Kosmos und Universum – umfassende Intelligenz

Intelligenz ist etwas, das uns umgibt, und aus dem wir hervorgehen. Nicht etwas, das nur wir Menschen hätten, im Gegensatz zu der uns umgebenden Welt.

Um sich das ein wenig vorzustellen hier ein Beispiel: Was ist ein wacher Geist ohne ein Buch zum Lesen? Was wiederum ist ein Buch, das nicht gelesen wird? Die Intelligenz – der Gedanke – ist auf beiden Seiten. Nun meinen wir natürlich, ein Buch habe kein Bewusstsein, und könne daher nicht intelligent sein. Doch der Spirealismus geht davon aus, dass unsere Vorstellung von Bewusstsein erstens nur eine mögliche Vorstellung ist, und zweitens eine Vorstellung, die relativ falsch ist („relativ“ weil: eine absolute Wahrheit nicht existiert). Relativ falsch, denn diese Vorstellung ermöglicht es uns nicht, Bewusstsein in der uns umgebenden Natur zu sehen, obwohl das aus der Sicht des Spirealismus unbestreitbar ist.

„Bewusstsein“ ist falsch verstanden, wenn wir Menschen meinen, es müsse genau so sein, wie wir unser eigenes Bewusstsein verstehen oder eher: nicht verstehen. Und wenn wir zweitens nicht wahrnehmen, dass Bewusstsein als Relation in Erscheinung tritt, und daher überall ist, nicht nur in uns Menschen.

Die Zeichen, dass sich der Mensch in seiner kosmischen Rolle grundlegend falsch einschätzt, sind, zumindest aus spirealistischer Sicht, unübersehbar. Man denke an den allgegenwärtigen Anthropozentrismus, die seltsame Annahme Krone der Schöpfung zu sein und Krone des Geistigen gar. Das Nichtwahrnehmen der den Menschen umgebenden Rätselhaftigkeit, so dass er auf den Gedanken kommen kann, es gäbe erstens eindeutige Objekte, und zweitens habe er, der Mensch, diese völlig begriffen u.v.m.. Warum sollte eine Spezies, die glaubt, es gelte in tausenden Lichtjahren Entfernung nach intelligentem Leben zu suchen, die aber nicht in der Lage ist mit den Tieren vor Ort zu kommunizieren, viel von Bewusstsein verstehen? Eine Spezies, die sich selbst nicht erkennt (Stichwort Selbstentfremdung), die die Spezialwissenschaft der Psychologie und die Geheimwissenschaft der Spiritualität benötigt um ihr zu sagen, dass eine spezifische Sichtweise „auf die“ Welt eine spezifische Welt hervorbringt?

Also noch einmal: was ist ein Buch, das nicht gelesen wird? Was ist ein Baum, der nicht gesehen wird? Ist ein Sonnenuntergang schön, den niemand sieht? Ist ein Sonnenuntergang rot, den niemand sieht? Was ist ein Sonnenuntergang, der nicht gesehen wird? Ist es überhaupt ein Sonnenuntergang?

Nein. Der Sonnenuntergang kommt, wie jeder Gedanke, zu Stande als eine Relation. Eine Relation zwischen 2 Instanzen. Die eine Instanz sind wir selbst, als Gedanke der uns umgebenden Schöpfung. Die andere Instanz ist das, was wir als Sonnenuntergang sehen, ebenfalls ein Gedanke der Schöpfung. Daher verwende ich oft den Satz, der Mensch sei Element der Schöpfung, nicht ihr Beobachter.

Er kann also nicht sagen, was ein Sonnenuntergang jenseits seines Begreifens ist. Als spezifisches Element kann er nicht zugleich anderes spezifisches Element sein. Das SEIN des Menschen und sein Begreifen sind eins. Er kann aber verstehen, zumindest mit Hilfe des Spirealismus, dass eine völlig andere Perspektive möglich ist.

Kosmos und Universum

Der Kosmos, das ist Ordnung (Kosmos griech. für „die Ordnung“). Die Ordnung, die wir überall sehen, indem die Dinge aufeinander bezogen sind, und das Eine das Andere begründet.

Die Unterscheidung zwischen dem Kosmos dieses Verständnisses, und dem Begriff Universum ist, dass dem Wort Kosmos die Unbestimmtheit, die Nicht-Notwendigkeit innewohnt. Der Kosmos ist die Unendlichkeit des Nichts, ein Raum der Möglichkeiten. Um erlebt zu werden (SEIN) muss der Kosmos eine Ordnung sein. Welche Ordnung das ist, ist für das SEIN unerheblich.

Im Gegensatz dazu schließt der Begriff „Universum“ den Gedanken ein, das Universum sei in einer ganz bestimmten Weise da (=Vorhandensein; =SEIN). Denn das Universum ist dem Wortsinn nach ALLES WAS IST, also das SEIN. Und unsere gängige Vorstellung von dem was IST, also dem SEIN, ist eben, dass wir glauben, alles sei eindeutig „da“ oder auch „nicht da“. Wir meinen, alles das, was wirklich da sei, gäbe es in eindeutiger und objektiver Weise, woran sich wieder endlose Streitereien anschließen über das, was wir „wirklich“ nennen und was uns die Realität sein soll. Und dieses Missverstehen der Realität als eindeutig und starr führt zu dem merkwürdigen Gedanken, das Universum sei nicht anders denkbar als gerade wir Menschen es uns denken, denn es beruhe auf einem nicht änderbaren Geflecht objektiver Wirkbeziehungen (Kausalität), die wir erkannt hätten.

Die angesprochene Merkwürdigkeit liegt allein schon darin, dass es ja keine zwei selben Meinungen darüber gibt, was das Universum ist, und dass gleichzeitig, sollte dahingehend Einigkeit angestrebt werden, dies den Charakter einer Abstimmung hat. Das Ziel dieser Abstimmung ist aber gerade Übereinstimmung, nicht aber das Benennen vorhandener Paradoxien (unauflösbarer Widersprüche). Es handelt sich somit nicht um einen „völlig freien Austausch“ unterschiedlichster Ansichten die eigentlich nichts miteinander zu tun hätten, wie der Mensch stets meint. Sondern diese vermeintlichen Einzel-Ansichten haben sehr, sehr viel miteinander zu tun. Mehr noch: sie wären ohne einander ganz unwahrscheinlich!


Die Sicht des Spirealismus ist hingegen, dass Relativität das Wirkprinzip des Kosmos ist. Das SEIN als ein, wenn man so will, „schwingendes“ Geflecht. Als Element dieses Geflechtes verdinglicht der Mensch die Relation, durch ihn wird sie zu (s)einer Wirklichkeit. Dem Menschen mag es so erscheinen, als gäbe es nur eine Wirklichkeit, nämlich „die“ Wirklichkeit. Doch genau bedacht ist es absurd anzunehmen, die Wirklichkeit könne nur jene sein, die der Mensch selbst sieht.

Diese Absurdität kann ein Mensch eigentlich sehr schnell begreifen, sobald er es lernt, sich selbst wahrzunehmen. Sobald er den Blick abwendet von den ach so selbstverständlichen „objektiven“ Objekten seines vermeintlichen Außen, und sobald er lernt, die Entstehung der Objekte in sich selbst wahrzunehmen.

Ich-Universum

Ich möchte noch kurz zu dem Begriff „Ich-Universum“ etwas sagen und kurz erklären, warum Ich-Universum ein zentraler Begriff des Spirealismus ist.

1.

Universum ist die verdinglicht-feste Ordnung des Kosmos aus der Sicht des Menschen. Das Universum ist der Kosmos in der menschlich-spezifischen Form, sozusagen. Es repräsentiert das SEIN des Menschen.

Während Kosmos wie gesagt der Gedanke an eine Ordnung allgemeinster Art ist.

2.

Das Ich als Universum. Das Ich ist ein Universum, denn es beinhaltet alle Dinge UND auch das Ich. Kann es das Ich auch ohne Universum geben? Nein. Kann es ein spezifisches Universum ohne Ich geben? Nein. Kann es schließlich ein Universum geben, das nicht spezifisch ist? Nein, denn unsere Vorstellung des SEINs ist ja gerade, es sei spezifisch und fest. Man könnte auch sagen, dass es eine Vorstellung, die ohne einen bestimmten (spezifischen) Gegenstand auskommt, nicht gibt.

Das Ich kann nicht ohne die Dinge sein, die es umgeben, denn es ist selbst nur Relation. Dasselbe gilt für die Dinge.

Das Universum als ALLES WAS IST ist aus jeder menschlich-spezifischen Sicht etwas Individuelles. So, wie sich der Mensch ja als Individuum sieht: einzigartig. Es gibt, so gesehen, keine zwei selben Universen, so wie es keine zwei gleichen Ichs gibt.

Das Ganze leitet sich aus dem spirealistischen Grundgedanken ab, dass die Dinge nichts anderes sein können, als das, was man sich darunter vorstellt. Das gilt für das „Ding“ Universum auch. Wenn also das Universum alles ist, was ist, also das gesamte SEIN, dann übersetzt der Spirealismus das mit: Das Universum, das sind alle Vorstellungen, die man hat.

3.

Das Universum als Ich. Wie kommt ein Ich zustande? Offenbar als die die Summe der Dinge, die dem Ich sind. Wieder sein spezifisches SEIN.

Die kosmische Perspektive verdinglicht die stets wechselnden Relationen. Weil der Kosmos Ordnung ist, benötigt er den Zusammenhang: eine Perspektive ist Relation, ist Zusammenhang. So wird der Kosmos, der im Eigentlichen keine Form haben mag, dem Menschen zu ETWAS.

Die Perspektive erschafft Dinge. Verdinglichung IST Perspektive. Warum? Weil ein Ding immer etwas Spezifisches ist, etwas Konkretes, etwas im Moment Gefangenes. Als Kontrast dazu mag man sich die völlige Freiheit der Formlosigkeit vorstellen. Ein Ding muss in einer konkreten Weise wahr werden …  wahr genommen werden.

Auch das Ich ist so gesehen eine Verdinglichung von Perspektive, also nichts Außergewöhnliches. Als konkret werdende kosmische Relation, als Gedanke des umfassenden Geistes, ist eine Perspektive (Ich) etwas sehr Allgegenwärtiges.


Warum also ist der Begriff Ich-Universum so notwendig für den Spirealismus?

Weil die materialistische Sprache wenig geeignet ist, eine andere Logik zu verdeutlichen als die eigene. Den Zusammenhang zwischen Ich und Universum gibt es beispielsweise in der normalen materialistischen Sichtweise nicht, für den Spirealismus hingegen ist es eine wichtige Denkvoraussetzung. Meine eigene Erfahrung ist, dass man kaum über das normal-materialistische Denken hinauskommt, wenn man nicht bestimmte geistige Haltepunkte setzt, z.B. in Form von Worten.

 

 

 

Kosmos und Universum – umfassende Intelligenz was last modified: April 11th, 2018 by Henrik Geyer

Objekthaftes Denken

Ich habe lange überlegt, wie ich einen Begriff erläutern kann, der sehr wichtig und grundsätzlich für den Spirealismus ist.

Der Begriff heißt „objekthaftes Denken“; ich erwähnte ihn bereits in „Alles ist Geist“. Dieser Begriff hat sich für mich weiterentwickelt, und er repräsentiert heute für mich das Wunder des Geistigen schlechthin.

„Objekthaftes Denken“ – das ist Frage und Antwort zugleich.

Hat man einmal verstanden, dass es die materielle Außenwelt als separat von Geist existierend nicht gibt, stellt sich natürlich die Frage, wie denn nun diese Welt, die wir doch scheinbar so eindeutig vor uns sehen, zustande kommt?

Die Frage nach dem Zustandekommen des Kosmos (der Ordnung) steckt in dem Begriff „objekthaftes Denken“.

Der Begriff fragt: Wie kommt es, dass wir dort, wo keine materiellen Objekte (jenseits von Geist) sind, dennoch Objekte sehen?

Und der Begriff gibt die Antwort: Weil wir objekthaft denken.

Der Begriff objekthaftes Denken ist damit sozusagen der Name für ein Rätsel, ein nicht weiter hinterfragbares Phänomen. Es ist einfach so.

Wo kann man Objekthaftes Denken beobachten?

Dem Materialisten wird der Gedanke recht fremd sein. Warum gibt es Objekte? Er sagt: Weil sie da sind! Nichts einfacher als das. Die Antwort steckt schon in der Frage: Warum gibt (das SEIN) es Objekte? Weil sie da (dort) sind (das Sein).

Dem Spirealisten hingegen ist das gar nicht einfach, nicht selbstverständlich. Der Lohn und gleichzeitig die Voraussetzung für diese „Tiefenschärfe“ ist, glaube ich, eine andere Wahrnehmung.

Wie kann ich das beschreiben?

Ich möchte das Phänomen des objekthaften Denkens an verschiedenen Beispielen zeigen. Im Grunde ist es ein Wunder, das jeder Einzelne sofort an seinem eigenen Denken feststellen kann.

1

Man denke an irgendetwas, ein Objekt. Man stelle es sich vor. Es kann ein Ding sein, das man im Außen kennt, wie ein Baum etwa. Es kann aber auch ein fiktives Objekt sein, etwas völlig Ausgedachtes.

Mit dem ersten Gedanken an dieses Objekt meint man, das Objekt völlig zu erfassen. Da ist es! Es steht vor dem geistigen Auge. Wenn man jedoch die Gedanken darauf ruhen lässt, wird es detaillierter und detaillierter. Es gewinnt an Information, einfach so. Es lässt sich aufteilen, der Baum lässt sich in hunderterlei Aspekten untersuchen. Plötzlich sieht man die Risse in der Baumrinde vor sich, ein Käfer krabbelt da. Und in jedem Moment glaubt man, völlig verstanden zu haben, was man da vor sich sieht. Jeweils abgeschlossene Objekte.

Man sieht auf diese Weise, dass das Denken endlos in Objekte „hineinzoomen“ kann – die Integrität der Objekte, die wir gewöhnlich als in sich völlig erklärlich und abgeschlossen ansehen, löst sich somit auf. Siehe auch Punkt 10. Das objekthafte Denken äußert sich nun darin, dass trotz dieses Sich-Auflösens man in jedem Moment glaubt abgeschlossene Objekte „vor sich“ (jenseits des Geistigen) zu haben.

2

Das vorgenannte Wunder lässt sich in das Paradox von Englands Küste transformieren. Ich hatte es mehrmals besprochen, z.B. hier. In einem Satz beschrieben: Es ist ein (scheinbar) mathematisches Spezialproblem: Die Küste Englands wird umso länger, je genauer man sie berechnet. Und zwar übrigens genau dann, wenn man sich dieses Objekt so vorstellt, dass dessen Grenze aus anderen Objekten besteht, im Beispiel von Englands Küste aus Buchten, diese wieder aus Kieselsteinen. Und die Kieselsteine setzen sich wiederum aus Teilen von Steinen zusammen, etc..

(Wenn man jedoch ein abstraktes Objekt annimmt, dessen Grenze nicht aus Teilen besteht, sondern immer Null ist, wie zum Beispiel bei einem gedachten Kreis, dessen Länge man mit Hilfe einer mathematischen Formel berechnet, dann gilt das nicht).

Das Beispiel „Englands Küste“ ist kein mathematischer Sonderfall, sondern gilt für jedes Objekt. Eigentlich ist es auch kein mathematisches Problem, sondern ein philosophisches. Alles wird umso inhaltsreicher, detaillierter, anders, je länger man darüber nachdenkt. Jeder Stuhl, jedes Ei, jedes ausgedachte Science-Fiction-Land. Jeder Gedanke – siehe Punkt 1. Und es zeigt, dass, obwohl die Objekte keine abgeschlossenen Objekte sind, die in Form und z.B. Umfang letztendlich bestimmbar sind, man immer glaubt, abgeschlossene Objekte jenseits des Geistigen vor sich zu haben.

Alles ist Geist bedeutet schließlich, dass das, was wir als unser Außen sehen, ebenfalls Geist ist. Und die Phänomene des Geistigen, insbesondere natürlich das Phänomen des objekthaften Denkens, lassen sich letztlich überall zeigen.

3

Genau dasselbe können wir auf das Objekt des Ich anwenden. Das Ich (-Universum) hat eine geradezu unendliche, uns unbegreifliche Tiefe. Man denke an die rätselhaften Begriffe Seele, Gott, etc., die damit im Zusammenhang stehen. Ich spreche jetzt übrigens nicht über etwas ganz Abstraktes, sondern über das Ich des Lesers – er möge bitte an sich selbst prüfen.

Einerseits ist das Ich „da“. Das ist der Aspekt des objekthaften Denkens. Alles scheint erklärlich zu sein. Da ist ein Objekt: Ein Ich! Mia san doch mia, oda net? Ich kenne mich doch selbst!! Andererseits ist gerade das Ich letztlich unbeschreiblich, unerklärlich, rätselhaft, in seiner Tiefe paradox.

Was dem materialistischen Denker entgeht, ist die Beobachtung, dass jeder Gedanke kreativ ist, und die Tiefe des Körpers vergrößert, auf den er sich richtet. Das bedeutet: Aus spirealistischer Sicht hat das Ich nicht von vornherein eine Tiefe, sondern es gewinnt sie, durch jeden Gedanken. Und das ist im wahrsten Sinn des Wortes Unendlichkeit. Die Unendlichkeit – sie entsteht durch die Kreativität der Gedanken!

Die Annahme, da wäre in jedem Moment ein in sich abgeschlossenes Objekt, das ist das Wesen des objekthaften Denkens.

4

Ich hatte im vorigen Abschnitt vom Ich-Universum gesprochen. Und es gibt, so viel weiß der Leser sicherlich, jene hermetischen Grundsätze, die insbesondere dem Spirealismus wichtig sind: Wie oben so unten. Wie innen so außen. Alles ist Geist. Das bedeutet: Alles unterliegt den Grundprinzipien des Geistigen.

Was wir über das Ich-Universum sagten, gilt genauso für das Universum des Außen. Und umgekehrt, denn im Grunde ist „das Universum“ nichts anderes als ein Ich.

Je länger wir unsere Gedanken auf den Raum richten (übersetzt: je tiefer wir in den Welt-Raum hineinschauen, je genauer wir auch den Mikrokosmos untersuchen), desto tiefer wird er. Ein Ende können wir nicht erreichen. Er ist unendlich, sowohl in der Richtung der Verkleinerung wie auch der Vergrößerung. Dennoch erscheint uns der Raum stets als endlich. Als abgeschlossenes Objekt. Es ist DER Weltraum – ein Objekt, oder nicht? Es ist DER Mikrokosmos – ein Objekt mit endlichem Raum darin … oder nicht?

