgekehrt – wenn der Wissenschaftler verleugnen würde, dass es das Atom gibt – das wäre Lüge. Aber auch er kann nicht glaubhaft etwas verleugnen, an dessen Wahrheit und Existenz er glaubt. Er selbst spürt, dass dies Lüge wäre. Seine Wahrheit ist, dass das Atom existiert.

Und wiederum kann ein gläubiger Christ den Wissenschaftler nicht (sinnvoll) der Lüge bezichtigen, weil dieser an das Atom glaubt.

Man kann sich nicht selbst belügen.

Es gibt viele Worte für die Randbereiche der Wahrheit. Zum Beispiel: Phantasie, Ausflüchte, Wunschdenken, falsches Denken.

Ähnliches Thema Beitrag ‚Kreativität und Phantasie‘

Aber all das läuft auf eine einfache Tatsache hinaus: Was wir für wahr halten, was es für uns gibt – das ist die Wahrheit. Sie ist in uns. Sich selbst kann man nicht glaubhaft belügen. Etwa, indem man unglaubhaftes positives Denken versucht, so, wie das manchmal geraten wird.

Der Versuch, dies wider die innere Wahrheit zu tun, ist unglücklich, desaströs – kommt einer Bewusstseinsspaltung gleich.

Auf die innere Wahrheit kommt es an. Die innere Wahrheit zu formen ist ein langwieriger Prozess – weit weniger einfach, als es der Materialist vermutet, denn er hält die Wahrheit für etwas, das außerhalb von ihm zu finden ist.

Aber: Man kann sich nicht selbst belügen. Und doch kann die Wahrheit von heute die Lüge von gestern sein.

Weiterlesen: Artikel ‚Glaube Liebe Hoffnung – ohne Glauben geht nichts‘

Lüge und Wahrheit verfließen

Gerhart Hauptmann sagte einmal:

Verallgemeinerungen sind Lügen.

Der Philosoph Schopenhauer beschreibt genau das als einen (von vielen) Kunstgriffen der Redekunst, in seinem Buch „Die Kunst Recht zu behalten.“

Die Erweiterung. Die Behauptung des Gegners über ihre natürliche Grenze hinausführen, sie möglichst allgemein deuten, in möglichst weitem Sinne nehmen und sie übertreiben; seine eigne dagegen in möglichst eingeschränktem Sinne, in möglichst enge Grenzen zusammenziehn: weil je allgemeiner eine Behauptung wird, desto mehreren Angriffen sie bloß steht. Das Gegenmittel ist die genaue Aufstellung des puncti oder status controversiae.

Wahrheit und Lüge verfließen. Wahrheit ist nie nur EINS. Des einen Wahrheit ist die Lüge des anderen.

Soll das heißen, dass es keine Lüge gibt?

Soll das heißen, es gäbe überhaupt keine Lüge?

Nein. Damit soll aber gesagt sein, dass die Wahrheit fließt, sie ist nie fest.

So wie die Existenz fließt. Lüge ist ein Begriff unserer Welt, daher existiert sie,  daher gibt es Lüge. Aber die Lüge ist nicht starr, so wie kein Begriff starr ist. Begriffe haben immer nur Bedeutung, im Verhältnis zu anderen Begriffen. Auch der Begriff der Lüge wandelt sich stets, er fließt.

Spruchbild: Lüge und Wahrheit. Wahrheit ist ein fließendes Konzept.
Wahrheit ist ein fließendes Konzept.

Siehe auch: Beitrag ‚Glaube vs wissenschaftliches Wissen. Was ist Glaube?‘

Lüge – was ist das? Über das Lügen was last modified: Februar 29th, 2016 by Henrik Geyer

Merkwürdig! Merkwürdigkeiten des Alltags

Spruchbild: Thema Merkwürdig Die Annahme, der Mensch stünde einer festen Wahrheit gegenüber, die er nur noch endgültig begreifen müsse, ist nur ein Schein. Ein Wahr-Schein.

Merkwürdig, warum viele Menschen die Merkwürdigkeiten der Welt einfach nicht sehen können. Diese Rätselhaftigkeit, die sich in der römischen Antike bereits ausdrückt, als „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ (Cicero) Ist dieser Ausspruch Ciceros ein Zeichen von Dummheit? War man in der Antike blöde – wir hingegen sind so weise? Wissen wir nicht heute (fast) alles?

