Kosmos und Universum – umfassende Intelligenz

Intelligenz ist etwas, das uns umgibt, und aus dem wir hervorgehen. Nicht etwas, das nur wir Menschen hätten, im Gegensatz zu der uns umgebenden Welt.

Um sich das ein wenig vorzustellen hier ein Beispiel: Was ist ein wacher Geist ohne ein Buch zum Lesen? Was wiederum ist ein Buch, das nicht gelesen wird? Die Intelligenz – der Gedanke – ist auf beiden Seiten. Nun meinen wir natürlich, ein Buch habe kein Bewusstsein, und könne daher nicht intelligent sein. Doch der Spirealismus geht davon aus, dass unsere Vorstellung von Bewusstsein erstens nur eine mögliche Vorstellung ist, und zweitens eine Vorstellung, die relativ falsch ist („relativ“ weil: eine absolute Wahrheit nicht existiert). Relativ falsch, denn diese Vorstellung ermöglicht es uns nicht, Bewusstsein in der uns umgebenden Natur zu sehen, obwohl das aus der Sicht des Spirealismus unbestreitbar ist.

„Bewusstsein“ ist falsch verstanden, wenn wir Menschen meinen, es müsse genau so sein, wie wir unser eigenes Bewusstsein verstehen oder eher: nicht verstehen. Und wenn wir zweitens nicht wahrnehmen, dass Bewusstsein als Relation in Erscheinung tritt, und daher überall ist, nicht nur in uns Menschen.

Die Zeichen, dass sich der Mensch in seiner kosmischen Rolle grundlegend falsch einschätzt, sind, zumindest aus spirealistischer Sicht, unübersehbar. Man denke an den allgegenwärtigen Anthropozentrismus, die seltsame Annahme Krone der Schöpfung zu sein und Krone des Geistigen gar. Das Nichtwahrnehmen der den Menschen umgebenden Rätselhaftigkeit, so dass er auf den Gedanken kommen kann, es gäbe erstens eindeutige Objekte, und zweitens habe er, der Mensch, diese völlig begriffen u.v.m.. Warum sollte eine Spezies, die glaubt, es gelte in tausenden Lichtjahren Entfernung nach intelligentem Leben zu suchen, die aber nicht in der Lage ist mit den Tieren vor Ort zu kommunizieren, viel von Bewusstsein verstehen? Eine Spezies, die sich selbst nicht erkennt (Stichwort Selbstentfremdung), die die Spezialwissenschaft der Psychologie und die Geheimwissenschaft der Spiritualität benötigt um ihr zu sagen, dass eine spezifische Sichtweise „auf die“ Welt eine spezifische Welt hervorbringt?

Also noch einmal: was ist ein Buch, das nicht gelesen wird? Was ist ein Baum, der nicht gesehen wird? Ist ein Sonnenuntergang schön, den niemand sieht? Ist ein Sonnenuntergang rot, den niemand sieht? Was ist ein Sonnenuntergang, der nicht gesehen wird? Ist es überhaupt ein Sonnenuntergang?

Nein. Der Sonnenuntergang kommt, wie jeder Gedanke, zu Stande als eine Relation. Eine Relation zwischen 2 Instanzen. Die eine Instanz sind wir selbst, als Gedanke der uns umgebenden Schöpfung. Die andere Instanz ist das, was wir als Sonnenuntergang sehen, ebenfalls ein Gedanke der Schöpfung. Daher verwende ich oft den Satz, der Mensch sei Element der Schöpfung, nicht ihr Beobachter.

Er kann also nicht sagen, was ein Sonnenuntergang jenseits seines Begreifens ist. Als spezifisches Element kann er nicht zugleich anderes spezifisches Element sein. Das SEIN des Menschen und sein Begreifen sind eins. Er kann aber verstehen, zumindest mit Hilfe des Spirealismus, dass eine völlig andere Perspektive möglich ist.

Kosmos und Universum

Der Kosmos, das ist Ordnung (Kosmos griech. für „die Ordnung“). Die Ordnung, die wir überall sehen, indem die Dinge aufeinander bezogen sind, und das Eine das Andere begründet.

Die Unterscheidung zwischen dem Kosmos dieses Verständnisses, und dem Begriff Universum ist, dass dem Wort Kosmos die Unbestimmtheit, die Nicht-Notwendigkeit innewohnt. Der Kosmos ist die Unendlichkeit des Nichts, ein Raum der Möglichkeiten. Um erlebt zu werden (SEIN) muss der Kosmos eine Ordnung sein. Welche Ordnung das ist, ist für das SEIN unerheblich.

Im Gegensatz dazu schließt der Begriff „Universum“ den Gedanken ein, das Universum sei in einer ganz bestimmten Weise da (=Vorhandensein; =SEIN). Denn das Universum ist dem Wortsinn nach ALLES WAS IST, also das SEIN. Und unsere gängige Vorstellung von dem was IST, also dem SEIN, ist eben, dass wir glauben, alles sei eindeutig „da“ oder auch „nicht da“. Wir meinen, alles das, was wirklich da sei, gäbe es in eindeutiger und objektiver Weise, woran sich wieder endlose Streitereien anschließen über das, was wir „wirklich“ nennen und was uns die Realität sein soll. Und dieses Missverstehen der Realität als eindeutig und starr führt zu dem merkwürdigen Gedanken, das Universum sei nicht anders denkbar als gerade wir Menschen es uns denken, denn es beruhe auf einem nicht änderbaren Geflecht objektiver Wirkbeziehungen (Kausalität), die wir erkannt hätten.

Die angesprochene Merkwürdigkeit liegt allein schon darin, dass es ja keine zwei selben Meinungen darüber gibt, was das Universum ist, und dass gleichzeitig, sollte dahingehend Einigkeit angestrebt werden, dies den Charakter einer Abstimmung hat. Das Ziel dieser Abstimmung ist aber gerade Übereinstimmung, nicht aber das Benennen vorhandener Paradoxien (unauflösbarer Widersprüche). Es handelt sich somit nicht um einen „völlig freien Austausch“ unterschiedlichster Ansichten die eigentlich nichts miteinander zu tun hätten, wie der Mensch stets meint. Sondern diese vermeintlichen Einzel-Ansichten haben sehr, sehr viel miteinander zu tun. Mehr noch: sie wären ohne einander ganz unwahrscheinlich!


Die Sicht des Spirealismus ist hingegen, dass Relativität das Wirkprinzip des Kosmos ist. Das SEIN als ein, wenn man so will, „schwingendes“ Geflecht. Als Element dieses Geflechtes verdinglicht der Mensch die Relation, durch ihn wird sie zu (s)einer Wirklichkeit. Dem Menschen mag es so erscheinen, als gäbe es nur eine Wirklichkeit, nämlich „die“ Wirklichkeit. Doch genau bedacht ist es absurd anzunehmen, die Wirklichkeit könne nur jene sein, die der Mensch selbst sieht.

Diese Absurdität kann ein Mensch eigentlich sehr schnell begreifen, sobald er es lernt, sich selbst wahrzunehmen. Sobald er den Blick abwendet von den ach so selbstverständlichen „objektiven“ Objekten seines vermeintlichen Außen, und sobald er lernt, die Entstehung der Objekte in sich selbst wahrzunehmen.

Ich-Universum

Ich möchte noch kurz zu dem Begriff „Ich-Universum“ etwas sagen und kurz erklären, warum Ich-Universum ein zentraler Begriff des Spirealismus ist.

1.

Universum ist die verdinglicht-feste Ordnung des Kosmos aus der Sicht des Menschen. Das Universum ist der Kosmos in der menschlich-spezifischen Form, sozusagen. Es repräsentiert das SEIN des Menschen.

Während Kosmos wie gesagt der Gedanke an eine Ordnung allgemeinster Art ist.

2.

Das Ich als Universum. Das Ich ist ein Universum, denn es beinhaltet alle Dinge UND auch das Ich. Kann es das Ich auch ohne Universum geben? Nein. Kann es ein spezifisches Universum ohne Ich geben? Nein. Kann es schließlich ein Universum geben, das nicht spezifisch ist? Nein, denn unsere Vorstellung des SEINs ist ja gerade, es sei spezifisch und fest. Man könnte auch sagen, dass es eine Vorstellung, die ohne einen bestimmten (spezifischen) Gegenstand auskommt, nicht gibt.

Das Ich kann nicht ohne die Dinge sein, die es umgeben, denn es ist selbst nur Relation. Dasselbe gilt für die Dinge.

Das Universum als ALLES WAS IST ist aus jeder menschlich-spezifischen Sicht etwas Individuelles. So, wie sich der Mensch ja als Individuum sieht: einzigartig. Es gibt, so gesehen, keine zwei selben Universen, so wie es keine zwei gleichen Ichs gibt.

Das Ganze leitet sich aus dem spirealistischen Grundgedanken ab, dass die Dinge nichts anderes sein können, als das, was man sich darunter vorstellt. Das gilt für das „Ding“ Universum auch. Wenn also das Universum alles ist, was ist, also das gesamte SEIN, dann übersetzt der Spirealismus das mit: Das Universum, das sind alle Vorstellungen, die man hat.

3.

Das Universum als Ich. Wie kommt ein Ich zustande? Offenbar als die die Summe der Dinge, die dem Ich sind. Wieder sein spezifisches SEIN.

Die kosmische Perspektive verdinglicht die stets wechselnden Relationen. Weil der Kosmos Ordnung ist, benötigt er den Zusammenhang: eine Perspektive ist Relation, ist Zusammenhang. So wird der Kosmos, der im Eigentlichen keine Form haben mag, dem Menschen zu ETWAS.

Die Perspektive erschafft Dinge. Verdinglichung IST Perspektive. Warum? Weil ein Ding immer etwas Spezifisches ist, etwas Konkretes, etwas im Moment Gefangenes. Als Kontrast dazu mag man sich die völlige Freiheit der Formlosigkeit vorstellen. Ein Ding muss in einer konkreten Weise wahr werden …  wahr genommen werden.