5

Objekthaftes Denken, bezogen auf das Ich-Universum, könnte man auch in Folgendem sehen: Der eigentlich paradoxen Sichtweise auf das Selbst, das stets geschlossen, vollständig und rund wirkt.

Vermisst das Kleinkind an seinem Ich-Universum etwas? Nein. Vermisst der Dumme gegenüber dem Klugen irgendetwas? Nein. Was weiß man darüber, was man nicht weiß? Eben: Nichts! Ich hatte dies oft als die paradoxe Sichtweise des Materialismus auf das Nichts thematisiert. Das Nichts erscheint dem materialistischen Denker dem Sinn nach wie die Abwesenheit von Etwas, somit verdinglicht, und somit eingrenzbar. Doch, das Nichts ist nicht verdinglichbar, denn es ist nicht eingrenzbar. Das Nichts ist daher nicht wenig, sondern sehr viel. Anders gesagt: Das Nichts ist nicht die Null unseres materialistischen Weltverständnisses.

Zurück zum Ich … Immer glauben wir ein vollständiges Objekt vor uns zu haben: ein Ich. Was mangelt dem Ich? Nichts. Doch, und das ist das Faszinierende: In dieses Ich kann man hineinzoomen – wie in die Unendlichkeit des Weltalls. Man findet darin kein Ende. Da, wo vorher wenig war, ist plötzlich mehr! Aus sich selbst heraus! DAS ist die Verbindung zur Unendlichkeit.

Wenn jetzt etwas wegfiele, dann könnte man sagen, dass es mangelt. Aber – wie groß sind die Bereiche, die nie „da“ waren? Wie viel ist das, was man nie begriff? Unendlich groß, nicht bezifferbar, riesig. Nicht klein. Nicht Null.

5 a)

Die vollständige Rundheit des Bewusstseins und die damit einhergehende Vermutung, dass es außerhalb dessen nichts Vernünfiges geben könne (Paradoxie des Nichts), finden wir wieder im Anthropozentrismus, also der stetigen Annahme des Menschen, Dreh- und Angelpunkt aller vorstellbarer Welten zu sein. Wobei „alle vorstellbaren Welten“ natürlich nur die Welten der dem Menschen eigenen Vorstellungen sind. Auch hier sehen wir wieder „die Menschheit“ als abgeschlossenes Objekt, das ganz eigenständig denken kann; und nur auf diese Weise kann es schließlich sein, dass sich die Menschheit als völlig von der sie umgebenden Natur abgehoben sieht – aus der Sicht des Menschen sogar: hervorgehoben.

6

Wir finden objekthaftes Denken in einem Phänomen, das man ebenso gut als Oberflächlichkeit beschreiben könnte. Es ist der materialistische Glaube, dass Worte in sich abgeschlossene Bedeutungsentitäten sind. Das sind sie in Wirklichkeit nicht. Jedoch suggeriert eben das die materialistische Weltanschauung, indem sie davon ausgeht, dass Worte die bestmögliche Beschreibung für feststehende „Objekte des Außen“ sind, die ihrerseits Sinn und festes Sein in die Welt hineinbringen.

Dem Spirealisten hingegen, der vom Nichtvorhandensein solcher Objekte ausgeht, ist völlig klar, dass Worte nie zu trennen sind, von der Vorstellung, von der Phantasie, von der Imagination, die bei ihrem Gebrauch auftreten. Und dass Worte daher von Mensch zu Mensch verschieden aufgefasst werden müssen. Sie können also niemals genau dasselbe bezeichnen, wenn sie verschieden aufgefasst werden.

Ein Beispiel: Neulich sah ich im Fernsehen eine Diskussion. Ein Professor erklärte, die Nationalsozialisten (Nazis) seien in Wirklichkeit Linke gewesen, nicht Rechte des heutigen Verständnisses. Die Moderatorin sagte, man wolle sich nicht in Detailfragen verlieren, das sei nebensächlich(!). Sondern man wisse ja, was gemeint sei, wenn man „Nazi“ sage: Die Braunen eben. So als ob das nun mehr erkläre.

Nun sagt der Spirealismus: Nein, das weiß „man“ nicht. Niemals ist irgendeine Sache zu trennen von dem Verständnis, das man für sie hat. Daher lohnt es sich, das Verständnis zu hinterfragen. Es lohnt sich, über Worte und ihre Bedeutungen nachzudenken, insbesondere solange man den Menschen als eine Art Könner des Geistigen ansieht.

An Worte orthodox zu glauben in dem Sinn, sie hätten eine in ihnen liegende Bedeutung, die jeder sehen würde, sehen müsse – dieser Glaube macht es scheinbar überflüssig, Worte zu hinterfragen, ihren Sinngehalt zu prüfen. Dieser orthodoxe Glaube an Worte ist leider sehr verbreitet, auch bei Leuten, die man vielleicht für klug halten möchte, wie man sieht. Und man kann eine solche Aussage wiederum nur an ein Publikum richten, welches das ebenfalls glaubt. Der Glaube an die Eindeutigkeit von Worten ist ebenso verbreitet wie die materialistische Weltanschauung mit ihrem Glauben an die Eindeutigkeit der Objekte.

Das objekthafte Denken macht es zu einer scheinbaren Selbstverständlichkeit, stets an ein völliges Wortverständnis zu glauben, egal wie wenig Substanz dieses Verständnis in Wirklichkeit beinhaltet.

7

Weiter zu objekthaftem Denken als die Vorstellung stets abgeschlossener Objekte, bezogen auf Worte und Sprache ….

das ist etwas, an dessen Widersprüchlichkeit sich ganze Generationen von Wissenschaftlern und Philosophen abgearbeitet haben.

Man denke an Wittgenstein und seine Frage nach der Übersetzbarkeit von Text von einer Sprache in die andere. Dem Spirealisten ist klar, dass jedes Wort im Bewusstsein verschiedener Menschen verschiedene Phantasien auslöst. Und auf die Vorstellungen kommt es dem Spirealismus an! Denn er sagt: Was wohl anderes können die Dinge sein, wenn nicht unsere Vorstellungen von ihnen?

Wem das aber nicht klar ist, der fragt sich, so wie Wittgenstein, wie man das Wort „übersetzen“ denn wohl verstehen dürfe, wenn es nicht eine 1:1 Gleichung sei? Dem folgt als logische nächste Frage, wie denn wohl die Abweichung zu quantifizieren sei? Wie kann man sie bemessen? Und … man begibt sich ins Reich des Irrationalen, des Nicht-enden-wollenden-Grübelns. Nicht enden wollend, weil: Man kann nicht die Vorstellungen im Kopf eines anderen bemessen, wenn ein Wort gebraucht wird. Und über Vorstellungen reden wir letztendlich … Die Welt als Vorstellung einer Welt.

Man denke auch an Sokrates und seine Gespräche über die einfachsten Worte, die stets in einer unerklärlichen Rätselhaftigkeit endeten.

Wenn ich hier von Irrationalität spreche, so sage ich das in aller Achtung, denn am Ende ist es tatsächlich so: Es ist irrational, es ist nicht zu ergrübeln. Wie gesagt: die Abweichungen sind nicht ermittelbar. Das Ding „an sich“ (Kant) ist nicht zu ergrübeln.

 

 

Das ist letztlich dieses Paradox, das ich „objekthaftes Denken“ nenne, und das mir zugleich Frage und Antwort ist. Es ist die Beschreibung einer fundamentalen Tatsache.

Im Spirealismus nenne ich das Phänomen des objekthaften Denkens übrigens auch die „semantische Natur der Dinge“, wodurch die Einheit von Wort und Vorstellung von einem Ding gekennzeichnet wird. Die „semantische Natur der Dinge“ ist es, dass, auch wenn wir glauben die Dinge seien in sich abgeschlossen, sie es nicht sind.  Vielmehr sind die Dinge, ebenso wie die Worte, Vorstellungen – und damit, wie Semantik – eine sich im Unendlichen verlierende Kette von Sinn-Relationen.

8

Das Vorgenannte wiederum könnte man transformieren in die letztlich unzutreffende Annahme, dass jemand, ein Wort gebrauchend, eine ganz bestimmte Vorstellung in jemand anderem auslösen kann, und zwar genau die, die er selbst hat.

Und umgekehrt ebenso: Die Vorstellung, dass jemand, wenn er spricht, dieselbe Vorstellung im Kopf habe wie man selbst.

Ich besprach das bereits unter Punkt 6 – der schlichte Glaube an stets abgeschlossene Objekte, an eine in sich geschlossene Wahrheit, an Worte die einen selbstverständlichen Sinn einschließen, etc., etc.. Man könnte das auch als eine Oberflächlichkeit sehen.

9

Einstein, der Finder von Relativität in Entitäten, deren grundsätzliches, eigenständiges, völlig ungestörtes VORHANDENSEIN vorher als sicheres Wissen galt, wurde einmal gefragt, was man denn machen solle, wenn sich die verbliebenen festen Entitäten ebenfalls als relativ herausstellten? Beispielsweise die Lichtgeschwindigkeit?

Pragmatiker, der er war, sagte er, dann müsse man etwas anderes finden, das man als statisch und gegeben ansehe.

Das ist objekthaftes Denken. Was anderes können wir tun, als Dinge sehen? Scheinbar in sich abgeschlossene Entitäten? Wenn wir keine 1 zum Rechnen hätten, mit welchen Zahlen könnten wir rechnen?

Nikola Tesla sagte einmal: „Wenn Du die Geheimnisse des Universums finden willst, dann denke in Formen von Energie, Frequenzen und Schwingungen.“ Das finde ich richtig. Diese Energie, Frequenzen und Schwingungen lassen ein Bild von sich stets ändernder Relativität entstehen, was die Sichtweise des Spirealismus ist. Und die große Frage ist aus meiner Sicht, inwieweit es dem Menschen überhaupt möglich ist, den Zustand einer Welt als etwas anderes als den Schnittpunkt von Energie, Frequenzen und Schwingungen in einem Moment festzustellen?? Kann man die Welt anders sehen, als objekthaft?

Ich denke, es ist nicht möglich. Denn, dass die Welt alles ist, oder alles sein könnte – das ist unkonkret. Es ist keine Antwort auf irgendeine Frage. Das ist letztlich keine Welt. Daher muss die Welt konkret sein, und sie wird durch uns konkret. Der Mensch als Element der Schöpfung, nicht ihr Beobachter.

Jedoch kann man den hier dargestellten Zusammenhang feststellen, ihn verstehen und nutzen. Und das ist eine Frage der Weltanschauung.

10

Man denke an die Frage der alten Griechen nach dem Atom – ich sehe das als ein Phänomen des objekthaften Denkens. Wie kam man darauf, es müsse ein Atom geben, also eine nicht weiter spaltbare Entität, aus der sich die Natur aufbaut?

Das kommt daher, dass man feste Dinge des Außen sieht, in sich geschlossene Objekte. Und man nimmt von diesen Objekten sicher an, dass sie sich wiederum aus ganz festen und bestimmbaren Teilen zusammensetzen.

Wenn man nun dieses Teilen und Wiederteilen in alle Ewigkeit fortführte, dann würde man doch auf nichts Bestimmtes treffen können, nicht wahr? Endlosigkeit heißt so gesehen: Namenlosigkeit. Verschwommenheit, Nicht-Objekthaftigkeit. Doch, die Welt, so scheint es uns, besteht doch aus bestimmbaren Dingen, aus Objekten! Das ist doch das Wesen des objekthaften Denkens!

Also muss all das Teilen irgendwo ein Ende haben. Man nannte es Atom – das nicht weiter spaltbare Element, aus dem die Dinge sind. Und man stellt heute fest: das Atom ist teilbar, so wie der Gedanke (Punkt 1), so wie die Wellen und die Energie des Nicola Tesla, die letztendlich keine festgefügte Form haben.

10 a)

„Das Teilen muss ein Ende haben“ – auch das ist ein Aspekt des objekthaften Denkens. Alles muss ein Ende haben. Alles muss einen Anfang haben. Man denke an unsere eingrenzende Auffassung von Leben als die Mitte von Geburt (Anfang) und Tod (Ende). Alles sehen wir als bestimmbar, als eindeutig, als eingrenzbar. Das ist objekthaftes Denken. Und doch ahnen wir, dass wir hier nur einen Aspekt sehen können. Denn in uns sind die Grenzen, die wir im Außen als gegeben annehmen, im Detail aber vergeblich suchen. Durch uns entstehen sie.

10 b)

Genau dasselbe Paradox des Mikrokosmos mit seinen angenommenen Atomen begegnet uns übrigens im Makrokosmos – in der Unendlichkeit des Weltalls unter der gleichzeitigen Annahme, beim Weltall handele sich um eine in sich abgeschlossene Entität, woraus dann wieder die erfolglose Unterscheidung folgen soll zwischen Dingen die es gibt, und anderen, die es nicht gibt.

Es geht hier also um den von mir oft besprochenen Existenzbegriff (Sein) des Materialismus, der zu den paradoxesten Annahmen führt (weshalb er vom Spirealismus negiert wird).

(Wir erinnern uns an die paradoxe Frage nach der Anzahl Romane schreibender Affen in einem unendlichen Weltall. Kann es sie geben? Aber ja, sofern die Wahrscheinlichkeit für einen Affen, der auf einer Schreibmaschine Tasten drückt, über Null ist. In einem unendlichen Weltall muss die Anzahl maschineschreibender Affen unendlich sein, und es gilt dann als sichere Annahme, dass dabei auch einmal ein guter Roman herauskommen muss. Oder vielleicht die Bibel …. ).

10 c)

Wir brauchen aber nicht unbedingt in die Tiefen des Makro- oder Mikrokosmos zu gehen, und damit in etwas scheinbar sehr Fernliegendes, um dieses Paradox anzutreffen, sondern wir können jedes Ding ansehen. Ich verweise insofern wieder auf Punkt 2.

Grundsätzliche Überlegung

Aus dem Vorgenannten ergibt sich für mich ein Grundprinzip des Denkens, das in Einklang steht mit uralten religiösen und auch esoterischen Motiven. Mit Esoterik meine ich übrigens nicht die Profession der Wahrsager und Heilsbringer, sondern Esoterik als „Geheim“-Wissenschaft, letztlich eine Art metaphysische Philosophie.

Es geht um ein Grundprinzip des Denkens, das jeder an sich beobachten kann.

Das Grundprinzip des Denkens nenne ich die Eigenschaft, dass das Denken den grundsätzlichen Unterschied zwischen dem Einen und dem Anderen konstruiert, und dadurch Entitäten erschafft. Das ist das Grundprinzip des objekthaften Denkens. Es geht um die Bildung eines Unterschiedes. Ohne den Unterschied keine Objekte. Es scheint so, als seien die Objekte in sich abgeschlossen und voneinander getrennt. Aber, wenn ich sage, dass die Objekte nur durch den Unterschied SEIN können, so sieht man schon, dass die Objekte einander bedingen, und keineswegs voneinander getrennt sind.

Als Symbol kennen wir das: Es ist die Einheit und zugleich Verschiedenheit von Yin und Yang.

Man kann es auch als die Einheit und den gleichzeitigen Kampf von Gegensätzen bezeichnen (Hegel).

Es handelt sich auch um das Verhältnis des Teiles zum Ganzen (Heisenberg). Denn, wenn es um das Wesen der Objekte geht, dann geht es natürlich auch darum, wie diese sich bilden, und damit um die Frage des Aufbaus den Einen durch das Andere.


Yin und Yang [SPID 4000]

Wie im Yin Yang Symbol ist die Welt im Wesen rund, denn sie ist nur erfahrbar aus der Sicht eines Elementes (Bewusstsein, Ich, Ich-Universum) das sich stets in der zentralen Position glaubt. Um das Element herum entfaltet sich der Raum.

Das Ganze besteht aus untrennbaren Gegensätzen, in diesem Fall Yin und Yang genannt. Das Besondere an diesem Symbol ist die Weisheit der Untrennbarkeit, die darin liegt. Yin und Yang erscheinen wie absolute Gegensätze, wie schwarz und weiß, die einander widerstreben. Und sie widerstreben tatsächlich, sie kämpfen, sie hadern; definieren sich aber auch gegenseitig, und zwar durch einander. Sie definieren sich als der Unterschied. Daher können sie ohne einander nicht sein! Sie lieben sich auch: Sie nähern sich scheinbar immerfort einander an. Sie sind sich nahe, auch wenn man glaubt, es seien die größten Gegensätze.

Yin und Yang sind die Ergebnisse des objekthaften Denkens. Und auch das Ganze wird wiederum als Objekt aufgefasst (man denke an DIE Welt, DAS Weltall)

Es sind eben eigentlich keine abgeschlossenen Entitäten, sondern einander bedingende. Weil sie sich bedingen, ändern sie sich stetig, sind also keineswegs fest. Auch dieses Zerfließende drückt das Yin-Yang Symbol aus. Wir denken wieder an Nicola Tesla und seine Energie, Frequenzen, Schwingungen. Ohne Yin kein Yang. Ohne Yang kein Ying. Ohne Yin und Yang keine Welt.

 

Ouroboros, Oroboro [SPID 3981]

Die Dinge be-Dingen einander. Kein Ganzes ohne Teile, keine Teile ohne Ganzes. Daher sind die Teile nie völlig durch sich selbst definiert, wie es der Materialismus glaubt. Es gibt nichts Einzelnes! Denn: Ohne das Eine kann das Andere nicht sein.

Ganz wie beim Ouroboros, ebenfalls ein Symbol für das Wesen der Welt. Man beachte seine Rundheit, ebenso Zeichen für das Göttliche wie das Yin-Yang Symbol. Der Ouroboros nährt sich selbst, indem er seinen eigenen Schwanz auffrisst. Ohne Ouroboros keine Nahrung. Ohne Nahrung kein gefräßiger Kopf. Ohne Nahrung und Kopf kein Ouroboros.

Die Welt ensteht aus sich heraus – das nicht weiter erklärbare Prinzip der Objekthaftigkeit. Die Objekte wirken einerseits völlig erklärlich und eben „da“, sind es aber nicht. Sie bedingen einander und können aus sich heraus immer neu, immer anders, entstehen. Und: kann es einen Ouroboros geben, der nur den fressenden Kopf hat, aber keine Nahrung? Was ist überhaupt etwas, das keinen Körper, keinen Gegenstand hätte? Kann es das Ganze geben, wenn keine Teile darin sind? Kann es Teile geben, ohne dass sie ein Ganzes bilden? Kann es Raum geben ohne Sterne? Etc. etc..

