Nicht Beobachter, sondern Element der Schöpfung …

In meinen Texten taucht des Öfteren die Formulierung auf, der Mensch sei nicht Beobachter, sondern Element der Schöpfung. Dies steht im engen Zusammenhang mit der Grundaussage des Spirealismus, dass es nichts Beobachtbares gibt, das vom Menschen unabhängig wäre. Und umgekehrt: Alles das, was man „vom Menschen unabhängig beobachtbar“ nennen könnte, ist nicht durch den Menschen beobachtbar.

Hier wird also eine virtuelle Grenze des Denkens / Beobachtens gezogen, die einerseits „da“ ist, die man aber nicht zeigen kann … denn es handelt sich eben um eine Grenze des Denkens.

Ich habe das oft so formuliert, dass, während wir denken, wir würden nur etwas erschaffen, wenn wir mit den Händen arbeiten, erschaffen wir, indem wir da sind. Wir erschaffen diesen Moment, der in uns einzigartig ist – durch uns fließt die Schöpfung, während wir glauben, wir könnten eine Schöpfung wie etwas Drittes beobachten.

Dieser Fehleinschätzung begegnen wir beispielsweise in der Quantenphysik, wo wir feststellen, dass unsere Gedanken die Realität der Quanten verändern. Doch, nur in der Quantenphysik? Nein, keineswegs! Die Beobachtung, dass der Blick das Sein formt, kann eine sehr alltägliche Beobachtung sein, man muss dazu nur seine Perspektive auf das ändern, was wir gemeinhin „die Realität“ nennen. Man muss sozusagen eine andere Philosophie annehmen.

Aber, um diese Formulierung, und wie sie gemeint ist, noch besser zu verdeutlichen, fiel mir folgender Vergleich ein:

Man stelle sich vor, man beobachte das Spiel Mariobrothers auf einem Computer. Das sind quietschbunte Figuren in einer Arkadenwelt, sie springen hin und her und sammeln dabei Punkte.

Plötzlich wendet sich ein Mariobrother dem vor dem Computer sitzenden Menschen zu und sagt, er wolle nun die objektiven Gesetzmäßigkeiten der Welt ergründen.

Der Mensch fragt verblüfft zurück: „Welcher Welt? Deiner Welt, also jener Welt, die aus bunten Arkaden besteht?“

Er antwortet: „Ja, natürlich, welche sonst? Eine andere gibt es nicht!“

„Hm. Wie willst du das machen?“

„Nun, ich werde alle Informationen über die zweifelsfrei vorhandenen quietschbunten Arkaden sammeln, diese Informationen minutiös auswerten, und schließlich eine völlig objektive Aussage treffen können. Dann weiß ich, was die Welt im Innersten zusammenhält.“

 

Der Mensch ist verblüfft. Er könnte nun folgendes antworten:

„Erstens kannst du mit den dir zur Verfügung stehenden Informationen nichts ermitteln, was die Welt im Innersten zusammenhält, oder was „objektiv“ genannt werden könnte. Denn was du suchst liegt außerhalb deiner Welt. Deine Welt hängt von Gesetzmäßigkeiten ab, die du nicht siehst und nicht sehen kannst, nämlich den Gesetzmäßigkeiten meiner Welt. Du bist nur das Element der Schöpfung deiner Welt, nicht ihr Beobachter. Die quietschbunten Arkaden sind keine objektiven Tatbestände. Und alles das, was du für objektiv, unabänderlich, und für gegeben hältst, ist es nicht, sondern jederzeit in Wandlung begriffen.

Zweitens ist das Spiel, um das es hier geht, und das Mariobrothers heißt, unter anderem abhängig von deinen Handlungen. Das heißt, jede Aussage die du triffst, ändert auch das Spiel, und ist daher nicht endgültig und auch nicht objektiv. Das bedeutet, indem du das Unabänderliche suchst, änderst du. Indem du das Objektive suchst, erschaffst du das Objekt.“

 

Doch der Mensch vor dem Computer erspart sich diese Diskussion, denn, wie soll er dem Mariobrother „zeigen“, was dieser nicht sehen kann, und was für diesen nirgendwo ist? Worauf soll er „zeigen“? Mit welchen Worten, die der Mariobrother verstehen kann, soll er etwas verständlich machen? Und, was der Mariobrother macht, ist in jedem Fall richtig … für ihn. Er wird seiner Rolle in der ihn umgebenden Schöpfung gerecht, er existiert und er handelt. Braucht es da eine Belehrung? Was soll er „besser“ machen?

Resümee

Damit möchte ich folgendes verdeutlichen:

Der Mariobrother könnte den Menschen nun fragen, was denn die wirkliche Welt sei, und der Mensch wird, wenn er die vorliegende Analogie verstanden hat, nicht antworten. Weil er versteht, dass es keine Antwort gibt. Seine eigene Situation ist von der des Computer-Wesens nicht verschieden. Was kann er wissen über das, was ihm nicht erfahrbar ist? Wie soll er das denken, was ihm gemeinhin als sinnlos, als „nicht da“, als Nichts erscheint?

Wer sitzt vor unserem Bildschirm?

Analog zu dem Beispiel, in dem ein menschlicher Computerbenutzer sich gegenüber einer Figur IM Computer wie ein Gott fühlen darf, hat der Mensch stets das Gefühl gehabt, und hat es auch heute, dass er selbst höheren Mächten unterworfen ist. Höhere, ungreifbare Mächte, jenseits dessen, was man direkt sehen kann. Das ist sozusagen der Begriff Metaphysik – Metaphysik als die Wissenschaft von den Gesetzmäßigkeiten der Dinge jenseits des „Offensichtlichen“. Das ist das Thema der Religionen, der spirituellen Denkrichtungen etc.. Einstein dachte so. Bei allem Materialismus gibt es wohl nur wenige, die den Gedanken an „höhere Mächte“ völlig verwerfen.

Wie kommt man darauf, es könne oder müsse „höhere Mächte“ geben? Ist das Unsinn?

Nun, dieses Denken ist eigentlich sehr nahe liegend.

Was wir benötigen, um die angeführte Parabel in unserer Welt zu verstehen, und nicht nur als etwas, das vielleicht in einer Computer-Realität Gültigkeit hat aber nirgendwo sonst, das ist ein waches Auge für die Art und Weise des menschlichen Wahrnehmens, was einen schließlich sehen lässt, dass jede Wahrnehmung auch alle weiteren Wahrnehmungen bedingt. Insofern gehen unsere Wahrnehmungen nicht einfach von Dingen aus, sondern beziehen sich in fester Redundanz auf sich selbst. Einstein: „Die Theorie entscheidet darüber, was man entdecken kann.“ Es gibt also nichts, das nicht mit etwas anderem in Zusammenhang stünde. Weil man nichts begreifen kann, für das man nicht schon ein Konzept hätte. Das widerspricht der Grundvorstellung von objektiven, unabhängig vom menschlichen Betrachter existierenden, Dingen.

Dass zweitens Wahrnehmungen auch auftreten, wenn man sich von der scheinbar so objektiven Welt abkoppelt (der Weg des Eremiten). Man benötigt also keine Dinge, um Dinge des Denkens, um Objekte entstehen zu lassen.

Drittens geht jede Wahrnehmung auf keine notwendige Eindeutigkeit zurück, sondern auf eine ins Unendliche gehende Fülle von Möglichkeiten – so dass man nicht davon sprechen kann, der Mensch müsse auf diese oder jene Schlüsse kommen. Was wiederum der Grundvorstellung von „etwas Objektivem“ widerspricht. Wenn es etwas Objektives gäbe, dann gäbe es letztlich nur einen Weg, es sich vorzustellen. Den richtigen nämlich. Doch das kann man in keinem denkbaren Fall sagen.

Viertens ist da der ganz praktische Zweifel am materialistischen Konzept überhaupt – es kann nicht stimmen. Überall will der Mensch feste Objekte sehen, findet aber keine. In den Grenzbereichen des Denkens werden die materialistischen Begriffe absurd … ich will mich nicht wiederholen, sondern nenne nur wieder: das Alles (das Universum), das Nichts (Leere), das Kleinste, das Größte, die Unendlichkeit. Auch: die Wahrheit … Jedoch findet der Geübte in den normalen Dingen des Alltags ebenfalls die Unendlichkeit, und damit das Ungreifbare, er muss also nicht in die Weiten des Weltalls schauen, und somit sehr „fernliegende“ Gedanken denken, um die Widersprüchlichkeit des Materialismus sehen zu können.

Was wir weiterhin benötigen, um diese Parabel in unserer Welt zu verstehen und überhaupt für wichtig zu halten, ist ein gehöriges Maß an Phantasie, damit wir uns vorstellen können, was gemeinhin kaum vorstellbar erscheint – nämlich dass die Vorstellung einer materiellen Welt, die wir glauben in einem Außen zu beobachten, und von der wir glauben objektive Informationen abzurufen, falsch ist. Es ist die Frage nach dem „Ding an sich“, also die Frage nach der Größe des Unterschiedes zwischen der Wahrnehmung VON einem Objekt, und dem Objekt selbst. Wie ist das Objekt „wirklich“ beschaffen, wenn die Wahrnehmung von ihm definitionsgemäß nur ein Abklatsch ist? (das korrespondiert mit dem oben angeführten Beispiel, wenn nämlich der Mariobrother fragt, was denn die Welt „wirklich“ sei…) Bei aller Bekanntheit des Philosophen Kant ist diese seine Frage nach dem Ding „an sich“ im Grunde unverstanden.

Was man, wie ich denke, auch noch benötigt, ist ein gehöriges Maß an Spiritualität, also Geistigkeit, die die Gedanken und ihre Bezogenheit aufeinander, ihre Wirkungsweise also, achtsam beobachtet. Wo beobachtet? Bei Kollegen? Bei Patienten in einer psychiatrischen Anstalt als Versuchskaninchen? Nein. Im Grunde ist das Beobachten des Geistigen, auch im Anderen, immer nützlich. Die geistigen Welten Anderer sind jedoch immer nur ahnbar – niemals können wir in den Kopf von jemandem „hineinsehen“. Man sollte vor allem die Gedanken dort beobachten, wo sie am unmittelbarsten auftreten: Bei sich selbst.

Ist Relativismus sinnlos?

Was durch dieses Beispiel, weitergedacht, auch deutlich wird: Bei allem Relativismus ist die Handlungsweise des Mariobrothers (und genauso ist es beim Menschen), der seine Welt auf die genauest mögliche Weise untersuchen will, nicht falsch, sondern Teil des Spiels, dessen Element er nun einmal ist. Dem Zwang zu handeln kann er sich nicht entziehen. Seine Erkenntnisse sind immer nur Teil SEINER Welt, und nie objektiv. Jedoch kann er andere Erkenntnisse als diese nicht erlangen. Was jenseits seines Horizontes liegt ist völlig ungewiss und muss es bleiben. Es ist ihm verschlossen zu fragen, ob sich jenseits seiner Welt eine „objektive“ Welt anschließt, oder nur eine weitere Schicht aus möglichen Realitäten.

Und, könnte er den Menschen fragen, wüsste dieser die Antwort ebenso wenig, denn der Mensch ist ja in keiner anderen Situation.

Ich wage aber zu behaupten, dass eben diese Frage, nämlich, ob es jenseits der uns sichtbaren Welt eine objektive Welt gibt, oder, wenn man die Frage in der Variante stellt: „wie muss man sich Gott vorstellen?“, die Frage ganz falsch gestellt ist. Denn diese Frage setzt ja etwas voraus, das wir im fast gleichen Atemzug als „nicht existent“ bezeichneten. Wenn wir sagen, die Welt sei nicht im materialistischen Sinn objektiv „vorhanden“, warum sollte man ebendiese Vermutung in einem metaphysischen Sinn äußern und danach fragen? Und noch dazu, wenn wir auf der anderen Seite eine ganze Unendlichkeit von Möglichkeiten vermuten dürfen! Denn die Frage ist ja nicht, ob es eine „objektive“ Welt gibt oder nicht, sondern, die möglichen Antworten sind völlig offen. Und damit ist die Zahl der möglichen Antworten nicht eingrenzbar, und die Wahrscheinlichkeit, dass man zufällig auf die richtige Antwort stößt, Null. Also: Wer sitzt vor unserem Bildschirm? Die Frage ist falsch gestellt. Es muss niemand nach unserer Vorstellung vor einem Bildschirm sitzen, es muss niemand in Wolken wohnen, damit Sein, damit Existenz, sein kann.

Alles, was man von Gott aussagen kann, das ist Gott nicht.

Meister Eckhart, spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph

 

Frage: Hat es Sinn, das hier aufgeführte Nachdenken anzustellen? Wenn es zu keinem objektiven Ergebnis führt, ist es doch sinnlos!

Antwort: Es hat Sinn. Die Antworten wirken nur in einem materialistischen Bezugssystem wie sinnlos, sind es jedoch nicht. (Dies sei jenen gesagt, die die Ansichten von Relativisten, Konstruktivisten etc., für irrelevant und nichtssagend halten.) Die hier gezeigten Fragen und Aussagen sind im Ergebnis sehr relevant, weil sie uns ganz andere Möglichkeiten der Entwicklung aufzeigen, als wir sie jetzt sehen können. Möglichkeiten jenseits des materialistisch Denkbaren. Natürlich müssen sie verstanden werden, um nützlich sein zu können.

Alles, was dem „Wesen der Dinge“  näherkommt, auch wenn dies „nur“ auf eine relative Art geschehen kann, ist natürlich auch nützlich und wichtig. Alles andere ist Selbsttäuschung.

Schlüssel Kommunikation

An dieser Stelle will ich noch auf die Rolle der Kommunikation verweisen, die im genannten Beispiel deutlich wird. In der spirealistischen Betrachtung nenne ich Kommunikation das Wesen des Kosmos, und Kommunikation ist für mich ein umfassender Begriff. Jeder Blick, jede Berührung, jeder Gedanke, ist Kommunikation. Kommunikation ist die Verbindung, die die Relation ermöglicht. Wenn Relation die Verbindung zwischen zwei Verschiedenheiten ist, dann ist Kommunikation die Vereinigung, die Brücke zwischen beiden. Das Sein ist Relation, anders gesagt: Existenz ist Kommunikation.

Kommunikation integriert das scheinbar Sinnlose in den Sinnzusammenhang den wir kennen, und transformiert es in das Sinnvolle.

Im Beispiel: Die Unterhaltung eines Computer-Users mit einer künstlichen Intelligenz IM Computer würde bedingen, dass eine sprachliche gemeinsame Basis vorliegt, eine Brücke, sozusagen. Ich hatte im Beispiel ja angenommen, dass der Mariobrother nur die Begriffe seiner Welt kennen könne … indem aber das vorgestellte Gespräch geführt wird, ist offenbar eine Kommunikation vorhanden, und Gemeinsamkeit von Vorstellungen auf beiden Seiten kommt in die Existenz.

Das Beispiel illustriert wieder den Grundgedanken „der Mensch ist Element der Schöpfung“. Während Mariobrother und Mensch in der materialistischen Sichtweise den Eindruck haben, sie würden sich über etwas Drittes unterhalten, nämlich das Getrenntsein von zwei Welten, entsteht die Verbindung.

Insofern widerspricht das Beispiel der selbst vorausgesetzten Prämisse: nämlich dass es einerseits keinen Kontakt/keine Verbindung der verschiedenen Welten gibt, weil die Computer-Intelligenz des Beispiels ja nur die eigene Welt kennt, über die sie sprechen kann – aber andererseits ein Gespräch stattfindet. Wenn ich sage, das Beispiel sei widersprüchlich – ist es dann ein falsches oder dummes Beispiel? Nein, es lässt sich eben kein Beispiel konstruieren, in dem sich Welten einerseits nicht berühren, aber andererseits ein Gespräch/Nachdenken darüber stattfinden kann, aus was die andere Welt denn beschaffen sei. Das ist schlicht unmöglich. Das Nachdenken IST die Berührung.

Der Mensch und das Nichts

Das Beispiel illustriert auch die Grenzen des Denkens (die der Materialismus nicht wahrnehmen kann), den Übergang des Sinnvollen (alles was gedacht werden kann hat auch irgendeinen Sinn für uns) in den unendlichen Bereich des Sinnlosen. Es illustriert somit auch die Grenze des Erklärbaren.

Weiter illustriert das Beispiel die Fixiertheit der Wahrnehmung auf etwas, das wir sinnvoll nennen. Man frage sich: Was alles schließen wir mit dieser Fixiertheit aus? Wie groß ist dieser Bereich, den wir sinnlos nennen und den wir für Nichts halten? Die Antwort ist: Wir schließen alles aus, wofür wir keine Vorstellung haben, keine Worte haben, keine Bezüge finden. Was wir nicht denken ist das Undenkbare. Frage: Warum das Undenkbare? Ich kann doch jederzeit denken, was ich gerade nicht dachte? Antwort: Nein, man kann nur denken, was im Zusammenhang mit den schon vorhandenen Gedanken steht, während der Bereich, der nicht im Zusammenhang mit den vorhandenen Gedanken steht, unendlich ist.