Auch das Ich ist so gesehen eine Verdinglichung von Perspektive, also nichts Außergewöhnliches. Als konkret werdende kosmische Relation, als Gedanke des umfassenden Geistes, ist eine Perspektive (Ich) etwas sehr Allgegenwärtiges.


Warum also ist der Begriff Ich-Universum so notwendig für den Spirealismus?

Weil die materialistische Sprache wenig geeignet ist, eine andere Logik zu verdeutlichen als die eigene. Den Zusammenhang zwischen Ich und Universum gibt es beispielsweise in der normalen materialistischen Sichtweise nicht, für den Spirealismus hingegen ist es eine wichtige Denkvoraussetzung. Meine eigene Erfahrung ist, dass man kaum über das normal-materialistische Denken hinauskommt, wenn man nicht bestimmte geistige Haltepunkte setzt, z.B. in Form von Worten.

 

 

 

Kosmos und Universum – umfassende Intelligenz was last modified: April 11th, 2018 by Henrik Geyer

Objekthaftes Denken

Ich habe lange überlegt, wie ich einen Begriff erläutern kann, der sehr wichtig und grundsätzlich für den Spirealismus ist.

Der Begriff heißt „objekthaftes Denken“; ich erwähnte ihn bereits in „Alles ist Geist“. Dieser Begriff hat sich für mich weiterentwickelt, und er repräsentiert heute für mich das Wunder des Geistigen schlechthin.

„Objekthaftes Denken“ – das ist Frage und Antwort zugleich.

Hat man einmal verstanden, dass es die materielle Außenwelt als separat von Geist existierend nicht gibt, stellt sich natürlich die Frage, wie denn nun diese Welt, die wir doch scheinbar so eindeutig vor uns sehen, zustande kommt?

Die Frage nach dem Zustandekommen des Kosmos (der Ordnung) steckt in dem Begriff „objekthaftes Denken“.

Der Begriff fragt: Wie kommt es, dass wir dort, wo keine materiellen Objekte (jenseits von Geist) sind, dennoch Objekte sehen?

Und der Begriff gibt die Antwort: Weil wir objekthaft denken.

Der Begriff objekthaftes Denken ist damit sozusagen der Name für ein Rätsel, ein nicht weiter hinterfragbares Phänomen. Es ist einfach so.

Wo kann man Objekthaftes Denken beobachten?

Dem Materialisten wird der Gedanke recht fremd sein. Warum gibt es Objekte? Er sagt: Weil sie da sind! Nichts einfacher als das. Die Antwort steckt schon in der Frage: Warum gibt (das SEIN) es Objekte? Weil sie „da“ sind (das Sein). Noch einmal die Frage des Spirealisten: „Warum sehen wir Objekte, obwohl sie (im materialistischen Sinn, also jenseits von Geist) nicht da sind?“

 

Wie also kann ich das Phänomen des objekthaften Denkens beschreiben, seine Gründe und Folgen?

Ich möchte das Phänomen des objekthaften Denkens an verschiedenen Beispielen zeigen. Im Grunde ist objekthaftes Denken ein Wunder, es ist letztlich nicht erklärbar. Dieses Wunder sehen zu können, darum nur kann es dem Spirealismus gehen. Das Wunder kann eigentlich jeder Einzelne sofort an seinem eigenen Denken feststellen.

1

Man denke an irgendetwas, ein Objekt. Man stelle es sich vor. Es kann ein Ding sein, das man im Außen kennt, wie ein Baum etwa. Es kann aber auch ein fiktives Objekt sein, etwas völlig Ausgedachtes. Im Grunde ist doch alles im Geist. Der materiellste Gegenstand verliert doch im Moment, in dem ich den Blick von ihm wende, seine allein materielle Existenz, und existiert (mindestens jetzt!) im Geist. Und die Grenzen zwischen Phänomen und Noumenon, die die Philosophie seit Jahrtausenden zu definieren sucht, verwischen.

Mit dem ersten Gedanken an dieses Objekt meint man, das Objekt völlig zu erfassen. Da ist es! Es steht vor dem geistigen Auge. Wenn man jedoch die Gedanken darauf ruhen lässt, wird es detaillierter und detaillierter. Es gewinnt an Information, einfach so. Es lässt sich aufteilen, der Baum lässt sich in hunderterlei Aspekten untersuchen. Plötzlich sieht man die Risse in der Baumrinde vor sich, ein Käfer krabbelt da. Und in jedem Moment glaubt man, völlig verstanden zu haben, was man da vor sich sieht. Jeweils abgeschlossene Objekte.

Man sieht auf diese Weise, dass das Denken endlos in Objekte „hineinzoomen“ kann – die Integrität der Objekte, die wir gewöhnlich als in sich völlig erklärlich und abgeschlossen ansehen, löst sich somit auf. Siehe auch Punkt 10. Das objekthafte Denken äußert sich nun darin, dass trotz dieses Sich-Auflösens man in jedem Moment glaubt abgeschlossene Objekte „vor sich“ (jenseits des Geistigen) zu haben.

2

Das vorgenannte Wunder lässt sich in das Paradox von Englands Küste transformieren. Ich hatte es mehrmals besprochen, z.B. hier. In einem Satz beschrieben: Es ist ein (scheinbar) mathematisches Spezialproblem: Die Küste Englands wird umso länger, je genauer man sie berechnet. Und zwar übrigens genau dann, wenn man sich dieses Objekt so vorstellt, dass dessen Grenze aus anderen Objekten besteht, im Beispiel von Englands Küste aus Buchten, diese wieder aus Kieselsteinen. Und die Kieselsteine setzen sich wiederum aus Teilen von Steinen zusammen, etc..

(Wenn man jedoch ein abstraktes Objekt annimmt, dessen Grenze nicht aus Teilen besteht, sondern immer Null ist, dessen Umfangs sozusagen aus lauter Punkten besteht mit der Größe Null, wie zum Beispiel bei einem gedachten Kreis, dessen Länge man mit Hilfe einer mathematischen Formel berechnet, dann gilt das nicht. Man bedenke dabei aber, dass es solche abstrakten Objekte in unserer menschlichen Wirklichkeit eigentlich gar nicht gibt! Es gibt kein Ding mit dem Radius und der Oberfläche Null. Ebenso wenig gibt es ein Ding ohne Eigenschaften.).

Das Beispiel „Englands Küste“ ist kein mathematischer Sonderfall, sondern gilt für jedes Objekt. Eigentlich ist es auch kein mathematisches Problem, sondern ein philosophisches. Alles wird umso inhaltsreicher, detaillierter, anders, je länger man darüber nachdenkt. Jeder Stuhl, jedes Ei, jedes ausgedachte Science-Fiction-Land. Jeder Gedanke – siehe Punkt 1. Und es zeigt, dass, obwohl die Objekte keine abgeschlossenen Objekte sind, die in Form und z.B. Umfang letztendlich bestimmbar sind, man immer glaubt, abgeschlossene Objekte jenseits des Geistigen vor sich zu haben.

Alles ist Geist bedeutet schließlich, dass das, was wir als unser Außen sehen, ebenfalls Geist ist. Und die Phänomene des Geistigen, insbesondere natürlich das Phänomen des objekthaften Denkens, lassen sich letztlich überall zeigen.

3

Genau dasselbe können wir auf das Objekt des Ich anwenden. Das Ich (-Universum) hat eine geradezu unendliche, uns unbegreifliche Tiefe. Man denke an die rätselhaften Begriffe Seele, Gott, etc., die damit im Zusammenhang stehen. Ich spreche jetzt übrigens nicht über etwas ganz Abstraktes, sondern über das Ich des Lesers – er möge bitte an sich selbst prüfen.

Einerseits ist das Ich „da“. Das ist der Aspekt des objekthaften Denkens. Alles scheint erklärlich zu sein. Da ist ein Objekt: Ein Ich! Mia san doch mia, oda net? Ich kenne mich doch selbst!! Andererseits ist gerade das Ich letztlich unbeschreiblich, unerklärlich, rätselhaft, in seiner Tiefe paradox.

Was dem materialistischen Denker entgeht, ist die Beobachtung, dass jeder Gedanke kreativ ist, und die Tiefe des Körpers vergrößert, auf den er sich richtet. Das bedeutet: Aus spirealistischer Sicht hat das Ich nicht von vornherein eine Tiefe, sondern es gewinnt sie, durch jeden Gedanken. Und das ist im wahrsten Sinn des Wortes Unendlichkeit. Die Unendlichkeit – sie entsteht durch die Kreativität der Gedanken!

Die Annahme, da wäre in jedem Moment ein in sich abgeschlossenes Objekt, das ist das Wesen des objekthaften Denkens.

4

Ich hatte im vorigen Abschnitt vom Ich-Universum gesprochen. Und es gibt, so viel weiß der Leser sicherlich, jene hermetischen Grundsätze, die insbesondere dem Spirealismus wichtig sind: Wie oben so unten. Wie innen so außen. Alles ist Geist. Das bedeutet: Alles unterliegt den Grundprinzipien des Geistigen.

Was wir über das Ich-Universum sagten, gilt genauso für das Universum des Außen. Und umgekehrt, denn im Grunde ist „das Universum“ nichts anderes als ein Ich.

Je länger wir unsere Gedanken auf den Raum richten (übersetzt: je tiefer wir in den Welt-Raum hineinschauen, je genauer wir auch den Mikrokosmos untersuchen), desto tiefer wird er. Ein Ende können wir nicht erreichen. Er ist unendlich, sowohl in der Richtung der Verkleinerung wie auch der Vergrößerung. Dennoch erscheint uns der Raum stets als endlich. Als abgeschlossenes Objekt. Es ist DER Weltraum – ein Objekt, oder nicht? Es ist DER Mikrokosmos – ein Objekt mit endlichem Raum darin … oder nicht?