So sind die Teile nie völlig eigenständige Objekte, die das Ganze bilden, und das Ganze hängt nicht in eindimensional schlüssiger Weise von den Teilen ab. Auch wenn das die gängige Art und Weise unseres Denkens, unserer Logik ist.

Man denke beispielsweise an eine Mauer – wird sie denn nicht von Mauersteinen gebildet? Ja und nein – es ist eine Frage der Sichtweise. Eine Mauer erklärt sich nicht einfach als die Summe von Ziegelsteinen. Sondern, sie ist (auch) etwas grundsätzlich anderes. Anders als ein Ziegelstein kann eine Mauer jemanden daran hindern, ein Grundstück zu betreten. Und umgekehrt: eine Mauer kann man nicht fallen lassen oder damit werfen, ganz anders als bei einem Ziegelstein.


Dass wir Objekte sehen, das ist objekthaftes Denken. Und Denken ist alles, denn alles ist Geist. Alles unterliegt dem Prinzip des Geistigen.

Dass wir glauben, die Objekte die wir sehen seien in eindeutiger Art und Weise in sich definiert, dass sie unabhängig von Geist vorhanden seien, das ist noch etwas anderes. Das ist Materialismus.

Materialismus kann man überwinden, beispielsweise indem man sich des objekthaften Denkens bewusst wird. Das objekthafte Denken kann man nicht überwinden.

Den Begriff „objekthaftes Denken“ zu verstehen entspricht der Wahrnehmung, dass die Wirklichkeit aus und durch uns hindurch „fließt“. Dass die Objekte keine unverrückbar in sich ruhende Logik bergen, sondern auf zerrinnende Weise mannigfach sind; bis in die Unendlichkeit, bis ins Nichts.

Objekthaftes Denken was last modified: April 9th, 2018 by Henrik Geyer

Der Zufall als Element kreativer Programme

Ich hatte in den Artikeln Über die Intelligenz einer Harke und Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun? mein Konzept zum Thema Intelligenz erörtert. Ich hatte den zwingenden Zusammenhang zwischen Intelligenz und Kreativität erörtert.

Intelligenz meinte ich als Eigenschaft eines beliebigen Wesens oder Dinges. Das mündet für mich in die Frage: Was verstehen wir überhaupt unter Intelligenz? Inwiefern ist die Natur intelligent? Wie würde man Intelligenz erkennen, angenommen man stünde einem Alien gegenüber? Was ist künstliche Intelligenz?

Ich nannte Intelligenz eine „sinnvolle Kommunikation„, Sinn nannte ich: „Bezug auf einen Bedeutungsraum„.

Ich kam zu dem Schluss, dass Intelligenz überall ist. Alles ist Geist. Die Natur ist in sich intelligent. Wir selbst sind, wenn man so will, die Gedanken in einer Schöpfung. Können wir Menschen, so gesehen, hervorgehoben intelligent sein? Ich glaube nicht. Jedenfalls nicht intelligenter als die Schöpfung. Absurderweise sehen wir es genau umgekehrt. Und genau darin sehe ich unsere besondere Dummheit. Selig sind die geistig Armen, denn, wenn sie überhaupt wenige Ideen haben, dann kommen sie zumindest auf diese absurde Idee auch nicht.

Die Unterscheidung, die wir gewohnt sind zu machen: Hier sei Intelligenz, dort nicht, nenne ich eine Nuance. Durch uns kommt diese Nuance ins Entstehen. Die Natur selbst kennt keine Unterscheidung von intelligent/nicht intelligent. In der Natur ist alles neu. Und alles hat einen Bezug zueinander. Es ist ein Kosmos – Kosmos im Griechischen verstanden als eine Ordnung. Alles ist, so gesehen, intelligent. In allem ist Geist.

Die Möglichkeit, dass wir etwas zu sehen bekommen, das nicht im oben genannten Sinn intelligent ist, nenne ich null. Denn alles was wir sehen können, hat einen Bezug zu einem Bedeutungsraum – unserem. Es gewinnt also Sinn, indem es gesehen wird. Alles, was wir sehen, ist auch neu. Ist kreativ. Weil jeder Gedanke in uns einzigartig ist.


Ich hatte Intelligenz mit Kreativität in Verbindung gebracht. Warum? Weil Kreativität („das Erschaffende“), Neues entstehen lässt. Und insbesondere Intelligenz benötigen wir ja, damit sie im Ergebnis Neues und Sinnvolles hervorbringen kann. Prüfen wir das an der Umkehrung: Zum Nachplappern von Bekanntem benötigen wir keine Intelligenz – so verstehen wir Intelligenz nicht. Ein intelligenter Mensch wäre jemand, der uns verblüffend Neues (Kreativität) erzählt (Kommunikation). Etwas, das Sinn (Bezug zu unserem Bedeutungsraum) hat. Unser Bedeutungsraum: Die Welt.


Einschub: Was ist „neu“? Sagte ich nicht, alles sei „neu“?

Alles ist neu, weil jeder Gedanke einzigartig ist, das ist die spirealistische Sichtweise.

Der Materialismus macht aus Nuancen das Absolute. Das Objekthafte. DAS Neue. Man könnte „neu“ (als Nuance eines Überganges) auch so beschreiben: unähnlich dem Bedeutungsraum. Wenn jemand eine ganz neue Idee hat, so erscheint sie dem bekannten Bedeutungsraum erst einmal wenig zugehörig, sondern ungewohnt. Dieser Prozess währt kurz, dann ist das Ungewohnte gewohnt. Das ehemals Neue ist in den Bedeutungsraum integriert, es ist nun nicht mehr neu. Und der Bedeutungsraum hat sich auch verändert.

Bedeutungsraum“ ist übrigens nicht statisch gemeint, sondern ein sich mit jedem Gedanken ändernder „Raum“ von Bezügen (ich erinnere daran: alles ist Geist). Insofern ist der Bedeutungsraum ganz vergleichbar mit dem Weltraum, dessen Größe und Art ja ebenfalls schwankt, je nachdem, wie wir ihn verstehen.

Beispiel: Wenn wir Sterne in 15 Milliarden Lichtjahren Entfernung entdecken, wo wir vorher nur 14 Milliarden Lichtjahre weit sehen konnten, dann hat das Universum für uns eine Ausdehnung von 30 Milliarden Lichtjahren im Durchmesser, anders als vorher, mit 28 Milliarden. Der Materialist wird sagen: Aber nein, wir beobachten etwas, das statisch ist, nur unsere Auffassung von dieser Sache (dem Weltraum) ändert sich. Das ist eben der Unterschied der Weltanschauungen – der Materialist glaubt, er beobachte eine Welt außerhalb der Gedanken … der Spirealist glaubt das nicht.

Ist Programmieren eine mechanistische Tätigkeit?

Ich möchte ein wenig über das Programmieren sprechen. Denn uns fasziniert künstliche Intelligenz. Was ist das, was kann sie? Künstliche Intelligenz erwarten wir aus Computern (Rechnern). Rechner werden programmiert. Wie kann man ein Ding, das nur etwas ausrechnet, so programmieren, dass es intelligent wird?

Ich denke, dass der Prozess des Programmierens selbst geeignet ist, uns näher zu bringen, was das ist, Intelligenz. Oder auch Denken.

Ich hatte in dem Artikel Über die Intelligenz einer Harke gesagt, dass mich das Falschverstehen von Programmieren in einem Youtube-Video ärgerte. Es ging in diesem Video um künstliche Intelligenz.

Das Verständnis dieses kümmerlichen Videos war in etwa dieses: Programmieren, das wisse ja jeder, sei im Prinzip vorhersehbar. Der kluge Programmierer gibt den Programmablauf „in den Computer ein“, so dass dieser dann auf vorhersagbare Weise sein Programm „abspult“. Der Programmierer ist schließlich so klug, auf magische Weise ein Programm hervorzubringen, das ganz und gar denken kann. Und zwar selbst.

Man fragt sich natürlich sofort, wie denn, wenn alles nur ein-gegeben wird, hinterher mehr drin sein kann, als zuvor. Mehr als das, was man ein-gab?

Könnte ein Programm, das so mechanistisch programmiert wird, irgendetwas anderes enthalten, als einen Gedanken des Programmierers? So entsteht doch keine künstliche Intelligenz!

Nein, bereits die mechanistische Vorstellung von Programmieren ist falsch.

Hier muss glaube ich einiges erklärt werden.

Programmieren ist kreativ

Wenn man etwas programmiert, dann hat man eine Idee, einen Nutzen zu erzeugen. Mit Hilfe der Werkzeuge, die man im Prozess immer besser zu gebrauchen lernt, so wie man ein Handwerk erlernt, erzeugt man etwas. Es ist aber nicht vorhersehbar, wie genau das Programm schließlich funktioniert. Gerade wenn es komplex ist.

Sondern man testet, testet und testet. Man versteht das Programm, das man geschrieben hat, besser, wenn man sieht was es macht. Man hat einen Zielkorridor im Kopf, was ungefähr man erreichen will. Und, was man erreicht, ist oft besser als das, was man zu erhalten gedachte. Der Zufall ist willkommen. Was da entsteht überrascht manchmal – im Chaos erkennt man Muster. Willkommene Muster, die man behält. So wie ein Maler, dem der Pinsel abrutscht, und der sagt: „Das sieht aber hübsch aus!“.

Jedenfalls ist allein die mechanistische Vorstellung falsch, etwas liefe nach Plan ab, und das Ergebnis wäre im Detail vorgedacht. Das ist es nicht, denn Programmieren ist ein kreativer Prozess.

Ich empfinde Programmieren so spannend und so kreativ, als schriebe man ein Buch. Spannend ist es, das Werkzeug kennen zulernen, also die Programmier-Sprache. So wie man als Autor die Schrift-Sprache mit der Zeit immer besser versteht und besser zu gebrauchen lernt. Spannend ist auch, was man für riesige Möglichkeiten mit dem Programmieren in die Hand erhält, ganz ähnlich dem Romanautor, der die unendlichen, in ihm selbst liegenden Welten kennenlernt. Und fasziniert ist.

Programmieren hat gegenüber dem literarischen Schreiben den Vor- oder Nachteil, dass man sehr genau sein muss, sehr strukturiert nachdenken muss. Ob ein Programm funktioniert oder nicht, hängt oft an einem Satzzeichen, wie einem Komma. So gesehen ist man eingeschränkt. Ein Text hingegen „funktioniert“ auch, wenn man ein Komma vergisst.

Andererseits aber ist diese Genauigkeit auch sehr willkommen; auch das literarische Schreiben profitiert von Genauigkeit, denn es verwirrt den Leser, wenn man Tatsachenangaben durcheinanderbringt …


Generell aber will ich betonen: Programmieren ist ein kreativer Vorgang.

Da ist das Unvorhersehbare, also der Zufall. Und, da ist Sinn! Da ist der Bezug auf den Bedeutungsraum, der um interessante Aspekte erweitert wird.

Welten entstehen … aus Welten!

Wie erschafft man ein kreatives Programm?

Der Begriff Kreation meint „Schöpfung„. Der Programmierer erschafft ein Programm.

Doch wie kann man ein Programm erschaffen, das seinerseits kreativ ist und etwas Neues erschafft?

Im Grunde genauso! Wieder mit den Elementen „Zufall“ und „Sinn“ (Bezug auf einen Bedeutungsraum). Um ein kreatives Programm zu erschaffen, bedient man sich Zufallszahlen. Zufallszahlen können die Programm-Objekte auf unvorhersagbare Weise variieren.

(In den verschiedenen Computerprogrammen gibt es stets einen „Random“-Befehl, also einen Befehl, der eine Zufallszahl erzeugt. Man hat die Möglichkeit, die Bandbreite der Zufallszahl selbst festzulegen. Beispielsweise: floor(random(0,3)) erzeugt bei jedem Aufruf eine ganzzahlige zufällige Zahl, die null, eins oder zwei sein kann.)

Das Produkt eines Programms kann ein Text sein, ein Bild, eine Tabelle, etc etc.. Das Programm selbst kann ein Produkt sein, denken wir an ein Spiel. Durch Zufallszahlen kann man erreichen, dass das Produkt des Programms einzigartig und unvorhersagbar ist. Weder der Programmierer, noch der Kunde des Programmierers können vorhersagen, wie das End-Produkt aussieht. Der Programmierer kennt lediglich die Zielvorstellung, die er hatte.

Bei einem Spiel beispielsweise ist das Produkt letztlich die Interaktion des Spielers mit dem Programm. Ob hier Spaß kreiert wird oder nicht, das ist die Frage nach der Güte des Programms. Der Spaß kommt aber nicht nur aus dem Programm, sondern auch aus dem Spieler.

Ich will ein Beispiel geben, ein ganz einfaches. Beiliegendes Bild ist mit Hilfe von Zufallszahlen zu Stande gekommen. Es ist ein Gif-Bild. .gif ist ein Dateiformat, in dem verschiedene Digital-Bilder gespeichert sind, die nacheinander gezeigt werden. Dadurch entsteht der Eindruck von Bewegung. Die Bilder werden in einer Endlosschleife gezeigt, immer wieder von vorn.

Um dieses Bild zu erzeugen, wurde der Wechsel der Position jedes einzelnen Buchstabens errechnet, ausgehend von zufälligen Positionen. Und zwar aus Millionen von Möglichkeiten. Auch die Schriftart wurde zufällig ausgewählt. Die Hintergrundfarbe: Zufall.

Weil Zufallszahlen das Endergebnis ermöglichen, kennt der Programmierer das Ergebnis des Programmlaufes, also das Bild, nicht, bevor es entstanden ist. Es ist ihm neu. Es ist ein wenig paradox (so wie Kunst überhaupt). Man hat etwas erschaffen, aber man spürt, dass man es nicht selbst war. Da ist etwas anderes, etwas Unvorhersagbares, etwas Irrationales. Es ist der Zufall, angewandt auf einen Bedeutungsraum! Beim Menschen sagt man Kreativität dazu – es ist die Mischung aus Intuition und handwerklichem Geschick, aus Variation und Erfahrung, aus Zufall und Sinn.

Wir haben, um wieder auf den philosophischen Aspekt zu kommen, hier also beide Elemente der Intelligenz: Das Kreativ-Unvorhersagbare, das in diesem Fall durch eine Zufallszahl erzeugt wird. Und zweitens der Bezug auf einen gegebenen Bedeutungsraum. Der gegebene Bedeutungsraum ist, dass das Bild erkannt wird, und dass es für den Menschen Sinn macht. Der Bezug auf den Bedeutungsraum – das ist auch der dargestellte Text, der seinerseits Sinn enthält.


Hätte ein Mensch ein solches Bild „mit der Hand zu Stande gebracht“, wäre das Ergebnis auch nicht „kreativer“. Womit gesagt sein soll: Ist ein Mensch kreativ, dann kommt seine Kreativität durch einen ganz ähnlichen Vorgang, ein ähnliches Phänomen, zum Tragen: Durch den Zufall. Jeder, der kreativ ist, prüfe das an sich. Der kreative Prozess ist im Wesentlichen der, dass man x Versuche unternimmt, Ideen erzeugt, also zufällige Varianten. Und dann immer prüft: „Passt“ das? Das Letztgenannte wäre der wichtige Aspekt des Bezuges auf einen Bedeutungsraum, also Sinn, Geschmack, Mode, Spannung, Interesse.

Mir kommt es natürlich darauf an, etwas sehr Kompliziertes auf etwas sehr Einfaches zu reduzieren. Intelligenz, insbesondere wenn man sie in allem sieht, in der ganzen Natur, kann auch etwas sehr Einfaches sein, das ist meine Überzeugung. Und, gerade wenn etwas sehr einfach ist, dann sieht man sehr gut, wie sein Prinzip funktioniert.

Wem das aber zu simpel erscheint, der stelle sich hilfsweise ein Computer-Programm vor, das viel komplexer ist als das hier gezeigte. Man denke an ein Programm, bei dem viele Programmierer etwas für den Verbraucher völlig Verblüffendes herstellen, so klug und weise, dass die klügsten Köpfe der Menschheit nicht klüger sind. Auch dieses Programm hat im Wesentlichen wieder beide Elemente: Den Zufall und den Bezug auf Bekanntes.

Um dem gängigen Verständnis von Intelligenz vollkommen gerecht zu werden, braucht es noch etwas anderes. Intelligenz, Denken, sieht man eher als einen Prozess … Nicht als das statische Produkt eines Prozesses. Sagen wir, es fehlt das dynamische Element, namens Lernen.

Davon soll aber an anderer Stelle die Rede sein.

 

 

 

Der Zufall als Element kreativer Programme was last modified: März 19th, 2018 by Henrik Geyer

Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun?

Wer meinen letzten Artikel Über die Intelligenz einer Harke gelesen hat, dem sind vielleicht zwei Dinge aufgefallen, die noch einmal einer tieferen Erwähnung bedürfen.

Das Getrennt-Sehen von Dingen

Über Unabhängigkeit stand da: „.. kann denn ein Mensch etwas hervorbringen, das von ihm ganz getrennt zu sehen ist? Klares Nein.“

Warum „Klares Nein.“? Warum nicht: „Nicht unbedingt.“, oder so ähnlich?

Hierzu folgende kurze Erläuterung (denn ich habe dazu schon vielerlei geschrieben). Diese Erklärung ist überhaupt nicht einfach, dann aber doch wieder einfach. Denn es ist eine Art Glauben.

Zunächst handelt es sich um eine grundlegende Sichtweise des Spirealismus. Nichts ist einzeln. Alles hängt zusammen. Warum? Weil es das Objektive der materialistischen Sichtweise nicht gibt. Oder, wie ich immer formuliere: Die Realität gibt es nicht noch einmal extra, jenseits des Denkens (der Menschen). So dass sich die Menschen nicht auf „die“ Realität wie auf ein Ding beziehen können, das in Eindeutigkeit irgendwo sei.

Anders herum: Wie kommen die Dinge ins Entstehen? Wie „sind“ sie (Existenz)? Sie entstehen aus der Relation. Existenz ist Kommunikation. Daher hat das, was auffasst, auch immer etwas mit dem Aufgefassten zu tun, denn Kommunikation gibt es nur in einem Zusammenhang.