Man mag diese Überlegung als sinnlos ansehen. Doch, gerade deshalb die Frage: Existiert das Sinnlose? … Man stelle sich einen unbegrenzten Raum der Möglichkeiten vor. (Gemeint ist mit diesem „Raum der unbegrenzten Möglichkeiten“ ein Raum, also eine Fülle, eine Unendlichkeit möglicher Information. Jedoch, stellen wir uns den Raum ruhig als das Weltall vor …) Was kann es in diesem unbegrenzten Raum alles geben? Alles? Was ist alles? Ist alles auch das Sinnlose? Umgekehrt gefragt … Kann es in diesem unendlichen Raum etwas nicht geben? Er ist doch unendlich. Wenn unendliche Möglichkeiten da sind … warum sollte es dann nicht möglich sein, dass es etwas nicht gibt? Kann es das Weltall nicht geben?

Das Beispiel dieser in der materialistischen Denkweise unmöglichen Fragen korrespondiert mit der Platoschen Sichtweise auf den Begriff des Nichts. Plato zeigte  einen fundamentalen Widerspruch des (materialistischen) Denkens auf. Er sagt, einerseits stelle man sich das Nichts wie ETWAS vor, wie etwas Eingrenzbares und Abzählbares (das Nichts), andererseits könne man über das Nichts eigentlich keinerlei Aussagen treffen, denn es ist ja nicht da, und somit nicht denkbar (Denkgrenze).

 

Und genau dasselbe gilt für das Sinnlose – es ist uns Nichts. Es erscheint uns müßig, es zu denken, obwohl es doch existieren könnte, nach der materialistischen Vorstellung zumindest, und zwar in einer anderen Welt, in einer anderen Konstellation. Doch das Sinnlose, das Nichts, das eigentlich Alles ist, wäre eine Unendlichkeit, die zu denken uns unmöglich ist. Wir Menschen sind, das ist unsere Daseinsbedingung, fixiert auf unsere Welt. Wir sind fixiert auf die Zusammenhänge dessen was wir kennen. Das eigentlich „Fremde“ können wir nicht erfahren. In einer vorgestellten Unendlichkeit der Information sind wir ein Punkt. Und das können wir nicht ändern, indem wir „mehr erfahren“. Wir bleiben ein Punkt der umgeben ist von der Unendlichkeit des Möglichen.

 

 

 

Nicht Beobachter, sondern Element der Schöpfung … was last modified: November 13th, 2017 by Henrik Geyer

Aspekte des Ich-Universums, Teil 4: das Universum außerhalb von mir ist das Universum in mir

In diesem Abschnitt soll es nun darum gehen, wie wir uns das Ich-Universum vorstellen können, welche Parallelen sich zu dem Universum ergeben, das wir im Außen sehen, welche Sinnhaftigkeit darin liegt, etc..

Was ist ein Universum?

Stellen wir uns ein Universum zunächst als ein All vor, als eine Summe von Allem, was einen Menschen oder eine Menschengruppe (die Menschheit) umgibt. Es ist dabei wichtig, folgenden Aspekt im Hinterkopf zu behalten: das Wichtige am Universum sind eigentlich nicht die Sterne und Sonnen und Planeten, sondern die ganz normalen Dinge des Alltags. Die Kaffeetasse, die Kollegen, die kleinen und großen Sorgen.

Wenn man das Universum so sieht: die kleinen Dinge, die unser tägliches Leben sind als nicht wirklich getrennt von den großen Dingen, sondern wirklich alles als integralen Bestandteil des Alls, des Universums, dann haben wir einen wichtigen Schritt getan, um uns das Universum in seiner spirituellen Variante vor Augen zu führen, und zu ermöglichen, dass wir das Majestätischste, die Sterne und Galaxien, mit dem Trivialsten, in einem Zusammenhang denken können.

Und eigentlich gibt es ja auch keinen Grund zu sagen, dass der Bleistift, der vor mir liegt, weniger Teil des Universums sei, als eine Supernova in Milliarden Lichtjahren Entfernung. Mehr noch: der Bleistift ist in meinem Leben wichtiger! Und der Raum, der in meiner Kaffeetasse ist, in die hinein ich den Kaffee gieße, den ich dann trinken möchte, ist nicht verschieden von dem Raum der zwischen den Planeten ist.

Wir haben so auch das Fundament gelegt, um einem wichtigen hermetischen Grundsatz in unserem Denken zu genügen, bzw. seine Denkbarkeit vorzubereiten: ich meine das Prinzip der Entsprechungen, dem zufolge sich alles in allem findet. Wie oben, so unten. Wie außen, so innen. Wie im Großen, so im Kleinen. Das bedeutet: alles hat mit allem zu tun, es gibt keine wirkliche Trennung. Die Prinzipien die für die genannte Supernova gelten, gelten auch für den Bleistift. Die Verbindungen sind allumfassend und weit über das hinausgehend, was ich sehen kann.

Ich will auch gleich, ein wenig vorgreifend, den Grund nennen. Könnte ich sonst keine Verbindung zwischen der Supernova und Bleistift sehen, so ist doch eine Verbindung ganz offensichtlich: die meines Geistes. Beide Dinge sind Bestandteile meines Geistes, und indem ich sie in meiner Vorstellungskraft bewege und gewichte, ist es mir möglich, in der Art eines Schöpfers, hier ein wenig Gewicht hinzuzufügen, dort ein wenig wegzunehmen. Ich kann die Gewichtung in meinem Geist so verteilen, dass beide Dinge gleichwertig sind, und dass der Bleistift nicht geringer wiegt, als die Supernova.

Und das ist nun wieder das Verbindende, das Analoge. Der Geist, der als Ich eine ganz konkrete Form annimmt. In mir wird alles analog, ebenso, wie in mir auch alles divers wird. Ich kann alles, jeden Gegenstand, immer nur mit demselben Geist erfassen. Jeder Gegenstand wird durch mich, in meinem Geist, zu einem individuellen Gegenstand. Denn meine Sichtweise auf die Dinge ist einzigartig.

Sich den Geist wiederum als das eigentlich Welt-Erschaffende zu denken, genügt dem ersten hermetischen Prinzip Alles ist Geist, und beweist es. Der Beweis kann durch jeden Menschen geführt werden, der über genügend Phantasie verfügt, sich das oben Genannte vorzustellen, und in seinen Gedanken Objekte entstehen zu lassen, zu verringern oder auch zu vergrößern.

Warum Ich-Universum?

Der Grund, warum ich die Worte Ich und Universum in eine Verbindung brachte, war, dass ich darin ein Synonym sah – eine Gleichheit. Das Ich ist eine Einzelheit, etwas Individuelles, denn ich bin von jedem anderen Menschen verschieden. Mein Ich ist von jedem anderen Ich verschieden. Und mir wurde irgendwann klar, dass das Universum, so wie ich es verstehe, nur in mir existiert, und sich also wiederum von jedem anderen Universum, das andere sehen, unterscheiden muss. Das wird insbesondere klar, wenn man „das Universum“ so versteht, wie ich es im vorigen Abschnitt beschrieb – als die Gesamtheit auch der kleinen Dinge, die im Leben eines Menschen sind. Dessen All, sozusagen.

Aber auch, wenn ich das Universum als die Gesamtheit von Sternen in einem unendlichen Raum sehe, kann ich das gleiche Denkexperiment anstellen. Man stelle sich vor, man würde eine Anzahl Sterne kennen, aber einige auch nicht. Es gibt Menschen, die kennen andere Sterne als ich. Vielleicht mehr Sterne. Kann man sagen, dass deren Universum gleich meinem sei? Nein. Was ich über das Universum weiß, macht es einzigartig (ich sage nicht: macht es gut oder schlecht). Es wird einzigartig dadurch, dass ich die Dinge, egal um was es sich handelt, einen Bleistift, eine Supernova, oder ein Universum, immer als die Summe ihrer Bestandteile ansehe; als die Gesamtheit der Dinge, die darin und darum sind; als die Gesamtheit ihrer Eigenschaften. Die Dinge, die um und in einer Sache sind, und seine Eigenschaften, sind austauschbar – oder, um es anders auszudrücken: die Dinge und die Eigenschaften, die an den Dingen sind, sind eigentlich dasselbe. Ein Beispiel hierzu: Eine Sache ist grün, weil ihr grüne Farbteilchen anhaften. Grün zu sein ist nun einmal das, woran ich diese Sache erkenne. Hätte sie diese Eigenschaft nicht, wäre es auch nicht diese Sache. Oder: Ein Auto ist schnell, weil es vorn einen Motor unter der Haube hat. Ist ein Auto noch ein Auto ohne Motor? etc.. Am Anfang habe ich mir das vorgestellt, indem ich (mich) fragte: Wie sieht ein Mann aus, der gar keine Eigenschaften hat? Ist das noch ein Mann? Ein Mensch?

Also ist das, was wir als die Eigenschaften der Dinge ansehen, auch immer verbunden mit den Objekten in denen wir sie finden. Die Eigenschaften SIND die Dinge – es ist austauschbar.

Manchem mag es vielleicht immer noch schwer fallen, sich vorzustellen, dass die Dinge nichts anderes sind als eine Gesamtheit von Eigenschaften. Daher ein kleines Gedankenexperiment: stellen Sie sich einen Baum vor. Er hat vier Räder, kann 100 km/h schnell fahren, und ist rot. Ist das ein Baum? Natürlich nicht. Es ist ein Auto. Ein Baum muss bestimmte Eigenschaften haben, damit ich ihn als Baum erkennen kann. Es muss der Stamm da sein, die Unbeweglichkeit im Erdreich, die grüne Blätterkrone.

Ich will ein weiteres Beispiel nennen, das mir immer sehr vielsagend erschien. Ich versuchte mir einen Mann ohne Eigenschaften vorzustellen. Es gibt ja in der Literatur und Kunst Versuche, dieses Eigenschaftslose vorstellbar zu machen – es wird dann als eine Art interessantes Paradox verstanden. Mir fällt dazu „Der Namenlose“ von Samuel Beckett ein …

Wenn Sie, geschätzter Leser, versuchen, sich einen Mann ohne Eigenschaften vorzustellen, werden Sie schnell verstehen, dass allein die Aussage, es handele sich um einen Menschen oder Mann, mit Eigenschaften bei diesem verbunden sein muss. Etwas, das ohne Eigenschaften ist, ist nicht. Ein Ding ohne Eigenschaften ist kein Ding. Es existiert nicht.

Und so wird eben jede Sache durch die Eigenschaften bestimmt, die ihr gegeben sind. Die Art und Qualität ihrer Eigenschaften wiederum unterscheidet die Dinge. So unterscheidet sich ein Baum vom anderen durch die Art und Weise seiner Baumkrone, seines Stammes etc..

Die Eigenschaften des Universums das ich kenne, sind in mir einzigartig. Es ist das Universum meines Ichs. Im Grunde, weil ja auch ich selbst ein Bestandteil meines Universums bin, sind das Ich und das Universum im Ich, ununterscheidbar miteinander verwoben. Sie sind genau dasselbe. Denn auch mein Ich, also das, was ich in mir sehe, was ich über mich denke, wie ich mich beschreibe, wird bestimmt durch die Eigenschaften der Dinge, die ich dem Ich zuordne. Es sind die Dinge, die ich kenne. Es sind die Dinge die in mir und um mich sind, die in Raum und Zeit existieren und dadurch kausale Beziehungen zueinander haben. Es ist das Universum in mir – mein spezifisches und einzigartiges All. Das All wie gesagt sind alle Dinge, die da sind … in meinem Ich.

Und, so merkwürdig das nun dem Gewohnheitsmaterialisten erscheinen mag, der alles fein säuberlich trennen und unterscheiden will, so dass schließlich nur noch eine einzige Kausalbeziehung übrig bleibt: Der Bleistift, der vor mir liegt, hat mit mir zu tun. Er ist Bestandteil meiner Welt, und macht, in der Konstellation, in der er sich in einer relativen Position zu mir befindet, einen Teil meines Ichs aus.

Das Universum außerhalb von mir ist das Universum IN mir

Und so kommen wir zu der verblüffenden Feststellung, dass das Universum, dass der Mensch gewohnt ist außerhalb seiner selbst zu sehen, eigentlich in ihm ist. Denn, und hier komme ich wieder auf den Grundgedanken des Spirealismus zu sprechen: was könnte etwas sein, was nicht in Gedanken existiert? Mag man das nun auf materialistische Art überlegen, also: die Dinge existieren in materieller Form außerhalb des menschlichen Beobachters … dennoch muss man fragen: was wäre eine noch so existente Sache, wenn sie nicht in den Gedanken auftauchte. Oder, mag man das auf die spirealistische Art durchdenken, die von vorn herein die Überzeugung vertritt, dass die Existenz geistiger Natur ist.

DAS Universum (in der Einzahl) – existiert in keinen zwei Menschen in gleicher Form. Man könnte auch sagen: DAS Universum gibt es nicht.

DIE Universen sind in uns. Und: DIE Universen und wir selbst sind nicht zu unterscheiden. Denn alles was wir denken können, hängt mit den Objekten der Universen zusammen, die wir jeweils vor dem (geistigen) Auge haben. Alles was wir denken können, entsteht aus den Objekten, entwickelt sich aus den Objekten, begründet sich aus den Objekten dieser innerlichen Universen.

Das äußere Universum ist eigentlich ein innerliches, und umgekehrt. Und – da ist es wieder: das hermetische Gesetz der Entsprechung. Es stimmt: wie innen, so außen.

 

 

 

Aspekte des Ich-Universums, Teil 4: das Universum außerhalb von mir ist das Universum in mir was last modified: Oktober 18th, 2017 by Henrik Geyer

Warum kann es keine Zeitmaschinen geben?

In der Zeit zu reisen ist eine alte Utopie, die uns viel verrät über unsere Sichtweise auf die Zeit. Aus spirealistischer Sicht ist klar: eine Zeitmaschine kann es nicht geben. Ich will erläutern warum.

Ich möchte kurz mit einer Definition beginnen, wie man sich die Zeit im materialistischen Sinn vorstellt: als etwas Objektives, als etwas, das „da“ ist. Und so stellt man sich verschiedene Punkte in der Zeit als eindeutig definiert vor, als (ehemals) „vorhanden“. Man stellt sich Zeit-Punkte in der Zeit wie Perlen vor, die auf einer Schnur aufgereiht sind …  wie auf einem Strahl angeordnete Punkte …. und die Zeit eben wie einen Zeitstrahl. Nur so, nur unter Zuhilfenahme dieser Vorstellung, kann man auf die Idee kommen, man könne zu einem bestimmten Zeit-Punkt reisen, so als würde man zu einer bestimmten Sehenswürdigkeit reisen.