5

Objekthaftes Denken, bezogen auf das Ich-Universum, könnte man auch in Folgendem sehen: Der eigentlich paradoxen Sichtweise auf das Selbst, das stets geschlossen, vollständig und rund wirkt.

Vermisst das Kleinkind an seinem Ich-Universum etwas? Nein. Vermisst der Dumme gegenüber dem Klugen irgendetwas? Nein. Was weiß man darüber, was man nicht weiß? Eben: Nichts! Ich hatte dies oft als die paradoxe Sichtweise des Materialismus auf das Nichts thematisiert. Das Nichts erscheint dem materialistischen Denker dem Sinn nach wie die Abwesenheit von Etwas, somit verdinglicht, und somit eingrenzbar. Doch, das Nichts ist nicht verdinglichbar, denn es ist nicht eingrenzbar. Das Nichts ist daher nicht wenig, sondern sehr viel. Anders gesagt: Das Nichts ist nicht die Null unseres materialistischen Weltverständnisses.

Zurück zum Ich … Immer glauben wir ein vollständiges Objekt vor uns zu haben: ein Ich. Was mangelt dem Ich? Nichts. Doch, und das ist das Faszinierende: In dieses Ich kann man hineinzoomen – wie in die Unendlichkeit des Weltalls. Man findet darin kein Ende. Da, wo vorher wenig war, ist plötzlich mehr! Aus sich selbst heraus! DAS ist die Verbindung zur Unendlichkeit.

Wenn jetzt etwas wegfiele, dann könnte man sagen, dass es mangelt. Aber – wie groß sind die Bereiche, die nie „da“ waren? Wie viel ist das, was man nie begriff? Unendlich groß, nicht bezifferbar, riesig. Nicht klein. Nicht Null.

5 a)

Die vollständige Rundheit des Bewusstseins und die damit einhergehende Vermutung, dass es außerhalb dessen nichts Vernünfiges geben könne (Paradoxie des Nichts), finden wir wieder im Anthropozentrismus, also der stetigen Annahme des Menschen, Dreh- und Angelpunkt aller vorstellbarer Welten zu sein. Wobei „alle vorstellbaren Welten“ natürlich nur die Welten der dem Menschen eigenen Vorstellungen sind. Auch hier sehen wir wieder „die Menschheit“ als abgeschlossenes Objekt, das ganz eigenständig denken kann; und nur auf diese Weise kann es schließlich sein, dass sich die Menschheit als völlig von der sie umgebenden Natur abgehoben sieht – aus der Sicht des Menschen sogar: hervorgehoben.

Was natürlich nicht der Fall ist. Die Phantasien des Menschen verschmelzen mit denen der Natur und sind von diesen nicht unabhängig vorstellbar, ebenso wenig wie das Denken des Einzelnen in sich abgeschlossen ist und unabhängig von den Gedanken des Anderen wäre. ( als ein Stichwort seien hier „Archetypen des Unterbewussten“ genannt.)

6

Wir finden objekthaftes Denken in einem Phänomen, das man ebenso gut als Oberflächlichkeit beschreiben könnte. Es ist der materialistische Glaube, dass Worte in sich abgeschlossene Bedeutungsentitäten sind. Das sind sie in Wirklichkeit nicht. Jedoch suggeriert eben das die materialistische Weltanschauung, indem sie davon ausgeht, dass Worte die bestmögliche Beschreibung für feststehende „Objekte des Außen“ sind, die ihrerseits Sinn und festes Sein in die Welt hineinbringen.

Dem Spirealisten hingegen, der vom Nichtvorhandensein solcher Objekte ausgeht, ist völlig klar, dass Worte nie zu trennen sind, von der Vorstellung, von der Phantasie, von der Imagination, die bei ihrem Gebrauch auftreten. Und dass Worte daher von Mensch zu Mensch verschieden aufgefasst werden müssen. Sie können also niemals genau dasselbe bezeichnen, wenn sie verschieden aufgefasst werden.

Ein Beispiel: Neulich sah ich im Fernsehen eine Diskussion. Ein Professor erklärte, die Nationalsozialisten (Nazis) seien in Wirklichkeit Linke gewesen, nicht Rechte des heutigen Verständnisses. Die Moderatorin sagte, man wolle sich nicht in Detailfragen verlieren, das sei nebensächlich(!). Sondern man wisse ja, was gemeint sei, wenn man „Nazi“ sage: Die Braunen eben. So als ob das nun mehr erkläre.

Nun sagt der Spirealismus: Nein, das weiß „man“ nicht. Niemals ist irgendeine Sache zu trennen von dem Verständnis, das man für sie hat. Daher lohnt es sich, das Verständnis zu hinterfragen. Es lohnt sich, über Worte und ihre Bedeutungen nachzudenken, insbesondere solange man den Menschen als eine Art Könner des Geistigen ansieht.

An Worte orthodox zu glauben in dem Sinn, sie hätten eine in ihnen liegende Bedeutung, die jeder sehen würde, sehen müsse – dieser Glaube macht es scheinbar überflüssig, Worte zu hinterfragen, ihren Sinngehalt zu prüfen. Dieser orthodoxe Glaube an Worte ist leider sehr verbreitet, auch bei Leuten, die man vielleicht für klug halten möchte, wie man sieht. Und man kann eine solche Aussage wiederum nur an ein Publikum richten, welches das ebenfalls glaubt. Der Glaube an die Eindeutigkeit von Worten ist ebenso verbreitet wie die materialistische Weltanschauung mit ihrem Glauben an die Eindeutigkeit der Objekte.

Das objekthafte Denken macht es zu einer scheinbaren Selbstverständlichkeit, stets an ein völliges Wortverständnis zu glauben, egal wie wenig Substanz dieses Verständnis in Wirklichkeit beinhaltet.

7

Weiter zu objekthaftem Denken als die Vorstellung stets abgeschlossener Objekte, bezogen auf Worte und Sprache ….

das ist etwas, an dessen Widersprüchlichkeit sich ganze Generationen von Wissenschaftlern und Philosophen abgearbeitet haben.

Man denke an Wittgenstein und seine Frage nach der Übersetzbarkeit von Text von einer Sprache in die andere. Dem Spirealisten ist klar, dass jedes Wort im Bewusstsein verschiedener Menschen verschiedene Phantasien auslöst. Und auf die Vorstellungen kommt es dem Spirealismus an! Denn er sagt: Was wohl anderes können die Dinge sein, wenn nicht unsere Vorstellungen von ihnen?

Wem das aber nicht klar ist, der fragt sich, so wie Wittgenstein, wie man das Wort „übersetzen“ denn wohl verstehen dürfe, wenn es nicht eine 1:1 Gleichung sei? Dem folgt als logische nächste Frage, wie denn wohl die Abweichung zu quantifizieren sei? Wie kann man sie bemessen? Und … man begibt sich ins Reich des Irrationalen, des Nicht-enden-wollenden-Grübelns. Nicht enden wollend, weil: Man kann nicht die Vorstellungen im Kopf eines anderen bemessen, wenn ein Wort gebraucht wird. Und über Vorstellungen reden wir letztendlich … Die Welt als Vorstellung einer Welt.

Man denke auch an Sokrates und seine Gespräche über die einfachsten Worte, die stets in einer unerklärlichen Rätselhaftigkeit endeten.

Wenn ich hier von Irrationalität spreche, so sage ich das in aller Achtung, denn am Ende ist es tatsächlich so: Es ist irrational, es ist nicht zu ergrübeln. Wie gesagt: die Abweichungen sind nicht ermittelbar. Das Ding „an sich“ (Kant) ist nicht zu ergrübeln.

 

 

Das ist letztlich dieses Paradox, das ich „objekthaftes Denken“ nenne, und das mir zugleich Frage und Antwort ist. Es ist die Beschreibung einer fundamentalen Tatsache.

Im Spirealismus nenne ich das Phänomen des objekthaften Denkens übrigens auch die „semantische Natur der Dinge“, wodurch die Einheit von Wort und Vorstellung von einem Ding gekennzeichnet wird. Die „semantische Natur der Dinge“ ist es, dass, auch wenn wir glauben die Dinge seien in sich abgeschlossen, sie es nicht sind.  Vielmehr sind die Dinge, ebenso wie die Worte, Vorstellungen – und damit, wie Semantik – eine sich im Unendlichen verlierende Kette von Sinn-Relationen.

8

Das Vorgenannte wiederum könnte man transformieren in die letztlich unzutreffende Annahme, dass jemand, ein Wort gebrauchend, eine ganz bestimmte Vorstellung in jemand anderem auslösen kann, und zwar genau die, die er selbst hat.

Und umgekehrt ebenso: Die Vorstellung, dass jemand, wenn er spricht, dieselbe Vorstellung im Kopf habe wie man selbst.

Ich besprach das bereits unter Punkt 6 – der schlichte Glaube an stets abgeschlossene Objekte, an eine in sich geschlossene Wahrheit, an Worte die einen selbstverständlichen Sinn einschließen, etc., etc.. Man könnte das auch als eine Oberflächlichkeit sehen.

9

Einstein, der Finder von Relativität in Entitäten, deren grundsätzliches, eigenständiges, völlig ungestörtes VORHANDENSEIN vorher als sicheres Wissen galt, wurde einmal gefragt, was man denn machen solle, wenn sich die verbliebenen festen Entitäten ebenfalls als relativ herausstellten? Beispielsweise die Lichtgeschwindigkeit?

Pragmatiker, der er war, sagte er, dann müsse man etwas anderes finden, das man als statisch und gegeben ansehe.

Das ist objekthaftes Denken. Was anderes können wir tun, als Dinge sehen? Scheinbar in sich abgeschlossene Entitäten? Wenn wir keine 1 zum Rechnen hätten, mit welchen Zahlen könnten wir rechnen?