Da der Spirealismus das so sieht, nennt er die Realität also: „nicht eindeutig“. Oder auch: „vielfach“. Er hält demnach mit Leichtigkeit auch eine Realität für möglich, in der die Menschen glauben, die Realität gäbe es noch einmal extra! Wie könnte der Spirealismus das auch bestreiten, wo der Materialismus doch allgegenwärtig ist? Man könnte es also eine Art Glauben nennen, zu sagen, alles hinge zusammen. Ebenso wie der Materialismus ein Glaube ist.

Man möge also glauben, oder auch nicht! Im Prinzip sind ja alle Realitäten möglich.

Im konkreten Fall ist jedenfalls der Zusammenhang Mensch – Produkte des Menschen gegeben. Meiner Ansicht nach völlig offensichtlich. So dass man ohne Schwierigkeit sagen könnte: Der Mensch kann nichts von ihm Unabhängiges hervorbringen.

Das Denken in voneinander unabhängigen Objekten als Produkt des Materialismus ist jedoch geradezu allmächtig. Daher will ich die Aufmerksamkeit desjenigen, der gewillt ist darüber nachzudenken, auf die Frage lenken, was irgendein Ding wäre, mit dem es keinerlei Kontakt gibt. Das man also nicht sieht, nicht hört und an das man nicht denkt? Es ist im wahrsten Sinn des Wortes nicht vorhanden, zumindest für uns Menschen, ob es nun in irgendeiner Realität existiert oder nicht. Man könnte das auch „unabdingbar vorhandenes Unwissen“ nennen, oder auch „Denkgrenze“. Während ja, wie absurd!, der Materialismus glaubt, das Denken habe keine Grenzen.

(Übrigens Achtung, noch eine Kollision mit dem materialistischen Weltbild! An etwas zu denken hat für den Materialismus nichts mit der Sache zu tun, an die gedacht wird. Denn die Objekte sind ja für den Materialismus ganz separat von Denken. Für den Spirealismus ist das nicht so.)

So viel aber erst einmal dazu.

Intelligenz und Kreativität

Ich schrieb auch: “ …  dass Intelligenz definitionsgemäß das Unerwartete hervorbringen muss. Nur etwas sehr Eingegrenztes von Intelligenz zu erwarten widerspräche meiner Auffassung, was Intelligenz auszeichnet. (denn das hieße im Umkehrschluss, dass wir, während wir von Intelligenz sprechen, etwas Nicht-Intelligentes erwarten: nämlich eine Reaktion wie von einem Papagei – der etwas Bekanntes nachplappert.)“

Im Prinzip spreche ich, wenn ich von „etwas Unerwartetem“ spreche, von einem kreativen Vorgang. Etwas Neues kommt ins Entstehen. Etwas, das unvorhersagbar ist. Etwas, das nicht unbedingt hätte entstehen müssen.

Hier gibt es verschiedene Konflikte mit dem materialistischen Weltbild. Ich halte es für wichtig, diese Konflikte aufzuzeigen, weil sie für das Verständnis von Intelligenz, wie ich finde, wichtig sind.

Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun?


Im Materialismus gibt es ja diese Überlegung, dass das menschliche Denken letztlich von Objekten außerhalb des Denkens abhinge. So wie das Denken als Objekt gesehen wird (hier ist das Gehirn), sind dort die Objekte die das Denken (das Gehirn) spiegelt.

Daher erscheint es dem Materialismus, als gebe es eine absolute Folgerichtigkeit, der zufolge Entdeckungen gemacht werden. Also: Warum müssen Erfindungen und Entdeckungen gemacht werden? Weil dieser Fortgang der Wissenschaft einfach die beste Entsprechung der Realität ist, welche der Mensch vor-findet. Beispielsweise erscheint es völlig folgerichtig, dass der Mensch, nachdem er die Atome ge-funden hat, diese nun teilen kann, etc.. Das musste so entdeckt werden!

Das Forschen ist also eher ein Finden, denn ein kreativer Prozess, bei dem etwas erschaffen wird. Man sagt ja auch „Erfinder“ und nicht „Kreativkopf“.

Diese Vorstellung hat etwas Mechanistisches, etwas, das, glaube ich, auch jeder überzeugte Materialist innerlich als widersprüchlich empfindet. Einstein sagte einmal – er bezog sich auf das Finden mathematischer Zusammenhänge – es gäbe keine Notwendigkeit für solche Entdeckungen. Einstein wohlgemerkt war Materialist.

Jedoch: Letztlich weiß man, oder ahnt man, dass ein Erfinder kreativ sein muss, um Entdeckungen machen zu können. „Entdeckung“ ist übrigens auch so ein Wort, das das Finden von etwas suggeriert, das schon „da“ sei. So, als lüfte man einen Deckel, der über eine Sache gestülpt ist, oder man hebe eine Decke hoch …

Andererseits: Wenn es der Kreativität bedarf, also des Erschaffens von Neuem, was ja eigentlich an keine Notwendigkeit geknüpft ist, dann ist das Entdecken auch nicht zwangsläufig. Und die Wissenschaftswelt mit ihren Erkenntnissen ist ebenfalls nicht zwangsläufig.

Diese Widersprüchlichkeit kommt auch in dem Einsteinzitat zum Ausdruck: „Die Theorie entscheidet darüber, was man finden kann.“ Das bedeutet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Bekannten gibt, und dem, was man zu finden erwartet. Es bedeutet aber natürlich auch, dass man nur finden kann, wofür man eine Theorie hat, was man also kennt. Und hier kommt nun wieder die Frage des Weltbildes ins Spiel. Glaubt man wirklich, dass es nur das geben kann, wofür wir Theorien haben (wie es der Materialismus suggeriert)? Also ich glaube das nicht.


Ich weiß, dass in diesem Moment in so manchem Leser der nicht abschüttelbare Gedanke durchs Hirn fahren wird, man könne doch nur entdecken was auch „da“ sei. Das ist eben ein Widerspruch zum vorher Gesagten, nämlich, dass Entdeckungen ohne eine Notwendigkeit gemacht werden.

Wenn ich gefragt würde, wie das auf der Basis des materialistischen Weltbildes zu erklären sei – ich könnte es nicht erklären. Niemand kann das. Der Materialismus ist einfach zu faul darüber nachzudenken. Das ist alles.

Das sind im Ergebnis die unauflösbaren Widersprüche des Materialismus: Paradoxien. Ich kann und will nicht weiter mit diesen letztlich unüberwindlichen Unstimmigkeiten argumentieren.


Für den Spirealismus ist alles einzigartig. So, wie auch der Millionste VW-Käfer einzigartig ist, und nicht der „selbe“ wie ein anderer. Das „selbe“ gibt es im Spirealismus nicht. Das „selbe“ ist ein Widerspruch in sich, denn es handelt sich um einen Bezug zwischen verschiedenen Dingen, deren absolute Ein-heit man ausdrücken will. Geht also nicht. Außerdem gibt es das Einzelne nicht – daher muss alles eine Relation zwischen Verschiedenem sein. Yin und Yang [SPID 4000]Als beste Illustration hierfür fällt mir das Yin-Yang-Symbol ein. Die aus materialistischer Sicht unbegreifliche Einheit in der Verschiedenheit. Insofern ist „dasselbe“ eines von vielen Wörtern, die der materialistischen Denkwelt entspringend, in sich zutiefst widersprüchlich sind.

Es gibt nicht „die“ Realität, sondern unzählige Realitäten. Diese Realitäten kommen beispielsweise durch uns Menschen zum Ausdruck, die wir Elemente der Schöpfung sind, nicht etwa Beobachter der Schöpfung, wie wir immer meinen.

Für den Spirealismus hat alles daher den Aspekt des Kreativen. Des Neuen, des Einzigartigen. Auch: des Nicht-Notwendigen. Wir selbst, indem wir sind, sind Kreation, und sind kreativ.

Die Frage des Materialismus, warum wir dann immer nur eine Welt sehen können, beantwortet der Spirealismus mit: Das können wir gar nicht. Erstens. Und zweitens: Die Illusion, wir beobachteten nur eine Welt, kommt nicht zuletzt auch aus der Denkvoraussetzung, das sei so. Es ist die Weltanschauung, die „Materialismus“ heißt, die suggeriert, es könne nicht anders sein. Mehr kann man dazu nicht begründen. Es ist das, was ich weiter oben einen „Glauben“ nannte.


Es sollte ja um den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Kreativität gehen, der zumindest aus spirealistischer Sicht unabdingbar ist. Intelligenz ist etwas Kreatives. Denn Intelligenz bringt etwas Neues hervor. Inwiefern unterscheidet sich Intelligenz von einem Huhn, das ein Ei legt, und somit etwas hervor bringt?

Für den Spirealismus unterscheidet es sich nicht unbedingt, denn Geist ist ja in allem. Auch in einem Huhn, das ein Ei legt. Aber, um die Phantasie des Lesers nicht überzustrapazieren:

Intelligenz als besondere Fähigkeit (nur) von Menschen definiert, wäre die Fähigkeit sinnvoll Neues hervorzubringen. „Sinnvoll“ hatte ich definiert als: „Mit Bezug auf einen gegebenen Bedeutungsraum“. Dieser Bedeutungsraum ist seinerseits nicht notwendig in dem Sinn, dass er seinerseits hat entstehen müssen. Sondern er ist, wie alles Neue, entstanden aus einem Prinzip, das den Zufall (das Unvorhersagbare) beinhaltet. Und so ist der Bedeutungsraum seinerseits zufällig. Wenn man so will ist „das“ Universum Zufall.

Man mag einwenden, der Zufall sei eigentlich doch vorhersagbar, ich verweise dann wieder auf die inneren Widersprüche des Materialismus.

Und das Neue, wie gesagt, ist letztlich unvorhersagbar und zufällig. Sonst wäre es nicht neu.

So hat also Kreativität das Element erstens des Neuen, des Nichtvorhersagbaren, des Zufalls. Und zweitens des Bezuges auf Bekanntes.


Intelligenz bezeichne ich als die besondere Fähigkeit eines Menschen, kreativ zu sein.

Das bedeutet, ist ist eine Art Gedankenreichtum: viele Gedanken zu durchwandern, und gleichzeitig ihren möglichen Bezug zu Bekanntem zu prüfen.

Es ist gedankliche Komplexität, die schließlich auch Möglichkeiten des n-ten Zusammenhanges prüfen kann.

Aus dieser Definition heraus kann man ableiten, dass Intelligenz erstens Wissen benötigt, als den Bezug zu Vorhandenem.

Zweitens geistige Freiheit, sich nicht zu sehr an das Bekannte anzulehnen – und somit unvorhersagbar Neues hervorzubringen.

Drittens eine gewisse Gedankenschnelligkeit, die Möglichkeiten durchzuspielen.

 

Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun? was last modified: März 15th, 2018 by Henrik Geyer

Über die Intelligenz einer Harke

„Kann künstliche Intelligenz die Menschheit vernichten?“ Mein Sohn stellte mir neulich diese Frage.

Ich antwortete: „Ja!“ Denn ich meinte, dass Intelligenz definitionsgemäß das Unerwartete hervorbringen muss. Nur etwas sehr Eingegrenztes von Intelligenz zu erwarten widerspräche meiner Auffassung, was Intelligenz auszeichnet. (denn das hieße im Umkehrschluss, dass wir, während wir von Intelligenz sprechen, etwas Nicht-Intelligentes erwarten: nämlich eine Reaktion wie von einem Papagei – der etwas Bekanntes nachplappert.)

Mein Sohn aber hatte auf Youtube ein Video gesehen, das darlegte, dass finstere Kreise das Ende der Menschheit betreiben, und zwar mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Er wollte eigentlich wissen, ob das Video Recht hatte. Das nun wieder konnte ich nicht beantworten, denn ich kenne diese finsteren Kräfte nicht.

Ich sah mir das Video an und ärgerte mich über dessen platte Aussagen über „Denken“, „Intelligenz“, „Programmieren“. Künstliche Intelligenz sei die Programmierung kluger Computerfachleute, die es schaffen, eine „selbst denkende“ Maschine hervorzubringen, hieß es da. Die wirklich interessanten Fragen wurden nicht angesprochen. Was ist Intelligenz? Was erwartet man von ihr?


Zunächst einmal sind „Intelligenz“ und „Maschine“ doch Gegensätze des Verständnisses! Weil eine Maschine der Inbegriff des Re-Produzierens ist, und immer gleiche, vorhersagbare, Ergebnisse zeitigt. Ganz anders als Intelligenz. Auch der Begriff „selbst denken“ erfordert für mich genaueres Überlegen. Z.B.: kann denn ein Mensch etwas hervorbringen, das von ihm ganz getrennt zu sehen ist? Klares Nein.

Und, ist es tatsächlich so, dass eine Maschine nur reproduzieren kann, und in ihren Wirkungen ganz berechenbar ist? Eigentlich nicht, zumindest nicht im großen Bild. Jede Maschine ist auch kreativ! Ist denn die Welt, oder irgendein Detail in ihr, so vorhersagbar, wie wir immer glauben? Hängt alles was wir hervorbringen von unserem Willen ab, macht es immer das, was wir vorhersehen?

 

Alles ist eine Frage von Nuancen in einem Moment, denn alles fließt. Sieht man die Welt mit diesen Augen, dann verliert künstliche Intelligenz ein wenig von ihrem rätselhaften Schrecken. Was macht sie, was will künstliche Intelligenz? Will sie etwa etwas anderes als wir?? Man muss dann umgekehrt fragen: was wollen denn wir? Ist das so berechenbar für uns selbst? Sind wir selbst nicht Elemente von etwas, das sich aus unserer Sicht niemals völlig erklärt?

Diese Sichtweise entzaubert wie ich finde aber auch ein wenig die Sichtweise auf das menschliche Wollen, die menschliche Intelligenz, die menschliche Autonomie …

die Intelligenz einer Harke

Künstliche Intelligenz beginnt bereits bei einer Harke. Sie ist künstlich, denn sie ist menschengemacht. Aber inwiefern ist sie intelligent? Kann man ihre Intelligenz an ihren Wirkungen ermessen, wie man das bei Menschen tut? Ja, anders kann man das nicht überprüfen. Also: Welche Wirkungen kann die Harke hervorrufen?

Eine Harke trägt die Anwendbarkeit auf ein bestimmtes Thema in sich. Man kann damit in kurzer Zeit den Garten von Laub befreien. Eine Harke ist aber auch kreativ. Welcher Garten wann und wie von Laub gereinigt wird, das sagt die Harke nicht. Überhaupt redet sie nicht viel. Vielleicht lässt sie lieber Taten sprechen.

Man kann mit der Harke auch eine Rohrverstopfung lösen, indem man sie umdreht und den Stiel als Stößel benutzt. Man kann mit ihr einen Ball aus dem Geäst eines Baumes holen. Ganz wie künstliche Intelligenz aus dem Computer gibt uns die Harke unerwartete Antworten, einfach, indem sie da ist.

Sie erhöht die Produktivität, und ihre Ergebnisse sind letztlich unvorhersagbar. Nur als Beispiel: Während der Mensch ohne Harke seinen Garten vielleicht unaufgeräumt ließe, oder den ganzen Tag mit dem Aufsammeln von Blättern per Hand beschäftigt wäre, kann er in seiner durch die Harke gewonnenen Freizeit das Ziel der Krebsheilung angehen. Oder aber, für den ersten Fall, dass er den Garten Garten sein ließe – dann wäre die Welt des Menschen Welt eine andere. Sie wäre in einem Teilbereich natürlicher, bizarrer … und auf andere Weise schön. Der Mensch diesmal aus anderer Perspektive: Nicht als Ausgangspunkt einer Wirkung, sondern als Auswirkung …

Nebenbei gefragt: Hat eine Harke einen „Willen“? Das könnte man so sehen. Denn Wille ist für mich eine innere Vorbestimmtheit, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit zu einer Wirkung führt. Das wäre für die Harke gegeben; sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit harkend anzutreffen sein – zu harken als ihr „Wille“. So wie ein Mensch, der auf Grund seiner innerlichen Überzeugungen zu dem Schluss kommt, es sei wichtig für eine Sache zu kämpfen – wo wird man ihn mit großer Wahrscheinlichkeit antreffen? Im Kampf für diese Sache. Und man wird sagen: „Der will das so!“ Der Mensch selbst wird sagen: „Für die Sache zu kämpfen, das ist mein Wille.“ Die Schweigsamkeit der Harke ist hier der wesentliche Unterschied. Man wird einwenden, die Welt des Menschen sei komplexer, er will vieles und tut vieles, aus sich heraus. Das gilt für die Harke auch – je nach Welt in die sie geworfen ist, wird sie vieles wollen, man wird sie vielleicht auch antreffen bei der Rohrreinigung, beim Befreien eines Balles … Manchmal ruht sie sich einfach auch nur aus. Tut sie das aus sich heraus? Ja … Neei … weiß nicht. Tut der Mensch die Dinge nur aus sich heraus? Genauso. Eine Frage der Sichtweise.

Natürlich wird man einwenden, die Harke habe keinen Willen, denn sie handelt ja nicht selbst und nicht eigenständig, im Gegensatz zum Menschen. Aber das wäre ein Einwand, der auf die Frage selbst zurückführt – die des (eigenständigen) Willens. Und was wäre Wille, wenn nicht eine unabhängige und eigenständige Kraft? So verstehen wir Willen. Dass es aber letztlich nichts Eigenständiges gibt, auch keinen Menschen, darauf komme ich gleich.


Das bedeutet, auch eine Harke arbeitet nicht eindimensional, ihre Wirkungen sind unübersehbar. „Arbeitet“ die Harke überhaupt? Die Harke arbeitet doch nicht selbst, sondern der Mensch muss sie gebrauchen! Künstliche Intelligenz eines Computers hingegen arbeitet autonom, denkt selbst nach!

Ich möchte jetzt die Sichtweise umkehren, und nicht die Harke anschauen, sondern den Computer.

Ist er autonom? Kann er ohne uns auskommen? Adressiert er etwas anderes als eine menschliche Thematik? Kann er uns Fragen beantworten, die über unser Verständnis hinausgehen?