In diesem Artikel geht es um die Merkwürdigkeiten der Welt, die sich im Grunde in allem zeigen.

merkwürdig: es gibt keine Rätsel mehr

Neulich sah ich in der Auslage eines Zeitungsladens zwei Zeitungen, sie titelten mit „Die letzten Geheimnisse der Pharaonen“, und „Die letzten Rätsel der Menschheit“.

Mir kam das merkwürdig vor. Es ist Ausdruck einer ganz bestimmten Geisteshaltung, einer Brille, die wir aufhaben. Diese Brille nenne ich „Materialismus“. Wenn wir sie tragen, dann glauben wir, wir würden eine festgelegte Außenwelt nur beobachten. Und, weil das so ist, trennt uns von einer objektiven (und endgültigen) Beobachtung, so meinen wir, nur ein noch genauerer Blick.

merkwürdig: wir sind so weise … nur das Einfachste über uns selbst, wissen wir nicht

Wir schauen in die entlegensten Winkel des Weltalls, entdecken 11 Dimensionen, wissen eigentlich alles. Aber wir können uns nicht erklären, woher Wirtschaftskrise, Krieg, Elend kommen. Wir wissen nicht was Bewusstsein ist, Tod …

Merkwürdig, dass wir uns dennoch so weise vorkommen, mit all unserem Detailwissen – das Wichtige bleibt uns dennoch verschlossen.

Das Ende der Rätsel – wie könnte das aussehen?

Davon abgesehen – wenn die Zeitung titelt „Die letzten Rätsel der Menschheit“ … wie könnte ein wirkliches Ende der Rätsel aussehen? Dann müssten wir aufhören zu formulieren, aufhören zu denken. Das wäre der einzige Weg, dass es tatsächlich ein Ende der Rätsel geben könnte.

merkwürdig: die Geschichte ist unbestimmt

Z.B. ändert sich die Geschichte für uns ständig – mit dem Neubegreifen irgendeines Details, mit neuen Wertungen, neuen Büchern zu historischen Ereignissen.

das Jetzt ist ebenso unbestimmt

Die größte Merkwürdigkeit ist, dass auch das Jetzt im Letzten unbestimmt ist – wabert. Das muss man erst einmal wahrnehmen. Nichts ist im Letzten bestimmbar. Nichts ist objektiv.

Artikel: Fehlende Objektivität.

Es ist nur ein Glaube (an das Objektive) vorhanden, der uns sagt, alles sei ganz genau bestimmbar. Doch das Objektive ist, bei genauerem Schauen, nicht findbar.

Wozu brauchen wir diesen Glauben? Er ist das Fundament unserer materialistischen Weltanschauung. Ohne ihn geraten die Begriffe, die unsere Welt sind, in’s Wanken.

das unerkärliche ohne Grund sein – der Zufall

Haben wir die letzten Rätsel der Menschheit unter Kontrolle, wenn wir den Zufall kontrollieren? Ich würde sagen ja!

Den Zufall gibt es in jedem wahrnehmbaren Bereich, den wir wahrnehmen können. Nichts ist davon ausgenommen, nicht die Menschheit, auch nicht die Geschichte mit ihren Pharaonen.

Und der Zufall  – er endet einfach nicht, so lange man auch forscht.

Siehe auch Artikel zum Thema : Zufall – Über den Begriff des Zufalls

Siehe auch Artikel zum Thema : Nichts geschieht ohne Grund (nihil fit sine causa). Der Grund „an sich“

merkwürdig: Wir sind „der Mensch“ – ein Supermensch

Jeder einzelne Mensch ist Träger des Wahr-Scheins. Jeder Mensch weiß angeblich, wie etwas zustande kommt, doch eigentlich beruft sich jeder stets auf Fremdwissen.

Namen stehen für Wissen, das man selbst nicht hat. „Frag doch mal den!“, „Lies dir das Buch durch!“ Aus Eigenem wissen die Menschen fast nichts. Dennoch halten sie sich für Genies, die sich nicht um die Details kümmern müssen. Jeder ist „der Mensch“ – jenes sagenhafte Geschöpf, das alles das kann,. was die Menschheit vermag.