Nikola Tesla sagte einmal: „Wenn Du die Geheimnisse des Universums finden willst, dann denke in Formen von Energie, Frequenzen und Schwingungen.“ Das finde ich richtig. Diese Energie, Frequenzen und Schwingungen lassen ein Bild von sich stets ändernder Relativität entstehen, was die Sichtweise des Spirealismus ist. Und die große Frage ist aus meiner Sicht, inwieweit es dem Menschen überhaupt möglich ist, den Zustand einer Welt als etwas anderes als den Schnittpunkt von Energie, Frequenzen und Schwingungen in einem Moment festzustellen?? Kann man die Welt anders sehen, als objekthaft?

Ich denke, es ist nicht möglich. Denn, dass die Welt alles ist, oder alles sein könnte – das ist unkonkret. Es ist keine Antwort auf irgendeine Frage. Das ist letztlich keine Welt. Daher muss die Welt konkret sein, und sie wird durch uns konkret. Der Mensch als Element der Schöpfung, nicht ihr Beobachter.

Jedoch kann man den hier dargestellten Zusammenhang feststellen, ihn verstehen und nutzen. Und das ist eine Frage der Weltanschauung.

10

Man denke an die Frage der alten Griechen nach dem Atom – ich sehe das als ein Phänomen des objekthaften Denkens. Wie kam man darauf, es müsse ein Atom geben, also eine nicht weiter spaltbare Entität, aus der sich die Natur aufbaut?

Das kommt daher, dass man feste Dinge des Außen sieht, in sich geschlossene Objekte. Und man nimmt von diesen Objekten sicher an, dass sie sich wiederum aus ganz festen und bestimmbaren Teilen zusammensetzen.

Wenn man nun dieses Teilen und Wiederteilen in alle Ewigkeit fortführte, dann würde man doch auf nichts Bestimmtes treffen können, nicht wahr? Endlosigkeit heißt so gesehen: Namenlosigkeit. Verschwommenheit, Nicht-Objekthaftigkeit. Doch, die Welt, so scheint es uns, besteht doch aus bestimmbaren Dingen, aus Objekten! Das ist doch das Wesen des objekthaften Denkens!

Also muss all das Teilen irgendwo ein Ende haben. Man nannte es Atom – das nicht weiter spaltbare Element, aus dem die Dinge sind. Und man stellt heute fest: das Atom ist teilbar, so wie der Gedanke (Punkt 1), so wie die Wellen und die Energie des Nicola Tesla, die letztendlich keine festgefügte Form haben.

10 a)

„Das Teilen muss ein Ende haben“ – auch das ist ein Aspekt des objekthaften Denkens. Alles muss ein Ende haben. Alles muss einen Anfang haben. Man denke an unsere eingrenzende Auffassung von Leben als die Mitte von Geburt (Anfang) und Tod (Ende). Alles sehen wir als bestimmbar, als eindeutig, als eingrenzbar. Das ist objekthaftes Denken. Und doch ahnen wir, dass wir hier nur einen Aspekt sehen können. Denn in uns sind die Grenzen, die wir im Außen als gegeben annehmen, im Detail aber vergeblich suchen. Durch uns entstehen sie.

10 b)

Genau dasselbe Paradox des Mikrokosmos mit seinen angenommenen Atomen begegnet uns übrigens im Makrokosmos – in der Unendlichkeit des Weltalls unter der gleichzeitigen Annahme, beim Weltall handele sich um eine in sich abgeschlossene Entität, woraus dann wieder die erfolglose Unterscheidung folgen soll zwischen Dingen die es gibt, und anderen, die es nicht gibt.

Es geht hier also um den von mir oft besprochenen Existenzbegriff (Sein) des Materialismus, der zu den paradoxesten Annahmen führt (weshalb er vom Spirealismus negiert wird).

(Wir erinnern uns an die paradoxe Frage nach der Anzahl Romane schreibender Affen in einem unendlichen Weltall. Kann es sie geben? Aber ja, sofern die Wahrscheinlichkeit für einen Affen, der auf einer Schreibmaschine Tasten drückt, über Null ist. In einem unendlichen Weltall muss die Anzahl maschineschreibender Affen unendlich sein, und es gilt dann als sichere Annahme, dass dabei auch einmal ein guter Roman herauskommen muss. Oder vielleicht die Bibel …. ).

10 c)

Wir brauchen aber nicht unbedingt in die Tiefen des Makro- oder Mikrokosmos zu gehen, und damit in etwas scheinbar sehr Fernliegendes, um dieses Paradox anzutreffen, sondern wir können jedes Ding ansehen. Ich verweise insofern wieder auf Punkt 2.

Grundsätzliche Überlegung

Aus dem Vorgenannten ergibt sich für mich ein Grundprinzip des Denkens, das in Einklang steht mit uralten religiösen und auch esoterischen Motiven. Mit Esoterik meine ich übrigens nicht die Profession der Wahrsager und Heilsbringer, sondern Esoterik als „Geheim“-Wissenschaft, letztlich eine Art metaphysische Philosophie.

Es geht um ein Grundprinzip des Denkens, das jeder an sich beobachten kann.

Das Grundprinzip des Denkens nenne ich die Eigenschaft, dass das Denken den grundsätzlichen Unterschied zwischen dem Einen und dem Anderen konstruiert, und dadurch Entitäten erschafft. Das ist das Grundprinzip des objekthaften Denkens. Es geht um die Bildung eines Unterschiedes. Ohne den Unterschied keine Objekte. Es scheint so, als seien die Objekte in sich abgeschlossen und voneinander getrennt. Aber, wenn ich sage, dass die Objekte nur durch den Unterschied SEIN können, so sieht man schon, dass die Objekte einander bedingen, und keineswegs voneinander getrennt sind.

Als Symbol kennen wir das: Es ist die Einheit und zugleich Verschiedenheit von Yin und Yang.

Man kann es auch als die Einheit und den gleichzeitigen Kampf von Gegensätzen bezeichnen (Hegel).

Es handelt sich auch um das Verhältnis des Teiles zum Ganzen (Heisenberg). Denn, wenn es um das Wesen der Objekte geht, dann geht es natürlich auch darum, wie diese sich bilden, und damit um die Frage des Aufbaus den Einen durch das Andere.


Yin und Yang [SPID 4000]

Wie im Yin Yang Symbol ist die Welt im Wesen rund, denn sie ist nur erfahrbar aus der Sicht eines Elementes (Bewusstsein, Ich, Ich-Universum) das sich stets in der zentralen Position glaubt. Um das Element herum entfaltet sich der Raum.

Das Ganze besteht aus untrennbaren Gegensätzen, in diesem Fall Yin und Yang genannt. Das Besondere an diesem Symbol ist die Weisheit der Untrennbarkeit, die darin liegt. Yin und Yang erscheinen wie absolute Gegensätze, wie schwarz und weiß, die einander widerstreben. Und sie widerstreben tatsächlich, sie kämpfen, sie hadern; definieren sich aber auch gegenseitig, und zwar durch einander. Sie definieren sich als der Unterschied. Daher können sie ohne einander nicht sein! Sie lieben sich auch: Sie nähern sich scheinbar immerfort einander an. Sie sind sich nahe, auch wenn man glaubt, es seien die größten Gegensätze.

Yin und Yang sind die Ergebnisse des objekthaften Denkens. Und auch das Ganze wird wiederum als Objekt aufgefasst (man denke an DIE Welt, DAS Weltall)

Es sind eben eigentlich keine abgeschlossenen Entitäten, sondern einander bedingende. Weil sie sich bedingen, ändern sie sich stetig, sind also keineswegs fest. Auch dieses Zerfließende drückt das Yin-Yang Symbol aus. Wir denken wieder an Nicola Tesla und seine Energie, Frequenzen, Schwingungen. Ohne Yin kein Yang. Ohne Yang kein Ying. Ohne Yin und Yang keine Welt.

 

Ouroboros, Oroboro [SPID 3981]

Die Dinge be-Dingen einander. Kein Ganzes ohne Teile, keine Teile ohne Ganzes. Daher sind die Teile nie völlig durch sich selbst definiert, wie es der Materialismus glaubt. Es gibt nichts Einzelnes! Denn: Ohne das Eine kann das Andere nicht sein.

Ganz wie beim Ouroboros, ebenfalls ein Symbol für das Wesen der Welt. Man beachte seine Rundheit, ebenso Zeichen für das Göttliche wie das Yin-Yang Symbol. Der Ouroboros nährt sich selbst, indem er seinen eigenen Schwanz auffrisst. Ohne Ouroboros keine Nahrung. Ohne Nahrung kein gefräßiger Kopf. Ohne Nahrung und Kopf kein Ouroboros.

Die Welt ensteht aus sich heraus – das nicht weiter erklärbare Prinzip der Objekthaftigkeit. Die Objekte wirken einerseits völlig erklärlich und eben „da“, sind es aber nicht. Sie bedingen einander und können aus sich heraus immer neu, immer anders, entstehen. Und: kann es einen Ouroboros geben, der nur den fressenden Kopf hat, aber keine Nahrung? Was ist überhaupt etwas, das keinen Körper, keinen Gegenstand hätte? Kann es das Ganze geben, wenn keine Teile darin sind? Kann es Teile geben, ohne dass sie ein Ganzes bilden? Kann es Raum geben ohne Sterne? Etc. etc..

So sind die Teile nie völlig eigenständige Objekte, die das Ganze bilden, und das Ganze hängt nicht in eindimensional schlüssiger Weise von den Teilen ab. Auch wenn das die gängige Art und Weise unseres Denkens, unserer Logik ist.