  • aber so ist die Zeit nicht. Allein die Denkweise, es gäbe eindeutig „eingerichtete“ Zeit-Punkte, die außerhalb des Menschen definiert sind, was ja die Voraussetzung wäre solche Zeit-Punkte anzusteuern, ist unzutreffend. Ein Zeit-Punkt ist immer etwas Dynamisches, in der Vielfalt seiner Ereignisbeziehungen Unüberblickbares. Was wir Menschen nur tun, und tun können, ist, aus dieser unendlichen Fülle wenige Aspekte wahrzunehmen. Und weil die menschliche Sichtweise, die menschliche Wahrnehmung, einzigartig ist und nicht etwa die bloße Spiegelung einer notwendigerweise äußerlich vorhandenen Form, spricht der Spirealismus von einem Erschaffen. Was in jedem Moment erschaffen wird, kann nicht einfach vor- oder zurückgespult werden. Es könnte nur in ähnlicher Form neu erschaffen werden – doch das kennen wir ja: als die Erinnerung.
  • der Spirealismus sieht die Welt, sieht die Zeit, „nur“ als Vorstellung. Dieses nur setze ich in Anführungszeichen, denn die Vorstellung ist keiner anderen Seins-Form gegenüber unterlegen, ist also nicht „nur“ eine Vorstellung. Die Welt IST eine Vorstellung, die Vorstellung eines anderen, eines materiellen Seins, ist mithin ebenfalls eine Vorstellung. Eine ganz wesentliche Eigenschaft des Geistes, des Denkens, ist, dass jeder Gedanke einzigartig ist und sein muss. Der einzig wahrnehmbare Zeit-Punkt, zu welchem Gedanken auftauchen, und daher der einzig „existente“ Zeit-Punkt, ist das Jetzt. Denn im Grunde sind wir immer im Jetzt. Schon daher gibt es keine Zeitreisen der objektiv-materialistischen Sichtweise.
  • Der Spirealismus sieht die Welt als Vorstellung. Wenn man sich vorstellt in der Zeit zu reisen, kann natürlich, in diesem Sinn, auch in der Zeit gereist werden – nur eben nicht in einem „objektiven“ Sinn. Eine „Vorstellung“ – das bedeutet ja auch: es kann viele Vorstellungen des Jetzt geben. Nein, besser: es MUSS viele Vorstellungen geben, denn nur so entsteht ja der Gedanke an EINE Welt. Zu welcher dieser endlosen Vorstellungen von Zeit-Punkten in Vergangenheit und Zukunft soll man also reisen? Zu deiner? Zu meiner? Und wenn wir von kollektiven Erinnerungen an Zeit-Punkte sprechen: Zur europäisch-kollektiven Erinnerung eines Zeit-Punktes? Zur asiatisch-kollektiven Erinnerung eines Zeit-Punktes? Zur hündisch-kollektiven Erinnerung eines Zeit-Punktes oder einem kätzischen?
  • Um das zu verdeutlichen: In Phantasien von Zeitreisen ist es stets so, dass ein Zeitreisender zwar nominell einen bekannten Zeit-Punkt der Vergangenheit ansteuert, diesen aber durch sein Erleben zu einem nie zuvor erlebten Moment macht, nämlich den fraglichen Zeit-Punkt aus seiner subjektiven Perspektive. Angenommen, alles andere dieses „Zeit-Punktes“ wäre gleich, machte die subjektive Perspektive des Beobachters, der den Zeit-Punkt in der Vergangenheit bereits kennt, diesen Moment zu einem singulären Ereignis. (Anders machen Zeitreisen ja auch keinen Sinn, man muss wissen, dass man in der Zeit reist Woran erkennt man das? In dem man Umstände (wieder-)erkennt, entweder aus der Erinnerung bei Reisen in die Vergangenheit, oder aus der Erwartung bei Reisen in die Zukunft). Und weiterhin: der Beobachter ist Element des Zeit-Punktes, der, wenn sonst alles gleich wäre, den Zeit-Punkt auch für andere Teilnehmer des Zeit-Punktes einzigartig machen würde. Aus eben diesem Grund aber erweist es sich als völlig illusorisch, dass „alle anderen Elemente gleich sein“ könnten, denn was wir über den Zeitreisenden sagen, trifft auf jedes Element des Zeit-Punktes zu. D.h., ein Zeit-Punkt wird durch die neue Beobachtung singulär, und als Element der Welt macht der Beobachter jeden Moment singulär. Es wiederholt sich also nicht etwas, sondern etwas gänzlich Neues entsteht.
  • Der Grundsatz des Spirealismus, dass jeder Gedanke einzigartig ist, weil er als Relation aus einer nicht zu erfassenden Menge an Festlegungen des Augenblicks hervorgeht, verbietet die Vorstellung, man könne irgendetwas genauestens wiederholen. Bzw. so zurückholen, so dass man genau dasselbe vor sich hat. „Dasselbe“ ist überhaupt als Begriff ein Paradox, wenn es sich mit der Vorstellung von Verschiedenheit verbindet. „Dasselbe“ kann nicht zwei sein. „Dasselbe“ ist immer eins.
  • Zur Illustration: hätte man einen Zeit-Punkt der Vergangenheit ein zweites Mal in genau derselben Form vor sich, so dass man also wirklich sagen könnte, es sei genau derselbe, wäre das Erleben dieses Zeit-Punktes ununterscheidbar von einem anderen Zeit-Punkt. Es wäre das geistige Nirvana, überspitzt gesagt, der Tod – ist doch das (Er-)Leben, die Zeit, dadurch geprägt, dass sie in jedem Moment des Jetzt einzigartige Konstellationen hervorbringt, die dadurch, dass sie voneinander unterscheidbar sind, die Zeit ergeben. Und nun eine Zeitreise vorgestellt unter diesem Aspekt: Das Erleben genau Desselben erfordert den Beobachter, der dann wieder genau das auf dieselbe Art und Weise, mit genau denselben Gedanken beobachtet, was einmal beobachtet wurde. Doch das wäre ja kein unterscheidbarer Zeit-Punkt, sondern eben genau derselbe. Das wiederum würde das Wissen um einen anderen Zeit-Punkt ausschließen, und man könnte nicht sagen, dass „hier“ genau dasselbe vorläge wie „dort“. Das ist das Paradox von dem ich sprach – es ergibt sich aus der materialistischen Sichtweise.
  • das eben Gesagte kann man auch so formulieren (und damit einen Anknüpfungspunkt an das ewige Jetzt schaffen): wenn man in der Zeit reisen könnte, wäre man an diesem anderen Zeit-Punkt natürlich wie immer im Jetzt. Das Jetzt aber ist ein im und durch das Individuum entstehendes einzigartiges Bild. Und: Das Jetzt gibt es im Individuum nur einmal. Das kann jeder an sich sofort prüfen. Gäbe es ein zweites Jetzt, identisch mit diesem gerade erlebten Jetzt, wäre es ununterscheidbar – eben identisch. Wie soll ich von einem Jetzt wissen, das ich erlebe, aber eben nicht jetzt? So gesehen wäre doch ein Jetzt, das ich erlebe, und das sich vom jetzigen Jetzt unterscheidet, das gute alte Gestern und das Morgen, also die Zeit selbst. Und von der Zeit weiß ich, dass sich immer unterscheiden muss, was passiert, eben das definiert ja Zeit … sonst könnte ich nicht auf die Idee kommen, es gäbe überhaupt Zeit. Also kann ich auch nicht an einen früheren identischen Zeit-Punkt reisen. Wenn ich dabei bin, muss sich jeder Zeit-Punkt auch von jedem anderen unterscheiden.
  • Schließlich und endlich kann man auch mit dem Fehlen von Objektivität argumentieren – wenn man so will die Kantsche Frage nach dem Ding an sich. Wenn es keine Objektivität gibt (wie der Spirealismus sagt), oder auch, wenn man die Dinge „an sich“ nicht erfassen kann, obwohl es sie gibt (was auf die gleiche Aussage hinausläuft als sagte man, es gäbe sie nicht), lässt sich auch kein objektives Kriterium ermitteln, demzufolge man sich an einem bestimmten Zeit-Punkt jenseits des Jetzt befindet. Denn die Zeit manifestiert sich ja gerade, in der materialistischen Sichtweise, als die Veränderung der Objekte – einfach gesagt zum Beispiel der Uhrzeigerstellung.
  • Man kann es auch mit dem Heraklitschen „Alles fließt“ begründen. Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Man kann nicht einmal in denselben Fluss steigen. Der Fluss von eben, der Fluss meiner Erinnerung, ist eine einmalige, unwiederbringliche Konstellation des vergangenen Augenblicks, dessen endgültige Definition (Ding „an sich“) sich niemals erschließen kann.
  • zu guter Letzt: Warum kann sich die endgültige Definition nicht erschließen? Weil jeder neue Gedanke eine neue, einzigartige Konstellation ist. Jede versuchte Rekonstruktion des Eben, jede Erinnerung, ist eine Konstruktion im Jetzt. Jetzt, in diesem Augenblick, kann ich einen Gedanken haben. Der Gedanke von eben, an den ich mich erinnere, ist in Wirklichkeit ein Gedanke des Jetzt. Daher verändert sich die Vergangenheit in uns – ständig, mit jedem neuen Gedanken. Für das gesellschaftliche, das kollektive Bewusstsein, gilt das Gleiche: Es bringt immer neue Versionen der Vergangenheit und Zukunft hervor. Wir sehen das auch an dem erwähnten metaphorischen Fluss. Die Vorstellung geht aus uns hervor, wir erzeugen sie. Unser Begriff des Flusses ist der Begriff des Jetzt. Etwas, das sich mit jedem Gedanken verändert, neu formt. Und … etwas, das wir selbst produzieren, das aus uns hervorgeht, können wir nicht in die Hand nehmen und drehen und begutachten, als sei es außerhalb von uns und habe mit uns nichts zu tun, so wie es uns das materialistische Weltbild glauben machen will. Ich wiederhole daher auch an dieser Stelle: Wir sind nicht die Beobachter der Schöpfung, sondern wir sind Elemente der Schöpfung. „Die Welt“ ist nicht außerhalb von uns, sondern geht aus uns hervor. Aus uns sprudelt das Sein, mit seinem Raum, mit seiner Zeit.

Aus diesen Gründen kann es keine Zeitmaschinen, keine Zeitreisen, keine Zeitreisenden geben, jedenfalls nicht im materialistischen Sinn. Wohl aber Zeitreisen im geistigen Sinn, wenn man versteht, dass man niemals „dasselbe“ vor sich haben kann (man hat es ja eigentlich auch nicht „vor sich“), egal in welche geistigen Dimensionen man sich zu reisen aufmacht. Und dass man, welche Zeitreise man auch immer antritt, dabei nur einen einzigen Zeit-Punkt erlebt: das Jetzt.

In den Phantasien von Science Fiction Autoren wird das Reisen in der Zeit oft mit vielerlei Paradoxien garniert; oft gerät das Universum in Gefahr zu explodieren, wenn ein Zeitreisender die Vergangenheit so verändert, dass das Jetzt nicht zustande kommen kann. Wenn man aber einmal begriffen hat, dass es nicht die EINE Welt der materialistischen Denkweise gibt, sondern viele Welten, nicht EIN Universum, sondern viele (Ich-) Universen, nicht EIN Jetzt sondern viele Jetzt, lösen sich auch beunruhigende Phantasien auf, DAS (eine) Universum geriete durch Manipulationen an der Zeit in Gefahr …

Eine Zeitreise haben wir am ehesten vor uns, wenn wir ein gutes Buch lesen über eine vergangene oder zukünftige Zeit. Die Phantasie transportiert uns und überbrückt die riesigsten Abgründe der Vorstellung, nennen wir sie nun Zeit oder Raum. Und wir können an dieser Analogie auch dieses wesentliche Element der Zeit verstehen: sie ist niemals völlig gleich, nie festgelegt, außer in uns. In uns gewinnt jeder Gedanke an ein Morgen, Gestern oder Jetzt, eine einzigartige, unwiederbringlich singuläre Form. Um bei dem Beispiel zu zu bleiben: … in Abhängigkeit davon, WER das Buch liest.

Warum kann es keine Zeitmaschinen geben? was last modified: Juni 16th, 2017 by Henrik Geyer

Aspekte des Ich-Universums, Teil 3: praktische Erfahrung des Ich-Universums

In den Texten bisher ging es um eine eher theoretische Betrachtung des Begriffes Ich-Universum, bzw darum, einige Grundsätze darzulegen, die dieser Sichtweise innewohnen. In diesem Abschnitt möchte ich ein wenig praktischer werden und darlegen, wie ich selbst darauf kam, die Fragen zu stellen, die mich schließlich zum Spirealismus führten, und dazu, den Begriff Ich-Universum zu benutzen.

Wie ich schon beschrieb ging es damals, vor einigen Jahren, um psychiatrische Behandlung meines Sohnes, und im Zuge dieser Behandlung hatte ich natürlich vielfältigen Kontakt mit Ärzten, Psychologen, medizinischem Personal.

Was mir nach einiger Zeit auffiel, war, dass die in der Psychiatrie Tätigen selbst nur sehr selten die Rätselhaftigkeit der Psyche begreifen, darüber grübeln, versuchen zu verstehen. Vielmehr gingen sie meist in einer mir unverständlichen Vereinfachung davon aus, dass das, was sie in einem Moment über das Denken eines Patienten aussagen, dessen Geisteswelt gut beschreibt, so dass ihnen die Psyche Desjenigen nicht weiter fraglich erscheint. Dadurch erscheint es so, als sei die Psyche eines Anderen recht einfach zu begreifen und so, als sei sie völlig erforscht, wenn man nur ein Wort für eine Krankheit oder eine Zustandsbeschreibung parat hat.

Das alles wäre mir vielleicht nicht weiter aufgefallen, wenn es nicht von drastischsten Fehlbehandlungen begleitet worden wäre, so dass die Tatsache, dass hier etwas schief lief, geradezu mit Händen zu greifen gewesen wäre.

Letztlich nutzt das medizinische Personal Worte (und schreibt Worte auf Diagnosescheine), die nicht verstanden sind, und im Grunde wenig sagen. Diese Worte, Krankheitsbezeichnungen, sind eher eine Art Symptomeinordnung … oft werden Diagnosen so gestellt, dass man ein Medikament ausprobiert, und wenn dieses Medikament hilft, dann ist die Krankheit, gegen die das Medikament hilft, so wie es auf dem Beipackzettel steht, die Krankheit, die der Patient hat.

Ein tiefergehendes Verstehen-Wollen, ein grüblerisches Forscherbewusstsein, gar eine philosophische Ader, habe ich im Bereich der Psychiatrie nicht feststellen können. Statt dessen häufig eine Verwaltungsmentalität, oder auch eine gewisse technische Fertigkeit. Woran es aber meiner Ansicht deutlich mangelte, war Phantasie, war Sich-Einfühlen-Wollen, so wie es die Ikonen der Psychologie, wie es Freud oder Jung, taten. Warum sage ich Phantasie – und nicht wissenschaftliches Faktenwissen? Weil wir es bei der Psyche mit jener unerforschlichen Entität zu tun haben, die scheinbar eine äußerliche Welt beobachtet und interpretiert, eine äußerliche Welt wohlgemerkt, die, im Sinne der materialistischen Wissenschaft das eigentlich Wichtige ist – wohingegen es auf die Psyche, auf den Geist, angeblich nicht so ankommt. Gleichzeitig ist die Psyche Erzeugerin von Realität, denn nichts ist beobachtbar ohne sie, ohne dieses Werkzeug(?), diese Brille(?), dieses Kaleidoskop der Phantasie(?). Und so gesehen darf es als spannend gelten, welche Resultate die Psyche bei der phantasivollen Beobachtung ihrer selbst (was ihr vorkommt wie die Beobachtung von etwas Äußerlichem) zeitigt.

Natürlich wäre in der Psychiatrie das eigentliche Rätsel zu ergründen: Wie sieht die Welt eines Geisteskranken aus,  so dass er sich so verhält, wie wir es im Außen sehen? Dieses Rätsel zu lösen wäre gleichbedeutend mit dem wahren Verstehen einer Geisteskrankheit, und wäre damit sicherlich auch eine gute Voraussetzung, mit einer Geisteskrankheit richtig umzugehen. Ich meinte damals, es sei für die Psychologie selbstverständlich, sich diese Frage zu stellen, ganz ähnlich einem Autoschlosser, den doch der Zustand der Zündkerzen interessieren sollte, damit er dem mechanischen Problem zu Leibe rücken kann. Doch solche „tiefschürfenden“ Fragen stellt man sich in der Psychiatrie in der Regel nicht, vielmehr herrscht dort ein ziemlich flaches mechanistisches Denken, dem zufolge auch diese, eigentlich faszinierende Wissenschaft, im Grunde keine besonderen Überraschungen bereithält.

Erst später verstand ich, dass die Psychiatrie im Grunde das gleiche Problem hat, wie die Gesellschaft insgesamt: das einer Selbstentfremdung. Die meisten Menschen in der Gesellschaft, und auch die meisten Menschen, die in der Psychiatrie tätig sind, kennen sich selbst wenig, haben keine Ahnung von inneren Stimmen, von abgrundhaften Zuständen der Psyche, wie sie in Ausnahmefällen eintreten können, und verstehen eigentlich auch nicht, dass jeder Mensch in seiner eigenen Welt lebt. So etwas können sie mit dem Mund sagen, aber wirklich verstehen können sie es meist nicht. Nur deshalb erscheint ihnen die Frage nach dem Wesen dieser inneren Welten, die sie da vor sich haben, wie überflüssig und wie bereits geklärt.

Man könnte es auch so sagen: Das Wesen der inneren Welten der Patienten zu erforschen erscheint vielen Psychiatern und Psychologen müßig, denn diese sind ja dysfunktional in ihrem Denken – wozu wohl sollte man sich die Mühe machen, einen Verrückten zu verstehen? Die Definition des Irrsinns ist diesen Leuten eigentlich die, dass sie abweicht vom eigenen Denken, das sich in einem fast perfekten Gleichklang mit dem Denken der Mehrheit glaubt. Man sieht das ähnlich wie den Verkehr auf einer Autobahn: der Geisterfahrer ist der, dem hunderte Autos entgegenkommen, während in seiner Richtung niemand unterwegs ist. Um bei diesem Vergleich zu bleiben: Natürlich hat die Psyche (gerade wenn man den Begriff des Ich-Universums wirklich versteht und verinnerlicht) viel mehr Möglichkeiten Realität zu erzeugen, als die zwei Fahrtrichtungen auf einer Autobahn – gerade hier gewinnt der Vergleich: Letztlich geht es für die gefahrlose Benutzung der Autobahn nur um die EINIGUNG, in welcher Richtung sie befahren werden soll. Denn eigentlich ist es egal, ob Linksverkehr oder Rechtsverkehr vereinbart wird, das Wichtige ist nur, dass die Regelung kommuniziert wird und sich alle daran halten. Ganz ähnlich ist es mit der Geisteskrankheit, auch hier gibt es eine Unendlichkeit von Realitäts-Möglichkeiten für die Psyche, eigentlich ist es egal, was man denkt, wenn man sich nur im Gleichklang mit der Mehrheit befindet. Während unsere bisherige Weltsicht (Materialismus) es so aussehen lässt, als würde der Kranke die Realität nicht erkennen, wohingegen alle Gesunden ein- und dieselbe Realität beobachteten und sich darin völlig einig sind.

Die fremden Welten beginnen im Nächsten

Eine Psychose beispielsweise ist dadurch definiert, dass der Patient von der richtigen Wahrnehmung der Realität abweicht. Er hat Wahnvorstellungen, also Vorstellungen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Das ist die gängige und allseits bekannte Vorstellung der Psychiatrie.