… Autonomie, bezogen auf Intelligenz, das wäre das Stellen ganz eigener, von uns unabhängiger Fragen, und die Beantwortung solcher Fragen. Also etwa das, was ein Vögelchen tut, wenn es, von uns völlig unverstanden und unabhängig, durch die Luft zwitschert, und damit Probleme löst oder auch erschafft, die wir nicht kennen und nicht bemerken. Das wäre ein Beispiel für weitgehende Autonomie, nur mit dem kleinen Makel, dass es von uns nicht völlig autonom ist, denn wir hören das Vögelchen ja noch, bilden uns eine Meinung, fangen das Vögelchen. Aber: Meinen wir, wenn wir von autonomer Intelligenz sprechen, ein Vögelchen? Nein. Sondern, wir meinen, merkwürdig genug, ausschließlich Intelligenz, die unsere eigene Intelligenz adressiert. Alles andere IST für uns keine Intelligenz.

Merkwürdig übrigens auch folgender Gedanke: Auf diese Weise werden wir natürlich keine höhere Intelligenz als die eigene bemerken. Und das ist es auch, was meiner Ansicht nach stets und ständig zu sehen ist, im einzelnen Menschen, wie auch in der Gesamtheit. Die uns umgebende Intelligenz nennen wir „tot“, „nicht-denkend“. Oder bei Tieren: „nicht richtig intelligent“. Welche Egozentrik! Eine höhere Intelligenz stellen wir uns immer so vor, dass sie uns gegenüber irgendeine Meinung haben müsse, uns helfen wolle, oder uns vernichten. Eine uns völlig indifferent gegenüberstehende Intelligenz ist uns unsichtbar.

Doch zurück zum Computer. Computer-Intelligenz kann uns nur Fragen innerhalb unseres Verständisses beantworten. Eine Antwort außerhalb unseres Verständnisses wäre uns keine Antwort. Denken wir an den Supercomputer in „Per Anhalter durch die Galaxis“. Gefragt nach dem Sinn des Lebens kam er nach Jahrzehnten mit der Antwort: 43! Also Quatsch. Oder: Sinnvoll in einem Kontext, den wir nicht kennen. Man kann es auch so sehen: Alles, was wir irgendwie auffassen, adressiert auch unser Verständnis. Insofern spielt sich eine Kommunikation per se innerhalb eines bestimmten Verständnisraumes ab; und das uns völlig Fremde wäre gleichzusetzen mit dem uns Unbekannten.

Computer-Intelligenz ist nicht völlig autonom, denn sie wird definitionsgemäß vom Menschen erschaffen, so wie jedes menschliche Werkzeug, z.B. eine Harke.

Künstliche Intelligenz ist geschaffen um unsere Fragen zu beantworten, sie ist bereits dem Sinn nach an die menschliche Welt gebunden, und damit nicht autonom. Sie ist kreativ wie die Harke, denn, wenn uns KI nur sagen würde, was wir schon wissen, würden wir sie nicht „intelligent“ nennen. Und auf diese Weise ist ja auch eine Harke kreativ … sie beantwortet uns Fragen, die wir nicht kannten, als wir die Harke herstellten. Warum eigentlich nennen wir die Harke dumm?

Wir sind nicht gewohnt, die Natur als intelligent zu sehen.


Künstliche Computerintelligenz ist auch insofern nicht eigenständig, als sie, wie die Harke, die Bedienung durch den Menschen erfordert. Füttert man die Maschine nicht mit Strom, geht sie aus. Fragt man sie nichts, ist sie bedeutungslos und man bemerkt sie gar nicht. Da könnte sie noch so intelligent sein, diese Intelligenz. Der Mensch muss den Computer füttern, er muss mit ihm interagieren bzw. ihn nutzen, so, wie er die Harke nutzt.


Angenommen KI würde in Form von „völlig autonomen“ Robotern ein Eigenleben auf der Erde führen, würde den Menschen vielleicht bekämpfen oder mit ihm partnerschaftlich zusammenleben – wären diese Roboter wirklich „völlig autonom“?

Das wäre jedenfalls nicht die Sichtweise des Spirealismus, denn hier wäre immer noch dieser Dialog. KI würde Fragen für den Menschen aufwerfen, die Antworten erfordern. Und umgekehrt. Die Intelligenz läge in der Interaktion – in der Kommunikation. Intelligenz hier ganz wertfrei verstanden: als eine Frage, die sinnvolle Antworten hervorbringt.

 

Spirealistisch gesehen ist alles nur eine Relation. Das lässt jedes Wort in einem anderen Licht erscheinen. Ich will daher einige Definitionen nachschieben.

„Sinnvoll“ hieße: Mit Bezug auf einen gegebenen Bedeutungsraum.

„Intelligenz“: Sinnvolle Kommunikation/Interaktion. Hier ist also die Anknüpfung an die spirealistische Grundaussage „alles ist Geist“, oder „in allem ist Geist“. Der Geist liegt in der Natur, in allem! Wir suchen vergebens, wenn wir den Geist nur im menschlichen Hirn verorten wollen, sondern, Geist liegt in der Kommunikation. Geist ist z.B. unsere Interaktion mit der Natur. KI wiederum sucht man vergeblich in einem Computer, wenn man nur ihn anschaut; um die Intelligenz der KI zu finden muss man die Kommunikation ansehen.

„Autonom“ .. das ist schwierig. Völlig autonom in dem Sinn, dass es mit uns Menschen nichts zu tun hat, das gibt es nicht für den Spirealismus. Denn alles was wir sehen können hat auch mit uns etwas zu tun. Geist, Intelligenz, das ist Kommunikation. Kommunikation ist Relation. Kommunikation erfordert mindestens zwei. Das Einzelne gibt es nicht. Jeder Satz entfaltet nur dann Sinn und bekommt eine bestimmte Aussage, wenn er gehört wird. So gesehen, ist Unabhängigkeit, Autonomie, eine Sichtweise. Wie immer eine Frage von Nuancen, von stärker und schwächer.

 

 

 

 

Über die Intelligenz einer Harke was last modified: März 15th, 2018 by Henrik Geyer

Metaphysik – spirealistisch gesehen

Metaphysik ist die Vorstellung einer Weltordnung, die hinter der „offensichtlichen“ Weltordnung liegt. Einer Weisheit hinter der offensichtlichen Weisheit. Einer Wahrheit hinter der Wahrheit, etc..

Uns begegnet dieses Denken in mannigfacher Weise, eben im Begriff Metaphysik, aber auch in den Begriffen „verborgenes Wissen“ (von Ouspensky oft verwendet), oder „Geheimwissenschaft“ (mit Bezug auf Hermetik oder die Weisheiten des Talmud, oder auch Freimauerer etc..). Man denke auch an den Begriff der „vertikalen Logik“, der meint, dass es neben der eindeutigen Logik, die „offensichtliche“ Zusammenhängende miteinander verbindet, wie zum Beispiel die Worte Rabe und Feder, auch eine Logik geben kann, die Zusammenhänge erschaffend, eine neue, ebenfalls sinnvolle Ordnung ergibt. Wie zum Beispiel Rabe und Schornsteinfeger, die beide schwarz sind.

Vertikale Logik dient übrigens häufig als Begründung für die Sinnhaftigkeit von Astrologie oder Tarot.

Viele kennen sicherlich folgenden Holzschnitt eines Künstlers namens Flammarion von 1888, der das Konzept des Begriffes Metaphysik sehr schön illustriert:

 

Metaphysik ist ganz normales Wissen

Metaphysik ist eigentlich ganz normales Wissen. Die Realität jenseits der Realität ist ja im obigen Bild sehr schön dargestellt – die normale Realität ist in dieser Darstellung die irdische, d.h. jene der Erdoberfläche, mit Sonne und Sternen am Firmament.

Wer nur das sieht, der wird zu anderen Schlüssen kommen als jemand, der über die Wolken hinaussehen kann. In der Antike glaubte man, der Sonnenwagen würde vom Gott Helios über das Himmelsgewölbe gelenkt, dadurch gebe es Sonnenlicht. Man hatte sozusagen den Blick „dahinter“ nicht.

Später, als es die aufkommende Wissenschaft der Optik ermöglichte, wurden mit Hilfe von Teleskopen Beobachtungen von Planetenbahnen vorgenommen, und man entwickelte Theorien über die Planetenbewegungen, etc..

So gesehen ist also unser heutiges Denken, mit seiner Gewissheit der physikalisch begründbaren Planetenbewegungen, eine Metaphysik aus der Sicht des Gestern. Die damalige Metaphysik, als die Ahnung zukünftigen Wissens, ist heutige Realität. Metaphysik ist eigentlich etwas sehr Geheimnisvolles – jedoch, wie diese Überlegung zeigt, hat Metaphysik den Anklang von Normalität, sobald das metaphysische „Geheimwissen“ verinnerlicht ist. Metaphysik erscheint dann wie ganz „normales“ Wissen. Und ganz normales Wissen hat, eigentlich zu Unrecht, nicht mehr den Anklang des Geheimnisvollen, sondern erscheint den meisten Zeitgenossen als geradezu langweilig.

spirealistische Realität

Ich möchte die spirealistische Sichtweise auf den Begriff der Metaphysik verdeutlichen. Denn ich hatte an anderer Stelle geschrieben, dass der Spirealismus nicht vorgibt, hinter die Realität sehen zu können, oder der aufmerksamen Leserschaft irgendetwas anderes bieten zu können, als die Variante einer Realität.

Warum denn nicht? Ich bediene mich doch sehr gern und häufig Konzepten wie Tarot, der Visionen von Autoren wie Ouspensky, ich bin ein überzeugter Vertreter von Konzepten wie vertikaler Logik. Und doch negiere ich das Konzept der Metaphysik, der hinter der offensichtlichen Wahrheit liegenden Wahrheit?

Nein, ich negiere es nicht. Ich erweitere es. Das metaphysische Konzept ist interessant, denn es geht von mehreren Realitäten aus. Von zwei, nämlich einer „normalen“ Realität, und einer dahinterliegenden, verborgenen, „richtigen“ Realität.

Als Spirealist aber denke ich zunächst, dass es keine offensichtlichen Realitäten bzw. Wahrheiten gibt. Jede Wahrheit ist nur die momentane Variante von Wahrheit. Selbst 1 + 1 = 2 ist für mich eine Variante von Wahrheit, da ich bereits das Objekthafte bestreite, also das Bestehen eindeutiger Objekte, die dann, in der Folge, von Zahlen bezeichnet werden. (Der Logiker wird einwenden, dass die Logik jenseits konkreter Objekte existiert, als ein festes Bezugssystem von Variablen und ewig gültiges System von Operatoren. Ähnlich dem Zahlensystem, in dem die Zahl 1 für ein beliebiges Objekt steht. Aber welchen endgültigen Wert, welche absolute Festigkeit kann ein Bezugssystem von Variablen haben, bei denen die Variablen ALLES sein können, oder umgekehrt, NICHTS?).

Hingegen trägt für mich alles den Charakter von Kommunikation. Alles trägt für mich den Charakter von Einigungen des Momentes. (Der Moment – das kann aus der menschlichen Ameisenperspektive auch ein sehr langer Zeitraum sein – es ist immer eine Frage von Relationen).

Häufig verwendete spirealistische Sätze sind z.B. „Es gibt nichts Objektives“ oder „Der Mensch ist eine Quelle des Seins, ist Element der Schöpfung, nicht deren Beobachter“. Oder „Die Welt gibt es nicht (in der Einzahl).“

Das bedeutet, dass wir, jeder für sich, eine Variante von Welt in uns tragen, sie repräsentieren, und in der Summe, oder auch im Durchschnitt, entsteht daraus der Eindruck einer Welt. Insbesondere durch die materialistische Weltanschauung, die das Vorhandensein einer Welt voraussetzt, und in jeden unserer Gedanken quasi injeziert. Dieser Eindruck täuscht aber insofern, als es „die“ Welt nicht noch einmal extra gibt, jenseits von Denken.

Mit der spirealistischen Sichtweise einher geht eine vollständig verschiedene Auffassung von Denken, Geist, Materie u.v.m., als es sie im Materialismus gibt. Ich füge das auch an dieser Stelle wieder hinzu, weil im Materialisten verständlicherweise sofort die Frage auftaucht, was dann wohl vom klugen menschlichen Gehirn gespiegelt würde, wenn es nicht die Welt sei.


Verwirrenderweise ist hinzuzusetzen, dass der Eindruck einer Welt wiederum eine absolut mögliche und taugliche Beschreibung von Realität ist. Der Spirealismus kann den Materialismus daher auch nicht in einem absoluten Sinn als falsch bezeichnen. Denn der Spirealismus behauptet ja eben nicht, er könne eine einzige Realität finden und diese dann als die „allein gültige Realität“ bezeichnen.

Auch für keine alleinige metaphysische Realität hinter einer „richtigen“ Realität ist das möglich. Warum sollte er auch, wenn er stets und ständig auf das Bestehen vieler Realitäten verweist? Für den Spirealismus gibt es keine „richtige“ Realität.

Und so sind wir bei dem Begriff der Metaphysik, und dessen problematischem Konzept, dass es jenseits einer bestehenden Realität eine andere gibt.

Metaphysik

Die spirealistische Auffassung illustriere ich wie folgt:

Immer, egal auf welcher geistigen Stufe wir uns befinden, haben wir eine singuläre Welt vor uns, mit Himmel, mit Erde, mit den Dingen darin. Und immer gibt es eine dahinterliegende Welt, die wir zu entdecken hoffen. Und wir dürfen hoffen, denn es gibt sie tatsächlich immer wieder, die metaphysische Welt „dahinter“. Denn wir selbst sind die Quelle der Welten, ihre Repräsentanten. Daher können wir, aus denen sie entstehen, auch nicht ihr Ende beobachten, ähnlich wie eine Quelle nicht das Versiegen des Wasser beobachten könnte, das ihr entströmt. Jeder Einzelne ist der Träger einer eigenen Welt (Ich – Universum). Und diese Welt, dieses Universum, schreibt sich fort, von Moment zu Moment, immer anders, immer neu.

Der Übergang einer Realität in eine neue ist letztlich das Konzept von Platos Höhlengleichnis. In diesem Gleichnis ist die neue Erkenntnis eine ultimative Befreiung des Geistes: neues Wissen, neues Erkennen. Statt Schatten an einer Höhlenwand sieht der Erleuchtete nun das wahre Licht, die einzig wirkliche Realität, außerhalb der Höhle – und ist nun völlig befreit. Spirealistisch kommt der Erleuchtete, der einer Höhle entgeht, nun nicht ins Endgültig-Freie, ins endgültige Licht, sondern in eine weitere Höhle, die etwas größer und heller erscheint.

Das bedeutet also: der Spirealismus kann nicht „die Welt dahinter“ beschreiben, weil es nicht eine „Welt dahinter“ gibt, sondern unendlich viele Welten. Immer bewegen wir uns in „der Realität“, wenn wir dies so sehen wollen. Es ist das Anliegen des Spirealismus, eben dieses Nicht-enden-Wollende zu beschreiben – eben aus diesem Grund kann es für ihn keine Endgültigkeit der Aussagen geben.


Achtsamkeit vorausgesetzt können wir sofort beobachten, dass es viele Welten gibt. Jawohl, wir können die Welten und Welten sehen, sie beginnen im uns Nächsten. Wir können das auch an uns selbst sehen, denn unser Wissen schreitet fort, und wir können das metaphysische Konzept im Vergleich von Gestern zu Heute sehen. Jeden Tag entwickeln wir uns weiter, entwickeln neue Konzepte, neue Sichtweisen. Die Sichtweise des Morgen ist Metaphysik für das Heute. Viele Menschen entdecken diese Weisheit erst im Alter, wenn sie feststellen, dass sie als junge Leute quasi „andere Menschen“ waren. Man kann diese Weisheit aber auch jeden Tag entdecken.

 

Irrationalität

Das Konzept nicht enden wollender Erkenntnis, die sich stets neu aus sich selbst heraus generiert, geht schließlich zum Begriff der „Irrationalität“ über, denn wenn die Welt mit ihrer Realität und ihrer Logik nicht in der Einzahl existiert, sondern letztlich alles sein könnte, dann lässt sich auch keine alleinige Logik definieren, bzw. man kann sich auch denken, dass jede Logik in einer spezifischen Sichtweise Realität haben kann. Das bedeutet, es gibt nichts endgültig Aussagbares über Realitäten, Welten, Logik, das über das Menschlich – Subjektive hinausginge.

Man könnte formulieren, dass Logik grundsätzlich subjektiv ist (die Menschheit als Subjekt). Man könnte auch sagen, dass es Logik nicht gibt, denn das Grundkonzept der Logik wie wir sie bisher verstehen ist ja, dass sie eindeutig und unabänderlich logische Ableitungen hat. Ebenso, wie man sagen kann, dass es „die“ Welt in der Einzahl nicht gibt.

Daher nannte ich die Welt an mancher Stelle „irrational“ – sich dem rationalen Schließen entziehend.

Rational in der Irrationalität

Mit dem Spirealismus geht aber keinerlei Verzweiflung einher („Oh, diese Irrationalität!“), sondern einfach die Gewissheit, dass wir nichts weiter tun können, als in unserer Logik zu bleiben, welche das auch immer sein mag. Dies zu tun, bestmöglich zu tun, und dies zu akzeptieren, das ist der Gewinn des Spirealismus, der ja im Ergebnis wieder eine mögliche Form von Rationalität hervorbringt. Wieder eine Welt hinter der Welt, wieder eine Physik hinter der Physik, wieder eine Metaphysik.

Allein schon die Tatsache, dass der Spirealismus das Auftreten vielfach unterschiedlicher Logik, vielfacher Deutungen, das Vorhandensein von Welten und Welten, einfach beobachten kann, ohne sich zu verwirren mit den Widersprüchen der materialistischen Sichtweise, der zufolge all das eigentlich nur einmal auftreten dürfte („Haben wir denn nicht nur eine Welt vor uns?“), ist ein riesiger Gewinn.

Metaphysik und Okkultismus

Dies war eine sehr allgemeine und grundsätzliche Betrachtung des Begriffes Metaphysik, die fragte, was ist das Konzept von Metaphysik? Unter Metaphysik kann man aber auch etwas sehr Konkretes verstehen.

Doch für viele ist Metaphysik Inbegriff für das Geheimnisvolle, das zu Erahnende, das Uralte und zugleich Nicht-Begriffene. Insofern auch wieder die Verbindung zu Ouspensky, dessen „verborgenes Wissen“, alte Schriften, Okkultismus (als die Verbindung grundlegender, oft religiöser, Menschheitsweisheiten). Metaphysik auch als ein uns verborgenes Regelwerk, das durch „Werkzeuge“ wie Tarot seine Gültigkeit erweist (man könnte Tarot auch als Denkmethode sehen).