Man denke beispielsweise an eine Mauer – wird sie denn nicht von Mauersteinen gebildet? Ja und nein – es ist eine Frage der Sichtweise. Eine Mauer erklärt sich nicht einfach als die Summe von Ziegelsteinen. Sondern, sie ist (auch) etwas grundsätzlich anderes. Anders als ein Ziegelstein kann eine Mauer jemanden daran hindern, ein Grundstück zu betreten. Und umgekehrt: eine Mauer kann man nicht fallen lassen oder damit werfen, ganz anders als bei einem Ziegelstein.


Dass wir Objekte sehen, das ist objekthaftes Denken. Und Denken ist alles, denn alles ist Geist. Alles unterliegt dem Prinzip des Geistigen.

Dass wir glauben, die Objekte die wir sehen seien in eindeutiger Art und Weise in sich definiert, dass sie unabhängig von Geist vorhanden seien, das ist noch etwas anderes. Das ist Materialismus.

Materialismus kann man überwinden, beispielsweise indem man sich des objekthaften Denkens bewusst wird. Das objekthafte Denken kann man nicht überwinden.

Den Begriff „objekthaftes Denken“ zu verstehen entspricht der Wahrnehmung, dass die Wirklichkeit aus und durch uns hindurch „fließt“. Dass die Objekte keine unverrückbar in sich ruhende Logik bergen, sondern auf zerrinnende Weise mannigfach sind; bis in die Unendlichkeit, bis ins Nichts.

Objekthaftes Denken was last modified: Mai 10th, 2018 by Henrik Geyer

Über die Intelligenz einer Harke

„Kann künstliche Intelligenz die Menschheit vernichten?“ Mein Sohn stellte mir neulich diese Frage.

Ich antwortete: „Ja!“ Denn ich meinte, dass Intelligenz definitionsgemäß das Unerwartete hervorbringen muss. Nur etwas sehr Eingegrenztes von Intelligenz zu erwarten widerspräche meiner Auffassung, was Intelligenz auszeichnet. (denn das hieße im Umkehrschluss, dass wir, während wir von Intelligenz sprechen, etwas Nicht-Intelligentes erwarten: nämlich eine Reaktion wie von einem Papagei – der etwas Bekanntes nachplappert.)

Mein Sohn aber hatte auf Youtube ein Video gesehen, das darlegte, dass finstere Kreise das Ende der Menschheit betreiben, und zwar mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Er wollte eigentlich wissen, ob das Video Recht hatte. Das nun wieder konnte ich nicht beantworten, denn ich kenne diese finsteren Kräfte nicht.

Ich sah mir das Video an und ärgerte mich über dessen platte Aussagen über „Denken“, „Intelligenz“, „Programmieren“. Künstliche Intelligenz sei die Programmierung kluger Computerfachleute, die es schaffen, eine „selbst denkende“ Maschine hervorzubringen, hieß es da. Die wirklich interessanten Fragen wurden nicht angesprochen. Was ist Intelligenz? Was erwartet man von ihr?


Zunächst einmal sind „Intelligenz“ und „Maschine“ doch Gegensätze des Verständnisses! Weil eine Maschine der Inbegriff des Re-Produzierens ist, und immer gleiche, vorhersagbare, Ergebnisse zeitigt. Ganz anders als Intelligenz. Auch der Begriff „selbst denken“ erfordert für mich genaueres Überlegen. Z.B.: kann denn ein Mensch etwas hervorbringen, das von ihm ganz getrennt zu sehen ist? Klares Nein.

Und, ist es tatsächlich so, dass eine Maschine nur reproduzieren kann, und in ihren Wirkungen ganz berechenbar ist? Eigentlich nicht, zumindest nicht im großen Bild. Jede Maschine ist auch kreativ! Ist denn die Welt, oder irgendein Detail in ihr, so vorhersagbar, wie wir immer glauben? Hängt alles was wir hervorbringen von unserem Willen ab, macht es immer das, was wir vorhersehen?

 

Alles ist eine Frage von Nuancen in einem Moment, denn alles fließt. Sieht man die Welt mit diesen Augen, dann verliert künstliche Intelligenz ein wenig von ihrem rätselhaften Schrecken. Was macht sie, was will künstliche Intelligenz? Will sie etwa etwas anderes als wir?? Man muss dann umgekehrt fragen: was wollen denn wir? Ist das so berechenbar für uns selbst? Sind wir selbst nicht Elemente von etwas, das sich aus unserer Sicht niemals völlig erklärt?

Diese Sichtweise entzaubert wie ich finde aber auch ein wenig die Sichtweise auf das menschliche Wollen, die menschliche Intelligenz, die menschliche Autonomie …

die Intelligenz einer Harke

Künstliche Intelligenz beginnt bereits bei einer Harke. Sie ist künstlich, denn sie ist menschengemacht. Aber inwiefern ist sie intelligent? Kann man ihre Intelligenz an ihren Wirkungen ermessen, wie man das bei Menschen tut? Ja, anders kann man das nicht überprüfen. Also: Welche Wirkungen kann die Harke hervorrufen?

Eine Harke trägt die Anwendbarkeit auf ein bestimmtes Thema in sich. Man kann damit in kurzer Zeit den Garten von Laub befreien. Eine Harke ist aber auch kreativ. Welcher Garten wann und wie von Laub gereinigt wird, das sagt die Harke nicht. Überhaupt redet sie nicht viel. Vielleicht lässt sie lieber Taten sprechen.

Man kann mit der Harke auch eine Rohrverstopfung lösen, indem man sie umdreht und den Stiel als Stößel benutzt. Man kann mit ihr einen Ball aus dem Geäst eines Baumes holen. Ganz wie künstliche Intelligenz aus dem Computer gibt uns die Harke unerwartete Antworten, einfach, indem sie da ist.

Sie erhöht die Produktivität, und ihre Ergebnisse sind letztlich unvorhersagbar. Nur als Beispiel: Während der Mensch ohne Harke seinen Garten vielleicht unaufgeräumt ließe, oder den ganzen Tag mit dem Aufsammeln von Blättern per Hand beschäftigt wäre, kann er in seiner durch die Harke gewonnenen Freizeit das Ziel der Krebsheilung angehen. Oder aber, für den ersten Fall, dass er den Garten Garten sein ließe – dann wäre die Welt des Menschen Welt eine andere. Sie wäre in einem Teilbereich natürlicher, bizarrer … und auf andere Weise schön. Der Mensch diesmal aus anderer Perspektive: Nicht als Ausgangspunkt einer Wirkung, sondern als Auswirkung …

Nebenbei gefragt: Hat eine Harke einen „Willen“? Das könnte man so sehen. Denn Wille ist für mich eine innere Vorbestimmtheit, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit zu einer Wirkung führt. Das wäre für die Harke gegeben; sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit harkend anzutreffen sein – zu harken als ihr „Wille“. So wie ein Mensch, der auf Grund seiner innerlichen Überzeugungen zu dem Schluss kommt, es sei wichtig für eine Sache zu kämpfen – wo wird man ihn mit großer Wahrscheinlichkeit antreffen? Im Kampf für diese Sache. Und man wird sagen: „Der will das so!“ Der Mensch selbst wird sagen: „Für die Sache zu kämpfen, das ist mein Wille.“ Die Schweigsamkeit der Harke ist hier der wesentliche Unterschied. Man wird einwenden, die Welt des Menschen sei komplexer, er will vieles und tut vieles, aus sich heraus. Das gilt für die Harke auch – je nach Welt in die sie geworfen ist, wird sie vieles wollen, man wird sie vielleicht auch antreffen bei der Rohrreinigung, beim Befreien eines Balles … Manchmal ruht sie sich einfach auch nur aus. Tut sie das aus sich heraus? Ja … Neei … weiß nicht. Tut der Mensch die Dinge nur aus sich heraus? Genauso. Eine Frage der Sichtweise.

Natürlich wird man einwenden, die Harke habe keinen Willen, denn sie handelt ja nicht selbst und nicht eigenständig, im Gegensatz zum Menschen. Aber das wäre ein Einwand, der auf die Frage selbst zurückführt – die des (eigenständigen) Willens. Und was wäre Wille, wenn nicht eine unabhängige und eigenständige Kraft? So verstehen wir Willen. Dass es aber letztlich nichts Eigenständiges gibt, auch keinen Menschen, darauf komme ich gleich.


Das bedeutet, auch eine Harke arbeitet nicht eindimensional, ihre Wirkungen sind unübersehbar. „Arbeitet“ die Harke überhaupt? Die Harke arbeitet doch nicht selbst, sondern der Mensch muss sie gebrauchen! Künstliche Intelligenz eines Computers hingegen arbeitet autonom, denkt selbst nach!

Ich möchte jetzt die Sichtweise umkehren, und nicht die Harke anschauen, sondern den Computer.

Ist er autonom? Kann er ohne uns auskommen? Adressiert er etwas anderes als eine menschliche Thematik? Kann er uns Fragen beantworten, die über unser Verständnis hinausgehen?

… Autonomie, bezogen auf Intelligenz, das wäre das Stellen ganz eigener, von uns unabhängiger Fragen, und die Beantwortung solcher Fragen. Also etwa das, was ein Vögelchen tut, wenn es, von uns völlig unverstanden und unabhängig, durch die Luft zwitschert, und damit Probleme löst oder auch erschafft, die wir nicht kennen und nicht bemerken. Das wäre ein Beispiel für weitgehende Autonomie, nur mit dem kleinen Makel, dass es von uns nicht völlig autonom ist, denn wir hören das Vögelchen ja noch, bilden uns eine Meinung, fangen das Vögelchen. Aber: Meinen wir, wenn wir von autonomer Intelligenz sprechen, ein Vögelchen? Nein. Sondern, wir meinen, merkwürdig genug, ausschließlich Intelligenz, die unsere eigene Intelligenz adressiert. Alles andere IST für uns keine Intelligenz.