Das eigentlich Interessante bleibt, wenn man eine Psychose so beschreibt, völlig unverstanden. Ich will die sich aufdrängende Problematik in folgende Fragen kleiden (die ich damals, als ich mit Psychiatern und Psychologen zu tun hatte, auch stellte, und dabei weitgehendes Unverständnis erntete):

  • Wer hat die richtige Realität im Kopf? Schließlich ist es doch so, dass wir alle annehmen, wir seien nicht im Besitz der letztendlichen Wahrheit über die sogenannte Realität, da jeder Mensch nur einen Aspekt der Realität kennt. Wer also kennt die wirkliche Wirklichkeit? Wer kennt die reale Realität?
  • Wenn man die erste Frage in dem Verständnis abschließt, dass es niemanden gibt, der die Realität richtig und endgültig kennt, dann schließt sich die notwendige Frage an, wie und warum wir darauf kommen, es gäbe überhaupt eine einzige Realität, und nicht viele Realitäten? Denn – was wohl soll eine Realität sein, die nicht begriffen wird, die also in niemandes Denken als Realität existiert? Wenn also im Denken von 7 Milliarden Menschen 7 Milliarden Realitäten existieren, dann ist die eine und einzige Realität, von der wir ständig sprechen, definitionsgemäß nicht darunter. Aber wo ist sie dann?
  • Wie können wir, wenn wir doch das Fremde (den Patienten) nur mit den Mitteln verstehen können, die uns unsere eigene geistige Welt bietet, das eigentlich Fremde verstehen wollen? Muss das, was wir im Anderen erkennen, nicht zwangsläufig unsere eigene Welt sein, die wir dort, gewissermaßen spiegelbildlich verkehrt, vorfinden? Sieht der Gesunde im Kranken das (spiegelverkehrte) Bild der eigenen Psyche?
  • Was ist etwas, das uns definitionsgemäß unbekannt ist, und das wir dennoch benennen als sei es uns bekannt? Diese Frage entzündete sich an dem Benennen „des Unbewussten“ im Sinne von etwas Bekanntem (erst später erfuhr ich, dass es sich hier um ein allgemeines und ständig auftretendes Paradoxon handelt, das, in ganz ähnlicher Form, bereits durch den antiken Philosophen Plato  angesprochen worden war, und zwar in der Behandlung des Begriffes des Nichts). Es handelt sich also um die Frage: Kann man etwas, das nicht bewusst ist, im Bewusstsein haben? Kann man etwas Unaussprechliches aussprechen? Kann man etwas Unbekanntes kennen – und, kann man auf das Nichts zeigen und sagen: Da ist es?
  • Zu dem Vorgenannten gehört schließlich noch die aus meiner Sicht zentrale Frage, als was eigentlich man das Bewusstsein versteht: als ein Werkzeug, mit dem äußerliche Informationen im Inneren (im Gehirn) gespiegelt werden, oder als einen Generator von Realität? Denn wenn man akzeptiert, dass es nicht wirklich eine Realität gibt, sondern vielmehr so viele Realitäten wie es Menschen gibt (von den Realitäten der Tiere einmal ganz zu schweigen), dann fragt es sich doch, welche Freiheit das Bewusstsein hat, eine eigene Realität zu erschaffen, anstatt mit Notwendigkeit immer wieder auf eine einzige Realität zurückkommen zu müssen?

Gerade die letzte Frage ist es, die, einen aufmerksamen Blick vorausgesetzt, in der Psychiatrie beantwortbar wäre, denn hier hätte man Gelegenheit, die Wandlungsfähigkeit der Psyche in Vollkommenheit zu sehen. Wenn man das beobachtet, dann muss man die Macht des Geistes unbegrenzt nennen, nicht eingrenzbar durch unser „gesundes“ Denken jedenfalls, das selbst wie aus einem Käfig heraus unendliche Mannigfaltigkeit beobachtet. Die Realität kann jede Form annehmen! Ich habe das so beobachtet und dafür den Satz gefunden, der für mich nach wie vor vollständig gültig ist:

Das Denken ist die Realität. Es gibt die Realität nicht noch einmal extra.

DAS ist es, was uns die geistig Kranken zeigen können. Um das zu verstehen, müssen wir jedoch unsere Vorstellung einer geistigen Krankheit ändern. Wir sollten Geisteskrankheit als eine kontinuierlich geänderte Variante unseres eigenen Denkens verstehen, nicht als völlig abwegig, nicht als abartig, nicht als unverständlich etc.. Sondern Geisteskranke haben eine eigene Realität, das ist wahr. Aber, eine eigene Realität zu haben, das ist eigentlich nicht das Besondere, sondern das gilt ja für uns alle!

SO verstanden erscheint eine Geisteskrankheit wie etwas ganz anderes, als die Psychiatrie gemeinhin darin sieht. Nicht als eine falsche Widerspiegelung „der Realität“, sondern als eine fehlgeleitete Kommunikation – denn es ist die Sichtweise des Spirealismus, die Realität als eine Funktion der Kommunikation zu sehen; außerhalb und unabhängig von uns Menschen gibt es die Realität nicht. Jedenfalls nicht die Realität, von der wir Menschen sprechen. Und: Außerhalb und unabhängig vom Indidviduum gibt es aus demselben Grund und mit denselben Konsequenzen keine individuelle Realität.

Übrigens ist ja tatsächlich ein Schlüssel für die Gesundung eines geistig Kranken die Kommunikation – man denke nur an Freud und seine Couch. Man denke an Psychoanalyse, Therapiegespräche u.v.m.. Auch ich selbst habe das so erlebt: Die Kommunikation, so mühevoll sie ist, so beschwerlich und teilweise auch dröge sie sein mag, ist der Schlüssel, einen psychisch Kranken wieder an die Welt zu binden. Und … Kommunikation ist umfassend zu verstehen. Es sind die Worte, aber auch die Blicke, die Dinge die man miteinander erlebt, und die Dinge die man ablehnt zu erleben.

„Die Welt“, das ist eigentlich nur eine bestimmte Art der Sichtweise; der Eindruck trügt, es gäbe die Welt in der Einzahl.

Die Notwendigkeit des Ich-Universums

Und das war der Grund für mich, diesen Terminus Ich-Universum gewissermaßen zu erfinden – um damit, in einem Wort, in einem recht sinnbildlichen Begriff, etwas auszudrücken, das in unserem Gewohnheitsdenken eigentlich nicht vorkommt. Nämlich die Vorstellung, dass im anderen Menschen eine Welt ist, ein eigenes Universum, und dass wir, von unserem eigenen Universum aus gesehen, das Universum des Fremden nicht im eigentlichen Sinn betreten können. Wir können es nicht sehen, wir können es nicht ver-stehen und wir können nicht darin stehen, so wie es das andere Ich kann.

Worte sind unser äußerer Ausdruck für innerliche Vorstellungen, beides lässt sich nicht sinnvoll trennen. Daher ist es manchmal nötig, ein neues Wort zu kreieren, um neuen Vorstellungen Raum zu geben, und um deutlich anzuzeigen: Hier kommt man mit der hergebrachten Denkweise nicht weiter, hier braucht man neue Vorstellungen, ein neues Herangehen. Aus diesem Grund ist der Terminus Ich-Universum sehr vielsagend, denn er beinhaltet eine ganze Welt von Vorstellungen, die von unseren materialistischen Vorstellungen abweichen.

Aspekte des Ich-Universums, Teil 3: praktische Erfahrung des Ich-Universums was last modified: Mai 29th, 2017 by Henrik Geyer

Aspekte des Ich-Universums, Teil 2: individuelle Wahrnehmung erschafft die Realität – Wahrnehmung ist immer verschieden

Im letzten Abschnitt ging es um eine Denkvoraussetzung, die es ermöglicht das Konzept des Ich-Universums zu verstehen. Um die Wahrnehmung, dass die Dinge Gedanken an Dinge sind. Warum sage ich Wahrnehmung, und nicht, es wäre eine These oder Überlegung, wenn ich von Dingen als Gedanken an Dinge spreche?

Ich will das einmal ganz praktisch ausdrücken: Für mich ist es die Basis meines Denkens geworden, die Gedanken als die Quelle des Kosmos anzusehen. Daher sind alle Begriffe, die ich denken kann an diese Denkvoraussetzung gebunden. Es ist meine Wahrnehmung, dass die Aussage „Die Dinge sind Gedanken an Dinge“ vollständig zutrifft.

Nun weiß ich, dass dies nicht die Wahrnehmung der Leser dieses Artikels ist, und akzeptiere das, jedoch die eigene Wahrnehmung in keiner Weise schmälernd, denn ich gehe ja nicht davon aus, dass Wahrnehmung etwas wäre, das alle zugleich haben müssten. Vielmehr gehe ich davon aus, das Wahrnehmung immer verschieden ist, und sein muss. Insofern sehe ich nicht den Imperativ der Abstimmung in dieser zutiefst fundamentalen Frage, auch wenn, man könnte auch sagen: gerade weil ich weiß, dass das Hauptsächliche Wirkprinzip des Materialismus die Übereinstimmung mit Anderen ist. Wo man also, im Denksystem des Materialismus wohlgemerkt, keine Übereinstimmung mit Anderen findet, vermutet man auch keine Wahrheit – diesen Grundsatz muss der Spirealismus durchbrechen,

Im Gegenteil: Wie man etwas wahrnimmt, ist eine Frage der Begriffe, die in einem sind. Und so kann, was man wahrnimmt, nie völlig gleich einer anderen Wahrheit sein, sind doch die selbst gekannten Begriffe (und damit das, was wir hier Ich-Universum nennen), immer verschieden.

Ich selbst erlangte meine Wahrnehmung der Welt, auf die Art wie ich sie beschreibe, durch das jahrelange Zusammensein mit einem psychisch „kranken“ Menschen aus unserer Familie, woraus für mich irgendwann der Gedanke erwuchs, den ich für uneingeschränkt richtig erkannte:

Die Realität ist die Realität unserer Gedanken

Ich kann die Eindringlichkeit der Erfahrung, die man mit psychisch kranken Menschen machen kann, in keinem Text wiedergeben (auch wenn ich es gleichwohl in Alles ist Geist versuchte), und bin sogar inzwischen einigermaßen pessimistisch, was das Vermitteln der hieraus gewonnenen Überzeugungen angeht. Denn nicht nur sehe ich Unverständnis bei vielen Lesern, ich weiß auch selbst noch recht gut, wie schwierig es war, diese Grundüberzeugung widerspruchsfrei in meinem eigenen Denken zu verankern. Denn sie trifft auf ein widerständliches (Ich-)Universum diametral entgegengesetzter Überzeugungen, die gelernt und verankert sind, die in uns Menschen eine jahrtausendelange Tradition haben (wir sind alle miteinander verbunden und die Überzeugungen der Menschen drücken sich natürlich auch in mir aus), so dass diese Überzeugung und der o.g. Satz, nicht in ein- und demselben gedanklichen Universum Platz haben.

Doch weil für mich nun die Dinge nichts anderes als Gedanken sind, fasse ich das Wörtchen Wahrnehmung ebenfalls ganz anders auf als die meisten Menschen, denn ich gehe davon aus, dass zwei Menschen nicht genau dieselbe Wahrnehmung haben können. Oder können zwei Menschen genau denselben Gedanken haben? Nein, das können sie nicht.

Denn erstens ist das Denken das Werkzeug der Wahrnehmung, nicht ein Auge oder ein Ohr, und daher kann das, was gedacht und begriffen wird, nie unabhängig sein von den im Ich bereits vorhandenen Gedanken bzw. Erfahrungen, nicht unabhängig sein von der vorhandenen Denkwelt. Alles was begriffen wird, kann nur begriffen werden mit den Begriffen die ich habe, so wie ich auch nur alles zu benennen weiß mit den Worten die ich habe.

Und zweitens steht dies nun wieder in tiefer Übereinstimmung mit dem Resultat der Spirealismus Überlegungen:

Wir (Menschen) sind Elemente der Schöpfung, nicht ihre Beobachter.

Das bedeutet, dass, während wir von objektiv vorhandenen Dingen (Objekten), von denen wir uns umgeben glauben, Informationen abzurufen meinen, sie also im materialistischen Sinn zu beobachten, sind wir selbst die Quelle der Objekte. Während wir beobachten erschaffen wir eigentlich.

Der materialistisch geschulte Mensch meint, auf der Basis seiner Überzeugungen, wir würden alles auf dieselben äußerlichen Objekte schauen, wir müssten doch im Prinzip alle dieselbe Wahrnehmungsfähigkeit haben. Ich hingegen bestreite dies bereits im allerersten Grundsatz, und sage, dass das im Gegenteil gar nicht möglich ist. Was wir als „gleich“ bezeichnen ist in Wirklichkeit mehr eine Ähnlichkeit als eine wirkliche Gleichheit, und diese Ähnlichkeit wiederum tritt nicht auf der Basis von äußerlich festen Objekten auf, die wir alle zugleich beobachten, sondern treffender kann man formulieren, dass die Gleichheit das Ergebnis eines Abstimmungsprozesses ist. Diesen Abstimmungsprozess kennen wir als unser Miteinander-Sprechen, oder unser gemeinsames Erleben, er tritt aber auch in nahezu jeder anderen Gestalt auf, die wir kennen. Der Abstimmungsprozess von dem ich spreche (oft nenne ich ihn Kommunikation), ist nicht in erster Linie etwas, zu dem es den freien Willen des Menschen benötigt, oder seinen hohen Geist, mit dem er Dinge erkennt und benennt, sondern dieser Abstimmungsprozess, diese Kommunikation, tritt sozusagen natürlich auf, und sie ist in vollem Gange, wenn wir nur die Augen öffnen, oder etwas hören. Es ist also die Rede von einer nicht-menschlichen Kommunikation, die sich in aller Natur stets und ständig ausdrückt, zu der es uns Menschen also nicht im Besonderen braucht, und die auch nicht vom Menschen ausgeht, sondern die sich einfach im Menschen, auf menschenspezifische Art, fortsetzt.

Dazu passt, was ich über die hier vorliegende Kommunikation sagen kann, über die hier niedergelegten Worte: Indem ich vom Spirealismus schreibe und über Konsequenzen dieser Überlegungen berichte, kann ich nicht davon ausgehen, jedermann zu „überzeugen“, denn Kommunikation ist ja kein Ausrichten des Verstandes auf äußerlich vorhandene Dinge, auch Fakten genannt, die also jedermann im Endeffekt überzeugen müssen. Sondern der Kosmos (gemeint ist die kosmische Ordnung, Kosmos soll hier nicht verstanden werden als ein zweites Wort für „das Universum“) ist eine Abstimmung, die innerhalb eines Feldes völlig unbegrenzter Möglichkeiten auf etwas Einzigartiges führt, dessen Existenz der Gedanke daran ist, und dessen „materielle Festigkeit“ davon abhängt, wie stark, wie oft dieser kosmische Gedanke in Ähnlichkeit auftritt.

Im menschlichen Verständnis sehen wir die Funktionalität dieser Abstimmung auf etwas Einzigartiges, jedoch nicht mit einer Notwendigkeit Existierendes daran, dass jeder Gedanke den man „sinnvoll“ äußern kann, auf Grund der im individuellen Denken vorhandenen Voraussetzungen beurteilt wird. Was dem Individuum nicht recht sinnvoll erscheint, oder nicht wahrscheinlich, wird die Menschen mit einer Art Müdigkeit und Desinteresse erfüllen, und sie werden sich fragen, was sie wohl etwas interessieren soll, das doch die meisten anderen Menschen (ihrer Umgebung) nicht für möglich halten oder nicht wissen. Das wiederum führt zu Kommunikationslosikeit, und wo Kommunikationslosigkeit ist, kann es keine Objekte geben, die im Denken auftauchen. Man könnte sich das Letztgesagte auch so vor Augen führen: Für uns kann es nur das geben, was wir auch sehen können, worauf wir unsere Augen richten, wohingegen das uns im Rücken Befindliche, nicht Gesehene, nicht Gedachte, keine Existenz hat und nicht haben kann.

Umgekehrt bekommt all das eine sofortige Form von Existenz, an das wir nur denken, wir nennen das Denken, das zunächst „unbewiesen“ ist, weil es „nur“ im Individuum auftritt, eine Phantasie, einen Glauben, eine Wahrscheinlichkeit, etc..

Womit ich sagen will, dass im Prinzip all unser Denken eine Art Glaube ist, der (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) im Letzten nicht beweisbar ist. Und wieder (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) seine Funktionalität in einer Realität findet, die durch ihn erschaffen wird. Weiterhin findet dieser Glaube (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) seine Beweiskraft in sich selbst und stellt sich (ganz ähnlich einem religiösen Glauben) dem Gläubigen als ein Wissen dar, also als das Denken gesicherter Fakten. Und schließlich, ganz ähnlich einem religiösen Glauben, ist auch dieser Glaube wirksam, denn mit dem Glauben wird eine Realität erschaffen, und was wohl ist für uns das ultimative Kriterium für Wahrheit, wenn nicht die ach so heilige, „eine und einzige“, Realität?

Dass man innerhalb einer zusammenhängenden Gruppe (von Menschen) nur das kommunizieren kann, was die anderen bereits  denken, ist eine für die Kommunikation (im Sinne einer Abstimmung) sehr verständliche Funktionalität. Man stelle sich vor, ein chinesischer Gelehrter würde die wichtigsten Weisheiten des chinesischen Volkes vor einem deutschen Publikum ausbreiten … und zwar auf chinesisch. Das würde den Deutschen vorkommen wie etwas zutiefst Überflüssiges, und der fernöstliche Weise würde ihnen erscheinen wie ein Narr, der unverständliches Zeug von sich gibt.