Zitat Schopenhauer

Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da anderes übrig, als daß sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? – Da es so zugeht, was gilt noch die Stimme von hundert Millionen Menschen? – So viel wie etwa ein historisches Faktum, das man in hundert Geschichtsschreibern findet, dann aber nachweist, daß sie alle einer den andern ausgeschrieben haben, wodurch zuletzt alles auf die Aussage eines Einzigen zurückläuft.
Arthur Schopenhauer

Siehe auch Artikel zum Thema : Supermensch – Übermensch – Superman = der Mensch

merkwürdig, dass wir im Prinzip nichts nicht kennen

Merkwürdig auch, dass wir immer annehmen, dass es nichts geben kann, was wir nicht erkennen können. Wir haben eine ganz konkrete Vorstellung von dem, was wir nicht wissen. Wir drücken das so aus: das, was wir noch nicht wissen.

Wie kann man etwas benennen, was man nicht kennt?

Siehe auch Artikel zum Thema : Das Undenkbare. Was ist undenkbar?

wir sind alle Realisten, haben aber jeder unsere eigene Realität

Auch bei gegensätzlichsten Meinungen glaubt doch jeder Mensch stets, Realist zu sein. Er habe die Wahrheit, er müsse sich gegen all die Nicht-Realisten durchsetzen. Was ist eigentlich die Realität?

merkwürdig: wir vermuten, es gäbe EINE Welt

Ebenso reden die Menschen von „einem“ Universum. Doch wir alle sehen nur die Universen des subjektiven Verständnisses (Ich-Universen). Die Universen der eigenen Begriffe. Wer könnte ernsthaft darüber berichten, DAS Universum zu kennen?

Spruchbild: Ich Universum und Ich Universen: "Ich Universum" ist ein Begriff des Spirealismus. Ein Ich-Universum ist das All (das Alles) des individuellen Begreifens.
Ich Universum und Ich Universen: „Ich Universum“ ist ein Begriff des Spirealismus. Ein Ich-Universum ist das All (das Alles) des individuellen Begreifens.

merkwürdig: die Weisheit des Jetzt ist stets unübertroffen

War es schon je anders? Schon immer glaubte sich der Mensch im Besitz einer letzten Weisheit. Jene, die sagen „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ waren immer in der Minderheit.

Doch die Weisheit des Jetzt hat sich stets aufgelöst, wurde zu einer anderen Weisheit, einer anderen Wahrheit. Das zeigt, dass unsere Wahrheit des Jetzt die Unwahrheit des Morgen ist.

Auch aus dieser Sicht erscheint es ganz realitätsfern, von den „letzten Rätseln der Menschheit“ zu sprechen.

Konsequenz

Die Brille namens „Spirealismus“ lässt die Welt in einem anderen Licht erscheinen. Durch sie gesehen sind die Welten wunderbar und vielschichtig – sie können jede Form annehmen.

 

Durch die Brille des Materialismus wirkt die Welt fast langweilig. „Wir wissen bereits alles“ ist die Begleitmelodie dieser Weltsicht. Die materialistische Sichtweise ist merkwürdig. Etwas zu schreiben wie „Die letzten Rätsel der Menschheit“, darauf muss man erstmal kommen.

Wie kommen die Menschen darauf, sie wüssten bereits alles, sie stünden vor dem letzten Rätsel? Die Welt ist immer das, was der Einzelne unter ihr versteht. Das ist das Rätsel der Rätsel.

Jedoch erscheint dieses „kleine“  Geheimnis dem Menschen nicht weiter interessant zu sein.

„Ich weiß, dass ich alles weiß!“ hingegen könnte genauso gut dem Denken eines Diktators entstammen. Es ist ein Denken, das nicht gut tut.

Spruchbild "Ich weiß, dass ich alles weiß!" ... Ist die Weisheit der Moderne. "Ich weiß, dass ich alles weiß!" vs "Ich weiß, dass ich nichts weiß!"
„Ich weiß, dass ich alles weiß!“ vs „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“

 

 

 

Merkwürdig! Merkwürdigkeiten des Alltags was last modified: Februar 28th, 2016 by Henrik Geyer