Merkwürdig übrigens auch folgender Gedanke: Auf diese Weise werden wir natürlich keine höhere Intelligenz als die eigene bemerken. Und das ist es auch, was meiner Ansicht nach stets und ständig zu sehen ist, im einzelnen Menschen, wie auch in der Gesamtheit. Die uns umgebende Intelligenz nennen wir „tot“, „nicht-denkend“. Oder bei Tieren: „nicht richtig intelligent“. Welche Egozentrik! Eine höhere Intelligenz stellen wir uns immer so vor, dass sie uns gegenüber irgendeine Meinung haben müsse, uns helfen wolle, oder uns vernichten. Eine uns völlig indifferent gegenüberstehende Intelligenz ist uns unsichtbar.

Doch zurück zum Computer. Computer-Intelligenz kann uns nur Fragen innerhalb unseres Verständisses beantworten. Eine Antwort außerhalb unseres Verständnisses wäre uns keine Antwort. Denken wir an den Supercomputer in „Per Anhalter durch die Galaxis“. Gefragt nach dem Sinn des Lebens kam er nach Jahrzehnten mit der Antwort: 43! Also Quatsch. Oder: Sinnvoll in einem Kontext, den wir nicht kennen. Man kann es auch so sehen: Alles, was wir irgendwie auffassen, adressiert auch unser Verständnis. Insofern spielt sich eine Kommunikation per se innerhalb eines bestimmten Verständnisraumes ab; und das uns völlig Fremde wäre gleichzusetzen mit dem uns Unbekannten.

Computer-Intelligenz ist nicht völlig autonom, denn sie wird definitionsgemäß vom Menschen erschaffen, so wie jedes menschliche Werkzeug, z.B. eine Harke.

Künstliche Intelligenz ist geschaffen um unsere Fragen zu beantworten, sie ist bereits dem Sinn nach an die menschliche Welt gebunden, und damit nicht autonom. Sie ist kreativ wie die Harke, denn, wenn uns KI nur sagen würde, was wir schon wissen, würden wir sie nicht „intelligent“ nennen. Und auf diese Weise ist ja auch eine Harke kreativ … sie beantwortet uns Fragen, die wir nicht kannten, als wir die Harke herstellten. Warum eigentlich nennen wir die Harke dumm?

Wir sind nicht gewohnt, die Natur als intelligent zu sehen.


Künstliche Computerintelligenz ist auch insofern nicht eigenständig, als sie, wie die Harke, die Bedienung durch den Menschen erfordert. Füttert man die Maschine nicht mit Strom, geht sie aus. Fragt man sie nichts, ist sie bedeutungslos und man bemerkt sie gar nicht. Da könnte sie noch so intelligent sein, diese Intelligenz. Der Mensch muss den Computer füttern, er muss mit ihm interagieren bzw. ihn nutzen, so, wie er die Harke nutzt.


Angenommen KI würde in Form von „völlig autonomen“ Robotern ein Eigenleben auf der Erde führen, würde den Menschen vielleicht bekämpfen oder mit ihm partnerschaftlich zusammenleben – wären diese Roboter wirklich „völlig autonom“?

Das wäre jedenfalls nicht die Sichtweise des Spirealismus, denn hier wäre immer noch dieser Dialog. KI würde Fragen für den Menschen aufwerfen, die Antworten erfordern. Und umgekehrt. Die Intelligenz läge in der Interaktion – in der Kommunikation. Intelligenz hier ganz wertfrei verstanden: als eine Frage, die sinnvolle Antworten hervorbringt.

 

Spirealistisch gesehen ist alles nur eine Relation. Das lässt jedes Wort in einem anderen Licht erscheinen. Ich will daher einige Definitionen nachschieben.

„Sinnvoll“ hieße: Mit Bezug auf einen gegebenen Bedeutungsraum.

„Intelligenz“: Sinnvolle Kommunikation/Interaktion. Hier ist also die Anknüpfung an die spirealistische Grundaussage „alles ist Geist“, oder „in allem ist Geist“. Der Geist liegt in der Natur, in allem! Wir suchen vergebens, wenn wir den Geist nur im menschlichen Hirn verorten wollen, sondern, Geist liegt in der Kommunikation. Geist ist z.B. unsere Interaktion mit der Natur. KI wiederum sucht man vergeblich in einem Computer, wenn man nur ihn anschaut; um die Intelligenz der KI zu finden muss man die Kommunikation ansehen.

„Autonom“ .. das ist schwierig. Völlig autonom in dem Sinn, dass es mit uns Menschen nichts zu tun hat, das gibt es nicht für den Spirealismus. Denn alles was wir sehen können hat auch mit uns etwas zu tun. Geist, Intelligenz, das ist Kommunikation. Kommunikation ist Relation. Kommunikation erfordert mindestens zwei. Das Einzelne gibt es nicht. Jeder Satz entfaltet nur dann Sinn und bekommt eine bestimmte Aussage, wenn er gehört wird. So gesehen, ist Unabhängigkeit, Autonomie, eine Sichtweise. Wie immer eine Frage von Nuancen, von stärker und schwächer.

 

 

 

 

Über die Intelligenz einer Harke was last modified: März 15th, 2018 by Henrik Geyer

Bewusstsein und Materie

Wo ist die Grenze zwischen Bewusstsein und Materie?

Wer noch nicht an sich selbst beobachtete, dass die Wandlung einer inneren Auffassung von etwas dieses Etwas selbst verändert, der nennt Menschen, die die Veränderung der eigenen Situation vom Glauben her angehen, vielleicht „Wunschdenker“. Die Vorstellung, mit Bewusstsein die Realität verändern zu wollen, nennt man „unrealistisch“. Man meint einen Kinder-Irrglauben im Anderen zu entdecken, hält das für naiv.

Ein Wort zu Glauben und Wissen, Bewusstsein und Materie

Man sieht nicht, dass es sich bei dem von der Religion gemeinten „Glauben“ aus der subjektiven Sicht nicht um einen Glauben, sondern um Wissen handelt. Nur als felsenfestes Wissen ist Glaube wirksam.

Der Glaube ist als Wissen entstanden, nicht als Wunsch, oder gar als Etwas-nicht-genau-Wissen.

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass Gedanken Realität besitzen, sogar die entscheidende. Die Frage ist nur: in welchem Maß lässt sich durch Bewusstsein die Realität beeinflussen? Das ist verbunden mit der Frage, was unsere Wirklichkeit in Wirklichkeit, eigentlich, im Grunde, in der Realität, ist?

Ist die Realität vielleicht der Gedanke an eine Realität … in uns? Oder handelt es sich bei der Realität um Objekte und Vorgänge außerhalb von uns, was beides eindeutig voneinander unterscheidbar machen würde??

Bewusstsein und Materie – wer kann genau unterscheiden?

„Ich weiß nicht, ob ich ein Mann bin, der träumt, ein Schmetterling zu sein, oder ob ich ein Schmetterling bin, der träumt, ein Mann zu sein..“

… dieses Zitat stammt von Dschuang Dsi, einem taoistischen Philosophen etwa 350 – 275 v. Chr.

Sind die Gedanken meines Wachseins genauso real wie die Gedanken meiner Träume? Was unterscheidet beides? Haben Gedanken überhaupt Realität? Scheinbar sind doch die Objekte des Außen, die materiellen Objekte, von einer ganz anderen Beschaffenheit, als Gedanken? Die Tische, die Häuser, die Sterne sind doch scheinbar so grundverschieden von den Gedanken, den Gedanken beispielsweise an Tische, Häuser, Sterne.

Wir erleben zwar ständig, dass Gedanken Realität werden – sich materialisieren, indem sich Dinge aus unserem Geist in der Realität umsetzen. Wir denken an einen Kaffee und haben im nächsten Moment einen Kaffee in der Hand, den wir trinken können. Und wir erleben auch ständig, dass äußere Objekte Gedanken werden, indem wir uns von den äußeren Objekten Begriffe bilden, die dann in unserem Geist existieren. Nur möchten wir etwas Grundverschiedenes, Gegensätzliches in Materie und Geist sehen. Oder besser ausgedrückt: wir sind es gewohnt, diesen Gegensatz zu sehen.

Die Verwandlung des Geistigen in etwas Reales erleben wir also ständig – es ist Normalität. Und doch sehen wir etwas so Gegensätzliches in Geist und Materie, in Phantasie und Realität. Irgendwo muss doch die Umwandlung von der Idee in Materie einsetzen und stattfinden. Wo und wann?

Wenn man sich einen Kaffee macht, dann wird aus dem Gedanken an einen Kaffee eine Tasse in der Hand! Etwas materialisiert sich. Der Gedanke wird zu Stoff, indem der Körper handelt, sich den Kaffee macht, Bewegungsenergie sinnvoll einsetzt, um den Kaffee zu machen – es handelt sich also zumindest um eine Umwandlung von Geist in Bewegungsenergie (nach Einstein ist Energie eine Form der Materie).

Die Welt ist bereits durch und durch geistig

Der Spirealismus vertritt die Auffassung, dass Materie unsere Sichtweise auf Information ist. Die Welt ist Geist, ist Information, und der Versuch unterscheiden zu wollen, zwischen Geist und Materie, ein künstlicher.

In meinen Büchern gehe ich der Frage nach, was die Dinge, die wir sehen, „wirklich“ sind. Was ist der Ursprung und das Wesens unserer Vorstellung von Realität? Was ist ein Objekt? Was ist Zeit und Raum? Wodurch ist die Realität definiert? Die Grenze zwischen Geistigem und Materiellem ist und bleibt weitgehend undefiniert.

Ausgangspunkt für meine Überlegungen war, dass ich am eigenen Leib erfuhr, dass eine Änderung der geistigen Disposition eine Änderung der Welt bewirkt. Meiner Welt immerhin …. aber auch der einzigen Welt, die ich kenne.