Ganz ähnlich ergeht es mir, wenn ich davon rede, dass die Gedanken die Quelle des Universums sind, eigentlich die Quelle der Universen (Mehrzahl), und das vor einem Publikum, das doch seit Urzeiten gelernt hat, und nun ganz sicher weiß, dass die Quelle des Universums materielle Objekte sind, die wir im Außen beobachten, die eindeutig sind und immer in der Einzahl – woraus dann auch die Mär des Universums (Einzahl) resultiert. Und dieses eine Universum, so glaubt man materialistisch, würden wir Menschen in unserem Denken auf bestmöglich, auf „objektive“ Art und Weise, abbilden, und zwar mit dem Ziel, die Objekte des Außen auf eine effektive Weise zu beeinflussen, sprich: uns in der Welt zurechtzufinden, und diese zu unserem Nutzen zu verwandeln.

Ich weiß also, dass meine Philosophie von den Meisten nicht verstanden werden kann, ich bin mir dessen bewusst. Und ich spüre die Müdigkeit auch in mir, die den Chinesen überkommen muss, der innerhalb einer deutschen Bevölkerung als Einziger seine Landessprache spricht, und der sich schließlich fragen muss, bei aller Richtigkeit dessen, was er da vorträgt, welchen Sinn all dieses Vortragen eigentlich haben kann. Die Funktionalität der Kommunikation, deren erste Regel darin besteht, sich im Denken annähern zu müssen, um schließlich in einem (scheinbar äußerlichen) Punkt übereinstimmen zu können, er verstößt gegen sie. Die Regel selbst ist intakt, und beweist ihre Wirksamkeit eben durch die genannte Müdigkeit.

Dennoch kann ich nicht davon lassen, den Spirealismus in der von mir gedachten Weise darzulegen – ich kann mich dem Denken der Meisten nicht annähern, besteht doch die Aussage des Spirealismus gerade darin, dass der Kosmos in seinen Möglichkeiten unbegrenzt ist und von unserem Denken auf Etwas reduziert, eingegrenzt, materialisiert wird – und dieses Eingegrenzte bezeichnet der Materialist gerade als das Mögliche. Es ist also klar, dass der Spirealismus vom Denken der Meisten abweichen muss, eine neue Form der Weltsicht etablieren muss und deren Konsequenzen benennen muss. Würde er dieses Ziel aufgeben wäre er besser kommunizierbar, bliebe aber beliebig und widersprüchlich und wäre nun erst recht nichts, was mich interessieren könnte.

Der Philosoph Schopenhauer drückte das soeben Gesagte einmal so aus, dass er schrieb, all seine Philosophie (die in ähnliche Aussagen resultiert wie der Spirealismus) habe ihm nie etwas eingebracht: kein Geld, keinen Ruhm (beides irdische Äquivalente für Zustimmung); sie habe ihm jedoch wenigstens viel erspart. Erspart hat sich Schopenhauer durch seine Philosophie viele intellektuell anspruchslose Gespräche, Zeitverschwendung aus seiner Sicht … Immerhin!

Zusammengefasst

Wie man an diesen Überlegungen sehen kann: man kommt hier vom Hundertsten ins Tausendste, von der Auffassung der Gedanken als der Quelle der Universen zu einer anderen Auffassung des Wortes „Wahrnehmung“, und schließlich wäre, an dieser Stelle durchaus passend, einiges zu einem ganz anderen Verständnis des Wortes „menschlicher Wille“ und auch „Freiheit“ zu sagen.

Doch will ich kurz zusammenfassen, worum es in diesem Abschnitt eigentlich geht.

Der Begriff des „Ich-Universums“ wird uns im Grunde nur verständlich, wenn wir die wichtigen Begriffe, die unsere Welt(en) formen, neu denken. Oder andersherum: die aufmerksame Beobachtung unseres Denkens, der Art und Weise wie wir Dinge auffassen, begreifen, lernen, führt uns, wenn wir offen genug sind von den erlernten Imperativen unseres herkömmlichen Weltbildes (des Materialismus) einmal zu lassen, mit Notwendigkeit zur Vorstellung eines Ich-Universums, also einer in sich geschlossenen Welt die in jedem Individuum verschieden ist. Und die im Letzten, von Außen gesehen, nicht begreifbar ist, oder sein kann, denn die Seins-Bedingung des Ich-Universums ist, individuell zu sein, oder, anders gesagt, das Individuum ist der Ausdruck oder die äußerliche Form eines Ich-Universums.

Insbesondere Wahrnehmung muss man sich vorstellen als etwas Einzigartiges, das im Ich seine ganz eigene Form annimmt, und niemals völlig übereinstimmen kann mit etwas Äußerlichem.

Das Ich-Universum, die Gedankenwelt des Einzelnen also, ist individuell und kann von außen nicht als solches „erkannt“ werden. Da es sich um ein Universum (einen Raum) handelt, könnte man auch sagen, dass man das Universum eines anderen nicht betreten kann. Man kann nicht hinein, man kann es nicht einsehen, man kann es nur von „Außen“ beurteilen, und zwar mit den geistigen Mitteln die man selbst hat, und die, eben weil die Wahrnehmung von den geistigen Mitteln abhängt, die zur Verfügung stehen, abweichen muss. Abweichen wovon? Von der geistigen Welt Desjenigen, der sie in sich trägt.

Das, was wir über die geistigen Welten unserer Mitmenschen wissen, können wir ebenso gut unsere eigene Welt nennen, wie eine fremde Welt.

 

Und schließlich kommen wir, wenn wir die Menschen verstehen als die Träger in ihnen existierender, immer verschiedener, Universen, oder auch verstehen als äußerlichen Ausdruck dieser Universen, auf die Frage, was oder wer wohl von dem einen Universum , von dem wir stets phantasieren, und das wir alle zu beobachten meinen, weiß, wer es denkt, wo es sein soll, etc.. Wenn es nicht im Kopf irgendeines Menschen ist … wo ist es dann?

Davon soll im nächsten Abschnitt die Rede sein.

Aspekte des Ich-Universums, Teil 2: individuelle Wahrnehmung erschafft die Realität – Wahrnehmung ist immer verschieden was last modified: Mai 16th, 2017 by Henrik Geyer

Aspekte des Ich-Universums, Teil 1

In diesem Artikel und einigen weiteren werden verschiedene wesentliche Bestandteile besprochen, die der Begriff Ich-Universum in sich trägt, und zwar folgende:

  • die Dinge können nichts anderes sein, als das, was wir uns unter ihnen vorstellen
  • das Ich ist ein Universum. Ein Universum ist ein Ich.
  • die Welt als Vorstellung
  • das Universum als Ganzes aus Teilen. Ist das Universum nun auch Teil … ?
  • nur alles, was gewusst wird, kann Teil des Universums sein, nicht das Nicht-Gewusste
  • das Unbewusste als das Nicht-Gewusste
  • das Nichts, im materialistischen Sinn verstanden, als Widerspruch in sich
  • die Vielzahl der Universen – Multiversen
  • die Abgegrenztheit der Universen
  • das Unvermögen, das eigene Universum zu verlassen
  • die Durchdringung der Universen
  • die Rundheit des Universums
  • der Mensch in der Mitte
  • Objekte des Denkens sind wie himmlische Körper
  • Phantasie führt uns in neue Universen
  • das schwarze Loch als himmlische Versinnbildlichung der einen Idee
  • die Dinge sind semantischer Natur
  • Beweisbarkeit

 

Den Begriff Ich-Universum führte ich in meinem ersten Buch „Alles ist Geist“ ein, und zwar als Überschrift einer Buchreihe, deren erster Teil eben dieses „Alles ist Geist“ sein sollte; das bedeutet, unter dem Oberbegriff „Ich-Universum“ werden noch weitere Bücher folgen, die den ursprünglichen Gedanken  genauer fassen, beschreiben, Folgerungen ableiten.

Ich wollte stets vermeiden, eine neue Philosophie zu erschaffen, die lediglich eine Neuformation alter Inhalte unter Zuhilfenahme neuer Worte ist. Ich wollte keine neuen Sinngefüge vortäuschen während ich im Grunde das Alte nur neu benenne. Nein, vielmehr wollte ich wirklich Neues schreiben, und nur dort, wo es unbedingt notwendig schien, ein neues Wort einführen.

Das Wort Ich-Universum einzuführen schien mir aber unbedingt notwendig, drückt es doch eine Vielzahl von Gedanken aus, die uns in der herkömmlichen materialistischen Sichtweise völlig ungewohnt und einigermaßen unbegreiflich scheinen – trotzdem sie aus der Sicht des Spirealismus unbedingt zu konstatieren sind. Kurz wiederholt: „Materialismus“ bedeutet im spirealistischen Verständnis die allgemein übliche Sichtweise (man könnte auch sagen „das Fundament unseres kollektiven Bewusstseins“), dass menschlicher Geist eine außerhalb seiner selbst befindliche Welt beobachtet. Während es die spirealistische Sichtweise ist, dass der Mensch Element der Schöpfung ist, nicht deren Beobachter; und dass es außerdem nicht die „die Welt“ gibt, sondern „die Welten“, deren Ausdruck unter anderem wir selbst sind.

Was den Begriff Ich-Universum notwendig macht, ist zum ersten die Feststellung, dass die Dinge, die wir vor uns sehen, nie etwas anderes sein können, als wir uns darunter vorstellen.

Die Dinge können nichts anderes sein, als das, was wir uns unter ihnen vorstellen

In der materialistischen Denkweise stellt man sich die Welt folgendermaßen vor: Äußerliche Dinge werden beobachtet und im menschlichen Verstand „nur“ gespiegelt. Und nun fragt es sich natürlich, inwiefern diese äußerlichen Dinge in ihrem Wesen von den Dingen, so wie sie sich uns darstellen, also, wie wir sie uns vorstellen, abweichen. Nun nimmt der Mensch an, da sei lediglich eine zu vernachlässigende Differenz zwischen Vorstellung und wirklichem Sein; er tut das unter Zuhilfenahme vieler begleitender Annahmen, wie zum Beispiel der, der Mensch selbst sei das einzig ernst zu nehmende Bewusstsein des Kosmos, weil als einziges mit Vernunft (!) ausgestattet. Wer also könnte wohl eine bessere Vorstellung von den Dingen, was sie wirklich sind, haben?

Eine zweite Krücke die sein Weltbild stützt ist eigentlich eine aus der Erstannahme folgernde These, die etwa folgendermaßen lautet: wenn die Menschheit eine einzige Welt außerhalb ihrer selbst beobachtet, eben „die Welt“, und wenn diese Beobachtung umso genauer gelingt, je mehr Menschen sich an der Beobachtung beteiligen, dann ist das Übereinstimmen der Menschen in einigen Grundfragen der beste Beweis dafür, dass diese Grundannahmen auch stimmen müssen. Der beste Beweis für die Dinge, was sie wirklich sind, ist also, das viele Menschen über die Dinge dasselbe sagen. Wenn man dann aber sieht, wie die Menschen ja nicht jeder einzeln die Dinge beobachten und untersuchen, sondern im Gegenteil, wie jeder gewohnt ist vom anderen abzuschreiben, abzuschauen, abzulernen, dann bedeutet das nichts anderes, als dass die Menschheit sich in einem ewigen Zirkelschluss der Redundanz selbst beweist, stets auf ihre eigenen Vermutungen zurückgreifend, dass ihre Grundannahmen (des Materialismus) zutreffen. Der Materialismus führt stets auf sich selbst zurück, beweist sich selbst, und lässt auf absolutistische Manier keine andere Annahme zu ….

Doch nun sollte sich dem Materialismus der eine oder andere Zweifel einschleichen, denn man wird sich der Tatsache immer bewusster, dass dieses Weltbild in sich widersprüchlich ist, und im Ergebnis eigentlich unerklärlich. Beispielsweise wird die Wissenschaft der Tatsache gewahr, dass die Objekte des Außen im Eigentlichen keine Farben haben, sondern dass Farben eine Zusatzleistung des Verstandes sind … und man fragt sich also unwillkürlich: Wenn die Objekte des Außen keine Farben haben – was haben sie wohl noch alles nicht, das wir so sicher an ihnen annehmen? Oder sehen wir uns die Atome an, eigentlich gedacht als feste Kerne, also ganz ähnlich allen anderen festen Objekten, die uns umgeben: Genauestens definiert in Zeit und Raum und somit bestens geeignet als Anschauungsobjekte, und dazu, ihnen zugehörige Informationen „abzurufen“ und diese dann in unseren Gehirnen zu spiegeln – doch nun stellt man fest, dass diese Atome eigentlich aus Nichts bestehen, denn zwischen ihren bis ins Unendliche teilbaren Teilen (Teilchen) gibt es riesige Zwischenräume, in denen nichts ist, und die eigentlichen „Kerne“ können als Substanz gar nicht identifiziert werden. Sie haben auch eine alles andere als gesicherte Existenz, denn sie existieren eher innerhalb gewisser Wahrscheinlichkeiten und sogar in Abhängigkeit davon, wer sie beobachtet, wo und wie sie beobachtet werden! Was nichts anderes heißt als: Hier ist nichts Festes! Hier ist keine Substanz im gedachten, vorgestellten Sinn. Hier ist keine Materie!

Nun ist es vielleicht das Neue, das ich mit meinem Spirealismus ausdrücken kann, wenn ich sage, dass diese Rätselhaftigkeit nicht erst eigentlich in der Kernphysik auftritt, sondern in jedem Ding, das wir vor uns sehen – und dass sich das sehr gut übersetzen lässt in die Worte, die schon Schopenhauer gebrauchte: die Welt ist eine Vorstellung. Woran dann allerdings wieder zu sehen ist, dass in Bezug auf diese Feststellung der Spirealismus eine Richtung vertritt, die überaus historische Bezüge hat; man muss sich allerdings wundern, dass die Gedanken Schopenhauers oder auch die Folgerungen klassischer griechischer Philosophie so gar keinen Eingang in die Sichtweisen der heutigen Gesellschaft gefunden haben, so dass den heutigen Wissenschaftlern das eben Gesagte so rätselhaft ist, wie es schon vor 2000 Jahren war. Eigentlich rätselhafter, wie ich glaube, denn der Materialismus als eine völlige Zweifelsfreiheit, als ein alles verdrängender Nazigedanke der Philosophie, dürfte sich erst in dieser Zeit entwickelt haben.

Jedenfalls macht aus all dem Vorgenannten der Spirealismus ein: Die Welt ist eine Vorstellung, eine Phantasie. Die vorgestellte Festigkeit von Materie, im Sinne eines Vorhandenseins vor der Beobachtung, im Sinne eines alternativlosen Vorhandenseins, im Sinne eines unleugbaren eindeutigen kausalen Zusammenhangs, der aus der Vergangenheit auf einem einzigen Strahl in eine eindeutige Gegenwart fließt, ist Materie eine Vorstellung, aber nicht mehr. Als Vorstellung in einem Kosmos aus Vorstellungen hat auch diese Vorstellung von Festigkeit, von Eindeutigkeit zweifellos ihre Gültigkeit, aber keine alleinige, schon gar keine unbedingte.

Warum nun sage ich nicht (so wie mir selbst das allenthalben begegnet): Die Welt als Vorstellung … das mag zum Teil stimmen … die Welt ist eine Vorstellung … zum Teil!

Ich will den Grund nennen.

Jeder gesunde Gedanke muss uns sagen, dass die Dinge, was sie sind und was sie sein können, von unseren Vorstellungen abhängen. Aber jeder noch tiefere Gedanke muss uns sagen, dass die Vorstellungen von den Dingen unsere geistige Endstation sind. Oder was sollen wir uns vorstellen können, jenseits unserer Vorstellungen?

Die Eindeutigkeit der Aussage „die Dinge sind das, was wir uns darunter vorstellen“ ist also in nichts zu schmälern, vielmehr würde man durch ein Relativieren die zutiefst wahrhaftige Erfahrung des Prinzips Alles ist Geist der Hermetik verwässern, würde die Begriffe zurück-verwirren, und uns wieder in die Widersprüchlichkeit des Materialismus zurückführen. Während hingegen so, ausgestattet mit dieser eindeutigen und unwiderlegbaren Aussage, sich weiterarbeiten lässt, weiterdenken, weiter schließen. Wir verabschieden uns von der Nicht-Nachweisbarkeit einer materiellen Außenwelt bei gleichzeitiger Anerkenntnis ihrer Existenz (Hume), was doch zutiefst widersprüchlich ist.

Und wenn wir nun sagen, dass die Dinge nichts anderes sind als der Gedanke an Dinge, dann kann man wohl kaum etwas anderes über das Universum sagen. Denn das Universum ist als Substantiv, als Gegenstand einer Betrachtung, als Ding, nun wieder nichts anderes als eines jener Objekte, die wir gewohnt sind, im Geist zu bewegen, und die ich im Spirealismus „Objekte des Denkens“ nenne, weil ich damit dokumentieren will, dass die Objekte, welche auch immer gemeint sein können, ob nun ein Tisch oder ein Haus oder ein Universum, nirgendwo anders existieren als in einem Denken, und nichts anderes sind als ein Gedanke.