Metaphysik also als ein Regelwerk das einerseits „da“ ist, man kann es nur nicht richtig beschreiben – anders als die wissenschaftliche Physik beispielsweise. Zugegeben ist diese mangelnde Beschreibbarkeit auch der Grund dafür, dass Metaphysik der Tummelplatz für vielerlei Scharlatane ist, denn im Grunde benötigt man für eine Physik dieser Art wenig Faktenwissen (was das Ganze sehr leicht macht), es käme eigentlich umso mehr auf ein Weltverständnis an (was das Ganze sehr schwer macht). Die Scharlatane aber kommen ohne das Verständnis aus, sie nutzen einfach die bekannten Worte der Geheimwissenschaften, die insofern gar nicht geheim sind. Das Geheimnisvolle an ihnen ist eben das in den Worten liegende Verständnis.


Was ist dran an Metaphysik, verstanden als Geheimwissenschaft mit Bezug zu unserer gegenwärtigen Weltsicht? („unsere gegenwärtige Weltsicht“ würde ich als materialistische Weltsicht bezeichnen. Es ist nicht meine Weltsicht, aber es ist ein Bündel an Denkvoraussetzungen, die fast überall als gegeben angesehen werden).

Metaphysik, verstanden im genannten Sinn, hat für mich viel Wahrheit. Der Spirealismus, den ich auf diesen Seiten immer wieder beschreibe, ist verwandt mit den Grundaussagen der Hermetik. Diese (wenigen) Grundprinzipien gehen stets von der Sichtweise des Geistes aus; erstes hermetisches Prinzip: Alles ist Geist. Diese Metaphysik sagt, bzw. fragt: Was kann über die Welt ausgesagt werden, wenn man nicht den Geist betrachtet, der das letztendliche Werkzeug allen Erkennens ist? Und kommt zu dem Schluss: Nichts! Der Geist ist das grundlegende Prinzip, nicht die Welt. Spirealistisch formuliert: Die ursprüngliche Existenz ist der Gedanke. 

Und diese Sichtweise uns in der heutigen Welt fremd. Die materialistische Physik, wie auch jede andere „richtige“ Wissenschaft will das Psychische ganz aus ihren Betrachtungen ausschließen (lustigerweise will das sogar die Psychologie, die heute allgemeinste wissenschaftliche Aussagen mit Hilfe der Statistik anstrebt).

Ich hatte oft genug dargestellt, inwiefern die „richtigen Wissenschaften“ immer wieder an Grenzen stoßen, durch die hindurch nur eine geistige Sichtweise führen würde, jedoch finden sie sich stets mit dem Beibehalten der grundsätzlichen Widersprüche ab – ganz dem materialistischen Weltbild entsprechend.

Die metaphysische Betrachtung der Dinge als ein geistiges Prinzip hat aber Berechtigung, hat Logik, hat Nutzen, hat Wahrheit. Sie ist daher durch die „richtigen“ Wissenschaften auch nicht auszumerzen, sondern erfährt in der Gegenwart, teils unter ganz anderen Namen, ein Revival. Man denke zum Beispiel an die vielen Filmveröffentlichungen, die einen psycholigischen, existenzphilosophischen, surrealistischen oder spirituell-wissenschaftlichen Plot haben, z.B. Blade Runner, Shutter Island, Krieg der Sterne, Minority Report. Und in den Wissenschaften denken wir an die Atomforschung, Forschungen zur Ausdehnung des Weltalls, des Entstehens von Masse, des Entstehens von Farben. Oder denken wir an den Quantencomputer, denken wir an künstliche Intelligenz.

Ich denke, die „Entdeckung des Geistigen in den Dingen der Welt“ ist der ultimative, fundamental wichtigste Schritt, den die Menschheit irgendwann tun könnte. Und ich hoffe, dass das irgendwann eintritt, denn ich glaube wiederum nicht, dass es hierfür eine absolute Notwendigkeit gibt.

Es wäre, wenn man so will, die Entdeckung der real existierenden Metaphysik.

Metaphysik – spirealistisch gesehen was last modified: März 9th, 2018 by Henrik Geyer

Die Welt als Sichtweise – die Welt als Phantasie

Die Welt ist eine Sichtweise, die sich nach dem Sehenden richtet. Das haben viele kluge Köpfe gesagt, ich habe nur wenige Sekunden gebraucht, um ein passendes Zitat aufzutreiben; jenes von Thackeray. Natürlich wird es dem Materialisten scheinen, als sei das wahr, dann aber auch wieder nicht … Aber das ist eine andere Geschichte.


Auch der große Philosoph Schopenhauer kam zu dem Schluss, die Welt sei eine Vorstellung (sein Hauptwerk: „Die Welt als Wille und Vorstellung“). Er versuchte das in seinen Schriften zu beweisen, darzulegen. In wissenschaftlicher Weise zitierte er, lateinisierte er, bewies er – und war, auf Grund seines enzyklopädischen Wissens auch dazu in der Lage! Doch, eine allzu große Wirkung erzielte er damit nicht, wie er selbst einmal feststellte. Er schrieb, er habe von seiner ganzen Philosophie nicht mehr gehabt, als dass sie ihm vieles erspart habe. Er meinte wohl (in seiner etwas hochtrabenden Art), dass ihm seine Philosophie die Zeit und Mühe erspart habe, sich mit nichtssagenden Leuten abzugeben, sowie deren nichtssagenden Äußerungen. Diese Zeit habe er für sich selbst gewonnen, der besten Gesellschaft, die er kannte.

Dass er der Welt nichts beweisen konnte lag wohl zum Allerersten daran, dass er nichts vorzuweisen hatte, das jenen, die ihn beurteilten sollten, sichtbar war. Was ihm sichtbar war, war jenen unsichtbar. Und so fiel sein Urteil über jene, die ihn umgaben, bitter aus. Umgekehrt machte man sich oft über ihn lustig, empfand ihn als Un-Persönlichkeit, die nur im Abseitig-Geistigen, jenseits des „prallen Lebens“, ihre Existenz hatte. Kurz gesagt: Man verstand ihn nicht.

So wie er versuchten sich viele daran, wissenschaftlich nachzuweisen, was doch in einem Außen nur dann sichtbar wäre, wenn es auch der Glaube der Vielen wäre. Die materialistische Weltanschauung ist ebenfalls ein Glaube. Ein Glaube, der erst einmal durchbrochen sein will, um sich einem anderen Glauben zuwenden zu können. Denn die materialistische Weltanschauung hält sich ihrem Wesen nach nur selbst für möglich, beweist sich selbst, stabilisiert sich selbst. Es ist ein Monotheismus. Der materialistische Glaube hat seine (scheinbaren) Vorteile und Unabdingbarkeiten für die Gläubigen, die nur allzu gern an das Feste, an die Materie, die ihnen ein anderes Wort für Gott ist, glauben möchten.

Die materialistische Wissenschaft möchte stets Psychologie und Glauben abtrennen von dem, was sie selbst formuliert – denn es gehöre nicht zusammen. Glaube und Wissenschaft seien zweierlei. Das sieht Spirealismus natürlich anders. Glaube, Psychologie und Wissenschaft gehören zusammen. Wir haben nur ein Organ der Wahrnehmung für alle Formen des kausalen Schließens, des Beweisens, des Imaginierens – das Bewusstsein. Der Spirealismus fragt: Welche ontologischen Entitäten könnte man untersuchen, würde man beispielsweise den Glauben an das Atom verlieren?

Auch ich mühte mich, die Ergebnisse meiner Überlegungen und meines Glaubens für andere sichtbar zu machen. In der Art eines Konvertiten vom Materialismus hatte ich den Anspruch, das müsse doch beweisbar sein. Doch, was heißt das, wenn man sagt, die Welt ist eine Vorstellung?

Es bedeutet, dass die Welt abhängig ist von der Sichtweise des Individuums. Das Individuum .. das kann auch eine Gruppe von Personen sein – siehe Supersubjektivität). Aber, wenn man nun eine andere Sichtweise hat, die weit von der Sichtweise der Vielen abweicht … ? Was wohl kann man dann den Vielen beweisen? Ich bin da ein bisschen pessimistisch geworden. Im Grunde ist es den Gläubigen des Materialismus schon unverständlich, wenn man nach dem Unterschied zwischen dem Objekt der Anschauung, und der Anschauung selbst fragt – diesen Unterschied soll es dem Materialismus zufolge ja geben. Der Materialist glaubt ja, er habe die einzig mögliche, beste Vorstellung vom ihm vor Augen stehenden Objekt, gleichwohl gäbe es eine Differenz zwischen Denken und Objekt … (man denke an Kants Frage nach dem Ding „an sich“).


Muss man etwas beweisen? Auf materialistische Art kann man jedenfalls nichts Nichtmaterialistisches beweisen. Getreu einer Hauptaussage des Spirealismus („Die Welt ist semantischer Natur“) sehe ich meine Aufgabe eher darin, Worte zu finden, die das Spirealistische in der besten Weise ausdrücken. Das ist gar nicht einfach – die materialistische Welt steckt bereits in unseren Worten. Die Welt (als Vorstellung) ist eben semantischer Natur. Worte sind verdichtete Vorstellungen. Die Aufgabe ist, nicht-materialistische Vorstellungen mit materialistischen Worten zu formulieren! Wenn das denn überhaupt möglich ist, so ist es schwer. Doch es hilft, wenn man sich zumindest der Problematik und des Ziels bewusst ist.

Weil ich eben den Spirealismus in der wirksamsten Form darlegen und nachweisen möchte, sind mir Worte des Glaubens, des Okkulten, des Symbolismus, nicht fern (siehe auch Ouspenskys „Der Symbolismus des Tarot“. Sie gehören dazu, denn die Welt als Vorstellung ist naturgemäß auch eine Welt der Phantasie. Ich kenne keine Worte, die es schöner ausdrücken, als jene Ouspensky’s. Es geht ihm um jene allgegenwärtige Phantasie … sie ist eine Naturkraft.

 

Die Natur träumt, improvisiert, erschafft Welten. Lerne, deine Vorstellungskraft mit ihrer Vorstellungskraft zu vereinen, und dir wird nichts jemals mehr unmöglich sein. Wende dich ab von der äußerlichen Welt und suche in dir. Dann wirst du das Licht finden.

P. D. Ouspensky
esoterischer Schriftsteller, Schüler von Georges I. Gurdjieff
* 4. März 1878 in Moskau; † 2. Oktober 1947 in Lyne Place, Surrey

 

 

 

Die Welt als Sichtweise – die Welt als Phantasie was last modified: Januar 25th, 2018 by Henrik Geyer

Hilfe, ich höre Stimmen! Die innere Stimme und die Vielschichtigkeit des Selbst

Es ist eine Kuriosität, dass die Menschen sich als Individuen sehen, ohne die vielfältigen Verbindungen zu bemerken, die in ihnen sind.

Was genau meine ich? Woran können wir das sehen?

Nun, an uns, zum Beispiel.

Hilfe, ich höre Stimmen!

In uns sind Stimmen – viele Menschen hören sie gar nicht. Die sogenannte „innere Stimme“ ist ihnen fremd. Daher gibt es Trainer, die den Menschen erklären, dass sie innere Stimmen haben und lernen können, auf sie zu hören.

Ich erinnere mich, dass es auch mir einmal fremd war, von einer „inneren Stimme“ zu sprechen, und die Vorstellung Stimmen im Kopf zu haben, erschreckte mich und erschien mir bedrohlich wie eine Erkrankung. Ich lernte erst, diese Dinge als normal anzusehen und die innere Stimme als etwas ganz Alltägliches und Hilfreiches wahrzunehmen. Als etwas, das einfach da ist – es ist niemandes Verdienst … Es ist aber auch eine bedauernswerte Selbstentfremdung, wenn man diese innere Stimme nicht hören kann. Es lohnt sich, auf sie zu achten.

Ich weiß noch, wie kurios es mir schließlich vorkam zu erfahren, dass viele Psychologen mit dieser inneren Stimme wenig anzufangen wissen, sie nicht kennen. Sie wollen also Patienten davon heilen (böse) Stimmen zu hören, und haben nicht die mindeste Vorstellung davon, wie das ist, so eine innere Stimme. (Ich war, wie ich in Alles ist Geist schrieb, eine Zeit lang recht involviert mit Psychiatrie und Psychologen, denn mein Sohn hatte eine psychische Erkrankung)

Schweigen über das Selbst

Da übrigens die Menschen über ihre innersten Vorstellungen kaum reden, ist es fast ein geheimes Wissen, wie selbstentfremdet die Menschen heutzutage sind. Sie beurteilen sich und andere demgemäß, was sie sich in einer Art unehrlichem Smalltalk gegenseitig über „vernünftiges Denken“ erzählen. Auch Allernächsten wird nur ganz selten das Innerste offenbart; meist jedoch wollen die Menschen als irgendetwas erscheinen.

Insofern ist das Unwissen über die Mächte des Inneren sehr groß, obwohl doch der Mensch stets meint, sich in sich selbst sehr gut auszukennen. So entsteht das Bild des unheimlichen „Es“, eines Gedanken-Ungeheuers, das im Keller des Ich einer geheimnisvollen Denk-Tätigkeit nachgeht, und sich erfrecht Gedanken zu denken, die einerseits ganz tierisch und grob sind, uns andererseits nicht gerade unbekannt. Wir haben einige Mühe, sie in unser Selbstbild, das vom oben genannten unehrlichen Smalltalk geprägt ist, zu integrieren.

Statt offen zu sein für das, was sie in sich finden, haben die Menschen ein eher heiliges Bild von sich selbst, das sie nach Außen transportieren wollen. Andere sollen ja nicht (über sie) denken, dass …

Der Smalltalk erleichtert die illusorische Integrität des Selbstbildes; man führt tagein tagaus seltsam seichte Konversationen, um nur ja nicht das zu berühren, das man doch mit Fug und Recht eigentlich als das Wichtigste sehen könnte – die Art und Weise wie man Dinge sieht; und wie man schließlich und endlich sich selbst und andere wahrnimmt …

Nur einmal angenommen, die Menschen würden mit dem Smalltalk aufhören und anfangen offene Gespräche zu führen, so würden sie sich ihres Scheins entblößen; sie stünden sie da wie der Kaiser ohne Kleider. Man könnte das Lächerlichste sehen. Die geheimen Gedanken, die Dummheiten, die oft unanständige innere Stimme …

Man stelle sich das vor … auch bei den Mächtigen, den Regierenden, die, entkleidet ihres Pompes, nur als das erscheinen könnten was in ihnen ist. Dann ginge es um kluge Gedanken, so aber geht es um Floskeln.

Es wäre es eine große Erleichterung, zu erfahren, wie alltäglich all die inneren Welten sind, wie normal. Was im Außen geschieht käme uns weit weniger unvorhersehbar vor, gäbe es eine Kultur der Ehrlichkeit. Andererseits hätten Moral-Scharlatane, wie sie heutzutage Konjunktur haben, geringe Chancen.

Aber, eine solche Offenheit ist natürlich reine Theorie.

Ich glaube jedoch, dass hierin die Chance der Menschheit liegt, sich weiterzuentwickeln. Sie fände, was sie angeblich so lange sucht: die Möglichkeit eins zu werden, bis zu einem gewissen Grad. Denn die Chance der Menschheit auf Frieden muss in Selbsterkenntnis liegen … worin sonst? Schließlich liegt alles (beeinflussbare) Ungemach des Menschen seiner Quelle nach in ihm selbst.

Wahre Selbsterkenntnis aber ist dem Wesen nach nicht angenehm. Selbsterkenntnis ent – täuscht – d.h.: Ihr Wesen ist, Täuschungen über das Selbst aufzuheben. Die dafür nötige Offenheit erzeugt unangenehm-angreifbare Nacktheit. Die Täuschung des geliebten heiligen Selbstbildes wird zerstört. Wer glaubt, so etwas sei ein Fest, der irrt. Jedoch befreit es.

Spruchbild Bildspruch Spruchbild Bildspruch Indem wir etwas beim Namen nennen, verliert es an Macht

Indem wir etwas beim Namen nennen,
verliert es an Macht über uns.

Hermann Bahr
österreichischer Schriftsteller und Kritiker
geb. 19. Juli 1863 in Linz; gest. 15. Januar 1934 in München, lebte 71 Jahre.

Wessen Stimme ist das?

Merkwürdig genug ist so eine innere Stimme ja, denkt man sich den Menschen als Eines. Mit wem spricht man da? Mit sich selbst, natürlich, aber zu welchem Zweck? Welche zwei Meinungen will man da einholen, wenn es doch nur einer ist, der spricht? Wie kann Eins zu Zwei werden?

Die Antwort ist: Es ist von Anfang an nicht Einer. Das ist nur, wie wir uns sehen – im Großen als voneinander völlig getrennte Individuen, und das Individuum wiederum als einen Geist, der getrennt von einem vielgliedrigen Körper ist.

Allein schon die vorausgesetze Trennung von Geist und Körper ist ein kaum nachvollziehbarer Kunstgriff der materialistischen Weltsicht – sie muss wohl sein, wenn man einmal Geist und Materie als voneinander strikt getrennt definiert. Heben wir diese Trennung einmal gedanklich auf, denken wir also spirealistisch, dann haben wir den ganzheitlichen Menschen vor uns. Ein Körper, der Geist ist, und dessen ganzes Sein in diesem Körper zum Ausdruck kommt. Der Körper als Bild des geistigen Seins. Sehen wir also unseren Körper an, so besteht er aus vielen Teilen, die jeder für sich auch Bedürfnisse haben, die sich wohl fühlen können, oder auch nicht; Teile, die leben wollen, es aber nicht einzeln können. Sie benötigen die Verbindung dazu, den Staat … dessen Bild der Körper ist.

Das ist der Mensch – das ist das Ganze; es besteht aus Vielem. In uns ist Vieles. Wir können es nicht im Einzelnen benennen (oder können wir es doch benennen? Neulich sagte mein kleiner Sohn, als ich ihn fragte, ob er noch Hunger habe, sein Bauch sage ihm „nein“ …), aber, das ist der Ursprung der „inneren Stimme“. Es sind eigentlich Stimmen (Mehrzahl).

Gehorchen uns (dem Ganzen) diese Stimmen? Oder ist es umgekehrt  – gehorcht das Ganze den Stimmen? Das ist wohl eine Frage der Sichtweise. Üblich ist, dass sich das Ich als Eins sieht und es den Widerstreit der Vielstimmigkeit als Ausdruck des eigenen freien Willens interpretiert. Schließlich entstammt der Vielstimmigkeit dann jeweils ein Entschluss … ein einziger. Und das Ich sieht sich als eins.