Geistig ist materiell. Die Grenze ist zwischen beidem ist eine Vorstellung. Eine Vorstellung des Geistes.

Bewusstsein und Materie was last modified: Juli 19th, 2016 by Henrik Geyer

C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein

kollektives Unterbewusstsein

Kollektives Unterbewusstsein – was ist das? In diesem Artikel geht es um die Weiterentwicklung der Vorstellung von Bewusstsein und Unterbewusstsein, ausgehend von den Vorstellungen Sigmund Freuds.

Lesen Sie auch: Beitrag ‚Das ES – Sigmund Freud und die Entdeckung des Unbewussten‘

Freud und Jung

C.G. Jung entwickelte die Freudsche Vorstellung weiter. Freud und Jung kannten sich gut. Freud wollte den jungen und talentierten Jung eigentlich als Erbe und Multiplikator seiner eigenen wissenschaftlichen Erkenntnisse gewinnen. Jung hätte dazu die Forschungen Freuds vorbehaltlos studieren und selbst weitertragen müssen. Doch Jung hatte eigene Vorstellungen. Er empfand beispielsweise die Fixiertheit Freuds auf das Sexuelle als falsch. Er sprach sogar davon, Freud habe diesbezüglich eine Neurose. Freud erwiderte das mit eben solchen „Freundlichkeiten“. Das mutet ein wenig komisch an, wenn man sich vorstellt, dass es sich um den Streit zweier Psychiater handelte.

Jung hatte auch nicht die Vorstellung Sigmund Freuds, die Aufgabe des Bewusstseins sei es, das triebhafte Unterbewusstsein unter Kontrolle zu bringen, und es sei umgekehrt auch nicht das Wesen des Unterbewussten, tierische Triebe unter Verschluss zu halten. Er sah die Gedanken des Bewusstseins einfach in den unbewussten Bereich übergehen. Eine besondere, streng vom bewussten Denken zu trennende Qualität, wollte er den unbewussten Gedanken nicht zueignen.

kollektives Unterbewusstsein

Was Jung darüber hinaus feststellte, war, dass es Bilder und Vorstellungen in allen Menschen gibt, die nicht erlernt werden müssen, sondern einfach so „da“ sind. Diese „Archetypen“ – das sind Urbilder der Menschheit, wie zum Beispiel der Weise, oder die Mutter, und viele mehr. Er nannte das kollektives Unterbewusstsein – kollektiv, weil alle dieses (Unter-)Bewusstsein haben, ohne sich verbal abstimmen zu müssen.

Das war auch Jung rätselhaft und interessant, weil es ja nicht mit der Vorstellung des Bewusstseins zusammenpasst, dass der Mensch sich im Bewusstsein erst selbst erkennt. Eigentlich war (und ist) die Vorstellung doch, das der Mensch schon materiell „da“ sei, und das Bewusstsein liefere ihm nun noch ein genaues Bild seiner selbst.

Schon die Entdeckung des Unterbewusstseins selbst war spektakulär. Der Mensch soll sich seines Selbst nicht recht bewusst sein …! Was wissen wir eigentlich NICHT über uns? 

Lesen Sie auch: ‚Was ist das Nichts? als Grundfrage der Philosophie.‘

Nun soll der Mensch im Geistigen auch noch einer gemeinsamen geistigen Quelle entspringen … ! Einer Quelle sogar, die er selbst nicht kennt.

Das war doch merkwürdig! Das sah also so aus, als würde das Bewusstsein (das Geistige) aus etwas geboren, das schon „da“ ist, genau wie der materielle Mensch. Demnach konnte es nicht stimmen, wenn man sich das menschliche Denken so vorstellt, als ginge es aus einem universellem Werkzeugkasten hervor, in Form eines hochentwickelten Gehirns, das individuell erst noch „programmiert“ werden muss. Sondern es schien eher so, als sei das Gehirn bereits programmiert, und zwar mit Inhalten, von denen der Mensch gemeinhin annimmt, er würde sie sich aus eigener Kraft und eigener Genialität selbst aneignen. Ist der Mensch vielleicht gar nicht so frei, wie er glaubt? Ist er wie programmiert?

 

Das Verhältnis des Bewusstseins zum kollektiven Unterbewusstsein ist in der folgenden Grafik abgebildet:

Kollektives Unterbewusstsein / Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer
Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer. Kollektives Unterbewusstsein als unsichtbare Verbindung zwischen den Menschen

 

Jung stellte sich das Bewusstsein vor wie Inseln, die aus dem Meer ragen. Sie scheinen getrennt, sind es aber nicht. Was die Inseln verbindet ist unsichtbar, weil es unter der Wasseroberfläche verborgen ist. Das, was Freud das Unterbewusstsein nannte, sah Jung in einen allgemeinen Bereich übergehen – geistige Inhalte, in denen alle Menschen verbunden sind (im Bild der Meeresgrund). Er nannte dies kollektives Unterbewusstsein.

In diesem kollektiven Unterbewusstsein finden sich Begriffe und Geschichten, die jeder kennt (intuitiv), und die nicht erlernt werden müssen. Jung stellte das fest, indem er Worte und Vorstellungen verschiedenster Völker miteinander verglich, und Gleichheiten erkannte.

Sind wir am Ende gar nicht einzeln, sondern wie Zellen eines Körpers, die zusammengehalten werden, von einem uns zusammen-zwingenden Band (kollektives Unterbewusstsein), das wir nur selbst nicht erkennen können?

Siehe auch: ‚Anthropozentrismus – seine Ursache und Funktion‘

C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer

Das ES – Sigmund Freud und die Entdeckung des Unbewussten

Sigmund Freud - das ES, die Entdeckung des Unbewussten / Die Ungeheur des "ES"

Im 20. Jahrhundert wurde das Unbewusste durch Freud quasi wiederentdeckt. Eigentlich nahm man an, dass das, was der Mensch denkt, auch das sein müsse, was es gibt, und die Welt des Menschen sei durch das bewusste Denken vollständig beschrieben. Das ES – die unheimliche Vorstellung einer Welt jenseits der Welt war geboren.

Ähnliches Thema: ‚Was wissen wir nicht? Kann der Mensch etwas NICHT wissen? Unwissenheit.‘

das ES steuert den Menschen

Freud entdeckte, dass der Mensch neben den Gedanken, die er bewusst denkt, auch Gedanken hat, die nicht in seinem Bewusstsein auftauchen, ihn aber dennoch bestimmen und handeln lassen. Das war sehr spektakulär, denn die Menschen dachten bis dahin (was sie wohl heute immer noch denken), das Bewusstsein sei alles, was ist. Sie wüssten also mit einiger Vollständigkeit, was die Welt ist. Und sie wüssten noch viel mehr und besser, was sie selbst sind.

Die Methode, mit der Freud diese Gedanken aufdeckte, war die Psychoanalyse. Also Gespräche über die Gedanken des Patienten, mehr oder weniger in der Form, dass der Patient über seine Erfahrungen und Träume spricht, und der Psychoanalytiker hört zu und analysiert.

Sigmund FreudFreuds Vorstellung vom Unbewussten war dabei (weiterhin), dass das Bewusstsein das Unbewusste dominiert und kontrolliert. So gesehen war Freuds Vorstellung lediglich eine Variante der schon vorher anzutreffenden Annahme, der Mensch überblicke und kontrolliere mit seinem Bewusstein eine äußerliche Realität.

Das Unterbewusstsein als der triebhafte Troll

Er sah das Bewusstsein, dieses gesellschaftlich akzeptierte, vornehme Gentleman-Bewusstsein, das den Menschen erst ausmacht, und ihn gegenüber der Tierwelt hervorhebt (von der Tierwelt nahm man als gesichert an, dort gäbe es kein Bewusstsein), als den Gegenspieler des Unterbewusstseins. Die Annahme war, dass sich die vielfältigen tierischen Begierden und Triebe des Menschen in das Unterbewusstein zurückgezogen hätten,  und nur im Ausnahmefall in das Bewusstein zu bringen wären – zum Beispiel eben durch Psychoanalyse.

Das Unterbewusstsein führe aber ein denkendes Eigenleben, und äußere sich auch im Handeln des Menschen – zum Glück bekomme der Mensch in der Regel davon gar nicht so viel mit.

Zu akzeptieren, dass das Denken des Menschen auch Anteile hat, von denen der Mensch nichts weiß, bedeutet allerdings auch, dass der Mensch sich von der Illusion trennen müsse, er könnte im Bewusstsein alle ihn bestimmenden Einflüsse nennen – eine Kontradiktion zum allgemeinen Denken, und zum Denken Freuds. Denn auch Freud glaubte ja an die Erkennbarkeit des Unbewussten (eben durch Psychoanalyse). Immerhin aber sagte er, dass sich der Mensch von der ihn überheblich machenden Vorstellung trennen müsse, „Herr im eigenen Haus“ zu sein.

Dass Freud mit dem Unterbewusstsein tierische Triebe verband, bezeugt die Tatsache, dass er in erster Linie alle möglichen sexuellen (Ab-)Artigkeiten im Unterbewusstsein suchte und fand. Am Anfang des 20. Jahrhunderts war das ein sehr weites Feld, da man von dem, was sich „schickt“, eine überaus strikte Vorstellung hatte.

Das ES in der Popkultur

Populäre Verarbeitungen der Sichtweise „das Unbewusste als das schreckliche Tier in uns“ trifft man im gesellschaftlichen Denken dieser Zeit an.

Beispielsweise im Film „Spellbound“ („Ich kämpfe um dich“) von 1945, in dem der von Gregory Peck gespielte Held seine vermeintlichen Untaten in das Unterbewusstsein verbannt hat. In den nicht erkennbaren und nicht benennbaren Bereich – das ES. Erst durch geschicktes Assoziieren gelingt es hervorzubringen, was der Held eigentlich die ganze Zeit schon „wusste“, jedoch nicht benennen konnte. Der surrealistische Maler Salvador Dali gestaltete für diesen Film eindrucksvolle Kulissen insbesondere der „Traumsequenz“.