 

In weiteren Artikeln werde ich weitere Aspekte des Begriffes Ich-Universum besprechen

Aspekte des Ich-Universums, Teil 1 was last modified: Mai 8th, 2017 by Henrik Geyer

Die Entdeckung der Unendlichkeit in allen Dingen

Die Entdeckung der Unendlichkeit - die Unendlichkeit ist in den Dingen - 2 [SPID 4673]

Die Unendlichkeit – sie ist in den Dingen, die uns umgeben. Sie ist im Ich. Wie entdeckt man die Unendlichkeit, wie kann man sie sehen?

Die Unendlichkeit des Alls

Das All ist unendlich. Es ist das Alles. Das Weltall ist nicht „dort“, man muss nicht durch ein Teleskop sehen, um es betrachten zu können, sondern das All umgibt uns, ist in uns, durchdringt uns. Wir sind selbst das All.

Das All ist nur scheinbar die Summe seiner Teile. Wäre es einfach die Summe von irgendetwas, wäre es uns nicht paradox, denn es würde nicht im Widerspruch zu unserer Weltsicht stehen, dass alles erfassbar ist. Nein, das Wort unendlich bedeutet, dass niemand die Summe bilden kann, denn die Teile kommen, wie aus einer nie versiegenden Quelle, nie endend, zu uns. Aus uns.

Die Unendlichkeit des Kreises

Wir alle kennen das Symbol für Unendlichkeit, den Kreis. Wir könnten genauso gut die liegende Acht betrachten. Doch wir betrachten den Kreis. In der Symbolistik ist der Kreis das Zeichen für Unendlichkeit, ebenso für Gott.

Der Kreis ist ein sich intuitiv erschließendes Symbol für Unendlichkeit, denn man kann mit dem Finger um den Kreis herumfahren – er hat keinen Anfang und kein Ende. Ewig könnte dieses Herumfahren mit dem Finger fortgehen, wenn nicht wir selbst begrenzt wären.

die Unendlichkeit in der geometrischen Figur

Man kann die Unendlichkeit des Kreises auch erklären, wenn man den Kreis als eine geometrische Figur betrachtet. Die Definition eines Kreises in der Geometrie ist, dass ein Kreis sich aus einer Unendlichkeit von Punkten bildet, die sich in immer gleichem Abstand vom Mittelpunkt befinden.

Warum Unendlichkeit? Weil man, egal wie weit zwei Punkte voneinander entfernt sind, wie groß die Entfernung zwischen diesen zwei Punkten ist, diese Strecke immer teilen kann. Man kann in Gedanken einen Punkt zwischen zwei vorhandene Punkte setzen.

Das erfordert übrigens sich vorzustellen, dass die Punkte selbst immer weniger Raum einnehmen. Sie müssen selbst immer kleiner werden, um zwischen die vorhandenen Punkte zu passen. Bis sie – nur scheinbar – Null werden. Doch die Unendlichkeit des Infinitesimalen geht weiter, jenseits der Null sind Welten!

Die Unendlichkeit des Kreises als spirituelles Symbol

Wie schon gesagt ist der Kreis ebenso ein Symbol für Gott. Denn Gott und diese uns rätselhafte Unendlichkeit aus der alles kommt, dieser Raum der unbegrenzten Möglichkeiten, ist ein-und dasselbe.

Oft wird dieses Symbol dargestellt mit einem Punkt in der Mitte. Der Punkt in der Mitte ist der Mensch. Er ist das Element, das innerhalb der Unendlichkeit als ein Teil existiert. Der Mensch kann nicht ohne Unendlichkeit sein, sie umgibt ihn, durchdringt ihn. Und die Unendlichkeit kommt auf rätselhafte Weise aus dem Menschen.

Der Punkt in der Mitte ist raumlos. Warum raumlos? Weil sonst eine begrenzte Zahl an Punkten den Kreis völlig ausfüllen würde – er wäre nicht mehr unendlich in seinem Flächeninhalt, und als Symbol für Unendlichkeit untauglich.

Die Unendlichkeit jedes Objektes

Was wir über den Kreis sagten, lässt sich über jedes Objekt sagen. Um jedes Objekt herum können wir unseren Finger kreisen lassen, solange es uns nur möglich ist, und wir werden nur eins erfahren: die eigene Endlichkeit.

Jedes Objekt, sei es nun eine Kaffeetasse, ein anderer Mensch, ein Planet oder ein Sandkorn, können wir uns als eine nicht zu begrenzende Anzahl von Punkten, von Unterobjekten, von „kleinsten Teilchen“ (Atomen) vorstellen, die es ausmachen, die es wie eine Hülle umgeben, oder die es ausfüllen. Genau so, wie wir uns das Universum vorstellen: Als eine Summe von Teilen – von der wir schließlich doch begreifen, dass es keine Summe ist.

Die Unendlichkeit des Ich

Die Unendlichkeit findet man natürlich auch in sich selbst – vielleicht ist das sogar am allereinfachsten. Im Ich. Was ist das Ich? Beginnen Sie, es zu beschreiben, und Sie werden nie fertig, die Aspekte, die zu dem Ich gehören, aufzuzählen. Das Ich ist scheinbar nur ein kleines Wort, ein einzelnes Wort. So wie das All. Aber wie viel gehört dazu? Wie viele Dinge braucht es, das Ich zu beschreiben; Dinge, die das Ich formen, die das Ich umgeben, die das Ich tut, die das Ich sagt?

Ich sagte, in der Betrachtung des Kreissymbols, dass der Punkt in der Mitte, der in der Symbolistik den Menschen darstellt, raumlos ist. Warum raumlos?

Weil das Ich, weil der Mensch, nur scheinbar ein abgeschlossenes Objekt ist, das sich mit einem einfachen und eindeutigen Namen benennen lässt. Denn im Grunde ist er ebenso wenig fassbar, wie irgendein Ding, irgendein Objekt. Wenn man ihm einen eindeutigen Platz, einen endgültig definierten Raum zuwiese, hätte man bereits etwas falsch gemacht. Das Ich, der Mensch, lässt sich in einem wohlverstanden spirituellen Sinn nicht denken, wenn man ihn völlig abgrenzen will. Sondern in ihm ist die Unendlichkeit Gottes, so wie in jedem Ding Gottes Unendlichkeit ist.

Die Unendlichkeit des Lebens

Die Entdeckung der Unendlichkeit - die Unendlichkeit des Lebens [SPID 4669]Können Sie die Unendlichkeit der Ideen und Gedanken sehen? Der Dinge, die das Leben sind – und des Lebens, das dinghaft ist?

Der alte Baum, der nun tot ist, endete scheinbar. Doch seine Existenz ist jetzt in einer Fülle anderer Existenzen, anderer Ideen. Seine Stoffe werden zu den Stoffen der Erde, aus denen wieder andere Ideen wachsen – andere Pflanzen, andere Dinge. Andere Dinge, die wir „tot“ nennen – doch was ist tot in Gottes Welt der Ideen? Ideen sind niemals tot.

Die Existenz des Baumes ist jetzt die Existenz eines Ameisenheeres. Auch eine Existenz als Pilz, der nur scheinbar ein ganz eigenes Leben hat – doch es ist ein kontinuierlicher Strom, der aus dem Baum hervorgeht – und man bedenke: aus dem auch der Baum selbst hervorging. Nichts endet wirklich; die Fülle der Formen ist unbegrenzt, sie gehen nahtlos ineinander über. Und, nicht vergessen: wir sind ein Teil davon – wir betrachten es nicht „von außen“! Jede Idee, auch wir selbst, ist der Ausgangspunkt und Bedingung für weitere Ideen, in einem unendlichen Zirkelschluss.

Die Unendlichkeit der Sichtweisen

Denken wir an irgendeinen Begriff – denken wir an einen Tisch, zum Beispiel. Der Tisch, wenn wir ihn stehen sehen, kommt uns wie ein ganz eigenes, eindeutiges Objekt vor, das man nicht anders sehen könne.

Doch aus jeder anderen Sicht muss der Tisch ein wenig anders erscheinen, es gibt in der Raumzeit keine zwei völlig gleichen Perspektiven. Der Inbegriff der Mehrzahl – das ist die Unterschiedlichkeit, die wir in der materialistischen Weltsicht als die „Verschiedenheit der Perspektive in der Sicht auf dasselbe“ ansehen.

Wem das nun nicht als besonders gelungenes Beispiel erscheint, weil die Geringfügigkeit der Verschiedenheit nicht wirklich begründet, wo hier die Unendlichkeit sei … es sei ja doch immer noch dasselbe Objekt …. Die Perspektiven auf ein Objekt kann man sich als drastisch abweichender vorstellen, man muss sich allerdings die Mühe machen, auch wirklich abweichende Sichtweisen zu imaginieren.

Das ist dem Materialisten gemeinhin nicht gegeben, denn seiner (eigentlich unbegreiflichen) Auffassung zufolge, hat „der Mensch“ die einzig gültige Weltsicht. Denn er sei so klug.

Stellen wir uns dennoch einen Holzwurm vor – er würde den Tisch als eine Behausung begreifen. An dem Tisch, den wir kennen, müsste ihm nichts bekannt vorkommen. Weder unsere Auffassung von der stofflichen Art, noch der räumlichen Beschaffenheit des Tisches, müsste er teilen. Damit wir die Auffassung des Holzwurmes als relevant für unseren hohen Geist ansehen können, stellen wir uns vor, es handele sich um einen außerirdischen, sehr vernunftbegabten Holzwurm. (Doch … wozu in die Ferne schweifen? Ersatzweise können wir auch annehmen, der irdische Holzwurm habe irgendeine Art Vernunft – nur eben keine Vernunft menschlichen Zuschnitts, weshalb wir ja über dessen Vernunft auch keinerlei Aussage treffen können. Denken wir einfach, im Holzwurm sei die Vernunft Gottes – so wie in jedem Ding und jedem Geschöpf.)

Die Unendlichkeit der selbstreferenziellen Gedanken

Die Gedanken führen auf sich selbst zurück, weil das Ich nichts begreifen kann, wenn nicht mit den Begriffen, die es schon hat. Daher ist jeder Gedanke, den wir fassen können bedingt durch die Gedanken, die wir schon dachten. Wir können nichts beschreiben, wenn nicht  durch den Vergleich mit Bekanntem. Wir kommen daher auch hier wieder auf den unendlichen Selbstbezug des Kreises, bei dem man mit jedem Fingerkreisen einerseits dort ankommt, wo man begann. Andererseits ist jedes Fingerkreisen einzigartig, denn es gibt keine zwei „selben“ Punkte in der Raumzeit.

Was das Eine vom Anderen trennt ist der Unterschied – der Unterschied kann niemals „völlig gleich“ sein, denn das wäre das Ende des Einen, das sich vom Anderen unterscheiden muss, ums selbst Existenz zu erhalten.

Die Entdeckung: Englands Küste ist unendlich lang!

Mancher kennt das Paradox, demzufolge die Küste Englands immer länger wird, je genauer man misst. (Dasselbe Denkmodell lässt sich übrigens auf jeden Gegenstand anwenden … Englands Küste ist nur ein Beispiel für etwas sehr Allgemeingültiges)

Die Küste Englands ist definiert durch eine Küstenlinie, die England eingrenzt und umhüllt. Sandstrände. Doch überlegt man genauer, ist Englands Küste eigentlich definiert durch einzelne Sandstrände mit ganz unregelmäßigen Formen, durch viele kleine Buchten. Noch genauer überlegt liegen größere und kleinere Steine an den Stränden, schließlich könnte man auch sagen, es sind Sandkörner, die die Sandstrände der Küste formen …

Man kann die Küste Englands messen, indem man mit einem kilometerlangen „Zollstock“ die Länge abgeht und die große Küstenlinie abmisst. Oder, indem man jede Bucht, jeden Hafen, mit einem kleinen Zollstock genau ausmisst. Dann ist die Küstenlänge viel größer. Man kann diese Methode gedanklich immer weiter treiben. Man kann um jedes Sandkorn, das von Wasser umspült wird, mit einem ins unendlich Kleine gehenden Zollstock herum messen. Und man wird, in die Welt der immer kleiner werdenden Teilchen gelangend, eine beliebig lange Küstenlänge messen. Unendlich.

Wir sind beim selben Paradox, von dem wir auch sprachen, als wir von der Unendlichkeit des Alls redeten. Dieses Paradox lässt sich innerhalb der materialistischen Sichtweise nicht auflösen. Das All ist nicht die Summe von Teilen. Die Küste Englands ist nicht die Summe des Umfangs unendlich klein werdender Teile, nicht die Summe von Sandkörnern, die von Wasser umspült werden. Und auch nicht die Summe von Atomen und Subatomen, die die Sandkörner bilden.

Die Küste Englands ist eine Idee – ist eine Sichtweise. Eine Möglichkeit.

Infinitesimalrechnung

Mancher wird sich fragen, warum dann wohl mit der Infinitesimalrechnung der Umfang und der Flächeninhalt geometrischer Figuren sehr genau bestimmt werden kann? Die Infinitesimalrechnung geht doch ins unendlich Kleine, warum kommt dann niemals „Unendlich“ als Ergebnis der Infinitesimalrechnung zustande, wenn beispielsweise der Umfang eines Kreises, oder eine Küstenlänge, bestimmt wird?

Weil die Infinitesimalrechnung unseren Blick nachformt, der selbst bereits eine Abstraktion Gottes ist. Die Infinitesimalrechnung formt unser Denken nach – bildet nicht wirklich etwas Äußerliches ab, so wie wir uns das in der materialistischen Weltsicht vorstellten. Um auf das Beispiel von Englands Küste zurückzukommen: Das ist so ähnlich, als wenn wir mit einem Maßband, das durch seine Form und Struktur begrenzt ist, um die Küste Englands herum messen. So ein Maßband kann niemals jedes Sandkorn erfassen. Dafür bräuchten wir ein anderes Maßband. Die Infinitesimalrechnung ist so ein Maßband, das eine bestimmte Form annimmt, indem man mit ihr rechnet. Diese Form ermöglicht eine ganz bestimmte Form der Berechnung, eine bestimmte Sichtweise. Doch sie schließt eine Unendlichkeit an Sichtweisen gleichzeitig aus, begrenzt die Möglichkeiten anderer Sichtweisen. Erst wenn wir die Infinitesimalrechnung auf jedes Sandkorn anwenden würden, kämen wir zu einem anderen Ergebnis – doch das wäre verbunden mit einer anderen Weltsicht.

Was uns die Infinitesimalrechnung zeigt: Der ewige Zirkelschluss der Ideen, ihr Selbstbezug, bringt unsere Welt hervor. Die Art und Weise des Sehens bestimmt, was man sehen kann.

Der offensichtliche Widerspruch zwischen dem Paradox von Englands Küste, das ist der Widerspruch zwischen dem Sehen eines Dinges und der Feststellung, dass in diesem Ding Unendlichkeit ist. Das ist der Widerspruch zwischen unserer scheinbar so eindeutigen Sicht auf die Dinge, und der Erkenntnis, dass wir kein Ende finden können. Das ist der Widerspruch zwischen der Zahl Eins und dem Finden, dass wir die Eins bis in die Unendlichkeit aufteilen können … und erhalten immer wieder Eins. Ein Ding.

Das ist kein mathematisch auflösbarer Widerspruch! Sondern dieser Widerspruch, dieses Paradox, ist nur weltanschaulich auflösbar.

Die Entdeckung der Unendlichkeit in der Semantik

Ein sehr praktisches Beispiel ist es, wenn man sich die Welt als eine semantische Welt aus Begriffen denkt. Letztlich gibt es keinen Grund dies nicht so zu sehen, denn was wir über die Welt wissen, was wir über die Welt sagen können, drücken wir in Sprache aus, und unterliegen somit den Regeln der Semantik. Ein Wort gewinnt seine Bedeutung durch ein anderes Wort. Es gibt in dieser Kette der Bezüge kein Ende – Jedes Ding hat seine Wurzel im Unendlichen.

Denken wir an den Tisch, seine Kausalitäten, seinen Sinn, sein Ziel … Wenn uns jemand fragt, was ein Tisch ist, dann brauchen wir die Begriffe Holz, Stuhl, vielleicht Essen. Und so weiter. Jeder dieser anderen Begriffe ist wie ein Planet umgeben von weiteren Begriffen, die ihn wiederum erklären, begründen, ermöglichen. Man könnte diese Begriffe wie Objekte eines Universums sehen. Wir finden kein Ende dieses Universums. Die Objekte (Begriffe) erzeugen den Raum des Universums. Das Universum ist ein Raum, in dem universell alle Objekte sind.

Einen Raum ohne Objekte gibt es nicht. Ein Objekt, das nicht beobachtet wird, dem also nicht ein anderes Objekt gegenübersteht, gibt es nicht.

Denken wir uns den Tisch einfach als Teil des materialistischen Weltbildes … auch hier passiert das Gleiche, wenn wir den Tisch begründen wollen .. wir verlieren uns in der Unendlichkeit der Kausalitäten. Sie haben keinen Anfang und kein Ende. Letztlich geht der Tisch auf den Urknall zurück – doch der Urknall ist uns nicht wirklich ein end-gültiger Grund, sondern lediglich ein Paradox. Was war vor dem Urknall? Etwas, z.B. ein Urknall, kann doch nicht aus Nichts kommen (oder doch?)! Was löste den Urknall aus, aus welcher Notwendigkeit ergab er sich? Nichts hindert uns, außer unserer eigenen Begrenztheit, die Gründe für den Tisch weiterzudenken, über den Urknall hinaus, vor den Urknall zurück.