Doch es lässt sich auch anders denken: Das Ich als Sprachrohr der Vielheit, d.h. der vielen Einzelinteressen.

So gesehen macht auch Nietzsches „Es denkt“ mehr Sinn: nämlich als innere Stimme (Denken), die ohne eine Absicht, die das Ich vereinnahmend als „meine Absicht“ bezeichnen könnte, spricht.

Spruchbild Bildspruch Spruchbild Bildspruch Es denkt

Es denkt.

Friedrich Nietzsche
deutscher klassischer Philologe und Philosoph
geb. 15. Oktober 1844 in Röcken; gest. 25. August 1900 in Weimar, lebte 56 Jahre.

 

Zusatz

Der Spirealismus sieht den Menschen als Element der Schöpfung, nicht lediglich als deren Beobachter. Alles Grundsätzliche des Außen findet er in sich. Daher auch kann man die vielfältigen Verbindungen, die der Mensch gewohnt ist im Äußerlichen zu sehen oder herzustellen, auch in sich selbst finden.

Sich aber als getrennt von der Schöpfung zu sehen, als Geist innerhalb toter Materie, DAS ist die täuschende Welt der zehntausend Namen.

Als Grundsatz des Spirealismus erwähnte ich auch des Öfteren, das Eine könne nicht das Andere sein. Das ist, bezogen auf den Menschen, das Prinzip der Individualität. Das Eine könne aber auch nicht ohne das Andere sein – das ist das (uns rätselhafte) Prinzip der allgegenwärtigen Verbindung, die mindestens ebenso Wirklichkeit in unserem Sein hat, wie das Erstgenannte. In uns selbst spüren wir das. In uns sind Viele.

Aus Vielem wird immer wieder Eins – das ist, wieder bezogen auf das menschliche Subjekt, Supersubjektivität. Betrachtet sich das Eine (das Subjekt) genauer, stellt es fest, aus Vielem zu bestehen – das ist Subsubjektivität.

Subsubjektivität ist einfach ein Wort für die spirealistische Gewissheit, dass im Einzelnen, aus dem jedes Ganze (auch der Mensch) besteht, jeweils ein subjektiver Wille herrscht. Subsubjektivität ist ebensowenig „objektiv“ zu umreißen wie Supersubjektivität.

 

Hilfe, ich höre Stimmen! Die innere Stimme und die Vielschichtigkeit des Selbst was last modified: Januar 22nd, 2018 by Henrik Geyer

Endlich im Unendlichen – Verständnis für Kontingenz

Kontingenz ist ein philosophischer Begriff, der die Nicht-Notwendigkeit des Vorhandenen charakterisiert, und andererseits die Möglichkeit von Allem. Kontingenz (griech., „etwas, was möglich ist“). Wie kommen Philosophen auf so etwas – und was bewirkt es? Ist denn das Sein nicht begrenzt auf das, was wir vor uns sehen?


Kontingenz ist ein Gegenbegriff zu jenem Denken, das die Möglichkeiten der Natur als eng begrenzt sieht, als einschränkbar auf das, was das (menschliche) Denken wahrnehmen kann.

Kontingenz ist der Gegenbegriff zu Alternativlosigkeit – jenem Denken in angeblichen Unabdingbarkeiten, in Notwendigkeiten etc..

Kontingenz ist eine schwer fassbare, aber deshalb nicht weniger zutreffende Weltauffassung. Es handelt sich dabei nicht um etwas ganz Abstraktes, sondern wir begegnen dem Unterschied der Begriffs-Welten in vielen Themen der Gegenwart. Im ganz Alltäglichen ist der Unterschied zwischen jenen, die auf Grund ihrer Weltsicht alles für möglich halten, und jenen, die in der Natur enge Grenzen des Möglichen vermuten, sehr sichtbar und geht in die einfachsten Begriffe ein.

Die Vertreter der Alternativlosigkeit können es sich beispielsweise schon nicht so recht vorstellen, dass es eine vernünftige Vernunft jenseits der eigenen geben kann. Man denke an das Wort „postfaktisch“: die „Fakten“ sind im eigenen Besitz; jene aber, die eine Gegenposition zur eigenen Position einnehmen, werden als „jenseits von Fakten“ imaginiert.

Oder, dass sich ein (gesellschaftlicher) Zustand leicht wandeln kann, zum Beispiel von Reichtum zu Armut, von Frieden zu Krieg, von Freiheit zu Unterdrückung. Sie glauben im Sein stets eine sichere Bank zu haben, gleich einem unwandelbaren Objekt. Das Sein betrachten sie als starr und statisch – und sich selbst als im Besitz des besten Begriffes davon.

Während also das Denken in Unbedingtheiten stets im Objekthaften verharrt, der Mensch sei so und so, die Gesellschaft sei so und so (und nicht anders denkbar), ist Kontingenz verbunden mit der Vorstellung einer Welt, die im Flusse ist; durch den menschlichen Geist letztlich als Objekt unfassbar, denn sie ist in jedem Moment des Begreifens ein wenig anders. Und – wenn sie kaum fassbar ist, so ist damit auch eine Vorstellung eines Unwissens über ihre Möglichkeiten verbunden.

Spruchbild, Bildspruch: Es ist unmöglich zweimal in denselben Fluss zu springen

Dazu im Gegensatz meint der Vertreter des Objekthaften stets, die Objekte seiner Anschauungen seien nicht anders auffassbar, als in der eigenen Perspektive. Auch auf die Zukunft projeziert er seine Überzeugungen – die Zukunft könne sich nur zwischen den Zuständen A und B abspielen, meint er.

Aus dem Wissen um das prinzipielle Wesen der Zukunft leitet der statisch Denkende beispielsweise ab, der Mensch würde sich vom Niederen zum Höheren entwickeln. Seine Zukunft, das könne nicht anders sein, sei die einer weltumspannenden Einigkeit, eines End-Glücks ohne Widersprüche. Dass der Mensch die Widersprüche, und damit Streit und Krieg, selbst generiert, wie ein ewig drehender Dynamo, will dem Vertreter der Unbedingtheiten nicht so recht einleuchten. Er sieht den Menschen als getrennt von der Welt, als geniehaften Beobachter. Die Welt, so meint er, würde vom Menschen lediglich klug analysiert und gestaltet, und betreut wie ein alter Opi.

Und, noch eins: Weil selbstverständlich keine Sekunde zu verlieren ist, die Welt ihrem glücklichen Schicksal zuzuführen, findet man im Lager der Verabsolutierer viele Revolutionäre, Heilsbringer und Weltverbesserer. Sie sehen sich als Katalysatoren des Weltglücks – einer ihrer Auffassung nach unvermeidlichen Entwicklung, wodurch sie sich auf Seiten einer natürlichen Gesetzmäßigkeit wähnen. Die Menschheit, so meinen sie, werde ihnen Dank wissen, ist erst der glückliche Endzustand erreicht.

Doch sind sie es meist selbst, die die Welt verheeren mit ihren vielversprechenden Ideen. Diese Ideen wirken verschieden, sind es aber im Wesen gar nicht. Es geht immer um die Erlösung des Menschen durch ein großes Glück in Einigkeit … ein festes und dauerhaftes Glück sozusagen – so statisch wie das Denken jener, die an es glauben.

Denken wir an den Dreißigjährigen Krieg, der um den rechten Glauben (Katholizismus an Stelle des aufkommenden Reformgedankens) geführt wurde. Und damit um die „richtige“ Erlösung. Denken wir überhaupt an sogenannte „Glaubenskriege“ (geht es denn nicht immer um Glauben?). Denken wir an die große chinesische Hungersnot, die ausbrach, weil die chinesische kommunistische Regierung die Landwirtschaft ihrem Glauben gemäß umbauen wollte; sie kostete viele Millionen das Leben. Denken wir an die Gulags Stalins – das waren Säuberungen im Namen des großen sozialistischen Gedankens, der alle Menschen als potentielle Brüder sieht. Wer wohl konnte gegen dieses Große Glück sein? Derjenige musste in den Gulag! Denken wir an den Zweiten Weltkrieg, den Hitler sich zu führen traute, denn er wollte die Deutschen ihrem dauerhaften Glück und ihrer Erlösung zuzuführen – wieder liegt die Erlösung in der uneingeschränkten Gültigkeit der Ideologie, respektive ihrer Weltherrschaft. Denken wir an die Roten Khmer, die einmal mehr die Welt mit der altbekannten Erlösungsideologie beglückten, welche natürlich wieder,  für den Moment, die „harte Hand“ nötig machte.


Der Spirealismus ist eine Philosophie, die den Menschen als endlich im Unendlichen sieht. Das Endliche seiner Gedanken, das ist das menschliche Sein. Die Unendlichkeit dessen, was nicht in seinen Gedanken ist, die Unendlichkeit des Möglichen also, ist ihm das Nichts, oder auch die „Nichtexistenz“.

Doch, was weiß er über das Nichts? Nichts. Nur innerhalb seiner paradoxen materialistischen Weltanschauung will es ihm scheinen, als verfüge er über die  Möglichkeit, das Nichts einzugrenzen, in dem er es verdinglicht, zu dem Nichts.

Aus der Sichtweise des Spirealismus folgt Kontingenz – die Möglichkeit von allem, die Nicht-Notwendigkeit alles Bestehenden, als völlig normale und logische Konsequenz. Statisches Denken ist ihm fremd.

Endlich im Unendlichen – Verständnis für Kontingenz was last modified: Januar 24th, 2018 by Henrik Geyer

Nachweis des Spirealismus

Der Spirealismus trifft einige sehr fundamentale Aussagen, die er in ihrer Tragweite im Folgenden weiter untersucht. Doch wie steht es mit der Beweisbarkeit dieser Aussagen, sagen wir ruhig Thesen?

Noch einmal kurz zu den Aussagen: Die grundlegende Aussage des Spirealismus ist, dass es keine Objektivität gibt. Diese Aussage könnte „nur“ so verstanden werden, dass man sagt: Es gibt keine endgültig feststehenden Wahrheiten – damit wäre das materialistische Weltbild noch unbeschädigt. Aber mehr noch ist es die Überzeugung des Spirealismus, dass es auch die „reale Außenwelt“ der materialistischen Sichtweise nicht gibt. Schließlich ist demzufolge der Existenzbegriff des Spirealismus ein anderer, als der des Materialismus. Existenz ist im Spirealismus die Relation der Begriffe zueinander (Stichwort „semantische Natur der Dinge“), ohne dass sich für den einzelnen Begriff oder das einzelne Ding irgendeine Existenzberechtigung oder Existenznotwendigkeit formulieren ließe, als eben jene Relation. Und das führt wieder auf die Aussage zurück, dass es die Welt jenseits unseres Denkens, die Welt materialistischer Anschauung, nicht gibt, denn die Relation kommt unter anderem durch uns Menschen zum Ausdruck und „in die Welt“ – als Gedanke.

Alles ist relativ – auch der Spirealismus?

Es hat einige Zeit gebraucht bis ich mir darüber klar wurde, dass aus dem oben genannten Grund auch der Spirealismus nicht für sich proklamieren kann, objektiv zu sein. Denn, jede Aussage die objektiv genannt wird, muss unter dem Aspekt der Objektivität falsch sein. Doch – man sucht so sehr das „Objektive“ – als etwas, das dann alle (Menschen) so sehen müssen … weil es einfach „da ist“. Aber … eben das ist ja wiederum eine Vorstellung des Materialismus – dass die Dinge einfach „da sind“.

Ich weiß noch, wie jemand, der mein Buch „Alles ist Geist“ zur Probe gelesen hatte, und darin die Aussage fand, auch der Spirealismus sei nicht objektiv, mich fragte, wozu ich das Buch überhaupt schriebe. Ein nicht-objektives Buch sei irrelevant. Ich war damals ein wenig verunsichert, dachte an das Verständnis der Leser und ihr mögliches Desinteresse an einem Buch, das einerseits versucht Dinge zu erklären, andererseits von sich selbst sagt, nicht objektiv zu sein. Ich strich den schuldigen Satz aus „Alles ist Geist“.

Bemerkenswert erscheint mir der Vorgang heute in zweierlei Hinsicht. Erstens können Menschen das Buch „Alles ist Geist“ lesen und dessen fundamentale Aussage einfach nicht begreifen. (Ganz genau so übrigens wie es des Öfteren vorkam dass ich auf Philosophen traf, die alles Mögliche über Kant und dessen Suche nach dem Ding „an sich“ wussten, denen jedoch die Frage selbst, ihrem Ursprung und ihrer Tragweite nach, völlig nichtssagend war). Für mich ist eben das das Erscheinen von Denkgrenzen.

Und zweitens zeigt es mir (was ich eigentlich von Herzen weiß), wie schwierig das Begreifen und völlige Erfassen der Aussage „Alles ist Geist“ in ihrem grundlegenden Sinn ist – und zwar auch für mich! Die Denkgrenzen sind also nicht irgendwo anders, und wirken nicht auf unbeschreibliche Weise, sondern sie sind (natürlich) auch in mir, und ich kann sie in ihrer Wirkungsweise beobachten. Ich selbst hatte der Logik des Anderen folgend, den Satz aus meinem Buch gestrichen, war der Unlogik und der Unklarheit gefolgt. Der Mensch ist eben Element der Schöpfung, nicht ihr Beobachter. Die Gesetze der Schöpfung wirken durch uns … Ich beobachte nichts von den Gedanken Getrenntes und kann die Begrenztheit, die Schwere der Gedanken, auch in mir spüren. Heute weiß ich noch besser als vor einigen Jahren, wie schwierig und langwierig es ist, dass der spirealistische Gedanke einsinkt. Er muss gelernt werden, es muss zu einem festen Glauben werden, so wie der Materialismus ein fester Glaube ist. Erst dann kann man „Alles ist Geist“ mühelos denken und wahrhaft verstehen.

Heute erscheint mir die Aussage, der Spirealismus könne nicht objektiv sein, als das Natürlichste von der Welt. Die Sucht, objektiv sein zu wollen, und damit, jedem Denken gerecht werden zu wollen, ist gewichen. Nichts ist objektiv. Ich habe keine Angst mehr davor, das zu formulieren, etwa weil ich fürchte, ein Buch würde keine Leser finden, oder ich würde auf Unverständnis treffen. Denn ich denke inzwischen, dass die Mehrzahl der Menschen ohnehin nicht die mindeste Neigung verspürt, die Grundbegriffe des (eigenen) Seins zu hinterfragen, und eine Philosophie wie den Spirealismus einer geistigen Würdigung zu unterziehen, zumal das, wie ich ja zugebe, äußerst schwierig ist. Und die Neigung der Menschen ist doch eher, auch im Geistigen, das Allereinfachste zu tun (ich spreche durchaus auch von mir und von eigener Erfahrung) und sich nicht auf irgendwelche Mühen einzulassen, für die es im materialistischen Sinn keine Rechtfertigung zu geben scheint. Es ist eben keineswegs so, dass Denken leicht sei. Verständnis für den Spirealismus zu wecken ist in etwa so, als würde man versuchen Schüler für den Zen-Buddhismus zu finden, die bereit sind Jahre hinter Klostermauern zu verbringen. Sofort taucht im Kandidaten die Frage auf, was eine solche Aktion denn wohl bringe, wie man die Lehre des Zen-Buddhismus in einem Satz zusammenfassen könne damit man sie unmittelbar verstehen könne, was (konkret!) an Geld dabei herausspränge, etc.. Fast zwecklos also. Wenn man etwas verkaufen will, dann sollte das (wenn es ein Buch ist) einfach der Denkwelt Vieler entsprechen – das heißt, es kann nur sehr begrenzt grundlegend Neues enthalten. Und .. objektiv kann und muss es nicht sein.

Für die Philosophie jedoch kommt es mir abseits von Verkaufsüberlegungen eher darauf an, die zu machenden Aussagen möglichst klar und eindeutig zu formulieren, und sie durchaus populär zu schreiben – denn ich sehe keinen Sinn darin, eine Philosophie  akademisch zu formulieren, und sie am Ende verwirrend oder unverständlich zu machen. Der Spirealismus untersucht die Grundbegriffe des Denkens, nicht aber die x-te Ableitung aus der Namenswelt des Materialismus. Daher muss er sich keiner akademischen Sprache bedienen, das wäre kontraproduktiv.

Das soll meiner eigenen Klarheit dienen, denn nicht zuletzt habe ich mit der Formulierung des Spirealismus Klarheit im eigenen Denken gesucht. Aber natürlich soll das auch der Klarheit der Leser dienen. Dass aber der Spirealismus, wenn er Objektivität nicht sucht, sondern vielmehr Objektivität im ersten Schritt negiert, vielen unverständlich bleiben muss, ist nicht zu ändern. Es gibt hier einen Zielkonflikt zwischen Klarheit und (vermeintlicher) Verständlichkeit aus materialistischer Sicht – ich entscheide mich für Klarheit.

Der Spirealismus ist eine mögliche Vorstellung

Der Spirealismus als Vorstellung eines Kosmos relativer Vorstellungen ist wahrer als der Materialismus, in dem Sinn, wie der Spirealismus Wahrheit nur verstehen kann: wiederum als Relation von Vorstellungen. Seine Aussage ist: Es hat Sinn den Spirealismus zu formulieren, da er der Funktionalität unserer Vorstellungswelten näher ist, als der Materialismus.

Nun müsste man auf die Frage antworten: Die Funktionalität welcher Vorstellungswelten ist gemeint? Der Spirealismus sagt ja selbst, dass sich die Gedanken in den Individuen nur ähneln, nie aber wirklich gleich sein können. Hierzu die Erklärung: Der Spirealismus benötigt als Ressource eine gedankliche Achtsamkeit (Achtsamkeit dem Denken gegenüber). Wenn man so will eine Geistigkeit, eine Spiritualität. Gemeint ist aber nicht die Spiritualität üblicher Vermarktungsstrategien (die ohnehin mit Materialismus mehr zu tun hat, als mit Spiritualität). Dies allein ist schon eine hohe Hürde, denn nach meiner Auffassung ist diese Fähigkeit alles andere als verbreitet.