In einem anderen Film, einem Science-Fiction-Film namens „Alarm im Weltall“ von 1956 geht es um einen Wissenschaftler namens Morbius, der in den Besitz einer außerirdischen Technologie kommt – diese kann Gedanken materialisieren. An dem Gerät einschlafend, werden die Ungeheuer seines Unterbewusstseins lebendig. Es sind im Film die Ungeheuer des ES. Diese Ungeheuer, durch Morbius erst geschaffen, bringen Mord und Verderben über ihn selbst und seine Familie. Also im Grunde eine Metapher für die Bösartigkeit und Allmacht des Unbewussten, wenn es „von der Leine“ gelassen wird.

Das Es – der Star

Star beider Filme ist das ES – die dem Menschen unheimlich anmutende Vorstellung, er sei von etwas anderem regiert, als den Inhalten des Bewusstseins. Denn man fragt sich ja dann: „Was ist eigentlich meine Realität? Was ist mein freier Wille?“

 

Weiterlesen: ‚C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein‘

Auch interessant: ‚Das Unbewusste als das Unbekannte‘

Das ES – Sigmund Freud und die Entdeckung des Unbewussten was last modified: Juni 5th, 2016 by Henrik Geyer

Das Unbewusste als das Unbekannte

Das Unbewusste als das Unbekannte

Ich möchte in diesem Artikel ein anderes Konzept für das Unbewusste darstellen. Das Unbewusste als das Unbekannte. Das Unbewusste als das, was wir nicht wissen, und aus systemischem Grund nicht wissen können. Das Unbewusste als Synonym für das Nichts.

Im hier vorgestellten Sinn ist das Unbewusste Ausdruck des spirealistischen Weltbildes. Der spirealistische Begriff des Unbewussten steht im Gegensatz zum materialistischen Begriff des Unbewussten, als erkennbar (und damit bereits erkannt).

Ähnliches Thema: Artikel ‚Materialismus – was ist das?‘

Das Unbewusste als das Unbekannte – wozu soll das gut sein?

Zunächst einmal zu einer Frage, die mir öfters begegnet. Wenn man schlicht sagt, das Unbewusste sei quasi einfach das Unbekannte, ist das nicht ein Rückschritt? Gibt man damit nicht Wissen auf, das man hat – nämlich das Wissen über das Unbewusste?

Ist das überhaupt Wissen, was der Spirealismus da ausdrückt, oder nicht einfach „Wissen, dass man nichts weiß“, was wiederum ziemlich überflüssig klingt?

Nein.

Erstens: Man gibt kein Wissen auf, denn man vergisst ja nichts. Man muss auch nicht alles Hoffen und Streben aufgeben, nur weil man feststellt, dass das, was man Wissen nennt, eine andere Bedeutung haben könnte.

Zweitens: die Sichtweise, das Unbewusste als das Unbekannte zu sehen, ist einfach eine andere Wahrnehmung des Bewusstseins. Diese Wahrnehmung verbindet sich im Spirealismus mit einer anderen Wahrnehmung was der Mensch ist, was Erkenntnis ist und Wahrheit. Und was das Wesen des Kosmos ist. (Denn alles, was ist, was das All ist, sehen wir ja durch das Bewussstein)

Weiterlesen: Artikel ‚Weltall – All – Alles. Was ist alles? Das Weltall als Vorstellung‘

Drittens: Spirealismus führt in seinen Schlüssen sehr viel weiter, und in eine ganz andere Richtung, als der Materialismus. Erst einmal führt er weltanschaulich weiter, aber später sicherlich auch wissenschaftlich.

Warum ist das Unbewusste gleich dem Unbekannten?

Man redet vom Unbewussten, und glaubt, dieses benennen zu können. Doch wie will man etwas benennen, das man nicht kennt? Schließlich ist doch alles, von dem wir denken oder sprechen können, definitionsgemäß IM Bewusstsein, und nicht außerhalb.

Plato hatte einen ganz ähnlichen Einwand (eigentlich denselben) zum Nichts gemacht. Was kann man über das Nichts sagen, wenn der Begriff des Nichts doch nichts beinhaltet? Und ebenso verhält es sich mit dem Unbewussten.

Das Unbewusste ist das, was wir nicht wissen

Demgemäß ist das Unbewusste das, was wir nicht wissen.

Genauso gut könnte man technische Wissen, wie ein Elektromotor funktioniert, angenommen man hat dieses Wissen nicht, „unbewusst“ nennen. Oder man nennt jemanden, der dumm ist, unbewusst.

Dummheit ist unbewusste Unwissenheit.
Josh Billings

Oder man könnte das Wissen, wie Photosynthese funktioniert „unbewusst“ nennen. (die Besonderheit ist hier, dass es kein menschliches Wissen gibt, wie Photosynthese funktioniert).

Oder man könnte all das Denken, das die Funktionalität des Körpers betrifft, unbewusst nennen. Der Körper „handelt“, er funktioniert, all das ist etwas, was „Ich mache“ – und zwar aus Gründen und aus Gedanken heraus, die ich nicht kenne. Also trifft hier alles zu, was wir über das Unbewusste wissen – es ist uns eben nicht bewusst. Es ist uns unbekannt.

Das Bewusste ist das, was wir wissen

Das Bewusste wiederum – das sind die Gedanken die wir von Moment zu Moment denken, und die eine gewisse Redundanz aufweisen, was wir Erinnerung nennen.

Was wir über die Funktionalität des Magens wissen, ist uns bewusst. Was wir über die Gründe von uns selbst wissen, unsere geistigen Wurzeln in der Jugend etwa, etc., ist uns bewusst. Man kann all das nicht unbewusst nennen.

Den Grenzbereich zwischen Bewusstem und Unbewusstem nenne ich Phantasie, Assoziieren, Traum.

Weiterlesen:  ‚Kreativität und Phantasie‘

 

Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer
Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer

In der obigen Grafik kommt die Sichtweise von C.G.Jung auf das Bewusstsein, bzw. Unterbewusstsein zum Ausdruck. In Weiterentwicklung der Anschauungen Sigmund Freuds sah er das Unbewusste als teilweise individuell an, teilweise kollektiv.  D.h., dass das, was sich dem Menschen als Inhalt seines Unterbewusstsein entlocken lässt, ist teilweise seine eigene, individuelle Erfahrung, teilweise kommt in jedem Individuum eine Menschheitserfahrung (kollektives Unterbewussstein/Archetypen) zum Ausdruck, die nicht erlernt werden muss.

 

Das Unbewusste / Nicht Bewusste als das Unbekannte
Das Unbewusste / Nicht Bewusste als das Unbekannte

Im obigen Bild wird die vorhergehende Grafik so abgewandelt, dass man das Unbewusste, also das Nicht-Bewusste, als unbekannt darstellt. Doch auch das sieht im Bild zu sehr danach aus, als könne man eine klare Grenze ziehen. Und das wäre nicht der Sinn von „etwas ist unbekannt“. Man könnte beispielsweise denken, man wüsste, wo die Inseln sind (man hat zur Orientierung die Wasseroberfläche), wo das Unbekannte beginnt, was es ist… Daher die nächste Grafik…

 

Das Unbewusste / nicht Bewusste konsequent als das Unbekannte verstanden, das Nichtwissen, das Nichts
Das Unbewusste / nicht Bewusste konsequent als das Unbekannte verstanden, das Nichtwissen, das Nichts

Der Sinn dieser Grafik ist es, offen zu lassen was das Unbewusste (im Sinn von „das Unbekannte“) ist, wo es ist, wo es endet und beginnt, wie groß es ist. Es ist die spirealistische Auffassung des Unbewussten.

Man sieht, dass das, was wir zu unserem Ich-Universum rechnen, zu unserem Bewusstsein, als relativ scharf erscheint. An den Rändern jedoch löst es sich auf (in dieser Grafik nach unten hin), und wird zu Erinnerungen, Träumen, Gedanken. Es ist dieses Auflösen in der Unendlichkeit, das Generationen fragen ließ, was der Unterschied zwischen Traum und Realität, zwischen Gedachtem und „realem“ Objekt ist. (Ich weiß nicht, ob ich ein Mann bin, der träumt, ein Schmetterling zu sein, oder ob ich ein Schmetterling bin, der träumt, ein Mann zu sein. Dschuang Dsi)

In der Grafik repräsentiert jede Spitze ein Ich – das Ich ist das Zentrum jedes Ich-Universums.

So gesehen ist das Weiße, das die Spitzen, bzw. Inseln umgibt, das Unbekannte. Es trennt die Spitzen voneinander. Zugleich verbindet das Unbekannte alles, auf eine dem Ich unbekannte Weise. Dass eine Verbindung besteht und bestehen muss, über das hinaus, was wir gemeinhin wahrnehmen, ist das Konzept beispielsweise des Begriffes „kollektives Unterbewusstsein“.

Wir können zwar im Einzelnen benennen, wie geistige Inhalte in ähnlicher Form immer wieder auftauchen (Sprache, Kommunikation) – doch es gibt eine Kommunikation jenseits des uns Sichtbaren.

Diese Grenze des Denkens, also das Nicht-Wissen um die Form und die Inhalte des uns Unbekannten, ist mit Notwendigkeit da, und nicht überwindbar so sieht es der Spirealismus. Das Ich muss in seinen Fähigkeiten begrenzt sein, denn es ist Teil, nicht alles. „Alles“ zu sein würde zugleich die individuelle Existenz des Ich auflösen.

Weiterlesen: Artikel ‚Alles und Nichts – kann das Alles zugleich das Nichts sein?‘

 

Das Unbewusste als das Unbekannte was last modified: März 25th, 2016 by Henrik Geyer