Die Unendlichkeit des Wortes „unendlich“

Die Unendlichkeit lässt sich auch sehr schön am Wort Unendlichkeit zeigen. Das Wort Unendlichkeit ist ein einzelnes Wort. So wie der Kreis eine scheinbar ganz einfache Figur ist. Ebenso die liegende Acht. Ebenso wie jedes Ding. Doch das Wort unendlich ist uns paradox, ist uns rätselhaft, ist uns unbegreiflich.

Es ist nur ein einfaches Wort. „Natürlich ist das Weltall unendlich.“ – wie leicht lässt sich das sagen! Wie leicht lässt sich das Wort schreiben. Wie leicht lässt sich ein  Foto des unendlichen Alls machen. Wir rechnen mit dem Unendlichen. X mal unendlich ist unendlich. Ein mögliches Ereignis in einem unendlichen Raum ist ein sicheres Ereignis. In einer unendlichen Raumzeit ist ein Affe, der Krieg und Frieden von Tolstoi aufschreibt, ein sicheres Ereignis. Eigentlich muss man sagen: eine Unendlichkeit literaturbeflissener Affen sind in einer unendlichen Raumzeit ein sicheres Ereignis.

Das Wort Unendlichkeit ist scheinbar einfach, scheinbar endlich, doch liegt darin in Wirklichkeit eine Unendlichkeit an Fragen und Sichtweisen.

Die Unendlichkeit meiner Beispiele

Schließlich und „endlich“ spüre ich die Unendlichkeit, indem ich diese Aufzählung aufschreibe. Ich könnte ewig so fortfahren, in dem ich die Unendlichkeit an jedem Ding, jeder Idee, jedem Wort, zeige. Doch was sind alle Dinge? Ich muss aufhören, denn ich selbst bin endlich, als Idee in einem nicht eingrenzbaren Kontinuum von Ideen. Als endliches Element einer Unendlichkeit.

Die Entdeckung der Unendlichkeit in allen Dingen was last modified: Februar 14th, 2017 by Henrik Geyer

„Objekthaftes Denken“ – was ist damit gemeint?

Wir sehen Objekte, wir reden über Objekte. Wir sehen den Baum, den Stuhl, den Stern.

Doch, in den Dingen ist Unendlichkeit. Nichts, das sich nicht auch anders sehen ließe. Nichts, das nicht auch einen ganz anderen Sinn haben könnte, als den, den wir gerade meinen. Also: Es gibt nichts, das nur in dem Sinn „da“ wäre, wie wir ihn in einem Augenblick sehen – man könnte auch sagen, dass jede Aussage, die man treffen kann, aus einer anderen Perspektive falsch ist. Wenn man so will bereits im nächsten Gedanken.

Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.
Wilhelm Busch

Alles steht im Zusammenhang. Alles ist nur durch etwas anderes begründbar. Nichts kann für sich allein stehen.

Und doch sehen wir die Dinge einzeln, so als hätten sie im Moment, da wir sie sehen, nur diesen einen Aspekt – und mit nichts anderem zu tun! Und dieses rätselhafte, nicht weiter begründbare Phänomen, nenne ich „objekthaftes Denken“. Denn wir sehen Objekte, wo diese in ihrer vorgestellten Abgeschlossenheit, eigentlich nicht „sind“.

Ich sehe den Ausdruck „objekthaftes Denken“ einfach als Symbol der Anerkenntnis, dass viele die Unendlichkeit in den Dingen wohl wahrnehmen, wohl sehen können, und dennoch nicht aus ihrer Haut können, zu glauben, die Dinge seien einfach auf eine eindeutige Weise „da“, es gäbe sie exakt definiert in einem Außen, etc..

Als Beispiele für die Anerkenntnis der Unendlichkeit in den Dingen, gleichzeitig das Übergehen der sich daraus ergebenden Fragen und die Rückkehr zur materialistischen Sichtweise, habe ich oft Kant genannt, mit seiner unlösbaren Frage nach den „Dingen an sich“, oder David Hume (1711-1776), der formulierte, dass sich der Glaube an eine Außenwelt nicht durch rationale Begründungen stützen lasse. Dennoch könne der Mensch nicht umhin, als an die Existenz der Außenwelt zu glauben. Die Natur, so Hume, habe uns hierin keine Wahl gelassen.
Zur Erläuterung: Die Zweifel an der „Existenz einer Außenwelt“ kommen eben gerade durch das Begreifen dieser Unendlichkeit in den Dingen zustande, und der Wahrnehmung, dass der individuelle Eindruck „von den Dingen“ und die Dinge selbst, ein- und dasselbe sind. Inwiefern, so fragte sich eben auch Hume, muss es daher vom Wahrnehmenden, dem Subjekt, abgetrennte Gegenstände der Wahrnehmung, Objekte, geben?

Den Begriff „objekthaftes Denken“ kann man also einfach als die Feststellung der Tatsache ansehen, dass es uns nicht gegeben ist, die Unendlichkeit der Objekte zu sehen, sondern jeweils immer nur einen Aspekt – wie der Spirealismus sagt: einen schöpferischen, einzigartigen Aspekt. Denn den Menschen sieht der Spirealismus als Element der Schöpfung, nicht als Beobachter der Schöpfung. Was aus dem Menschen hervorgeht ist Kreation, nicht die Widerspiegelung einer festen Äußerlichkeit (Materie).

Was ist objekthaftes Denken? Ein Beispiel

Wie sich konkret „objekthaftes Denken“ darstellt, ist in einem Beispiel schwer wiederzugeben, denn es ist eher eine Denkgewohnheit, die man erlernen muss, so dass man die Unendlichkeit in den Dingen sehen kann, und somit auch weiß, was genau mit „objekthaftem Denken“ gemeint ist. Dennoch ein Beispiel, von dem ich hoffe, dass es einigermaßen anschaulich ist.

Erstes Beispiel

Denken wir an irgendeinen Begriff – denken wir an einen Tisch, zum Beispiel. Der Tisch, wenn wir ihn stehen sehen, kommt uns wie ein ganz eigenes, eindeutiges Objekt vor, das man nicht anders sehen könne.

Doch aus jeder anderen Sicht muss der Tisch ein wenig anders erscheinen, es gibt in der Raumzeit keine zwei völlig gleichen Perspektiven. Der Inbegriff der Mehrzahl – das ist die Unterschiedlichkeit, die wir in der materialistischen Weltsicht als die „Verschiedenheit der Perspektive in der Sicht auf dasselbe“ ansehen.

Wem das nun nicht als besonders gelungenes Beispiel erscheint, weil die Geringfügigkeit der Verschiedenheit nicht wirklich begründet, wo hier die Unendlichkeit sei … es sei ja doch immer noch dasselbe Objekt …. Die Perspektiven auf ein Objekt kann man sich als drastisch abweichender vorstellen, man muss sich allerdings die Mühe machen, auch wirklich abweichende Sichtweisen zu imaginieren.

Das ist dem Materialisten gemeinhin nicht gegeben, denn seiner (eigentlich unbegreiflichen) Auffassung zufolge, hat „der Mensch“ die einzig gültige Weltsicht. Denn er sei so klug.

Stellen wir uns dennoch einen Holzwurm vor – er würde den Tisch als eine Behausung begreifen. An dem Tisch, den wir kennen, müsste ihm nichts bekannt vorkommen. Weder unsere Auffassung von der stofflichen Art, noch der räumlichen Beschaffenheit des Tisches, müsste er teilen. Damit wir die Auffassung des Holzwurmes als relevant für unseren hohen Geist ansehen können, stellen wir uns vor, es handele sich um einen außerirdischen, sehr vernunftbegabten Holzwurm. (Doch … wozu in die Ferne schweifen? Ersatzweise können wir auch annehmen, der irdische Holzwurm habe irgendeine Art Vernunft – nur eben keine Vernunft menschlichen Zuschnitts, weshalb wir ja über dessen Vernunft auch keinerlei Aussage treffen können. Denken wir einfach, im Holzwurm sei die Vernunft Gottes – so wie in jedem Ding und jedem Geschöpf.)

Zweites Beispiel

Ein sehr praktisches Beispiel ist es, wenn man sich die Welt als eine semantische Welt aus Begriffen denkt. Letztlich gibt es keinen Grund dies nicht so zu sehen, denn was wir über die Welt wissen, was wir über die Welt sagen können, drücken wir in Sprache aus, und unterliegen somit den Regeln der Semantik. Ein Wort gewinnt seine Bedeutung durch ein anderes Wort. Es gibt in dieser Kette der Bezüge kein Ende – Jedes Ding hat seine Wurzel im Unendlichen.

Denken wir an den Tisch, seine Kausalitäten, seinen Sinn, sein Ziel … Wenn uns jemand fragt, was ein Tisch ist, dann brauchen wir die Begriffe Holz, Stuhl, vielleicht Essen. Und so weiter. Jeder dieser anderen Begriffe ist wie ein Planet umgeben von weiteren Begriffen, die ihn wiederum erklären, begründen, ermöglichen. Man könnte diese Begriffe wie Objekte eines Universums sehen. Wir finden kein Ende dieses Universums. Die Objekte (Begriffe) erzeugen den Raum des Universums. Das Universum ist ein Raum, in dem universell alle Objekte sind.

Einen Raum ohne Objekte gibt es nicht. Ein Objekt, das nicht beobachtet wird, dem also nicht ein anderes Objekt gegenübersteht, gibt es nicht.

Denken wir uns den Tisch einfach als Teil des materialistischen Weltbildes … auch hier passiert das Gleiche, wenn wir den Tisch begründen wollen .. wir verlieren uns in der Unendlichkeit der Kausalitäten. Sie haben keinen Anfang und kein Ende. Letztlich geht der Tisch auf den Urknall zurück – doch der Urknall ist uns nicht wirklich ein end-gültiger Grund, sondern lediglich ein Paradox. Was war vor dem Urknall? Etwas, z.B. ein Urknall, kann doch nicht aus Nichts kommen (oder doch?)! Was löste den Urknall aus, aus welcher Notwendigkeit ergab er sich? Nichts hindert uns, außer unserer eigenen Begrenztheit, die Gründe für den Tisch weiterzudenken, über den Urknall hinaus, vor den Urknall zurück.

Kann es nicht-objekthaftes Denken geben?

Der Begriff objekthaftes Denken ist nicht als Gegensatz zu einem irgendwie anderen Denken gedacht, etwa einem „richtigen“ Denken, oder Ähnlichem.

Ob es ein Denken geben kann, das diese Paradoxie überwindet, kann man nicht sagen. Aus dem Blickwinkel des menschlichen Denkens erscheint das nicht so. Jedoch kann ja auch niemand, dessen Natur es ist, mit den Augen eines Menschen zu sehen, mit den Augen eines Nichtmenschen sehen.

Die Form des Denkens, die der Vorstellung am nächsten kommt, das objekthafte Denken zu überwinden, ist der Spirealismus, oder sind relativistische Vorstellungen, oder ist die Vorstellungswelt des Zen-Buddhismus. Doch es läuft letztlich auf ein Zur-Kenntnis-Nehmen der Tatsache objekthaften Denkens hinaus – das Sehen-Können, dass „die Welt“ eine Welt der zehntausend Namen ist. Es bedeutet, diese Tatsache so oft wie möglich, in möglichst vielen Gedanken, mitschwingen zu lassen, bedeutet, es als fundamentales Wissen anzuerkennen.

Damit ist nicht gesagt, man käme umhin, die „Dinge der Welt“ anzusehen, um sich vollständig aus der Objekthaftigkeit zu lösen.

Siehe auch: Artikel Was besagt der Begriff Lichtwesen?

Ähnliches Thema: Die Ontologie des Materialismus

„Objekthaftes Denken“ – was ist damit gemeint? was last modified: Februar 10th, 2017 by Henrik Geyer

Polarität überwinden

Polarität - Yin und Yang, aus einem hellen Ursprung kommend .. Starburst [SPID 4516]

Im Beitrag Polarität und Dualität habe ich über die Widersprüchlichkeit der Welt gesprochen, deren Quelle wir selbst sind. Ich habe darüber gesprochen, dass es unauflösbare Widersprüche nicht gibt, und dass das gegensätzlichste Widerspruchs-Paar wie gut und böse, Gott und Teufel, Kommunist und Faschist, doch immer in einem engen Zusammenhang stehen.

Gleichzeitig habe ich darüber gesprochen, dass sich der Mensch, der Element der Schöpfung ist und nicht Beobachter der Schöpfung wie er selbst meint .. er kann sich daher aus der Widersprüchlichkeit nicht lösen. Denn, Widersprüchlichkeit ist seine Seinsbedingung.

Yin und Yang als das Zeichen der Polarität in ihrer Einheit

Ich habe das obige Bild hinzugefügt, um dem eine Vorstellung beizugeben. Alles entstammt einer Quelle, im Bild ist es der Mittelpunkt. Im Mittelpunkt sind die Dinge undefiniert, alles ist möglich – das ist der Ursprung des Seins. Nach außen hin diversifizieren sich die Dinge, die Gegensätze treten auf und werden stärker, verfestigen sich. Das ist das Sein, so wie wir es kennen. Mit festen Begriffen, aber auch notwendigen Gegensätzen.

Die Widersprüchlichkeit in ihrer Einheit ist symbolisiert durch das Yin und Yang. Yin und Yang gehören zusammen, sind eins, doch sie sind sich scheinbar unversöhnlich in dem Sinn, dass, würden sie tatsächlich verschmelzen, dies das Ende ihres SEINS wäre. Denn es gibt kein Yin ohne Yang und umgekehrt. Und die Melange aus beiden wäre quasi der helle Fleck des Mittelpunktes … es wäre das Nichts im irdischen Sinn.

Das Bild soll verdeutlichen, dass es einen notwendigen Zusammenhang des Seins mit der Polarität gibt, also, den im Sein auftretenden Widersprüchen.

Die Lehre des Spirealismus

Doch was ist dann die Lehre des Spirealismus? Wie soll man denn die Polarität überwinden? Wird das Gute schließlich obsiegen? Wird ein allumfassender Glücksstaat den Kapitalismus ablösen? Wird es einen Zustand ewigen Friedens geben, oder müssen wir mit Krieg rechnen?

was ist richtig, was ist falsch?

Wenn man die Welt aus uns selbst hervorgehen sieht, den Menschen als die Quelle der Welt, dann wird begreiflich, dass sich, so verstanden, die Frage nach Schuld und Sühne, richtig und falsch, schlecht stellen lässt. Denn das Richtige kann nicht ohne das Falsche sein. Wer trägt nun die „Schuld“ am Falschen? Etwa das Richtige? Wer ist schuld am Mord? Der Ermordete? Das zu denken ist schwierig.

Zum Beispiel bedeutet das in Bezug die politische Diskussion, dass es linke Politik ohne ihren Gegenpart, die Rechte, nicht geben kann. Und umgekehrt. Das wird beiden Gruppen nicht schmecken, denn jede glaubt sich im Besitz eines einzigartigen, ganz eigenen Rechtes, im Besitz des (jeweils anders verstandenen) Guten, u.s.w.. Der Linke wird sagen, die Rechte sei alles das, was er hasst. Und der Rechte sagt das ebenso über die linke Bewegung.

Oder aber, auch das kennen wir aus dem Alltäglichen, wird derjenige, der die Liebe als das alleinig anzustrebende Prinzip ansieht, sagen, man dürfe nicht hassen. Doch Liebe und Hass sind eben gar nicht nur Gegensätze. Sie entspringen der selben polarisierenden Quelle: uns. Und sie benötigen einander, um sein zu können.

Die Polarität entsteht aus uns

Wenn ich soeben sagte, dass wir selbst die polarisierende Quelle sind, ist die Antwort auf die Frage was zu tun ist, gegeben: nicht polarisieren!

Jedoch muss man sich eben darüber klar sein, dass das polare Prinzip, man könnte auch sagen, die Welt der Zusammenhänge in gleichzeitiger Gegensätzlichkeit das Seinsprinzip ist. Das bedeutet, wir können gar nicht anders, als zu polarisieren. Indem wir sind, „tun“ wir es.

Erst wenn wir uns wirklich darüber klar werden, Element der Schöpfung zu sein, und nicht Beobachter, wenn wir dieses Prinzip verstehen, verinnerlichen und vor allem akzeptieren, dann kann uns das ein Werkzeug in die Hand geben, den Urprinzipien unserer Welt gerecht zu werden und ihnen gemäß zu leben. Ihnen gemäß zu leben – das bedeutet nicht etwa, sie außer Kraft setzen zu wollen!

Nicht gut sein wollen

Die Polarität liegt sowohl im Guten wie im Bösen. Das zu begreifen, darum geht es.

Alle Menschen wollen gut sein. Alle Menschen sind immer gut – aus ihrer Perspektive. Alle Menschen haben aus der eigenen Perspektive immer Recht. Das Gute, das Richtige, das wollen sie tun, und das tun sie, darauf kann man sich verlassen. Selbst der „böseste“ Mensch ist doch aus seiner Innensicht ganz erklärlich, ist nicht böse, sondern gut. Doch das Gute und Richtige der einen Perspektive ist das Böse und Falsche der anderen.