Jedenfalls wird, wer sein eigenes Denken achtsam beobachtet, zu der Überzeugung gelangen, dass die Dinge nichts anderes sind, als die (eigenen) Gedanken daran. Und zu beobachten ist, dass sich die Dinge mit den Gedanken wandeln – von Augenblick zu Augenblick. Die Gedanken an die Dinge wandeln sich im Verlauf, und ebenso müssen sich die Gedanken an Dinge von Individuum zu Individuum unterscheiden.

Dies ist die Achtsamkeit, die ich mindestens für erforderlich halte. Erst mit ihr ausgestattet kann sich die Frage nach den Dingen „an sich“ als sinnvoll erweisen. Es ist die Frage: Was sind die Dinge jenseits des Denkens?

Dass sich, auf diese Weise, die Aussagen des Materialismus als nur in einem Spezialfall als sinnvoll erweisen, sozusagen als das Fortschreiten des Denkens in ein spezielles Denkuniversum hinein, das gleichsam von unendlich vielen anderen möglichen Denkuniversen wie abgeschnitten ist – diese Aussage muss der Spirealismus einfach treffen, ohne hierfür eine Erklärung im materialistischen Sinn abgeben zu können. Der Sinn einer solchen Aussage liegt schlicht darin, dass dies die Realität der Denkwelten, sofern man sie wie gesagt überhaupt beobachten kann, am allerbesten beschreibt.

In einem materialistischen Sinn muss diese Aussage keinen Sinn machen, besser gesagt: kann sie keinen Sinn machen, da die Aussage dem Materialismus zutiefst widerspricht. Und die geliebte Frage nach der Objektivität (insgeheim: nach der Relevanz) all dessen muss unter den Tisch fallen.

Wie schon des Öfteren formuliere ich auch an dieser Stelle, um das Enden der materialistischen Kausalkette in einem irrationalen Nichts zu zeigen: Die göttliche Erschaffung der Welt in sieben Tagen unterscheidet sich nicht grundlegend von der Annahme, die Welt sei vor 14 Milliarden Jahren in einem lautlosen Knall ins Entstehen gekommen.

Bilden wir eine Mischform: Gott erschuf die Erde in einem lautlosen Knall, der vor 14 Milliarden Jahren stattfand. Dieser Vorgang dauerte nicht sieben Tage, sondern eine Milliardstel Sekunde. Auch das klingt plausibel.

Beides sind Begriffe für einen unbegreiflichen Vorgang. Und wenn ich unbegreiflich sage, dann meine ich, dass es in einem objektiven Sinn hierfür kein Begreifen geben kann – man könnte auch von Irrationalität sprechen. In einem subjektiven Sinn hingegen ist sehr wohl eine Aussage zu treffen, und das ist es auch, was wir tun, wenn wir von der göttlichen Erschaffung der Welt reden, oder aber vom Urknall. Es ist jeweils ein Griff in die Trickkiste der Unendlichkeit, innerhalb derer alles Sein und Werden haben kann.

Nicht-objektiv ist nicht irrelevant

Dass etwas Nicht-Objektives gleichzeitig sehr relevant sein kann, erschließt sich wiederum erst aus der spirealistischen Sicht. Denn für den Spirealismus ist es völlig natürlich zu denken, dass die subjektiven Welten die allerhöchste Relevanz besitzen. Objektivität gibt es schließlich nicht.

Überprüfbar ist das sofort:

Welche Realität hat die größte Relevanz für das Individuum? Die eigene. Ist das „die“ (eine) Realität? Nein.

Welche Realität hat die größte Relevanz für eine Gruppe von Individuen? Die der Gruppe. Ist das „die“ (eine) Realität? Nein.

Welche Realität hat die größte Relevanz für die Menschheit? Die der Menschheit. Ist das „die“ (eine) Realität? Wieder: Nein.

 

Subjektiv ist nicht irrelevant. Sondern subjektiv – das ist das uns Bekannte. Was könnte höhere Relevanz haben als das uns Bekannte, während das uns Unbekannte ungedacht und unbenannt bleiben muss?

Nichts ist objektiv bedeutet: alles ist subjektiv. Subjektivität wird nicht durch mehrfach ähnliche Gedanken zu Objektivität, sondern zu Supersubjektivität.

der Nachweis

Wie also könnte der Nachweis des Spirealismus aussehen?

Zunächst: Was wäre nachzuweisen? Es wäre nachzuweisen, dass unsere Gedanken von den Dingen die Dinge selbst sind. Dass es also keine „existierende“ Außenwelt gibt, die von den Gedanken getrennt wäre, sondern dass die Gedanken, ohne (von uns) bestimmbaren Grund, die Dinge erzeugen. Und … der Begriff „die Gedanken“ … das wäre wohlgemerkt nicht materialistisch zu verstehen, als Gedanken die ausgehen von Köpfen. Sondern das wären Gedanken kosmisch-unbestimmten Ursprungs; wertneutral: Informationen, die die materielle Welt erzeugen.

Wenn ich am Anfang sagte, dass der objektive Nachweis nicht gelingen kann, weil es keine Objektivität gibt, will ich es hier wiederholen. Wie sollte der Nachweis einer fehlenden materiellen Außenwelt gelingen, wenn die Vorstellung einer Welt stets die Welt selbst ist? Anders gesagt: Was auch immer wir uns vorstellen – innerhalb der Eckpfeiler unserer Vorstellungen müssen wir „richtig“ und „falsch“ definieren – darüber hinaus können wir nicht. „Richtig“ und „falsch“ wiederum haben in einem Kosmos unbegrenzter Möglichkeiten keine Notwendigkeit, und stehen in keiner Weise singulär für sich. Sondern „richtig“ und „falsch“ sind wiederum Möglichkeiten innerhalb eines semantisch definierten Begriffsraumes.

der Beweis des Nicht-Existenten

Den spirealistischen Kosmos der unbegrenzten Möglichkeiten kann man nicht nachweisen, weil er sich in seiner unendlichen Form nicht zeigen oder nachweisen lässt. Wir selbst sind begrenzt. Und der Kosmos der unendlichen Möglichkeiten ist unbegrenzt und somit undefiniert, man könnte auch sagen, dass er für uns, die wir endlich sind, nicht existiert. Existenz hingegen ist für uns das Definierte, und zwar definiert in unseren Vorstellungen.

Im materialistischen Sinn „zeigen“ lässt sich nur, was in unseren Vorstellungen ist; somit ist das Unbegrenzte nicht zeigbar, da unsere Vorstellungen per se begrenzt sind. Und der eigentlich wissenschaftliche Nachweis wäre etwas, das in unseren Vorstellungen ist, und sich in ähnlicher Form in Vielem findet. Man könnte auch sagen: die gemeinsamen Phantasien vieler Menschen sind die Realität der Gruppe.

Wie soll also der „realistische“ Beweis für etwas aussehen, das außerhalb der Realität (der Gruppe) ist? Es ist die Vorstellung des Materialismus, wie ein Beweis auszusehen habe, die einen Beweis des jenseits des Materialismus Liegenden verhindert. Der Materialismus beweist sich selbst in einer Endlosschleife – eine letztlich nichtssagende Tautologie. Der Materialist muss einen Beweis, der ihn fordert die Grenzen des materialistischen Denkens zu überschreiten, als unwirksam ansehen.

Ich formulierte übrigens „sich in Vielem findet“, und nicht in Vielen (Menschen), weil ja die Vorstellung des Spirealismus von einem Information erzeugenden Kosmos der eines Kontinuums aus Geist ist, der quasi stufenlos von uns fremden Gedanken zu menschlichen Gedanken übergeht. Das Urteil des Menschen über das Universum bleibt eine Möglichkeit, aber nur die Möglichkeit seiner Vorstellungen. Insofern wäre es falsch, die Vorstellungen der Menschen in irgendeiner Form objektivieren zu wollen, indem man sie ablöst von Vorstellungen des uns umgebenden geistigen Universums – man käme damit auf das materialistische Weltbild zurück, demzufolge die Vorstellungen vieler Menschen objektiv sind, die Vorstellungen des Einzelnen hingegen nicht. Die Vorstellungen vieler Menschen nennt der Spirealismus „supersubjektiv“ – sie bleiben eine subjektive Vorstellung.

 

Ich unterscheide, auch das sei noch hinzugesetzt, zwischen Universum und KosmosUniversum nenne ich den Begriffsraum unserer Vorstellungen, und gehe davon aus, dass es viele Universen gibt oder geben kann. Kosmos nenne ich die Notwendigkeit, dass es eine Ordnung der Begriffe aus sich selbst heraus geben muss – als Synonym für Bewusstsein.

Eine Ordnung der Begriffe aus sich selbst heraus … die es geben muss? Warum muss? Kann es nicht eine Ordnung von Begriffen, oder auch Dingen, jenseits von Bewusstsein geben, so wie es sich der Materialismus vorstellt? Die halb scherzhafte Antwort lautet: Nicht dass ich wüsste! Womit gesagt sein soll: Das Wissen, somit das Bewusstsein, ist die Voraussetzung für jede Frage die wir stellen, und jede Antwort die wir finden können.

Wenn man so will ist ein Kosmos die Voraussetzung des Entstehens von Universen. Vielleicht ist das auch der Sinn, in dem der Begriff Kosmos im antiken Griechenland gebraucht wurde, denn Kosmos heißt ja „Ordnung“.

Die materielle Außenwelt versus die Welt der zehntausend Namen

David Hume (1711-1776)  formulierte, dass sich eine materielle Außenwelt nicht durch rationale Begründungen nachweisen lasse. Dennoch könne der Mensch nicht umhin, an die Existenz der Außenwelt zu glauben.

Seine Formulierung legt nahe, dass es sich beim materialistischen Weltbild um einen Glauben handelt – was exakt die Formulierung der spirealistischen Sichtweise ist. Und man kann sagen, dass, wenn es sich also um einen Glauben handelt, es andererseits auch keinen besonderen Grund gibt, diesen Glauben auf Biegen oder Brechen beizubehalten. Sondern man könnte sich, insbesondere als Gläubiger des materialistischen Weltbildes, vorstellen, das Weltbild zu wechseln, anders gesagt: sich einen anderen Glauben „zuzulegen“. Einfach etwas anderes glauben! Denn das Denken (Glauben) geht ja vom menschlichen Kopf aus … und … sind denn die Gedanken nicht frei?

Doch an dieser Stelle sehen wir wieder sehr deutlich die Macht der Gedanken – sie sind keineswegs frei, und, sich einen anderen Glauben „zuzulegen“ ist keineswegs einfach. Ich komme insofern auf den weiter oben formulierten Satz über Klosterschüler des Zen-Buddhismus zurück – es ist eine Mühe, einen alten Glauben abzulegen und einen neuen zu gewinnen. Es hat auch etwas zu tun mit der ebenfalls bereits formulierten Tatsache, dass die gemeinsamen Phantasien vieler Menschen die Realität der Gruppe sind. Da die Realität der Gruppe quasi die sog. Realität selbst ist, der sich jeder Mensch geistig zuordnen will und muss, ist es alles andere als leicht, diese Realität zu verlassen. Das wahrscheinlichste Szenario, dass dies gelingen könnte, wäre, dass sich die Realität der Gruppe änderte (was ja ohnehin stets und ständig geschieht).

Ich hatte gesagt, dass sich der Spirealismus nicht beweisen lässt, indem man sagen kann, „Siehe, dort sind ist der Kosmos der unbegrenzten Möglichkeiten“. Jedoch, dass der Gedanke im oben genannten Sinne fest wird, indem er sich in ähnlicher Form in Vielem findet, indem die Realität der Gruppe „die Realität“ ist, das ist ein Beweis für den Spirealismus. Viele Beweise ähnlicher Art ließen sich finden und ich habe versucht sie auf diesem Blog zusammenzutragen.

Ausgangspunkt ist immer die Überlegung, dass Welten entstehen können, ohne dass das materialistische Weltmodell bemüht werden muss – was wiederum deutlich jenseits des materialistischen Weltbildes und seines Selbstbeweises liegt. Wenn man aber verstanden hat, dass das materialistische Weltbild keinen Imperativ darstellt, dann wird man bemerken, dass ein Weltmodell jenseits des materialistischen schlüssiger ist.

Was also sind weitere Beweise? Die Paradoxie unserer materialistischen Vorstellung vom Nichts beispielsweise, oder der Unendlichkeit. Oder unser ewiges Uns-selbst-für-den-Mittelpunkt-des-Universums-Halten, und zwar nicht nur in räumlicher Hinsicht, sondern auch in geistig-intellektueller Hinsicht. Beweise sind auch offensichtlich paradoxe Annahmen  zu Realität und Objektivität, wie z.B. hier formuliert.

Die erwähnten materialistisch-paradoxen Annahmen zu Nichts und Unendlichkeit finden sich wieder in paradoxen Annahmen zum äußerlichen Universum (gemeint ist jenes Universum „mit den Sternen darin“). Gemeint ist zum Beispiel die Frage nach den Grenzen des äußerlichen Universums. Ist das Überschreiten (nicht vorhandener) Grenzen möglich?

Wenn, wie der Spirealismus meint, die Natur der Dinge semantisch sei, und, ebenso wie die Sprache, je nach Stellung der Begriffe zueinander Sinn und Form verändert, dann ist das Untersuchen der Worte als ein Synonym für unsere Vorstellungen ein Beweis für den Spirealismus. Und zwar dann, wenn diese Untersuchung ergibt, dass die Worte, ihre Verwendung sowie ihre vorgestellten Einschränkungen oder Erweiterungen, unser Weltbild und unser Begreifen der Dinge, formen. Derlei Beispiele habe ich auf diesen Seiten einige niedergelegt, und im Prinzip läuft alle Beschäftigung mit Sprache darauf hinaus … Konkret kann ich, um beim genannten Beispiel des Universums zu bleiben, unsere Vorstellung von einem Weltall benennen, das doch Alles enthalten soll, und das sich gleichzeitig dem Verständnis unter diesem Aspekt, nämlich Alles zu sein, entzieht. Ist Alles unendlich? Alles, das finden wir, liegt außerhalb unserer Vorstellungen. Und Alles hat auch keine Grenzen – warum? Der Spirealismus sagt: Weil Bewusstsein Alles generiert. Der Materialismus hingegen sagt das nicht – und bleibt eben deshalb paradox und unverständlich. Er bleibt artig innerhalb des ewigen Selbstbeweis-Kreislaufes und kann, wie es scheint, sehr gut mit der eigenen Widersprüchlichkeit leben.

Die vorgenannte Paradoxie lässt sich überleiten zu der prinzipiellen Frage nach Teil und Ganzem … lässt sich das Universum aufsummieren, als die Summe aller Masse / aller Dinge in ihm? Die ständige Annahme des Materialismus ist ja, dass das Ganze eine festgelegte Anzahl an Teilen in sich haben müsse (die wir, paradox genug, selbst definieren können), denken wir an den Begriff „Atom„, oder umgekehrt, dass eine Summe von Teilen ein Ganzes ergäbe, in einer Art fester, vom Bewusstsein abgekoppelter, mathematischer Formel. Ich hatte hier des Öfteren das Paradox von Englands Küste erwähnt, das uns das Gegenteil zeigt, und das ebenfalls ein Beweis für den Spirealismus ist.

In Gott würfelt nicht? hatte ich über die Annahme nachgedacht, dass Kausalität materialistisch gesehen außerhalb von Bewusstsein existiert – also objektiv sei, obwohl doch jede Kausalität die wir kennen nur auf den Begriffen basiert, die wir Menschen haben, die wiederum nicht objektiv sind. Und dass, zumindest aus spirealistischer Sicht verständlich und beobachtbar, Kausalität, als Quelle und gleichzeitig abhängige Funktion unserer Kenntnis dessen was „es gibt“, einem stetigen Wandel unterliegt. Und sich daher auch die Vergangenheit ständig wandelt.

Beweise sind auch durchaus die Erkenntnisse der materialistischen Naturwissenschaft, die beispielsweise nahelegen, dass kleine Teilchen sich unserem Bewusstsein entsprechend verhalten und formen, oder, dass es Farben nicht im eigentlichen Sinn im Außen gibt (Optik), sondern, dass sie sich im Geiste bilden. Ich erinnere mich beispielsweise an die Lektüre des Buches QED: Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie, in der der Autor recht eindrucksvoll erklärt, wie Licht und Farben einerseits gut berechenbar und nutzbar sind, wie unlogisch jedoch letztlich die dazugehörigen Theorien sind (gemeint ist unsere Vorstellung von Augen, die Lichtteilchen aufnehmen, welche vorher wie Bälle von im Außen liegenden Objekten abgeprallt sind).

All die Theorien des Materialismus sind letztlich Stückwerk, und passen am Ende nicht zusammen. Warum ist das so? Der Spirealismus sagt: Weil ein Zusammenpassen für das, was wir am Ende „die Realität“ nennen, gar nicht nötig ist!

DAS ist der Grund, warum ich die Aussage Humes ablehne. Nein, man muss keineswegs an die Existenz einer materiellen Außenwelt glauben! Man kann offensichtlich an vieles glauben, im subjektiven wie im supersubjektiven Sinn – das tut der Wirklichkeit der Realität, und auch ihrer Funktionalität, überhaupt keinen Abbruch.

Ich denke, dass das, was der Autor von „Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie“ darlegt, sich dem aufmerksamen Geist in letztlich jeder Gestalt, jedem Ding, zeigt. Oder besser: zeigen könnte. Ich komme insofern wieder auf diese notwendige Ressource des Verstehens zurück: Spiritualität. Wer nicht denken kann, dass der Gedanke selbst die Ursache aller Erscheinungen ist, oder wer schon die Frage nach der Ursächlichkeit nicht versteht und die Möglichkeit des Primats der Gedanken nicht in Erwägung ziehen kann, der wird auch den nächsten Schritt nicht tun können. Insofern möchte ich dem Humeschen Postulat, dass sich eine materielle Außenwelt zwar nicht durch rationale Begründungen nachweisen ließe, man dennoch nicht umhin komme an sie zu glauben, ein Demokrit-Zitat gegenüberstellen: „Kein Phänomen kann ein Kriterium sein, weil Phänomene nicht existieren.“

Ganz offensichtlich kann beides eine gültige und wirksame Realität sein. Die Demokritsche Realität und die Humesche. Die Welt der zehntausend Namen und die Welt des materiellen Außen.  Und, weil beides die Realität sein kann, ist die spirealistische Weltsicht wahrer als die materialistische, denn sie schließt die Selbstverständlichkeit vieler Realitäten ein.

Nachweis des Spirealismus was last modified: Januar 21st, 2018 by Henrik Geyer