Im Guten, im Kampf für das Gute, liegt das Böse. Das eigentliche Übel der Welt sind die Kämpfe, die unversöhnlichen, bis aufs Blut geführten Kämpfe. Doch wir können uns aus der Notwendigkeit zu kämpfen nicht lösen. Wir können die Kämpfe aber in geordnete Bahnen führen. In der Gesellschaft ist beispielsweise ein Kampf, der mit parlamentarischen Mitteln ausgetragen wird, ein ganz anderer, als ein mit Waffengewalt ausgetragener Kampf.

Daher ist es falsch, zu polarisieren. Es ist falsch, gut sein zu wollen. Es ist natürlich auch falsch, böse sein zu wollen, doch man bedenke: wer will schon böse sein. Wollen denn nicht alle immer das Richtige aus ihrer Perspektive?

Es ist das überbordende Streben nach etwas, das eigenes oder fremdes Leiden in die Welt bringt.

Es gibt einen taoistischen Text, der dieses Geheimnis sehr schön ausdrückte; ich las es einmal – er lautet etwa so:

Versuche nicht, besonders gut zu sein, denn damit würdest du dich hervorheben.

Versuche nicht, dich hervorzuheben, denn dadurch würdest du bewundert werden.

Versuche nicht, Bewunderung zu erlangen, denn dadurch wirst du stolz.

Versuche nicht, stolz zu sein, denn damit wirst du geltungssüchtig und aufbrausend. Durch Geltungssucht und aufbrausenden Charakter kommen Unfrieden und Kummer in dein Leben – und in die Welt.

 

Polarisierung erkennen und vermeiden

Versuche nicht besonders gut zu sein [SPID 4004]

Nun wird jeder beim eben Gesagten feststellen, dass es geradezu unser Streben ist, uns hervorzuheben. Wir wollen stolz sein, wir wollen bewundert werden! Oder etwa nicht?

Unfriede und Leid sind seit Urzeiten Begleiter der Menschheit. Den Menschen scheinen sie von anderswo zu stammen, manche machen Gott dafür verantwortlich. Doch müssen wir, wenn wir ehrlich sind, doch sagen, dass Unfriede und Leid nur aus uns sein können!

So gesehen leuchtet die besprochene Sichtweise wohl besser ein: das Geheimnis, dass Dinge mit uns geschehen, die wir eigentlich nicht wollen, kann nur in etwas liegen, das uns gleichermaßen bekannt wie geheimnisvoll ist: Unser eigener Wille und unser eigenes Tun.

Unser eigener Wille und unser eigenes Tun ist geheimnisvoll? Ich ahne: wenige werden das so sehen. Doch, es sehen zu können bedeutet zu verstehen, was es bedeutet zu sagen: Wir sind Elemente der Schöpfung – nicht ihre Beobachter! Es ist eine Schöpfung, die aus Polarisierung besteht und entsteht. Indem wir sind, polarisieren wir. Jede unserer Meinungsäußerungen negiert etwas anderes, und zwar etwas, das sich spätestens in dem Moment bildet, wenn wir uns festlegen – als das Gegenteil. Der Streit zwischen den Gegensätzen ist das Wesen und der normale „Betriebszustand“ der Welt.

Was wir tun können, um Leid und Unglück von uns selbst und von den uns Nächsten fernzuhalten, ist, übergroße Polarisierungen zu vermeiden. Streit aus dem Wege gehen, nicht kämpfen wenn es nicht sein muss, nicht leichtfertig die Gewichte der Welt verschieben.

Die Grenzen des Ich akzeptieren

Die Begrenztheit des Menschen, die Grenzen seines Ichs zu akzeptieren, darin liegt eine der wichtigsten Lehren, die der Spirealismus hat.

Denn das oben Gesagte zeigt uns, dass wir keineswegs unsere eigenen Wirkungen, die wir auf die Welt und die Dinge haben, durchschauen. Vorsicht und Zurückhaltung sind daher oberstes Gebot.

Wir müssen nicht nur Rücksicht nehmen auf andere, deren Grenzen und Begrenztheiten, müssen nicht nur bedenken, dass aus zu viel eigenem Stolz Neid und Feindschaft im anderen erwächst. Sondern wir müssen auch für uns selbst das Gleiche bedenken. Setzen wir uns mit jemandem in Verbindung der stolz ist, so wächst Neid und Feindschaft in uns selbst.

Nur wer sich mit den Grenzen des Ich beschäftigt, sie schließlich akzeptiert, und nicht, wie es heute üblich ist, sich für einen gottgleiches Wesen hält, dessen Geist dazu geschaffen ist alles zu wissen und alles zu erkennen, kann die nötige Zurückhaltung und Genügsamkeit aufbringen, um Unfriede und Unglück zurückzudrängen.

Das Beste und Herrlichste, wozu man in diesem Leben gelangen kann, ist, daß du schweigst und Gott wirken und sprechen läßt.
Meister Eckhart

Ist das Zynismus?

Wie man sieht, ist das genau das Gegenteil dessen, was die moderne Welt für erstrebenswert und zwingend hält.  Der einem Gotte gleiche Mensch, der vorwärts stürmt, ist geradezu das Idealbild des Menschen seit der Aufklärung. Und nun sieht der Spirealismus hier eine Gefahr…

Das oben Gesagte mag, so gesehen, wie als zynische Ablehnung der großartigen Menschheitswerte der Gegenwart wirken.

Doch man bedenke: Die Welt in ihrem Wirken kann durch uns nicht beeinträchtigt werden, denn wir selbst sind die Elemente aus denen sie entsteht. Die Welt – das sind eben nicht nur wir Menschen. UNSERE Welt kann durch uns eine andere Form bekommen, aber wichtig ist das für „die Welt“ nicht. Nur für uns ist es wichtig, die wir Stabilität und Ruhe suchen, und keineswegs den Krieg. Um UNSERE Welt zu gestalten, müssen wir uns selbst unseres polarisierenden Wesens bewusst sein.

Also, so lautet die unabdingbare Folgerung, müssen wir unsere Wünsche überdenken, das überdenken, was wir für wahr und erstrebenswert halten. Anders geht es nicht.

Die Welt ist immer im Ausgleich

Wir müssen erkennen: die Welt ist immer im Ausgleich, ob nun mit oder ohne uns. Wir können uns bemühen, die Sinnhaftigkeit der Polarisierung in uns und im anderen zu erkennen, um sie nicht zu stark werden zu lassen – und zwar zu unserem eigenen Besten.

Wir müssen das aber im eigentlichen Sinn nicht tun, und würden den Unterschied nie begreifen. Denn die Welt ist ohnehin immer das, was wir in ihr sehen. Sehen wir in ihr eine Welt in der Kummer und Unfrieden unerklärliche Notwendigkeiten sind, so ist sie das. Sehen wir in der Welt etwas, das in Harmonie ist, was immer passiert, dann ist sie das ebenfalls.

Wenn Krieg und Hunger die Welt verheert, dann scheint uns die Welt wie aus den Fugen geraten. Doch das ist sie im eigentlichen Sinn nicht, ist sie nie. Würden wir Menschen verschwinden, dann geht der Prozess, aus dem alles entsteht, dem auch wir entspringen, ungestört weiter.

Soweit wir es beeinflussen können, muss unser Interesse darin liegen, die eigene polare Sichtweise mit der allgegenwärtigen Harmonie in Einklang zu bringen. Die Widersprüche, die wir überall sehen, sind immer an zwei Stellen auflösbar: im anderen und in uns selbst.

Sich selbst nicht überfordern

Es ist immer leichter, Dinge bei sich selbst zu bewirken, als im anderen. Aber, da man keineswegs uneingeschränkter Herrscher der eigenen Gedanken ist, polarisiert man, indem man das Rechte tut, sich aber jedoch selbst oder andere überfordert. Das sollte man im eigenen Interesse nicht tun. Man darf nicht versuchen, aus der zwangsläufigen Wechselwirkung, der immerwährenden Harmonie, herauszutreten; das kann nicht gelingen. Denn das wäre wieder die unzutreffende Vorstellung des Menschen von sich im materialistischen Weltbild: Der Mensch als der geniale Beobachter…

Nein, wir sind nicht Beobachter, sondern Teil. Wir müssen wissen, dass das, was im anderen ist, schließlich auch im Selbst auftritt. Wir selbst sind die Elemente, in uns und durch uns treten die Widersprüche auf, in ihrer Einheit. Der Hass des anderen wird zu meinem Hass, die Liebe des anderen wird zu meiner Liebe. Und umgekehrt. Man kann nichts denken, das vom Denken der anderen, des anderen, abgekoppelt wäre. Alles ist Geist, und wir sind ein Teil des Geistes.

Daher muss man darauf achten, mit wem und mit was man sich (auch räumlich) verbindet. Daher muss man sich selbst Freiräume zugestehen, darf Grenzen haben, muss Grenzübertritte nicht zulassen. Und man sollte anderen zugestehen, es ganz genauso zu halten, denn der Friede des anderen ist schließlich auch mein Friede.

Man darf sich nicht überfordern, muss nicht Jesus gleich sein – man kann es nicht sein. Man muss nicht jedermanns Freund sein. Man sollte nicht versuchen besonders gut zu sein. Umgekehrt sollte man Feindschaften meiden. Feindschaften, die man in anderen beobachtet, sind ein guter Indikator für mangelndes Verständnis – Verständnis dafür, dass die Kräfte, die im eigenen Inneren wirken, auch im anderen sind.

 Die Notwendigkeit der Harmonie sehen – Karma

Die Notwendigkeit der Harmonie liegt in unseren Wünschen, in nichts sonst. Die Narur, Gott, ist ohnehin in Harmonie. Wir selbst wünschen uns ein harmonisches Sein.

Der Begriff des Karma ist verbunden mit der Einsicht, dass jedes Tun, jeder Gedanke, Folgen haben muss. Karma ist das Bild eines ewigen, uns weitgehend unsichtbaren Kreislaufes von Wechselwirkungen. Alles hat miteinander zu tun, nichts ist wirklich getrennt – auch wenn wir das weder sehen noch verstehen können, denn unsere Welt ist die der Gegensätze.

Man muss es aber wissen: Nichts, was man tut, ist wirkungslos. Alles was einem geschieht, hat auch einen Grund.

 Ausgleich, Integration durch Verständnis

Hier liegt die so oft im Religiösen besprochene „Schuld“ des Menschen: Er kann sich nicht aus seiner polaren Sichtweise lösen. Was immer er tut, bringt nicht nur das Gute hervor, sondern genauso das Böse. Beides nicht zu stark werden zu lassen – das ist Verständnis der Polarität. 

 

Polarität überwinden was last modified: Dezember 21st, 2016 by Henrik Geyer

Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“?

Das All ist paradox wie die Unendlichkeit [SPID 4492]

Das Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“ ist paradox, weil es etwas bezeichnet, das es nicht geben kann.

Es ist insofern ganz ähnlich der Wort „das Nichts“. Lesen Sie auch: Beitrag Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Während das Wort „alles“ oder „das All“ einen, wenn auch sehr großen, Gegenstand suggeriert, der umfassend beschreibbar ist, abzählbar ist (eins), ist doch das Wort „das All“ oder „alles“ das vielfältigste, das es geben kann. Es bezeichnet eine Unendlichkeit, denn mit dem Aufzählen all dessen, was es beinhaltet, wird man nicht fertig.

Das All ist all das, was es gibt, aber auch das, was es geben könnte.

Im Materialismus: „Alles“ ist paradox

Im Materialismus ist es paradox das Alles denken zu wollen, es ist paradox die Frage beantworten zu wollen, was „es geben könnte.“

Denn, wie man schnell merkt, ist das, was es geben könnte, unendlich, und hängt nur von dem ab, was wir uns in diesem Augenblick vorstellen. Beispielsweise könnte es im All, das ja alle Möglichkeiten beinhaltet, und das unendlich ist, auch Bibel-schreibende Affen geben. Das sagt uns schon die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wenn es eine noch so geringe Wahrscheinlichkeit gibt, dass ein Affe, wenn er auf einer Schreibmaschine wahllos Tasten drückt, auch einmal ein sinnvolles Wort schreiben kann, dann muss es in einem Raum, der unbegrenzt ist, und in dem daher in einer Unendlichkeit „alle“ Möglichkeiten zum Tragen kommen, auch Affen geben, die gerade dabei sind, die Bibel aufzuschreiben.

Die geringste Wahrscheinlichkeit multipliziert mit dem Unendlichen ergibt eine Notwendigkeit.

Im Spirealismus: „Alles“ ist nicht (be-)greifbar, jedoch nicht paradox

Im Spirealismus ist der Gedanke die Existenz. „Alles“ ist, was der Mensch in Gedanken erfassen kann. Was der Mensch in Gedanken erfassen kann ist aber nicht, wie der Mensch materialistischen Glaubens meint, unendlich, sondern, was er denkt ist endlich. Hingegen bezeichnet der Spirealismus das, was der Mensch nicht denkt, als „möglich“, aber „nicht realisiert“. „Möglich“ ist dem Spirealismus ein Begriff synonym mit Unendlichkeit, wieder wird hier etwas benannt, das nicht gedacht werden kann. Der Materialismus hält das Mögliche für eingrenzbar, weil er nur die menschlichen Gedanken für möglich hält. Ausgehend vom menschlichen Denken erscheint nur das möglich, was sich aus diesem Denken ableiten lässt – ein Zirkelschluss ewiger Redundanz.

Zur Beachtung: zwischen dem „Möglichen“ und dem „Realisierten“ verläuft eine Grenze, die selbst undenkbar ist, denn der Bereich des unendlich Möglichen, des Nichts, des Undenkbaren, ist für den Spirealismus tatsächlich undenkbar. Also kann keine Grenze sichtbar werden, die das Undenkbare eingrenzt.

Ähnliches Thema: Artikel Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Aus der Undenkbarkeit der Grenze ergibt sich in der materialistischen Sichtweise die Annahme, es gäbe keine Grenze. Dem Materialisten erscheint die Begrenzung des Denkens auch deshalb unmöglich, weil es doch zu den Grundannahmen seines Glaubens gehört, Geist sei im menschlichen Gehirn verortet, und dieser Geist sei frei.

Hingegen nennt der Spirealismus die Grenze zwar undenkbar, jedoch ist es innerhalb des Spirealismus eine Notwendigkeit festzustellen, dass es eine Grenze, eine Unterscheidung, gibt. Denn erstens sind Grenzen, wenn alles Geist ist,  im Geist – also hat der Geist Grenzen. Zweitens ist, wenn alles verbunden ist, das Nicht-Verbundene nur scheinbar, nur Abstraktion; ist die Unterscheidung eine notwendige Denkgrenze, die die Dinge entstehen lässt – siehe auch die Welt der Namen des Taoismus.

Der Mensch ist ein Element der Schöpfung, durch ihn läuft die Schöpfung hindurch, so wie Wasser aus einer Quelle austritt. Der Quelle ist das Wasser unendlich, in dem Sinn, dass es nie und nimmer aufhört, aus ihr herauszurinnen. Endet aber das Wasser, ist auch die Quelle nicht mehr da – und jede Frage, was die Quelle über Wasser aussagen oder für möglich halten kann, endet. Um den Umfang der Möglichkeiten des Wassers weiß die Quelle nichts, denn sie weiß nur von dem Wasser, das aus ihr kommt, und das, genau gesagt, nichts anderes ist, als sie selbst. „Alles“ kann ihr nur das Wasser sein, das sie aus sich herausrinnen sieht. Überträgt man diese Analogie auf den Menschen: Enden die menschlichen Gedanken, ist der Mensch nicht mehr da. Die Gedanken gehen weiter. Mit dem Tod enden, zusammen mit der menschlich-irdischen Existenz, die Denkgrenzen. Über die Möglichkeiten der Gedanken weiß der Mensch nichts. Er kennt nur sein eigenes, begrenztes Denken – dort, wo es sich verfestigt, ist es ihm synonym mit Existenz.

Aus der Sicht des Spirealismus wird ersichtlich, warum der Begriff des Unendlichen, bzw. des Alls, paradox ist. Der Begriff bezeichnet etwas Abzählbares, Endliches. Das All. Der Mensch rechnet im wahrsten Sinn des Wortes mit dem Unendlichen, mit dem All. Das Wesen der Unendlichkeit aber ist, nicht zählbar, nicht erfassbar, dem Menschen nicht denkbar zu sein. Und sofern der Mensch mit dem Unendlichen rechnet, ist es falsch. Falsch insofern, als Unendlichkeit dem Menschen nichts sagen kann, denn dessen Existenzbegriff ist gleichbedeutend mit Endlichkeit.

Alles hat einen Ursprung: uns selbst. Daher ist „alles“ synonym mit „unendlich“. Unendlich ist etwas, das für uns nie aufhört, etwas, womit wir nicht fertig werden. Das Einzelne fährt fort zu entstehen, solange wir da sind – denn es kommt ja aus uns. Der Mensch ist das endliche Element in einer ihm unzugänglichen Unendlichkeit.

Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“? was last modified: Dezember 21st, 2016 by Henrik Geyer